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Autor Thema: Kapitel 1 Der Klang des Waldes  (Gelesen 21869 mal)

Beschreibung: Das Geheimnis der Krähen

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Lhósson

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Kapitel 1 Der Klang des Waldes
« am: 31.03.2013, 23:00:06 »


„Arr. Arr.“ ertönt der Ruf einer Krähe. Sie sitzt hoch oben auf den abgestorbenen Ästen einer Tanne. Der Winter ist schon lange vorbei und ihr Blick wandert über das dunkelgrüne Meer aus Nadelbäumen. Aller Schnee ist jedoch noch nicht verschwunden. Ihre schwarzen scharfen Augen erkennen an den Berghängen noch so manchen Fleck weißen kalten Schnee.
Ein Beben lässt den Baum plötzlich erzittern. „ARK! ARK! ARK!“ schimpft die Krähe und flattert mit den Flügeln. Wieder erzittert der Baum und noch eindringlicher wird das Geschrei des Vogels. Unten am Stamm lässt niemand sich vom Zetern und Schimpfen des Vogels stören. Der gut eingepackte Mensch schlägt weiter mit der Axt gegen den alten Baum. Auch an einigen anderen Bäumen in der nähe arbeiten Menschen. Einige von ihnen sind hoch konzentriert und andere singen im Takt ihrer Äxte munter ein Lied.
Für die Menschen beginnt jetzt wieder die Zeit der Arbeit. Über den Winter hinweg mussten ihre Äxte ruhen, doch nun sind die Pässe wieder frei und die Vorräte in den Holzlagern erschöpft. Auch hungern die großen Städte des Reiches nach Holz. Besonders der Norden braucht dieses Material, welches hier in Hülle und Fülle wächst.
Knarrend stürzt der erste Baum zu Boden gefolgt von vielen Anderen. Auch der Baum der Krähe liegt danieder. Sie selbst zetert weiter vom Himmel hinunter. Die Kreise die sie zieht werden jedoch größer. Es gibt genug Bäume hier und auch der Hunger der Menschen nach Holz kann den großen Wald des Westens nichts anhaben.
Aber nicht nur dieses Wissen treibt die Krähe an weiter zu fliegen. Sie hat es gespürt! Sie hat die dummen Menschen gewarnt! Aber sie hörten nicht und nun ist der Wald wieder still.



Das sanfte Spiel eines jungen Burschen auf einer Flöte erfüllt den Raum. Der alte Fürst Rocho hat sich auf seinen Lieblingsplatz zurückgezogen. Mit geschlossenen Augen sitzt er auf den großen alten Holzstuhl nahe des Kamins. Von der wunderbaren Schnitzarbeit des Stuhls kann nur wenig erahnt werden. Über die Lehnen sind einige immer noch prächtige braune Fälle gelegt, so dass die alten Knochen des Fürsten wohl ruhen können. Bedächtig lauscht er dem Spiel der Flöte. Dass das Feuer im Kamin im Klang der Flöte zu tanzen scheint so wie der Bursche auch, bekommt er nicht mit. Für ihn zählt das auch nicht wirklich etwas.
Zeit seines Lebens hatte er gelernt, dass jeder fähig, ist Unfähigkeit und andere negative Eigenschaften zu verschleiern. Sei es im Kampf oder wie hier im Spiel eines Instrumentes. Von daher hatte er sich angewöhnt, Musik nur zu lauschen. Die Darbietung interessierte ihn erst wenn der Künstler es geschafft hatte sein Gehör zu überzeugen.
Ein paar kalte Schweißperlen rannen dem Burschen über das Gesicht, als er bemerkte, dass der Fürst die Augen geschlossen hatte. Für ihn war es das erste mal, dass er einem Fürsten vorspielen durfte. Gut bei Fürst Rocho war es recht einfach vorspielen zu dürfen, besonders jetzt im Frühling, aber für ihn, einem Köhlerburschen, war es schon eine Ehre. Außerdem, wenn der Fürst ihn fördern würde, könnt er mit dem Geld nicht nur weiter Flöte üben. Er könnte auch seine Familie unterstützen. Denn das Geld, welches seine Familie für Holzkohle bekam, wurde in den letzten Jahren immer weniger.
Die Eigenart des Fürsten kannte der Bursche ja nicht und so musste er denken, dass der Fürst gelangweilt war. Panik stieg in ihm auf und sein Spiel verlor an Kraft und Schwung. Dabei war es bis jetzt mehr als passabel. Aufgeben wollte er jedoch nicht. Wie gewohnt hüpfte er auf das andere barfüßige Bein und spielte wieder stärker. Er tanzte jedoch nicht weiter auf diesem Bein herum, sondern begann wie ein Faun von einem Bein auf das andere Bein zu hüpfen. Seine Töne blieben stark. Doch konnten nun die Wachen, die Diener und auch die kleine andere Zuhörerin die Nervosität des Burschen deutlich sehen.
Dann geschah was passieren musste. Der Bursche erwischte beim rumhüpfen eine Fuge zwischen den Steinen des Bodens unglücklich. Dieser kleine Stopp sorgte dafür, dass er nicht richtig landen konnte. Abrupt endete das Spiel der Flöte.

