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Autor Thema: Geisterstadt  (Gelesen 61968 mal)

Beschreibung: Episode 1.2

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William Marlowe

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Geisterstadt
« Antwort #555 am: 30.05.2015, 11:20:57 »
"Oh, es gibt da drinnen viele gute Kämpfer, wenn du kein Problem damit hast, dass sie beim Kämpfen alle etwas zu viel reden, zudem in Versen", erwiderte Will auf Schnüfflers Frage. "Aber Barnabas ist der einzige, der das hier fertig bringt."

Damit trat Will zu Filias' Leiche, ging auf ein Knie hinab, und stach dem Toten mit dem Dolch durchs Auge. Danach schaffte er es gerade noch, den Dolch an dessen Kleidung zu reinigen und wieder einzustecken, bevor er in eine Ecke fliehen musste, um sich dort schon zum zweiten Mal seit Jeanas Tod die Seele aus dem Leib zu kotzen.

"Alle anderen machen das hinterher", sagte er lapidar, als er zu Schnüffler zurückkehrte.

Doch auf dem gemeinsamen Weg durch die Stadt erholte Will sich bald und wurde sichtlich munterer. Klar, wenn sie jetzt auf eine Horde träfen, hätten sie auch keine Chance, und sogar mehr Mühe, sollten sie einer Geisterfrau begegnen, um hinterher die versprengten Leute wieder zusammenzusuchen, aber es fühlte sich doch wesentlich sicherer an, sich in einer größeren Gruppe durch die Stadt zu bewegen als nur mit Arjen allein. Sein Schritt wurde beschwingt und er scherzte mit dem Mädchen, auch wenn von dort höchstens einmal ein Blick als Antwort kam, und mit "Goldlöckchen", die ihm darüber vielleicht sogar ihren Namen verriet.

Als die Gruppe dann zum ersten Mal auf ein ernstzunehmendes Problem stieß, riss Will dann aber vor Erstaunen die Augen auf: was, ausgerechnet den Jungen wollten sie vorschicken? Na gut, sie mussten es ja wissen, aber...

"Sollten wir nicht lieber zwei Leute schicken, falls es ein Problem gibt?" Dabei bückte er sich schon und hob einen flachen, nicht zu kleinen Kiesel vom Boden auf.

"Nachts erst ist es schön, an das Licht zu glauben", sagte er und der Kiesel fing an zu leuchten.[1] Will hielt ihn Omrah hin. "Für den Brunnen. Wenn du willst. Leuchtet auch im Wasser. Ich kann mitkommen oder dein Tier halten. Klettern liegt mir leider nicht so. Sag, kenn ich dich nicht von irgendwoher?"

Jetzt, wo er den Jungen ansprach und überhaupt erst genauer ansah, schien das Gesicht ihm tatsächlich bekannt, aber er konnte es nicht platzieren.

"Du hast aber nicht mal in Lissies Waisenhaus vorbeigeschaut, oder? Sie nimmt—nahm—leider nur Kinder, die blind, taub oder lahm waren, so gern sie am liebsten allen Kindern auf der ganzen Welt geholfen hätte."
 1. Zaubert light, 20 min, 20ft Radius, Lichtstärke wie Fackel.
« Letzte Änderung: 30.05.2015, 11:24:12 von William Marlowe »
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Arjen Bucalo

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Geisterstadt
« Antwort #556 am: 30.05.2015, 12:12:07 »
Auf dem Weg durch die Tunnel ist Arjen zunächst ruhig. Er beobachtet die Gruppe, registriert erfreut, dass Will sich einfindet. Dann gleitet sein Blick zu Omrah und Rotznase. 'Zwei Kinder in dieser verrückt gewordenen Welt - nicht viel älter, als Lukas gewesen ist. Und doch haben beide diese letzten Tage überlebt. Das sagt viel Gutes über diese Leute hier.' Arjen beschließt für sich, diesen Menschen einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Am Senatorium angekommen beschirmt er die Augen vor der Sonne und schaut sich die endlose Prozession der Toten am Graben an. Kein Durchkommen hier - das war sicher. Da sprechen die Will und die anderen gerade davon, eines der Kinder vorzuschicken. 'Ich konnte meinen Sohn nicht retten. Aber vielleicht kann ich ja diesen Kindern helfen', schießt er Arjen durch den Kopf. Also wendet er sich an die anderen und fügt an Wills Worte an.

