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Autor Thema: Fremde Bekannte auf der Straße  (Gelesen 5471 mal)

Beschreibung: Prolog - Echo-im-Halbdunkel

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Ksynthral

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #45 am: 14.06.2014, 13:28:58 »
Gelik lächelte die Katzendame freundlich an und erwiderte ihren Trinkspruch mit einem genüßlichen Zuprosten seinerseits! Dann leerte der kleine Gnom seinen Humpen mit einem tiefen Zug - allerdings verschüttete er die Hälfte des Bieres dabei auf seiner Weste. Nur um diese kurz darauf mit einem Wink seiner Hand und einigen leisen Worten hinwegzuwischen: Sein Oberhemd sah sofort wieder frisch aus.

Dann sah er sich verstohlen um und lehnte sich über den Tisch zu Echo hinüber:

"So, und nun mal im Ernst, Echo - was treibt dich herum und was willst du von mir? Ich kann dich nicht weiter mitnehmen, ich habe einen Auftrag zu erledigen, der nichts für pelzige Gefährten wie dich ist! Nicht, dass du dir Viehzeug in dein gutes Fell einfängst, sonst bekommt man am Ende beim Händler nicht mal mehr einen ordentlichen Preis dafür, hehe!"

Er orderte bei einer Kellnerin mit langem blonden Haar und durchaus beachtlichem Vorbau einen weiteren Humpen Bier.

Echo-im-Halbdunkel

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #46 am: 02.07.2014, 01:53:58 »
So leicht ließ sich Echo-im-Halbdunkel nicht abwimmeln. Ohne sich irritieren zu lassen, verköstigte sie das Bier - für sie immer noch ein seltsames Getränk - und bestellte eine große Platte mit Braten, bevor die Kellnerin davoneilen konnte.
Mit einem Grinsen auf den Lippen und einem entschlossenen, beharrlichen Funkeln in den orangegelben Katzeanaugen sah die Hexe Gelik an.
"Wisst Ihr, ich habe gehört, dass es im fernen Taldan ein Sprichwort gibt: Statt die Katze zu verjagen, stell' den Teller weg. Und dafür ist es schon zu spät," schnurrte sie amüsiert, blieb jedoch unbeirrt bei der Sache: "Und Ihr möchtet gar nicht auf Tüpfel und mich verzichten. Katzenaugen sehen gut in der Nacht, und wir kennen den Dschungel, wir hören, was er flüstert. Und Ihr werdet Euch nach unseren Pfoten sehnen, wenn ein garstiges Biest Euch erwischt. Oder habt Ihr etwa schon einen Götteranbeter aufgetrieben, dem Gozreh oder Iomedae oder sonst jemand seine Gebete um Wund- und Giftheilung erwidert?"
Die humanoide Katze wusste sich in günstiges Licht zu rücken. Sowohl mit Worten, als auch mit dem beruhigenden unterschwelligen Schnurren, und auch mit ihrem exotischen, aber anmutigen Äußeren. Sie wusste ganz genau, wie der Widerschein des Feuers an ihren goldenen Ohrringen funkelte und sie noch geheimnisvoller erscheinen ließ.

Ksynthral

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #47 am: 09.07.2014, 23:31:36 »
Leicht überrascht blickte Gelik zu Echo auf - mit einer so rhetorisch geschickten und ausführlichen Antwort hatte der Gnom allen Anscheins nach von der Katzendame nicht gerechnet! Vielleicht aber hatte er auch den ersten Humpen Bier zu schnell geleert - er musste laut aufstoßen und hielt sich vornehm die Hand vor den Mund, minderte damit allerdings die Peinlichkeit für ihn keineswegs. Echo-im-Halbdunkel hatte ihn so eben wirklich überrascht!

"Nicht so ganz - nicht so ganz, richtig! Entschuldige bitte!"

Er wischte mit einem Handschwung eine Haarlocke aus seinem Gesicht und fuhr fort:

"Den Teller wegstellen, den du mir bestellst? Ich kenne das Sprichwort - und mir scheint du hast den Zufall erkannt: Vielleicht will ich dich ja doch nicht loswerden? Aber ich muss doch prüfen, was für Gestalten der Nacht ich mit mir nehme, nicht? Hehe."

Er lächelte der Katzendame keck zu und plapperte munter weiter:

"Tatzen und Pfoten hin oder her - aber mit der Wundheilung hast du nicht so ganz recht: Aber das geht dich nichts an. Was kannst du mir den bieten und was willst du, wenn ich deine Begleitung annehmen sollte?"