Hölzern klang die Flöte, als sie auf den Steinen landete. Der Bursche blickte versteinert auf den Kamin und den Fürsten. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Er war sehr unglücklich aufgekommen und hatte sich so den Fuß gezerrt. Schmerzhaft, doch mehr als das schmerzte ihm wohl die Schande vor den Fürsten versagt zu haben. Denn er bewegte sich nicht.
„Bedauerlich. Schon zu ende Daniel aus Waldau?“ fragte der Fürst immer noch mit geschlossenen Augen. Er hatte nicht mitbekommen was passiert war. „Nun denn. Dann müssen wir mit dem wenig gespielten urteilen.“ Auf diesen Worte des Fürsten zuckte der Bursche innerlich. Nicht mehr viel und Tränen würden sich mit dem Schweiß mischen. „Meine liebe Mystral, was ist deine Meinung zu dem Spiel des jungen Burschen? Vollkommen überzeugt hat es uns nicht.“ Das Schlucken des Burschen nach diesen nicht tadelnd gesprochenen Worten war fast zu hören. Mehr ruckelnd als normal wanderte sein Blick auf den kleinen Schemel auf der anderen Seite des Kamins. Hier saß ein kleines geflügeltes Wesen.
So schöne Kleider hatte der Junge noch nie gesehen und wohl auch noch kein solches Wesen. Doch wusste er wer sie war. Sie war die Prima Musika des Fürsten, die Frau welche dem Fürsten bei der Auswahl von jungen Musikern helfen durfte, die Frau von welcher viele der anderen Musiker ehrfürchtig sprachen.
Während der Fürst auf die Meinung seiner Prima wartete, begann der Bursche zu zittern. Er konnte wohl nicht mehr stehen. Doch die Diener hatten ihn zu sehr eingebläut vor dem Fürsten gerade zu stehen. Dumm in dieser Situation. Ein in dunkelrote Gewänder gehüllter junger Diener eilte zu dem Burschen. Seine Stoffschuhe waren kaum auf den Steinen zu hören und so erreichte er fast lautlos den Burschen. Dieser zuckte als der Diener ihn am Arm griff. Doch als er merkte, dass der Diener ihn nur stützte, entspannte er sich wieder und blickte zurück auf das geflügelte Wesen. Wenigstens sein körperlicher Schmerz war nun etwas gelindert.
« Letzte Änderung: 31.03.2013, 23:19:10 von Lhósson »

Mystral Wolkenglanz

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Kapitel 1 Der Klang des Waldes
« Antwort #1 am: 01.04.2013, 20:38:17 »
Mystral blickte dem Jungen in die Augen und lächelte versonnen. Im Gegensatz zu ihrem Fürsten hatte sie den Jungen beobachtet, gesehen wie er sich trotz seiner Sprünge auf sein Lied konzentrieren konnte, und auch die Bewegungen des Feuers waren ihr nicht verborgen geblieben. Wer weiß, vielleicht hatte er sogar ein wenig Talent dazu, die Magie der Musik zu wecken? Er war ein Köhlerssohn, wieso also sollte seine Musik nicht auch dem Feuer nahestehen? Dennoch, er war offensichtlich erst ein Anfänger.

Die junge Mephling saß auf einem bequemen Stuhl, die Beine untergeschlagen, gehüllt in ein raschelndes, schweres Seidenkleid von himmelblauer Farbe, verziert mit Rüschen und mit einem nicht gerade hochgeschlossenen Ausschnitt, ihre Flügel locker um sich geschlungen, ihr hellhäutiges Gesicht verborgen von einer ebenfalls hellblauen Maske, welche mit Federn verziert war. Sie selbst fühlte das Gewicht dieser ganzen Rüschen und anderer Dinge nicht, und das hatte seinen guten Grund, denn dieses wundervolle Kleid war garnicht real. Der Fürst hatte in seiner Waffenkammer einen kleinen Brustpanzer gefunden, wie gemacht für Wesen ihrer Größe, und wie sich bald herausstellte, war er leicht und mit zahlreichen Zaubern versehen, darunter auch einer, mit dem er sich in zahlreiche Gewänder verwandeln konnte.

Das Lächeln auf ihren Lippen sank ein bischen, als ihr Blick hinab auf die Flöte fiel. Ein kurzes Zupfen an ihrer Harfe, und die Flöte begann wie von Geisterhand zu schweben und vor der Nase des jungen Köhlers zu baumeln. "Ich denke.." meinte sie dann, ihre Stimme seltsam hauchend und doch irgendwie amüsiert klingend. "Ein paar Schuhe würden seinem Vortrag gut tun. Und etwas Respekt vor seinem Instrument, es einfach so herumliegen lassen.. Doch ansonsten hat es Potential. Mehr aber nicht. Ich denke, eine Chance hat er verdient, mein Fürst." Hierbei betonte sie das 'eine', denn was in ihren Augen ein echter Barde ist, dem genügte diese auch.
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Lhósson

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« Antwort #2 am: 02.04.2013, 15:31:44 »
Mit zittriger Hand nahm der Bursche die Flöte aus der Luft. Er lauschte den Worten von Mystral und so wie durch den Diener hatte Mystral es geschafft ihm ein weiteres Stückchen an Last zu nehmen. Sein Blick wanderte zurück zum Fürsten. Dieser schwieg.
Es dauerte wohl für den Burschen eine halbe Ewigkeit, bis die Stimme des Fürsten erneut erklang. „So sei. Ihr habt die Prima gehört. Er soll gefördert werden. Veranlasst alles nötige.“ Er klatschte in die Hände und öffnete nun endlich die Augen.
Der Diener neben dem Burschen erwiderte sofort „Sehr wohl mein Fürst.“ Der Bursche selbst war mehr als erleichtert über die Antwort des Fürsten. Er wollte gerade zum Dank ansetzen, als der Diener sich Verbeugte und ihn auch in eine Verbeugung zwang. Leise tauschte der Diener ein paar Worte mit dem Burschen und führte ihn dann ab. Der Bursche humpelte leicht, was nun auch dem Fürsten auffiel. Fragend blickte er den beiden jungen nach. Als sie durch eine der vier Türen des Kaminzimmers verschwunden waren, blickte der Fürst zu Mystral. „Wir dachten er hatte nicht gehumpelt als er hinein kam, oder?“ fragte er zu Mystral doch lies er ihr keine Zeit zum Antworten. „Der Abend ist noch jung und nach dieser kurzen Vorstellung darf sich noch ein Musiker vorstellen. Danach könntest du uns eine Geschichte erzählen.“ Der Fürst klatschte in die Hände und die Tür am anderen Ende des Zimmer sprang auf.

