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Autor Thema: Die Stadt des Tukan  (Gelesen 16991 mal)

Beschreibung: IC-Thread Kapitel 3

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Eclipse

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Die Stadt des Tukan
« am: 06.02.2014, 12:18:21 »




Kapitel 3: Die Stadt des Tukan

Eclipse

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #1 am: 06.02.2014, 12:21:46 »


10. Xocotli - 5200 tunob seit Beginn mazticischer Zeitrechnung

Die Stadt Tukan - südlich des Haus des Tezca

Eclipse

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #2 am: 11.02.2014, 17:05:38 »
Einige Tage später ...

Die Gefährten hatten die Ruinen der verfluchten Stadt Mictlapec weit hinter sich gelassen. Was folgte waren weitere Tage einsamer Wanderung durch Tezcas Haus. Dieser prüfte sie weiterhin mit seinem strengen Blick, doch legte er ihnen sonst keine weiteren Prüfungen auf ... offenbar hatten sie alle Herausforderungen bestanden welcher der Sonnengott für sie bereitet hatte. Der Marsch durch die Wüste hatte viel Kraft gekostet, doch gleichzeitig fühlten sich alle durch die bestanden Prüfungen irgendwie gestärkt.

Einzig Tlacatl blieb in Sorge über die Dinge welche in Tezcas Haus geschehen waren ... die Feindseeligkeiten zwischen Mirrasshi und Necahual, die Teilnahmslosigkeit welche Xiuhcoatl in Mictlapec plötzlich befallen hatte und die Bereitwilligkeit mit der Mirrasshi und Yaotlchone sich zu Dienern Tezcas erklärten. Vielleicht war es noch am ehesten Kaska, die seine Vision teilte und mit ihren Worten den Traum zerstört hatte.

Derweil wich der Sand der Wüste langsam wieder einer Steppe, die zunehmend von trockenen Gräsern und Kakteen bestanden war. Der weitere Weg führte in ein Tal hinein, und die Steppe wich schon bald dem dichten Grün saftiger Blätter. Hier im Süden von Tezcas Haus befand sich das Tal von Tukan, einer großen, fruchtbaren Oase dominiert von einem der größten Seen der wahren Welt. An dessen Ufern schmiegte sich die Stadt Tukan, deren prächtig bemalte Gebäude schon bald in Sicht kamen. Schon auf ihrer Hinreise waren Tlacatl und Yaotlchone durch die Stadt hindurchgekommen.

Keine Geisterstadt wie Mictlapec, sondern ein wohlhabender freier Stadtstaat, in dem der friedliche Glaube an den Schlangengott Quotal dominierte. Nach der anstrengenden Durchquerung von Tezcas Haus konnten es die Gefährten kaum erwarten dort frisches Obst zu kosten und den Sand der Wüste abzuwaschen. Von hier aus wäre es zudem kein weiter Weg mehr zu den Bergen Lopangos, die sich weiter südlich auf einer Halbinsel erhoben.
Schon seit Tagen begann Yaotlchone wieder von seiner Heimat zu schwärmen ...

Mirrasshi

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #3 am: 13.02.2014, 18:32:15 »
Weiter und weiter zog sich der Weg durch die Wüste. Das Haus Tezcas schien kein Ende nehmen zu wollen und unbarmherzig brannte sein Blick auf Mirrasshi und ihre Weggefährten nieder. Die Hin befürchtete schon, dass sie die Prüfung vielleicht nicht bestanden hatten, und zur Strafe nun hier langsam und qualvoll würden  zu Grunde gehen müssen.

Wie erleichtert ist sie da, als sie bemerkt, dass der Boden fester wird und bald darauf sogar von verschiedenen Pflanzen bewachsen ist. "Haben wir bestanden?", fragt sie Tlacatl, sehr vorsichtig einerseits, weil sie nicht will dass man glaubte, sie würde nicht weiter durch halten, andererseits weil sie den Eindruck hat, Tlacatl würde sie seit sie seit dem Aufenthalt in der verlassenen Stadt mit mehr Misstrauen betrachten.

