Autor Thema: Im Sog von Kabale und Blut  (Gelesen 43641 mal)

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #15 am: 28.03.2014, 02:12:10 »
Im Gegensatz zu den anderen Anwesenden verachtet Lucius Licinius Guirmean die Römer tief in seinem Inneren. Er hatte zwar einen neuen Namen angenommen und ein neues Leben in Rom begonnen aber die Ungerechtigkeit, die ihm, seiner Familie, seinem Dorf und seinem gesamten Volk von den Römern in der Vergangenheit angetan worden war, hatte der Veneller[1] nicht vergessen. Von irgendetwas musste er leben und seine Heimat war zu weit entfernt, sodass er sich damit abgefunden hatte bei seinen Feinden zu leben. Den neuen Namen hatte er nur angenommen, damit er als freigelassener Sklave[2] ein möglichst eigenes und freies Leben führen konnte. Natürlich war er noch an Aurelia[3] gebunden und musste ihr und ihrem Haus als Leibwächter dienen aber das machte ihm nichts aus. Guirmean war ihr für ihre Tat dankbar und somit war sie eine der wenigen Bewohner Roms, die sein Vertrauen und Ansehen verdient hatten.

So war es nicht verwunderlich, das der Kelte den dicklichen Neuankömmling einen Moment etwas finster anstarrte und erst dann mit einem aufgesetzten Lächeln freundlich zurück grüßte, nachdem dieser sich vorgestellt hatte. Guirmean hatte lange genug in Rom gelebt um die Auszeichnung - den Lorbeerkranz - zu erkennen und genau zu wissen, wofür diese stand. War dieser Mann vielleicht mitverantwortlich für den Krieg in seiner Heimat, die die Römer einfach nur Gallien nannten? War er vielleicht der Verfasser der Nachricht, die ihn hierher gelockt hatte?
Guirmean verwarf diesen Gedanken wieder. Die Anwesenheit der anderen Personen - anscheinend sehr angesehene Persönlichkeiten hier in Rom - konnte nur bedeuten, das der Verfasser der Nachricht ihn nicht aufgrund seines Hasses auf die Römer hierher bestellt hatte. Denn den anderen Personen traute er aufgrund ihrer Stellung nicht zu sich gegen Rom oder die Römer aufzulehnen. Dafür war ihnen ihr teures und edles Leben wahrscheinlich zu wichtig. Was war es dann, das sie alle hierher geführt hatte und irgendwie verband?

Erst als Aurelia und auch Penelope ihn ansprachen, wurde der "Barbar" wieder aus seinen Gedanken gerissen. Wieder nickte er und lächelte den beiden zu. "Salve! Natürlich geht es mir gut. Als ich Eure Wachen am Tempel gesehen habe, wusste ich, das ich mir um Euch keine Sorgen machen muss. Es wundert mich jedoch Euch hier zu sehen..." Dann ging er ein paar Schritte zu ihr herüber und senkte die Lautstärke seiner Stimme so weit, das nur Aurelia und Penelope ihn verstehen konnten. "Ich bin mir sicher, das Ihr nicht der Absender dieser Nachricht seid. Seid unbesorgt, ich stehe weiterhin an Eurer Seite und werde Euch schützen, wenn es denn nötig ist." Er konnte sich zwar noch immer nicht vorstellen was ihn mit Aurelia in dieser Sache verband aber das würde früher oder später - wenn dieses Geplänkel aufgehört hatte und sich der Verfasser der Nachricht zeigte - herauskommen. So begnügte sich der Kelte das Gespräch erst einmal still und leise zu verfolgen und darauf zu warten, das sich die Person zeigte, auf die sie alle warteten.

Als schließlich der dickliche Senator vortrat und die Tür zum Tempel schloss, war für den Kelten alles klar. Seine anfänglichen Gedanken und Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten und der wahre Schuldige schien schneller gefunden als er gehofft hatte. Doch anstatt dem Mann den Hals umzudrehen, beherrschte Guirmean die aufkeimende Wut und verzog angewidert und wütend das Gesicht. Der Senator verkörperte alles, was er an Rom hasste. Ein fetter Mann, der von seinem Anwesen in Rom aus das Urteil über tausende Menschen aussprach, ihr Leben besiegelte und dabei dezent seinen Wein trank. Trotzdem versuchte der Kelte nichts unüberlegtes zu tun, denn um ihn aus der Reserve zu locken, musste man sich mehr anstrengen. Er lebte nun schon viele Jahre in Rom und die Zeit hatte ihn gelehrt vorsichtig zu sein. Hier war er nur ein libertus. Freigelassen aber noch immer ein Sklave.
 1. Veneller: Keltischer Volkstamm aus dem Nordwesten Frankreichs
 2. libertus
 3. Patronat
« Letzte Änderung: 28.03.2014, 02:16:56 von Lucius Licinius Guirmean »

Aurelia

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #16 am: 01.04.2014, 00:20:06 »
Hatte ich also recht., stellte Aurelia zufrieden fest und merkte, wie sich ihre innere Unsicherheit verringerte. Sie betrat ein Feld, auf dem sie Zuhause war und zu ihr gehörte wie das Atmen. Die Position ihrer Steine auf dem Spieltbrett konnte sie gut abschätzen, der Brief hatte eine deutliche Sprache gesprochen, aber die ihrer Mitspieler musste sie erst voll erfassen. Leicht wollte sie es ihm sowieso nicht machen, auch wenn ihr im Endeffekt nicht viel bleiben würde. Sie musste die Partie ausdehnen, um ein Patt herbeizuführen. Stolz und Widerwilllen brachten sie davon ab, ihren ursprünglichen Plan der reinen Willfährigkeit zu verfolgen. Wäre auch nicht realistisch, wenn er mich so gut kennt, wüsste er das auch. Mit Zeit werde ich deine Schwächen finden und dann kannst du mich nicht mehr stürzen, ohne selbst zu fallen! Äußerlich verlor ihr Gesicht das Lächeln und wurde erstaunt-ernst: "Ich verstehe nicht ganz. Natürlich hätte ich meinen Mann informiert, wenn mir klar gewesen wäre, dass ich in ein solches Treffen geraten würde." Kurz überlegte sie, ob sie die Anwesenheit und das Wissen ihrer Sklaven erwähnen sollte, verwarf den Gedanken aber wieder. Ihre Strategie blieb, den Brief und die Einladung außenvor zu lassen und sich zu verhalten, wie sie es auch ohne ihn tun könnte. Gleichzeitig aber nicht so, dass ihr Gegenüber annehmen müsste, sie wisse von nichts. Ihre Augen wurden eine Ahnung schmaler, als sie fortsetzte: "Ihr müsst schon sagen, was ihr wollt. Anschließend können wir über den Preis handeln. Ein Gefallen kostet einen Gefallen. Ist es Geld oder die Stimmen unserer Klienten?" Sie öffnete ihre Arme und zeigte ihre Handflächen in einer anbietenden und fragenden Geste. "Es fände sich sicherlich etwas, wo ihr dafür euren Einfluss geltend machen könntet. Doch vielleicht wollt ihr zunächst mit den geladenen Herren sprechen? Die eben angesprochenen Geschäfte lassen sich besser unter vier Augen regeln, sodass für keine Seite später eine peinliche Situation entsteht." Außerdem verringert das die Gefahr für mich, dass der Briefinhalt an falsche Ohren gerät. Und wenn du wirklich das willst, was deine Frage nach meinem Mann andeutet, dann solltest du das diskreter gestalten! Wenn du den Bogen überspannst, verlierst du mich, da zu viele zuviel wissen und meine Existenz damit wertlos wird. Mit ihren Worten hatte sie bereits ihn und sich in eine gefährliche Lage gebracht, schließlich durfte er sich keine Blöße geben, die die anderen gnadenlos ausnutzen würden, wenn deren Briefe ihrem auch nur ähnlich waren.

