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Autor Thema: [Inplay] Ermittlungsakte  (Gelesen 18326 mal)

Beschreibung: Alles beginnt mit einem Vermissten

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Der Hesse

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[Inplay] Ermittlungsakte
« am: 19.03.2014, 12:00:08 »


Dicker milchiger Nebel hat sich schwer wie eine Daunendecke über die engen und kleinen Gassen in der Nähe des Wassers der Hafenstadt gelegt.
Das nächtliche Licht des kalten sternenklaren Himmels und selbst die mit Öllampen beleuchteten Straßenlaternen haben keine Chance den dichten salzig riechenden und schmeckenden Nebel zu durchdringen.
Und selbst Sarenrae - vertrieben und verhasst wie ihre Anhänger und tanzenden Priester im gesamten Reich - würde Stunden brauchen, um als Sonne am nächsten Morgen Dunkelheit und Nebel zu bannen, denn dies ist kein normaler Nebel, welcher die kleinen und menschenleeren Straßen diese Nacht heimgesucht hat.

Dennoch kann man schnelle schwere Schritte auf dem glatten Kopfsteinpflaster hören, selbst wenn die verängstigten Verursacher weder entdeckt noch ihre eigenen Hände vor Augen erkennen können.

Doch ihr entstellter Verfolger klebt ihnen dicht an den Fersen und bleibt, da er ihren Angstschweiß und das frisch gelassene Blut riecht und wittern kann, ihnen Zähne fletschend lautlos auf der Spur.

Er spielt mit ihnen und nährt sich an ihrer Furcht, doch schon bald wäre das Katz und Maus Spiel zu Ende und seine Opfer - in die Enge und in eine Sackgasse getrieben - abgeschlachtet wie Schattenkinder ihre Opfer in Westkrone jede Nacht bei den Tavernen heimsuchen und sich an deren Blut und Fleisch laben.

Eigentlich haben sie ihn verfolgt und gejagd.
Unwissende Amateure, welche nur das schnelle Geld gesehen haben.

Denn sehr schnell werden die Jäger zu den Gejagten...
« Letzte Änderung: 15.04.2014, 11:49:41 von Der Hesse »
Der Hesse ist erwacht!

Der Hesse

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[Inplay] Ermittlungsakte
« Antwort #1 am: 06.04.2014, 09:08:42 »
Prolog: Vermisste Helden

Willkommen in Taldor!
Nicht herzlich, denn Taldor ist wie ihr Wappentier - ein Löwe - ein stolzes Raubtier, welches nur seine Wunden leckt, um wieder zu zuschlagen.
Und schon bald hätten ihre Nachbarn nicht nur ihre Sprache mit alten Taldor nur noch gemeinsam.
Taldor - das untergehende Imperium - ist noch lange nicht am Ende.
Wie Cheliax - ein treuloses Kind von Taldor und Dieb ihres Patrons Aroden - ist die von Korruption vergiftete Nation noch heute eine militärische Großmacht und berühmt für seine Flotte, ihren Phalanx aus Fusssoldaten und Bogenschützen, ihre berittenen Ritter sowie ihre Arroganz, ihre Gier nach Macht und Einfluss, ihre finanziellen Mittel dank Exporten taldanischer Rösser, Wein, Eisen und Salz und ihre Feindschaft mit all ihren Nachbarn.
Vorallem Qadira und Andoran sind Blutfeinde, wie auch kaum weniger Galt und Cheliax.

Und es ist nur eine Frage der Zeit bis es wieder Krieg geben würde, welcher dieses Mal über die Wasserwege eine schnelle Invasion wäre und nicht erneut ein Krieg an zwei oder gar noch mehr Fronten.

Denn während das Königshaus sich lieber auf seine ulfischen Söldner und Leibwächter und die Adelshäuser auf ihr Spionagenetzwerk verlässt, kann sich das Land auf seine Marine verlassen.

Und eben diese mächtige Marine hat ihr Herz in Cassomir, wo die Schiffe nicht nur gebaut werden, sondern auch stationiert sind.
Die besten und berühmtesten Schiffsbauer der Inneren See haben hier Gilden und Zünfte, während die gesamte Stadt militärisch organisiert in der Hand der Marine ist.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Wache und Garde der Stadt die Uniform der Marine trägt und Verbrecher wie Fahnenflüchtige einmal im Monat auf der Kuppel von Pharasma im Viertel von Alt Cassomir erhängt werden (wobei hunderte Schaulustige diese Massenhinrichtung feiern wie ein Fest jedes Mal).
Aber dennoch endet nicht jeden Hafenkneipen-Schlägerei am Galgen.

Doch Cassomir ist weniger von Korruption verseucht als die noch größere Hauptstadt Oppera und Fremdenhass ist hier weniger als im restlichen Reich - vielleicht auch durch den ständigen Strom von Kreuzfahrern, welche hier Zwischenstop mit ihren Schiffen machen auf dem Weg zur Weltenwunde.
Und wenn man auch von den schrecklichen Berichten über alte Scheusale des Druidenzirkels des Schwarzholzwaldes (Hauptlieferant des Holzes für die Schiffe) und den Geschichten über bleiche bartlose Zwerge, welche die Hafenstadt Nachts Heim suchen, absieht, ist die Stadt wohl eine friedliche verschlafene Stadt wie man sie sich nur wünschen kann.

Wäre hier nicht dennoch das gnadenlose System der zwei Schichten etabliert, welches Adel und Handwerker vom niederen Volk und fremden und anderen Rassen und Nationalitäten trennt.
Jedoch findet zumindest jeder Arbeit, der auch Arbeit sucht und zwei gesunde Hände zum Arbeiten hat.

Das ist Cassomir, wo sich nicht nur die nächste Geschichte ereignet, sondern auch die Ermittlungsakte der noch unbekannten Abenteuer und Helden öffnet.



Cassomir ist trotz der Marine unter der Führung von Admiral Kasaba (einer eisernen Frau, welche schwer bewacht in ihrer Zitadelle meist Urteile spricht ohne den Schuldigen überhaupt gesehen zu haben) dennoch ein Magnet für Abenteurer und Glücksritter.
Denn selbst wenn viele unerfahrene und bedeutungslose Seelen von den Marinewächtern und -soldaten der Stadt meist ohne triftigen Grund zur Zwangsarbeit in einer Schiffswerft oder an Bord eines Schiffes oder gar zur Jagd auf hundsgroße Ratten und Insekten am Hafen gezwungen werden und noch mehr als politische Gefangene, Sarenrae-Fanatiker, angebliche Spione aus Andoran, Cheliax oder Quadira, Kriegsverbrecher oder einfache Diebe und Landstreicher im Gefängnis der Stadt landen und für immer verschwinden (es sei denn sie werden am nächsten Festtag aufgeknüpft) ist die Stadt ein rentables Ziel.
So gibt es viele Schatzsucher und Abenteurer, welche im Auftrag der Kundschafter (nicht nur entsendet von der großen Loge in Absalom) ihr Glück suchen in der Kanalisation, Abwasserkanälen, gefluteten Gassen und halb versunkenen Ruinen des Kasten der Stadt, genauso wie viele Taugenichtse, Spitzbuben, Dieben und Schurken den Schwarzmarkt der Stadt - mitten auf kleinen Felsinseln vor der Stadt, welche sich Zähne des Hundes nennen – nutzen, bevor es noch tiefer nach Taldor geht.
Ebenso gibt es viele Monsterjäger, Wissenschaftler und Schmuggler, welche ihren Weg in die Schwarzholz-Sümpfe finden (nicht nur zum Schutz der gnomischen Holzfäller und der Mitglieder des Druidenzirkels um Bruder Zaganos von der Schwarzholz Loge), Spione und Agenten der Adelshäuser (stets auf der Suche, um die nächsten Ritter oder Adeligen eines anderen Hauses auszukundschaften oder eine Schandtat anzuhängen) und selbst Freibeuter, welche für die Krone arbeiten (wie der berühmte Jean Coremont – der Löwe von Taldor), wie es auch dennoch Straßenschläger, Taschendiebe (vor allem am Tag des Galgens) und kleinere Diebesgilden gibt trotz der starken Präsenz von Militär, Marine, Rittern und Wächtern.

Trotzdem haben alle diese so unterschiedlichen Personen etwas gemeinsam: Sie werden in dieser Stadt nicht alt, sterben in der Kanalisation, fliehen vor der gnadenlosen Justiz oder landen für immer im Gefängnis oder als Sklave an Bord eines Schiffes.

