Autor Thema: Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler  (Gelesen 6762 mal)

Beschreibung: Quereinstieg für Miguel Garcia Montes

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Eclipse

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« am: 06.06.2014, 11:38:00 »
11. Xocotli - 5200 tunob seit Beginn mazticischer Zeitrechnung

Die Stadt Tukan - Im Palast des verehrten Sprechers




Fassungslos musste Miguel das Massaker auf dem Marktplatz von Tukan mitansehen. Es hatte gar nicht anders kommen können. Drakosa hatte sich erneut als Eroberer gebärdet und nicht einmal den Versuch einer diplomatischen Lösung gewagt. Unter anderem Umständen und mit freundlichen Worten, hätten man die Legion vielleicht sogar als Gäste in Tukan willkommen geheißen. Doch Drakosa hatte aus purem Stolz nicht einmal auf Miguels Dienste als Übersetzer zurückgegriffen.

Der Markplatz von Tukan war nun übersät mit Erschlagenen und Erschossenen, darunter aber nicht ein Legionär, wenngleich es Verletzte gegeben hat. Langsam begannen die Menschen von Tukan damit ihre Toten weg zu schaffen, während einige Legionäre gemeinsam mit Adlergardisten begannen die Stadttore und den Hafen abzuriegeln. Drakosa und sein engster Stab hingegen machten sich auf zum Palast des Regenten, welcher sich den Legionären ausgeliefert hatte.

Aus Mangel an Alternativen folgte Miguel ihnen, vielleicht konnte er so weiteres Blutvergießen verhindern? Zumindest einige der Offiziere waren mit Drakosas Methoden ebenfalls nicht einverstanden, und Miguel verstand sich gut mit ihnen.

Nach einem kurzen Marsch durch die Stadt am Palast angekommen, stockt Miguel erneut der Atem. Es ist ein wahrhaft prächtiges Gebäude, nahe am Ufer des See gelegen an den sich die Stadt Tukan schmiegt. Bunte Farben und wunderschöne Fresken zieren das ganze Gebäude, während grüne Gärten es weithin umgeben. Wie konnte Drakosa die Menschen der wahren Welt bloß als unzivilisierte Wilde bezeichnen, wenn sie doch solch prächtige Städte errichten?

Mit lautem Stampfen ihrer eisenbeschlagenen Stiefel, nähern sich die Legionäre über eine Palmengesäumte Allee dem Palast. Einige Tukane[1] klappern aufgeregt mit ihren Schnäbeln in den Palmwipfeln, die der Stadt namensgebenden Tiere sind hier allerorts zu finden. Doch bei em Lärm flattern einige eilig davon ...

Immer noch wie ein Eroberer marschiert Drakosa in den Palast ein, wobei im Inneren gnädige Kühle alle Anwesenden erfasst. Die Höflinge im Inneren weichen ängstlich vor den fremden Männern zurück. An einer reich gedeckten, steineren Tafel nimmt der Hauptmann sogleich Platz und füllt sich einen goldenen Kelch mit Pulque[2]. "Scheußliches Zeug!" ruft er aus, als er den Kelch geleert hat und wirft ihn achtlos von sich.

Dann fällt sein Blick auf den Regenten, welcher sie zum Palast geführt hat. "Findet eine Kerkerzelle für ihn. Sperrt ihn irgendwo weg, er ist jetzt unsere Geisel." weist er zwei junge Legionäre an, welche den Herrn der Stadt unter dessen Protest sogleich wegzerren und ihn seiner Robe und Schmuck entledigen.

"Miguel!" ruft Drakosa plötzlich aus "Zeit dass du dich mal wieder nützlich machst du Taugenichts." herrscht er diesen an "Horch dich mal hier um." wobei er auf die ängstlichen Höflinge deutet, welche vor dem Mann mit der eisernen Maske zurückweichen "Bring mir alles Gold was du auftreiben kannst. Eine goldene Krone will ich." dröhnend lacht der Hauptmann durch das Eisen welches sein Gesicht verdeckt "Was hälst du davon? Eine goldene Krone für den neuen Herrscher von Tukan." sein Blick bleibt Miguel verborgen, doch der Spott und Hohn in seiner Stimme ist offenkundig.
 1. http://www.tierchenwelt.de/images/stories/fotos/voegel/spechte/tukan/riesen_tukan.jpg
 2. http://www.ianchadwick.com/tequila/images/pulque_pour.jpg

Miguel García Montés

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #1 am: 18.06.2014, 18:34:46 »
Als Capitán Drakosa ihn so plötzlich und unerwartet anspricht, erstarrt nicht nur Miguel: fast alle seiner Kameraden halten inne und wenden sich ihm und dem Hauptmann erwartungsvoll zu. Auf den meisten Gesichtern spiegelt sich hämische Vorfreude—man hofft wohl auf eine erneute Szene zwischen den beiden—doch gibt es zu Miguels Erstaunen auch etliche betretene Blicke, verdrossene gar, und der Verdruss scheint auf den Hauptmann gerichtet, wenn auch nur hinter dessen Rücken. Zwei Männer insbesondere, ein gewisser Álvaro und ein Fellíped, mit denen Miguel sich bisher noch am ehesten verstanden hat, sehen ihn mit einer ganz anderen Art der Erwartung an, als hofften sie tatsächlich, er würde etwas sagen oder unternehmen, das sie sich selbst nicht getrauen.