Varius Dementio, der Verfasser der Briefe zu sein, nahm sie ihm ab. Dann musste er aber entweder selbst einen erhalten haben oder anderweitig eingeladen worden sein. Noch konnte sie nicht ausschließen, dass er ein Spielstein der Gegenseite war. Seinen Worten gab sie ein kurzes: "Da ich die Briefe der Herren nicht gesehn habe, konnte ich deine Hand darin nicht ausschließen." wider. Ihre respektvolle Freundlichkeit war dabei aber nicht aus ihrem Wesen verschwunden.

"Erfreulich.", erwiderte Aurelia auf die ersten Worte Guirmeans. Auf die weiteren reagierte sie nur mit einem breiter und wärmer werdenden Lächeln, bevor sie sich Nobilior zuwendete. Penelope sah noch kurz fragend zu ihr hinüber, wurde aber mit einer kurzen Handbewegung zur Zurückhaltung aufgefordert. So neigte die Ältere kurz das Haupt und trat einen halben Schritt zurück. Flüsternd unterhielt sie sich weiter mit dem Gallier: "Meine Herrin ist froh, euch zu sehen und eurer Treue sicher zu sein. Von was für einen anonymen Brief redet ihr? Hat er euch hergeführt und hat einen Inhalt, der euch Sorgen bereitet? Können wir oder meine Herren euch unterstützen?" Echte Sorge stand in ihrem Gesicht, welches im Halbdunkel und unter der Palla kaum zu erkennen war. Guirmean wusste, dass Penelope immer ein geduldiges und großzügiges Herz hatte und mit dem "wir" die Schar der Licinianischen Bediensteten meinte.
« Letzte Änderung: 10.09.2014, 21:33:38 von Aurelia »

Titus Flavius Nobilior

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #17 am: 02.04.2014, 21:26:42 »
Der Senator nickte Varius zu und gab ihm mit Zeichensprache zu verstehen, dass er noch ein bisschen auf eine Antwort warten müsse. Aber sein Blick lag dann wieder bei Aurelia. Er war ganz gespannt auf ihre Reaktion. Sie stellte sich jedoch sehr geschickt an. Sie wäre aber auch dumm, wenn sie vor den anderen verraten würde, was in dem Brief an sie in etwa stand, aber Nobilior wollte ja nur einen kleinen versteckten Hinweis haben. Aber den erblickte er nicht. Die Sache mit dem Mann war nur geraten und er lag wahrscheinlich auch nur deswegen richtig, weil sie ihn nicht beunruhigen wollte bzw. die Sache selbst in die Hand nehmen wollte. Irgendwie musste er an den Brief gelangen, aber er war kein Taschendieb. Irgendetwas musste ihm einfallen. Aber erst einmal sprach er folgendes noch an und schaute dabei in die gesamte Runde: "Jeder von Euch fragt sich sicherlich, was er in nächster Zeit zu tun habe. Die Frage ist berechtigt. Ich bin ein Mann in einer mächtigen Position, doch ich arbeite mit jemand anderem in dieser Angelegenheit zusammen, dem ich einiges zu verdanken habe. Die genauen Informationen, worum es heute geht, wird es bald noch geben. Unpünktlichkeit ist normalerweise kein Zeichen meines Partners und auch seiner Kollegen. Das so wichtige Treffen dürfte also nicht mehr allzu lange dauern. Ich bin nur hier für ein Vorgeplänkel, aber das kann man auch lassen. Ihr stellt Euch schon einmal sehr geschickt an, Aurelia, muss ich sagen. Aber ich habe auch ehrlich gesagt nichts anderes erwartet. Die richtigen Verhandlungen sollten allerdings mit den anderen geführt werden."
« Letzte Änderung: 02.04.2014, 21:34:11 von Titus Flavius Nobilior »

Symmachus

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #18 am: 08.04.2014, 19:51:19 »
Ante diem III Idus Martius 710 a.u.c - Mane - Hora Secunda - Tempel der Juno Lucina

Laute Schritte, obwohl alle Türen des Tempels geschlossen waren, unterbrachen die kleinen Gespräche und unausgesprochenen Vorwürfe, die ernsthaften und verzweifelten Überlegungen, welche die so unterschiedlichen Gäste des Tempels so anstellten. Er stand wahrscheinlich nun zwischen ihnen und tauchte dann langsam, als würde das in den Tempel scheinende Licht, die durch die Seiten fallenden Sonnenstrahlen, ihn fingergleich aus dem Nichts pulen. Er trug die volle Ausrüstung eines Legionärs, augenscheinlich eines Offiziers, mit einem Muskelpanzer, der aus polierter Bronze war, jedoch entgegen des Brauches vieler Offiziere frei von künstlerischen Ornamenten war. Die einzigen Verzierungen entstammten der martialischen Kultur Roms, waren geschlagen von Schwertern, Äxten und allem anderen, womit man einem Menschen von seiner Besinnung trennen konnte. Sie war dennoch in gutem Zustand, zeigte jedoch einen Träger, der sich nicht davor scheute, selbst das Schwert zu nutzen. Es war schwer zu sagen, wie er seine Ausrüstung in die Stadt geschafft hatte, doch seine Ausrüstung war weitestgehend komplett, vom Thorax, über die Sandalen bis hin zu den metallenen Schienbeinpanzern, doch zwei Dinge unterschieden sich, denn er führte weder irgendeine Bewaffnung mit sich noch war sein Gesicht zu sehen, denn unter der Galea war eine bronzene Maske angebracht, die ein stoisches, uninteressiertes Gesicht zeigte[1]. Er verschränkte seine Arme und in den Augenausschnitten ließen sich dunkelgrüne Augen erahnen, welche die Umgebung aufmerksam musterten.

"Ich sehe, ich habe gut daran getan, mein Gesicht zu verbergen. Obzwar das Schicksal mich an denselben Ort gebracht hat, wahrscheinlich aus ähnlichen Gründen, bin ich doch froh darüber, mein Antlitz nicht mit euch teilen zu müssen.", bemerkte die Gestalt und wanderte zwischen den Versammelten hin und her. Seine Haare waren nicht zu sehen, sodass es schwer war, etwas daraus zu schließen. Einzigen Aufschluss konnte seine Größe geben, denn er war mehr als einen halben Kopf größer als Titus, der schon der größte Mann unter den Versammelten und von deutlichem Wuchs war. Dementsprechend war es gut möglich, dass er kein Römer war, zumindest war er deutlich größer als der durchschnittliche Römer. Er hatte den Körper eines Mannes, der viel Zeit hatte, diesen zu stählen und auch seine Rüstung ließ auf einen hochrangigen Offizier schließen, aber wer konnte schon sagen, dass er wirklich einer war. Er sprach zumindest wie ein Römer, ohne erkennbaren Akzent[2].
Er war unangenehm aufdringlich, denn er stellte sich direkt vor jeden der Versammelten und nahm einen tiefen Atemzug. Als würde er alle beschnüffeln, als wäre ein einfacher Hund in den Kleidern eines hochrangigen Offiziers. Er gab zufriedene, fast tierische Laute von sich, während er einatmete. Sogar an Penelope roch er. Seine Stimme klang durch die metallene Maske etwas gedämpft, fast sogar etwas verzerrt.
"Man stelle sich nur vor, wie unglücklich das wäre, wenn man von meiner Identität wüsste. Und jetzt spinnen wir ein bisschen, warum wir hier sein könnten. Nehmen wir einmal an, dass wir alle unversehens in eine Verschwörung geraten sind oder nur eine Nebenrolle in ihr spielten. Selbst wenn wir nichts voneinander wüssten und keine Informationen bekämen, bestimmt unsere Anwesenheit doch irgendwie, dass wir von den erhaltenen Schreiben getroffen sind. Dass nicht die hehre Neugier uns hierhin getrieben hat, sondern das Damoklesschwert[3] selbst. Und dann wüssten wir voneinander, dass wir bis zum Hals in der versumpften pontinischen Ebene[4] stecken. Und wenn jetzt jemand unter uns wäre, und die verehrte Aurelia wird uns das bestätigen, ist sie doch die Gewiefteste unter uns, der uns nichts Gutes wollte, würde er die Bestätigung unserer Schwäche haben. Und wenn jemand dann noch, aus Angst, aus Sorge, aus Hass, aus Wut oder aus falschverstandener Souveränität die Seiten wechselte, würde er dieses Wissen, wer alles hier war, mitnehmen. Wie töricht wäre es also, jetzt schon meine Identität fallen zu lassen, preiszugeben und mich in die Hände mir so unbekannter oder bekannter Mitverschwörer oder Feinde zu geben. Nein, das käme wohl kaum in Frage."

