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Autor Thema: 1. Kapitel - Albträume  (Gelesen 11413 mal)

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Lord Aldebaran

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1. Kapitel - Albträume
« am: 25.04.2014, 15:58:26 »
„Es gibt eine Theorie, die besagt,
wenn jemals irgendwer genau herausfindet,
wozu das Universum da ist und warum es da ist,
dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch
noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.
- Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon
acht Mal passiert ist.”

--- frei nach Douglas Adams
« Letzte Änderung: 27.04.2014, 09:51:52 von Lord Aldebaran »

Lord Aldebaran

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1. Kapitel - Albträume
« Antwort #1 am: 07.05.2014, 09:33:24 »
Mustafa Soran warf der Maschinenintelligenz am hinteren Ende seines Schreibtisches – die ihm schon einige Stunden an Kopfzerbrechen beschert hatte – grüblerische Blicke zu, während er unkonzentriert die letzten Zeilen seines monatlichen Berichts nach Qi verfasste.
Wenige Minuten später hatte er es geschafft. Er steckte vorsichtig die Kappe auf die Feder und legte sie in die Schublade. Seufzend streckte er die Beine aus, machte sich lang und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf.

Sein Blick wanderte über das Papier zu dem flachen Gerät mit der verbogenen Metallplatte und den Berg an bunten Kabeln und kleinen Gerätschaften mit denen er bisher erfolglos versucht hatte, an die Geheimnisse der Intelligenz zu kommen. Er überlegte, was er falsch machte, an was er bisher nicht gedachte hatte.

Gleich nachdem er den Bericht auf den Weg gebracht und seinen Adepten über dessen weitere Zukunft in Kenntnis gesetzt hatte, würde er versuchen, dem ollen Stück alter Technik sein Geheimnis zu entlocken. Ihm kam eine Idee. Er würde versuchen ... – das knisternde Flackern der an der Decke befestigten leuchtenden Röhren riß Mustafa aus seiner Gedankenwelt.

„So!“, motivierte er sich und ließ sich auf seinem Stuhl wieder nach vorne fallen. Es gab etwas zu tun, das keinen Aufschub zuließ. Geübt faltete er den Brief zusammen und rief Swil Graska, seinen Assistenten und Adept der Bruderschaft. Fast augenblicklich betrat ein hagerer, etwas kränklich aussehender junger Mann das Labor. Mustafa hatte schon viele Adepten beherbergt, doch dieser hier war ausnahmsweise ein vielversprechender Kandidat. Zu schade, dass er ihn schon jetzt auf Wanderschaft schicken musste. Er hätte seine Hilfe gern noch länger in Anspruch genommen.

„Schick bitte den Brief nach Qi. Das wird einer deiner letzten Dienste für mich sein“, fing Mustafa an. An dem Grinsen in Swils Gesicht konnte man ablesen, dass der Adept wusste, was nun folgte und er sich offensichtlich darauf freute.

„Anschliessend kannst du damit beginnen deine Sachen zu packen. Wie du weisst, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem du zu deinem nächsten Lehrer aufbrechen musst. Du wirst schon morgen früh aufbrechen, sonst verpasst du womöglich den Schwimmenden Markt, der gerade hier vor der Küste weilt. Hör jetzt gut zu, ich werde das nicht wiederholen“, fuhr Mustafa fort.

„Wenn meine Berechnungen und Annahmen stimmen, wird dich der Markt in die Region Seshar bringen, genauer nach Nebalich. Von dort wirst du entweder durch die Kanäle oder über Land nach Veriton reisen. Veriton liegt etwa 300 Kilometer weiter westlich im Landesinneren. Du wirst Veriton daran erkennen, dass es eine Stadt ist, die auf dem Körper eines riesigen Automatons erbaut wurde. Du gelangst über die linke Hand in die Unterstadt und von dort in die Oberstadt. Aber das wirst du selbst sehen.“

„Wenn du Glück hast, triffst du unterwegs auf ein paar Seshar Waldläufer, die dir den Weg zeigen werden.“