"Mein Gefährte hat Recht - niemand sollte allein gehen. Wie schmal ist der Durchgang, durch den Omrah schlüpfen muss? Wenn ein Erwachsener hindurchpasst, biete ich mich an, ihn zu begleiten", sagt er. "Ich habe sechs Jahre im Heer von Liur gedient - falls da unten Wiedergänger sind, dürfte ich sie eine Zeit lang beschäftigen können."

Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #557 am: 30.05.2015, 13:10:21 »
Fragend blickte Gelirion zu den beiden neuen. „Denkt ihr die anderen bleiben oben? Wir gehen natürlich mit durch die Tunnel. Nur wird Omrah einen anderen Ausgang nehmen, wenn er zusagt. Einen der nicht versperrt ist. Aber ihr habt Recht, ganz allein in den Schacht sollte er nicht, nur weil er der kleinste und schlankeste von uns ist.“ Der Paladin blickte zu den anderen. „Rotznase und unserer Damen wären von Größe und Statur die nächsten Kandidaten. Dann wäre ich wohl an der Reihe und ihr. Wie war noch gleich der Name William? Dann Schnüffler, Arjen und zu guter letzt Areo.“ Nach dieser Größeneinschätzung, kratzte sich Gelirion am Kinn. „Naja, wobei ich sagen muss, dass ich für Tauchaktionen der Falsche bin. Ich könnte mich höchsten über Wasser halten aber Schwimmen, nein. In einem Wüstenland ist das keine der Fähigkeiten die den Kindern beigebracht wird.“ Nach dieser Aussage über seine Schwimmfähigkeiten, blickte Gelirion zu Katarina. Er war sich nicht sicher, ob der Schacht zum Brunnen wirklich über die selben Gänge erreichbar war, wie die Geheimtür in den Lagerräumen.

William Marlowe

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Geisterstadt
« Antwort #558 am: 30.05.2015, 13:31:58 »
"Will", korrigierte Will. "William nennt mich nur Lissie, wenn ich was angestellt habe."

Zu seinen Schwimmfähigkeiten hätte er anmerken können, dass er schon oft mit großem Erfolg einen Freibeuter oder dergleichen seefahrendes Volk auf der Bühne gemimt hatte, welches sich nach einem Schiffbruch, von dem in jedem Stück mindestens einer vorkam, stets aus eigener Kraft an Land retten konnte. Die Theorie hatte er sich zudem angelesen, auch wenn es in der Praxis so aussah, dass er zum Schwimmen kurz hinter die Bühne verschwand, sich von Rosalind einen Eimer Wasser über dem Kopf ausleeren ließ, um dann nass aber glücklich "an Land", also wieder auf der Bühne, anzukommen.

"Das mit dem Schwimmen tät ich schon hinkriegen", behauptete er daher kühn.
« Letzte Änderung: 30.05.2015, 13:55:43 von William Marlowe »
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Schnüffler

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Geisterstadt
« Antwort #559 am: 30.05.2015, 15:56:46 »
"Du darfst nicht vergessen, dass auch Ain nicht dazu zu bewegen sein dürfte, durch einen Tunnel zu schwimmen.", sagte Schnüffler und wies auf Areos Hund. "Aber wir werden Omrah so weit begleiten, wie es uns möglich ist. Und wenn Du, Arjen, mitgingest, dann wäre das eine sehr gute Idee." Schnüffler erwähnte nicht, dass auch er eher Nichtschwimmer war. Er konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann er zum letzten Mal einen See gesehen hatte. Das musste wohl der kleine Tümpel in der Nähe des Dorfes gewesen sein, vor langer Zeit. Es war verständlich, dass er fast alles von damals verdrängt hatte.
"Die Grausamkeit der meisten Menschen ist Phantasielosigkeit, und ihre Brutalität Ignoranz."
Kurt Tucholsky