Ihre Sorgen treten aber in den Hintergrund, als sie des gewaltigen Sees ansichtig wird, an dem die Stadt gelegen ist. Zwar weiß sie, dass die Stadt voller großer Leute sein wird, aber von der Aussicht, ihren geschundenen und verbrannten Körper noch einmal in kühles Wasser tauchen zu können werden ihre Gedanken nun völlig dominiert.

Tlacatl

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #4 am: 14.02.2014, 13:33:31 »
"Ich kann dir das nicht sagen, Mirasshi. Ich bin nicht nur ein Tlacatl, kein Tezca.", gibt der Mann an die Hin zurück und wendet sich etwas ab. Tukan. Sie haben also vielleicht die Hälfte der Strecke oder etwas mehr zurückgelegt nach Lopango. Wenn er es recht erinnert, sind sie im Weste und im Osten noch immer von der Wüste umgeben. Aber immerhin liegt die weiteste Teil der Wüste endlich hinter ihnen. Leider kann Tlacatl die Euphorie Yaotlchones über ihre gemeinsame Heimat nicht wirklich teilen, weil dort wieder Tezca mit seinen Dienern auf sie lauern wird. Vielleicht kann er Mirrasshi und Xiuhcoatl bis dahin davon überzeugen, dass es falsch ist, Menschenleben für die Götter zu vergeuden, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Reise in seine Heimat die letzte Reise seines Lebens sein wird. Ein unangenehmer Gedanke, von dem er sich schnell wieder abzulenken versucht.

Sie alle werden erschöpft sein. Zumindest ist der kupferhäutige Krieger aus Lopango ausreichend erschöpft, dass er sich vorstellen kann, ein paar Tage die Vorzüge Tukans in Anspruch zu nehmen. Es ist aber ein permanentes Ablenken, was er damit plant, ein Ausweichen, wie er es auf der ganzen restlichen Reise getan hat. Tlacatl hat zu den gemeinsamen Erlebnissen in der verfluchten Stadt einfach geschwiegen. Er betrachtet seine Gefährten jetzt jedoch mit neuen Augen. Scheinbar hat das gemeinsame Schicksal, die gemeinsame Flucht nur ein sehr brüchiges Band zwischen ihnen geknüpft und keine Kette der Verbundenheit zwischen ihnen geschmiedet. Tlacatls Bereitschaft, sich vor jeden schützend zu stellen, hat daran wenig bis gar nichts geändert, wie die eisigen Blicke zwischen Necahual und Mirrasshi mehr als ausreichend beweisen und an Xiuhcoatl ist sowieso kein Herankommen mehr, seit sie in der verfluchten Stadt gewesen sind. Tlacatl ertappt sich dabei, wie er darüber nachdenkt, diesem brüchigen Band in Tukan einfach zu entfliehen. Sein Gewissen lässt ihn den Gedanken für den Moment wieder von sich schieben.

"Lasst uns schauen, was die Stadt für uns bereithält und einen Ort zum Rasten suchen. Hoffentlich sind wir hier weit genug von den weißen Teufeln weg und die Priester hier träumen noch von sinnigeren Sachen als uns auf einen Opferalter zu schlachten." Tlacatls Gesicht hellt sich nicht auf und Nachrichten neigen dazu schneller durch die Wüste zu reisen als erschöpfte Wanderer. Dennoch erhofft sich auch Tlacatl ein ausgiebiges Bad. Er wünsch sicht zudem ein paar Stunden für sich selbst, um sich die Stadt und ihre Architektur diesmal ausgiebiger anschauen zu können als bei seiner kopflosen Flucht aus Lopango.

Kaska

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #5 am: 15.02.2014, 12:04:58 »
Kaska war erschöpft seit sie der schlafenden Stadt entkommen waren, sie hasste es wie eine Botin der Götter da zu stehen. Doch genau das hatte sie gemacht, und es hatte geklappt. Doch ob sie die Stadt Geister oder sogar einen Gott überzeugt hatte, wer weiß das schon? Von der Reise danach wusste sie nicht mehr viel, in Gedanken weit entfernt, an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit, lief sie leichtfüßig hinter den anderen her und gab Ratschläge wo man Wasser finden würde oder ein gutes Nachtlager.

