Autor Thema: Templum  (Gelesen 1315 mal)

Beschreibung: Wünsche, Erwartungen und Anregungen an oder für das Szenario

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Symmachus

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Templum
« am: 20.12.2013, 18:51:40 »
"Die Worte sind nur das Äußere der Gedanken. Es ist töricht, wenn man nur das Äußere ansehen wollte und darüber die Gedanken vernachlässigte." - Lü Bu We

Das Templum, der Tempel, im klassischen Sinne bezeichnet jenes Gebiet, welches der Augur mit seinem Krummstab markierte und in dem er seine Beobachtungen machte. Nur jene Zeichen, die innerhalb dieses auftauchten, wurden als göttlicher Wille interpretiert.

Wenn ihr also hier eure Anregungen, eure Wünsche äußert, seid ihr und bin auch ich, zu einem gewissen Stück ein Augur, der die Zeichen deutet und sie daraus die rechte Art zu Handeln (in Bezug auf das Szenario) vorzuschlagen gedenkt. Macht gerne Gebrauch davon, so ihr eine Möglichkeit seht oder ihr eben eine Idee äußern wollt, von der ihr glaubt, dass es unser Szenario, unser Spiel oder unseren Umgang miteinander vertiefen, verbessern oder erweitern kann.

Die meisten von uns sind sich unbekannt und darin liegt ein gewisser Reiz. Der Reiz des Kennenlernens durch reines Lesen, durch reine Interpretation des Geschriebenen. Wer will, mag dies romantisch als menschlich-intellektuelle Entdeckungsreise durch den Geist einer fremden Person mit der Brille der eigenen Weltsicht ansehe. Dadurch, dass wir jedoch stets unsere Weltsicht und unsere Person - zumindest zu einem Teil - in diese Person, und das Bild, was wir von ihr gewinnen, hineininterpretieren, und sei es nur als Gegenentwurf zu jenem, was uns auszumachen scheint, erliegen wir oftmals dem Trug und missinterpretieren diese Person und ihr Geschriebenes. Der Umgang miteinander ohne die Möglichkeit Parasprache zu nutzen ist bisweilen schwierig, aber diesem Umstand eine Aufmerksamkeit zu schenken, entpuppt sich häufig als eine kleine Hilfestellung, die ich unter anderem mit diesem Thema möglich machen möchte. Sicher wird auch in das hier Geschriebene interpretiert werden, aber ein gesammelter Ort, an dem wir gleich sehen, dass alles Gesagte Wunsch, Erwartung und Anregung ist, neigt dazu, ein Ort zu sein, an dem vorsichtiger mit den Wünschen, Erwartungen und Anregungen der anderen umgegangen wird. Oder in dem man sich zu der Beobachtung dessen eher bereitmacht, weil man von der Natur des Raumes dazu veranlasst ist, darauf zu achten. Aus diesem Grund zitiere ich Lü Bu We aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Ich möchte gerne versuchen, eure Gedanken wie auch eure Worte zu verstehen. Wenn ich dazu nicht in der Lage sein sollte, zögert nicht, mich darauf aufmerksam zu machen.

Dieses Thema dient aber noch einem weiteren Zweck der Zusammenführung, schließlich haben wir alle unterschiedliche Bildungshintergründe, sind sicherlich auch menschlich unterschiedlich gepolt und haben jeweils andere Erwartungen, wie ein Spiel zu laufen hat. Das bedeutet freilich nicht, dass wir all dies besprechen müssen, um überhaupt starten zu können, aber doch, dass man zumindest die Möglichkeit schaffen sollte, jederzeit - zumindest wenn es kneift - miteinander in Kontakt treten zu können und zu wollen.

Leider werde ich nicht alle Wünsche erfüllen können (selbst wenn ich wollte) und ich sehe ein, dass unmöglich ist, allen Spielern und allen Vorstellungen gleichermaßen gerecht zu werden: "Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann", heißt es so schön in vielen mittelalterlichen Rathäusern. Deshalb bitte ich darum, auch eigene Wünsche und Ansprüche manchmal zurückzustellen, wenn es der Gruppe hilft und vor allem Verständnis für die Ideen der anderen zu haben.