Mustafas Ton wurde ermahnend. „Mach auf jeden Fall nicht den Fehler bis nach Ingwald zu reisen. Dort regiert übles Gesindel und Reisende sind dort nicht gern gesehen und werden später meist mit einem Dolch im Rücken aufgefunden... oder mit einer Axt im Schädel... oder einem Speer im Bauch... ich glaube du verstehst.“

„In Veriton wirst du ein paar Tage bei den Findern bleiben, einer Gruppe ehemaliger Aeon Priester, die sich inzwischen aber hauptsächlich mit Besitzansprüchen in der Gegend beschäftigen, auch wenn sie ab und zu noch Numenera aus dem Inneren des Riesen untersuchen.“

Bei der Erwähnung von neuen Numenera leuchteten die Augen Swils merklich auf.

„Die Finder wissen, dass du kommst und werden dich freundlich aufnehmen. Dir wird es dort gefallen, aber du wirst dort nicht lange bleiben.“

Swil schaute überrascht und setzte an. „Wieso...“

Mustafa schenkte der Unterbrechung keine Beachtung. „Sie werden mit dir ein paar Erkenntnisse teilen und dich dann zum Ziel deiner Reise, nach Everen, einem kleineren Dorf in der Nähe von Veriton, zu deinem neuen Lehrer bringen. Dieser heisst Yrk und behauptet von sich selbst - was im Allgemeinen auch geglaubt wird – dass er nicht von dieser Welt stammt und vor seinesgleichen geflüchtet ist. Seine ungewöhnlich blaue Hautfarbe, sowie sein immenses Wissen über Artefakte und Numenera, machen seine Geschichte glaubwürdig. Aber lass dich nicht täuschen. Er ist so sehr Mensch wie du und ich. Aber das wissen nur wenige und du solltest sein Spiel einfach mitspielen. Du wirst von ihm viel lernen können und Yrk wird – aufgrund seiner kleinen Mär – von den meisten Menschen gemieden. Das heisst, ihr werdet ungestört arbeiten können.“

„Wenn du deine Sachen fertig gepackt hast, kannst du mir noch mit der Maschinenintelligenz helfen. Heute Abend gibt es dein Lieblingsessen, Krebseintopf. Und nun ab.“

Swil, der aufgeregt und ungeduldig von einem auf das andere Bein trat, grinste und nahm den Brief entgegen. "Mache ich. Und Danke! Für Alles!" Eilig lief Swil die Treppen nach oben und wäre fast über seine langen Beine gestolpert.

„Ich werde ihn vermissen“, gestand sich der alte Aeon Priester ein.


Und tatsächlich gelang es den beiden, der alten Maschinenintelligenz ihr Geheimnis zu entlocken.

Nach dem Frühstück brach Swil Graska auf.


Lord Aldebaran

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1. Kapitel - Albträume
« Antwort #2 am: 16.05.2014, 00:04:47 »

Das Boot glitt geräuschlos über das Wasser während die letzten Sonnenstrahlen die steil aufragenden Wände der Schlucht rot färbten.
Trotz Windstille waren die Segel leicht gewölbt und das Wasser kräuselte sich am Ruderblatt im Heck und hinter den an Backbord und Steuerbord weit ausladenden Auslegern. Nicht mehr lange und Hakon würde zusammen mit Wurbel und R'Laarg die Segel für die Nacht einholen. Bjarni entzündete bereits die Positionslichter und kümmerte sich um die Beleuchtung Mittschiffs. Reyena und Oberyn bereiteten das Abendessen vor. Wie immer neugierig beäugt vom Thuman Reyenas, der sich in der Nähe des Steuerrades abgelegt hatte.

Lächelnd tätschelte Deymish – Kapitän des Schiffes – dem Thuman, der auf den Namen Moko hörte, den Kopf. Zunächst war Deymish äußerst skeptisch gewesen, ein Tier mit an Bord zu nehmen. Doch aus der Not und einer guten Laune heraus hatte er schließlich eingewilligt.

