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Autor Thema: [IG] Part 1: Der letzte Wille  (Gelesen 40977 mal)

Beschreibung: Das Testament des Petros Lorrimor

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Bram Stoker

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« am: 04.04.2013, 18:55:19 »
Vor 17 Tagen


Langsam und bedächtig kratzte die Feder über das Pergament. Die Feder warf einen Schatten als ein Windhauch die Kerze tanzen ließ. Der restliche Raum war in Dunkelheit gehüllt. Selbst das Licht vor dem Fenster schien zu erlöschen, als dunkle Wolken sich vor den Mond schoben:

"“Ich, Petros Lorrimor, im vollbesitzt meiner geistigen Kräfte, verkünde hiermit mein Testament und meinen letzten Willen..."

Das einzige Geräusch was im ganzen Haus zu hören war, war das leise Kratzen der Feder über der Pergament. Langsam und bedächtig füllte sich die Pergamentrolle; Zeichen folgte Zeichen, Wort folgte Wort. Geschrieben wurden diese Worte in dem Gewissen, dass sie die letzten sein konnten. Immernoch richteten sich die Haare am Arm der Hand, die die Feder führte auf, wenn der ältere Mann daran dachte, was er morgen zu tun gedachte. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken herunter. Aber er wusste, dass kein Weg daran vorbeiführte und er war vorbereitet. So gut wie man auf eine solche Situation vorbereitet sein konnte.

Emsig, immer wieder, tauchte die Feder in das Tintenfässchen ein; Zeichen für Zeichen, Wort für Wort...
« Letzte Änderung: 06.04.2013, 12:52:30 von Bram Stoker »

Bram Stoker

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #1 am: 20.04.2013, 20:21:26 »
Vor 13 Tagen

Fünf Reiter, fünf Mal ein Klopfen an der Tür, fünf Mal wird eine Tür quietschend geöffnet, fünf Mal ein Brief übergeben, bevor fünf Reiter wieder im Dunkeln verschwinden.

Fünf Mal wird das Siegel von Professor Lorrimor gebrochen. Fünf Mal eine hochgezogene Augenbraue, jedem fiel sofort ins Auge, dass dieser Brief unmöglich vom Professor selbst stammen konnte. Die Schrift war fiel zu sauber für den manchmal etwas schusseligen Alten. Wer der Schrift über die Rolle folgte konnte die Stellen sehen wo das Papier leicht feucht gewesen war. Kleine Punkte überall auf dem Brief verteilt. Die Augen der Fünf lesenden fliegen über den Text. Bereits nach den ersten Zeilen wird ihnen klar, dass die feuchten Stellen von Tränen herrühren.

Lieber Freund meines Vaters,

es schmerzt unendlich dir mitteilen zu müssen, dass mein geliebter Vater nicht mehr unter uns weilt. Es war sein Wunsch, wie es meiner ist, dass du an seiner Beerdigung teilnehmt, am Eidestag im Rova.
Zusätzlich dazu ist deine Anwesenheit zu der Testamentseröffnung dringend nötig. Ich hoffe dich an diesem Tag in Ravengro sehen zu können. An diesem Tag, an dem ich jede Unterstützung brauchen kann.

Kendra Lorrimor


Die Schrift des Briefes wurde immer unpräziser, je weiter man liest. Es schien dem Verfasser fiel Mühe gekostet zu haben diese Worte zu verfassen. Kendra Lorrimor. Die Töchter des Professors. Sie müsste inzwischen Mitte zwanzig und wahrscheinlich eine attraktive Frau sein. Zumindest war sie ein bezauberndes Kind gewesen und schon als solches war ihr elegant geschnittenes Gesicht fast jedem aufgefallen. Einige der Leser mussten sich erst einmal setzten nach dieser Nachricht, der Professor hatte noch so jung gewirkt das letzte Mal als sie ihn gesehen hatten.
Alle hatten noch genügend Zeit ihre Angelegenheiten zu regeln, von Lepistadt fuhr eine Postkutsche nach Ravengro, die drei Tage brauchen würde bis nach Ravengro. Gerade für Jadar L. Nefalen war dies ideal und er war der Erste der zustieg. Viktor Mortis und Brann Morton stiegen etwas später zu.
Die Postkutsche sollte einen Tag vor der Beerdigung ankommen. Doch der Rova machte ihnen ein Strich durch die Rechnung, den gesamten Weg über verfolgte die Reisenden ein dichter Nebel oder leichter Regen, der das Reisen nicht einfacher machte.


Ca. zehn Meilen vor Ravengro war plötzlich ein lautes Knarren in der Postkutsche zu hören. Die Kutsche begann sofort langsamer zu werden und nach wenigen Metern stand die Postkutsche. Draußen fiel der Nieselregen, der sie schon die gesamte Reise begleitet hatte. Fluchend stieg der Kutscher von seinem Bock und ging am Fenster der Kutsche vorbei. Bereits nach wenigen Augenblicken steckte er den Kopf in den Innenraum: “Das wars für heut. Das Rad hats zerlegt.“ Und so standen sie mehrere Meilen vor Ravengro und die Sonne war dabei langsam gen Horizont zu wandern, auch wenn man dies nicht durch die Wolken erblicken konnte. Wie geplant am gleichen Tag würden sie Ravengro nicht erreichen. Die Beerdigung war für morgen geplant. So verbrachten die drei Reisenden und der Kutscher die Nacht direkt auf dem Weg.
Bereits früh am nächsten Morgen begann der Kutscher am Rad rumzuwerkeln. Nach einigen Stunden waren sie bereit die Reise fortzusetzen. Und so erreichten sie erst am nächsten Tag gegen Mittag Ravengro.
Dana Greysund Ichabod Cranes Reise verlief glatt, wenn man davon absah, dass sie in Marian Leigh zusammenstießen und von dort gemeinsam reisen mussten. Es fuhr nur eine Kutsche von dort. Es war nicht gerade ein freudiges Wiedersehen zum Glück waren es von dort aus aber nur noch anderthalb Tagesreisen, die sie in einem unangenehmen Schweigen verbrachten. Auch sie litten unter dem ständig feuchten Regenwetter, der auf die Atemweg schlug und dem Mangel an Licht.