In der Zwischenzeit kam die Kellnerin wieder vorbei: Brachte das bestellte Bier und die Mahlzeit von Echo - es duftete verlockend und Gelik griff schnell zu und schnitt sich mit einer geschickten Bewegung und einem kleinen Messer, welches er aus seiner Tasche zog, ein großes Stück Braten ab. Genüßlich steckte er sich die Köstlichkeit in den gierigen Mund und begann darauf herumzukauen.

Echo-im-Halbdunkel

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #48 am: 15.07.2014, 07:39:59 »
Die orangegelben Augen der Katzenhexe leuchteten wie kleine außerweltliche Feuer. Sie würde den Gnom um den Finger wickeln, den Schlüssel zum Abenteuer im Schloss umdrehen und durch die Tür treten, Geheimnissen und Träumen entgegen. Die Aussicht gefiel Echo-im-Halbdunkel, denn sie fürchtete das Ungewisse nicht.
Als die Kellnerin den bestellten Braten brachte, griff die humanoide Katze nicht zum Besteck. Stattdessen fuhr sie ihre Krallen aus - die kaum groß und stark waren, um sich fürs Kämpfen zu eignen, aber doch als Kletterhilfe und Gabelersatz dienen konnten. Die Hexe zwackte ein mundgerechtes Fleischhäppchen nach dem anderen ab, führte es zum Mund und sprach derweil zu Gelik:
"Was ich biete? Tüpfel und ich bieten Euch das Wissen des Dschungels und der Kolonie, wachsame Ohren, Augen und Nasen, Pfoten, die Wunden verarzten, Gifte austreiben und Seuchen behandeln, und...", sie machte eine Kunstpause und lächelte, "...Zauberkünste."
Wieder hielt Echo-im-Halbdunkel inne, kaute am leckeren Braten und ließ ihre Worte auf Gelik einwirken. Tüpfel spürte wohl den Genuss, den ihre große Freundin mit rabenschwarzem Fell empfand, und sprang unter dem Tisch hervor und auf den Schoss der Hexe. Auch wenn sie kürzlich eine fette Maus verputzt hatte, ließ sie es sich nicht nehmen, den duftenden Braten auch noch zu verköstigen.
Mit einer Hand streichelte Echo ihre wohlig schnurrende Vertraute, mit der anderen fuhr sie fort, Bratenstücke abzureißen, und antwortete schließlich auch auf die andere Frage des Gnoms:
"Und was ich will, was wir wollen? Wir wollen an den Entdeckungen und Geheimnissen teilhaben. Ein gerechter Anteil an Wissen und Tauschgütern wäre doch nicht zuviel verlangt, oder, Gelik?"
Tatsächlich interessierten alte Schriften, Zauber und Stätten die Katzenartige weitaus mehr, als gestanztes Gold, auch wenn sie es natürlich nützlich fand, Münzen in Gegenden dabeizuhaben, in denen sie als geläufiges Tauschmittel dienten. Ein besonderes Begehren empfand sie danach aber nicht, wie der Gnom bereits wusste.

Ksynthral

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #49 am: 17.07.2014, 00:43:35 »
Gelik musterte die Katzendame genau als sie ihm ihr Anliegen schilderte - und ihr Angebot offerierte: Der Gnom wusste besonders die erwähnten Zauberkünste zu schätzen, er zuckte kurz mit dem Augenlid, als Echo ihre Gabe erwähnte. Der Gnom rückte seine Weste zurecht und sah sein Gegenüber mit keckem Blick an:

"Nun, Echo - da versprecht ihr viel, ob ihr das auch halten könnt im Antlitz von Todesgefahr und schlimmeren Übeln? Hehe! Ach, was solls, ihr seid ja anscheinend überzeugt davon mir folgen zu wollen. Ich möchte euch eine Chance geben, ja, wenn es denn also sein soll."

Dann kam der Gnom noch einmal auf Echos Angebote zu sprechen:

"Ihr könnt tun und lassen was ihr wollt, ich für meinen Teil werde das nämlich auch tun. Wenn ihr mich begleiten wollt, dann werde ich euch eine Chance geben! Eure Zauberkünste müsst ihr für die Sache einsetzen und alles was ihr mir versprecht, aber glaubt bloß nicht, dass ich euch rette. Ich brauche keine Söldner, nehmt euch was ihr braucht, wenn wir die Entdeckung - ach, wenn wir am Ziel der Reise durch den Dschungel sind! Hehe. Ich will ja nicht zu viel verraten."