Ich werde im Laufe der Zeit auch immer wieder Anregungen und Erwartungen hier einstellen und euch darum bitten, sie gegebenenfalls abzustimmen oder zu kommentieren.

Die Partizipation an diesem Thema ist absolut freiwillig. Onlinerollenspiel kann sehr zeitintensiv sein und manche spielen es als Zeitvertreib oder als Ersatz für ihre Tischgruppe, dementsprechend weiß ich, dass nicht zu erwarten ist, dass übermäßig viel Schweiß von allein in eine solche Runde gesetzt wird. Es muss sich entwickeln, aber es ist auch erlaubt, die Runde ein Stück weit zu konsumieren.
Jeder nach seiner Façon. :)

Meine erste planmäßige Anregung wird im Rahmen des Charakterbaues hier erscheinen, also erst nach der Erstellung des Settings. :)
"Lebenspendende Sonne, du kannst wohl nichts Größeres erblicken als die Stadt Rom." - Horaz

Symmachus

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Templum
« Antwort #1 am: 06.02.2014, 22:53:18 »
Ich habe eine Schwäche für ungewöhnliche Hintergrundgeschichten. Und ich empfinde Schwäche im Angesicht zu formeller Uniformität, die zur qualvollen Routine wird. Ja, ich gebe zu, ich gehöre zu jenen Menschen, die sich bei allem Nutzen nur sehr schwer mit Routinen und automatischen Vorgängen - zumindest in Fragen der kreativen Herangehensweise - anfreunden können. Das geht soweit, und insofern bitte ich euch, meine Schwäche zu tolerieren, dass ich mitunter die schönen und durchdachten Hintergrundgeschichten von Charakteren nicht zu schätzen weiß, weil sie mir in formeller Eintönigkeit präsentiert werden. Es sind jene Hintergrundgeschichte, die unvermittelt in zu wenig Worten zu viel erzählen wollen, die mir die schlimmsten sind. Die Faktum an Faktum reihen, aber keinen Platz für Erzählung und Tiefe lasse, die mich besonders betrüben, auch wenn jemand eine wunderbare Zusammenstellung wählt. Und es dieser Überdruss, der dazu führt, dass ich jene Gedanken nicht so zu schätzen weiß, wie ich es vielleicht sollte. Deswegen habe ich eine Bitte an euch, wie ihr euren Hintergrund konzipiert.

Ich hätte gerne, dass ihr euren Hintergrund in vier Parts aufteilt. Keine Sorge, niemand wird übermäßig viel schreiben müssen, wenn er nicht möchte. Ich möchte gerne für diese Runde in vier Parts eine gewisse Uniformität, die hoffentlich für keinen von euch bereits Routine ist. Sie sind aber eher thematisch uniform. In der Form und Ausarbeitung dürfen sie mannigfaltig sein.

Part 1 - Fragmente alter Biographien

Der Hauptinhalt eures Hintergrundes soll aus zwei Fragmenten bestehen. Zu diesem Zwecke mögt ihr euch vorstellen, dass jeder Charakter von euch - der Grund dafür ist irrelevant für mich, aber ihr könnt ihn gerne bestimmen - zwei Biographen hatte, die über ihn geschrieben haben. Es müssen fiktive Biographien sein. Bestimmt dabei bitte, aus welcher Zeit diese Biographie ist (Beispiel: Ein Biograph erstellt die Biographie über euch im Jahre 40 n. Chr, der zweite im Jahre 202 n. Chr). Leider sind von diesen Biographien nur noch Fragmente enthalten.