2. Eidestag Rova 4703

Und so kam es, dass am 2. Eidestag zwei Postkutschen in Ravengro eintrafen. Sieben Leute stiegen aus den beiden Postkutschen, von denen zwei wieder aufstiegen nachdem sie die Post und waren abgeladen und ausgetauscht hatten. Die fünf Bekannten und Wegbegleiter standen auf einem Platz, auf dem mittig ein Pavillon stand. Obwohl die Wege matschig waren und das Wetter nicht das beste war, trafen immer mehr Leute auf dem Platz ein. Drei bis vier Gruppen à drei bis vier Leute standen verteilt auf dem Platz und tuschelten miteinander. Immer wenn sie dachten die Besucher würden es nicht sehen starrten sie sie interessiert an. Den Blickkontakt mieden sie. Eine alte Frau mit Krückstock ging auf die Ankömmlinge zu, nur um im letzten Moment die Richtung zu ändern und zu einer Gruppe zu gehen. Ihr Gesicht war tief zerfurcht und ausgemergelt. Weiße Haare schauten unter ihrem Kopftuch hervor. Wenige Augenblicke später drehte sie wieder um und hielt wieder auf die Mitte des Platzes zu. Ihr linkes Auge zeigte einen leichten milchigen Schimmer. Fast schien es so als baute sich die ca. 1.60 Meter große alte Frau vor euch auf: “Was wollt'n ihr im alt‘n Rav‘ngro?“ Ihre Stimme klang leicht heißer und sie verschluckte einige Laute einfach. Ihr Blick glitt von einem zum nächsten der Besucher. Sie stützte sich schwer auf ihren Stock und wartete darauf, dass einer das Wort ergriff.

« Letzte Änderung: 19.08.2013, 09:35:56 von Bram Stoker »

Dana Gray

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #2 am: 21.04.2013, 04:31:21 »
Dana war etwas entnervt, auch wenn sie versuchte, sich das nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Ichabod Crane, ihrem Exmann, nun, etwas mehr als drei Monate nach ihrer Trennung, wieder so nahe zu sein, ließ sie beim besten Willen nicht kalt, auch wenn sie dies natürlich nie offen zugegeben hätte.
Auch wenn drei Monate eine nicht zu verachtende Zeitspanne darstellten, war es dennoch so gewesen als wäre kein Tag seit ihrem letzten Aufeinandertreffen (und das im wahrsten Sinn) vergangen, als Ichabods dürre Gestalt im diesigen Wetter von Marian Leigh aufgetaucht war.
Auf erneuten Streit hatte es Dana aber nicht angelegt. Das hatte sie nie, wenn sie ehrlich zu sich war – jedoch wäre sie unehrlich zu sich gewesen, wenn sie mit Entschlossenheit geleugnet hätte, dass sie in gewissen Situationen vielleicht und eventuell einen Mangel an Diplomatie zur Schau gestellt haben könnte. Dennoch: Ichabod hatte sie stets auf irgendeine Art und Weise provoziert, so war es gewesen, sie hatte kaum eine Wahl gehabt. Das Ende ihrer Beziehung war absehbar gewesen. Die ständigen Streitereien hatten an den Nerven und an ihrer Liebe zueinander gezerrt.
Und nun… nun hatte das Schicksal es nicht gut gemeint und Dana mit besagtem Exmann in eine enge, stickigen Wagen eingepfercht. Den Weg nach Ravengro in diesem vermaledeiten Gespann, dessen Kutscher es offenbar darauf angelegt hatte, jede Bodenwelle oder sonstige Unebenheit mitzunehmen, die auf den Straßen quer durch Ustalav zu finden war, hatte Dana sich etwas anders vorgestellt.
Dieses „etwas“ vermochte sie genau zu definieren. Mit den Unannehmlichkeiten dieser Art des Reisens war sie durchaus vertraut und auch damit, dass Postkutschen nicht selten Passagiere statt nur Briefe transportierten. Aber insgeheim hatte sie darauf gehofft, erst auf ihren ehemaligen Göttergatten zu treffen, wenn die Beerdigungszeremonie des seligen Professors beginnen würde – auch wenn die Hoffnung gering und erwartungsgemäß enttäuscht worden war. Immerhin führten nicht allzu viele Wege nach Ravengro. Jedoch wäre es ihr, wenn das Glück ihr hold gewesen wäre, auf jeden Fall erspart geblieben, demonstrativ gleichgültig Blicken auszuweichen, Augenkontakt sowieso zu vermeiden, oder aber gegensätzlich zurückzustarren, wenn sie bemerkte, dass die seinen auf ihr ruhten. Dabei galt es, den Drang zu unterdrücken, vor Langeweile doch noch ein Gespräch mit ihrem Gegenüber anzufangen.
Unterhaltungsmangel war schon immer einer Danas größter Feinde gewesen. Zuerst hatte sie noch versucht, wann immer sich die Gelegenheit bot, dass zögerliches Sonnenlicht sich ihrer erbarmte, Journal und Füller zu ziehen, ihre Niederschriften zu lesen und sich hier und dort Randnotizen zu machen, da sie ohnehin nichts Besseres zu tun hatte. Stur wie sie war, ließ sie sich von zumeist dämmrigen und eigentlich ungenügendem Licht im Kutscheninnereren und dem unbequemen Holpern des Wagens nicht irritieren, auch wenn sie unwillkürlich die Augen zusammenkneifen und die Stirn runzeln musste – und die Umstände allgemein ihrer sonst ordentlichen Handschrift nicht gerade zuträglich waren. Im Grunde ging es ihr nicht darum, produktiv zu sein, denn das war ihr von unkontrollierten Ausschlägen unterbrochenes Gekritzel mit Sicherheit nicht, sondern wenigstens einen für kleinen Teil der Reise beschäftigt zu scheinen und sich nicht dazu hinreißen zu lassen, sich näher mit Ichabod zu befassen.
Aber ganz umhin, ihn zu mustern, kam Dana nicht. Seinem Äußeren nach zu urteilen, hatte ihrem Exmann die Zeit, die vergangen war, seitdem sie sich das letzte Mal gesehen hatten, nicht gut getan. Dass jedes seiner Haare in Anbetracht der Unannehmlichkeiten dieser Reise beinahe schon absurder Perfektion dort saß, wo es hingehörte, überraschte wenig – schließlich kannte sie dies nicht anders. Jedoch wirkte der Rest von ihm etwas… schäbiger als Dana es in Erinnerung hatte. Der Gehstock war allerdings neu. Zumindest an ihrem Exmann, denn das Stück selbst sah alles andere als das aus. Zusammen mit dem schwachen Gestank nach Tod, der an seiner schlammbespritzten Kleidung haftete wie ein aufdringliches Parfüm, war die einzige Erklärung dafür, dass Ichabod nach der Trennung in seine Heimatstadt zurückgekehrt war, wie auch Dana in die ihre.
Dennoch musste sie ihm zugestehen, dass er die Ausstrahlung, die sie selbst einst in den Bann gezogen hatte, wie eh und je besaß. Ein Umstand, der Dana ihrer eigenen Gefühle wegen ärgerte. Vielleicht hasste sie ihren Exmann in diesem Augenblick sogar ein kleines bisschen dafür. Es war tatsächlich nicht leicht für sie, dass Ichabod ihr allein durch seine Anwesenheit ihre gemeinsame Vergangenheit unter die Nase rieb. Dass er allerdings ihren Ehering trotz der Trennung noch am Finger trug, fiel ihr nicht sofort auf. Doch als es soweit war, wusste sie nicht so recht, was sie davon halten sollte. In gewisser Weise hätte sie sie sich geschmeichelt fühlen können, wäre da nicht der eigene, tief sitzende Groll und der leise Verdacht gewesen, dass Ichabod sich damit über sie lustig machen wollte. Schließlich quittierte Dana ihre Entdeckung, indem sie nicht ganz ohne Spott eine Augenbraue hochzog und danach wieder schweigend in die Gegend starrte, döste, sich mit unmotiviertem Desinteressiere mit den eigenen, ringlosen Fingern beschäftigte, indem sie geistesabwesend Rhythmen auf der Bank oder ihrem Oberschenkel trommelte…
Die Zeit verging erbarmungslos zäh. Sie war schon etwas länger unterwegs, die Reise zusammen mit Ichabod dauerte jedoch lange anderthalb Tage.