Ihre Miene hellte sich erst auf als der ständige Sand verschwand und die Steppe wieder auftauchte Sie fing an wieder in etwas Entführung zu laufen mal zur einen Seite, dann zur anderen mal etwas weiter vorne, dann wieder ein Stück zurück. Da Die Gruppe langsamer laufen musste, da Mirrasshi dabei war, war es kein Problem noch extra frische Nahrung zu suchen oder etwas Kaktussaft zu sammeln. Und so kam sie wieder munter und fröhlich in Tukan an.

"Ich war nicht mehr in einer so großen Stadt seit Ulatos. Hier werden wir sicher Neue Sachen finden. Ein Bad hört sich auch verlockend an, genau wie Unterkunft, doch ist es in einer Großen Stadt anders als in den kleineren Dörfer die man sonst so findet. Hier müssen wir Tauschen um einen Platz zum übernachten, essen und ein Bad zu finden. Ich weiß nicht wie es mit euch ist aber ich hab nicht viel zum Tauschen. Vielleicht hätte ich doch etwas vom Altar mitnehmen sollen?" Nachdenklich sieht die Tabaxi zur Stadt. Letztes mal hatte sie noch Schmuck dabei den sie getauscht hat, aber dieses mal nicht. Durch ihre Andersartigkeit könnte sie noch Glück haben aber ihr einzige Chance wäre wohl zu arbeiten oder die Stadt aus zu lassen.
« Letzte Änderung: 23.02.2014, 20:04:28 von Eclipse »

Eclipse

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #6 am: 16.02.2014, 17:36:09 »
Je näher die Gefährten der Stadt Tukan kommen, desto mehr weicht die drückende Schwüle von Tezcas Haus. In dem Tal in dem die Stadt liegt herrscht eine klare, angenehme Luft und das Wasser des Sees schimmert bereits in der Ferne, ebenso wie die zahllosen grünen Blätter, welche die Gefährten umgeben. Ein gepflasterter Pfad führt schließlich direkt auf die Stadt zu, wobei dann doch ein ungutes Gefühl die Gefährten beschleicht.

Das letzte Mal als sie sich auf solch einem Weg einer großen Stadt näherten, waren sie geschunden und gefesselt, dafür vorgesehen auf einem der Opferaltäre zu landen. Doch Yaotlchone versucht die düsteren Gedanken zu vertreiben und schwärmt von der Schönheit der Stadt. Stadt des Tukan oder auch die gefiederte Stadt wird sie genannt, denn zahllose der markanten Vögel bewohnen die Stadt, welche eines der wichtigsten Zentren der Verehrung von Qoutal, der gefiederten Schlange ist. Somit sind hier auch die Menschenopfer verboten, welche in Nexal so ausschweifend praktiziert wurden.

Keine Mauer umgibt die freie Stadt, offenbar hat das Haus des Tezca die Eroberer aus Nexal stets ferngehalten, und das Volk aus Lopango hat nie Bestrebungen unternommen sein Reich nach Norden auszudehnen. So bleibt zudem zu hoffen, dass die Wüste auch die weißen Teufel fernhalten würde.

Die Außenbereiche sind noch dicht mit Maisfeldern und einfachen Holzhütten bestanden, doch als es in die eigentliche Stadt hineingeht, erheben sich dort prächtige Steinbauten, doch nicht so kolossal und bedrohlich wie in Nexal oder Mictlapec. Die Gebäude sind allesamt in schönen, bunten Farben bemalt und ein großer Tempel des Quotal erhebt sich über allem, an dessen Flanken aber keine blutigen Schleifspuren zu sehen sind, wie bei einer Pyramide des Zaltec oder Tezca.