So gibt es nur etwas mehr als eine Handvoll Abenteurergruppen, welche über Jahre aktiv geblieben und zu lokalen Berühmtheit und Reichtum gelangt sind.
Da wären als Erstes die Schwarzstein Kompanie zu nennen, welche dank ihrem gewieften  Anführer – dem Gnom namens Shmad Schwarzstein – immer noch erfolgreich in der Kanalisation nach Schätzen und Relikten sucht.
Zweitens wären die Hunde der Zähne des Hundes zu nennen, welcher allerdings nicht mehr als Schmuggler und Schwarzmarkthändler unter der grausamen Führung des Halborkes -  Tarik der Ungewaschene – sind.
Drittens wären da Crantor’s Gang, welche durch ihre Märchen, Lügen und Intrigenspiele es irgendwann noch schaffen werden sich bis hinauf in die Grauwachtburg in die Gesellschaft von Bürgermeister Bozbeyli (einem hochadeligen Ritter und Veteran der taldorischen Reiter) zu lügen, um an seiner Seite zu herrschen und zu regieren.
Dann wären noch die Heiligen Fünf des Aroden zu nennen: Alles weiterhin treue Anhänger des toten Gottes und letzten Azlanti, wobei sie als ältere Halbelfen Aroden noch selbst mit eigenen Augen gesehen haben.
Aber auch die Partisanen der Adlerwacht, welche als treuer Diener von Andoran wegen Spionage vor zehn Jahren zum Tod durch den Galgen verurteilt worden sind, sich jedoch mit einem Fluchtversuch dem Tod durch den Strick entgangen sind, indem sie durch die Klingen ihrer Wächter gestorben sind, aber nur um angeblich nun als Untote Rache zu nehmen.
Noch heute warnen Mütter in der Stadt ihre Kinder artig zu sein, wenn sie nicht diese Gruppe von untoten Freiheitskämpfern und Rittern holen soll, wobei man sie eigentlich nicht als Helden- und Abenteurergruppe zählen und laut nennen darf, wenn man nicht Besuch aus der Hafenwache haben möchte.

Zuletzt wäre die Goldene Wacht zu nennen – eine in die Jahre gekommene Abenteurergruppe im Ruhestand, welche sich einmal im Jahr trifft um ihre Freundschaft weiter zu pflegen und Kontakt zu halten, denn auch wenn man in der Stadt beziehungsweise um Umkreis wohnt, so hat man sich seit dem Ruhestand aus den Augen verloren.
Irgendwo jedoch verständlich, denn niemand der fünf Abenteurer hatte es geschafft wie so viele Glücksritter Nachwuchs zu haben oder gar eine richtige Familie zu gründen (obwohl zwei von ihnen sich gegenseitig schon vor langer Zeit geheiratet haben) und jetzt am Lebensabend ist dies zu spät und das erste Mitglied bereits an Altersschwäche gestorben.
Jedoch nicht nur das Alter bringt die Abenteurer nach und nach vor Pharasma’s Thron, um über sich richten zu lassen, sondern auch etwas ganz anderes.
Denn während das Ehepaar – Verus und Branda Crandel - sich vor drei Wochen auf das jährliche Treffen mit ihren anderen beiden Kameraden freute, blieben beide als Gäste in ihrem Haus aus.
Als eine Woche später immer noch keine Nachricht, keine Entschuldigung oder Lebenszeichen kam, wurden die beiden älteren Abenteurer unsicher und am Ende sogar beunruhigt und besorgt, sodass sie eine Gruppe jüngerer Abenteurer zusammenstellen wollen, welche für einen ordentlichen Beutel voller Goldsegel nach den beiden Vermissten suchen sollen.

Und diese Abenteurer kommen wirklich von überall und von weit her, um nach den Vermissten zu suchen und das versprochene Geld zu kassieren.
Darunter zuallererst Dame Lucia vom mächtigen Hause Starling aus dem fernen Absalom – eine junge Detektivin mit bereits guten Ruf, welcher ihr in entsprechenden Kreisen schon weit woraus geht als wäre sie eine Meisterdetektivin der Schlaflosen Detektive aus Ustalav (auch wenn dies vielleicht auch noch ein Teil Spott ist) – und ihr Begleiter, Leibwächter und vorallem älterer Bruder Menas Starling.
Dazu neben diesen beiden Adeligen eine Halbelfe mit den Namen Liliana Beleza, welche optisch als Veteranin der taldanischen Armee dank ihrer Rüstung durchgehen könnte, auch wenn sie eigentlich nur die Tochter eines Schmiedes aus der Hauptstadt Oppara ist, und ein Adeliger aus Cassomir, dessen Name in der ganzen Stadt und der Region schon fast berühmt und bekannt ist: Sir Levin Jasper Constantin von Mendenhall.
Als fünfter und letzter Abenteurer hat sich Zirul, ein Halbelf mit wissenschaftlichen Durst nach der Wahrheit auf den Weg zum Anwesen der Crandels gemacht.

Dabei war der erste Eindruck für die teilweise neuankommenden Abenteurer mehr als gespalten.
Vom Hafen oder einem Stadttor aus ging es vorbei an Befestigungsanlagen (inklusive etlicher Leuchttürme, einem Verteidigungsring aus Stadtmauer und Wachtürmen und etlichen kleineren Kasernen) und bewachten Gebäuden, welche nur ab und zu von den typischen taldanischen mehrstöckigen Fachwerkhäusern und der ein oder anderen Kneipe unterbrochen wurden.
Jeder musste sich beim Torwächter oder einem Hafenmeister melden, um den Grund seines Besuches zu erklären und zu rechtfertigen, wobei man schnell Gefahr laufen musste halsabschneiderische Steuern für irgendetwas bezahlen und verrichten zu müssen.
Vor allem die beiden Halbelfen mussten sich böse Sprüche und Blicke gefallen lassen im Gegensatz zu den Menschen, auch wenn der meiste Hohn eher an Zirul, welcher sich mehrfach anhören musste wie seine langohrige Mutter (sich gingen einfach von einer Elfe aus statt von einem Elfenvater) es mit jedem gerade aus laufenden Mensch getrieben hat und sich dabei nicht nur wie ein Gaul hat besteigen lassen, sondern auch dabei an den Ohren festgehalten wurde, damit sie beim Begatten quiekt wie ein Schwein, und nicht an die Ritterin ging.
Doch ansonsten ist der Weg ohne große Probleme verlaufen.

Ein Weg, welcher langsam zügig zum Ziel führt, denn man hat selbst als Mensch in dieser Stadt schnell genug von den ganzen Marinesoldaten, welcher entweder außer Dienst in den Straßen rumlungern und trinken oder als Stadtwache Ausschau nach Opfern halten, den ganzen Adeligen in Ritterrüstung, welche überteuerte Lebensmittel und Wein kaufen, die Seefahrern, welche stark an pöbelnde Seeräuber erinnern, und den ganzen Tagelöhnern, welche ihrer Arbeit am und um den Hafen nachgehen, wo etliche Kriegsschiffe zu Wasser gelassen sind, ihren Anker gesetzt haben oder gerade seefertig, repariert oder gebaut werden.
Aber außerhalb der Fischsaison, wo überall Gozrehpriester für eine ruhige See und gutes Wetter lauthals preisend beten, und bis auf die wenigen Kreuzfahrerschiffe ist eben wenig los in Cassimor.

Doch der Weg der fünf zum größten Teil nichts voneinander wissenden Abenteurer und Ermittler wird jäh gestoppt als das Kreischen der schwarzköpfigen Rabenmöwen (ferne Verwandte der chelischen Sägezahnkrähen und von Lachmöwen aus Varisia) in dieser Küstenregion zumindest in dieser Straße jetzt zur Mittagszeit nicht mehr zu hören sind, da drei Trompete spielende Reiter in schwerer taldanischer Rittersrüstung aus Eisen auf leichten taldanischen Streitrössern – schwere Eselinnen genannt (wohl mit die Besten und schlauesten Pferde der Inneren See) – sich ihren Weg ohne Gnade und Rücksicht durch die Fußgängermassen auf der Straße machen und alles in Schreien, Lärm der Hufe und den Trompeten unter geht.
Doch das Chaos um die fünf Abenteurer wird noch schlimmer als plötzlich eine Berühmtheit statt in einer Kutsche auf seinem alten Streitross und zwei weiteren Leibgarden mit Pferden folgt:
Ein graubärtiger stämmiger Taldan im besten Alter und beeindruckender Statur, welche selbst einen Höllenritter beeindrucken würde – bewaffnet sichtbar mit einem qadirischen Krummsäbel.
Es ist der Bürgermeister dieser Stadt, welcher wohl von einem seiner seltenen Ausflüge zu Pferd in die Stadt zu seinem Sitz zurückkehren möchte und dabei keine Rücksicht nimmt darauf, ob jemand ihm unter die Hufe kommt und schneller als ein andoranischer Feuerfußluchs sein Tempo beibehält.
Und dies könnte wahrlich der Fall sein, da seine drei Trompetenspieler eine Schwangere mit zwei weiteren Kindern an den Händen umgeritten, auf die gepflasterte Straße gestoßen und schwer verletzt zurück gelassen haben.

