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Autor Thema: Part II: Wettlauf ins Verderben  (Gelesen 38209 mal)

Beschreibung: InGame

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Ksynthral

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« am: 26.06.2013, 18:30:33 »
Part II: Wettlauf ins Verderben


Die Dschungel des Mwangibeckens sind voller bröckelnder Ruinen - die Stufenpyramiden von Kembe, die fliegende Stadt Kho sowie das arme, verfluchte heilige Xatramba. Doch keines dieser uralten Überbleibsel inspirierte die Vorstellungskraft von Abenteurern und Gelehrten so sehr wie Saventh-Yhi, die legendäre versunkene Stadt der Azlanti. Sie liegt tief im Inneren Garunds und ist der einzige bekannte Außenposten jenes verschwundenen Volkes. Die Entdeckung Saventh-Yhis wäre die Glanzleistung in der Karriere eines jeden Entdeckers, und die Götter allein wissen, wie viele es bereits zu finden versucht haben und kläglich daran gescheitert sind. Die übel riechenden Dschungel von Mwangi hüten viele Geheimnisse, doch einige Städte sind vielleicht nicht ohne Grund versunken. Denk' darüber nach, während du unter dem tropfenden Blätterdach von irgendeiner reißzahnbewehrten Monstrosität verschlungen wirst.

- Lilae Kurundi, Eine vergebliche Mühe: Ruinen und Relikte des Mwangibeckens
« Letzte Änderung: 26.06.2013, 19:07:19 von Ksynthral »

Ksynthral

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #1 am: 26.06.2013, 18:31:14 »
'Werte Zarishu,

sicherlich seid ihr überrascht mich nicht anzutreffen, wie eigentlich abgesprochen. Doch wichtige Besprechungen fordern meine Anwesenheit, die Ereignisse des vergangenen Tages scheinen sich in Eleder bereits herumzusprechen. Und andere wiederum fordern ebenso meine Aufmerksamkeit. Ich weiß nicht wohin zuerst den Kopf wenden: Wie eine mehrköpfige Schlange wende und drehe ich es mir, doch jeder Weg wird der falsche sein, dessen bin ich mir gewiss.

Nun, es sei, ich habe eine Entscheidung getroffen, und ob ihr wollt oder nicht, ihr müsst wohl vorerst mit ihr leben: Ich lasse die Freimänner, Freimänner sein und bin nach Kalabuto über dem Tränenfluss aufgebrochen. Kein besonders schöner Ort, aber ich habe eine Aufgabe zu erfüllen. Vorauseilender Gehorsam müsst ihr wissen, man achtet und schätzt Freunde, aber man dient nur einem Herren. Und Befehl ist Befehl, verzeiht mir...

Ich wünschte wir würden uns wiedersehen, doch wüsste ich nicht, was euch zu mir treiben sollte in diese verdammte Ruinenstadt!

Das Schicksal der Zeiten ist ein Wettlauf ins Verderben müsst ihr wissen, und so oft sich die Ereignisse überschlagen, so oft schlägt Pharasma zu...

Geht zu Briga ins Sargavahaus, verfolgt eure Ziele, wie besprochen - ihr tut euch und Mauerseitsund vermutlich ganz Eleder einen großen Gefallen damit, Zarishu!

Lebt wohl!

Torgram.'
« Letzte Änderung: 28.07.2013, 16:47:16 von Ksynthral »

Ksynthral

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #2 am: 01.09.2013, 20:34:49 »
Zarishu:

Und Zarishu tat wie ihr geheißen: Sie hatte voller Überraschung und auch Furcht, einem Cocktail an unterschiedlichsten Emotionen und Eindrücken, den Brief Torgrams gelesen, nachvollzogen und zur Kenntnis genommen. Und nun war es also an ihr die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ob sie Torgram wiedersehen würde wusste sie nicht. Genauso wenig wusste Zarishu allerdings, und ihr derzeitig emotional angeschlagener Zustand bekräftigten dies nicht gerade, ob sie Darelion rächen könnte, oder wenigstens Ruhe in das Chaos und die Umtriebe der Freimänner in Eleder bringen können würde. Zarishu holte ihr restliches Hab und Gut aus der Truhe des Gästezimmers bei Torgram und verabschiedete sich bei den Wachposten vor dem Haus des Viertelvorstehers. Sie wollte sich nicht weiter mit den Männern unterhalten, ihr Herr und Wortgeber war verschwunden, und sie traute seit dem gestrigen Abend den Menschen nicht mehr so wie zuvor. Darelions Tod war ein einschneidendes Erlebnis für sie gewesen. Und noch während sie über den gestrigen Abend, den Besuch am Grabe ihres Begleiters und den Brief von Torgram sowie dessen plötzlichen Aufbruch nachdachte trugen sie ihre Füße hinaus aus Mauerseits und durch eines der großen Tore der Diomar-Mauer hinein nach Eleder, hinein nach Neu-Haliad, und durch die engen Gassen und die breiteren Straßen, vorbei an den kolonialen Archiven und dem Palast des Büros, über die Tempelstraße hin zum Sargavahaus. Sie hatte ihr Ziel klar vor Augen und doch zweifelte sie. Doch Eleder ließ keinen Zweifel zu. Die Stadt pulsierte selbst am Vormittag schon so wie das Herz eines Botenjungen nach dem Überbringen einer wichtigen Depesche. Fremdartige Gerüche und zahlreiche Gesichter sowie Laute und Klänge einer brodelnden Handelsstadt nahmen sie in Empfang und ließen Zarishu quasi spurenlos und ungesehen durch die Stadt gleiten. Wie eine einzige kleine Ameise im riesigen Haufen des Nestes, eine summende Masse von der durchaus auch große Gefahr ausgehen konnte...