Der Mann gab ein kehliges Lachen von sich und stellte sich an den Rand der Versammelten, sodass alle Besucher des Tempels nun in einer Art Kreis standen. Draußen schob sich eine schwere Wolke vor die Sonne und verdunkelte, wahrscheinlich zu Varius Freude, etwas die Sonne und tauchte den Tempel und ein milchiges Zwielicht. Er legte die Hände jetzt hinter dem Rücken zusammen und blickte sich durch seine bronzene, ungerührte Maske um. Obwohl die Maske stoisch wirkte, konnte man sich ein fast süffisantes Lächeln dahinter vorstellen oder zumindest ein herausforderndes Lächeln. "Da wir also nicht wissen, wer unser Gastgeber ist, er sich aber möglicherweise unter uns befindet, müssen wir also einen Weg finden, wie wir miteinander umgehen können. Und selbst wenn er noch nicht aufgetreten ist, müssen wir einen Weg finden, miteinander umzugehen. Ich für meinen Teil bin jedoch ein einfacher Soldat und für solches nur schwer geschaffen. Vielleicht hat jemand eine Idee?" Er zuckte ostentativ mit den Schultern, aber seine Augen zierte ein seltsamer Glanz, eine Art Freude. Und dahinter stand doch die alle wohl umtreibende Frage: Wer war er?
 1. Quasi ein Vorläufer der Maskenhelme
 2. Linguistics oder Knowlegde (Geography) DC 20
 3. Cicero hat es, so sagt man, überliefert: Damoklesschwert
 4. Pontinische Ebene
« Letzte Änderung: 08.04.2014, 19:52:05 von Symmachus »
"Lebenspendende Sonne, du kannst wohl nichts Größeres erblicken als die Stadt Rom." - Horaz

Titus Flavius Nobilior

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #19 am: 10.04.2014, 15:41:41 »
Nobilior war über das Zwielicht sehr erfreut. Trotz seiner weißen Toga war er im Zwielicht auf einmal sehr schwer zu erkennen, als ob Magie oder Übernatürliches dahinter stecken würde. Über was er allerdings nicht so erfreut war, war das Auftreten des "einfachen Soldaten". Irgendeine Gefahr ging von ihm aus, das sagte sein Gespür. Nobilior war zugleich in einer Zwickmühle. Er durfte seiner Rolle jetzt nicht aufgeben. Niemand durfte erfahren, dass jemand gegen ihn etwas in der Hand hatte.

"Ich würde vorschlagen, dass wir die Spielchen lassen. Ihr seid alles, nur kein 'einfacher Soldat' wie Ihr behauptet. So wie Ihr Euch gebt, merkt man schon, dass das nicht sein kann. Ihr scheint recht raffiniert zu sein und könnt gut mit Worten umgehen, besser als jeder einfache Soldat. Eure Stimme kommt mir merkwürdig bekannt vor. Ich kann sie nur momentan noch keiner konkreten Person zuordnen. Womöglich bin ich nicht so gut darin Personen allein an der Stimme zu erkennen. Also sagt: Was wollt Ihr wirklich hier? Denn ich glaube nicht, dass Ihr so viel wert auf eine einfache, belanglose Konversation legt wie Ihr behauptet und Ihr sorgt nicht gerade dafür, dass die anderen Euch vertrauen können. Hinter Eurem Auftreten scheint mehr zu stecken. Es kommt Euch tatsächlich auf etwas anderes an als Belanglosigkeiten."

   
« Letzte Änderung: 10.04.2014, 15:46:31 von Titus Flavius Nobilior »

Lucius Varius Rufus

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #20 am: 13.04.2014, 15:25:49 »
Varius musterte den Fremden lange, auch wenn seine Augen ihm nicht allzu viel über ihn verraten konnte. Es lag ebenso sehr an seinen noch immer pochenden Kopfschmerzen wie an der Tatsache, dass er nicht sonderlich gut in soetwas war. Er hörte zwar einiges, aber fürs erste blieb der Mann ihm ein Rätsel. In seinen Gedanken war dies dann aber doch etwas spannendes, das seine Neugier weckte. Genau soetwas brauchte er auch für sein Werk. Die Zuschauer sollten außer Atem geraten, im Innersten berührt werden - und das würde ihm nur gelingen, wenn er etwas echtes und wahres einzubringen vermochte und dafür musste er etwas echtes und wahres erfahren. Also tritt er an die Seite des Senators: "Patri assentor. Persona tua varia est, o Proteu. Et cum formam non capere possimus, verbis confidendum est. Adhoc autem non locutus es, sed fabulatus. Dixeris te non scire, cur adessemus. Certe aliquid opinaris. Ergo dic, tu conice, cur adessemus."[1] Varius war gespannt, was der Maskierte jetzt antworten würde. Der Senator neben ihm spielte irgendein Spiel, das Varius nicht zu durchschauen vermochte. Auch das, was etwas, was er für sein Werk würde übernehmen können. Und wer wusste schon, was all dies mit der Dame Aurelia, dem Barbaren, dem anderen Römer und letztlich mit ihm selbst, dem Dichter zu tun hatte. Er würde es schon sehen und dann würde er es aufschreiben und etwas neues schaffen, etwas großes.
 1. Ich stimme dem Senator zu. Deine Rolle ist wechselhaft, oh Proteus. Und weil wir eure Gestalt nicht zu fassen vermögen, müssen wir den Worten vertrauen. Bis jetzt habt ihr nicht gesprochen, sondern nur geplaudert. Ihr hast gesagt, dass ihr nicht wisst, warum wir hier sind. Aber sicher habt ihr eine Vermutung. Also sprecht, stellt ihr Vermutungen an, warum wir hier sind.
Iam fero infandissima,
iam facere cogor

Gaius Sempronius Gracchus

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #21 am: 13.04.2014, 16:38:05 »
Schweigsam lauschte Gaius den Worten des Neuankömmlings. Irgendetwas in seiner Intonation sagte ihm, dass er kein Römer war. Aber trotzdem hatte er Recht mit dem was er sagte. Gaius hielt sich vorerst zurück. Innerlich glaubte er daran, dass es sich bei dem Soldaten um einen derer handelte, die sie einbestellt hatten. Alle anderen waren aufgeschreckt worden, insgeheim schalt sich Gaius, dass er nicht auf die Idee mit der Maske gekommen war, nur der Fremde war vorbereitet erschienen. Dies bedeutete, dass er nicht überstürzt oder besorgt aufgebrochen war, sondern sich vorbereitet hatte.
Selbst Gaius, der sich einen Mann mit ausreichender Intelligenz schimpfte, war aufgebrochen ohne sich große Gedanken zu machen, ohne sich einen Plan auszudenken. Er war kein einfacher Soldat. Der Halbelf hielt sich erstmal zurück, andere schienen das Gespräch übernehmen zu wollen, dies war ihm nur Recht. So hatte er die Möglichkeit etwas über sie zu lernen. Anscheinend war gerade diese Aurelia eine interessante Persönlichkeit.

Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #22 am: 14.04.2014, 14:58:15 »
Mit einem Kopfschütteln hatte der Kelte das großzügige Angebot Penelopes abgeschlagen, doch bevor er seine Antwort weiter ausführen und erklären konnte, ertönten laute Schritte in dem Tempel. Aufmerksam sah sich der ehemalige Gladiator in dem Tempel um und betrachtete die Eingänge genau. Umso enttäuschter und beunruhigter war er, als ein Mann sich regelrecht in der Mitte des Tempels aus dem Licht schälte. Guirmean musterte den unnatürlich großen Mann und kam nicht umhin zu bemerken, das es sich bei ihm um eine interessante Gestalt handelte.
Nicht nur seine Größe und sein Körperbau waren beeindruckend, sondern auch sein Verhalten. Zumindest war sein Verhalten seltsam und die Maske die er trug, bewies, das er sich auf dieses Treffen vorbereitet hatte. Außerdem schien er seinen ungewöhnlichen, plötzlichen Auftritt und damit die Aufmerksamkeit der anderen Menschen im Tempel zu genießen.

Für den Kelten war eines klar: Dieser Mann war alles aber ganz sicher nicht der einfache Soldat, für den er sich ausgab.

Aber wer war er? Vielleicht der Dratzieher, der sich nur einen kleinen Spaß erlauben und auf diese Weise die Menschen in diesem Tempel besser kennen lernen wollte? Wer auch immer er wirklich war, er gefiel Guirmean nicht. Das er auch noch anfing an den Anwesenden zu riechen und tierische Laute von sich gab, ließ den Kelten für einen Moment an der geistigen Gesundheit seines Gegenübers zweifeln.

"Ihr riecht an uns und grunzt dabei wie ein zufriedenes Tier, gebt Euch als einfacher Soldat aus und kommt dennoch gut vorbereitet zu diesem Treffen, ohne auch nur Euer Gesicht zu zeigen. Wenn wir also einen Weg finden müssen, um miteinander umgehen zu können, dann würde ich vorschlagen, das Ihr Euch vorstellt, mir Euren Namen nennt und aufhört wie ein wildes Tier an mir herumzuschnüffeln. Selbst ein Barbar wie ich besitzt bessere Umgangsformen."

Er lehnte sich an die Tempelwand, verschränkte seine Arme und wartete auf die Reaktion des vermeintlichen Soldaten. Es würde interessant sein dabei zuzusehen, wie er auf diesen Angriff reagierte. Würde er aus der Haut fahren, ruhig bleiben oder sogar kontern? Die Antwort und Reaktion würde vieles über den Mann aussagen und möglicherweise wichtige Informationen liefern können.
Guirmean war Ränkespiele nicht gewohnt und wahrlich nicht besonders bewandert darin aber er konnte die Gestik und Mimik seines Gegenübers lesen. Zumindest für den Zweikampf in der Arena war es wichtig, denn daraus ließen sich die nächsten Schritte seines Gegenübers erschließen und das konnte über Leben und Tod entscheiden. Vielleicht musste er das hier wie einen Kampf in der Arena sehen, wobei der "Soldat" sein Gegner war und das ganze ohne Waffen ablief.

Aber auch wenn keine Waffen genutzt wurden, konnte dieses Treffen im Tempel für Lucius Licinius Guirmean über Leben und Tod entscheiden.
« Letzte Änderung: 14.04.2014, 15:00:53 von Lucius Licinius Guirmean »

Aurelia

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #23 am: 15.04.2014, 00:20:50 »
Die recht hochmütige Art Nobiliors schluckte Aurelia nur, weil ihr der Inhalt des Briefes noch immer gegenwärtig war. Sein Rückzug aus dem Vorgeplänkel überraschte sie dann doch. Wenn es sich so verhielt, wie er darstellte, fragte sie sich, warum er da war. Sein Freund und dessen Leute hatten anscheinend mehrere Anwesende in der Hand, da brauchte es seine Autorität nicht. Sie schadete eher der Sache und dem Senator im speziellen, der sich für so etwa einspannen ließ. Doch bremste sie sich, da sie wusste, dass sie zu Überinterpretationen neigte. Nobiliors Lob nahm sie als Selbstverständlichkeit hin. Das Auftreten des Soldaten verhinderte das weitere Gespräch.
Wie es das Mindestmaß der Höflichkeit verlangte, neigte sie leicht den Kopf, als er an sie herantrat und seinen Atemzug tat. Ihre Augen verschmälerten sich jedoch zusehends zu funkelnden Schlitzen und ihr Mund wurde schmallippig. Der Inhalt des Gesprochenen barg schwere Beleidigungen. Stellte sich der Soldat doch als etwas Besseres dar und unterstellte den Anwesenden Dummheit, unvorbereitet und unverschleiert erschienen zu sein. Wieder setzte einer voraus, dass fast alle Briefe erhalten hätten, obwohl nur die Hälfte sich dazu bekannten, er sprach von 'Verschwörung' und er kannte sie persönlich, was, wie sie wusste, nicht selbstverständlich war. Also wusste er mehr. Ihr Brief hatte neben den gefährlichen Informationen nur Treffpunkt und -zeit beinhaltet und mit keinem Wort nahegelegt, dass auch andere in ihre Anwesenheit gepresst werden würden. Von daher machten die geringen Verschleierungen aller Sinn, zumal man so wie sie ihre Anwesenheit auf Zufall hätten schieben können. Seine Darstellung, sie wäre "gewieft", nahm sie nicht als Lob, denn es war nicht "klug" oder "verständig", es beinhaltete vornehmlich "Verschlagenheit".
Trotz all seiner Mühen hatte sie bereits ein wenig aufgeschnappt aus Worten und Handeln des Zuletztgekommenen. Verärgert, wie sie war, setzte sie gerade zu einer scharfzüngigen Erwiderung an, als Penelope (die die Untersuchung ohne Regung erduldet hatte und sich sogar standesgemäß verneigt hatte) sich zu ihr neigte und beschwichtigend die Hand auf den Arm legte. Sehr leise flüsterte sie irgendetwas fragendes zu ihrer Herrin, die daraufhin ebenso leise antwortete, dass das Opfer wohl aufgeschoben werden müsste.

Aurelia wendete sich wieder dem Wortwechsel zu. Etwas ruhiger begann sie auf dem vertrauten Terrain der Intrige zu kalkulieren. Trotz ihres Standes hatte sie als Frau nur begrenztes Sprachrecht durch die Anwesenheit der anderen. Nobilior, Varius und Guirmean gingen sogleich in die Gegenoffensive und bewiesen, vom Verhalten des Soldaten und möglichem Inhalt möglicher Briefe deutlich gereizt worden zu sein. "Männer.", dachte sie innerlich kopfschüttelnd.
Nobiliors Worte konnte man mit seiner Darstellung seiner Position zusammenbringen, aber es gab auch Brüche. Warum kannte er ihn nicht und sprach von Vertrauen? Bei dem, was die Botschaften wohl enthalten hatten, war an so etwas nicht im mindesten zu denken. Im Gegensatz zu ihm hätte sie sich auf das Spiel eingelassen.
Das sogar Varius offensiv wurde, überraschte sie bei ihrer Einschätzung seiner Persönlichkeit und ihrer Vermutung über den Grund seiner Anwesenheit. War er womöglich doch durch einen eigenen Brief aufgeschreckt worden?
Gaius' Zurückhaltung fiel ihr auf. Sie sah hinüber und ihre Blicke trafen sich. Was dachte er wohl? Auch wenn seine Herkunft ihn ähnlich wie ihr Geschlecht dazu zwang, zu antworten statt zu fragen, hätte er sich mangelnde Etikette leisten können, zumal andere Anwesende auch nicht gerade damit um sich warfen.
Guirmean setzte schließlich noch einen drauf. So würden die Fronten nur verhärtet und Chancen vertan, auch wenn sie seine Reaktion nicht überraschte.
Gesetzt den Fall, er ist der Verafsser oder in dessen Diensten, dann ist er sowieso ein Feind und muss nicht noch weiter aufgebracht werden. Er könnte an einem von uns ein Exempel statuieren und den Briefinhalt offenlegen, so er ausreichend gereizt ist. Ist er es nicht und wie wir 'eingeladen', beweist er zusätzliche Kenntnisse und Verstand, was ihn zu einem wertvollen Verbündeten machen könnte. Stattdessen antworten sie mit Beleidigungen auf seine...