Wenn niemand handeln oder angreifen würde, ist dies das Ende der Frau, ihres ungeborenen Kindes und ihrer beiden Kinder.
Doch niemand in der Bevölkerung hat Mitleid mit solch einer einfachen Niedergeborenen und deren Nachwuchs, in einem Land wie Taldor, in welchem nur Reichtum, Macht und Herkunft zählt und in welchem Abadar und dessen Kirche die größte Religion ist und dessen Klerus nur heilt, hilft und für jemanden betet, sollte genügend Geld den Besitzer wechseln.
Liebe, selbst wenn Shelyn als Taldane ebenfalls oft angebetet wird, wird die Frau und ihr Nachwuchs höchstens von den fünf Abenteuern erfahren oder würden diese auch einfach weitergehen und der Frau ihrem Schicksal überlassen?
« Letzte Änderung: 24.04.2014, 22:14:28 von Der Hesse »
Der Hesse ist erwacht!

Zirul

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[Inplay] Ermittlungsakte
« Antwort #2 am: 16.04.2014, 23:04:12 »
Zirul wandert durch die Straßen und schaut sich dabei so gut wie immer aufmerksam um. Ihm darf nichts entgehen alles kann wichtig sein. Jedes noch so kleines Zeichen muss schnell gedeutet werden, wenn es denn kommt. Omen dürfen nicht übersehen werden. So ist die Art dieses Halbelfen nun mal.

Zirul findet die späteren bösen Sprüche etwas schade, denn die halbelfische Kultur ist wirklich eine faszinierende, die man ehren und hochhalten sollte, was gerade diese Menschen mit ihrem Spott an ihn ja nicht tun, aber was will er von ihnen schon erwarten Er wäre allerdings ein Narr, wenn ihn Spott und Hohn im arroganten Taldor überraschen würde. Das tat es tatsächlich auch nicht. Aber für Zirul war klar, dass die Arroganz der meisten Menschen in Taldor irgendwann einmal zum vollständigen Untergang dieser Zivilisation führen wird. Und er würde es bestimmt miterleben. Es wird bedauerlich für viele sein, aber dies ist für Zirul unausweichlich. Doch der Halbelf behält seine Meinung lieber für sich. Schweigsam erträgt er die Menschen dieser Stadt.

Nur manchmal können die Menschen, die überhaupt darauf achten und gute Ohren haben, in einer alten Sprache das Flüstern: "Captio Oculorum." hören.[1] Leichtfertig sprach Zirul die Worte nicht. Sondern immer nur wenn die Gelegenheit gerade günstig war. Es war auch ausgeschlossen, dass sie jemand versehentlich sprach. Dies glaubte Zirul jedenfalls.

Vor dem großen Unfall blickte Zirul eine Zeit lang vor allem Lucia und Liliana an. Eine kurze Unterbrechung des ständigen Umschauens und Analysieren seines Umfelds. Zirul hat in seinem bisherigen Leben eine sehr große Zahl von Frauen gesehen, aber dennoch erblickt er in Lucia eine besondere Schönheit. Ihre Gesichtszüge lassen jedoch auf eine ernste Person schließen. Was Zirul allerdings nicht stört. Liebe, Beziehung und Sex spielten bei Zirul sowieso keine Rolle mehr. Demnach würde er auch bei Liliana nichts in diese Richtung versuchen, auch wenn sie ja eine durchaus attraktive Halbelfe war. Sie schien etwas anders als Lucia zu sein. Auch schien sie nicht Ziruls Vorliebe für dunkle Kleidung zu teilen. Und man musste sich schon die Frage stellen, ob Liliana wegen dem ganzen Schmuck nicht adelig war und ihren Status zur Schau stellen wollte.

Aber Zirul wurde durch den Lärm aus seinen Gedanken gerissen. Auch er hatte Glück als einfacher Halbelf nicht auch niedergeritten zu werden, nachdem er kurz zuvor noch gedankenversunken war. Er entschwand noch gerade so dem Ansturm der Reiter. Hoffentlich war er nicht zu sehr in den Fokus dieses seltsamen Bürgermeisters geraten, waren die Gedanken des in Schwarz gekleideten. Aber es gab nun für Zirul wichtigeres worüber man sich Gedanken machen musste. Noch waren die Frau und ihre Kinder nicht tot, aber ihre Verletzungen waren schwer. Zuerst einmal mussten sie alle stabilisiert werden, aber das würde Zirul nicht allein schaffen. Zumindest nicht schnell genug, so glaubte er jedenfalls. Der Halbelf rief nur: "Helft!" und ging so schnell ihn seine Beine trugen zu der Mutter und den Kindern. Er sagte nur: "Heilung." und kanalisierte positive Energie in die schwangere Frau, um ihre Wunden zu heilen.[2] Zirul vergaß  dabei die Welt um sich herum, vielleicht würde ein anderer auch noch zur Hilfe eilen. Ein Mord musste verhindert werden. Doch Unvermeidbares würde selbst er nicht aufhalten können, dachte der Halbelf sich. Die zuvor erfolgte Heilung hatte jedoch unangenehme Nebenwirkungen: Stechende Kopfschmerzen, Schwindel und Desorientierung. Überraschend kam das allerdings nicht für Zirul.
 1. Sensemann kriegt gleich mal eine PN.
 2. CLW
« Letzte Änderung: 16.04.2014, 23:06:21 von Zirul »

Menas Starling

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[Inplay] Ermittlungsakte
« Antwort #3 am: 17.04.2014, 22:16:04 »
An der Seite seiner Schwester schreitet Menas durch die Straßen Cassomirs. Arbeit wartet auf ihn und seine Schwester, was insofern erstaunlich war, als dass ihre jeweiligen Arbeitsfelder zwar nicht grundsätzlich verschieden waren, doch im Regelfall seine Arbeit erst anfing, wenn die seiner Schwester geendet hatte. Doch für ihn war dies eh ein besonderer Auftrag. Es war das erste Mal, dass er mit seiner Schwester zusammen arbeiten würde, schließlich hatte er sie erst vor wenigen Tagen hier in Cassomir aufgespürt. Ein lang ersehntes Wiedersehen, hatte er seine Schwester doch zuvor über acht Jahre lang nicht gesehen. Er hatte sie fast selbst nicht wiedererkannt, war sie doch in Zwischenzeit von einem Teenager zu einer jungen Frau herangewachsen, die mit Erfolg als Detektivin in dieser Stadt arbeitete.

Ein Lächeln huscht kurz über sein Gesicht, dass im Gegensatz zu anderen Taldanern seies Standes nur von einem Dreitagebart geziert wird, als er an die erste Begegnung dachte. Ihr von Absalom nach Cassomir zu folgen war nicht schwer gewesen. Sie hier vor Ort zu finden hatte jedoch länger gebraucht als er erwartet hatte. Ein Kontakt den er hier in der Stadt hatte, immerhin war dies sein dritter Besuch in der Stadt. Der erste lag  bereits viele Jahre zurück und er hatte der Stadt damals auf der Durchreise keine Beachtung geschenkt. Auf der Rückreise vor wenigen Monaten hatte er jedoch einige der Gelegenheit, die eine Stadt wie diese einen Mann mit seinen Fähigkeiten bot genutzt und sich so ein paar Leute geschaffen, die sich noch positiv an ihn erinnerten. Ein Mann der Hafenwacht hatte ihn auf die richtige Spur gebracht und er hätte mit seinem Auftauchen fast dazu geführt, dass er die Arbeit seiner kleinen Schwester durchkreuzt hätte. So etwas sollte ihnen zusammen hoffentlich nicht passieren, auch wenn sie kein eingespieltes Team waren.

