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Autor Thema: Im Sog von Kabale und Blut  (Gelesen 31844 mal)

Beschreibung: IC-Thread

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #45 am: 13.07.2014, 06:39:48 »
Es war interessant mit anzusehen, wie Gaius Sempronius Gracchus und Aurelia auf den Vorschlag, Caesar umzubringen, reagierten. Natürlich wollte keiner der beiden sich die Blöße geben und zu viel verraten. Jeder der Anwesenden hatte einen ähnlichen Brief, wie auch Guirmean selbst, erhalten. Der Inhalt war ein anderer aber der Sinn dahinter der gleiche und deshalb versuchte jeder der Anwesenden, sein eigenes Leben zu schützen. Vielleicht hatte man gegen die anderen nicht so viel in der Hand wie gegen ihn - was aufgrund seiner Herkunft nicht besonders schwer war - aber es war eine Tatsache, dass auch das Leben aller anderen in Gefahr war. Es war für den Kelten sicher, dass er den Worten der beiden - und auch allen anderen - nicht zu viel Glauben schenken konnte. Denn Worte waren schnell gesprochen und es war einfach zu lügen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Anders war es da bei Taten, denn die sprachen eine eindeutige Sprache, was Caesar schon bald bemerken würde.
Es galt also herauszufinden, wie viel Glauben er den Aussagen der hier Anwesenden schenken konnte. Noch einmal ließ sich der Kelte die Antworten aller Verschwörer durch den Kopf gehen und kam zu dem Schluss, dass er sich auf Niemanden als sich selbst verlassen konnte. Sie alle hatten nur das Nötigste gesagt oder im Falle von Gaius Sempronius Gracchus direkt einen Schritt nach hinten gewagt. Die Offenlegung ihrer Fähigkeiten war ein erster Schritt aber von Vertrauen und Zusammenarbeit waren sie noch meilenweit entfernt - was aber verständlich war.

Die Reaktion Gracchus konnte Guirmean allerdings nicht verstehen. Er musste ebenfalls einen Brief erhalten haben, der sein Leben in irgendeiner Weise gefährdete, sonst wäre er gar nicht hier. Deshalb war es erstaunlich und ziemlich mutig - oder einfach nur dumm - so einen Schritt nach hinten zu gehen und die Kooperation offen zu verweigern. Glaubte er wirklich, dass man ihn gehen lassen würde? Das man den Drohungen keine Taten folgen lassen würde? Galba ging ein hohes Risiko ein, dieses Treffen einzuberufen und offen über den Mord an Caesar zu sprechen. Er würde das nicht tun, wenn er nicht für seine Sicherheit und die Erfüllung der Drohungen sorgen konnte. Das musste auch Gracchus wissen und verstehen. Mit dem Erscheinen bei diesem Treffen, hatten sie alle bereits ihr Urteil gefällt, um an der Verschwörung und dem Mord Caesars teilzunehmen - ob sie wollten oder nicht. Galba hatte sie in der Hand und da gab es - zumindest auf den ersten Blick - kein Entkommen. Guirmean war sich jetzt sicher: Gracchus hatte sein Leben bereits in Gefahr gebracht, als er sich dazu entschieden hatte, einen Rückschritt zu wagen. Er würde den Mann im Auge behalten. Wenn Gracchus sich dazu entschied, sich wirklich zurückzuziehen, würde er keine andere Möglichkeit sehen, als ihn umzubringen.

Zumindest Aurelia schien schlauer zu sein und sich nicht offen gegen diese Verschwörung auszusprechen. Nichts anderes hatte er erwartet. Er glaubte nicht daran, dass sie wirklich hinter der Sache stand aber sie hatte erkannt, dass die Wahrheit hier nicht angebracht war und sie nur in Gefahr bringen würde. Guirmean hatte ihr sein Leben zu verdanken und das würde er ihr nie vergessen. Aber Galba bedrohte sein Leben und wenn Guirmean davon hören würde, dass Aurelia gegen diese Verschwörung arbeitet, würde er auch sie umbringen müssen. Das galt für jeden der hier Anwesenden. Galba benutzte sie alle für seine eigenen Ziele und er würde nicht zögern, jeden umzubringen, der eine Gefahr für die Verschwörung werden könnte. Wenn das ganze hier aufflog, wäre auch Guirmeans Leben in Gefahr und deshalb musste er diesem Problem von Anfang an und mit aller Härte entgegenarbeiten. Er würde es nicht zulassen, dass sich jemand zwischen ihn und den Tod Caesars stellen würde. Auf diese Möglichkeit hatte er einfach zu lange gehofft und gewartet. Es war offensichtlich, dass er als Kelte, sich nicht gegen die Verschwörung stellen würde. Was hatte er also zu befürchten, wenn er Farbe bekannte und etwas wagte?