Krakqualntopp und Trovag Tilor:

Der Dschungel war für viele Monate sein neues Zuhause gewesen, im Sinne einer ziellosen Wanderung jedenfalls. Ohne genau zu wissen wohin er sich bewegte, oder wohin ihn seine kleinen Füße trugen war die Zeit vergangen und eine enorm große Strecke für einen Gnom zurückgelegt worden. Er hatte sich bis an die Küste durchgeschlagen und war dann in Richtung Norden nach Eleder aufgebrochen. Man hatte ihm versprochen, dass er dort sicherlich finden werde, was er suchte: Selbst wenn er jetzt noch nicht wüsste, was er suche! Eleder sei eine sonderbare, aber wunderbare Stadt, Sargavas Hauptstadt war mit Sicherheit auch kein einfaches Pflaster - aber sie bot definitiv mehr Chancen als manch anderer menschenverlassener Ort oder Dschungelabschnitt Sargavas: Und wenn man nicht fand, was man suchte, so hatte man wenigstens die Möglichkeit auf eines der großen oder kleinen Schiffe zu steigen und Eleder so schnell durch seinen gigantischen Hafen wieder zu verlassen, wie man von den Menschenmassen in seinen Gassen durch die Stadt getrieben wurde. Eigentlich kein Ort für kleine Leute, denn zu schnell verlor man die Übersicht und verlor sich in der Menge. Doch Krakquolntopp war den zahlreichen Ratschlägen aus zahlreichen Mündern, zahlreicher Alter an zahlreichen Lagerfeuern gefolgt und hatte es an eben jenem Tage geschafft. In aller Frühe erreichte er die Diomar-Mauer am südlichsten Tor und durchschritt das Portal zu einer anderen Welt, zur städtischen Welt Eleders. Er ließ das Elendsviertel Mauerseits hinter sich und schlenderte durch Neu-Haliad, Richtung Hafenwärts: Dort würde seine Wahl fallen - eine Frage und eine Antwort finden, etwas das er suchte - oder ein Schiff besteigen, welches ihn aus Eleder hin forttrug, auf zu neuen Ufern. Doch in diesen Tagen war die Schifffahrt noch gefährlich und das Meer rau. Und Gozreh war nicht allen Reisenden auf dem Wasser gnädig. Er wollte seinem Schicksal eine Chance geben und nicht ungebremst durch die ihm fremde Stadt marschieren. Außerdem war er ermattet von seiner langen Reise aus den tiefsten Untiefen des Dschungels. Er betrat eine Art Gaststätte und Unterkunft für Wegreisende: Das Sargavahaus. Vormittags war nicht sonderlich viel los in der gedrungenen, mittleren Schankstube, welche eigentlich auch mehr einer Pfandleihe glich. Gut sortiert, allerhand an Tand und Ausrüstungsgegenständen für eine lange, oder auch kurze Reise. Allerhand Informationen, Karten, magische und nichtmagische Gegenstände ließen sich hier scheinbar erwerben, und auch Kontakte wurden hier scheinbar heiß gehandelt: Mit Expeditionen und Forschungszügen wurde in Eleder mindestens so groß Geld gemacht wie mit der Schifffahrt und dem Fischfang. Briga, eine feiste und nicht auf den Mund gefallene Halborkin hatte Krakquolntopp willkommen geheißen. Sie war die Wirtin und gleichfalls Besitzerin des Sargavahauses und Regel Nummer Eins lautete: Behandle alle Gäste als Gleichgestellte! Und das war im restlichen Eleder keinesfalls Normalität. Demnach konnte man durchaus die Vielzahl Angehöriger unterschiedlichster Völker nachvollziehen, die hier herumsaßen, sich an lokalen Speisen gütlich taten, einen Fisch, ein Bier oder einen ekelhaft süßlichen, aber angeblich sehr starken Zenjschnaps verzehrten: Mupute, aus Ananas und Zuckerrohr gebrannt. Krakquolntopp bekam noch bevor er sich recht umgesehen hatte einen solchen Mupute vorgesetzt von Briga:

"Ihr seht müde aus, Fremder, willkommen in Eleder - was treibt euch hierher?! Donna Madrona Daugustana wird es schon nicht sein, die alte Schnepfe, he?!"

Mit einem schmunzelnden Gesicht und hochgezogener Augenbraue sah die Wirtin den Gnom an und hob gleichfalls ein kleines Glas, um mit ihm anzustoßen...

Doch wie es der Zufall wollte, war Krakquolntopp nicht der einzige Angehörige eines kleinen Volkes, welcher an diesem Tage Eleder erreichte und durch die Straßen der Stadt hin ins Sargavahaus getragen wurde. Auch ein Zwerg namens Trovag Tilor hatte im frühen Morgengrauen seine Ankunft in der Stadt verzeichnen können und nun war es ebenso an ihm den Schankraum zu betreten - doch die Wirtin schien mit einem Gnom geschäftig zu trinken und ansonsten war dies anscheinend ein Rasthaus in dem sich fremde nur so zu tummeln schienen, um ihr Mahl einzunehmen. Trovag Tilor wollte nicht lange in Eleder weilen und schon die ersten Stunden in dieser geschäftigen und überfüllten Stadt hatten ihn darin bestätigt: Er war seinem Traum und Wunsch auf der Fährte einen echten Drachen zu treffen - hier in Eleder würde er dem sicherlich nicht begegnen, doch ein Anhänger der Gesellschafter der Kundschafter hatte ihm vom Gesuch für eine Expedition tief in die Dschungel dieser Welt erzählt. Interessenten und Mutige entgegen dem Ungewissen sollten sich in Eleder im Hauptquartier der Loge melden: Der Zehnerrat der Kundschafter hatte schwere Verluste in Kalabuto hinnehmen müssen und beklagte den Verlust der dortigen Loge, ebenso kochte die Feindschaft mit dem Aspis-Konsortium noch immer heftig und ungebremst: Das Handelskartell sollte hier in Garund geschwächt werden und das Innere Mwangis als möglicher neuer Logenhauptsitz erschien den Kundschaftern allen Anscheins nach als perfekter Ort für ihr Vorhaben! Trovag hatte sich nicht vorstellen können, wie so etwas funktionieren sollte, oder warum man so einen Plan hegte. Doch auch er hatte ein Ziel, welches er mit Kraft und Nachdruck verfolgte: Und er hatte dem Anhänger der Kundschafter geglaubt und vertraut und nun war er hier. Mitten in Eleder, im Sargavahaus, für ein Frühstück - und den Weg zur Loge der Kundschafter!...
« Letzte Änderung: 03.09.2013, 23:27:01 von Ksynthral »