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Areo

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Geisterstadt
« Antwort #560 am: 31.05.2015, 08:50:50 »
Areo blieb nicht mehr als ein kraftloses Nicken, als Antwort auf die knappen Gesten des Paladins. Die Unterhaltung zwischen den übrigen Gruppenmitgliedern ging sofort weiter, weshalb Gelirion auch alsbald wieder von einem der andren angesprochen wurde. Es dauerte nicht lange, da kamen die beiden "Neuankömmlinge" an der Seite Schnüfflers wieder die Treppe herab. Areo beäugte sie und studierte ihre Gesichter. Er versuchte sich, auf ihre Anwesenheit einen Reim zu machen und entdecke dabei die Aufgeschlossenheit, mit welcher sie dem Halbork und den andren Überlebenden begegneten. Ist es der pure Überlebenswille, welcher all das Misstrauen zwischen den Sprach-Begabten von vorne herein hinwegfegt? Fragte er sich in Gedanken. Oder kennen sie sich vielleicht von früher? Von jenseits der Nacht des Blutes?

Eingeschlossen in seiner eigenen stillen Welt, kam er nicht umher ein für ihn bekanntes Gefühl erneut in seinem Gemüt zu entdecken. Er hatte dies zu letzt am Tage seiner Ankunft hier in Aradan verspürt. Als all die Menschen, Zwerge und Elfen-Massen auf ihn herein strömten und die dicht bevölkerten Straßen ihn und Ain von Kopf bis Fuß verschlungen hatten.
 
Er fühlte sich allein, inmitten all dieser Gestalten. Zum ersten Mal, seit die Seuche des Nachts über die Welt gekommen war. Und es erschreckte ihn bis aufs Mark, als er sich selbst dabei ertappte, wie er der Katastrophe doch eigentlich für seine neue Rolle in dieser Welt...

...Unterbewusst dankbar gewesen war.



Ohne sich erneut an die Gruppe zu wenden, bildete Areo an der Seite seines vierbeinigen Freundes das Schlusslicht der Gruppe, als diese schließlich vom Tempel des Lanceros wieder in Richtung Sanatorium aufbrach. Er konzentrierte sich erneut, trotz all der Kopfschmerzen und Erschöpfung, darauf, die Umgebung zu sondieren und seine wenigen, geschulten Sinne auf mögliche Gefahren zu fixieren. So wartete er schlussendlich auch geduldig, als die Expedition den Vorplatz zur befestigten Anstalt wieder erreicht hatte und mischte sich nicht in die augenscheinliche Lagebesprechung seiner Gefährten ein. Er duckte sich zu Ain hinab, streichelte ihn sanft und versuchte den über alle Maßen nervösen Hund einigermaßen zu beruhigen. Dann ließ er seinen Blick über dessen Schulterpartie in Richtung des Sanatoriums gleiten und beobachtete all die todlosen Gestalten dort am Graben, vor den hohen Mauern.[1] Wie sollten sie jetzt nur an ihnen vorbei in die Anlage kommen? Der direkte Weg durchs Tor war wohl versperrt, außer sie würden eine Möglichkeit finden, all die Untoten zumindest für einen Augenblick von dort weg zu locken. Gab es einen anderen Weg hinein? Er wusste es nicht, war doch die Zugbrücke der einzige Eingang, den er bewusst wahrgenommen hatte. Wieder blieb ihm nichts anderes übrig, als mehr oder weniger geduldig zu warten, bis die andren sich für einen Weg entschieden. Und wieder entdeckte er sich dabei, wie er es hasste, aufgrund seiner Behinderung und der Dringlichkeit der Lage nicht miteinbezogen zu werden. Er biss sich auf die Lippe und wartete ab.