Die stolze Domina sammelt sich und atmet hörbar aus. "Meine Herren, ich bitte sie, auf diesem Niveau kommen wir doch nicht voran." Keine Geste ist notwendig, um ihre klare Stimme zu unterstützen. Ein warnender Blick fällt sowohl auf Guirmean als auch den Soldaten. Sie bricht zwar ein wenig die Etikette, aber zum Zwecke der Rückkehr dazu sollte es verträglich sein. "Vielleicht solltet ihr euren Freund klarmachen, dass ihr euch bei den verwendeten Umgangsformen außerstande seht, ihm einen Gefallen im Tausch gegen seine vormals erbrachten zu erweisen." Mit fast freundlichem Blick schaut sie Nobilior an, bevor sie sich der Maske zuwendet:"Dieser einfache Soldat hat seinen Unwillen, seine Person selbst zu identifizieren, bereits formuliert. Da werden höchstens sein Centurio oder Diúveí[1] etwas befehlen können. Auch wenn es sicherlich sinnvoll, ist, wenn Ihr uns einen Namen nennt, mit dem wir euch rufen können, um die Konversation zu erleichtern." Ihre Augen bleiben scheinbar auffordernd auf dem Gerüsteten hängen. Nun, Bengel, was sagst du nun? Was darfst du jetzt befürchten, was ich sonst noch weiß? Sie gibt allen einige Augenblicke Zeit, zu reagieren, bevor sie fortfährt: "Um zum bereits mehrfach Angesprochenen zu kommen: Unter der Annahme, dass keiner der Anwesenden die mehrfach erwähnten wohl anonymen Botschaften verfasst hat, bliebe den Betroffenen wohl nur herauszufinden, was sie verbindet, um die mögliche Agenda des Absenders zu entwickeln." Und hier kommt der interessante Punkt: Weiterhin haben Varius und ich nicht verlauten lassen, auch nur die Art des Inhalts der Briefe anders als über die eben gesprochenen Worte der anderen erfahren zu haben. Andere haben hier schon sehr viel mehr zu wissen vorgegeben.
 1. Jupiter
« Letzte Änderung: 10.09.2014, 21:33:49 von Aurelia »

Symmachus

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #24 am: 22.04.2014, 21:28:58 »
Ante diem III Idus Martius 710 a.u.c - Mane - Hora Secunda - Tempel der Juno Lucina

Der Soldat atmete hörbar ein und lachte dann blechern durch seine Maske. Es war nichts Spöttisches an dem Lachen, sondern war es viel mehr das verwunderte Lachen eines verwirrten oder überraschten Mannes. Die Worte, die die Versammelten tauschten, deutete ihm mehr als deutlich an, dass sie eine Tendenz erwarteten, wer hier der Gastgeber sei. Er zuckte mit den Schultern und stellte sich zwischen sie.
"Da niemand hier also eine Lösung hat, wie wir miteinander umgehen sollen, müssen wir wohl dem windschiefen Vorschlag Aurelias folgen.", sagte er schließlich und drehte seine Maske in die Richtung des Kelten. Die Maske bescherte ihm sicherlich den Vorteil der Anonymität, doch dies geschah auf Kosten seines Sichtfeldes, welches die deutlichen Bewegungen seines Kopfes verständlich machte. Es war jedoch schwer zu sagen, wie weit sein Sichtfeld durch die Maske genau reichen mochte. Der maskierte Soldat trat wieder vor den keltischen Mann.
"An einem Menschen zu riechen ist ein Zeichen der mangelnder Kultur oder Umgangsformen? Interessante Sichtweise für einen Mann eures Volkes. Nein, es ist nicht die Lust, die mich an alkoholgetränkten Dichtern, aufdringlich riechenden Matronen oder gekalkten Barbaren schnüffeln lässt.", er machte eine beinahe entschuldigende Handgeste, nahe an einer wegwerfenden Geste. "Es ist wie auf dem Markt, wenn man Lebensmittel erwirbt. Wenn man sich mit den Lebenden umgibt, sollte man wissen, ob sie noch lebendig genug sind, oder ob sie - aus welchen Gründen auch immer - ihren Verwesungsgestank verbergen wollen."

Er drehte sich um und sein Kopf, sein maskiertes, eisernes Gesicht war nun Nobilior zugewandt. Er ging ihm zwei, drei Schritte entgegen, als würde er nahe stehen müssen, weil das Sprechen durch die Maske schwierig war oder ihn ermattete. Seine Stimme war gleichwohl laut genug, dass jeder ihn problemlos verstehen konnte.  "Ich fürchte, es ist nicht an mir, mit euresgleichen Spielchen zu spielen, Senator. Ich fürchte jedoch, dass es auch nicht an euch sein kann, mit mir Spielchen zu spielen. Nicht jedes Treffen ist einem Spielchen gleichzusetzen und ich bezweifele, dass ich an dergleichen Aktivität irgendeine Form von Spaß empfinden könnte." Er ging einen Schritt zurück und ließ seinen Blick ostentativ schweifen. "Der Stein des Anstoßes scheint der Ärger der hier Versammelten zu sein, dass ich an etwas gedacht habe, an das sie gern selbst gedacht hätten. Ein Moment der Geistesgegenwärtigkeit sollte jedoch kaum Grund zum übersteigerten Unmut geben und die Idee, dass ich einem jeden hier etwas Schlechtes wollen würde, ist weit hergeholt. Jedoch habe ich mich bewusst für diese Maskierung entschieden und werde nicht von ihr weichen. Völlig gleich, ob dies als niveauvoll oder nicht eingestuft werden sollten."

Der Soldat kratzte sich am Arm und blickte nun zu Varius und näherte sich ihm, blieb jedoch mehr als zwei Schritt entfernt. Scheinbar schien ihn der Geruch von ausdünstenden Alkohol abzuschrecken, vielleicht hatte er selbst am letzten Abend getrunken? "Meine Vermutung also? Meine Vermutung liegt darin, dass ihr dieselben Personen verärgert habt oder zumindest als brauchbare Opfer gelten könntet. Ein Dichter könnte bei einem Gelage jene verunglimpft haben, die ihm sonst den Teller voll Trauben reichen, und die falschen Personen könnten das mitbekommen haben." Er drehte sich um, hielt sich jedoch auch von Aurelia fern. "Wenn man eine Frau in solch männliche Geschäfte einbezieht, kann es doch nur daran liegen, dass die Frau mit dem männlichen Geschlecht, will sagen Gemächt, umgehen soll oder gegangen ist." Er drehte sich weiter zu Nobilior, blieb jetzt aber auf seinem Platz, etwa mittig zwischen den Anwesenden, stehen. "Wenn ein Senator an diesem Ort ist, wird er vielleicht etwas gegen oder zu viel zu Ehren Caesars gesagt haben. Vielleicht hat der Senator in ein Wespennest gestochen, als er beschloss, den cursus honorum mit seinem Sein zu beglücken." Er nahm den Kelten in Augenschein. "Dieser ist leicht, wenn es um wilde Vermutungen geht. Wir sind in einem Tempel Junos, in welcher Variante auch immer, und ihre heiligen Tiere sind die berühmten Gänse, die uns Römer bereits einmal vor den Galliern warnten. Vielleicht sind unsere Gastgeber kapitolinische Gänse[1] und wir alle potenzielle Feinde Roms, der Republik oder Caesars." Schließlich wandte er sich Gracchus zu. Doch er sagte nichts, er nickte nur.