Doch es war nicht der nächste Musiker, jedenfalls sah er nicht so aus. Durch die Tür trat eine stattliche Frau mit zu einem Zopf gebundenen schwarzen Haaren. Sie trug kein Kleid oder ähnliches, sondern ein matt blauen langen Wappenrock. Das Wappen auf ihrer Brust zeigte einen Baum auf silbernen Grund mit blauen Wellen zu Füßen des Baumes. Somit war es klar von wo diese Frau kam. Sie musste aus Walburg kommen. Einer Burg an der südlichen Grenze des Fürstentums. Der Herr der Burg war ein Alter Ritter mit dem Namen Sir Taris. Mystral hatte ihn beim letzten Fest kurz kennen gelernt. Viele Worte hatten sie nicht gewechselt.
Die Frau steuerte direkt auf den Kamin zu. Gefolgt von einen Diener der auf sie einzureden schien. Der Fürst verfolgte schweigend die Szene. Er machte sich keine Mühe durch den Raum zu rufen sondern wartete geduldig ab bis die Frau die angebrachten sechs Schritte vor ihm stehen bleib und auf die Knie ging.

„Im Namen von Sir Taris grüße ich euch Fürst Rocho. Ich bin der Herold des Sirs und bringe dringende Botschaft aus dem Süden eures Landes.“ sagte sie mit einer für eine Frau etwas zu kräftigen Stimme. Der Fürst blickte die Frau leicht fragend an. Er wollte wohl auch wissen, welche Angelegenheit so wichtig war, dass sie nicht bis nach der Musikstunde warten könnte. „Nun denn, was führt euch zu uns?“ fragte er und verschränkte die Hände in einander.
„Mein Fürst, …“ begann die Frau zu sprechen „...Sir Taris ist schwer erkrankt. Unsere Heiler versuchen ihr möglichstes, doch wissen sie nicht was ihn plagt. Auch scheint etwas im Dorf Waldau vor zu gehen. Wir haben den Kontakt zum Dorf verloren und keiner der Boten, welche wir ausgeschickt hatten, war zurück gekommen. Untertänigst erbitten wir euren Rat und eure Hilfe.“  Die Frau schwieg. Ihr Blick war fest auf den Fürsten gerichtet.
Dieser begann mit der Linken über die Finger der Rechten zu streichen. Die Frau hatte seltsame Nachrichten aus dem Süden gebracht. Seltsame und auch beunruhigende. Im Süden grenzte das Fürstengebiet an das Land der Magier, einem alten Herzogtum, welches sich nach dem letzten Krieg abgespalten hatte. Vielleicht hatten ja die Magier ihre Finger im Spiel.

„Wir verstehen. Wir werden euch gleich Morgen früh Unterstützung senden.“ der Fürst blickte bei diesen Worten zu Mystral. „Was haltet ihr von der Situation, meine Prima.“ In diesen Worten schwang eindeutig die Frage mit, ob Mystral nicht Interesse daran hätte, sich der Angelegenheit anzunehmen. Er hatte eh schon mit Mystral darüber gesprochen, dass er sie gerne auf Reisen schicken würde. Zuerst in seinem Fürstentum und dann in anderen Ländern.

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Kapitel 1 Der Klang des Waldes
« Antwort #3 am: 03.04.2013, 12:12:49 »
Mystral legte einen Finger an ihre Lippen und kräuselte ihre Stirn. "Das klingt mysteriös und gefährlich, mein Fürst." meinte sie dann lächelnd, während in ihren Augen Abenteuerlust aufblitzte. Wie schon so oft, genoß sie zwar den Luxus, der sie hier am Hofe umgab, so bescheiden er sich auch ausmachte, aber ein wenig Abwechslung konnte nicht schaden. Um so angenehmer würde ihr die Rückkehr zum Hofe vorkommen, und wer weiß, was da geschah. Und sie hatte wenig Furcht, dass sie im Notfall dem Ärger im Wald davonfliegen konnte. "Ich bin keine Waldläuferin, aber ich war schon immer der Meinung, ein wenig Musik kann viel erreichen. Wenn es euch gefällt, und ihr eine Weile auf meine Musik verzichten wollt, würde ich mich über einen kleinen Waldspaziergang sehr freuen."
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Lhósson

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« Antwort #4 am: 03.04.2013, 16:39:54 »
Die Frau blickte beim Wort Waldspaziergang grimmig drein und der Fürst nickte derweil bedächtig. Da seine Tochter, die eigentliche Herrin des Fürstentums, seit der Rückkehr des Fürsten in der Hauptstadt beschäftigt war, übernahm der alte Fürst die Amtsgeschäfte. Meistens ging es dabei um Bitten der Bauern aber auch um die Vorbereitungen für den Abbau des Okersteines sowie für die Holzsession. Was Mystral dabei mitbekommen hatte war, dass die Region  um Walburg ein Zentrales Gebiet der Holzproduktion war.
„So sei es.“ sagte er schlussendlich. „Wir werden unsere Prima sicher missen doch wird sie zu Gunsten der Moral im Süden gebraucht. Herold! Morgen brecht ihr mit sechs Kriegern dieser Burg nach Süden auf. Ein Schreiben wird aus Rochburg zehn weitere Krieger hinzufügen. Außerdem wird einer meiner Leibheiler euch begleiten und in Walburg für Sir Taris sein bestes tun. Ihr könnt euch nun entfernen.“ Kaum gesagt verschwand auch schon ein weiterer Diener aus dem Raum. Er machte sich wohl auf das Schreiben vorzubereiten. Die Frau vor dem Fürsten nickte. „Im Namen von Sir Taris danke ich euch, mein Fürst.“ Sie stand auf und verließ den Raum.