Wenn er Glück hatte, würde sein Freund Gelirion ihm mit ein paar losen Gesten alsbald einen Ausweg aus der Situation weisen können.
 1. Wahrnehmung 28
« Letzte Änderung: 31.05.2015, 08:52:27 von Areo »

Arjen Bucalo

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Geisterstadt
« Antwort #561 am: 31.05.2015, 21:03:23 »
Arjen nickte Gerilion und dann Schnüffler zu. "Ich bin kein allzu geübter Schwimmer, aber ich kann mich über Wasser halten[1]. Ich denke, eher vom Nutzen werde ich auf dem Weg bis zur Wassermasse sein - die Untoten scheinen ja auch keine guten Schwimmer abzugeben."

Nach diesen Worten wartete der Kämpfer darauf, dass einer der Männer oder Katarina ihnen den Weg zu dem unterirdischen Durchgang weist - er kannte den Weg ja nicht.
 1. Auch wenn Swim nicht gesondert gesteigert wurde, kann Arjen es ja untrained einsetzen und mit dem Stärkebonus ist das schon ok, denke ich.
« Letzte Änderung: 31.05.2015, 21:03:49 von Arjen Bucalo »

Sternenblut

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Geisterstadt
« Antwort #562 am: 01.06.2015, 11:03:27 »
Katarina sah in die Runde, und wartete zunächst einmal ab. Als sich dann die Blicke auf sie richteten, sprach sie. Ihre Stimme war fest, sachlich - sie erinnerte Arjen an einen General, der den nächsten Feldzug besprach.

"Es gibt einen Eingang, hundert Meter von hier. Mit etwas Glück begegnen uns bis dahin keine Toten. Weitere fünfzig, sechzig Schritt weiter teilt sich der Gang. Die eine Seite führt zu einem natürlichen Tunnelsystem unterhalb der Stadt. Wenige wussten davon, aber dort fließt ein unterirdischer Fluss, der große Teile der Stadt mit Wasser versorgt hat - so auch das Sanatorium. Wir kommen von da direkt zum Brunnen." Sie sah mit festem Blick in die Runde. "Wie gesagt, das Tunnelsystem ist natürlich entstanden. Keine gemauerten Wände, keine geplante Durchgangshöhe. Ich habe keine Ahnung, wie es dort aussieht, und ob es einen Weg an der Seite des Flusses gibt, oder ob der Fluss den ganzen Gang in seiner Breite einnimmt. Mentaru war sich aber sicher, dass es sich um einen gangbaren Weg hinein ins Sanatorium handelt - wenn man den Brunnen hochkommt."

Sie warf dabei insbesondere Omrah einen prüfenden Blick zu, bevor sie weiter sprach. "Der zweite Gang führt über einen Bogen von etwa zweihundert Metern zu dem Gang, durch den ich mit Schnüffler und den anderen damals ins Sanatorium kam. Der Weg, über dessen Ausgangsluke im Augenblick ein schwerer Schrank steht."

Ihr Blick wanderte zu Gelirion. "Die Frage ist, ob wir uns trennen und sofort zum Ausgang weiter gehen, oder an der Kreuzung auf Nachricht warten, dass der Weg frei ist."
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Schnüffler

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Geisterstadt
« Antwort #563 am: 01.06.2015, 18:18:34 »
"Wir gehen gemeinsam, so weit es möglich ist.", sagte Schnüffler und es klang nicht wie ein Vorschlag sondern vielmehr wie eine Feststellung. Keine Diskussion in dieser Sache, dachte er sich. Er schaute die kleine Rotznase an: "Kannst Du schwimmen und klettern? Ich fände es gut, wenn Du mit Omrah gingest." In die Runde blickend fügte er hinzu: "Dann also los."
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Kurt Tucholsky

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Gelirion

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Geisterstadt
« Antwort #564 am: 01.06.2015, 18:27:36 »
Gelirion nickte zustimmend. „Soweit es geht zusammen und am Ende sollten wir auch auf eine Antwort, dass sie den Weg frei machen, warten. Umsonst hin und her laufen, wenn der Weg auch noch beschwerlich ist, mehr als töricht.“ Dann ging er schon ein paar Schritte vor in die Richtung, welche Katarina gezeigt hatte, und prüfte den Weg auf Untote.