Musikempfehlung: Ketzal - Maya Musik



Die Stadt ist zudem grün und voller Leben, Palmen wiegen sich sanfst im Wind und die namensgebenden Tukan fliegen über den Köpfen der Gefährten hinweg und lassen sich hier und dort auf Ästen oder auch Verkaufsständen nieder. Denn auf dem großen Platz vor der Pyramide des Qoutal erstreckt sich ein großer Marktplatz, auf dem Keramik, Waffen, Kleidung und Nahrung feilgeboten wird. Denn Tukan ist ein wichtiger Umschlagplatz für die Länder Kolans im Norden und das Bergkönigreich Lopango im Süden.

Zentral auf dem Marktplatz befindet sich ein Springbrunnen, aus Schlangenmäulern spritzt dort kühles Wasser hervor, offenbar dank kunstvoll gewirkter Plumamagie. Wie ein kleines Kind freut sich Yaotlchone, zieht die zerschlissene Tunika von seinem Leib. Dann stellt er sich unter eines der Schlangenmäuler und wäscht sich den Sand der Wüste von seinem von Tezca gebräuntem Leib, während er das Wasser in ausgiebigen Zügen trinkt.

"So erfrischend! Kommt alle her!" ruft er seinen Gefährten zu, dabei stören ihn die Blicken der Stadtbewohner kaum.

Spielerisch spritzt er dabei das Wasser in die Richtung Mirrasshi und Necahual ...

Mirrasshi

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #7 am: 20.02.2014, 00:55:31 »
Während sie sich der Stadt nähern und nun der Untergrund von einem noch staubigen Pfad in eine gepflasterte Straße über geht, wächst in Mirrasshi doch ein Gefühl des Unbehagens. Immer größer und größer scheinen die steinernen Gebäude vor ihr zu werden, immer lauter die Geräusche der vielen, unzähligen großen Leute. Dies ist nicht mehr eine der Siedlungen, die sie gewohnt war. Dies ist ein gewaltiges Monstrum einer Ansammlung von Menschen, von denen keiner den anderen mehr kennt. Ein Labyrinth aus Mauern, in dem sich niemand je wirklich zurecht finden kann. Eine selbstständig gewordene, eigene Wesenheit, von der sie bisher nur in Geschichten gehört hat.

Unbewusst nähert sich die Hin während des Weges wieder an Kaska an, deren Nähe ihr etwas Sicherheit gibt, insbesondere seit diese sich als Tochter der Nulla zu erkennen gegeben hat. Dennoch zuckt sie erschrocken zusammen, als sie auf einmal die Stimme der Katzenfrau aus ihren Gedanken reißt. Zwar ist sie zunächst überrascht, wie viel Kaska über das Leben in einer Stadt weiß, doch auch wenn Nulla die Herrin der Tiere ist, so wird sie ihrer Tochter sicher ein umfassendes Wissen mit auf den Weg gegeben haben, oder?

"Ich habe etwas", verkündet sie, während sie ihre kleine Hand in ihr Bündel schiebt und eine Weile darin herum wühlt, "etwas, das wir tauschen können." Als ihre Hand wieder zum Vorschein kommt, hält sie Kaska einige seltsam geprägte Goldmünzen entgegen, die sie gestohlen hatte, als sie den weißen Teufeln entkommen war. Einige Jadestücke und sogar ein paar Kakaobohnen befinden sich auch dazwischen.

"Glaubt ihr die großen Leute geben uns hier etwas daf... HEEH!" Bevor sie zu Ende sprechen kann, wird sie von einem Schwall Wasser im Gesicht getroffen. Schnell macht sie den Verantwortlichen aus: Yaotlchone, der bis zur Hüfte im Wasser steht und sie frech an grinst. Die Erfrischung, die das kühle Wasser auf ihrer Haut bringt, ist aber mit Worten nicht zu beschreiben und die Verführung, so wie der Lopangonese den ganzen Körper auf diese Weise von seinen Strapazen zu erlösen, ist so groß, dass sie alle Vorsicht und all ihr bisheriges Misstrauen vergisst. Ohne zu zögern lässt sie ihre Münzen, ihr Bündel und sogar ihre Schärpe mit den Dolchen einfach fallen, wo sie steht und stürmt mit einem spielerischen Kampfschrei auf Yaotlchone zu, in dem Versuch, ihn rücklings ins Wasser zu stoßen.