Deymish hatte Freude daran zuzusehen, wie gut sich die Landratten nach wenigen Tagen in seine eigene Crew einfügten und als gemeinsames Team agierten. Kaum zu glauben, dass sie erst vor drei Tagen von Veriton aufgebrochen waren und die Neuen keinerlei Vorwissen über Seefahrt mitbrachten.

Deymish strich durch seinen Bart und korrigierte den Kurs. Die Reise verlief bisher ohne Zwischenfälle. Das freute ihn! Aber das könnte sich noch ändern. Bisher waren sie auch nur an Quintas vorbeigekommen. Einer Stadt, die sich an die mit Moos bewachsenen Überreste eines Torus förmigen Objektes anschmiegte. Interessiert hatte ihn Wurbel über den Torus ausgefragt, doch leider konnte Deymish ihm nichts darüber erzählen. Er fand Quintas langweilig. Fischer und Moosesser. Langweilige Leute und nie irgendwelche Aufträge. Langweilig – Ja. Aber immerhin nicht gefährlich wie die Passage bei Tirrum. Er wusste schon warum er seine Crew aufgestockt hatte.


Vor wenigen Stunden waren sie in die Kanäle eingefahren. Der Anblick der steilen Wände mit ihren geraden Flußstücken, die den natürlich mäandernden Fluß so plötzlich ablösten war immer wieder Atem beraubend. Und als die ersten zunächst undeutlich zu erkennenden Gesichter auftauchten, die vor Ewigkeiten in die hohen Flanken gehauen worden waren, gab es eine Zeit lang kein anderes Thema mehr, als dieses, wer wohl solche riesigen, fremdartigen Gesichter in den Fels geschlagen habe. Und zu welchen Zweck. Und wie überhaupt. Und warum.

Als sich die Felswände vom Rot der Abendsonne schließlich doch über Blautöne zum Schwarz der Nacht verfärbten, rief Deymish endlich die erwarteten Befehle zum Segel einholen. Kurze Zeit später saß man in geselliger Runde auf dem beleuchten Deck zusammen.

Deymish nahm einen kräftigen Schluck Wein, strich mit beiden Händen durch seinen blonden Bart, und schaute mit seinen blonden Augen in die Runde.

„Nachdem wir nun schon einige Tage zusammen segeln und ich euch die letzten Abende mit Geschichten aus Guran unterhalten habe, finde ich, dass es langsam an der Zeit ist, dass ihr uns etwas über euch erzählt. Von euch sieht mir einzig R'Laarg so aus, als ob er sich gerne mal als Wache oder als helfende Hand anheuern ließe. Ihr anderen macht nicht gerade den Eindruck, dass ihr euch für nur drei Shins pro Tag gern Schwielen an den Händen holt. Mir kann es ja eigentlich egal sein. Ihr macht Eure Arbeit gut und gefährlich sehr ihr auch nicht gerade aus. Neugierig bin ich aber schon.“

Der breitschultrige Kapitän lachte laut, aber nicht unfreundlich und fuhr fort.

„Also, was treibt euch an? Ist es die Lust am Abenteuer? Oder wolltet ihr einfach nur mal Redstone sehen?“


Oberyn

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1. Kapitel - Albträume
« Antwort #3 am: 17.05.2014, 08:20:36 »
Oberyn war die fröhliche Art des Kapitäns und sein kumpelhaftes Getue zuwider.
Er hatte es als die schnellste und sicherste Art angesehen nach Redstone zu gelangen, in das Gitter aus Kanälen in das ihn die Spur des Schwestermörders geführt hatte.
Die anderen waren der selben Meinung gewesen, nur Reyenas hatte zuerst Bedenken angemeldet wegen ihres vermaledeiten Thuman Moko.
Das Tier war eine Zumutung für Nase und Gemüt und sowohl Oberyn wie auch Moko wussten dass sie sich nur gegenseitig duldeten weil es die SItuation verlangte.