Omrah

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Geisterstadt
« Antwort #565 am: 02.06.2015, 00:45:07 »
Es war immer wieder erstaunlich mit anzusehen, was für ein Wissen Kathrina über den Untergrund und die geheimen Wege Aradans hatte. Selbst Omrah und die anderen Straßenkinder - die oft auf diese Wege angewiesen gewesen waren, um sicher zu fliehen - kannten sich damit nicht so gut aus wie diese Frau. Was für ein Geheimnis umgab sie nur? Omrah wusste, dass er nicht der Einzige war, der ihr misstraute.
Die Gedanken des Jungen drehten sich während ihres Weges durch die Straßen Aradans immer wieder um die Vergangenheit und das Thema Katarina war für den Moment vergessen. Als er an die Tage vor der Nacht des Blutes dachte, musste er unwillkürlich an seine Freunde und natürlich auch Ryffa denken. Wie es ihnen wohl ergangen war? Hatten auch die anderen Kinder überlebt? Seitdem er mit Ryffa geflohen war, hatte er keinen Kontakt mehr zu ihnen gehabt. Vielleicht würde er sie ja in der Sonnenstraße wiedersehen. Er erinnerte sich noch gut an diesen Ort - Betrunkene zu bestehlen, war immer am leichtesten gewesen.

Schließlich erreichten sie endlich den Platz vor dem Sanatorium und Omrah beschäftigte sich wieder mit aktuelleren Fragen. Wie sollten sie nur nach Hause zurückkommen? Es überraschte ihn nicht, dass gerade Katarina eine Antwort auf diese Frage hatte. Einen Moment lang warf der Junge ihr einen misstrauischen Blick zu - wandte sich dann aber an Will, der ihm einen leuchtenden Stein anbot. "Danke." sagte der Junge kurz angebunden, lächelte dankbar und verstaute den Stein erst einmal in seiner Tasche. So etwas konnte er gut gebrauchen. Seine Kerzen würde er nicht benutzen können.

Erst als Will meinte, sich an ihn erinnern zu können, musterte Omrah den Künstler genauer. Waren sie sich schon einmal begegnet? Seitdem er in Aradan war, hatte er sehr wenig und dann auch nur kurzen Kontakt mit Erwachsenen gehabt und der hatte sich meist auf das Schneiden und Klauen von Beuteln konzentriert. Das er auch Will bestohlen hatte, war nicht unwahrscheinlich. Ein Künstler, der gerade in Gedanken in sein nächstes Stück vertieft war und nicht auf seine Umgebung achtete, war ein gutes Opfer.
Dann erinnerte sich Omrah wieder. Es war vor einigen Tagen gewesen, kurz bevor die Nacht des Blutes sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt hatte. Die Zeiten waren hart und er war hungrig gewesen. Nie hatte er aus Selbstbereicherung gestohlen und auch dieses Mal wollte er nur etwas zu Essen für sich und die anderen von dem Geld kaufen, dass da in Form eines prall gefüllten - so kam es dem Jungen in dem Moment zumindest vor - Beutels an der Hose dieses Mannes hing. "Nur ein kurzer Schnitt und dann so schnell wie möglich weg." So oder so etwas ähnliches hatte er sich wohl damals gedacht aber da hatte er sich zu früh gefreut gehabt.
In einer fließenden Bewegung - er hatte schließlich Zeit gehabt zu üben - rempelte er den Mann an und schnitt im gleichen Moment die Schnur des Geldsacks durch. Seine Hand hatte sich schon um den Beutel geschlossen aber gerade als er um eine Häuserecke verschwunden war, griff ihn der Mann am Arm und hielt ihn fest. Omrah hatte gewusst, was folgen würde und hatte sich schlagend gewehrt "Lass mich los!". Doch es lief ganz anders als gedacht. "Kauf dir davon etwas zu Essen. Und davon geh morgen Abend ins Theater bei der Linde und schau dir das Stück 'Zwei lustige Herren aus Venneris' an. Ach ja, und mehr Glück beim nächsten Mal!" hatte Will nur gesagt und ihm gleich zwei Münzen geschenkt - genauso wie den Stein vor wenigen Sekunden.