Entsprechend erleichtert war Dana, als die Postkutsche am 2. Eidestag des Rova gegen Mittag ihr Ziel erreichte. Kaum kam das Gespann zum Stehen, trat sie auch schon regelrecht die Flucht an. Ihr eigener Stolz hatte sie davor bewahrt, in Ichabods Anwesenheit einer Art Lagerkoller anheimzufallen, doch nun ergriff sie sofort die Chance, sich zumindest von dem gezwungenen, beklemmend schweigsamen Zusammensein zu befreien – und das noch bevor ihr Exmann auch nur Anstalten machen konnte, ihr aus der Kutsche zu helfen, hätte dieser das denn in Erwägung gezogen.
Dana stieg vom Wagen und setzte ihre zuvor noch recht sauberen Stiefel in schlammbraunen Matsch. Nicht begeistert, aber diesen Umstand hinnehmend, spannte sie ihren Regenschirm auf, um sich vor unnötiger Bewässerung zu bewahren. Zimperlich durfte man in einer Gegend wie dieser nicht sein, aber es wäre dennoch unangenehm, sich nach der anstrengenden Anreise auch noch vom Regen durchnässen zu lassen, der schon zuvor als beinahe ständiger Begleiter für melancholische Trübsinnigkeit gesorgt hatte. Auch wenn die feuchte Luft ihr tatsächlich etwas zu schaffen machte, war diese hier draußen erheblich besser als im Inneren der Kutsche, sodass Dana erst einmal mit tiefen Atemzügen ihre Lungen erfrischte.
Ichabod und sie waren nicht die einzigen, die gerade erst auf dem Dorfplatz angekommen waren. Dana machte drei Männer aus, die scheinbar mit einer anderen Postkutsche angereist waren (Dana grüßte sie mit einem ihrer schönsten Lächeln, als auch sie erblickt wurde, und stellte sich ihnen mit dem Namen „Dana Gray“ vor), und auch einige Dörfler hatten sich schon mehr oder minder aus Interesse, wohl eher aber aus vor allem typisch ländlichem Misstrauen gegenüber Fremden, zusammengefunden.
Ein herzliches Willkommen brauchten sie nicht erwarten und Dana war nicht enttäuscht, da sie auch nicht damit gerechnet hatte. Dennoch wagte sich schließlich eine betagte Frau vor, um die Neuankömmlinge zu empfangen – auf ihre eigene Weise. Trotzdem die Dörflerin wirklich nicht sonderlich begeistert klang, Fremde in Ravengro zu sehen, wenn nicht sogar abweisend wirkte, war Dana im Gegenzug bedacht, höflich zu sein, als sie das Wort ergriff.
„Seid gegrüßt“, erwiderte Dana und schenkte auch der Alten ein kurzes Lächeln, welches dann aber, als sie den Grund ihrer Anwesenheit in Ravengro erklärte, wieder aus ihrem Gesicht wich.
„Wir erhielten die traurige Kunde vom Tod Professor Lorrimors und wurden eingeladen, ihm das letzte Geleit zu geben. Wir werden vermutlich bereits von seiner Tochter Kendra erwartet.“
Davon ging Dana aus – und auch davon, dass die alte Frau wusste, wovon sie da redete.
„Wäret Ihr so gut, uns den Weg zu weisen?“, ergriff sie dann einfach die Initiative. Sie hatte keine Lust, im Regen herumzustehen und sich angaffen zu lassen, wenn es sich vermeiden ließ.