So waren sie alle von Veriton mit dem Schiff gestartet.
Oberyns längliches Gesicht wirkte bald noch etwas länglicher als das unaufhörliche Schaukeln seinen Tribut forderte.
Doch schon als sie Quintas passierten füllte sich der Prinz besser. Als sie schließlich vor einem Tag in die Kanäle einfuhren leuchteten die vipernartigen schwarzen Augen unter den dünnen Augenbrauen vor Erwartung. Es waren diese Augen welche ihm den Spitznamen die Viper eingebracht hatten - einer seiner Vorfahren wurde in einem seltsamen Sturm verändert, erzählte man sich, und seither waren die Schlangenaugen ein hin und wieder auftauchendes Zeichen seiner Familie. Ob die scharf geschnittene Nase und die silbergrauen Strähnen in dem ansonsten schwarzen Haar ebenfalls etwas damit zu tun hatte wusste Oberyn nicht, aber es war eine Äusserlichkeit die er sich mit seiner Schwester geteilt hatte - seiner süßen Schwester die viel zu früh gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde.
Doch er war seiner Vergeltung ein gutes Stück näher gekommen, er konnte es geradezu körperlich spüren.
Dann würde er seine Rache üben und sie würde endlich in Frieden ruhen können und er würde vielleicht auch endlich wieder Frieden Finden, vielleicht sogar mit seinem Vater - wer wusste schon was die Zukunft bereit hielt.

Oberyn stützte sich auf seinen Speer als er aufstand. Die Waffe seines Hauses deren rechtmäßiger Erbe er war und den er mitgenommen hatte egal was sein Vater zu sagen hatte.
Nur diese Waffe würde angemessen sein die Tat zu vergelten die so viel Trauer über seine Familie gebracht hatte. Der schlanke flexible Schaft lag in seiner Hand als wenn die Waffe zu seinem Körper gehörte, so viel hatte er damit trainiert, hatte die glänzende Spitze, welche das Licht immer zu seiner Quelle zurück warf, in Übungspupen und Schilde gerammt, wie eine Viper die den richtigen Augenblick abwartete um dann schneller als das Auge es wahrnehmen konnte zuzustoßen.

Er hob auch das polierte Rundschild auf welches die Insignien seines Hauses trugen, eine rote Sonne durch die ein Speer ragte.

"Familienangelegenheiten", war alles was er Deymish zur Antwort gab. Mehr hatte den Kapitän von niedriger Geburt nicht zu interessieren, eigentlich nicht einmal dass.
Er hatte ausreichend Shins erhalten.

Müde strich sich Oberyn mit der Hand über das Gesicht - es würde der Tag kommen an dem er wieder besserer Laune sein würde. Das würde der Tag sein an dem die Spitze seines Speers feucht vom Blut sein würde.

R Laarg

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1. Kapitel - Albträume
« Antwort #4 am: 19.05.2014, 22:28:14 »
"Warum? Bin Ich hier?"

Fragte sich R'Laarg, als er sich mit seiner braun gebrannten Hand durch sein vom Wind verstrubbeltes
lila farbenes Haar fuhr, welches einen guten Kontrast zu seiner feurigen Aura darstellte.
Er griff zu seinem grau karierten Schal und wickelte ihn fester um seinen Hals.
Seine Kettenweste, die in der Abendsonne in den Farben des Regenbogen schillerte lässt viel von seinem
muskulösen braun gebrannten Körper durchscheinen. Seine Beine bedeckten einfache schwarze Beinkleider,
die knapp über den Knien endeten. Die ebenfalls muskulösen Füße steckten in einfachen schwarzen Sandalen,
welche aus einem nicht natürlichen Material gefertigt waren. Auf seinem Rücken in einer schlichten, aber
praktischen Scheide steckte ein grausam aussehendes Entermesser, von seinem Gürtel blitzte ein Dolch und
hing ein Scheibenwerfer.

