Autor Thema: Sur Demande  (Gelesen 2932 mal)

Beschreibung: Wünsche und Erwartungen an das Szenario

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Finster

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Sur Demande
« Antwort #15 am: 19.06.2013, 18:30:34 »
Oha, da hab ich aber eine lange Antwort provoziert ;) Ich glaube einen guten Teil davon hatten wir auch schonmal im ICQ angeschnitten (wo ich grad drüber nachdenke: hatten wir nicht auch schonmal am Rande über die Reichsgründung geredet?).

Wie du ja weißt, stimme ich deiner gesamten theoretischen Unterfütterung zu und sehe es sehr ähnlich, wenn nicht sogar genau so wie du. Ich sollte mich vielleicht auch entschuldigen, da ich mich sehr unpräzise ausgedrückt habe. Es ging mir nicht ernsthaft darum die Reichsgründung zu bespielen, so dass Carl am Ende noch Bismarck die Hand halten kann. Einfluss auf dieses Ereignis wollte ich erst Recht nicht nehmen. Das schnöde Faktum einer Carlschen Anwesenheit würde mir genügen, so dass ich es ggf. Ingame reflektieren könnte und natürlich auch um den von Lütjenburgischen Nationalismustank aufzufüllen (Ich gehe davon aus, dass das Abenteuer sehr kräftezehrend wird, also lieber ein wenig mehr Idealismus einpacken).

Deine Idee des Einstiegsposts finde ich gar nicht mal verkehrt und würde das sogar aufnehmen, sollte es dazu kommen :)


Zitat
die Geschehnisse genauer zu planen
Zitat
Mit einer Ausnahme! Einen historischen Charakter zu spielen, macht ihn nicht immun gegen das Sterben in meinen Runden.

Heiliger eiserner Kanzler[1]! Das beides werde Ich - Major[2] Borussia -  natürlich mal wieder nach besten Kräften zu vereiteln suchen ;)

Aber mal wieder Spaß beiseite: Kannst du vielleicht ausführen, was du mit dem angesprochenen Reißbrettansatz meinst? Ich bin selbst immer sehr interessiert wie andere Leute bei der Planung ihrer Kampagnen vorgehen ;)

 1. Wers nicht kennt: Die "holy words"
 2. Ich finde meine Beförderung sollte sich auch auf mein Alter Ego niederschlagen. Außerdem sollte ein preußischer Superheld einem kulturlosen Drückeberger wie Cpt. America gegenüber im Rang höherstehen
Iucundi acti labores

Menthir

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« Antwort #16 am: 19.06.2013, 20:34:21 »
Oha, da hab ich aber eine lange Antwort provoziert ;) Ich glaube einen guten Teil davon hatten wir auch schonmal im ICQ angeschnitten (wo ich grad drüber nachdenke: hatten wir nicht auch schonmal am Rande über die Reichsgründung geredet?).

Ja, wir hatten einen Teil davon per ICQ vor einer Woche ungefähr angeschnitten. Ich fand deinen Beitrag passend, um meine Meinung dazu allgemeiner zu formulieren. Dabei hatten wir auch kurz über die Reichsgründung gesprochen.

Zitat
Wie du ja weißt, stimme ich deiner gesamten theoretischen Unterfütterung zu und sehe es sehr ähnlich, wenn nicht sogar genau so wie du. Ich sollte mich vielleicht auch entschuldigen, da ich mich sehr unpräzise ausgedrückt habe. Es ging mir nicht ernsthaft darum die Reichsgründung zu bespielen, so dass Carl am Ende noch Bismarck die Hand halten kann. Einfluss auf dieses Ereignis wollte ich erst Recht nicht nehmen. Das schnöde Faktum einer Carlschen Anwesenheit würde mir genügen, so dass ich es ggf. Ingame reflektieren könnte und natürlich auch um den von Lütjenburgischen Nationalismustank aufzufüllen (Ich gehe davon aus, dass das Abenteuer sehr kräftezehrend wird, also lieber ein wenig mehr Idealismus einpacken).

Deine Idee des Einstiegsposts finde ich gar nicht mal verkehrt und würde das sogar aufnehmen, sollte es dazu kommen :)

Keine Sorge, ich habe es nicht als Forderung unter Scheuklappen wahrgenommen. Ich habe es, wie geschrieben, nur zum Anlass genommen, dieses Thema für mich genauer zu beleuchten. :)
Es freut mich, dass dir die Idee gefällt.


Zitat
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die Geschehnisse genauer zu planen
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Mit einer Ausnahme! Einen historischen Charakter zu spielen, macht ihn nicht immun gegen das Sterben in meinen Runden.

Heiliger eiserner Kanzler[1]! Das beides werde Ich - Major[2] Borussia -  natürlich mal wieder nach besten Kräften zu vereiteln suchen ;)

Aber mal wieder Spaß beiseite: Kannst du vielleicht ausführen, was du mit dem angesprochenen Reißbrettansatz meinst? Ich bin selbst immer sehr interessiert wie andere Leute bei der Planung ihrer Kampagnen vorgehen ;)
 1. Wers nicht kennt: Die "holy words"
 2. Ich finde meine Beförderung sollte sich auch auf mein Alter Ego niederschlagen. Außerdem sollte ein preußischer Superheld einem kulturlosen Drückeberger wie Cpt. America gegenüber im Rang höherstehen

Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, wie diese Reißbrettsache funktionieren wird. Es wäre denkbar, dass einfach mal komplexer plane (was nicht heißt, dass das Spiel komplexer werden muss). Normalerweise plane ich meine Runden über die Charaktere. Ich verbinde diverse Stränge über die Charaktere und projeziere diese auf jene. Das heißt, gewisse Charaktere stehen für gewisse Wege, die im Spiel offen stehen. Wer meine Selbstevaluierung gelesen hat, weiß, dass ich die Spielwelt über den Dialog offenlege und damit quasi einen dialektischen Ansatz einzubinden versuche (die Spieler bilden die Spielwelt also aktiv mit). Deswegen sind die Charaktere in der Planung ganz wichtig und nehmen etwa 90% meiner Planung ein. Ich habe einen solches Prozess noch nie ganz offengelegt, aber das Ergebnis dessen nach Abschluss einer Runde präsentiert.
Die Nebenspielcharaktere von Des Kaisers schwarzes Vermächtnis
Die Charaktere lassen mir persönlich möglichst viel Freiheit, ohne in die übergroße Gefahr des Railroadings zu geraten, weil ich eben nicht auf Krampf Aktionen einbauen muss. Die Aktionen spielen also eine geringere Rolle, meist sind die Konsequenzen der spielweltlichen, dialogisch-dialektischen Entwicklung und ergeben sich damit aus der Situation. Das macht es relativ leicht.

Darauf basiert dann auch meine weitere Planung. Ich überlege, wie die Nebenspielcharaktere mit den Spielercharakteren wohl interagieren könnten und welche 2-4 Entscheidungen mir am wahrscheinlichsten scheinen. Ich ordne dann nur die Startreihenfolge, um reinzukommen. Auf meinem Blatt Papier entsteht dann quasi eine Landkarte. Die Anfangsbegegnungen sind das lokale Umfeld und stellen quasi den Startort dar, dann verteile ich die anderen Charaktere wild auf diesem Papier. Jetzt kommt mein persönliches Umfeld zum Tragen, denn mein Bruder ist Eisenbahner. Also verbinde ich alle Charaktere (oder Anfahrtsorte) mit Schienen und baue überall Weichen ein. Diese Weichen werden in der Regel von den Spieler direkt betätigt, durch ihre Storyentscheidungen stellen sich im Hinterfeld jedoch auch manchmal Weichen (Konsequenzen der Handlungen).
Jetzt setze ich manchmal zwischen die Strecken bzw. auf die Strecken Sehenswürdigkeiten, das können besondere Begegnungen sein, die Chance Verbündete zu gewinnen oder einfach Sightseeing-Parts.
Man sieht, ich spiele gerne mit Klischees und breche mit ihnen. Bei mir bedeutet Railroading also geringfügig etwas anderes. Wie schon häufig beschrieben, baue ich Szenarien, welche ich auch gerne Spielrahmen nenne. Das bedeutet, ich lege die Schienen aus, und die Spieler reisen dann nach Gutdünken auf ihnen. Ich lasse aber Leerfelder für spontane Charaktere oder Schienen, welche die Spieler sich selbst legen und die binde ich dann ins System ein. Die Schienen sind hier auch nicht stellvertretend, für die Wege, welche die Charaktere nehmen, sondern es sind vielmehr die Konsequenzen selbst. Wenn Charaktere also etwas entscheiden, stellen sie direkt die Weichen und dorthin fährt eben der Zug, wenn man so möchte. Mir ist jedoch wichtig, dass diese Wege nicht unumstößlich sind. Ganz im Gegenteil. Viel ergibt sich durch das Spiel selbst.

Das bedeutet jetzt in der Konsequenz, dass ich ein Grundthema wähle, welches das Spiel ausmachen soll. Dann lege ich die Fraktionen und deren Ziele fest und bau dann die passende Charaktere dazu. Ich lege dann fest, wie das Szenario beginnt und lege die Schienen aus und verteile die Charaktere auf meiner Karte. Daraus entsteht dann quasi auch ein Beziehungsnetzwerk. Da ich Pläne und Charaktere und Grundthema damit im Kasten habe, setze ich dann den Spielgruppenzug auf diese Schienen und übergebe ihnen das Kommando über den Zug. Und der Rest liegt dann an der dialogischen Erschließung der Spielwelt.
So plane ich Spielrunde bisher. Jetzt überlege ich selbst, wie ich das gegebenenfalls verändere.

Achja, unterfüttert werden die Spielrunden dann immer auch von theoretischen Fragen außerhalb oder innerhalb des Spiels, die ich mir selbst stelle, deswegen kommen immer unterschiedliche Thematiken vor. Wie der Umgang mit Nationalismus in der Casus Belli-Runde. :)
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Alfred Nobel

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« Antwort #17 am: 19.06.2013, 22:53:18 »
Ich komme im Moment leider nicht zu mehr, aber ich möchte Dich wissen lassen, dass all Dein Gedankengut und die Vorbereitungen tief zu schätzen weiß. Solche Einblicke in die Planung Deiner Spiele haben zu dürfen fühlt sich nach einer kleinen Erleuchtung an.

Ich möchte Finsters Lob in der Preußenrunde nur wiederholen und bekräftigen. Danke!
But I have learned to study Nature’s book
And comprehend its pages, and extract
From their deep love a solace for my grief.

 - A Riddle, 1851

Menthir

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« Antwort #18 am: 20.06.2013, 20:01:08 »
Ich komme im Moment leider nicht zu mehr, aber ich möchte Dich wissen lassen, dass all Dein Gedankengut und die Vorbereitungen tief zu schätzen weiß. Solche Einblicke in die Planung Deiner Spiele haben zu dürfen fühlt sich nach einer kleinen Erleuchtung an.

Ich möchte Finsters Lob in der Preußenrunde nur wiederholen und bekräftigen. Danke!

 :oops: Vielen Dank! Es freut mich, dass diese Einblicke auch euch hilfreich sind und nicht als lästiges Aufspielen des Spielleiters ankommen, der auf Krampf seine Gedanken teilen will.  :cheesy:
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