Trovag Tilor

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #3 am: 01.09.2013, 22:16:40 »
Trovag Tilor fühlte sich unwohl in Städten. Der Zwerg spürte eine fast körperliche Enge in den Straßen Eleders. Der Baustil der Gebäude zeigt die unterschiedlichen Herrscher, die versuchten das wilde Land Sargava zu zähmen. Trovag würde sich nicht zähmen lassen. Seine Heimat war die Wildnis. Wenn er den Sternenhimmel weit hinter den dichten Wipfeln der Bäume im Dschungel erahnen konnte, dann fühlte er sich wohl.
Viele Angehörige seines Volkes verbrachten ihre Lebensjahre mit dem unermüdlichen Graben von Tunneln und Schächten, um die Ressourcen der Berge zu erschließen. Minenarbeit war etwas mit dem sich der Barbar überhaupt nicht anfreunden konnte. Die Taralu hatten sich schon vor vielen Generationen in den Dschungel Mwangis zurück gezogen und dort war Trovag aufgewachsen.
Der Schmuck an seinen Ohren und um seinen Hals machte überdeutlich, dass er aus dem Dschungel kam und so mancher, der ihn lediglich für einen dummen Wilden gehalten hatte, den man verspotten kann, musste spüren, welche Kraft und vor allem Wut in diesem Zwergen steckte.
Doch nun war Trovag wieder einmal in einer Stadt. Einer Hafenstadt, die als einzige in Sargava, Anlegemöglichkeiten für Tiefseeschiffe bot. Das Ziel des Barbaren war die Loge der Kundschafter. Dort wollte er Anschluss finden an eine Expedition in den Dschungel und die Prophezeiung seiner Geburt erfüllen. Unter den Zähnen, Federn und Hautreste verschiedenster Tiere, die seinen Körper schmückten und versteckt durch das Metall seiner Rüstung bot sich auf der Haut Trovags die Abbildung eines Wesens, nach dem der kräftige Zwerg seit vielen Jahren suchte.
Doch am Vormittag war es noch früh, um sich auf den Weg zu Loge der Kundschafter zu machen, aber die perfekte Gelegenheit, sich den Magen voll zuschlagen Das Sargavahaus schien die, wenn nicht perfekte jedoch akzeptable, Möglichkeit für Trovag Tilor diesen Genüssen nach zu geben.
Es war wenig los am Vormittag, während wohl die meisten der Einwohner Eleders versuchten etwas Geld am Hafen zu verdienen. Trovag roch den Fisch fast zehn Armlängen gegen den Wind. Das war der Hauptnachteil an Hafenstädten. Ständig wurde einem Fisch und anderes Meeresgetier angeboten. Doch der Zwerg hatte wenig Lust mühsam das wenige Fischfleisch zwischen Gräten, Schuppen und Scheren herauszufischen. Trovag hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was er sich unter einem anständigen Frühstück vorstellte.
So ging er relativ schnurstracks auf die Halborkdame zu, die hier aktuell die Regie zu führen schien. Tippte ihr in die Seite, legte seinen Kopf nach links und sprach zu ihr, noch während sie sich zu ihm umzudrehen begann: "Eier und Speck und ein halbes Huhn, dazu ein, nein besser gleich zwei, Bier und etwas Brot damit das ganze Fett nicht aus dem Magen wieder rauskommen will.
Trovag lief das Wasser allein bei dem Gedanken an das Frühstück bereits im Mund zusammen und doch stutzte er einen Moment und ergänzte: "Besser kein halbes sondern ein ganzes Huhn." Der Zwerg schlug sich mit der flachen linken Hand gegen die Stirn wobei der Federschmuck an seinem Kopf kräftig zu wackeln begann. "Ach, Hallo übrigens."
« Letzte Änderung: 03.09.2013, 23:27:36 von Ksynthral »

Krakqualntopp

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #4 am: 02.09.2013, 01:46:37 »
Krakqualntopp wanderte durch die Stadt. Man hatte sie ihm als wundervollen Ort angepriesen. Ein Ort, an dem alle seine Wünsche erfüllt würden.
Aber sie hatten gelogen.
Die Stadt war nicht richtig. Nicht für ihn. Es gab kein richtiges Grün. Nur dieses Braun. Kein Schatten von Bäumen oder Farnen.
Pflanzen mussten sich ihren Platz erkämpfen, denn überall liefen Leute herum und zertrampelten außer Gras alles, was zu wachsen versuchte. Sie bauten ihre Höhlen auf die Erde, statt sie hinein zu graben.
Er kämpfte mit der roten Stimme in ihm, denn die grüne gab kaum einen Ton von sich. Sie wollte, dass er zurück ging, um mit den Lügnern den roten Tanz zu tanzen.
Aber er hätte es wissen müssen.
Denn er hatte ja gar keine Wünsche. Er war einfach nur. Wie Brise. Wie Sturm. Wie Wellen. Wie Sintflut. Er trieb durch die Welt.
Die grüne Stimme meldete sich jetzt lauter. Sie drängte die rote zurück.
Er verspürte Hunger.
Eine Höhle roch nach Essen. Er hatte gelernt, dass einige Stämme Höhlen hatten, in denen sie Essen und Trinken für glitzernden Tand tauschten.
Und er hatte gelernt, andere Sachen gegen diesen Tand einzutauschen. Aber es war ihm lieber, wenn man direkt etwas tauschte. Sie hatten versucht ihm zu erklären, warum es mit diesen Metallscheiben einfacher war. Aber er hatte nicht zugehört.
Krakqualntopp war froh aus dem Gedränge der Straße herauszukommen. So viele Wesen um ihn herum ließ oft die rote Stimme überhand nehmen.
In der Höhle begrüßte ihn eine große Frau freundlich. Und dies erwiderte er.
Er erhob den Becher wie sie, als er antwortete.
"Ich bin Krakqualntopp. Ich bin nicht müde. Danke." Kurz rief er sich ihre Worte ins Gedächtnis zurück. "Jemand hat mir gesagt, hier würden meine Wünsche erfüllt. Aber das war gelogen. ..."
Grad wollte er noch weiterreden, als ein anderes Wesen sich einmischte und ihn unterbrach.
Unwillkürlich glitt seine Hand zum Griff seiner Waffe und die rote Stimme erklang in seinem Kopf. Ein kurzes Knurren entfuhr seinen zusammengepressten Lippen.
Schnell stürzte Krakqualntopp daraufhin den Mupute herunter. Der Geschmack lenkte ihn ab.
Er keuchte kurz auf, als er das Gefühl hatte, zu heißes Wasser würde seine Kehle hinabfliessen.
« Letzte Änderung: 03.09.2013, 23:04:55 von Ksynthral »

Ksynthral

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #5 am: 03.09.2013, 23:26:12 »
Krakqualntopp und Trovag Tilor:

Während Briga ihrerseits den Zenjschnaps hinabstürzte und Krakqualntopp noch auffordernd ansah wurde sie von Trovag Tilor angestupst, der so versuchte auf sich aufmerksam zu machen, verdutzt blickte sie zu dem fremden Zwergen hinunter:

"Langsam, langsam guter Mann: Hallo und Guten Tag, allerdings! Wenn man Vormittags schon so viele und vor allem so hungrige Gäste hat, dann ist es fürwahr ein guter Tag!