Auf dem Weg durch Cassomir war er froh selbst taldanischen Blutes zu sein, auch wenn es schon Zeiten gegeben hatte, in dem er diesen Umstand verflucht hatte. Doch hier galten seine adlige Abstammung so wie sein kriegerisches Aussehen - er schien genug Waffen dabei zu haben um die Crew eines kleinen Schiffes zu bewaffnen - etwas, so dass er zwar viele Schikanen sah selbst jedoch relativ unbehelligt blieb.

Als er jedoch in der Ferne die rasch lauter werdenden Trompeten und Hufgetrappel hört, weiß auch er, dass es Zeit für ihn ist Platz zu machen. Er schafft sich Platz an der Seite der Straße, notfalls andere Leute die nicht schnell genug reagieren vor sich her treibend, wobei er sich stets vergewissert, dass seine kleinere und zierlichere Schwester stets an seiner Seite bleibt. Als die Platz schaffenden Reiter vorbei sind bleibt sein Blick auf den vorbeigallopierenden Bürgermeister gerichtet. Zwar hatte er seinen Eltern stets erzählt, dass ihm die taldanische Bürokratie anöden würde, jedoch war die Macht die dieser Mann als Herrscher dieser Stadt hatte nicht zu verachten.

Auf die verletzte schwangere Frau wird er erst durch die Rufe des schwarz gekleideten Halbelfen aufmerksam, fühlt sich von diesen jedoch nicht angesprochen. Trottel, wenn du Glück hast bekommst du nichts. Wenn du Pech hast bringt dich ihr Mann als Rudersklave auf eine Galeere oder gleich an den Galgen weil du es gewagt hast seine Frau anzufassen anstatt einen Heiler zu holen.
"Komm, die Crandels warten sicher schon", wendet er sich an seine Schwester und macht sich bereit ihren Weg fort zusetzten.

Liliana Beleza

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[Inplay] Ermittlungsakte
« Antwort #4 am: 21.04.2014, 14:59:21 »
Ihre Anreise war zwar schön gewesen… hatte sie doch einige spannende Tage damit verbracht die Küste von Taldan zu bewundern während ihr Schiff sie von Oppara nach Cassomir getragen hatte. Hatten Künstler sich schon daran versucht der taldanischen Küste von diesem Blickwinkel festzuhalten? Die Antwort auf diese Frage war sicher lohnenswert zu ergründen stellte sie fest. Vielleicht gab es sogar Händler in Cassomir, die solche Kunst anboten…
Wehmütig seufzend steht Liliana nun in der Menschenmenge, in einer Hand ihre verzauberte Gleve, die ihr Vater geschmiedet und ihr Mentor verzaubert hatte und in der Anderen die Zügel eines Lastenponys, das sie nach etwas Überzeugungsarbeit für einen annehmbaren Preis am Hafen erworben hatte. Der Verkäufer war wohl der Ansicht gewesen, dass eine Halb-Elfe entweder mehr zahlen musste oder für den gleichen Preis ein Pony erhalten würde auf dessen Rippen man hätte musizieren können. Doch als sie ihre Gleve mit einem freundlichen Lächeln abstellte und den Händler fragte, wohin sie ihre Habseligkeiten packen sollte, wenn sie kein entsprechendes Tier für einen fairen Preis erhalten sollte, zog er ein schmutziges Tuch aus seinem Kopf und wischte sich die plötzlich auftretenden Schweißperlen von der Stirn. Kurz danach wurden dann ein Preis und ein dazu passendes Tier gefunden mit dem beide Seiten offensichtlich leben konnten.
Ihr größter Wunsch ist es in diesem Moment sich aus ihrer Rüstung zu schälen, ihre schweren Lederstiefel von sich zu werfen und etwas anzuziehen, dass weniger warm ist und ihr mehr Bewegungsfreiraum lässt. Doch das musste warten, zuerst hatte sie erst einmal die Crandels ausfindig zu machen.

Doch just in diesem Moment hört Liliana Hufgetrappel und einen spitzen Schrei. Liliana kann zwar nicht sehen, was genau geschehen war, doch spürt sie, dass etwas beunruhigendes geschehen ist und drängt sich mit etwas mehr Nachdruck durch die Menschenmenge, bis sie schließlich sehen kann was die Ursache des Schreies war. Blut, Schürfwunden und Blutergüsse zieren die Körper einer Frau und zwei ihrer Kinder.
„Was ist hier geschehen?“, fragt sie den dunkel gekleideten Halb-Elfen der über den Körper der verletzten Frau beugt.
„Sie ist schwanger“, schießt es Liliana durch den Kopf, als die die verletzte Frau näher mustert. Liliana beschließt aber, dass die Antwort vorerst warten kann und das der Half-Elf wohl nicht der Verursacher der Wunden war, sonst hätten ihn die anderen Passanten wohl in Stücke gerissen.

Da die Mutter schon versorgt wird kniet sich Liliana neben die beiden Kinder und legt jedem Kind eine Hand auf die Stirn und schließt ihre Augen um sich zu konzentrieren. Liliana fühlt wie ihre Handflächen langsame wärmer werden als Haut der beiden Kinder während sie positive Energie in die Körper der Kinder lenkt, damit ihre Lebenslichter nicht verlöschen. „Mehr kann ich vorerst nicht für euch tun ihr beiden“, flüstert sie ihnen zu und hebt ihre bewusstlosen Körper auf ihr Pony hinauf und ergreift wieder ihre Gleve, die sie hatte fallen lassen, als sie sich um die Kinder gekümmert hatte.
Nachdem sie die beiden Kinder vorerst in Sicherheit wähnt, dreht sie sich zu dem anderen Halb-Elfen um und fragt ein weiteres Mal:
„Was ist hier geschehen?“
« Letzte Änderung: 22.04.2014, 13:31:54 von Liliana Beleza »
To love beauty is to see light.

[Inplay] Ermittlungsakte
« Antwort #5 am: 23.04.2014, 14:19:20 »
Als die ersten Gerüchte über das Verschwinden der beiden alten Abenteuer die Strasse durchzieht, war Levin klar dass er sich darum kümmern wird. Nichts ist so aufregend für die Zuhörer, als eine spannende Geschichte die wirklich passiert ist.

In diesem Sinne macht er sich auf den Weg, und zieht durch eine gewisse Vorahnung getrieben seine Paraderüstung an. Egal wann und wie, das Aussehen ist einfach wichtig. Sollten er auf Bekannte treffen, muss er einfach bereit und seinem Stand gemäss gekleidet sein. Das er dieses mal in Rüstung ausgeht, fällt in dieser militärisch veranlagten Stadt nicht auf. An seiner Seite befestigt er sein Rapier mit dem Familienwappen drauf, steckt sich seine Pfeife in den Mund und verlässt rauchen sein Haus.

Als die Trompeten durch die Gassen klingen, macht Levin freiwillig Platz und begibt sich an den Strassenrand. Bewundernd schaut er dem Reitertrupp und vor allem dem Bürgermeister hinterher. Mit vorsichtigen Bewegungen, klopft er sich danach den aufgewirbelten Staub aus seinen Kleidern. Für andere war dieser eventuell nicht einmal sichtbar, doch für ihn gehört Sauberkeit zum Leben, wie die Luft zum atmen.

Als ein Halbelf helfend auf die verletzte Frau und ihre Kinder zueilt und auch noch Magier für die Heilung verschwendet, verdreht Levin kurz die Augen. Doch als dann gleich dahinter auch noch eine weitere Person in Aktion tritt kann Levin nur noch staunen. Doch was hat diese Niedergeborene und ihre Gesindel mit seinem Auftrag zu tun? Er war nicht hier, um das Leben einer niederen Frau zu retten oder deren Lebenslauf zu erfahren. Doch er hält einen Augenblick inne, denn er scheint sich zu erinnern. Die beiden Halbelfen sind schon beim Hafenwächter komisch aufgefallen. Und nun greifen die Beiden in die nächste Kloake, und dass mit beiden Händen zugleich. Es ist unübersehbar, dass die beiden wohl noch nicht allzulange in der Stadt sind.

Den Kopf schüttelnd stopft er sich seine Pfeife kurzerhand neu und steckt den Tabak in Brand. Nach einem beruhigenden Zug, setzt er seinen Weg genüsslich rauchend fort.

Wie vieles an ihm ist auch seine Pfeife ein Einzelstück, angefertigt durch die Hände eines Meisterhandwerkers. Das schwarze längliche Mundstück endet in einem leichten Bogen beim Pfeifenkopf aus Holz. Der Topf ist geformt wie eine dreiblättrige Blüte in deren Mitte der Tabak reingestopft wird.     