Omrah grinste breit. "Nein, habe ich nicht aber wir kennen uns trotzdem." antwortete er auf die Frage bezüglich des Waisenhauses und grinste noch breiter. Bevor Will aber weitere Fragen stellen konnte, reichte Omrah ihm das Tier, dass sie im Untergrund gefunden und welches er Ysari genannt hatte. "Bitte halte Ysari für mich. Es hat immer noch Angst, also musst du aufpassen, dass es nicht weg läuft." Mit diesen Worten wandte sich Omrah ab und gab Will für den Moment keine Möglichkeit mehr, sich weiter über das Thema mit ihm zu unterhalten. Er sah die anderen an, die auf eine Antwort von ihm warteten. Was hatte Katarina ihm gesagt? "Du bist jetzt erwachsen und musst Verantwortung übernehmen." oder etwas in der Richtung. Sie hatte Recht. "Ich kann zwar nicht gut klettern oder schwimmen aber ich geb mein Bestes." antwortete er schließlich entschlossen. Jetzt hatte er eine Chance, etwas für die Menschen - inklusive Halbelfen und einem Halbork - zu tun, die ihn aufgenommen und ihm ein neues Zuhause, ja sogar eine neue Familie, gegeben hatten. 
« Letzte Änderung: 06.06.2015, 02:12:15 von Omrah »

William Marlowe

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Geisterstadt
« Antwort #566 am: 02.06.2015, 08:06:35 »
Will hätte sich gern am Kopf gekratzt, aber das ging nicht, weil Omrah ihm das lustige blaue Tier in den Arm gedrückt hatte, welches sich tatsächlich sträubte und loswollte. Will brauchte beide Hände, um es zu halten und zu streicheln. Dabei redete Will leise auf das Tier ein und erzählte ihm allerlei Unsinn, wie man halt so mit Säuglingen und Tieren redete, unter anderem fragte er auch: "Na, was sind wir denn, er oder sie?" und tastete dabei nach einer Antwort. Unter seinen Streicheleinheiten beruhigte Ysari sich rasch. Will hatte zwar keine Ahnung, was das für ein Tier war—ein blauer Wolf?—aber wenn jemand ihn später fragen würde, er wäre bereit zu schwören: es schnurrte.[1]

Das alles lenkte ihn aber nur kurz ab, während er dem kleinen Omrah nachsah. Woher kannte er den Jungen bloß? Wenn nicht von Lissie her, dann von der Linde? Dort klopften auch regelmäßig junge Burschen in dem Alter an, ob sie nicht für ein paar Pfennige helfen oder gar eine kleine Rolle auf der Bühne übernehmen könnten. Aber dann müsste er doch den Namen schon einmal gehört haben, oder nicht? Für Namen hatte er ein besseres Gedächtnis als für Gesichter. Es blieb mysteriös.[2]
 1. Charisma = 23
 2. Intelligenz = 6
« Letzte Änderung: 02.06.2015, 08:40:51 von William Marlowe »
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Esulilde Ziberadi

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Geisterstadt
« Antwort #567 am: 03.06.2015, 08:44:16 »
Auch Esulilde beantwortete die gestellte Frage nach Fähigkeiten im Klettern und Schwimmen: "Für mich macht es keinen Unterschied, ob wir uns kletternd oder schwimmend über unser nächstes Hindernis hinwegsetzen, denn in beiden Gebieten fehlt es mir gleichermaßen an Übung." Aguas wird entscheiden, ob ich diese Überquerung überstehe oder nicht.