Eine Stille herrschte nun im Zimmer. Der Fürst schien zu überlegen und der letzte Diener schien nicht zu wissen ob er nun den nächsten Musiker Einlass gewähren soll oder nicht.

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« Antwort #5 am: 05.04.2013, 00:56:06 »
Mystral winkte dem Diener kurz zu und lächelte vergnügt, in Gedanken schon ihre Sachen packend und sich auf die staubige Straße begebend. Oh ja, sie würde das genießen, daran hatte sie keinen Zweifel. Dann blickte sie zu dem Fürsten und schwieg, stattdessen ihre Harfe zurecht legend begann sie auf jener eine leise, aber fröhliche Melodie zu spielen, eine Interpretation eines Wanderslieds aus ihrer Heimat, nichts sehr aufwendiges. Halb um sich selbst einzustimmen, halb um die Stille zu füllen, denn sie wusste, dass ihr Fürst eigentlich nicht gerne beim Grübeln gestört würde.

Ja, es war Zeit, dass ihr Ruhm über die Palastmauern hinauswuchs. Sie war bekannt als meisterhafte Musikerin und gute Rednerin bei Hofe, aber sie vermisste die beeindruckten Blicke des einfachen Volkes. Sie würde wohl kaum als Unbekannte viel erreichen, und sie hatte sehr viel vor. Sie wusste zwar noch nicht, wie sie es anstellen würde, und wo genau sie enden würde, aber wie immer lies sie sich eh lieber wie ein Blatt in einer Brise treiben. So hing Mystral ihren eigenen Gedanken nach, wo sie zuerst vor bewundernden Mengen stand, dann auf dem Thron des Fürsten und zuletzt vor knienden Menschen zu hunderten als Halbgöttin.. wieso nicht gleich als Göttin? Hier gabs ja eh keine richtigen. Kurz gesagt, sie hatte einen akuten Anfall von Größenwahn, der aber rasch wieder vorbeiging. Eines nach dem anderen, und immer Spaß dabei haben, das war das wichtigste.
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« Antwort #6 am: 06.04.2013, 13:40:56 »
Ja, die Fantasie treibt oft seltsame Blüten doch in dieser Welt schien ja alles möglich zu sein.

Das passende Harfenspiel von Mystral lockerte den Fürsten leicht, aber die Gedanken waren wohl zu schwer. So schwieg er weiterhin. So verging eine lange Zeit, so viel dass das Feuerholz nachgelegt werden musste. Der letzte Diener hatte während dieser Wartezeit den letzten Musiker vertröstet. Ab und zu kam dies schon vor. Schließlich war die Laune eines Fürsten nicht konstant. Der Bursche von eben hatte so beispielsweise schon eine Woche in der Burg auf seine Vorspielmöglichkeit gewartet.

Irgendwann stand der Fürst auf und blickte zu Mystral. „Wir werden uns zurück ziehen. Mystral,  dir unterstelle ich unseren fähigsten Soldaten und einen Diener. Sie werden auf dich aufpassen und für dein Wohl sorgen. Bereite du dich gut auf diese Reise vor.“ Er nickte seiner Prima zu und verließ das Zimmer. Mit ihm verließen der letzte Diener und die meisten der Wachen den Raum. So wie der Fürst aussah, würde er wohl noch einige Zeit über das nachdenken, was ihn gerade beschäftigt hatte.
Mystral blieb aber nicht lange alleine im Kaminzimmer zurück. Ein Diener kam zurück. Er verneigte sich vor Mystral und fragte sie „Werte Prima, wünscht ihr etwas?“[1]
 1. wenn nein würde ich zum nächsten Morgen springen

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« Antwort #7 am: 06.04.2013, 15:02:19 »
Mystral lächelte gut gelaunt und stand von ihrem Platz auf, sich ein bischen streckend und einige Momente mit den Flügeln schlagend, dass sie kurz vom Boden abhob. Das viele herumgesitze bekam ihr eindeutig wirklich nicht gut. "Ist denn der Flötenspieler von eben noch am Hof? Falls ja, würd ich ihn gerne besuchen und ein bischen mit ihm plaudern. Bring mich zu ihm, ich bin mir sicher, er ist noch so aufgeregt, dass er nicht schläft." sie kichert leise dabei und winkt, sich konzentrierend. Ihre Rüstung nahm ihre Gedanken auf und ihre Kleidung verformte sich leise raschelnd, statt dem komplizierten Rüschenkleid stand sie einen Moment später in einer eher schlichten Tunika und Hose da, beides in erdigen Grüntönen gehalten. Nicht, dass das irgendeinen Einfluss auf ihre wahre Gestalt hatte, aber so war dies doch irgendwie angenehmer anzusehen. "Wenn er nicht da ist, bitte eine Kanne Tee und etwas Obst auf mein Zimmer, ja?"
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Lhósson

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« Antwort #8 am: 07.04.2013, 22:54:09 »
Der Diener nickte langsam und die Wandlung der Rüstung ignorierte er gepflegt. „Sicher doch werte Prima. Ich bringe euch zu ihm.“ sagte der Diener und wartete geduldig, bis sich Mystral erhob. Die Diener in dieser Burg waren durchaus wohl erzogen, egal ob sie direkt dem Fürsten unterstellt waren oder die braunen Gewänder des hiesigen Ritters trugen. Wer für diese Diziplin sorgte war Mystral auch gut bekannt. Es war eine gealterte dünne Dame Namens Lady Lukretzia, welche hinter ihrem Rücken von den Dienern nur die Emanze genannt wurde. Als Mystral hier in die Burg kam, hatte die Lady deutlich ihre Kraft gezeigt. So wie ihr jeder Diener gehorchen musste, wollte sie Mystral auch beeinflussen. Die funktionierte ja nun nicht wirklich bei Mystral und als die kleine Bardin den Musikerwettstreit zur Ernennung der Prima Musika gewonnen hatte, stellte die Lady ihre Versuche ein. Schließlich war Mystral ihr nun gleichgestellt.