Xiuhcoatl

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #8 am: 22.02.2014, 06:32:29 »
Der Mann wandert wie in Trance den anderen Gefährten hinterher. Durch Wüste, Steppe und Felder bis in die Stadt.
Unterwegs bemerken seine Begleiter schnell, daß mit dem sonst so selbstbewußten Mann etwas nicht stimmen kann. War er sonst immer vorne in ihrer Marschformation, um nach Wasser oder Nahrung ausschau zu halten, fällt er jetzt immer wieder zurück. Er scheint auch seine Fähigkeiten vergessen zu haben. Nur wenn man ihn aufs Wassersuchen oder die Jagd anspricht, kehren für kurze Zeit die erlernten Talente zurück, nur um nach der erfüllten Aufgabe wieder in Vergessenheit zu geraten.
Selbst auf seine stolze Bezeichnung als Sohn des Tezca oder auch Xiuhcoatl reagiert der Mann nicht wirklich. Aufmerksame Lauscher können aber ein genuscheltes "Dieseelebtnichtmehindieserhülle." hören.
Auch als sie jetzt die Stadt betreten, reagiert der Mann teilnahmslos. Mit leeren Augen schaut er sich um, nimmt aber nicht wirklich wahr, was er sieht. Fast als wäre er in einer Traumwelt.
Und genau dieses Gefühl hat der Mann, seit sie den Sitz des großen Geistes oder Gottes unter der Ruinenstadt verlassen haben. Er weiß nicht, ob er wacht oder schläft. Ob die Geister ihn in einer anderen Welt gefangen halten. Und er ist eh nur der niedrigste des Rudels. Ohne Namen.
Und so tut er, was ihm gesagt wird.

Necahual

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« Antwort #9 am: 22.02.2014, 20:49:27 »
Auch in den Tagen auf dem Weg nach Tukan kommt Necahual immer wieder an ihre körperlichen Grenzen. Tezcas Haus ist für die junge Frau aus den Wäldern Payits, in denen es Leben im Überfluss gibt, schon immer eine qualvoll schwere Prüfung gewesen.
Als dann endlich Tukan erreicht ist, gewinnen ihre Schritte die federnde Leichtigkeit, der Jugend zurück. Doch sobald die Hütten von den stattlichen Häusern des Stadtkerns abgelöst werden, beginnt Necahual zu zögern. Die große Anzahl an Menschen und die Menge der Häuser schüchtern sie ein. Die freundlichen Gesichter der Stadtbewohner erscheinen ihr auf ein Mal wie Fratzen. Wie durch eine Dornenhecke bahnt sich Necahual ihren Weg durch die Stadt. Verzweifelt sucht sie ein Ziel, auf das sie sich konzentrieren kann um die vielen Geister und die dazugehörigen Gesichter aus zu blenden. Nur ein Mal blickt sie sich nach den anderen um. Als sie Xiuhcoatl sieht bleibt sie stehen. Sie wartet bis er aufgeschlossen hat und legt ihm dann die Hand auf die Schulter um ihm in die Augen zu schauen. Sie fühlt sich zurück versetzt in das Dorf Dzibil und als sie Xiuhcoatl so anblickt, muss sie unwillkürlich an die Wiedergänger denken. "Bruder, Tezca will dein Opfer noch nicht! Dafür wird er seine Gründe haben. Doch ich kann euch sagen, dass das Opfer eines halbtoten Wiederkehrers nicht den Stich ins Herz wert ist. Wenn du die Gnade Tezcas zurück gewinnen willst so erwecke Xiuhcoatl und lass ihn großes tun ehe du ihn opferst." Sie ergreift sein Kinn und blickt ihm tief in die Augen. "Xiuhcoatl!"