Er trat einen Schritt vor und sah Gracchus kritisch an. "Ich denke wir sind alle aus dem gleichen Grund hier und deshalb muss ich Euch für Euren Mut bewundern, Gaius Sempronius Gracchus. Nicht zu kooperieren kann Euch einige Probleme bereiten aber das scheint Euch nichts auszumachen." Die versteckte Drohung und Erinnerung an den Brief waren durchaus beabsichtigt. Er warf Aurelia einen Blick zu, schwieg aber. Solange er konnte, würde er versuchen ihr keine Probleme zu bereiten. Der Kelte schwieg einen Moment um der Drohung eine Möglichkeit zu geben, ihre Wirkung zu entfalten und fuhr dann an alle gerichtet fort. "Wenn wir uns allerdings schon in diesem Tempel zusammengefunden haben, sollten wir die Zeit nutzen, um uns zu besprechen. Was soll also mit denen geschehen, die Caesar Nahe stehen? Sie werden den Mord nicht einfach so hinnehmen und akzeptieren. Sie werden Probleme machen. Wir sind uns bestimmt einig, dass ein Massaker die falsche Entscheidung ist, also hat jemand eine bessere Idee?"
« Letzte Änderung: 14.07.2014, 02:40:38 von Lucius Licinius Guirmean »

Titus Flavius Nobilior

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #46 am: 20.08.2014, 20:13:30 »
Nobilior schaute jedem tief in die Augen, als der jeweilige anfing zu sprechen. Und davor war zu erkennen, dass er einen jeden der "Verschwörer" intensiv musterte. Er schien genau zu analysieren und machte sich so seine Gedanken. Doch ansonsten zeigte er keine großartige, weitere Reaktion auf all das bisher gesagte. Beleidigung oder auch Lob wäre egal gewesen, er hätte wohl seine Miene nicht großartig verzogen. Es war ganz offensichtlich, dass er wartete bis jeder eine Reaktion gezeigt hatte und dann selbst erst weiterreden würde. Wirklich jeder sollte sich wohl äußern. "Der Soldat" hatte immer noch nichts gesagt und so langsam wurde sein Schweigen für Nobilior unangenehm, so dass er sich zu einem finsteren Blick an ihn gerichtet hinreißen ließ. Warum schwieg er nur so lange, dass Guirmean zum zweiten Male das Wort ergriff in der Zwischenzeit? Es wirkte auf Nobilior ziemlich merkwürdig. 

Aurelia

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #47 am: 20.08.2014, 23:24:57 »
"Das ist zwar wieder ein wenig vorgegriffen, wenn wir den Weg zum Ziel noch nicht gefunden haben, aber deine Frage führt ein Argument ins Feld, warum der Angriff auf Cäsars Ruf wichtig ist. Sollte dieser nämlich verdorben sein, würden seine sogenannten Freunde nach seinem Ableben nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden wollen und von allzu engagierten Racheplänen absehen.", ließ sich Aurelia erneut vernehmen. Sie war wieder in eine ruhige, beobachtende Haltung zurückgekehrt. "Ein Massaker wäre das letzte, was Rom nach all den Jahren braucht." Guirmeans Worte machten klar, wo er sich hinzustellen gedachte, so hatte sie es vermutet. Ausgerechnet er kannte sie von den Anwesenden ziemlich gut, höchstens Rufus würde noch mithalten können. "Ok, Penelope ist die Vertrauteste, aber sie wird zu mir stehen.", musste sie einräumen. Gleichzeitig gaben ihr Guirmeans Worte die Gelegennheit, sich auf vertrautem und deutlich weniger gefährlichem Grund zu bewegen.
Nobiliors BLick hielt sie Stand, ohne eine Miene zu verziehen. Sie wusste, wer sie war, und konnte über die meisten Anwesenden schon eine Menge sagen. Selbst war sie noch immer nicht entschieden, wohin sie sich richten sollte und ihr fiel noch etwas ein: "Meine Männer! Nicht nur, dass ich sie aus dem Ganzen heraushalten muss, sie dürfen auch keinen irgendwie gearteten Verdacht schöpfen...Allzulange kann ich also nicht bleiben."
"Zwei Herren haben ihre Vorzüge für die Gruppe noch nicht eingebracht, würdet ihr? Gaius, ihr könnt euch doch sicher vorstellen, wie es einem von uns ergeht, wenn unser Gastgeber oder die anderen ihn als Gefahr ansehen. Die Richtung, in die wir uns gegenüber dem Imperator bewegen sollen, dürfte da ein gutes Indiz sein." Die Matrone war eine Tonlage leiser geworden, ließ in ihrem Gesicht aber nichts mehr erkennen. "Und alle Anwesenden sollten intelligent genug sein, daraus auch ableiten zu können, wie mit uns verfahren werden kann, egal was wir tun und erreichen. Möglicherweise kann ich so weitere aus Galbas Fängen lösen."
"Ich stelle mir Nobiliors Vorschlag als schwer umzusetzen vor, so romantisch er klingen mag. Was haltet ihr davon? Wie kann unser Attentäter an sein Ziel herankommen?", richtete sie Fragen in die Runde.
« Letzte Änderung: 10.09.2014, 21:34:35 von Aurelia »