Mit dem Diener ging es durch die verwinkelten Gänge der Burg. Stets führten die Treppen die sie passierten hinunter. Denn der Teil der Burg, im welchem der Fürst mit seinem Gefolge residierte, war der höher gelegene Teil der Burganlage. Irgendwann änderten sich die Farben in den Gängen und den Ge4wändern der Diener. Hingen gerade eben noch rote Fahnen an den Wänden und hatten die Diener noch rote Tuniken an, so hingen nun an den Wänden braune Fahnen und die Diener hatten braune Tuniken an.
In diesem Teil der Burg befanden sich Räume des Ritters und seines Gefolges. Auch die große Küche, der große Saal und die Gemächer der meisten Diener, Künstler und Soldaten waren hier untergebracht. Nur wichtige Gefolgsleute, wie auch Mystral, lebten mit dem Fürsten in der oberen Burg.

Der Diener blieb in einem spärlich durch Fackeln erleuchteten Gang vor einer einfachen Holztür stehen. Hart klopfte er an selbige und öffnete sie. Er verschwand in den Raum und kam nach wenigen Augenblicken zurück. „Werte Prima, der Bursche ist wach.“ verkündete er und öffnete die Tür, auf dass Mystral eintreten konnte.
Sofort drang der Geruch von stickiger, übersättigter, warmer Luft an Mystrals Nase. Es roch nach verbranntem Öl, Schweiß und Kohlsuppe. In der Mitte des Raumes stand eine einfache Holztafel, auf welcher vier Suppenschüsseln, Brot und ein Wasserkrug herum stand. An der Fensterfront, mit einem viel zu kleinem Fenster für diesen Raum, standen zwei alte Doppelschränke und ein Waschtisch. Neben und wohl auch unter den Schränken lagen einige gebrauchte aussehende Kleidungsstücke. Während an der rechten Wand verschiedene Ablageflächen für Instrumenten angebracht waren, standen an der linken Wand zwei große Holzbetten mit Strohmatratzen. Bei den Betten zogen sich gerade drei Burschen eilige Hemden über die Köpfe und, die die es hatten, Schuhe an. Vom sehen her kannte Mystral jeden der Drei. Es waren auch Burschen, welche sich erhofften beim Fürsten vorspielen zu dürfen. Der Erste, ein schwarzhaariger schmaler Hans, hatte eine wunderbare Stimme, der Zweite, ein eher dicklicher branhaariger Bursche, vermochte es einer Laute einiger maßen gute Töne zu entlocken. Der dritte Bursche war ein recht gut gebautes Rothaar. Er war der älteste der vier Burschen und konnte sehr gut mit der Flöte und der Zitter spielen. Er schien sich auch seiner Fähigkeiten bewusst zu sein, jedenfalls machte er diesen Eindruck. Auch hörte Mystral seinen Namen häufiger. Er hatte bis jetzt noch niemanden verletzt aber schien recht gewalttätig zu sein. Zum Glück brauchte sich Mystral nicht direkt um diese Leute kümmern. Dafür hatte sie ja untergeordnete Musiker. Alle diese drei Burschen sollten heute und in den nächsten Tagen dem Fürsten vorspielen.

Der Bursche, welchen Mystral sprechen wollte, war gerade damit beschäftigt Öllampen zu entzünden. Er wirkte recht hektisch dabei und vermied den Blick zum rothaarigen Burschen. Dieser funkelte ihn sichtlich böse an.
Als sich die drei Burschen an den Betten angekleidet hatten, verneigten sie sich vor Mystral und verschwanden schnell aus dem Zimmer. Ebenfalls der Burschen den sie sprechen wollte verneigte sich, nachdem er die Öllampen auf den Tisch gestellt hatte. Er hatte noch immer die selben Sachen an wie im Zimmer. Nur ein Verband um das Fußgelenk war neu.
Während die Burschen den Raum verließen und der letzte vor Mystral stramm stand, hatte der Diener einen Hocker sauber gemacht und für Mystral an den Tisch gestellt. Am Ende fragte er Mystral noch ob er den Tee und das Obst hier her bringen sollte. Ansonsten würde er würde er draußen warten.

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« Antwort #9 am: 09.04.2013, 20:15:15 »
Mystral bejahte die Frage nach dem Tee und Obst, die etwas schalen Düfte des Raumes geflissentlich ignorierend. Danach, so sagte sie dem Diener, könne er sich hinlegen, sie würde schon ihren Weg zurück finden. Dann, als der Diener aus dem Raum verschwand, wand sie sich schmunzelnd dem Jungen zu und blinzelt ihm leicht zu. "Dein neuer, rothaariger Freund schaut aber grimmig drein. Aber ich bin mir sicher, ihr werdet ganz gut auskommen. Ich wollte ein bischen mehr von deiner Musik mir anhören, sie klang hmm interessant. Spiel etwas munteres für mich, ja? Herumhüpfen musst du hierbei wohl nicht, aber das braucht es auch nicht, bei der Musik kommt es vor allem darauf an, was man im Herzen hat." Sie lächelte gut gelaunt dabei und schaute gespannt zu dem Jungen. Sie selbst wusste gute Musik zu schätzen, aber das war nicht der wirkliche Grund, wieso sie sich von ihm etwas vorspielen lassen wollte. Ihre Augen galten mehr der Flamme der Lampe. Wenn sie mit ihrer Vermutung recht hatte, und sich das nicht nur eingebildet hatte, so würde sie sicherlich etwas darin erkennen.
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Lhósson

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« Antwort #10 am: 09.04.2013, 22:30:34 »
Der Junge, Daniel war sein Name, verzog sichtlich das Gesicht als Mystral den rothaarigen Jungen erwähnte, doch sagte er nichts. Er wollte offensichtlich Mystral nicht unterbrechen. Nachdem sie ihren Wunsch geäußert hatte nickte er und sprach ein zitterndes „Ssehr wohl Prima.“ Dann humpelte er zur Wand mit den Aufhängungen für Musikinstrumente und nahm sich von einem Brett seine Flöte. Es war eine alte Holzflöte. Nichts besonderes und sehr wahrscheinlich hatte er sie selber geschnitzt oder irgendjemand aus seinem Dorf hatte sie ihm geschenkt. Sie war nicht einmal gebeizt oder lackiert worden. Denn noch war die Arbeit durchaus passabel.