Doch nach wenigen Schritten hält er kurz inne und dreht sich um. Ein wenig interessiert ihn ja nun doch, wie die beiden die Situation versuchen zu retten.
« Letzte Änderung: 28.04.2014, 16:22:08 von Levin Jasper Constantin von Mendenhall »

Lucia Starling

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[Inplay] Ermittlungsakte
« Antwort #6 am: 23.04.2014, 17:19:57 »
Cassomir. Eine Kleinstadt, verglichen mit dem mächtigen Absalom, in dem Lucia aufgewachsen ist, aber groß genug, um die junge, sich schnell langweilende Detektivin nicht schon vertrieben zu haben – gen Oppara, vielleicht. Denn nach Absalom, da ist sie sich sicher, zieht sie in nächster Zeit nichts zurück, selbst wenn das bedeuten würde, dass die dortigen Rechtshüter auf die (nach Lucias Meinung) so ziemlich einzige Ermittlerin würden verzichten müssen, die effizient vorgeht und wirklich bestrebt ist, die Wahrheit herauszufinden, anstatt sich, wie oft sonst, lediglich mit dem augenkundlichen Schein zu begnügen und aus Vermutungen einfach Tatsachen zu machen, weil es die Angelegenheit vereinfacht. Der Grund dafür, dass sie froh ist, nicht mehr in Absalom zu sein, ist folgender: So wie es den Wachen an Ehrgeiz fehlt, ihre Aufgaben richtig zu machen, fehlt es Lucia an Verlangen danach, in dem routineartigen Arbeitstrott zu verweilen, in den sie in der Heimat geraten war, denn Routine bedeutet Langeweile und Langeweile kann sie nicht ausstehen. Vielleicht spielt auch ihre Familie eine Rolle dabei, dass sie zur Reise von der Insel Kortos zum taldanischen Festland aufgebrochen ist. Niemandem im Nacken zu haben, der versucht, einem Vorschriften zu machen, kann eine angenehme Abwechslung sein.

Menas gehört zwar ebenfalls zu ihrer Verwandtschaft, doch hier ist die Situation eine andere. Es war auf gewisse Weise seltsam, aber auch erfreulich gewesen, ihm nach all der Zeit, in der sie sich nicht mehr gesehen hatten – mehr als acht Jahre waren es inzwischen gewesen – wiederzubegegnen. Und das ausgerechnet hier, weitab ihres Geburtsorts. Wie sich herausgestellt hat, hatte Lucia die Heimkehr ihres Bruders Menas verpasst und er war ihr gefolgt. Nun, eine Schiffsreise und wenige weitere Tage später, geht sie mit ihm Seite an Seite durch Cassomir.

Für ihn war es sicherlich nicht einfach gewesen, sie wiederzuerkennen, denn sie war am Tage seiner Abreise fast noch ein Kind gewesen und inzwischen erwachsen geworden; sie jedoch hatte ihn sofort erkannt, obwohl sich auch seine Erscheinung in der Zeit seiner Abwesenheit verändert hatte. Sein Gesicht ist männlicher, härter sowie natürlich älter geworden und mit seiner schwere Rüstung und Bewaffnung sorgt er dafür, dass ihm andere mit gehörigem Respekt begegnen. Alles in Allem stellt Menas wohl den Leibwächter dar, den ihre gemeinsamen Eltern Lucia immer hat an Seite stellen und die sie nie hat haben wollen. Dass ihre Arbeit als Detektivin gefährliche Aspekte haben kann, mag sein, doch da aus ihrer Sicht der Preis für einen solchen Schutzmann hauptsächlich der gewesen wäre, dass dieser ihr ständig im Weg gestanden hätte, hat sie sich keinen aufzwingen lassen. Will heißen: Sie ist den von ihrem Vater abgestellten Leibwächtern jedes Mal entwischt oder hat diese, sofern sie sie bei ihren Untersuchungen gestört haben, mit weniger freundlichen Methoden überzeugt, sich zum Beispiel in die nächste Wirtschaft zurückzuziehen und sie in Ruhe zu lassen.

Es ist ihr wirklich lästig, wenn ihr jemand über die Schulter sieht oder sogar mit ihr redet, wenn sie sich in ihre Arbeit vertieft hat und sich konzentrieren muss. Menas selbst hat dies schon in den wenigen Tagen ihrer gemeinsamen Zeit hier in Cassomir gemerkt, doch auch wenn sie nach all den Jahren seiner Abwesenheit ruhiger, ernster und viel selbstdisziplinierter geworden ist (etwas verschroben, aber dennoch brillant, würden manche sagen, denn dieser Ruf eilt ihr schon voraus), behandelt sie ihn anders als sie einen dahergelaufenen anderen behandeln würde, der ihre Pläne durchkreuzt. Menas hatte sie mit seinem Auftauchen fast enttarnt und ihr damit die Arbeit von zwei Tagen fast zunichtegemacht, denn sie war als gewöhnliche Frau der unteren Schicht verkleidet in der Nähe der Docks unterwegs gewesen, um möglichst unauffällig Beobachtungen durchführen zu können, die einige Matrosen betrafen, die in Verdacht standen, illegale Substanzen zu verkaufen. Zugegebenermaßen: Es war ein langweiliger, vorhersehbarer Fall gewesen, doch Lucia hat sich damit die Zeit vertreiben (und ihre Reisekasse etwas ausbessern) wollen, bis etwas Interessantes anstehen würde. Ein Rätsel, das sie fordert. So wie der Hilferuf des Ehepaars Crandel, die zwei ihrer alten Gefährten vermissen und zu denen Menas und Lucia in diesem Moment unterwegs sind.

Dabei bleibt die Detektivin im Gedränge in den Straßen, aus dem sie möglichst schnell herausmöchte, dicht bei ihrem sehr kriegerisch aussehenden Bruder, der keinerlei Probleme dabei hat, sich genügend Platz zu schaffen. Gerade, als Hufgetrappel und Trompeten vorbeikommende Reiter – den Bürgermeister Cassomirs und dessen Gefolge – ankündigen, scheucht und schiebt er Leute, die im Weg stehen, vor sich her, damit die beiden Geschwister sich in Sicherheit am Straßenrand platzieren können. Nicht allen gelingt es rechtzeitig, beiseitezutreten, wohlgemerkt, denn eine schwangere Frau und deren zwei Kinder kommen unter die Hufe der Reiterei des Bürgermeisters und bleiben schwer, vermutlich tödlich, verletzt liegen.

Sofort fällt Lucia ein Halbelf auf, der sich aus der Menge löst und die Umstehenden zur Hilfe anhält, um sich dann um die verletzte Frau zu kümmern. Der Fremde nutzt Magie, stellt Lucia fest, dann gesellt sich eine zweite Halbelfin zu ihm, um die Kinder zu heilen. Lucia bleibt dort, wo sie ist und beobachtet die Szene. Es ist nicht so, dass ihr das Schicksal der kleinen Familie unbedingt egal ist, selbst wenn es sich dabei um Menschen niederer Herkunft handelt, doch für sie wäre, sich dazuzugesellen, Zeitverschwendung. Sie sieht keinen Grund, einzugreifen, zumal schon geholfen wird und sie aktuell wenig tun könnte, das dazu führen würde, dass es den Verletzten besser geht. Schließlich ist Lucia Detektivin, keine Heilerin.

Mit den Worten „Geh voran“ wendet Lucia sich deswegen schließlich an ihren Bruder, als dieser sie auffordert, weiterzuziehen. Die Crandels warten, in der Tat. Und Lucia ist begierig auf die Ermittlungen, die auf sie warten.
"It is my business to know what other people don't know."
Sherlock Holmes in "The Adventure of the Blue Carbuncle", Sir Arthur Conan Doyle

Der Hesse

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« Antwort #7 am: 24.04.2014, 15:44:45 »
Während die beiden optisch so ungleichen Starling-Geschwister weder einschreiten noch sonst irgendwie helfen, sondern stattdessen auf ihren Auftrag fokussiert einfach weitergehen, und während Levin Jasper Constantin von Mendenhall der ganzen Situation nur ein Blick würdigt und ebenfalls nicht die hilflose Frau beschützt, sind es wenigstens die beiden Halbelfen Zirul und Liliana Beleza, welche der schwangeren Frau und deren Nachwuchs helfen wollen.
Die beiden elfenblütigen Abenteurer heilen dabei wie auch Menas durch sein Wissen an Heilkunst bemerkt zwar die hilflose Bettlerin vollkommen und bringen die halb bewusstlosen Kinder außer Gefahr[1], aber nur, um am Ende nun diejenigen zu sein, welche statt der Frau und ihrem Nachwuchs zum größten Teil vom Bürgermeister und seinen beiden Leibwächtern halb umgeritten und damit von deren Rössern niedergetrampelt zu werden[2].
Die beiden Halbelfen sind Menas dabei zwar nicht bekannt, aber bleiben zumindest ihm in Erinnerung.
Denn sie müssen sich wohl erst daran gewöhnen, wie in Cassomir der Hase wohl läuft, um es wie ein Varisianer zu beantworten.