Wenige Schritte weiter vergnügen sich die Wildling und Yoatlchone bereits im Brunnen. Liebend gern wäre sie wie Yaotlchone hinein gesprungen und hätte sich vom Staub und den Strapazen befreit aber die Anzahl der Menschen in dieser Stadt hält sie zurück. Als sie dann von einigen Wasserspritzern Yoatlchones erwischt wird, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Jetzt wo sie wieder das Band zu ihren Brüdern spürt, gewinnt sie ihre Sicherheit zurück denn innerhalb der Gruppe kennt sie ihre Position. So bleibt Necahual erneut stehen um den beiden im Brunnen zu zu sehen. Dann geht sie ebenfalls an den Rand und wäscht sich Gesicht, Brust und Arme. Das Wasser tropft an ihr herab und malt feine Wege auf die Schicht aus Sand und Staub welche noch immer ihren Bauch und ihre Beine bedecken.
« Letzte Änderung: 23.02.2014, 21:14:05 von Necahual »

Eclipse

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #10 am: 23.02.2014, 20:32:33 »
Yaotlchone macht einen ebenso spielerischen Aufschrei als Mirrasshi ihn anspringt und lässt sich wie beabsichtigt nach hinten in das Wasser des Brunnens fallen, wobei er die Wildling mit sich reißt. Natürlich hätte die kleine Frau den Lopangonesen selbst dann nicht umreißen können, als dieser ein Knabe war ... aber der Hühne macht das Spielchen gerne mit. Prustend hebt er den Kopf aus dem Wasser, wobei er mit dem Armen weiter Wasser um sich schlägt, dieses Mal auf Tlacatl und Kaska zielend. "Hilfe! Hilfe! Die menschenverschlingende Wildling aus dem Dschungel will mich ertränken!" ruft er neckend aus.

Dann packt er Mirrasshi und drückt sie mühelos für einen Augenblick unter Wasser "Für Lopango!" Staub und Sand lösen sich dabei von Haut und Haaren, lassen das Wasser im Brunnen bald bräunlich werden, was die umstehenden Stadtbewohner mit einem Kopfschüttel quittieren und zu tuscheln beginnen.

Doch das scheint die beiden nicht zu stören, das Wasser ist kühl und herrlich, und nach dem man in Tezcas Haus jeden Schluck Nass wie einen Schatz hüten musste, kann man hier nun in vollen Zügen trinken und den Durst stillen. Auch Necahual nutzt die Gelegenheit bald, auch wenn sie nicht direkt in das Wasser springt, sondern sich am Rand des Brunnens wäscht. Tlacalt scheint trotz der Spritzer die er bekommt im Augenblick noch eher von der Architektur der schönen Stadt eingenommen zu sein, während Kaska einer großen Katze typisch, Abstand vom Wasser nimmt.

Teilnahmslos steht hingegen Xocoyotl daneben, sein Leib noch immer bedeckt von Staub und Sand. Seine Erwartung in Mictlapec den Opfertod zu sterben hatte sich nicht erfüllt, ziellos scheint er seitdem seinen Gefährten zu folgen. Sein Glaube die bösen Geistern würden ihn an Orte des Todes führen, scheint sich spätestens hier in Tukan nicht mehr zu erfüllen.
Vielleicht vermögen ja Necahuals Worte ihn endlich aus seiner Starre zu reißen?

Xiuhcoatl

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #11 am: 25.02.2014, 04:46:54 »
Wieder ein reflexartiges "Dieseelebtnichtmehindieserhülle".
Doch dann sieht der Mann Necahual an und antwortet ihr, wobei er das erste Mal ihren Namen spricht.
"Deine Worte sind weise, Necahual. Aber wie kann dieser Mann eine Seele in sich erwecken, die den Körper schon lange verlassen hat? Xiuhcoatl floh, als die Geister der Stadt in anklagten. Er wird nicht zurückkommen, denn sie haben ihn seiner Macht beraubt und ihn zerstört." Ein leichter Schauer durchläuft den Mann, als er an diesen Moment zurückdenkt. Aber dann beruhigt er sich auch gleich wieder, schließlich war das nicht sein Leben gewesen, in dem dies geschah.
"Was bedeutet uns Tezcas Gnade? Ist er unser oberster Geist? Müssen wir uns ihm deshalb nicht doch willig opfern?" Der Mann sieht Necahual mit einem Blick an, den diese eher von einem Kind erwarten würde, voll Unschuld und Neugier.
« Letzte Änderung: 26.02.2014, 19:14:25 von Xocoyotl »