 Als Daniel wieder vor ihr stand, atmete er einige male tief ein und aus. Er wollte sich wohl lockern und genug Luft für ein Flötenspiel in die Brust bekommen. Dann setzte er an.
Obwohl Mystral sich ein munteres Stück gewünscht hatte, klangen die ersten Flötentöne und Kombinationen eher traurig. Diese Melodie ging dann jedoch über in eine eher tänzelnde und spielerische Kombinationen und die dafür nötigen Griffe wurden schon komplexer. Scheinbar wollte der Junge seinen Fehler im Kamienzimmer wett machen und Mystral zeigen was er konnte. Mit jedem Augenblick wurde der Tanz schneller und deutlich Feuriger. Anhand ihrer Kenntnis in der Musik erkannte Mystral schnell, dass der Junge ihr eine Tanzmusik vorspielte. Etwas was wohl in vielen Dörfern in der Frühling- und Sommerzeit gespielt wurde.
Das Mystral ab und an zur Flamme lugte bekam der Junge nicht mit. Sein Körper wiegte sich in der eigenen Melodie und er hatte die Augen geschlossen. Die Flamme schien ähnlich wie der Körper des Jungen zu schwanken. Es war eindeutig der selbe Takt und nicht nur das. Je schneller die Musik wurde desto schneller wiegte sie die Flamme und warf sogar kleine Funken in die Luft. Dann flammte sie zwei mal stark auf und wurde wieder ruhiger. Daniel hatte das Ziel des für sein Nivau mehr als exzellent vorgetragenen Liedes erreicht. Er hatte die Melodie soweit getrieben, das seine Finger kaum nach konnten. In dem Moment als er sich in ein paar Tönen verspielte war das Lied zu Ende und auch der Tanz der Flamme.

Nach Luft schnappend stand Daniel vor Mystral. Er senkte die Flöte und öffnete langsam die Augen. In diesem Moment öffnete sich die Tür und der Diener brachte ein Tablett mit einer silbergraue Tonkanne, einem Becher und einem Teller mit getrockneten Apfelringen und Pflaumen in die Kammer. Offensichtlich hatte er vor der Tür gewartet bis das Flötenspiel endete. Schließlich hätte er die Tür nicht ohne einen Laut öffnen können. Nachdem er alles abgestellt hatte, wünschte er Mystral eine angenehme Nacht und verschwand aus der Kammer.
Daniel blickte auf den Teller mit dem Trockenobst. Schloss kurz die Augen und blickte zu Mystral. Sein Atem hatte sich nun wieder beruhigt und er fragte sie „Wünscht ihr noch etwas, Prima?“ seine Nervosität von vorhin war hinweggefegt.
« Letzte Änderung: 11.04.2013, 11:31:41 von Lhósson »

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« Antwort #11 am: 11.04.2013, 01:01:41 »
Mystral schaute nur nachdenklich zu dem Jungen, lächelte dann aber und füllte erstmal etwas Tee in ihre Tasse, einen kleinen Schluck davon nehmend. Auch zwei Trockenpflaumen warf sie sich in den Mund und kaute mit nachdenklicher Miene, während sie zu ihm sah, in aller Ruhe, ein wenig die Stille sich im Raum ausbreiten lassend. Sie wusste, dass eine gute Geschichte oder Erklärung die richtige Stimmung benötigte, und dazu gehörte auch schweigen. Sie schob ihm anbietend die Schale mit dem Trockenobst zu, noch ein kleiner Schluck aus der Teetasse, dann entschied sie, dass sie bereit war.

"Weisst du, Daniel, es gibt zwei Sorten Schausteller auf der Welt. Es gibt die Musikanten, und es gibt die Barden. Die ersten sind Handwerker. Sie lernen ein Instrument oder auch mehrere, sie üben sich darin es zu spielen, zu meistern. Manche sind einfache Sänger, Geschichtenerzähler, Tänzer, andere sind wahre Meister und erlangen Ruhm, sind in der Lage, die wundervollsten Melodien zu spielen. Und doch fehlt ihnen eine Sache, eine Kleinigkeit, die sie von den Barden unterscheidet. Ein gewisses.. Talent. Ein Funke, der in ihrem Herzen schlummert und darauf wartet, durch Musik geweckt zu werden. Manche nennen dies Magie. Barden sind jene, welche nicht nur ein Instrument beherrschen, und irr dich nicht, es gibt viele Barden, die jämmerliche Musiker sind im Vergleich zu vielen Musikanten. Sie sind jene, welche die Seele, das Herz, die Magie der Musik hören, sie spühren und mit ihrer Musik lenken. Und ich denke, du hast das Talent, solch ein Barde zu werden.