Und während der Bürgermeister mit seiner Reiterschaft an der nächsten Straßenecke außer der Sichtweite verschwindet und niemand auf der Straße der Situation weiter einen Blick oder Gedanken widmet, ist es die schwangere Frau, welche zwar nun wieder durch die letzten Hufe leicht verletzt sich herzlich bei den beiden Halbelfen bedankt, denn ohne die beiden tapferen und gutherzigen Helden wäre sie, ihre ungeborenes Kind und der restliche Nachwuchs in Form von zwei weiteren Kindern zum Tode verurteilt gewesen und würde nun bereits Pharasma sehen.
"Habt Dank, edle Retter, für Eure Hilfe!
Ich weiß meinen Platz in dieser Welt und weiß, dass ich nicht mehr als Dreck bin, aber das Ihr mir dennoch geholfen habt - mir und meinen Kindern - spricht von barmherziger Güte!
Vielen, vielen lieben Dank, dies werde ich Euch nie vergessen!", und reicht dabei sowohl Zirul als auch Liliana Beleza ihre Hände, um sich zu verneigen und dankbar deren Hände immer und immer wieder zu küssen.
Hierbei spricht sie kurz weiter und erklärt sich:
"Leider kann ich Euch nichts anbieten, denn ich habe höchstens eine alte Kupfermünze noch bei mir, aber wenn Ihr möchtet kann ich sich Euch geben!", um anschließend mit Tränen vor Dankbarkeit in den Augen auf eine Antwort und eine Reaktion zu warten, während auch ihre Kinder - wieder aus ihrer Schockstarre zurück und zumindest zittrig und schwer verletzt wieder auf den eigenen Beinen - die beiden Halbelfen versuchen zu umarmen, auch wenn damit beide Halbelfen von frischen Menschenblut beschmutzt werden.

Der Rest der Abenteurer hat sich dabei mit ihrer Untätigkeit wahrscheinlich einen großen Gefallen getan, denn sich den Bürgermeister zum Feind machen oder gegen die Hierarchie der Stadt vorzugehen und in Schicksale einzugreifen macht sehr schnell die ganze Stadt sich zum Feind.
 1. @Liliana Beleza: Heilung bitte im Status streichen
 2. @Zirul: Schaden ist schon eingetragen; @Liliana Beleza: 17 Punkte Schaden bitte eintragen
« Letzte Änderung: 25.04.2014, 08:43:19 von Der Hesse »
Der Hesse ist erwacht!

Zirul

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« Antwort #8 am: 24.04.2014, 19:41:58 »
Auch wenn die Frau zuvor gerettet wurde, brachte es Zirul einige unschöne Verletzungen ein. Denn die Fragen von Liliana bekam er gar nicht mehr mit. Es dröhnte in seinen Ohren und überall war grau. Kurzzeitig konnte er seine Außenwelt nicht mehr wahrnehmen. Erst als es zu spät war, hörte sein kurzes Weggetretensein auf. Zirul hatte Glück, dass er nicht gänzlich zu Tode getrampelt wurde. Er hatte einmal mehr das Gefühl, dass ihm seine Magie irgendwann zum Verhängnis werden würde. Aber immerhin platzte er nicht oder seine Magie war völlig wirkungslos.

Allerdings hatte seine Tarnung als Held einen bitteren Beigeschmack: Er hatte Heilmagie gezeigt. Vielleicht würde sich das noch irgendwann rächen. Zirul ist in seinen Gedanken sehr selbstkritisch. Die Worte der Frau nimmt Zirul allerdings wieder ganz genau wahr und auf sie und seine Kinder fokusiert sich der Halbelf nun. 

Letztendlich ist er so viel Emotion gar nicht mehr gewöhnt. Es war selten doch eine Stimme aus alten, längst vergangenen Zeiten spricht aus ihm, auch wenn das nicht mehr die Regel war: "Es war nur meine Pflicht, die ich tat, gute Frau. Behaltet bitte Eure Kupfermünze! Ihr müsst Euch nicht bei mir bedanken. Wo Licht ist, ist auch Schatten." Zirul war innerlich zerrissen: für einen Teil war der erst Teil seiner Aussage die blanke Wahrheit, doch für den anderen Teil eher eine Lüge.

Zirul drückte der Frau eine Platinmünze in die Hand. Die einzige, die sofort griffbereit war. "Viel Glück auf Euren Wegen!"[1]

Dann wendete er sich den Kindern zu: "Diese Frau hier neben mir ist bestimmt besser als ich.", er zeigte kurz auf Liliana, "Habt bitte sie lieb! Mein Gefühl sagt mir, sie hat es verdient. Ich muss nun zu etwas ganz Wichtigem! Entschuldigt!"

Schnellen Schrittes ging Zirul wieder seinem Ziel entgegen. Er wollte sich nicht verspäten. Er dachte an dem Mord an seinem Mentor zurück. Und nach all der Zeit fiel ihm sein Lächeln auf. Warum nicht schon vorher? Warum nur lächelte der alte Mann? Er konnte teilweise die Zukunft so genau vorhersagen, doch er starb durch seine Hand. Wusste er mehr? Hoffnung war eigentlich etwas falsches, aber selbst jemanden wie Zirul blieb nicht mehr als zu hoffen, dass er Unrecht hatte mit was auch immer er in diesem Moment dachte.

Wieder dasselbe Flüstern, als er sich etwas weiter von der Szenarie mit der Mutter und ihren Kindern entfernt hatte: "Captio Oculorum."
 1. Edit: Status ist aktualisiert.
« Letzte Änderung: 24.04.2014, 19:52:56 von Zirul »

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« Antwort #9 am: 25.04.2014, 11:09:10 »
Dass die Situation sich so zuspitzt hat er nicht kommen sehen oder einfach nicht richtig realisiert. Eventuell hätte er sonst eine Warnung gerufen. Doch wenn er es sich genauer überlegt, will er sich nicht in das Verhalten des Bürgermeisters einmischen. Wer weis wie sich dies auf seinen Ruhm auswirkt, und dieser dürfte darunter auf keinen Fall leiden. Lästige Plappermäuler gieren doch nur nach solchen Geschichten die sich wie ein Lauffeuer verbreiten.

Als das Unheil seinen Lauf nimmt und die beiden Halbelfen von den Pferden des Bürgermeisters und seinen Wachen überrannt werden, kann Levin nicht wiederstehen. Ruckartig wendet er sein Angesicht von der Situation ab um das Übel nicht weiter mitzubekommen. Die Reiter galoppieren die Gasse entlang, und verschwinden aus seinem Blickfeld so das Levin den Mut findet und einen Blick wagt.

Überraschenderweise scheinen alle Parteien mit einem oder auch zwei blauen Augen davon gekommen zu sein. Beruhigt will er ein weitern Zug aus seiner Pfeife nehmen, welche in der Zwischenzeit jedoch erloschen ist. Ein kleines Schnipsen[1] mit den Fingern lässt den Tabak erneut aufglühen, worauf umgehen ein Zug an der Pfeife folgt. Beim Ausatmen des Rauchs wird seine nächste Umgebung in ein süssliches angenehmes Aroma getaucht. Mit Schwung dreht er seinen Körpers in Laufrichtung, dabei vollführt der Saum seines Mantels einen eleganten Bogen. Levin Jasper Constantin von Mendenhall setzt seinen Weg fort, die Pfeife in einer Hand und die andere locker auf den Rücken gelegt.

Levin Jasper Constantin von Mendenhall kennt sich in der Stadt sehr gut aus, so dass seine Schritte den Weg von alleine finden. Dies ist auch notwendig, denn der junge Adlige jagt seinen wilden Gedanken nach welche ihn selbst überraschen. Die Situation hat ihn am Ende überrumpelt und mehr berührt als er es offen zugibt. Normalerweise interessieren ihn die Belange von nieder Geborenen in keinster weise. Und genau hier liegt in seiner Vorstellung das Problem. Er verträgt die Brutalität sehr schlecht, denn die Schmerzen sind echt und nicht wie in einer Aufführung gespielt. Dabei muss er kurz über sich selbst grinsen. Geboren und aufgewachsen in der militärischen Hafenstadt Casomirr und immer noch ist ihm die Gewalt unbehaglich. Seine Hand fährt kurz durch seine blonden Haare, um seine Gedanken zu vertreiben. Er will sich auf das hier und jetzt konzentriert, der bevorstehenden und spannenden Geschichte folgen.