Die Besitzerin des Sargavahauses lächelte den Zwergen neben ihr breit an und nickte Krakqualntopp kurz zu, der sich gerade an seinem Schnaps gütlich tat:

"Briga mein Name, freut mich euch kennenzulernen, Krakqualntopp! Ihr seht allerdings schon, ich muss das so sagen - trotz des guten Tages - ihr seht müde aus, um nicht zu sagen völlig verpennt, wenn ihr versteht was ich meine?"

Sie wand sich wieder Trovag zu und fügte dem Zwergen antwortend hinzu, der ja soeben eine Großbestellung an Mahlzeiten aufgegeben hatte und strahlte nun bereits übers ganze, derbe Orkgesicht:

"Eier und Speck und dies und das und: Sehr wohl der Herr, setzt euch, trinkt einen Mupute, Willkommen im Sargavahaus! Ich werde in der Küche Bescheid sagen, Krakqualntopp, kann ich euch auch etwas zu Essen mitbringen, ein fangfrischer Fisch direkt vom Küstenstreifen vor Eleder? Ihr wisst schon, wenn ich schon mal dort hinten bin - aus unserer guten Küche bekommt man mich nämlich so schnell nicht mehr raus, hahaha...."

Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tresen und schob Trovag Tilor den eingeschenkten Mupute hin. Dann drehte sie sich kurzerhand um und verschwand im Küchenbereich des Sargavahauses. Ließ die beiden Neuankömmlinge für sich alleine: Ein Zwerg und ein Gnom...

Trovag Tilor

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #6 am: 04.09.2013, 20:36:53 »
Trovag Tilor rieb sich zufrieden die Hände, als Briga seine Bestellung aufnahm. Ach, bald habe ich was Warmes im Magen, da sieht diese fürchterliche Stadt schon viel besser aus. Schwungvoll setzte er seinen Rucksack ab, stellte seinen Hammer hin und pflanzt sich, freudig das Essen erwartend, auf dem ihm zugewiesenen Platz.

Erst jetzt nahm er den Gnom in seiner Nähe war. Während er den Mupute an seine Nase hiel und daran schnüffelte, betrachtete er die wilden Haare des kleinen Mannes: "Mit den Haaren sieht euch im Dschungel kein Tier bevor es über euch stolpert", erklärte er zuerst fast ernst, bevor der Zwerg in ein wildes Gelächter ausbrach, wobei die Federn an seinem Schmuck wild hin und her wippten. Einen Augenblick später kippte er den Schnaps hinunter, schluckte kurz auf und rülpste zufrieden.

"Trovag Tilor mein Name", stellte er sich direkt unaufgefordert vor und ließ sich dabei nicht von einer etwaigen Reaktion der kleinen Person aus der Ruhe bringen, auch wenn er als Zwerg nicht viel größer war. Dann schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch und lachte auf, als habe er seinen eigenen Witz im Kopf wiederholt.

Bevor Stille ausbrechen konnte im Sargavahaus, redete er unaufgefordert weiter: "Krakqualntopp also, ein wahrer Zungenbrecher, aber immerhin besser als Krakelquintoppel." Schon wieder gluckste der Kämpfer fröhlich vor sich hin und schaute sich dann nach der Wirtin um, denn er hatte Hunger.
« Letzte Änderung: 05.09.2013, 00:55:23 von Ksynthral »

Ksynthral

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #7 am: 05.09.2013, 22:24:46 »
Simue:

Die Schmugglerinsel war Vergangenheit, zumindest für diejenigen unter den ehemaligen Schiffbrüchigen, die mit der Roten Möwe und einem gutmütigen Kapitän in Richtung Eleder aufgebrochen waren! Die Sonne brannte auf ihre erschöpften Häupter nieder und die ruhig wallenden Wogen spiegelten ihren Glanz. Zeitweise war sogar schon die Sicht auf das Festland von Sargava, die Küste zumindest, möglich. Doch dann zogen Wolken auf und der Horizont war wieder etwas verhangener. Dennoch konnte die Reise ohne größere Schwierigkeiten fortgesetzt werden:

Aulek Tegerten hieß die Reisenden herzlich Willkommen an Bord seines Walfängers und erkundigte sich ausführlichst über ihr Wohlbefinden und das Vorgehen auf der Schmugglerinsel: Seine Matrosen hätten in den letzten Tagen gewaltige Wolkenberge über der Insel gesehen, die rötlich pulsierten und den ebenso roten Berg umringt hätten. Er ließ sich Teil für Teil einige Einzelheiten erzählen und willigte ein die Gefährten ohne Bezahlung oder dergleichen nach Eleder mitzunehmen. Er sei sowieso dorthin unterwegs und mit solch einer Geschichte im Gepäck - einem Schiffbruch - da habe man sich ein tüchtiges Mittagessen gleich noch mit verdient!

Man aß und trank gemeinsam und die unangenehmste Nebensächlichkeit war doch tatsächlich der kleine Gelik Ebberschwinge der an diesem Tage so munter vor sich hin plauderte, wie er es die letzten Tage schon lange nicht mehr gemacht hatte. Er erzählte Witze und verstrickte sie gekonnt in seine sich wiederholenden Erzählungen über den hinterhältigen Kannibalenangriff auf 'sein' Basislager: Und wie konnte es anders sein - der Gnom schrieb sich unglaublich heldenhafte und offensichtlich übertriebene Kampfeskünste und mutige Taten zu, aber es kümmerte keinen groß. Schließlich war es abwechslungsreich und spannend - und außerdem war Gelik ein guter Redner. Und so konnte jeder der Schiffsbesatzung, aber auch der anwesenden Gefährten etwas mitnehmen von diesem doch recht festlichen Mahl nach der langen, eintönigen Zeit auf der Schmugglerinsel[1]: Fisch, Pökelfleisch, ein paar getrocknete Datteln und Feigen und einen guten Schluck Wein oder Wasser!