Ichabod Crane

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #3 am: 22.04.2013, 13:50:47 »
Ichabod Crane hielt sich etwas angewidert sein Stofftaschentuch vor das Gesicht, denn schließlich konnte man ja nicht wissen, an was für Krankheiten die einheimische Bevölkerung litt.
Zumal alte Frauen wie Kinder Ichabod Crane immer schon kein gutes Omen waren und er deswegen förmlich angeekelt, mit sichtbaren Unbehagen und mit gehörigen Respekt Abstand hielt, und dabei unbewusst sein linkes Auge zusammenkniff, während er das milchige weiße Auge neugierig anstarrte und seinen Spazierstock fest umklammerte, sodass sein Fingergelenke aufgrund der fehlenden Blutzufuhr bleich wurden.
Was durch seine bleiche Haut, welche eigentlich fast nie Sonnenlicht kannte, jedoch kaum auffiel.
Innerlich musste sich der Detektiv zurückhalten die schlechte Aussprache der Varsianerin nicht zu verbessern oder gar selbst provokant in Dialekt zu verfallen, doch da meldet sich Dana Gray auch schon zu Wort und befasste sich mit der alten Dorfhexe.
Ausgerechnet Dana, gerade als Ichabod Crane sich als Meisterdetektiv und stolzer Adeliger aus Aashügel sich vorstellen wollte.
Dana hatte ihn und seinen Wunsch zu antworten jedoch gebannt, wie durch einen Stillezauber.

Dana.

Der Regen machte Ichabod Crane nichts aus, denn schließlich kannte er diesen aus Aashügel, dem stinkenden Loch von einer Stadt, aus welcher er entstammte und wo es immer regnete.
Er genoss sogar fast den ihm so bekannten Regen und die neue Freiheit nach der langen ungemütlichen Kutschfahrt voller Enge, welche unschöne Erinnerungen und Enttäuschung im Schurken hervorgerufen hatte und weswegen Ichabod Crane die frische Luft, welcher er in Aashügel ja lange nicht mehr in seiner Nase hatte, und die Freiheit genoss.
Doch es war Dana, welche wie ein Dorn im Auge - nein - wie ein giftiger Dorn in seinem Herzen steckte.
Zu jung war noch ihre Trennung, um sich auf die leichter Schulter zu nehmen.
Auch wenn Ichabod Crane es versuchte und wie ein Golem emotionslos und stumm seine ehemalige Geliebte und Frau noch nicht mal eines Blickes würdigte.
Was gar nicht so einfach war, denn schließlich waren sie seit Maria Leigh Weggefährten und gegenseitige Mitreisende in der Kutsche gewesen.
Eine Tatsache, welche Ichabod Crane mindestens so hart mitnahm wie der Tod der hochgeschätzten Professors, welchem der selbsternannte Adelige aus Aashügel die letzte Ehre erweisen wollte, genauso wie scheinbar Dana - zumindest dies vermutete Ichabod.

Der Tod von Professor Petros Lorrimor - seinem alten Geld- und Auftraggeber.

Denn nur deswegen hatte Ichabod Crane Aashügel verlassen.
Auch wenn ihn dort nichts mehr gehalten hatte seit dem Tod seiner Familie und sein zuvor prall gefüllter Geldbeutel sich geleert hatte wie der varisianische Ozean bei Ebbe, sodass es nicht mehr lange gedauert hätte, dass man in mit brennenden Fackeln und Knüppeln aus der Stadt gejagt hätte, denn seit seinem Geburtstag vor wenigen Tagen hatte er in fast allen Tavernen und Schänken von Aashügel nur noch angeschrieben.
Selbst der Gedanke seine Ehering zu Gold zu machen hatte er bereits mehrfach gehabt.

Sein Ehering.

Er hatte durch den Entzug und den Kater völlig, aber auch durch seine Trauer und den Liebeskummer, vergessen ihn bei der Kutschfahrt abzunehmen und versuchte dies nun schnell und heimlich, während Dana mit der alten Hexe beschäftigt war.
Wobei sich sein Herz erneut schwerte, denn dies wurde langsam echt alles zu viel für den Schurken.

Seine verlogene und zickige Dana, welchem ihn keines Blickes mehr würdigte und ihm noch nicht einmal zum Geburtstag nachträglich gratuliert hatte - wenn sie auch dafür ihn nicht mehr andauernd versuchte eifersüchtig zu machen - und der Totengang eines alten Freundes.
Beides zu viel für einen Pharasmagläubigen Varisianer aus Ustalav.
Heftige Kopfschmerzen suchten den Detektiv plötzlich Heim, welche seine pulsierenden Schläfen versuchte mit seiner freien Hand und Reiben zu beruhigen, aber nur um anschließend sich hektisch wieder sein Taschentuch vor das Gesicht zu halten.
Erst jetzt fiel ihm auf, wie runtergekommen und schwächlich er wirken müsste aus seine Exfrau, welche im Gegensatz zu ihm auf ihn wirkte wie das blühende Leben und die weltlich gewordene Calistrae.

Wie konnte sie dies alles nur so gut verstecken?

Ob er immernoch nach Alkohol und Schweiß riecht, denn ein Bad hatte er schon lange nicht mehr genossen und stattdessen sich nur mit starken Duftwasser der nächsten Kneipendirne frisch gemacht, als völlig betrunken als er die traurige Kunde bekommen und sich umgehend im Laufe der nächsten Tage zur Postkutsche aufgemacht hatte - immernoch mit Restalkohol.
Desna hatte ihm gelächelt, dass er gerade noch die letzten Kniff für die Fahrkosten zusammenbekommen und durch sein spitze Zunge runtergehandelt hatte, auch wenn er lieber seit dem Radbruch zu Fuß weitergegangen wäre, doch er war wie zur Salzsäule erstarrt durch die Anwesenheit von Dana, denn während der Reise war der Rausch des Alkohol endgültig verflogen.