Gelik nahm einen großen Schluck aus seinem Humpen und stibitzte sich noch ein Stückchen Braten von der Katzendame:

"Nehmt euch ein Zimmer und erwartet mich morgen früh eine Stunde nach Sonnenaufgang im Stall drüben, ja - seid so gut: Ich will mich jetzt noch ein wenig amüsieren!"

Der Gnom winkte lässig ab und schielte zu den Tänzerinnen hinüber: Nahm Echo-im-Halbdunkel sein Angebot an?

Echo-im-Halbdunkel

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« Antwort #50 am: 24.07.2014, 07:47:34 »
Für Echo-im-Halbdunkel war dies eine bereits längst beschlossene Sache. "Ihr könnt Euch darauf verlassen, Gelik Ebberschwinge," erwiderte sie und hob ihren Krug, um dem Gnom ein letztes Mal zuzuprosten.
Ebenso wie ihr quirliger Weggefährte wusste die Katzenhexe die gemütliche, ausgelassene Stimmung zu schätzen, und gab sich nun, da alles besprochen war, der Entspannung hin. Die Augen genießerisch geschlossen, ließ sie die lebhafte Musik, den schmackhaften Bratenduft, das Geraune der Gäste und die Wärme des Feuers auf sich einwirken, bis sie nicht einfach nur im Schankraum des 'Schrumpfkopfes' saß, sondern gemeinsam mit Tüpfel in einem sanft wogenden Meer aus Gefühlen und Eindrücken trieb.
Als der Abend allmählich ausklang, streckte sich die Zauberkunde genüsslich, gähnte synchron mit ihrer Vertrauten und erhob sich, um sich und Gelik jeweils ein Zimmer zu organisieren. Die Unterkunft des Gnoms übernahm die Katze ohne Bedenken, denn dieses Versprechen hatte sie beschlossen zu halten. Schon bald würde sie neue Dinge entdecken, die weitaus kostbarer waren, als eine Handvoll Münzen.
Auf dem Zimmer zusammengerollt, den Kopf an Tüpfels geschecktes Köpfchen, schlummerte Echo-im-Halbdunkel schließlich ein. Von den friedlichen, beruhigenden Erinnerungen an Geliks Geschichten und den meditativen Abend getragen, löste sich ihr Bewußtsein im Traummeer auf, verflocht sich mit dem Geist ihrer Vertrauten und floss durch Desnas Reich. Bilder, Laute, Gerüche und Berührungen umspülten es, manche wirr, manche omenbehaftet, manche kaum greifbar. Eine Krabbe schnalzte mit ihrer scharfen Schere, dann drehte ein Geier seine Kreise im wabbernden Firmament. Durch den Sand kroch eine Schildkröte, der ein Stachelschwein im nahen Dickicht folgte. Und für einen Augenblick legte sich ein dunkler, bedrohlicher Schatten über die Szenerie. Hatte das etwas zu bedeuten?

Ksynthral

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #51 am: 27.07.2014, 21:57:58 »
Und nicht nur Echo genoß den Abend in vollen Zügen, auch Gelik hielt sein Versprechen und tat sich gütlich an Speis und Trank. Ebenso lächelte er sich eine der hübschen Tänzerinnen an, er nahm sie mit auf sein Zimmer. Reichlich angetrunken dankte er der Katzendame für das Zimmer und verschwand kichernd mit seiner neuen Gespielin - zumindest für eine Nacht jedenfalls würde sie seine Dame sein!

Gelik in seiner feinen Kleidung war sicherlich ein seltsamer und frecher Kauz, aber er war keineswegs eine schlechte Seele. Davon hatten andere Abenteurer schon Geschichten erzählen können. Aber dem Gnom hing ebenso eine gefährliche Vorgeschichte an: Und das Übel verfolgte den kleinen Mann noch immer!

In Kalabuto sollte diese Nacht eine ruhige werden, aber das Dunkel bot Platz für Gespräche und Intrigen: Und es wurde getuschelt und getratscht und alsbald verbreitete sich das Gerücht, dass ein großes Abenteuer bevorstand! Eine Expedition - mehrere Expeditionen - was das Volk sich alles ausmalte...

Ksynthral

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Fremde Bekannte auf der Straße
« Antwort #52 am: 18.08.2014, 22:04:45 »
Prolog beendet.

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