Mit der Agilität eines Faust-Kämpfers strich er über eine kreisrunde Scheibe, die aus einem steinernen
Material zu sein schien, manchmal schien man auf der sonst glatten Oberfläche das Gesicht eines weiß-
haarigen Mannes zu sehen, welcher tonlos Worte vor sich hin murmelte.
Bevor er sich an der Seite von Wurbel niederlies, dem er ein Teller voll mit Abendessen reichte, sprüht er
den Platz auf dem er sich niederlassen wollte, mit einem Sprühstoß aus einer kleinen schwarzen Dose an. Im Laufe der Jahre war dies zu einer unbewussten Handlung geworden - seit er als junger Lehrling seines Meisters T'Thartimon unerwartet dem "Eisenwind" ausgesetzt war - damit seine Umgebung von seinem Feuer nicht verbrannt wird.
Sein erster Auftrag als Geselle war es Wurbel zu begleiten, so kam es, dass er seit dessen "Unfall" als Begleiter und Beschützer zur Seite steht.

"Ich bin hier, weil mein weiser Meister es so vorausgesehen hat!"
« Letzte Änderung: 20.05.2014, 22:28:15 von R Laarg »

Wurbel

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1. Kapitel - Albträume
« Antwort #5 am: 20.05.2014, 13:21:18 »
Wurbel lächelte seinem etwas einfach gestrickten aber sehr treuen Gefährten zu und nahm den Teller mit einem dankenden Nicken entgegen. Selber nur von sehr schmächtiger Natur und eher schüchtern, war er sehr froh um die Begleitung des selbstbewussten Kämpfers, der ihn schon allein durch sein Auftreten so manche Handgreiflichkeit erspart hatte.

"Irgendwann möchte ich einmal wissen, woher dein Meister ahnen konnte was mir zustößt." meinte er schmunzelnd und schüttelte seinen unbändigen Lockenkopf. Der kühle Fallwind, der von den Felswänden herüber wehte, ließ ihn frösteln und er zog seinen Kilt ein bisschen weiter über die Knie. In den Taschen seiner asymmetrisch geschnittenen Jacke, die aus einem wasserabweisenden, unbekannten Stoff bestand, kramte er nach dem kleinen Salzstein, den er auf dem Markt von Guran erstanden hatte. Dabei wandte er sich dem Kapitän zu.

"Wie Ihr unschwer erkennen könnt bin ich seit nunmehr einigen Jahren... nun ja... nicht mehr ganz da." Er deutete mit der Hand seinen Körper an, der ständig mal mehr, mal weniger transparent erschien. Gelegentlich verschwand er auch für Sekundenbruchteile ganz, oder man erhaschte ein kurzes Flackern fremdartiger Kleidung, anderer Hautfarbe oder einer anderen Frisur. Wurbel war es gewohnt, dass die Leute ihn entweder unverhohlen anstarrten oder schnell wieder weg schauten, weil es sie schwindelig machte. Der Kapitän hielt seinem Anblick stand und sah ihn lediglich interessiert an, woraus Wurbel schloss, dass dieser auf seinen Fahrten wohl schon so einiges mehr an selsamen Gestalten gesehen haben musste.

Indes seufzte Wurbel und zuckte mit dem Schultern. "Seitdem versuche ich herauszufinden, was mit mir passiert ist und warum ich anscheinend Visionen aus vergangenen Zeiten habe. Ich bin sicher es hat etwas mit den Numenera zu tun; ich kann es spüren. Ein Aeonpriester in Guran berichtete von dem riesigen Wissenschatz über die Numenera, auf den die Eingeweihten seines Ordens angeblich zurück greifen können. Ihr wisst nicht zufällig etwas darüber? Jedenfalls ist es jetzt mein Ziel, selber Aeonpriester zu werden. Aber das scheint nicht so einfach zu sein, und wir wollen in Redstone eigentlich nur eine Passage nach Nebalich suchen, wo ich hoffe mehr Informationen darüber zu finden."