Und das Dana dann bei der Ankunft  sich Fremden und weiteren Postkutschreisenden mit einem ihrer schönsten Lächeln und auch noch Mädchennamen vorstellte, ließ Ichabod förmlich platzen vor Wut und Eifersucht, weshalb von ihm nur ein knappes  "Ichabod Crane - Meisterdetekiv aus Aashügel..." auf Varisianisch von ihm zu hören war, während sein Blick kurz eifersüchtig die Fremden beäugte und musterte, um dann nach der nächste Schänke zu suchen, um sich den Kummer von der Seele zu saufen, bevor es zur Beerdigung ging.

Doch dann kam die alte Hexe mit ihrem Milchauge in den Weg, genauso wie den ganzen Gaffer:
Ichabod Crane wollte so schnell wie möglich einfach nur noch weg.

Die Beerdigung hinter sich bringen und das Testament sich anhören.
Vielleicht hätte er ja anschließend etwas Gold, um sich den Suff zu bezahlen.
« Letzte Änderung: 22.04.2013, 13:53:09 von Ichabod Crane »

Viktor Mortis

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #4 am: 23.04.2013, 18:22:43 »
Die stickige und ein wenig beklemmende Kabine war für Viktor keine angenehme Art gewesen nach Ravengro zu reisen. Das ständige, und teilweise sehr ruckweise, auf und ab der Kutsche und ihren Holzrädern erinnerten den jungen Pharasmapriester daran, dass er Nieren hatte, welche Schmerzen konnten.

Auch Viktors Weggefährten waren nicht wirklich besonders gesprächig und so kam es, dass er, mehr als einmal, den Brief von Kendra Lorrimor las.
Er hatte die junge Frau seines Wissens nur einmal gesehen, als er mit seiner Ziehmutter den Professor auf einer der Expeditionen begleitet hatte. Was der Grund der Expedition war? Daran konnte sich Viktor nicht wirklich erinnern, doch erinnerte sich mit einem Lächeln daran, dass er für Kendra geschwärmt hatte. Der Tod ihres Vaters hatte die nun junge Dame offensichtlich stark getroffen und die Hoffnung des jungen Klerikers war nun, ihren Schmerz durch die Lehren von Pharasma zu lindern, indem er Kendra klar machte, dass das Ende eines Lebens der Anfang eines neuen Lebens ist.

Doch mitten in diesen Überlegungen, vernahmen die Insassen des Wagens ein markantes knirschen und nach einem weiteren schmerzhaften "Hieb" in die Nieren kam die Kutsche zu einem unsanften Halt. Als der Fahrer dann noch verkündete, dass sie Ravengro erst am Tag der Beerdigung des Professors erreichen würde, war die Stimmung aller Insassen verständlicherweise im Keller.

Umso erleichterter war Viktor und wahrscheinlich auch der Rest der Insasse dann, als am nächsten Tag die Kutsche dann endlich ihren Bestimmungsort erreichte. Der Regen war nach der stickigen und warmen Kabine eine willkommene Abwechslung für Viktor, dessen Rücken ohnehin schon von Schweiß durchtränkt war.

Mit einem freundlichen und neugierigen Blick mustert er die anderen Personen, welche offensichtlich auch an der Beerdigung von Professor Lorrimor teilnehmen würden. Auch Viktor antwortet freundlich auf die forschen Worte der Frau:
"Auch ich bin hier um der Beerdigung des Professors beizuwohnen und seiner Tochter meine Hilfe und Unterstützung anzubieten, sollte sie diese benötigen"

Brann Morton

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« Antwort #5 am: 23.04.2013, 21:02:51 »
Abermals ließ Brann Morton seinen Blick über den Brief gleiten, den er einige Tage zuvor von einem Reiter zugestellt bekommen hatte. Abermals fragte er sich, womit er eine Erwähnung in dem Testament verdient hatte, denn der alte Professor und er hatten zwar eine gute Geschäftsverbindung über die Jahre aufgebaut und Brann hatte ihm wohl nicht nur einmal das Leben gerettet aber das war sein Job un Teil des Vertrags gewesen. Der Professor hatte für den Schutz seines Lebens eine ordentliche Summe bezahlt, besser als jeder andere und Brann war mit der Bezahlung sehr zufrieden gewesen. Anfangs hatte ihn nichts mit dem Professor verbunden, anfangs war er nur ein weiterer Niemand gewesen, dessen Leben Brann schützen musste. Das hatte sich allerdings im Laufe der Jahre geändert und nun da die Tochter des alten Mannes um einen Gefallen bat, konnte Brann ihr diesen nicht ausschlagen.

Also stieg er in die Postkutsche, während der Regen auf seine Rüstung und seinen Helm tropfte und ihn langsam aber sicher durchnässte. Mit den Insassen der Kutsche sprach er bis auf eine kurze wortkarge Begrüßung kein Wort und machte sich sofort daran seine Rüstung abzulegen. Ab und zu musterte er die beiden Männer und warf ihnen kritische Blicke zu, er hatte schon früh gelernt das ein bisschen Paranoia Überlebenswichtig war. Der Regen und Nebel drückte seine Stimmung und er wurde nachdenklich, immer wieder dachte er daran das so viel Lebensfreude und Kraft in dem Professor gewesen war als sie sich das letzte mal gesehen hatten. Brann hatte damit grechnet, das der Tag irgendwann kommen würde aber hatte erwartet das der Professor noch einige Jahrzehnte überleben würde, denn er schien einfach unverwüstlich zu sein. Als dann aber ein Knirschen und lautes Knarren zu hören war und die Postkutsche langsamer wurde, riss dies Brann aus seinen Gedanken und sofort war er wieder voll in seinem Beruf. Er war gerade dabei seine Rüstung anzulegen, als der Kutscher schließlich Entwarnung gab und ihnen die schlechte Nachricht mitteilte.