Vielleicht irre ich mich auch, aber ich denke nicht. Wenn du auf deiner Flöte spielst, ist es so, als würde das Feuer lauschen und zu der Musik tanzen. Ist dir dies schon einmal aufgefallen? Vielleicht auch nicht, zu sehr bist du in deine Melodien versunken. Doch wenn du es versuchst, wirst du es sicherlich sehen.  Nun, hmm.. Ob du etwas für mich tun kannst? In der Tat. Ich werde die nächste Zeit hmm auf Reisen sein. Und ich möchte, dass du gut übst in der Zeit. Nicht nur die Lektionen, die dich die Musiklehrer hier lehren und die du sonst ausüben würdest. Ich möchte, dass du dich darin übst, das Feuer zum tanzen zu bringen. Vielleicht gelingt es dir sogar, ein Feuer auf einem Kerzendocht zu wecken, wo vorher keines ist? Wer weiß.. Tust du das für mich, hmm, Daniel? Wenn ich recht habe, und es gelingt dir, diese Gabe zu entwickeln, so gibt es sicherlich einiges, was ich dich in dieser Gabe lehren kann. Ich bin keine Flötenspielerin, doch die Magie, welche die Musik durchdringt, ist für jedes Instrument das selbe. Und ich würde mich freuen, einen Bardenschüler zu haben."
Sie lächelt dabei, doch blickt den Jungen im Licht der flackernden Lampe mit ihren roten Augen gleichzeitig eindringlich an. Sie konnte sich vorstellen, dass dies tatsächlich zu viel für ihn war, so für den Augenblick, aber wenn sie recht hatte, würde er vielleicht sogar sich noch als ein interessanter Zeitgenosse herausstellen.
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« Antwort #12 am: 11.04.2013, 11:46:49 »
Der Junge war tatsächlich sichtlich überfordert. Er hatte aufgehört die Apfelringe zu kauen, welche er sich nach etwas zögern genommen hatte. Magie oder besser gesagt die Magie von der Mystral sprach war in Atain nicht strafbar und auch ein Köhlerbursche wie er dürfte wissen, wovon Mystral sprach. Besonders wenn daran gedacht wurde, dass er aus den südlichen Gebieten des Fürstentums stammte. Aus dem Gebiet, welches direkt an Elvan dem Land der Magier grenzte.
Denn noch war sein Blick eher unsteht als voller Freude über die Worte der Bardin. Er schien angestrengt über Mystrals Offenbarung nach zu denken. Das bedeutet wohl auch, dass ihm das Feuerspiel selber nicht aufgefallen war. „Mir ist dies nie aufgefallen.“ seine Stimme zitterte leicht. „Mein Pa meinte zwar oft, dass das Köhlern bei meinem Spiel schneller ging aber das kann ja nicht damit zusammenhängen. Aber egal, ich zweifel eure Worte nicht an.“ So eine schlechte Lüge hatte Mystral schon lange nicht mehr gesehen. Selbst die Diener wussten besser zu lügen. Gut, sie blickte jemanden auch nicht wirklich an. Daniel zweifelte eindeutig kräftig an Mystrals Worten und wohl auch an sich selbst. Dafür konnte sie aber auch deutlich sehen, dass er die folgenden Worte ernst meinte. „Wisst ihr wann ihr wieder zurück kommen werdet? Ich werde natürlich jeden Tag üben, das verspreche ich.“ Wenn er es tatsächlich schaffen würde und Mystral ihn als Schüler nehmen würde, war es wohl ein hartes Stück Arbeit aus ihm einen Barden zu machen. Das Schaustellern, außer das rumhüpfen, konnte er sich wohl nicht in seinem Dorf aneignen. 

Mystral Wolkenglanz

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Kapitel 1 Der Klang des Waldes
« Antwort #13 am: 11.04.2013, 12:01:15 »
Mystral lachte etwas und schüttelte den Kopf, den Jungen schmunzelnd betrachtend. "Das Lügen muss ich dir auch beibringen. Zweifel ruhig, aber üb dein Spiel und achte auf das Feuer. Und sieh zu, dass du nichts abbrennst. Ich denke mal, zwei Wochen könnten es schon werden, ich weiß nicht genau, wie weit es ist, und was da alles los ist. Hab einfach Geduld und üb dich, und dann wird sicherlich ein Anfang zu machen sein. Ooh, und das, was du beschreibst, das ist auch etwas, das ich beherrsche. Es gibt Lieder, die die Arbeit leichter von der Hand gehen lassen. Einerlei, du stehst eh noch ganz am Anfang." sie leerte ihre Teetasse nebenher, jene dann abstellend auf dem Tablett griff sie sich jenes, ebenso die Teekanne und die ganzen anderen Sachen. Der Junge würde sicher nicht schlecht schauen, als sie eine der zahlreichen Taschen ihres Gürtels öffnete und die Sachen hineinfütterte, die Teekanne leerte sie vorher durchs Fenster, nachdem sie dem Jungen etwas davon anbot. Dann schloss sie die Tasche wieder, sie wirkte nicht voller als vorher, und lächelte vergnügt. "Schlaf gut, Daniel, und möge die Musik dir wohlgesonnen sein. Ooh, und sollten die anderen Fragen, was ich wollte, sag ihnen ich hätte dich nochmal spielen hören wollen, weil es beim ersten Mal so kurz war. Das stimmt ja sogar, nicht wahr?" Draufhin lächelte sie dem Jungen gutmütig zu und trat zum Fenster. Es öffnend, sprang sie nach einem Winken hinaus und schwang sich mit kräftigen Flügelschlägen in den Himmel empor, in ihrem etwas langsamen, aber dennoch geübten Tempo gen Oberburg und ihrem Zimmer flatternd. Dort landete sie auf ihrem Balkon und öffnete die Tür von außen, sie hatte extra einen entsprechenden Griff anbringen lassen. Nun war wirklich Zeit, sich ins Bett zu legen, denn müde wanderte es sich ganz miserabel. Das Tablett und die ganzen Sachen, die darauf waren, würde sie am nächsten Morgen dem Diener, der sie weckte, mitgeben, sie legte sie auf ihren Tisch, damit sie es nicht vergaß.
Caela sanguine nigra,
Fates ignifer mortem cantat.
Audite: fatem pericular,
Fates ignifer mortem cantat.