Mirrasshi

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« Antwort #12 am: 26.02.2014, 12:10:02 »
Für einen Moment wird Mirrasshi von Panik ergriffen, als der große Mann sie so einfach nach unten drückt, wie es nicht selten die weißen Teufel in einigen ihrer grausamen Spielchen getan hatten. Wasser dringt ihr durch Mund und Nase ein und hustend kommt sie wieder an die Oberfläche, nachdem er sie im nächsten Moment auch schon wieder los gelassen hat, doch die erste, die sie erblickt ist Necahual, von der sie zuvor überhaupt nicht bemerkt hat, dass diese sich dem Brunnen überhaupt genähert hat.

Reflexhaft springt die kleine Wildling hinter Yaotlchone, wie um sich hinter ihm zu verstecken. Erst in diesem Moment realisiert sie, wie sehr sie durch die gemeinsam erlebten Strapazen die Mitglieder dieser Gruppe schätzen gelernt hat. Vielleicht war es das, was Yaotlchone meinte, wenn er davon sprach, sie und Kaska in seinen Stamm auf zu nehmen. Nachdenklich, aber mit einem Lächeln auf den Lippen schwimmt sie zum Rand des Brunnens, setzt sich darauf und lässt die Beine ins Wasser baumeln.

Diese kleine Gruppe ist für sie nun das geworden, was am ehesten dem ähnelte, was ihr zuvor ihr Stamm gewesen war: Man beschützt und hilft sich gegenseitig, und auch wenn es alles große Leute waren, in einer Stadt wie dieser, voller unzähliger großer Leute, wer wäre besser geeignet, um jemanden zu beschützen, als große Leute?

Eclipse

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #13 am: 26.02.2014, 21:18:00 »
Schlussendlich kann sich Tlacatl vom Anblick der prächtigen, farbenfrohen Stadt losreißen. Bei seinem ersten kurzen Besuch hatte er den Gebäuden kaum Aufmerksamkeit geschenkt, doch nun blieb ihm die Zeit sich der Architektur zu widmen.
Doch dafür wurde so oder so sicher noch genug Zeit bleiben, so dass auch er sich nun dem Brunnen zuwendet, als er das Geplansche von Yaotlchone und Mirrasshi mitbekommt.


So stellt er sich dann an eines der Schlangenmäuler, zieht sich die Tunika vom Leib und lässt das kühle Wasser über den Oberkörper rinnen, so dass auch sein Leib von Staub und Schmutz befreit wird. Genüsslich schluckt er das Wasser hinunter ... soviel er es wünscht, endlich muss er nicht mehr jeden Schluck wohlüberlegt einteilen.

Nachdem er seinen Durst gestillt hat, blickt er sich um ... Necahual und Xocoyotl schein noch im Gespräch vertieft, Mirrasshi lässt die Beine im Brunnen baumeln und Yaotlchone planscht weiter im Wasser, während Kaska skeptisch daneben steht. Tlacatl nähert sich einem der Marktstände und fischt eine handvoll Münzen und Kakaobohnen aus seiner Umhängetasche.

Seine Augen wandern über allerlei Köstlichkeiten ... warmes Maisbrot, in dem Gemüse eingewickelt wurde. Frischer Fisch aus den Wassern des See und alle Arten von saftigem Obst. Anders als bei seinem früheren Stamm, werden Waren hier nicht gegen Naturalien, sondern seltene Münzen getauscht. Ein Konzept dass dem Lopangonesen aber durchaus vertraut ist. Und so ersteht er für einige Jadestücke einen geflochtenen Korb voll Obst. Fröhlich winkend kehrt er zu seinen Gefährten zurück und bittet sie davon zu kosten.

Orangen, Bananen, sogar eine frische Ananas, die Tlacatl sogleich mit seinem Kupferbeil spaltet.
Sogleich bietet er Necahual als erste an, davon zu kosten, ehe er selbst genüsslich zuangt ...