Gaius Iulius Caesar

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #48 am: 21.08.2014, 22:23:18 »
Gaius würdigte das rüpelhafte Gebaren Ahenobarbus' lediglich mit einer amüsiert erhobenen Augenbraue und gab sich äußerlich gelassen als auch unbeeindruckt. Er hatte jedenfalls kaum etwas anderes erwartet - im Gegenteil - Gnaeus war zu ihm gekommen und er stand immer noch vor ihm, war also bereit mit ihm, Caesar - seinem Feind -  zu sprechen.

"In der Tat war es nicht mein Ansinnen hier und heute mit dir über Vergangenes zu sprechen, aber wenn Du schon davon sprichst: Du schämst dich also nicht für deine Taten, sondern nur für das was zu tun dir verwehrt blieb. Und was bedeutet das?" Caesar stellte die Frage ohne wirklich zu fragen und fuhr beinahe ohne Umschweife fort.
"Lass mich für Dich antworten, wenn Du gestattest, lieber Gnaeus Domitius. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass Du genau das bist, was wir gemeinhin als echten Römer sehen. Solch ein Römer, von dem es heißt, dass es ihn in den glorreichen Tagen der alten Zeit überall zu finden gab, während er heute angeblich ausgestorben sei. Zumindest wenn man den führenden Stoikern und Optimaten der letzten Jahre glauben möchte. Und weil man dich eben als einen solchen Römer bezeichnen kann, Gnaeus, der sich stärker dafür interessiert wie er Rom dienen kann, als wie Rom ihm zu Diensten sein kann, deshalb bin ich hier."

Es ging Caesar nicht darum seinem Gegenüber Honig ums Maul zu schmieren, die Feindschaft zwischen ihnen beiden würde wohl niemals vollends überbrückt werden können und wenn doch, dann keineswegs durch ein paar Worte, wenngleich Caesar sich auch alle Mühe gab um aufrichtig und nicht etwa sarkastisch zu klingen. Es ging vielmehr darum Gneaus bei seiner Ehre zu packen, damit er zumindest dazu bereit war ein wenig über seinen Schatten zu springen und sich auf ein ernsthaftes Gespräch einzulassen.

Keineswegs war es dem großen Feldherrn entgangen dass sich Ahenobarbus immer wieder umschaute, offensichtlich traute er Gaius nicht besonders weit. "Wenn Du Dich darum bemühst meine Männer im Auge zu behalten, dann sage ich Dir, dass sie Dir kein Leid zufügen werden. Sie sind zu meinem Schutz hier und nicht zu Deinem Unheil. Und wenn Du Dich nach Verstärkung umblickst, dann sage ich Dir, dass Du sie nicht brauchen wirst. Ich stehe unbewaffnet vor Dir in einer uneinsichtigen Gasse und niemand weiß, dass ich hier bin: Ich bin viel mehr, derjenige der sich umsehen sollte, meinst Du nicht? Wie schon gesagt, tut es mir leid, dass ich Dich in dieser Gasse treffe, doch ich nahm an, dass es Dir vermutlich lieber wäre, wenn nicht jeder Deiner Freunde sofort weiß, dass du dich mit mir triffst."

Caesar lehnte sich an eine Hauswand und verschränkte die Arme vor der Brust, während er weitersprach "Ich hielt die Säftelehre für ein passendes Bild für unser Rom, das uns beiden ja so viel bedeutet. Rom ist offensichtlich noch immer in Unruhe und nicht im Gleichgewicht. Ich denke in dieser Einschätzung stimmen wir vermutlich sogar überein. Allerdings kann man nicht einfach alles Störende so einfach herausreißen, dies würde die Unruhe nur verstärken. Man muss versuchen die im Gegensatz stehenden Elemente auszugleichen und in Harmonie zu bringen. Darüber hinaus darf man auch nicht außer Acht lassen, dass die äußeren Bedingungen sich drastisch verändert haben. Das Gleichgewicht, dass früher einmal gesund und richtig war, wird heute vielleicht nicht mehr ausreichen und es ist nötig ein neues Gleichgewicht zu erzeugen. Vielleicht verstehst Du mich nun besser. Ich bin ein Teil Roms, aber genauso bist auch Du ein Teil Roms und wenn man ein neues Gleichgewicht sucht, dann wäre es töricht einzelne Teile des Ganzen außer Acht zu lassen, bloß weil sie auf der anderen Seite stehen... oder standen."
After the battle is over
And the sands drunken the blood
All what there remains
Is the bitterness of delusion

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