Langsam zog er sich wieder zur Wand zurück, während die Sonne sich wieder zwischen Wolken emporkämpfte und den Tempel wieder in helles, unangenehmes Licht tauchte. Bisher hatte der Soldat keine Reaktion darauf gezeigt, dass Aurelia Jupiter in der Sprache der Osker bezeichnete. Und er ging auch nicht weiter darauf ein, obgleich er der Matrone noch ein paar Worte zusprach. "Das waren jetzt blinde Vermutungen meinerseits. Ich verrate nichts neues, wenn ich sage, dass ich den Versammelten nicht traue und davon zu berichten, was jeder empfangen hat, um daraus auf den Absender zu schließen, verlangt jede Menge Vertrauen. Es war eure werte Idee, und ihr habt euch als Stimme der Versöhnung gezeigt. Wie wäre es, wenn ihr dann auch das Vertrauen gewährt?"
Aurelia sah ein unheimliches Leuchten in seinen Augen, ehe ein reflektierter Strahl auf seiner Maske einen für einen Moment den Blick abwenden ließ.
 1. Es geht hier um die Schlacht an der Allia und die nachfolgenden Ereignisse.
« Letzte Änderung: 22.04.2014, 23:54:22 von Symmachus »
"Lebenspendende Sonne, du kannst wohl nichts Größeres erblicken als die Stadt Rom." - Horaz

Symmachus

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #25 am: 22.04.2014, 23:33:30 »
Ante diem III Idus Martius 710 a.u.c - Mane - Hora Secunda - Subura

Quintus lächelte verständnisvoll als Caesar schon wieder vollmundig von den Details der Kriege und seinen Überlegungen fabulierte. Es waren immer fest gefertigte Meinungen gewesen oder zumindest eine unveränderliche Stoßrichtung und Caesar gab seinem Gesprächspartner immer nur so viel Raum, dass er sich durch gezielte Fragen eingebunden fühlte, ohne dass Caesar über das Große, über das Ganze diskutieren wollten. Es lag im Wesen und war seiner einnehmenden Person geschuldet und in dieser Hinsicht waren Caesar und Marcus Tullius Cicero Männer, die sich glichen, auch wenn sie sonst sehr viel unterschied.

Quintus bewegte sich weiter in die Wohnung. Sie war, je länger man sich in ihr befand und desto mehr Ecken man beachtete, in einem schrecklich beklagenswerten Zustand. Die meisten Möbel waren zerschlagen, vor allem zwei Triclinia[1] waren zerschlagen, die Polster zerrissen und mit gesprenkelten Schimmel übersät. Sie mussten in der Feuchtigkeit des Hauses einige Zeit verbracht haben. Caesar erinnerte sich an ein Fresko, welches an der Hauptwand seines Lieblingszimmers gewesen war. Ein Fresko im Architekturstil[2], wie er damals gerade gern gemalt wurde. Die Wand war die Leinwand für ein Bild, welches den Eingang zu einem Castrum[3] darstellte, in schöner und imposanter Perspektive. Doch inzwischen sah die Wand aus, als hätte das Militärlager gebrannt und sei längst niedergerissen. Lediglich die äußeren Begrenzungen waren noch zu sehen und waren in ebenso feuchten Schimmel ertränkt, der die kohlenschwarze Farbe mit sich brachte. Auf dem Boden musste einst auch ein kleines Mosaik gelegen haben, von dem nur noch einzelne, nichtssagende Steinchen über waren. Es war ein eher niederdrückender Ort. Es roch nach altem Urin und Unrat. Quintus fühlte sich nicht wohl in diesem Raum, auch wenn es schwer zu sagen war, ob es wirklich nur an dem Raum lag oder an dem Grund, warum er Caesar um ein Treffen an diesem Ort gebeten hatte.

"Gaius...", begann Quintus nachdenklich, während er das vernichtete Fresko betrachtete, die Hand unter das Kinn gelehnt, die Stirn kraus gezogen. "Dieses Haus symbolisiert einige Kriege, die wir geführt haben. Sie ist ein bisschen wie die Essenz des Krieges. In vielerlei Hinsicht. Ich könnte damit beginnen, es als strategischen Posten zu sehen, wie viele unserer Kastelle. Eine Zeit lang sind sie bedeutend, weil wir ihnen strategische Bedeutung zuschieben und dann, wenn wir sie nicht direkt brauchen, verfallen sie zum Teil oder werden mit zweitklassigen Legionären besetzt. Wir könnten hier aber auch die Essenz des Krieges erkennen wollen, wenn die Außenmauern noch einigermaßen tragend aussehen, doch das Innere schon längst verdorrt und vergammelt ist. Oder weiter gesehen, dass Innere nicht mehr zu beachten, weil man sich so daran gewöhnt hat oder glaubt, nicht mehr zu brauchen; es dann vergehen zu lassen, kann sich oftmals rächen. Es geht nicht wirklich darum, dass du dieses Haus verlassen hast, Gaius. Du verstehst meinen Punkt, denke ich. Es geht um die inneren Dinge. Wenn man sie von außen betrachtet, wirken sie oft noch stabil, aber innerlich sind die längst marode."
Quintus berühte mit dem Finger eine Stelle in der Wand, an der das geputzte und dann gemalte Fresko schon längst abgeblättert war. Umliegende Kalkputzplaggen fielen ohne große Mühe und Kraft aus der Wand. "Wenn Gaius Iulius Caesar nur so ein Auge für die inneren Dinge hätte, wie er sie für die äußeren hat, wäre er ein wahrlich noch größerer Mann.", sinnierte Quintus nun, traute sich scheinbar nicht mehr, Caesar direkt anzusprechen, oder es war eine dieser endlosen Stilfigurenschlachten[4], für welche die Ciceros so bekannt waren. "Ein Haus zu erhalten, das weiß spätestens jeder Legionär, der auf sein Land geht, erfordert viel Geduld, viel Zeit und viel Arbeit. Und dieser alte Legionär glaubt, dass nicht nur Caesars Haus in Subura brüchig geworden ist. Auch sein politisches Haus ist brüchig. Während er seine Viecher auf die dakischen und parthischen Weiden treibt, bricht in der Heimat der Stall zusammen. Dies versteht dieser alte Legionär und Freund nicht. Hat Caesar nicht selbst gesehen, wie die Ställe anderer Landbesitzer zusammenbrachen, wie die Trauben ihnen an den Reben gammelten? Sulla, Pompeius Magnus. Sie waren auch begnadete Viehtreiber, doch den eigenen Stall am Leben erhalten?" Quintus wandte sich ganz ab und schlurfte Richtung Tür, er hielt den Blick jetzt geneigt. "Entschuldige Gaius, ich hätte dich nicht belehren sollen. Du weißt es selbst am besten. Du bist vor Sulla hierhin geflohen, du hast Pompeius besiegt. Du hast den Willen und den Unwillen des Senats erduldet, du hast andere Machtgierende mit deinem Geist und mit deinem Schwert, mit der Kraft deiner Persönlichkeit, vor dir weichen lassen. Und du hast sie nie wie Versager behandelt, sondern wie würdige Gegner. Lasse mich jedoch sagen, dass ich fürchte, dass deine Feinde nicht annähernd dieselbe Größe besitzen."

Quintus blieb im Türrahmen stehen. "Du solltest...", er brach den Satz ab. Es stand ihm nicht zu, Caesar Vorschläge zu machen und das wollte er nicht. "Gnaeus Domitius Ahenobarbus ist in seinem Hause." Dann wandte er sich zum Gehen ab.
 1. Triclinium
 2. Römische Wandmalerei
 3. Castrum
 4. Rhetorische Stilmittel
"Lebenspendende Sonne, du kannst wohl nichts Größeres erblicken als die Stadt Rom." - Horaz

Gaius Iulius Caesar

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #26 am: 27.04.2014, 09:56:40 »
Die Wiedersehensfreude war nun ganz und gar vergangen. Freilich war es offensichtlich gewesen, dass sich ein Quintus Tullius Cicero, nicht mit ihm treffen würde um einige Momente in alten Erinnerungen zu schwelgen, nicht hier in Subura. Dennoch hatte der kleine Teil in Caesar, der noch immer wusste, wie sich Unbedarftheit und Sorglosigkeit anfühlte, es einmal mehr geschafft die vielen anderen Aspekte, die den Diktator ausmachten, zu überlagern und - wider besseren Wissens -  auf Normalität zu hoffen. Und so war es auch nicht Quintus Cicero, dem Gaius nun zürnte, sondern vielmehr er selbst und seine Position erregten seinen Widerwillen, wurden sie ihm doch nun wieder so schmerzlich bewusst.