Der Söldner konnte sich wahrlich besseres vorstellen als draußen bei Regen und Nebel die Nacht verbringen zu müssen aber irgendwann wich diese unangenehme Nacht einem verregneten und kalten morgen. Als sie weiterfuhren und nach einigen Stunden endlich in Ravengro angekommen waren, nahm er mit Erstaunen wahr, das sowohl die beiden Mitreisenden als auch zwei weitere Personen aus den Postkutschen ausstiegen. Anscheinend war er nicht der einzige, den der Professor auf seinem Testament erwähnt hatte. Er stellte sich ihnen kurz und möglichst freundlich als Brann Morton vor, verfiel dann aber wieder in Schweigen und blieb dabei die Dorfbewohner und die Umgebung im Auge zu behalten. Er rechnete zwar nicht wirklich damit hier Probleme zu kriegen aber man konnte nie wissen und Ustalav war nicht für seine Gastfreundschaft bekannt.

Bram Stoker

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« Antwort #6 am: 23.04.2013, 21:30:03 »
Die Alte ließ ihren Blick über die Angereisten schweifen. Sie bewegte sich sogar ein bisschen um jeden von euch genauer in Augenschein nehmen zu können. Ein alter Hund ging mitten über den Platz und strich, wie es fast nur bei Katzen üblich ist, um ihre Beine.

Plötzlich fixierte sie Ichabod als hätte es einige Augenblicke gedauert bis sie das Gesagte verdaut hatte: "Wat fürn Meista bist du?" Ihre Stimme brach fast beim Sprechen.

"Kaum is de Professo wech kommt did Jesocks nach Rav'ngro." Ihr Blick glitt zu Brann und Jadar, der mit seinem ungepflegten Äußeren hervorstach. Nicht unbedingt zu den Dorfbewohner, die zu sehen waren, aber zu Dana und Viktor. Was die Alte sagte, war nicht als Beleidigung gemeint, wahrscheinlich nicht sonder der Torheit und Direktheit des Alters verschuldet.

Jadar L. Nefalen

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« Antwort #7 am: 23.04.2013, 22:20:27 »
Die Reise von Lepidstadt nach Ravengro war an im Großen und Ganzen wenig ereignisreich, wenn man von den Zwei zusätzlichen Passagieren die hinzu stiegen und dem Radbruch absah.

Glücklicherweise schien während der Reise keiner der Beiden an einem Gespräch interessiert, was Jadar nur recht sein konnte, denn wenn er ehrlich war hatte er in letzter Zeit kaum mit jemanden gesprochen und war daher ganz einfach aus der Übung was Konversationen betraf.

Die Radpanne war natürlich ein unglücklicher Zwischenfalle der Ihn Zeitlich einen Tag zurückwarf, er hätte zu dem Zeitpunkt vorschlagen können zu Fuß weiter zu gehen, aber das wäre natürlich reiner Unsinn den kein Mensch der bei klaren Verstandes war marschierte des Nachts durch Ustalavan.  

Als Jadar am nächsten Morgen eintraf, bemerkte er das er nicht der einzige war der sich zur Beerdigung des Professors einfand.
Abgesehen von den beiden Mitreisenden, konnte er einen Mann und eine Frau ausmachen die aus einer anderen Kutsche stiegen.
Sobald sie sich am Platz versammelt hatten wurden Sie sofort von einer merkwürdigen alten angesprochen, Jadars erster Impuls wäre es wohl gemessen ihr mitzuteilen das seine Anwesenheit hier Sie nicht zu kümmern habe, doch er besann sich eines besseren da an einem Ort wie Ravengro solch eine alte ebenso gut eine Hexe sein könnte.

"Mein Name ist Jadar Ludevic Nefalen und ich bin hier um meinem Mentor und Freund Professor Lorrimor die letzte Ehre zu erweisen."
Er neigte leicht den Kopf in einer Geste die Anwesende mit einschließen sollte.
« Letzte Änderung: 23.04.2013, 22:33:36 von Jadar L. Nefalen »

Ichabod Crane

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« Antwort #8 am: 24.04.2013, 12:31:00 »
"Und was für ein neugieriges Waschweib bist Du denn?", konterte Ichabod die alte Frau auf Varisianisch sichtlich echauffiert.
"Und jetzt genug Belästigung - geht irgendwo hin und wünscht mit einem Milchauge jemanden anderem Ehrenhaften wie uns Warzen an den Hals!
Ich für meinen Teil bin Euch keine Rechenschaft schuldig.
Ihr habt Euch ja noch nicht ein Mal mit Namen vorgestellt!
Gibt es dafür etwa Gründe? Sollte man Euch den Stadtwächter besser melden?
Und wärt Ihr schon ein Mal in Aashügel gewesen, altes Weib, würdet Ihr mich nicht so dumm von der Seite ansprechen, denn ich stehe unter dem Schutz und im Dienst von Bürgermeister Vanton Heggry!
Der Bürgermeister wäre jedenfalls nicht erfreut, wenn ich ihm von den Bürgern dieser Gegend berichte, wie sie mit trauernden Besuchern umgehen!
Nennt mir deswegen am Besten Euren Namen mal, damit ich ihn mir gleich notieren kann, denn dies könnte politische Konzequenzen haben!"
, übertrieb der Detektiv etwas, um dramatischer und einflussreicher zu klingen[1], wobei er empört und sichtlich angeekelt weiterhin sein Taschentuch, ebenfalls etwas überdramatisch und etwas aus Angst vor der alten Frau mit bleichen Auge, sich vor sein Gesicht hielt.
Doch da wurde der selbsternannte hohe Adelige plötzlich strenger und blies zum Gegenangriff als die Hexe die Trauergäste teilweise als Gesocks beschimpfte.
Doch statt mit einer Anzeige wegen Beleidigung zu drohen, denn Ichabod Crane hatte selbst dagegen ja schon verstossen, wurde er lieber harsch:
"Und nun husch-husch-husch zurück mit Euch in Eure hühnerbeinige Hütte und kocht Baba Yaga ein schönes Süppchen aus Kinderknochen, wenn Ihr Euch für Euer nicht gebührliches Benehmen und Eure bodenlose Unverfrorenheiten uns gegenüber nicht entschuldigen wollt!"