Hat der Adlige Levin Jasper Constantin von Mendenhall am Ende doch ein weicheres Herz, als es den ersten und oberflächlichen Anschein erweckt.
 1. spark

Menas Starling

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« Antwort #10 am: 27.04.2014, 11:57:12 »
Das der Bürgermeister mit seiner Leibwache die Retter der kleinen Familie niederreitet, scheint Menas die gerechte Strafe für ein solch selbstloses Verhalten zu sein. Was erwarteten die beiden naiven Halbelfen? Die Trompete spielenden Reiter konnten nur eine nachfolgende zweite Gruppe ankündigen, also musste man entweder die Frau und ihre Kinder aus der Gefahrenlinie holen oder sich der zweiten Gruppe mit Waffe in der Hand entgegenstellen um diese aufzuhalten. Die Gleve der Halbelfin wäre dafür genau die richtige Waffe gewesen, doch den Bürgermeister oder sein Pferd anzugreifen war Wahnsinn und mit Selbstmord gleichzusetzen, daher fühlte sich Menas in seinem Entschluss nichts zu tun bestätigt. Es gab kein Szenarion, dass er in seinem Kopf durchspielte, dass ihn in irgendeiner Form einen Vorteil gebracht hätte.

Im Gegensatz dazu stand der Auftrag der bei den Crandels auf ihn wartete. Daher geht er nach der Aufforderung seiner Schwester weiter voran, ihnen ein Weg durch die Schaulustigen bahnen. "Alle sechs werden es überleben", teilt er seiner Schwester dabei mit, wissend, dass ihr das Schicksal der Leute vermutlich nicht ganz egal war, auch wenn sie genauso wie er auf etwas wichtigeres konzentriert war - die vor ihnen liegende Aufgabe. Es würde für ihn ungewohnt sein, dass er sein Ziel lebend zurückbringen sollte, normalerweise bezahlte man ihn für einen Tod und gelegentlich für ein unauffälliges Verschwinden der Leiche.

Liliana Beleza

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« Antwort #11 am: 28.04.2014, 01:12:19 »
Liliana ist sehr froh, dass sie ihre Rüstung trägt und doch nicht ihre normale Kleidung, denn die Stahlplatten und das gehärtete Leder dämpfen die schweren Huftritte der Pferde. Dumpfe Schmerzen in ihrem Brustkorb lassen sie darauf schließen, dass wohl eine oder mehrere ihrer Rippen angeknackst sind... es hätte wahrlich schlimmer kommen können, denn Mutter und beide Kinder haben den Vorfall überlebt.

Erstaunt blickt Liliana den ihr unbekannten Halb-Elfen an wie er der Mutter eine Platinmünze in die Hand legt und dann schnell in der Menge verschwindet, was Liliana alleine mit der Familie zurücklässt. Es wahr eine unglaublich größzügige Geste von dem Unbekannten, denn so würde die dreiköpfige Familie für viele Wochen Essen in den wahrscheinlich sehr hungrigen Bäuchen haben. Einen Moment lang überlegt Liliana ihm zu folgen und nach seinem Namen zu fragen.
Sanft nimmt sie jedes der beiden Kinder in den Arm, drückt sie kurz und zärtlich und flüstert ihnen beruhigende Worte in die Ohren.
"Haltet euch gut fest, ich bringe euch von hier weg, damit sich jemand um eure Verletzungen kümmert.", sagt sie zu ihnen, während sie beide auf ihr Pony hinaufhebt.

Die Kinder außer Gefahr wissen wendet sich Liliana nun an die Mutter und schenkt ihr ein weiteres warmes Lächeln:
"Auch wenn ich so aussehe so fließt in den Augen all der Menschen hier, in meinen Adern weniger edles Blut als in euren. Doch das hält mich nicht davon ab euch zu helfen und zu Seite zu stehen, denn es war das Richtige zu tun."
Liliana blickt sich ein wenig hilfesuchend um und wendet sich dann wieder an die Mutter:
"Was allerdings viel wichtiger ist, ist das wir euch und eure Kinder zu einem Heiler bringen, damit er eure Wunden verbinden kann. Habt keine Sorge, ich werde euch begleiten und dafür sorgen, dass ihr sicher dort ankommen werdet. Wisst ihr wo wir so jemanden finden können? Wenn ja geht voraus und ich folge euch mit euren Kindern.".
Liliana nimmt die Hände der Frau in ihre und benutzt ihre eigenen Hände um die der Mutter zu schließen damit neugierige Beobachter die Platinmünze nicht sehen, welche in ihrer Hand glänzt. Niemand sollte das einzig Gute, was aus diesem Vorfall entsprungen ist der jungen Frau nehmen können.
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Der Hesse

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« Antwort #12 am: 28.04.2014, 16:10:38 »
Während sich sehr berechnend und schwarz denkende Menas Starling und seine schlaue Schwester Lucia, der Pfeife rauchende Levin Jasper Constantin von Mendenhall und auch verwirrte Zirul getrennt voneinander, aber dennoch mit dem selben Ziel ohne es zu wissen, wieder in Bewegung setzen, kümmert sich Liliana Beleza weiter warmherzig und voller Güte um die schwangere Frau und ihre beiden Sprösslinge.
Doch während der Halbelf Zirul es versucht so knapp und unauffällig wie möglich zu helfen, indem er nicht nur geheilt, gerettet und eine hochwertige Münze aus Platin geschenkt hat, ist die seine fernere Verwandte für eine Halbelfe ziemlich auffällig und laut.
Etwas, was den umstehenden Leuten und Bewohnern deutlich gegen den Strich geht von ihren Gesichtsausdrücken - nicht allein durch ihren Seitenhieb auch als Niedere immer das Richtige zu tun und zu helfen.
Umso mehr wird auch die Schwangere plötzlich immer reservierter trotz ihrer Dankbarkeit, denn sie befürchtet Repressalien für sich und ihre Kinder - spätestens wenn Liliana weiter zieht.
So ist ihre weitere Dankbarkeit stark begrenzt und sie schlägt weitere Hilfe verstört, ängstlich und dennoch dankbar (und mit dem Versuch weiter höflich zu sein) deutlich aus:
"Habt Dank! Habt wirklich Dank, doch von hier ab geht es auch ohne Eure Hilfe - wirklich!
Euer freundlicher Bruder...", denn die Frau weiß in ihrer begrenzten Bildung kein anderes Wort für Zirul, welcher ja auch ein Halbelf ist.
"...hat mir schon etwas Geld gegeben, mit welcher ich mir mit Leichtigkeit die Heilung für meine Kindern und mich durch einen Priester des Abadar leisten kann!
Ich brauche also keine Hilfe und auch keine weiteren Goldsegel..."[1], und hilft dabei freundlich und nervös lächelnd bereits ihren Kindern vom unruhig werdenden Pony durch das ganze Hin und Her wieder runter, um anschließend mit den Worten "Lebt wohl! Ich werde jeden Tag an Euch denken und für Euch beten!" das Weite zu suchen.

Sollte die Kriegerin jedoch die Frau erneut versuchen aufzuhalten, wird ihr Ton strenger:
"Lasst mich bitte in Frieden! Bitte! Glaubt mir - sollte mein nächstes Kind ein Mädchen werden, werde ich es nach Euch benennen!", und würde noch schneller das Weite suchen, zumal diese Lüge für jeden Bauern sogar ersichtlich wäre, denn die Halbelfe hatte der Frau gar nicht ihren Namen genannt.
Und die Halbelfe tut gut daran die Frau nicht weiter zu belangen oder aufzuhalten, denn einige Meter weiter setzen sich bereits drei junge Wächter der Marine und der Stadt - aufgehetzt und aufmerksam gemacht durch weitere Zuschauer - in Bewegung, um zur Not der Halbelfe das Leben freudig schwer zu machen, sollte sie dies ihnen ermöglichen.
Wobei darunter ein Wächter mit blonden Haar und scharfen taldanischen Gesichtszügen ist, welcher kurz zuvor Liliana wie andere Seefahrer und Bürger der Stadt als Spitzohr beleidigt hatte und bestimmt noch weiteren Groll und Abneigung hegt dank seiner taldanischen Arroganz und seinen Vorurteilen gegenüber Elfenblütlern.