Wie ihr diese Fragmente ausgestaltet, das ist euch weitestgehend selbst überlassen, gerade was die Form angeht und die Länge. Ich möchte euch aber darum bitten, dass beides moralisierende Biographien sind, die sich gegenüberstehen in der Deutung eurer Charaktere. Die erste Biographie stellt euch also in ein gutes Licht und versucht euch als tugendhaften Menschen darzustellen, während die zweite Biographie das Negative in euch sucht und herauszustellen bemüht ist. Beide Biographien dürfen übertrieben sein, sollte aber auf «wahren» Begebenheiten eures Charakters beruhen. Es ist für die römische Biographen und Geschichtschreiber nicht ungewöhnlich, dass sie ihre behandelten Subjekte vor allem in moralische Kategorien einordneten. Vorbild sind ein wenig die Doppelbiographien von Plutarch, wenn man so will, nur dass bei euch als Römer nicht das griechische Pendant gesucht wird, sondern sich diese beiden Biographien von euch gegenüberstehen, aber in plutarchscher Manier sehr moralisch überhöhend oder untergrabend sind.

Ich würde mich freuen, wenn ihr die Biographiefragmente in die römische Zeit setztet, aber wenn ihr andere Ideen habt, könnt ihr dem gerne frönen. Es wäre ja durchaus möglich, dass einer eurer Charaktere biographisch für die Renaissance vereinnahmt wurde oder wie Spartakus, dass jemand für sozialistische Zwecke deinen Charakter vereinnahmt oder Arminius für allerlei Zwecke (allen voran auch nationalistische und nationalsozialitische Zwecke). Bindend ist nur, dass eine sehr positiv über euch werten möge, die andere sehr negativ (und dass ihr, wenn ihr andere Zeiten nehmt, auch etwas vom Zeitgeiste unterbringt, so möglich).

Beide Teile sollten in etwa gleich lang sein, aber die Form könnt ihr bestimmen. Ob ihr mehrere, versetzte Fragmente nehmt und sie zu einer unrunden Biographie (quasi wie die verstreuten Splutterstücke schwarzgebrannter Keramik) zusammensetzt, oder nur eine Seite aus dem Werk überleben lasst, ob ihr vielleicht euren Biographen diese Geschichte über den Volksempfänger verbreiten lasst (und quasi eine Audiodatei erstellt), ob ihr etwas Grafisches bastelt etc. etc. ist alles euch überlassen.

Part 2 - Meine Spuren in Xs Leben

Ich mag es, wenn Charaktere miteinander verbunden sind. Und vielleicht das auch auf eine tragische, unabwendbare Art und Weise. Und für diese Verbindung ist der zweite Part gedacht.
Hier ist es eure Aufgabe, euch beim nächsten Spieler in das Leben zu schreiben. Eine durchaus anspruchsvolle und auch fiese Aufgabe, da wir jedoch ein Intrigenszenario spielen, finde ich sie sehr spannend. Dieses Hineinschreiben funktioniert so:

Nach der Reihenfolge des Charakterthreads schreibt sich ein Charakter bei dem unter ihn befindlichen Charakter ins Leben (mit der Ausnahme des letzten Charakters, der sich bei Caesar in die Vita schreibt). In einer kleinen Geschichte beschreibt ihr, wie sich eure Wege gekreuzt haben und wie die Charaktere in Beziehung zueinanderstehen. Es ist möglich, sich auf diese Weise Information und Fakten zurechtzulegen, sodass man etwas gegen diesen Spielercharakter in der Hand hat. Es besteht jedoch für jeden Spieler, bei dem sich eingemischt wird, die Möglichkeit von einem Veto-Recht Gebrauch zu machen, wenn er seinen Charakter zu sehr dadurch benachteiligt sieht oder es gar nicht zu seiner Lesart seines Charakters passt. Dann darf ein neuer Versuch gestartet werden oder wir verhandeln das. Wenn ihr wollt, könnt ihr das im Vornhinein schon verhandeln, wenn ihr das gleich in Absprache machen wollt. Allerdings darf das Verhältnis auch umgekehrt werden durch die Absprache. Das heißt, wenn Caesar sich bei Marius in die Vita schreiben darf, können die beiden durchaus abmachen, dass Marius etwas gegen Caesar in der Hand hat. Jedoch muss Caesar sich weiterhin in Marius Leben schreiben.