Ehe man sich versah hatten die Gefährten, am nächsten Morgen dann, nach einer ruhigen und erholsam, schaukeligen Nacht auf hoher See, den Hafen von Eleder erreicht! Kein heftiges Unwetter, und auch kein Schwarm boshafter Ningyos hatte ihre Schiffsfahrt gestört. Und auch die gewohnt unangenehmen Alpträume waren wie schon seit dem Sieg unter dem roten Berg ausgeblieben. Sie waren heilfroh endlich die Hafeneinfahrt zu sicherem und lang ersehnten Festland zu durchqueren:

Der Hafen von Eleder war ein Meisterwerk chelischer Baukunst und Architektur in ihrem ursprünglichen, alten Stil. Reiche Händler und einflussreiche Stadtbewohner hatten eine Menge Gold und Platin in den Ausbau und die Befestigung des ehemals winzigen Fischerhafens gesteckt, welcher in den Frühzeiten Eleders noch andauernd von Piraten heimgesucht wurde. Doch inzwischen hatte sich dieses Bild tatsächlich gewandelt! Molen an den Hafenmündungen dienten als Barrikaden vor feindlichen Schiffen und unliebsamen Eindringlingen, kleine Wachtürme kontrollierten die ein- und ausfahrenden Schiffe. Die Wasserstraße in den Hafen trennte sich an einer kurvigen und sandigen Untiefe in zwei Bereiche, das Grallusdock und Hafenwärts: Das Herz der Wirtschaft in Eleder!

Der Kapitän bot ihnen noch vor dem endgültigen Ankern im Hafenbecken an ihre Vorräte aufzustocken, allerdings würde er dafür gerne einige Goldmünzen haben, je nach Umfang ihrer benötigten Güter: Aber es sei immer noch wesentlich günstiger als in Hafenwärts, das versicherte er den Gefährten hoch und heilig![2] Dann schließlich war es soweit!

Die Rote Möwe legte an einem langen Granitsteg an, der sich am äußersten Ausleger von Hafenwärts befand und unnah der südarkadischen Walfanggesellschaft gelegen war. Der Anker wurde hinabgelassen und die Reise nach Eleder war vollendet. Aulek Tegerten verabschiedete sich bei den Gefährten und wollte ihnen einen guten Tag wünschen - doch da unterbrach ihn Dreifinger Dan plötzlich!

Der Matrose sprang behände den Hauptmast des Walfängers hinauf und holte dabei mit einigen geschickten Handgriffen die Segel und Seile ein, die lose im Wind baumelten. Dann rief er dem Kapitän zu:

"An Land gehen? Tegerten, mein Käpt`n, mich bringt ihr da nicht hin: Nein, nein. Ich bin ein Matrose, und wie ihr seht war ich schneller als eure gesamte Mannschaft!"

Was der Wahrheit entsprach, den die übrigen Mannschaftsmitglieder hatten sich applaudierend und staunend an Deck versammelt und blickten hinauf zu dem stolzen Matrosen.

"Ich biete euch meine Dienste an: Dreifinger Dan, mein Name, mein Käpt`n?!"

Er schwang sich an einem dicken Hanfseil nach Unten und landete vor Tegerten, streckte ihm die Hand hin. Der Kapitän staunte nicht schlecht, ihm blieben die Worte weg, doch er schlug sofort ein und seine raue Seemannshand besiegelten das erneuerte Schicksal Dans: Er hatte auf der Roten Möwe angeheuert und so ein neues Zuhause gefunden. Man setzte die Verabschiedung fort und fand sich schließlich in Hafenwärts wieder. Ein buntes Treiben von Händlern und Bürgern um einen herum...

Nördlich von ihnen erstreckte sich der Walknochenweg zur Walfanggesellschaft und südlich von ihnen führte die Landzunge hinein in die Stadt - Eleder lag vor ihnen, trotz der frühen Morgenstunde war das Treiben und Werkeln bereits auf einem Höchstmaß angekommen in Hafenwärts: Jask Derindi und Tolkwy Rotus kündigten an, dass sie sich schnellstmöglich auf zu einem Nethys-Tempel machen wollten, so dies irgendwie möglich war für den verletzten Halbork. Der ehemalige Gefangene schien zu wissen, oder zumindest zu spüren, wohin er gehen musste um seiner Gottheit näher zu kommen und wandte sich gen Süden. Gelik Ebberschwinge machte Anstalten ihm zu folgen, wollte sich jedoch nun, nach ihrer langen gemeinsame Reise vom Rest trennen wie er ansprach: Er habe erstmal genug von Gemeinschaft und müsste endlich einigen eigenen Angelegenheiten nachgehen! Aber man sähe sich immer zweimal im Leben, grinste er sie alle an. Simue und Xerxes standen noch schweigend da und nahmen die Pläne ihrer Weggefährten aufmerksam auf. Man wand sich zu Kaspian - jedenfalls zu dem Ort, an dem Kaspian noch bis vor einem Wimpernschlag gestanden hatte! Denn da war kein Kaspian mehr, Nichts, keine Spur. Der ehemalige blinde Passagier der Jenivere war einmal mehr völlig ungesehen und unerwartet verschwunden - und niemand hatte es bemerkt! Sei es drum, nun waren sie in Eleder und jeder konnte und würde seinen eigenen Weg gehen - für sich alleine, oder?!...[3]
 1. @Simue: Du erhälst einen permanenten Bonus von +1 auf den SG eines Rettungswurfes gegen jede Art von Bezauberungs- oder sprachenabhängigen Effekten, den du einsetzt.
 2. @ Simue: Falls du noch Basisausrüstung und Vorräte erwerben möchtest, bitte angeben...
 3. @ Simue: Du besitzt Yarzoths Aufzeichnungen...

Krakqualntopp

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #8 am: 06.09.2013, 12:35:39 »
Krakqualntopp betrachtete den Zwerg aufmerksam und sagte zunächst nichts.
"Ich könnte hübsche, rote Blüten im Raum verteilen, wenn ich mit ihm tanze!", sagte die rote Stimme. Seine Hand glitt zu seiner Waffe.
"Er atmet, ißt und trinkt, ganz so wie es vorgesehen ist. Ich halte ihn für einen Teil des Lebens!", sagte die grüne Stimme. Seine Waffenhand legte sich auf den Tisch.
Krakqualntopp schaute sich um. Es war ruhig, keine Gefahr.
"Ja, ich bin etwas geübt im Tarnen, hauptsächlich weil mein Umhang hilft. Guten Morgen, Trovag.
Meine Name ist mein Name."