Dann verstummte er und stopfte gedankenverloren sein Essen in sich hinein.
« Letzte Änderung: 20.05.2014, 13:22:15 von Wurbel »

Reyena

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« Antwort #6 am: 23.05.2014, 19:32:26 »
Moko knurrte leise und Reyena warf ihm einen beruhigenden Blick zu. Auch sie war nicht sicher, was sie von Oberyn halten sollte. Bis jetzt hatten die Instinkte ihres Thumans sie noch nie fehlgeleitet. Besser, sie wäre besonders wachsam.

Sie erinnerte sich noch als ob es gestern gewesen wäre, wie sie das kleine, damals noch völlig hilflose, Wesen zum ersten Mal gesehen hatte. Ein kleiner Botengang hatte ihr Leben verändert. Ihr Vater hatte sie gebeten Morius, dem Züchter im Dorf, eine Nachricht zu überbringen. Schon von weitem war das nervöse Fiepen junger Thumans zu hören gewesen. Dem Geräusch nach zu urteilen waren sie erst wenige Tage alt und etwas schien sie sehr aufgebracht zu haben. Als Reyena eintrat hatte sich ihr ein schrecklicher Anblick geboten. Die einst so gemütliche Hütte, von Morius penibel sauber gehalten, hatte einem Schlachtfeld geglichen.

Schnell versuchte sie die Erinnerung an die vielen verletzten Tiere und das Blut zu verdrängen. Blut – überall nichts als Blut... Immer noch liefen ihr eiskalte Schauer über den Rücken, wenn dieser Nachmittag vor ihrem inneren Auge auftauchte.
Sie hatte dem sterbenden Morius zwei Versprechen gegeben. Eines war die drei Welpen in ihre Obhut zu nehmen und gut für sie zu sorgen. Doch nur einer war stark genug gewesen um ohne seine Mutter zu überleben – Moko, der seit dieser Zeit nie mehr von Reyenas Seite gewichen war.

Das andere war, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. „Margr“ hatte er ihr in seinem letzten Atemzug zugehaucht „Redstone– dort wirst du Antworten finden“
 „Ich muss ein Versprechen einlösen“ murmelte Reyena in Richtung des Käpitäns.
« Letzte Änderung: 23.05.2014, 19:33:16 von Reyena »

Lord Aldebaran

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« Antwort #7 am: 26.05.2014, 22:26:14 »
„Ich sehe schon. Sehr gesprächig seid ihr nicht gerade. Vielleicht gebt ihr euch auch nur geheimnisvoll. Mir soll es gleich sein!“, lachte der alte Seebär.

„Dann werde ich euch wieder unterhalten! Aber euch“, Deymish wandte sich an Wurbel, „und eurem Begleiter wünsche ich viel Glück auf eurer Reise! Wenn ihr die richtigen Aeon Priester findet, werdet ihr bestimmt Antworten auf eure Fragen erhalten. Nebalich dürfte dafür  mit Sicherheit der geeignetere Ort sein, jemanden zu finden der sich mit den Numenera auskennt. Guran ist gegen Nebalich nur ein mickriger Fliegenschiss.“

„Vielleicht kann ich euch auch die Passage nach Nebalich anbieten, wenn sich für mich in Redstone nichts Lukratives ergeben sollte. Naja, wie dem auch sei. Falls ihr irgendwann in Nebalich seid, erinnert euch an meine Worte: Macht keine Witze über König Falton oder Königin Sheranoa. Sie sind klein, dick und nicht sonderlich attraktiv. Nicht selten ziert das Konterfei einer der beiden ein Wappen oder Banner. Aber wer darüber spottet ist bei den Nebalichern schnell unten durch und landet schonmal im Hafenbecken. So beleibt – pardon – beliebt sind die beiden“, lachte Deymish über sein abschließendes Wortspiel und schlug sich kräftig auf die Schenkel.

Deymish schien irgendwie aufgedrehter zu sein als sonst.

Am nächsten Tag begannen die Handabdrücke und Zeichnungen von Händen an den Wänden der Schlucht. Erst vereinzelt, dann immer zahlreicher waren zierten sie den rötlichen Stein und Deymish blickte gleichermaßen immer unruhiger drein. Seine Augenbrauen hatten sich grimmig über seinen Augen zusammengezogen. Mürrisch knurrte er vor sich hin und starrte auf das Wasser.