Wie ihr es in der Form gestaltet, ist wiederum euch selbst überlassen. Ihr könnt es einfach beschreiben, aber ihr könnt auch gerne Urkunden oder vergleichbares basteln. Lasst auch hier eurer Kreativität freien Lauf.

Part 3 - Im Sog aus Kabale und Blut

Dieser Teil soll beschreiben, wie ihr in die Verschwörung geraten seid. Vielleicht schreibe ich noch mehr über das Wesen der Verschwörung, aber an sich reicht der Flufftext und die Erläuterung, mit dem ihr das Szenario gewählt habt, um sich davon eine Vorstellung zu machen.

Aufgabe ist es also, mir an die Hand zu geben, was die Verschwörer wider Caesar gegen euch in der Hand haben. Dabei habt ihr völlig freie Wahl, aber ihr müsst das bestimmen. Ihr kennt eure Charaktere und ihre Eigenarten besser als ich, und somit könnt ihr mit größerer Treffsicherheit festlegen, was für euren Charakter so von Bedeutung ist, dass er auch eine Motivation hat, sich mit dem Spielgeschehen zu beschäftigen.
Entschuldigt, wenn ich so triviale Dinge nenne, aber aus meiner Erfahrung zeigt sich, dass viele Charaktere schwer in solche politisch-intrigante Runden finden, wenn sie keine Motivation haben, daran teilzunehmen oder keine Anbindung haben und auch nicht proaktiv eine suchen. Dies ist also ein Angebot und eine Aufforderung meinerseits, eurem Charakter diese Motivation zu verleihen. Gerne dürft ihr noch weitere Motivationen sammeln, wenn es euch hilft.

Ihr dürft dabei gerne aus dem vollen Schöpfen und auch ggf. historisch inakkurate oder nicht nachweisbare Entscheidungen treffen, so sie den Lauf der Geschichte nicht vollends auf den Kopf stellen. Beispielsweise, dass Caesar eine Affäre mit Aurelia hatte. Oder dass Varius eine Affäre mit Caesar hatte (macht sowas aber, wenn andere Charaktere involviert sind, bitte in Absprache mit euren Mitspielern).

In der Form ist euch wieder überlassen, wie ihr mir das Wissen übermittelt.

Part 4 - Und das darf in der Betrachtung Xs nicht vergessen werden

Das ist eure Spielwiese. Eure alleine. Ihr könnt hier die klassische Hintergrundgeschichte schreiben, wenn ihr bereits eine für euren Charakter konzipiert habt oder konzipieren wollt. Hier könnt ihr einen kleinen Lebenslauf mit Eckdaten präsentieren oder eine sehr wichtige Szene aus dem Leben eurer Charaktere im Detail schildern. Ihr habt hier die Möglichkeit das Innenleben eures Charakters zu präsentieren oder nach den beiden wertenden Biographiefragmenten eine objektivierende Sichtweise zu präsentieren. Oder vielleicht hat jemand Lust, gar ein drittes Biographiefragment zu entwickeln, welches in wirklich die selbsterhöhende oder selbstuntergrabende Autobiographie eures Charakters ist. Vielleicht steht hier auch einfach stumm und still die Ahnentafel, oder eine von euch entwickelte, oder gar designte, Grabinschrift. Ein Lobeslied auf euren Charakter oder, oder, oder.

Soviel zu meinen Ideen, wie ihr euren Hintergrund in vier Parts steckt. Ich wünsche euch viel Spaß dabei und freue mich auf sehr bunte und kreative Ergebnisse. :)
« Letzte Änderung: 06.02.2014, 22:58:41 von Symmachus »
"Lebenspendende Sonne, du kannst wohl nichts Größeres erblicken als die Stadt Rom." - Horaz