So, da halten ihn doch nicht alle für einen Feigling, bloß weil er sich nach seiner ersten Mordtat übergeben musste. Aber spaßig sind sie, die Herren: was soll er allein und gar so offen gegen den Hauptmann unternehmen?

Langsam, gefolgt von den Blicken aller, geht er zu dem Kelch hinüber, den der Hauptmann soeben geleert und beiseite geworfen hat, und hebt ihn auf. Damit tritt er zum Hauptmann.

"Da habe ich schon etwas Gold für Euch gefunden, Capitán. Seht, so schnell geht das bei mir! Und so eine Krone, da habt Ihr schon recht, die wäre eine Zierde für Euer Haupt. Ich werde mich bemühen, eine zu finden, falls man hier so etwas kennt. Und wenn nicht, dann finde ich ja vielleicht einen Goldschmied, der Euch eine gießen kann."

Dann tritt er rasch einen Schritt zurück und sucht mit dem Blick nach einem Eingeborenen, der so aussieht, als sei er einer der wichtigeren Diener oder Höflinge. Bald hat er einen entdeckt.[1]

Die verächtliche Antwort des Hauptmanns wartet Miguel noch ab, dann rückt er den schwerbeladenen Rucksack zurecht und nähert sich einer Gruppe gutgekleideter Eingeborener, die in vorsichtigem Abstand zum Hauptmann eng beisammen stehen und dabei halb ängstlich, halb erwartungsvoll dreinschauen.

"Álvaro, Fellíped, ihr kommt mit mir!" ruft Miguel.

Wie Schatten gleiten die beiden an seine Seite, und solchermaßen flankiert spricht Miguel die Höflinge höflich an, natürlich in Nexalan und mit all den dazugehörigen Gesten, die er freilich in Ulatos gelernt hat und von denen er nicht sicher weiß, ob sie auch hier verwendet werden.

"Miguel García Montés, Adjutant des unbesiegten Capitán Drakosa, seinerseits die rechte Hand des Gobernador Cordell, welcher im Namen seines Gottes Helm, des ewig wachsamen Beschützers, Anspruch auf diese Lande erhebt, seid respektvoll gegrüßt. Darf ich erfahren, wen ich die Ehre habe, anzusprechen?"

Diesen Spruch hat Miguel schon so oft aufgesagt, dass er ihm flüssig und fehlerfrei von den Lippen geht. Jetzt wird es schwieriger.

"Der Capitán mich schickt zu eine Auftrag dringende und für zu erfüllen sie, ich brauche Eure Hilfe. Vielleicht zuerst könntet Ihr zeigen zu mir und meine zwei Kameraden eine Schlafkammer für unser Gepäck, dann helfen mich mit meine Auftrag?"
 1. Dieser und der nächste halbe Satz wurden nach Eclipses Antwortpost eingefügt.
« Letzte Änderung: 01.08.2014, 12:24:04 von Miguel García Montés »
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Eclipse

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« Antwort #2 am: 26.06.2014, 01:54:38 »
Der unterschwellige Spott in Miguels Worten scheint Drakosa zu entgehen, tatsächlich scheint er dies als Unterwürfigkeit zu deuten und so nimmt er den Kelch ohne große Worte zurück. "Hör schon auf zu reden du Aufschneider und tu was dir aufgetragen wurde." daraufhin nimmt er Platz an der steinernen Tafel und bedient sich an den dort aufgetischten Köstlichkeiten, während seine wichtigsten Offiziere sich zu ihm gesellen. Drakosa scheint es ganz recht zu sein sich nun seinem neuen Amt als Herrscher zu widmen, während er den ihm verhassten Miguel wie einen Laufburschen umherschickt.

Alvaro und Felliped, zwei junge Unteroffiziere, schließen sich Miguel bei seiner Suche bereitwillig an. Der von ihm auserwählte Höfling zuckt angesichts dreier schwer gerüsteteter und bewaffneter Legionäre sogleich zusammen und senkt furchtvoll den Blick. Miguel kann aber noch sein Erstaunen bemerken, als er diesen auf Nexalan anspricht. Es ist ein noch relativ junger Mann, in eine bunte Tunika gekleidet, der Kopf von einem güldenen Kopfschmuck mit Federn bedeckt.