Arjen Bucalo

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Geisterstadt
« Antwort #568 am: 03.06.2015, 14:25:22 »
Als Omrah das Tier Will in die Arme drückte, musste Arjen grinsen. Das passte gut. Der Stückeschreiber machte sich zwar viele Vorwürfe und auch seine Vergangenheit hielt ihn gefangen, doch Arjen hatte noch in Lucas Behausung gemerkt, dass Will ein gutes Händchen für Kinder hatte. Und anscheinend vertraute ihm Omrah schon nach den wenigen Stunden, in denen sich beide kannten.

Er nickte Katharina und Schnüffler zu, als diese sprachen. "Dann lasst uns aufbrechen", sagte er.

Als die Gruppe sich in Bewegung setzte, um zum unterirdischen Durchgang zu kommen, hielt Arjen Ausschau nach Wiedergängern, die ihnen zu Nahe kamen. im Falle des Falles würde er mit diesen kurzen Prozess machen wollen.

In einer ruhigen Minute wandte er sich an Will, der gerade auf das Tier in seinen Armen einredete. "Na - neue Freunde gefunden?"

William Marlowe

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Geisterstadt
« Antwort #569 am: 03.06.2015, 16:46:33 »
Seit sie mit der Gruppe unterwegs waren, hatte Will sich mal dem einen, mal dem anderen angeschlossen und war Arjen dabei aus dem Weg gegangen, wie diesem aufgefallen sein dürfte. Vielleicht fragte der Krieger sich, ob das Zufall oder Absicht war. 'Zufall', hätte Will ohne Zögern gesagt, wäre er gefragt worden. 'Absicht', sagte dagegen der Umstand, dass Will zusammenzuckte, als Arjen plötzlich neben ihm stand und ihn ansprach. Seine Stimme aber klang normal, weder verlegen noch erschrocken.

"Oh", sagte er. "Bei Kindern und Tieren ist das ja nun kein Problem. Aber verflixt, meinst du, mir fällt ein, woher ich den Jungen kenne? Ich habe einfach kein Gedächtnis für Gesichter. Dabei habe ich ein gutes Gedächtnis. Und der Lümmel will's mir nicht sagen. Na warte, ich komm' ihm schon noch drauf. Wo wir gerade von nichts sagen wollen reden: Hast du schon ein Wort aus dem da rausgekriegt?" Er nickte Richtung Areo, doch holte er nicht einmal Luft, geschweige denn, dass er Arjen Zeit zur Antwort ließ. "Weißt du, was komisch ist? Dass wir hier stehen und uns über sowas unterhalten in Sichtweite von denen da"—diesmal nickte er in Richtung Wiedergänger—"und inmitten ihres Gestanks, der einem den Magen umdreht, und uns nichts dabei denken. Ob du mir wohl mit dem ganzen Zeug helfen könntest?"

So mit zwei Säcken und einem Schwert und dem blauen Wolf unter einem Arm geklemmt, war das Fortkommen doch sehr mühsam für Will.

"Hätt' ich bloß die Scheide mitgenommen! Aber ich hab's einfach nicht über mich gebracht, an ihrer Leiche herumzuzerren und –hantieren. Nimmst du das Schwert? Und vielleicht noch den Plunder?"[1]
 1. @ Arjen - hast du dir eigentlich den Heiltrank und die Waffensalbe aufgeschrieben, die Jeana uns gegeben hat? Die sind besser bei dir aufgehoben.
« Letzte Änderung: 03.06.2015, 16:54:28 von William Marlowe »
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