Etwas schief versuchte er zu lächeln. Etwas, das er bisher wenig getan hatte, denn nur selten begab er sich in die Gesellschaft anderer Leute.
Und so sah er mit dem schiefen Mund und den aufgerissenen Augen etwas merkwürdig aus.
"Weißt du was über Wünsche?"
Fragend sah er den Zwerg an.

Ksynthral

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« Antwort #9 am: 07.09.2013, 19:30:51 »
Krakqualntopp und Trovag Tilor:

Aus dem Küchenbereich des Sargavahauses duftete es inzwischen herrlich, denn auch der Rest der Gäste schien nach und nach ein eher ausgiebiges Frühstück zu sich zu nehmen. Briga, die Wirtin, kam mit einem großen Tablett wieder auf dem sich alle georderten Speisen befanden. Sie stellte die ausufernde Mahlzeit bei den zwei kleinen Herrschaften ab, die sich allen Anscheins nach gerade näher kennen lernten! Sie wollte nicht weiter stören:

"Na dann, haut rein! Hier ist euer Zeugs, ganz frisch und äußert lecker, wie ich bemerken muss!"

Sie leckte sich einen ihrer fettigen Finger, welcher davon zeugte, dass sich die Orkdame in der Küche vermutlich ebenso an einem Hühnchen oder Ähnlichen vergriffen hatte. Dann stolzierte sie davon, um die anderen Gäste ihrer Wirtschaft zu bedienen:

"Wenn ihr noch was braucht, oder wenn ihr gehen und zahlen wollt: Sagt einfach Bescheid - ich empfehle mich, die Herren?!"

Sie drehte sich lachend um, denn die Stimmung zwischen den beiden kleinen Gästen war allen Anscheins nach leicht angespannt...
« Letzte Änderung: 07.09.2013, 19:32:07 von Ksynthral »

Simue

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #10 am: 07.09.2013, 22:13:59 »
Auf der Reise hatte Simue sich bemüht, sich mit allen Gefährten zu unterhalten. Es fiel ihr immer noch schwer, aber sie hatte verstanden, dass sie sich anderen öffnen musste. Noch immer löste jeder verärgerte Blick, jede heftige Bewegung und sogar jeder Moment der Stille eine heftige Angst in ihr aus, aber sie lernte allmählich, diese Gefühle hinzunehmen und sie nicht allzu deutlich zu zeigen.

Dennoch verbrachte sie die meiste Zeit mit Ishaia. Sie versuchte, aus ihm etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren, doch er war der Überzeugung, dass sie sich von alleine erinnern müsste. "Du hast diese Dinge vergessen, weil du sie nicht ertragen hast. Aber die Erinnerungen sind immer noch in dir. Wenn du bereit für sie bist, werden sie wiederkommen. Bis dahin... sie sind jedenfalls nicht verloren. Es ist wie ein Teil in dir, der sich im Verborgenen hält und die Erinnerungen behütet."

Dieser "Teil in ihr" war es wohl auch, der für die manchmal vorkommenden Erinnerungslücken in ihrer Zeit auf der Schmugglerinsel verantwortlich war. Ishaia berichtete ihr, dass sie ihn manchmal ganz bewusst gerufen hatte, und sich mit ihm unterhalten hatte, wissend, wer er war. Sie konnte es selbst kaum glauben, aber es passte zu den Erzählungen, die ihre Gefährten über sie berichtet hatten. Allerdings gab es da noch diesen anderen Teil... den, der sich dem Geisterkapitän und auch den Kannibalen entgegen gestellt hatte. Er war stark, aber er schien auch grausam oder zumindest etwas gefühllos zu sein. Selbst Ishaia wusste nicht, was es damit auf sich hatte. Das war ein Rätsel, das es noch zu lösen galt. Simue hoffte nur, dass sie nicht doch besessen war... und am Ende etwas Schlimmes geschah, das sie nicht unter Kontrolle hatte.

Aber obwohl das durchaus ausgereicht hätte, um sie die ganze Schiffsreise über zu beschäftigen, gab es noch ein anderes Thema, das sie umtrieb. Sie hatte immer daran geglaubt, dass Sargava ihr Ziel war. Nun hatte Ishaia ihr berichtet, dass sie dorthin nur wollte, um von ihrer Familie wegzukommen. Auf eine Akademie, mit der Erlaubnis ihres offenbar tyrannischen Vaters, und doch weit, weit weg von ihm. Das war ihre Hoffnung gewesen, als sie noch bei ihrer Familie gelebt hatte. Was auch immer das für eine Familie gewesen war...

Jetzt aber war sie von dort geflohen. Sargava hatte an Bedeutung verloren. Und damit hatte sie weder ein Ziel, noch ein Zuhause. Sie war frei, ja, aber auch verloren. Ohne ein früheres Leben, aber auch ohne eine Zukunft. Alles, was sie noch hatte, waren ihre Gefährten.

Doch auch von denen hatte sie die meisten verloren. Einige waren der Insel zum Opfer gefallen. Ischiro, der erste Mensch, dem sie nach ihrer Flucht wieder erstes Vertrauen geschenkt hatte, war auf der Insel geblieben. Ebenso wie Kwazeel, der ihr so sehr geholfen und bei dem sie Verständnis gefunden hatte. Sie vermisste ihn, sehr sogar. Und auch andere waren dort geblieben. Und Halas... sie fragte sich, was das für ein Weg war, den der alte Griesgram eingeschlagen hatte. So wenig sie ihn anfangs gemocht hatte, so sehr hatte er sich zuletzt zum Guten gewandelt. Sie wünschte ihm alles Gute... und irgendwie hoffte sie darauf, ihn vielleicht, eines Tages, wiederzusehen.

Dan, für den sie, aus Gründen, die sie selbst nicht erklären konnte, sehr viel Sympathie empfand (und auch eine seltsame Art von Sehnsucht, die sie nicht einordnen konnte), war mit an Bord gekommen. Und doch ahnte sie schon, dass er eine Entscheidung treffen würde. Sie hatte ihn beobachtet, hier auf dem Schiff. Das Meer war sein Zuhause, und dort würde er bleiben. Als sie schließlich in Eleder ankamen, überraschte es sie daher nicht, dass er bei dem Kapitän anheuerte. Bei ihrem Abschied umarmte sie ihn kurz - es war eine große Überwindung für sie, so viel Nähe zuzulassen, aber sie zwang sich dazu - und wünschte ihm alles Gute.