Die restlichen vier Abenteurer haben in der Zwischenzeit - teilweise über unterschiedliche Straßen und Wege - ihr Ziel erreicht:
Das Anwesen und Heim des berühmten Ehepaares Verus und Branda Crandel.

Und dieses könnte mit einem ersten Blick und Eindruck nicht luxuriöser und pompöser ausfallen.
Denn das alte große und mehrstöckige Fachwerkhaus wirkt frisch renoviert und umgebaut - und setzt sich damit etwas von den üblichen Fachwerkhäusern Cassomir's zwischen den ganze Festungs-, Verteidigungs und Befestigungsanlagen ab.
Der kleine Vorgarten davor mit seinen exotischen Pflanzen aus fernen Ländern und sogar die massive Eingangstür aus Eichenholz - wohl die Handwerkskunst des Druidenzirkels der Stadt und voller Verzierung und Bilder, welche die Heldentaten des Ehepaares zeigen - spricht eine deutliche Sprache:
Scheinbar kann man als Abenteurer wohl doch zu Reichtum gelangen und seinen Lebensabend in Wohlstand genießen.
Selbst wenn man nicht für die Kundschafter gearbeitet hat.
Und mir großer Wahrscheinlichkeit geht der Reichtum im Inneren des Gebäudes noch weiter, auch wenn der Ausblick vom oberen Stockwerk auf die restliche Stadt sowie den Hafen unterhalb des Hauses noch atemberaubender sein muss - egal ob tagsüber, beim Sonnenauf- oder Untergang oder in der Nacht, welche die Stadt in tausende Lichter der Häuser getaucht ist.

Doch jetzt ist das Haus dennoch eher weniger einladend, denn weder der Duft von frischen Kuchen und frisch aufgebrühten Tee, für welche Branda bekannt ist, noch sonst irgendein Leben ist im Inneren des Anwesens zu bemerken und zu entdecken.
Zumal die meisten Fenster durch doppeltürige Fensterläden geschützt und verschlossen sind, der Kamin beziehungsweise der Schornstein kein Rauch erkennen lässt, und insgesamt alles so wirkt als wäre niemand zu Hause[2].

Levin Jasper Constantin von Mendenhall, welcher das alte Ehepaar vom Sehen her zumindest schon einmal kannte, weiß zwar nicht viel bezüglich des Bürgermeisters (außer das dieser ein alter Kriegsveteran und ein Mitglied des Hochadels ist und sich sehr selten dem Volk zeigt, um wohl so viel wie möglich über sich geheim zu halten), aber er weiß, dass die Crandels gerne Rätsel und Prüfungen ihren Untergebenen stellten.
Vielleicht ist dies eine von diesen?

Immerhin bemerken sowohl der Adelige als auch Zirul und das Geschwisterpaar, dass sie nicht nur die Begegnung mit den Reitern des Bürgermeisters gemeinsam haben, sondern nun alle gleichzeitig wie bestellt und nicht abgeholt vor dem verlassenen Anwesen sich die Beine in den Bauch stehen und sich umschauen, denn selbst wenn jemand mehrfach gegen die verschlossene Tür laut klopfen würde, würde sich niemand zeigen oder die Tür gar für die Abenteurer öffnen.
 1. @Liliana: Motiv erkennen bitte!
 2. Macht bitte Wahrnehmungswürfe!
Der Hesse ist erwacht!

Zirul

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« Antwort #13 am: 28.04.2014, 20:37:07 »
Zirul schaut sich auf dem Weg immer gründlich um, wenn er nicht gerade irgendeinen merkwürdigen Aussetzer hat. Taschendiebe wären allerdings seine geringste Sorge. Er hat sich in seinem bisherigen Leben viele geheimnisvolle Feinde gemacht. Feinde von denen gewöhnliche Leute meist nicht so ohne weiteres wissen. Zumindest Zirul ist von der ganzen Sache überzeugt.
Der Halbelf kommt sich oft so vor, als ob er verflucht sei, aber gleichzeitig von den Göttern ignoriert wird. Seine offenkundige Macht spricht nicht dafür, dass ihn irgendjemand tatsächlich erhört hat. Der Dunkelgekleidete weiß es besser. Er kannte seinen bisherigen Lebenslauf genau. Manchmal sieht er sich selbst eher als eine Art 'Hexenmeister', der mit etwas exotischerer Magie herumspielt. Seine innere Einstellung war schon längst mehr als merkwürdig geworden, selbst für Seinesgleichen.

Es grenzt ansonsten schon an ein kleines Wunder, dass Zirul tatsächlich den Weg zu den Crandels gefunden hat. Keine seltsamen Visionen mehr und auch die Wegbeschreibung gegenüber einem Halbelfen war nicht einmal falsch. Man hatte ihn nicht in die Irre geführt. Zumindest denkt sich Zirul momentan das. Das Haus sieht allerdings nicht so, als ob Gäste empfangen werden würden. Bevor er sich näher mit den drei Personen beschäftigt, tut Zirul das naheliegendste und klopft erst einmal tatsächlich an der Türe an. Nichts tut sich allerdings. Zeit sich bei den drei Personen endlich vorzustellen und sich ihnen zuzuwenden:

"Werte Herrschaften, werte Dame, seid gegrüßt! Ich heiße Zirul. Ich bin hier, um die Crandels zu treffen. Es wäre höchstmerkwürdig, wenn sie nicht daheim wären. Ich habe mit anderem gerechnet. Mit wem habe ich denn das Vergnügen? Ich denke, dass wir nicht alle zufällig hierher gekommen sind zu dem Anwesen."
« Letzte Änderung: 28.04.2014, 20:39:44 von Zirul »

Liliana Beleza

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« Antwort #14 am: 28.04.2014, 22:35:51 »
"Spitzohr! Du solltest ein wenig mehr auf die Umgebung achten in der du dich befindest." scheltet sich Liliana selbst, sie bereut sofort, was sie gesagt hat als sie die missmutigen Blicke der Passanten sieht, natürlich kann sie darauf nur zurückhaltend reagieren.

Sie schenkt der Frau und den Kinder ein letztes strahlendes Lächeln: "Ich wünsche euch und euren Kindern ein wundervolles Leben".
Mit diesen Worten wendet sich Liliana ab, nimmt die Zügel ihres unruhigen Pony's in die Hand und wandert so mit   mit ihrer vertrauten Gleve durch die Straßen von Cassomir. Liliana fragte mehrere Passanten nach dem Anwesen der Crandels und konnte letztendlich einen lebhaften Jungen überzeugen ihr das Haus zu zeigen, im Tausch gegen eine Kupfermünze. Die Halb-Elfe konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und willigte mit einem Nicken zu. Einige Minuten später darf nun auch Liliana das wunderschöne Haus der Crandels bewundern. Alleine für diesen Anblick hatte sich die Reise schon gelohnt.

Mit einer leisen Melodie auf den Lippen betritt Liliana nun den Garten und muss beinahe auflachen, als sie unter den für sie fremden Personen im Garten den unbekannten Wohltäter von vor einigen Minuten erkennt. "Das kann kein Zufall sein... als hätte die Tänzerin persönlich meine Schritte gelenkt."
Liliana macht sich mit einem leisen Räuspern bemerkbar, verneigt sich höflich und begrüßt die anwesenden Personen:
"Ich grüße euch, mein Name ist Liliana Beleza aus Oppara. Gehe ich Richtig in der Vermutung, dass auch ihr dem Ruf der Crandels gefolgt seid?"
Mit einem warmen Lächeln auf den Lippen blickt die Kriegerin jeden der Anwesenden an und mustert diese kurz mit neugierigem Blick den sie nicht versuchte zu verbergen. Dabei bleibt ihr Blick länger auf Jasper hängen als auf den anderen:
"Mhhh... ob er dem Adel angehört oder ist er ein hochrangiger Offizier des Militärs?  Fein genug angezogen dafür ist er ja und seine Körperhaltung erscheint mir auch als wäre er gewohnt Befehle zu erteilen"

Zuletzt fällt ihr Blick auf Zirul:
"Das war wirklich ein unglaublich edler Akt von euch werter Herr. Darf ich erfahren wie euer Name ist? Natürlich interessieren mich auch die Namen von euch..." damit wendet sich Liliana wieder an alle Anwesenden, "...doch ich durfte eine wirklich gütige und selbstlose Barmherzigkeit erleben die mich wirklich sehr beeindruckt hat."
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