Lhósson

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Kapitel 1 Der Klang des Waldes
« Antwort #14 am: 12.04.2013, 13:56:14 »
Der Junge hatte nichts weiter vom Tee genommen und wie Mystral erwartet hatte, schaute er mehr als überrascht drein, was alles in die kleinen Taschen passte. Zu Mystrals Ratschlägen nickte er und bevor sie durch das Fenster verschwand wünschte er ihr ebenso einen guten Schlaf. Als sie dann aus dem Fenster verschwand, schaute er ihr eine Weile aus dem Fenster noch nach. Nicht das er im Dunkeln der nun angebrochenen klaren Nacht weit sehen konnte.
Die Nacht selbst war kühl und trotz des angebrochenen Frühlings war der Wind hier nahe des Gebirges noch recht kalt. Aber Mystral brachte sich denk dem Geschenk der Eldarin nicht darum kümmern. Sie musste mehr darauf achten, nicht von der Burg weggetragen zu werden. Der Wind hier auf der Steilklippe war unberechenbar, ähnlich wie in ihrer alten Heimat.

Ihr Zimmer war fast doppelt so groß wie die Kammer welche sie verlassen hatte. Neben einem Himmelbett und anderen edlen Möbelstücken stand hinter einem Sichtblende eine Kupferwanne. Die Wanne musste zwar immer von Dienern aufgefüllt werden aber nur die Zimmer der höheren Bewohner der Burg hatten so etwas. Alle anderen mussten sich im Gemeinschaftsbad oder am Burgbrunnen säubern.
Das Bett in welches Mystral sich legen konnte war ausgestattet mit dutzenden von weichen Kissen und einigen Wolldecken. Von den Stangen des Himmelbettes hingen zart blaue und rote Stoffbahnen hinunter.

Die Nacht war sehr angenehm. Vielleicht war es die Vorfreude des auf eine Reise vielleicht auch etwas anders aber das interessierte ja nicht. Nachdem Mystral ihre morgendlichen Rituale vollzogen hatte, ging sie zum Frühstück. Dort erwartete sie ein reichliches Mal und fast immer kam auch der Fürst hinzu. Dieses mal jedoch nicht.
Insgesamt war heute morgen in der Burg mehr betrieb. Viele Diener heilten durch die Gänge und auch mehr Wachen marschierten umher. Alles bereitete sich wohl auf den nahem Aufbruch des Herolds, Mystrals und der Soldaten vor. Auf dem Weg zu ihrem Zimmer wurde Mystral von einem Diener abgefangen. Er teilte ihr mit, dass der Fürst sie jetzt in der Bibliothek sehen wollte.

Die Bibliothek, welche Mystral als bald danach betrat, war eine Kammer angefüllt mit Büchern und Regalen, welche bis zur Decke reichten. Mitten in der Kammer stand der Lesetisch, an welchen sie den Fürsten fand. Einige Stapel von Bücher langen auf dem Tisch neben einem halb gegessenen Frühstück.
„Ah Mystra.“ begrüßte er seine Prima, als er sie bemerkte. Kurz darauf mussten alle Diener und Wachen den Raum verlassen. Allein der alte Studios durfte bleiben. Der alte Mann saß in der hintersten Ecke der Kammer an einem kleinen Tisch. Gemächlich durchwühlte er die Schriftrollen, welche in Massen sich auf seinem Tisch angesammelt hatten. Auch ihn kannte Mystral. Es war ein alter Kauz mit den Namen Jerion. Außerhalb der Bibliothek hatte sie ihn noch nie gesehen und auch bei Audienzen war er nie zu Gast. Denn noch war er der engste Berater des alten Fürsten.

„So, nun können wir reden. Wie versprochen habe ich dir meine fähigste Wache unterstellt. Du wirst ihn später kennen lernen. Doch nun haben wir einiges zu besprechen.“ Er machte eine lange Pause. „Wie du sicher weißt wurde meine Tochter bei der Königswahl vor zwei Jahren vorgeführt. Ein schlechtes Omen für mein gesamtes Land. Dieses unerwartete Problem um Waldau kann meinem Feinden ein Mittel in die Hände spielen, welches sie jetzt noch nicht haben. Egal was dafür verantwortlich ist, sie könnten es so auslegen, dass mein Haus zu schwach ist. Das wir nicht in der Lage sind hier zu Wachen. Das wir uns vielleicht auch noch von Elvan einlullen lassen haben.“ er blickte Mystral ernst an. „Das darf nicht passieren. Du bist weit gereist und hast einige Erfahrung. Finde heraus was da unten vorgeht und erstatte mir Bericht.“ „Hier ist es mein Fürst.“ unterbrach der alte Jerion den Fürsten. Er kam aus seiner Ecke hervor und legte eine Schriftrolle auf den Tisch des Fürsten. Danach blieb er neben dem Fürsten stehen und stützte sich mit einer Hand am fürstlichen Stuhl ab. „Ah sehr gut. Diese Rolle ist ein Brief. Ein Versprechen eines Druidenzirkels meiner Familie gegenüber. Sie leben in der nähe einer verlassenen Burg und wachen über den Wald. Wenn sie nicht wissen was in dem Gebiet vorgeht weiß es niemand. Also bitte ich dich sie zu besuchen. Vielleicht können sie dich sogar unterstützen.“ Während der Fürst dies erzählte zeigte er auf eine Karte vor sich. Sein Finger deutete auf das Ende einer alten Straße. Dort musste sich wohl die Burg befunden haben. Zum Abschluss fragte er Mystral ob sie noch weitere Fragen hätte oder etwas bräuchte.

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