Gelik war verrückt wie eh und je - und vielleicht sogar noch ein bisschen verrückter -, dennoch wünschte sie auch ihm alles Gute. Besonders traurig über seinen Abschied war sie aber nicht: Sie war mit dem etwas egomanischen Gnom nie wirklich klar gekommen.

Tolkwys Ziel war klar: Er musste zu einem Heiler, und lernen, wie er mit nur einem Bein klarkommen würde. Von allen Überlebenden hatte die Insel ihn wohl am deutlichsten gezeichnet. Sie verstand Jask, dass er ihn begleiten und ihm zur Seite stehen wollte. Sie hatte sogar selbst ein wenig das Verlangen danach, aber Jask würde sich gut um den Krieger kümmern, und sie spürte, dass dies nicht ihr Weg war.

Bei ihrem Abschied sprach sie noch kurz unter vier Augen mit ihm. "Ich habe bisher nur Kwazeel davon erzählt... etwas in meiner Vergangenheit ist geschehen, das dazu geführt hat, dass ich mich nicht an meine Vergangenheit erinnere. Sie ist nicht ganz verloren, eher... irgendwo vergraben. Trotzdem fühlt es sich für mich an, als wäre mein früheres Leben von mir... nun ja, abgeschnitten." Sie lächelte unsicher. "Ich bin trotzdem immer noch ich selbst. Vielleicht sogar mehr, als ich es früher jemals war. Ich bin sicher, dass ihr einen Weg finden werdet, zu alter Stärke zurückzukehren. Vielleicht findet ihr sogar einen Weg, aus eurer Situation einen Vorteil zu schlagen. Viele werden euch unterschätzen. Wie auch immer euer Weg sein wird, für mich werdet ihr immer einer der größten Krieger sein, die ich kennenlernen durfte."

Sie hatte einen Kloß im Hals, als sie sprach - die Angst, diese verfluchte, immerwährende Angst -, aber sie hatte sich lange vorher genau überlegt, was sie sagen wollte, und so kamen ihr die Worte zumindest flüssig über die Lippen. Danach umarmte sie ihn noch einmal herzlich, und wandte sich dann an Jask. "Passt gut auf ihn auf. Und auf euch selbst auch. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann wieder."

Dann wollte sie sich Kaspian zuwenden. Er war der einzige, der noch keine Pläne geäußert hatte. Der einzige, bei dem sie - obwohl sie sich irgendwie unwohl fühlte in seiner Nähe - darauf hoffte, noch etwas Zeit mit ihm verbringen zu können. Vielleicht sogar den weiteren Weg gemeinsam zu beschreiten. Denn sie hatte sich überlegt...

Er war weg.

Wieder einmal war er einfach verschwunden. Sie biss die Zähne aufeinander. Nein, sie würde sich jetzt nicht aufregen, und sie würde jetzt auch nicht weinen. Dennoch war ihr die Enttäuschung deutlich anzusehen.

Sie legte ihre Hand auf Xerxes' Kopf, und tätschelte ihn. Einen Moment später ertönte ein Quaken von unterhalb ihres Hemds. "Wenigstens seid ihr noch da. Und Ishaia, wenn ich ihn rufe."

Und doch fühlte sie sich allein, und verloren...


Sie sah den übrigen Gefährten nach, wie sie langsam den Hafen hinter sich ließen. Dann lag es wohl einzig und allein an ihr. Es kam ihr absurd vor, falsch. Sie war doch keine... sie war den anderen immer nur gefolgt, hatte sich bei allem, was zu tun war, darauf verlassen, dass die anderen die richtigen Entscheidungen treffen würden. Und jetzt sollte sie...

Sie schüttelte den Kopf. Vielleicht hätte sie einfach aufgegeben. Aber es gab keinen Ort, an den sie gehen konnte, kein anderes Ziel, dass es zu verfolgen galt. Das einzige, woran sie sich im Moment noch festhalten konnte, waren die Ereignisse auf der Schmugglerinsel. Die Ereignisse und ihre... Folgen.

Denn Simue ahnte, dass das, was dort geschehen war, noch nicht vollends vorbei war. Sie hatte mit Zustimmung der anderen Yarzoth's Aufzeichnungen an sich genommen. Sie würde sie studieren, und versuchen, diese Stadt zu finden, von der die anderen gesprochen hatten. Saventh Yhi.

Wenn von dort noch einmal eine solche Gefahr drohte, wie es auf der Schmugglerinsel der Fall war, konnte sie nicht einfach die Augen verschließen. Sie würde den Weg fortsetzen, den sie auf der Schmugglerinsel begonnen hatten. Doch war sie dort kaum mehr als ein Anhängsel einer großen, schlagkräftigen Gruppe gewesen, war sie nun auf sich gestellt. Aber sie war auch stärker geworden. Es wäre übertrieben zu sagen, dass sie stark war, aber zumindest... etwas weniger schwach. Etwas weniger hilflos. Und sie hatte Ishaia. Und... sie würde noch stärker werden. Jedes Gespräch, jede Begegnung war für sie eine Gelegenheit, zu lernen, zu wachsen. Sie zitterte fast, bei dem Gedanken an die Herausforderungen, die vor ihr lagen. Aber sie würde nicht aufgeben.

Simue schluckte schwer. Dann, als schließlich auch Jask und Tolkwy aus ihrem Sichtfeld verschwunden waren, wandte sie sich dem Kapitän zu. Nun hatte sie doch Tränen in den Augen.

Sie wischte sie fort, und lächelte ihrem Retter dann entgegen. Dass sie aufgewühlt war, war offensichtlich, aber sie würde zumindest nicht die ganze Tiefe ihrer Gefühle und deren Gründe offenbaren. Für ihn sah es vermutlich so aus, als würde der Abschied von den Gefährten sie so aufwühlen. Das war in Ordnung.

"Was habt ihr denn Gutes?" fragte sie ihn dann mit Blick auf sein Angebot.
« Letzte Änderung: 08.09.2013, 22:08:23 von Ksynthral »

Trovag Tilor

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #11 am: 08.09.2013, 16:26:04 »
Als die Hand des Gnoms zu seiner Waffe glitt, bemerkte dies Trovag Tilor zwar, aber eine Reaktion seinerseits war nicht erkennbar. Angst kannte der Zwerg nicht. Respekt vielleicht vor manchen Gefahren denen er im Dschungel bereits begegnet war oder um die er einen weiten Bogen gemacht hatte. Der Barbar wusste, dass seine Kräfte groß aber begrenzt waren.