Necahual

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Die Stadt des Tukan
« Antwort #14 am: 27.02.2014, 11:45:57 »
Necahual nickt verständnisvoll als Xiuhcoatl von seinem verlassenen Körper spricht. Sie kennt diesen Zustand und auch das Gefühl allerdings war es ihr bisher nur gelungen allein mit dem Geist den Körper zu verlassen. Ihr Bewusstsein blieb stets am Geist behaften und liess den Körper zurück und erst wenn der Geist seine Wanderschaft beendet hatte oder vom Körper gerufen wurde konnte er wiederkehren. Die Schamanin studiert den Mann aufmerksam. "Ein Körper der so viel Wachheit ohne Geist besitzt, kann nur von einem neuen Geist besessen worden sein." "Bruder, erinnerst du dich an deinen Geist? Du kannst ihn zurück rufen wenn du den Pfad der Erinnerung beschreitest. Erinnere dich an Xiuhcoatl, denke wie er - handle wie er, zeige deinem Geist, dass er wieder einkehren kann in sein Haus." Sie schweigt einen Augenblick. "Das ist der mühevolle Pfad. Wenn du diesen nicht mehr beschreiten kannst so bleibt dir nur das Wiedererleben eines Xiuhcoatl Moments - einem Moment in dem nur ein Xiuhcoatl überleben konnte. Überlebst du ihn so wird dein Geist erkannt haben, dass dein Körper noch sein Haus ist." Necahual zögert, sie ist sich nicht sicher ob sie den zweiten Geist in Xiuhcoatls Körper ansprechen will denn jedes Mal wenn er an Wirklichkeit gewinnt, so ermächtigt er sich noch stärker über den Körper Xiuhcoatls. Sie beschliesst es nicht zu tun und zu warten bis sich der Konflikt der Geister um Xiuhcoatls Haus zu entfalten beginnt - momentan ist es noch viel zu früh und sie würde ihrem Buder damit nicht helfen!

Die Schamanin ist überrascht von den neugierigen, unschuldigen Fragen über Tezca. "Sind seine Erinnerungen verschwunden?!" Necahual beschliesst, dass dies bereits die erste Probe des neuen Geistes ist und versucht ihn darum einfach zu ignorieren. Statt dessen spricht sie als ob sie mit ihrem Bruder Xiuhcoatl sprechen würde: "Bruder, als Sohn Tezcas bedeutet seine Gnade für dich, dass er dich wieder aufnehmen wird sobald dein Geist in deinen Körper zurück gekehrt ist. Das Leben findet einem jedem von uns seinen obersten Geist. Mir hat es die Mutter Maztica gefunden - dir Tezca. Ob du dich deiner Gottheit opfern musst kann nur deine Gottheit dir zeigen. Als Hülle ohne Kern aber wirst du weder im Leben noch als Opfer deiner Gottheit dienen können. Darum musst du die Zeichen lesen um deinen Weg zurück zu finden. Träume erlauben uns Sterblichen einen leichteren Zugang zu den Zeichen unserer Wege. Mit Hilfe der Geisterkräften versteckt in Mutters Schoß, kann ich dich tiefer zu den Zeichen führen. Doch erkennen musst du sie selbst. Wenn wir ein paar Tage Rast einlegen und du dich bereit fühlst so werde ich alles vorbereiten, Bruder." Necahual schaut gedankenverloren und nachdenklich doch ringt sich schliesslich ein hoffnungsvolles Lächeln ab, welches an breite gewinnt, als sie Tlacatl mit den Früchten kommen sieht.

"Bruder! Oh wie habe ich dies vermisst!" Sie greift nach einem Ananas Stück, versenkt ihre Zähne darin und beginn das köstliche Fruchtfleisch aus zu saugen und dann einen großen Happen nach dem anderen herunter zu schlingen. "Dieser Geschmack - es ist als würde man pures Glück in sich aufnehmen! Hier! Bruder Xiuhcoatl nimm auch eine von den Früchten ehe die Fliegen sie dir vor der Nase wegfressen!" Die Frau lächelt und reicht dem Seelenlosen ein Stück Ananas.

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