Von Hakon und Bjarni hatte die neue Crew erfahren, dass Deymish vor einigen Jahren in dieser Gegend sein Schiff und seine damalige Crew verloren hatte. Bei Tirrum – und das hier in der Nähe – seien sie angeblich von Kanibalen überfallen worden, erzählte Hakon. Diese Kanibalen seien bekannt dafür, alles, bis auf die Hände ihrer Opfer, zu verspeisen.

Doch das mulmige, beklemmende Gefühl, das sich wie ein Oberton auf das leise Plätschern des durch das Wasser gleitende Schiff legte, verschwand so schnell wie es gekommen war, als die Handabdrücke an den Wänden weniger wurden. Deymishs Laune besserte sich zusehends und alsbald pfiff er ein kleines Liedchen vor sich hin. Man verbrachte zwei weitere gemeinsam Abende, bis man schließlich am nächsten Tag gegen Mittag Redstone erreichte.

Redstone wurde wie eine Rampe in den Fels der Schlucht gehauen und auf Wasserhöhe befanden sich einige Stege zum andocken von Booten und Schiffen. Doch bis auf einen lustlosen Dorfbewohner und ein kleines in die Jahre gekommenes Ruderboot war der Kai ziemlich leer. Hakon warf die Taue dem Redstoner zu, der mit diesen das Schiff am Steg vertäute, während Bjarni mit R'Laargs Hilfe und einer Seilwinde drei Kisten aus dem Laderaum an Deck hiefte.

„Wenn ihr diese Kisten erfolgreich beim Turm der Aeon Priester dort oben abgeliefert habt, zahle ich euch die versprochenen Shins aus“, wandte sich Deymish zu Oberyn, Wurbel, Reyenna und R´Laarg und zeigte mit dem Finger auf Redstone.

„Wir werden hier auf euch warten.“

Und tatsächlich konnte man am obersten Ende des ansteigenden Keils ein größeres rundes Gebäude ausmachen. Auf den Straßen war sehr wenig Betrieb, was vermutlich der stehenden trockenen Hitze geschuldet war. Müden Schrittes schleppten sich manche Einwohner in ihre roten Steinhäuser.

Oberyn

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« Antwort #8 am: 27.05.2014, 13:30:21 »
So weit war es also schon gekommen, er durfte den Kofferträger geben. Kurz empfand Oberyn ein Gefühl der Reue dass er sich mit seinem Vater überworfen hatte. Allerdings besann er sich schnell wieder.
"Ein gutes Training nach dem langen Rumsitzen im Schiff", dachte Oberin sich, nahm die erste Kiste auf die Schulter und begann den mühsamen Aufstieg.

Wurbel

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« Antwort #9 am: 28.05.2014, 08:44:00 »
"Kisten für die Aeon-Priesterschaft? Jetzt überrascht er mich aber doch, dieser redselige Kapitän." dachte Wurbel und warf einen nachdenklichen Blick zurück zum Schiff. Dann wandte er sich einer Kiste zu, betrachtete sie genau und ließ dabei seinen Gedanken freien Lauf. Er hatte im letzten Jahr heraus gefunden, dass dabei manchmal eine Erinnerung oder Vision aus der Vergangenheit auftauchte, die etwas mit den Numenera zu tun hatte. Vor allem dann, wenn aktive Numenera zugegen waren.

Aber dieses Mal wurde seine Neugier enttäuscht, denn er erinnerte nichts. Er versuchte die Kiste hochzuheben, aber sie war schwerer als er gedacht hatte. Ächzend stellte er sie wieder auf den Boden.

"R'Laarg, wenn du so freundlich wärst?" sagte er mit einem schiefen Grinsen zu seinem Begleiter.