Er schaute Krakqualntopp weiter leicht belustigt an. Die Stadt ging dem Zwergen etwas auf die Nerven, aber Trovag hatte ein Ziel vor Augen und der Duft von Essen lag in der Luft. Noch bevor der Zwerg auf die Frage des Gnoms antworten konnte, brachte die Wirtin die bestellten Mahlzeiten und die rechte Hand des Zwergen brach sofort einen Flügel des Hähnchens ab und schob Fleisch und Knochen in seinen Mund. Es knackte leicht, als die harten Zähne des Barbaren die Knöchelchen zerteilten.

Während er kaute und mit der anderen Hand ein Stück Brot abbrach, antwortete er: "Wünsche sind wie Träume. Sie wärmen einen in der Not, aber Nahrung geben sie nicht. Die Zeichen der Ahnen zeigen den Weg."

Die Wärme des Essens gefiel Trovag. Damit neben dem Hunger auch sein Durst gestillt wurde, begann er den ersten Bierkrug in seinen Körper zu entleeren. Nach und nach vertilgte er das Hähnchen, leckte seine Finger sauber und wandte sich den Eiern mit Speck zu. Das Speisen hinderte ihn nicht daran, weiter zu reden: "Ihr seid also ein Wunschsucher, Krakqualntopp." Trovags Zunge hatte Probleme mit der Aussprach des für ihn ungewöhnlichen Namens. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er Essen und Sprechen kombinierte, dass der Name dem Zwergen nicht fehlerfrei über die Lippen kam. Ein kurzer Rülpser unterbrach seinen Gedankengang. "Meinen Wunsch muss ich nicht suchen, er hat mich schon gefunden"", bemerkte er weiter, ohne dies näher zu erläutern. Stattdessen wandte sich der wilde Barbar dem zweiten Bierkrug zu und nahm einen großen Schluck zu sich.
« Letzte Änderung: 08.09.2013, 22:27:34 von Trovag Tilor »

Ksynthral

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #12 am: 08.09.2013, 22:21:07 »
Simue:

Der Abschied von ihren Gefährten fiel Simue bestimmt nicht leicht, aber er ging relativ schnell von statten. Und noch ehe sie es sich versah stand sie wirklich alleine da, wie sie richtiggehend feststellte. Der Kapitän verabschiedete sich von einigen Walfängern und Matrosen, die fürs Erste ihr Glück an Land suchen würden: Familien und Freunde besuchen, so sie denn welche hatten, oder schlicht und einfach das verdiente Gold auf den Kopf hauen und mal wieder richtig einen drauf machen!

Eleder war geradezu geschaffen um Geld auszugeben, oder aber, um welches einzunehmen. Die Wirtschaft und der Handel florierten in der Hafenstadt und so hatte auch der Kapitän Tegerten ein beträchtliches Sortiment an Handelswaren zusammengetragen, welches er Simue nur zu gerne anpries. Denn der Rest der aufgenommenen Passagiere hatte sich mit nur wenigen Dankesworten eher flink von dannen gemacht.

"Weint nicht, gute Frau, seht euch mein Sortiment nur an: Die Männer werdet ihr schon wiedertreffen - weiter als bis ins Sargavahaus schaffen sie es eh nicht! Dort bleibt jeder fremde Reisende früher oder später hängen: Ein schöner Ort, nicht so wie der Rest der Stadt. Zurück zum Geschäft..."

Er grinste und offenbarte Simue den Blick in einige der Kisten, welche seine Matrosen bereits an Land getragen hatten und um die sich auch andere Bürger Eleders sammelten. Ein regelrecht wüster Handel begann, denn die besten Stücke gingen schnell weg - und hier wollte jeder etwas abhaben!

"Es ist genug für alle da, aber ihr solltet euch gut umschauen: Nahrungsvorräte und einfache Waffen, Handelsgüter - selbstverständlich - ein paar gute Flaschen Wein und Brandwein, edle Gewürze, ein wenig Tuch! Alles und nur das Beste vom Wal, wie es sich versteht! Und dann noch dies und das - was benötigt ihr denn, vielleicht finden wir so schneller zueinander?!"
« Letzte Änderung: 08.09.2013, 22:24:12 von Ksynthral »

Simue

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #13 am: 08.09.2013, 23:24:35 »
"Es geht schon", lächelte sie den Kapitän an. "Ich suche etwas, mit dem ich mich für Notfälle auch aus der Ferne verteidigen kann. Vielleicht eine leichte Armbrust oder etwas in der Art. Und natürlich Munition dafür."

Suchend sah sie über seine Waren. Sie hatte eigentlich gerade keinen Sinn dafür, aber sie wollte die Aufgabe nicht verschieben. Zu oft hatte sie sich in den Kämpfen nutzlos gefühlt. Sie war nicht geeignet, in vorderster Reihe zu kämpfen, aber mit einer Armbrust...

"Dieses... Sargavahaus, das klingt gut. Könnt ihr mir sagen, wo das ist? Ist es einigermaßen sicher dort?"

Krakqualntopp

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Part II: Wettlauf ins Verderben
« Antwort #14 am: 09.09.2013, 04:50:14 »
Krakqualntopp beachtete das Essen erst einmal nicht weiter, aber schaute dem Zwerg interessiert beim Essen zu, während er selbst seinen Becher in den Händen drehte.
"Meine Ahnen zeigen keine Wege mehr." Kurz glitt sein Blick ins Leere.
Wunschsucher?
Er legte den Kopf schief und schaute Trovag an, die linke Augenbraue fragend hochgezogen.
["Hm, ich weiß nicht. Suche ich Wünsche? Ich glaube nicht. Wie kann man denn welche finden? Oder sind sie alle wie eurer und sie finden einen? Dann wäre es gänzlich unsinnig, sie zu suchen, oder?"
Sein Magen knurrte.
Eher zaghaft griff nun auch Krakqualntopp zu etwas von seinem Essen. Mit kleinen Bissen knabberte er daran herum und ließ sich Zeit jeden davon zu genießen.
Er sprach dabei nicht, sondern wartete auf die Antwort seines Tischnachbarn.

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