Dabei hoffte der Schurke, dass die alte Frau eingeschüchert wäre oder zumindest die restlichen Bürger der Stadt eingreifen, um die alte Hexe wegzuziehen oder zumindest ihr Gebahren zu entschuldigen.
 1. Buff 10
« Letzte Änderung: 24.04.2013, 12:48:33 von Sensemann »

Bram Stoker

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« Antwort #9 am: 24.04.2013, 15:19:32 »
Zuerst schaut die "alte Hexe" Ichabod direkt in die Augen und ein Lächeln breitet sich über ihr Gesicht aus: "Did globst doch wohl selbst nischt. De Stadtwächtr iss men Enkl wolln wan holn?"

Drohend macht die Alte einen Schritt auf Ichabod zu: "Des olle Waschwaib wid dir jehörig den Arsch versohl'n wenn de dich weita so aufführst Bürschen." Aus dem Augenwinkel konnten die Ankömmlinge beobachten, wie die übrigen Dorfbewohner nicht mehr vorgaben die Szene nicht mehr zu beobachten und eine Gruppe von mehreren Männern sich bereit machte einzugreifen. Auch wenn sie nicht gehört hatten was gesagt wurde, so war die Körpersprache der Alten eindeutig.

"Jehört der zu dir?" frage die Alte, wobei sie die Augen nicht von dem Adligen in der schmutzigen Kleidung ließ. Augenscheinlich sprach sie mit Dana, die mit ihm aus der gleichen Kutsche gestiegen war: "Armet Mäd'l son Idiot'n abzubekomm'n. Als ob son Stinka zum Bürjermeista von Aashüjel komm'n würd."

Ichabod Crane

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« Antwort #10 am: 24.04.2013, 15:49:34 »
Wütend, aber dennoch nicht dumm, denn Ichabod Crane bemerkte, dass die ganze Situation in einem Mob enden könnte, zischte Ichabod Crane der alten Frau entgegen, während er mutig einen Schritt auf sie zumachte, auch wenn sein Herz ihm bis zum Hals pochte und er am Liebsten wegrennen würde:
"Reg Dich ab, altes Weib!
In Deinem Alter solltest Du aufpassen, denn Ruckzuck fällst Du wie vom Blitz getroffen mausetot um, weil Dein Herz den Blödsinn nicht mehr mitmacht, welchen Du hier anzettelst!"
, wobei er seinen stechenden Blick kurz mitleidig aussehen ließ und sich dabei über seine eigene Brust rieb, damit die dumme alte Frau den Wink verstand.
Aber nur, um anschließend wieder feindselig weiter zu giften:
"Der Idiot, wie Du mich nanntest, ist ein Mitglied der Crane Familie!
Also der Familie, welche schon seit dem Jahre 2397 nach Zeitrechnung von Aroden - möge er in Frieden ruhen - dort ansässig ist und zu den mächtigsten Händlerfamilien gehört.
Selbst Untote und Orkblüter haben sich an uns ihre faulen Zähne, wie die einer alten vorlauten Amme, ausgebissen und ich denke mal, dass auch der Bürgermeister von Aashügel seine Adelsfamilien zu schätzen weiß..."
, wobei Ichabod Crane provokant seinen Kopf seitlich hielt und fragte:
"Wer dagegen seid Ihr, außer die Großmutter von einem Stadtwächter, welcher sicherlich nicht der Hauptmann ist, und hier ohne Benehmen und ohne sich vorzustellen unschuldige Trauergäste belangt?
Ihr haltet wohl nicht viel von Sitten und den Gesetzen, welche Pharasma von den Menschen verlangt?
Sehr sehr schade!
Man weiß nicht, was man damit für Flüche und Strafen auf sich zieht!"
, um am Ende der alten Hexe, aber auch den restlichen Zuhörern, welche hoffentlich wie alle Bürger Ustalav's abergläubig sind, noch ein schlechtes Gewissen einzureden und vielleicht etwas durch aufkeimende Angst zu beruhigen, jedoch waren seine Worte zuvor wohl zu provokant[1].
 1. Diplomatie 9
« Letzte Änderung: 24.04.2013, 16:09:41 von Sensemann »

Jadar L. Nefalen

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #11 am: 24.04.2013, 19:02:44 »
Es war amüsant mit anzusehen wie sich dieser so genannte Meisterdetektive um Kopf und Kragen redete, so genannte weil Jadar davon ausging das ein echter Meisterdetektive wohl mehr Finesse an den Tag legen würde, beim Umgang mit anderen Leuten.
Aber in Anbetracht der Tatsache, dass Sie scheinbar gemeinsam eingetroffen sind und die einzigen Fremden, könnte das Verhalten dieses Ichabod Crane, unangenehme Auswirkungen für Jadar haben.
Zumal es nicht klar war, mit wem sich dieser Ichabod gerade einließ, so entschloss sich Jadar erst mal Vorsicht walten zu lassen und die Lage zu Untersuchen, bevor er sich in diese Diskussion auf die eine oder andere Weise einschaltete.[1]
 1. Knowledge(Arcana): überprüfe die Alte 19
« Letzte Änderung: 24.04.2013, 19:06:10 von Jadar L. Nefalen »