"Quintus." Es war kein Befehl, nicht einmal besonders laut gesprochen und dennoch war seinem Gegenüber unmissverständlich klar, dass dieses Gespräch noch nicht vorüber war.
Wenn so alte und mutige Weggefährten - ja sogar Freunde - es nicht wagten ihm, Caesar, in die Augen zu sehen und ihre Meinung offen auszusprechen, wie weit war es dann gekommen? Es war vermutlich nicht mehr zu ändern, jedenfalls sah er keine Lösung dafür, doch deshalb war es nicht leichter zu ertragen und vermutlich ein Grund, warum er nur wenige überhaupt in seine Vorhaben einweihte und nur mit den Wenigsten wirklich darüber reden mochte.

"Ich erinnere mich an dich stets an einen ehrlichen Mann, der für gerechte und harte Strafe einstand. Du hättest mir davon abgeraten, wärest du in Corfinium[1] dabei gewesen, nicht wahr? Man könnte meinen, dass Proskriptionen einen ruhigeren Schlaf gewähren würden, aber daran glaube ich nicht." Die Wahrheit war, dass er auch ohne Proskriptionen nicht mehr gut schlief. "Zwar ging es nicht darum meine ärgsten Gegner für mich zu gewinnen, sondern jene, die noch keine waren, zumindest davon abzuhalten welche zu werden, doch sollte es auch stets meinen Willen zum Frieden und zur Aussöhnung Nachdruck verleihen. Dass es bis jetzt keinen Frieden gibt, darüber müssen wir nicht streiten. Daher auch mein Entschluss zu den Feldzügen im Osten, Pompeius hatte zu Lebzeiten dort beinahe in jedem Herrscher einen Klienten, doch nun nach seinem Tod müssen die Verhältnisse dort im Interesse Roms neu geordnet werden..." Gaius bemerkte, dass er an der Grenze zur Rechtfertigung angelangt und vielleicht auch schon darüber hinweg und schwieg einen Augenblick besah das das heruntergekommene Fresko. Er musste sich sehr anstrengen, um den Schaden daran wirklich zu erfassen, war seine Erinnerung daran doch noch so deutlich.

Weiter auf die Malerei blickend sprach er weiter: "Wenn wir also mal von den Dingen absehen, die die Integrität so eines Hauses auch von außen beeinträchtigen können und ich mich nun mit dem Zustand des Inneren befassen möchte. Was macht dann genau den Sohn des Domitius[2] zum Zimmermann meines Vertrauens?" Mit dem letzten Wort wandte er sich wieder Quintus zu und wenn auch keinerlei Feindseligkeit von seiner Rede oder seinem Verhalten ausgingen, so war sein Lächeln doch gleichermaßen das eines Schelmes und eines Haifischs.
 1. Corfinium
 2. Lucius Domitius Ahenobarbus
After the battle is over
And the sands drunken the blood
All what there remains
Is the bitterness of delusion

Titus Flavius Nobilior

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #27 am: 04.05.2014, 21:33:58 »
Kein Wort kam Nobilior über die Lippen. Er wurde angesprochen, aber er strafte den "Soldaten" zunächst mit einer Mauer des Schweigens. Bisher kamen nur wilde Spekulationen von ihm. Trotzdem formten seine Gedanken das Wort "Feind!". Denn alles in Nobiliors Innerstem schrie förmlich danach, dass dieser Mensch ein Feind war. Irgendetwas mit ihm stimmte ganz und gar nicht, das sagte ihm sein Instinkt als Assassine. Mit so einem würde er erst einmal nicht das Gespräch suchen. Hoffentlich waren die anderen nicht so dumm und würden ihm auch nur irgendetwas aufschlussreiches erzählen.

Würde Aurelia tatsächlich Andeutungen machen, warum genau sie hier war? Was in dem Brief stand? Noch war Nobilior nicht davon überzeugt sie töten zu müssen, obwohl die Weigerung einer Tötung wohl im ersten Augenblick für Aufschrei in seiner Organisation sorgen würde. Das ganze hatte Seltenheitscharakter. Allerdings: Wer Dummes tat, musste mit den Konsequenzen leben oder gegebenenfalls auch sterben. Würde denn Aurelia etwas wirklich Dummes tun? So schätzte sie Nobilior jedenfalls nicht ein. Aber in seinem Leben als Meuchelmörder hatte er so manche Überraschungen erlebt. Er näherte sich Aurelia kein Stück, aber sein Kopf war in ihre Richtung gerichtet. Er blickte sie an und wartete auf ihren nächsten Schritt. Sein ganzer Fokus lag nun auf ihr.
« Letzte Änderung: 04.05.2014, 23:35:40 von Titus Flavius Nobilior »

Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #28 am: 05.05.2014, 09:29:57 »
Mit seinem ersten Seitenhieb entlockte der Soldat Lucius Licinius Guirmean nur ein kurzes Schnauben. Der Kelte hatte schon viele der Beleidigungen kennen gelernt, die sich die Römer für einen Barbaren wie ihn ausdachten – das hier war gegen diese Bezeichnungen fast schon diplomatisch. Trotz dessen war es vor allem der Vergleich, den der Soldat zwischen sich, den Anwesenden und einem Markt zog, der den Barbaren aufhorchen ließ. Ganz unabhängig von dem Inhalt seiner Aussage, stellte sich der Soldat als den Käufer und alle anderen als die dargebotene Ware dar. Ob er diesen Vergleich ganz bewusst oder nur unbewusst zog, war in diesem Fall egal. Das alleine sagte schon viel über den Mann, über sein Selbstbewusstsein und vor allem den Platz aus, den er in diesem Gespräch einnahm. Ihm in irgendeiner Weise zu drohen würde hier nicht viel bringen, also entschied sich Guirmean dazu, einfach zuzuhören und den Mann weiter zu beobachten. Je mehr er redete und handelte, desto besser konnte man ihn einschätzen.

Dann fiel der Name, der ihm seit jeher Bauchschmerzen bereitete. Caesar. Er war der Mann, der für den Krieg in Gallien verantwortlich war und mit dem Guirmean noch eine ganz persönliche Rechnung offen hatte. Er erinnerte sich daran, als sei es gestern gewesen. In der Schlacht von Gergovia[1], hatte er Caesar gegenübergestanden und ihn mit aller Kraft bekämpft - jedoch ohne Erfolg. Obwohl diese Schlacht unter der Führung von Vercingetorix[2] erfolgreich war und sie fast 700 Soldaten Caesars töteten, wurde er selbst dort besiegt und als Sklave nach Rom gebracht.
Unwillkürlich verkrampfte sich seine Hand zu einer Faust. Mit unterdrückter Wut, hörte er sich an, was der einfache Soldat über den Barabaren zu sagen hatte. Auch wenn er zu der Zeit noch nicht gelebt hatte, sagte ihm die kapitolinischen Gänse und ihre Bedeutung für die Römer natürlich etwas. Hätten die Gänse nicht Alarm geschlagen, dann hätte der Angriff der Gallier sich nicht nur auf die Stadt konzentriert, sondern sich auch auf den Kapitol-Hügel ausgebreitet. So hatten die Römer Glück gehabt und wurden nur Sieben Monate lang in ihrer eigenen Stadt auf einem kümmerlichen Hügel belagert.