R Laarg

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« Antwort #10 am: 28.05.2014, 21:53:09 »
R'Laarg fuhr zusammen. Er nickte Wurbel zu und packte die 2. Kiste. Vorsichtig, um nichts zu zerstören oder durch Zufall ein Numenara zu aktivieren, hob er sie vom Boden und folgte dem Beispiel von Oberyn.

"Folgst Du mir Wurbel, ich lasse Dich ungern alleine!" Seit Wurbels Unfall, überkam R'Laarg ein ungutes Gefühl, wenn er nicht in der Nähe von Wurbel war.

Als beide außer Hörweite waren flüsterte er Wurbel zu:"Kannst Du nicht mal Deinen Kopf in die Kiste stecken?"

Reyena

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« Antwort #11 am: 29.05.2014, 16:50:07 »
Reyena waren die abschätzigen Blicke der Männer nicht entgangen. Sie trauten ihr nicht zu die schweren Kisten zu heben.
Sollten sie doch denken was sie wollen. Bald würde sie sich von ihnen trennen und sich auf ihre Suche begeben.
Wenn sie nicht auf das Geld angewiesen wäre, würde sie sich schon jetzt aus dem Staub machen.
"Nur noch ein paar Stunden" sagte sie zu sich selbst und schulterte eine der Kisten.
« Letzte Änderung: 29.05.2014, 22:31:26 von Reyena »

Lord Aldebaran

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« Antwort #12 am: 30.05.2014, 20:35:22 »
Und so setzte sich die Gruppe in Bewegung und betrat über die von Hakon inzwischen ausgelegte Planke Redstone. Während Wurbel sich interessiert umschauen konnte, hatten seine Begleiter mit dem Gewicht der Kisten zu kämpfen. Die unhandlichen nicht so schweren Kisten schienen bergauf mit jedem Meter an Gewicht zuzulegen. Die stechende Sonne tat ihr übriges und zauberte kleine Schweißperlen auf die Gesichter, die sich bei der Ankunft am Turm zu kleinen Schweißbächen entwickelt hatten.

Anders als die anderen Häuser in Redstone war der Turm der Aeon Priester nicht eckig, sondern rund mit einem konischen Dach. Im Abstand von etwa 15 Metern umfaßte eine 3 Meter hohe Steinmauer das Areal des Turmes. Der einzige Zugang zum Turm bot sich durch ein Eisentor in der Mauer. Doch dieses war geschlossen.

Vor dem Tor stand eine große junge Frau mit kaffeebrauner Haut Wache und stützte sich dabei schwer auf einen langen Speer. Trotz der Hitze trug sie eine Brigantine. Unter dem Helm starrten schwarze müde Augen die Ankömmlinge an.

Wurbel

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« Antwort #13 am: 30.05.2014, 22:20:01 »
Während die anderen verschnauften, sprach Wurbel schon einmal die Wache an. Von Natur aus war er schon immer ein freundlicher und umgänglicher Mensch gewesen, und es frustrierte ihn zutiefst, dass viele Fremde seiner jetzigen Erscheinung mit Misstrauen und Ablehnung begegneten. Er ließ sich davon jedoch nicht abbringen und versuchte immer wieder, sich von Gegenteil zu überzeugen.

"Hallo, einen wunderschönen Tag wünsche ich Euch - auch wenn er vielleicht ein wenig heiß ist... Wir bringen einige Kisten von Deymish dem Kapitän, für die Priesterschaft. Würdet Ihr uns bitte herein lassen oder sie verständigen?" sagte er liebenswürdig.
« Letzte Änderung: 31.05.2014, 21:43:20 von Wurbel »

Oberyn

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« Antwort #14 am: 01.06.2014, 10:42:04 »
Doch die Wächterin hatte nur ein „Die Priester sind beschäftigt. Kommt morgen wieder.“ für die Träger übrig.

"Können wir zumindest die Kisten im Turm verstauen? Es war sehr anstrengend sie hier hoch zu schleppen", merkte Oberyn an dem der Schweiß von der Stirn ran.
« Letzte Änderung: 01.06.2014, 10:45:57 von Lord Aldebaran »

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