Dana Gray

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #12 am: 24.04.2013, 21:25:06 »
Dana nahm ungehalten zur Kenntnis, dass die alte Frau ihre Bitte, ihnen den Weg zu weisen, komplett ignorierte und sich stattdessen lieber beleidigend beschwerte. Das Wort "Gesocks" nahm sie nicht zu persönlich, auch wenn es ihr natürlich nicht gefiel, so genannt zu werden. Doch nur zu gut war ihr bekannt, dass alte Leutchen mitunter sehr offen sagten, was sie dachten, und deswegen schwierig sein konnten. Aber auch wenn sie dies innerlich berücksichtigte, änderte das nichts daran, dass ihre Geduld Grenzen hatte.
Aber es war nicht die Alte, die diese nun beantspruchte, sondern ihr Exmann, der es scheinbar nicht lassen konnte, nun auch noch einen Streit mit dieser betagten Fremden anzufangen. Dana riss sich zusammen, um nicht zu seufzen oder die Augen zu verdrehen. Der Stolz war, wie sie wusste, einer von Ichabods Schwachpunkten, und der ach so edle Meisterdetektiv würde mit seinen Gebaren vielleicht noch alle Neuankömmlinge ans Messer liefern. Die plötzliche übermäßige Anspannung der zuschauenden Dorfbewohner war dafür ein klares Indiz. Zumal Danas Exmann sich wahrscheinlich gerade mit der Dorfältesten anlegte, wie sie befürchtete.
Es war Zeit, einzuschreiten, beschloss sie. Eigentlich hatte Dana sich vorgenommen, Ichabod weitesgehend zu ignorieren und nach der Beerdigung möglichst schnell, ohne unhöflich zu wirken, wieder den Rückweg nach Caliphas anzutreten. Doch nun musste sie zwangsläufig zumindest etwas auf ihn eingehen - auch wenn sie bewusst die Frage der Alten, ob Ichabod zu ihr gehörte, überging.
Bevor die Sache noch weiter eskalieren konnte, trat Dana schnell vor und legte Ichabod eine Hand auf die Brust - allerdings ohne die Fremde aus den Augen zu lassen. Es sollte eine beschwichtigende und zurückhaltende Geste sein (auch wenn Dana nicht glaubte, dass Ichabod der Alten noch näher kommen würde), aber vielmehr war es der leichte Druck, den sie mit bestimmt für ihn spürbarer Wut auf ihn ausübte, der ihm signalisieren sollte, nun seine Klappe zu halten.
Dana setze ein um Verzeihung bittendes Lächeln auf, mit dem sie etwas Frieden in die Angelegenheit bringen wollte, und ergriff das Wort.
"Entschuldigt, gute Frau, die Trauer ist ihm etwas auf sein Gemüt geschlagen. Ereignisse wie der unerwartete Todesfall eines guten Freundes würden wohl jeden aufwühlen. Nehmt nicht allzu ernst, was er von sich gibt. Wir sind keineswegs hier, um Ärger zu machen", fügte sie hinzu und ihr Blick entglitt ihr dabei kurz in Richtung der anderen Dorfbewohner.
"Ich wäre Euch verbunden, wenn Ihr mir nun sagen könntet, wo wir Kendra Lorrimor finden können", wiederholte Dana nun direktheraus, um darauf zu beharren, und in ihrer Stimme schwang hörbar Ungeduld und Ärger mit.[1]
 1. Diplomatie 9

Bram Stoker

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #13 am: 24.04.2013, 21:37:28 »
"Schon jut Kindchen, dis mit de Männer is sone Sache." Sie ließ ihren Stock wieder sinken: "Irjendwann wird sich de Schnösel nur janz schön in de Predülie bring'n."

Aus dem Augenwinkel konnte Dana sehen wie die Dorfbewohner sich wieder etwas entspannten. Auch wenn sie nicht wie vorher vorgaben nicht herüber zu starren. Wer genau hinhörte konnte hier und da ein geflüstertes Lorrimor hören. Mehr konntet ihr nicht verstehen.

"Did arme Mäuschen wohnt da hint'n, kann ja nüchts für ihr'n Vata." Bei diesen Worten drehte sich die Alte um und zeigte die Straße hinunter: "Is dis Haus ina Biejung." Das Haus was die Alte meinte war von ihrem derzeitigen Standpunkt nicht zu sehen, nur der Weg, der von ein paar kleineren Häusern gesäumt war. Auf der Straße standen einige Pfützen, auch hier schien es in den letzten Tagen fiel geregnet zu haben. Dicke graue Wolken zogen über den Himmel, auch wenn es aufgehört hatte zu regnen. Wenigstens für den Augenblick.

Brann Morton

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[IG] Part 1: Der letzte Wille
« Antwort #14 am: 24.04.2013, 22:24:11 »
Angespannt verfolgte Brann Morton die Situation und rechnete schon mit dem schlimmsten, als die Dorfbewohner anfingen unruhig zu werden. Das sich an diesem Trauertag direkt nach ihrer Ankunft ein wütender Mob bildete war das letzte was der Söldner wollte. Sie alle waren nur hierher gekommen um dem alten Professor die letzte Ehre zu erweisen und nicht um sich mit dickköpfigen und misstrauischen Dorfbewohnern anzulegen. Als die Situation anfing aus dem Ruder zu laufen ging er einen Schritt auf den Meisterdetektiv Ichabod Crane zu und machte sich bereit ihn einfach wegzuziehen. Er stellte sich in diesem Moment wahrlich nicht besonders geschickt an möglichst freundlich zu sein.

Doch da schritt Dana Gray ein und rettete die fast eskalierende Situation. Ein kleiner Stein fiel Brann vom Herzen und während ein leichter Seufzer aus seiner Richtung zu hören war, entspannte er sich wieder etwas. Nachdem die kleine Gruppe nun wusste, wo sie hingehen mussten, verabschiedete sich Brann freundlich und sagte:
"Ich danke Euch für die Auskunft, gute Frau aber ihr müsst uns nun entschuldigen, wir werden erwartet."
Dann ging er auch schon los ohne eine Reaktion abzuwarten, denn er hatte keine Lust noch länger bei dieser unfreundlichen und streitlustigen alten Frau zu bleiben und wollte sich auch so weit wie möglich von den anderen Dorfbewohnern entfernen. Selbst für die Verhältnisse in Ustalav waren sie hier besonders unfreundlich empfangen worden. Außerdem wartete Kendra auf sie und Brann hatte nicht vor das arme Mädchen noch länger warten zu lassen.
So ging er voraus und seine schweren Stiefel hinterließen tiefe Spuren in dem schlammigen Untergrund, während Schlammspritzer seine Hose nun endgültig verdreckten. Beim Haus angekommen, wartete er auf die anderen und klopfte an die Tür, bis er sich sicher war das er gehört worden war.

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