Wenn der Mann wirklich der Soldat war, für den er sich ausgab, war es nicht ganz so verwunderlich, das er sich so gut mit der Vergangenheit und der Kriegsgeschichte zwischen den Römern und den Galliern auskannte. Trotzdem gefiel er dem gebürtigen Veneller nicht. Er war zu selbstbewusst, redete zu geschwollen und kannte sich für einen einfachen Soldaten zu gut aus. Für Guirmean war klar, das sich der Mann als jemand ausgab, der er nicht war - weshalb er die Maske auch nicht ablegen wollte. Es ging in gewisser Weise wirklich darum, seine Identität zu schützen - allerdings auf eine andere Weise als er vorgab.
Da anscheinend niemand vorhatte etwas zu sagen, wartete er wie die anderen auf die Antwort Aurelias. Zwar fühlte sich Guirmean verantwortlich die Frau zu schützen - und könnte deshalb an ihrer statt antworten - aber wie alle Anwesenden wussten, ging es hier um mehr als nur ein einfaches Treffen. Jedes Wort konnte und würde gegen die Anwesenden verwendet werden und er hatte keine Lust, sich selbst in Gefahr zu bringen. Um irgendwann die Möglichkeit zu haben, sich ein weiteres mal mit dem Diktator zu messen und so seine Rache zu bekommen, musste er dafür sorgen, sich so wenig Feinde wie möglich zu machen und so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten - soweit das als Gallier in Rom überhaupt möglich war.
 1. Sieg der Gallier, in der Hauptstadt der Arverner.
 2. Ein gallisch-keltischer Fürst, der fast alle gallischen Völker vereinte.

Aurelia

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Im Sog von Kabale und Blut
« Antwort #29 am: 06.05.2014, 20:57:39 »
Während der Soldat die nächsten Worte vorbrachte, wollte Penelope schon erneut beruhigend auf Aurelia einwirken, doch bemerkte sie, wie sich ihre Haltung änderte. Statt sich noch weiter aufzurichten und die Fäuste zu ballen, lehnte sich ihre Herrin leicht zurück und verschränkte die Arme. Ihr ernstes Gesicht und die schmalen Augen sah sie nicht, konnte sie aber erahnen. Ihr ehemaliger Zögling hatte sich gesammelt und würde vernünftig reagieren.

Unter normalen Umständen hätte sie den Kerl einfach entfernen lassen, aber sie konnte sich der Unterstützung der anderen Herren nicht sicher sein. Also plante sie ihre Reaktionen umso gründlicher. Seine ersten Worten provozierten dementsprechend nur ein gefährlich ruhig vorgetragenes: "Das Ihr hinter eurer Maske überhaupt etwas anderes als euren eigenen berufsbedingten Aasgeruch wahrnehmen könnt." Darüber, dass sich Guirmean nicht zu einer Dummheit hinreißen ließ, war sie froh. Hatten ihre Worte vorher hier fruchtbaren Boden gefunden?

Nobiliors Mangel an Erwiderung wider den Soldaten und ihrer eigenen Aufforderung fiel ihr auf. Besonders, da er sie deutlich beobachtete. War dies ein Test oder war sie bereits zu forsch gewesen? Auch die Option, dass er gar nicht der Einladende war, verlor sie nicht aus den Augen. Die vom Soldaten geäußerten Vermutungen konnte sie nur zu einem gewissen Teil nachvollziehen, was erneut ein Indiz für einen Wissensvorsprung auf seiner Seite war. Den übelsten Angriff, der auf ihre Ehre zielte, musste sie ziemlich ungebremst hinnehmen. Sowohl Schweigen als auch vehementes Dementi würden sofort als Bestätigung genommen werden. Der Fluch meiner Geburt. Auch wenn ihr ihr Leben bisher gefallen hatte, gewisse Einschränkungen und andersartige Behandlung musste sie in Kauf nehmen. So erwiderte sie: "Die Anwesenheit der weiteren Geladenen sollte deutlich machen, wie realistisch eure Vermutungen sind."

Als der Soldat geendet hatte und sie aufforderte, gab sie den Höherrangigen noch einen Augenblick Gelegenheit, zu reagieren, doch sie taten es nicht. So trat sie denn gemessen einen halben Schritt vor, ohne ihre Armhaltung zu verändern, und betrat damit den Ring, den die anderen bildeten. Soso, wenn das also euer Wunsch ist, könnt ihr einmal sehen, was wahre Römer beherrschen. Sogar wenn sie eine Frau ohne rhetorische Ausbildung sind.

Ihr nächster Atemzug schein sie noch präsenter zu machen, dann tönte ihre volle Stimme durch den begrenzten Raum: "Nun, 'einfacher Soldat', wie ihr wahrgenommen zu werden wünscht, ihr habt darin recht, dass ich einen Vorschlag auf eure Anregung hin gemacht habe und gewillt bin, als Moderierende zu wirken, und werde dies auch. Doch seit ihr nur wenig darauf eingegangen, da ihr ihn als 'windschief' bezeichnet habt. Wenn ihr Vertrauen haben wollt, müsst ihr es wie alle verdienen. Doch bin ich weiter bereit, Beispiel zu geben: Ihr sagt, wir mögen von der Annahme ausgehen, jemand hätte allen Anwesenden Briefe zukommen lassen, deren Inhalt einen Zwang, hier und jetzt zu erscheinen, ausübte. Nun suchen die Geladenen einen Weg zum Umgang miteinander. In diesen Grenzen hielt und halte ich es für angebracht, dass man verbindende oder trennende Elemente sucht, um von dort den Schritt zum Motiv des Gastgebers zu machen. Ich weiß vieles über die Anwesendenden und habe Theorien, doch bedürfen diese der STütze durch weitere Informationen." Ihr Blick schweifte einmal über die anderen, dann fokusierte sie die Maske erneut: "füllen wir eure Vermutungen doch einmal, wenn ihr schon selbst noch nicht bereit seid, euch zu positionieren, was eine Grundlage zur Zusammenarbeit entsprechend eurer Anregung gäbe. Die Verbundenheit meiner Familie zu Rom und der Republik sind bekannt, die Nähe zu Pompeius ebenso. Meine Geburt und das Bündnis verpflichteten uns zur Neutralität. Andere hier gehören jeweils in verschiedene Lager, ob eher Cäsar oder der Republik nahestehend, hier ist die gemeinsame Linie wohl nicht zu suchen. Bei dem, was wir bieten, sieht es nicht besser aus. Vor allem, wenn man im Anbetracht des Botschaftsinhalts annehmen muss, das es dem Ladenden auf anderem Wege nicht möglich ist, es zu bekommen." Ihre Arme öffneten sich endlich und die Hände wiesen locker auf Guirmean und den Soldaten: "Starke Schwertarme? Politischer Einfluss?", nun drehte sie sich so, das ihre Rechte auf Nobilior wies, während sie ihre linke einklappte und locker gegen ihre Schulter baumeln ließ. Weiter wies die rechte auf Gracchus: "Vermögen? Wissen?", jetzt war sie bei Penelope angelangt. "Oder die Macht des Wortes?", diesmal war ihre linke heruntergerutscht, während ihre rechte auf den Dichter wies.

Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und sah sich um: "Ihr seht, das es mehr als reine Spekulation braucht und es uns die Vorteile brächte, besser miteinander auszukommen und dem Grund der Ladung auf die Spur zu kommen, wenn wir Informationen austauschen. Der 'einfache' Soldat schlug vor, uns zu Rom, Cäsar und der Republik zu positionieren, ihr kennt meine, wie ist eure? Oder habt ihr andere Schlagworte, zu denen die Haltung der Anwesenden Licht in das Mysterium bringen könnte?" Sie ließ die Arme sinken und trat an den Rand des Ringes zurück.
« Letzte Änderung: 10.09.2014, 21:33:58 von Aurelia »