"Meztli ist mein Name, ein einfacher Pipiltin am Hofe des verehrten Sprechers Tonauac." er blickt weiter starr auf Miguels Füße "Gerne gebe ich euch meine Schlafkammer, Herr. Bitte folgt mir einfach." durch einen länglichen Gang geht es tiefer in den Palast, wobei Miguel staunend auf die farbenprächtigen Wandmalereien blickt welche ihn umgeben und offenbar die früheren Herrscher der Stadt zeigen.[1]

Durch eine einfache, nicht abschließbare Holztür geht es in einen einfach eingerichteten Raum. Betten sucht man vergebens, Decken und Kissen auf dicken Teppichen dienen als Schlafstätten. Einfache Holzkisten erlauben es Hab und Gut unterzubringen, doch bis auf eine Sitzgruppe ist der Raum weitesgehend leer. Einzig ein Tukan sitzt auf einer Holzstange und entschwindet eilig durch ein Fenster als Miguel eintritt. "Ich hoffe dies genügt euren Ansprüchen." sagt der Pipiltin "Wie genau kann ich euch mit eurem Auftrag helfen, Herr?"
 1. http://news.yale.edu/sites/default/files/Mural-thumbnail.jpg?1330974759

Miguel García Montés

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« Antwort #3 am: 26.06.2014, 07:33:58 »
"Also tragen die Herrscher hier keine Kronen", denkt Miguel beim Anblick der Bilder im Gang, "sondern bunte Hüte mit Federn daran. Ob ich dem Hauptmann einen solchen besorgen soll? Und einen farbigen Lendenschurz noch dazu? Wie ihm das wohl stehen würde?"

Mit diesem Gedanken amüsiert er sich, bis sie in Meztlis Zimmer ankommen und dieser ihn zum zweiten Mal mit "Herr" anspricht.

"Nicht mich nennt Herr!" entfährt es Miguel unbedacht. Die furchtsame, unterwürfige Reaktion des Mannes ist für ihn wie ein Schlag ins Gesicht. "Nicht bin Herr. Bin einfacher... pipiltin, wie Ihr." Das soeben erst gelernte Wort spricht er langsam aus, damit seine Lippen und Zunge Zeit haben, die neuen Laute zu kosten und zu ertasten. Es heißt wohl so etwas wie Adliger. Nun, wenn der Hauptmann sich hier schon als König sieht, dann ist Miguel ja wohl ein pipiltin an seinem Hof.

Er lacht freudlos, dann fängt er sich wieder und widmet seine Aufmerksamkeit dem angebotenen Zimmer. Das hat er nicht gewollt, den Mann aus dessen eigener Kammer zu vertreiben, gibt es hier denn keine Gästezimmer? Miguel tritt ans Fenster, um etwaige Fluchtmöglichkeiten zu überprüfen, und entdeckt keinerlei Hindernisse, deren Überwindung er sich nicht zutrauen würde.

"Sehr schön, Meztli", sagt er. "Und eine große Ehre zu dürfen schlafen in die Kammer von Euch selbst. Nun, meine Auftrag, ja, wie das erkläre ich?"

Ach, es hilft ja nichts. So wie die Legion in der Stadt aufgetreten ist—so wie der Capitán sich hier gebärdet—so muss auch Miguel auftreten. Kein Zögern, keine Schwäche zeigen. Selbstsicher, aber höflich. Mehr Spielraum bleibt ihm nicht.

Also stellt er seinen Rucksack neben den Decken auf dem Boden ab und kramt rasch das Pulverhorn und den Munitionsbeutel hervor, die er an seinem Gürtel befestigt, bevor er auch die Armbrust nimmt und sich diese mitsamt Köcher auf den Rücken schnallt. Auf sein Nicken hin tun Álvaro und Fellíped es ihm gleich. Dann atmet Miguel tief durch, zieht die Schultern zurück und das Kinn runter, und wendet sich wieder an den pipiltin.

"Gold", sagt er ohne Vorrede. "Der Capitán will Gold. Wenn bekommt Gold, er wird sein glücklich. Wenn er ist glücklich, besser für Euch, besser für mich, besser für Tonauac, besser für alle. Habt Ihr Gold, Meztli?"[1]

Jedes Wort seiner Rede kostet Miguel Überwindung. Innerlich krümmt er sich vor Scham. Wieviel davon zeigt sich auf seiner Miene? Oh je, jetzt stottert er gar. Und was sollte das gerade sein: Drohung oder Versprechen? Und glaubt er denn selbst daran, dass Gold den Hauptmann "glücklich", also gnädig machen würde? Dass es dem inhaftierten Tonauac helfen kann? Der kommt eh nicht mehr frei, nicht, wenn Drakosa König sein will. Und wenn ihm die Eingeborenen noch so viel Gold anschleppen: er wird nur mehr, immer mehr wollen!

Die Frage am Schluss klingt wie eine Bitte und dabei so verzweifelt, wie Miguel sich fühlt.
 1. Diplomatie = 10, gewürfelte 1!
« Letzte Änderung: 27.06.2014, 09:24:57 von Miguel García Montés »
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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #4 am: 30.06.2014, 19:43:08 »
Auch wenn seine Worte in dem Bemühen gesprochen sind freundlich zu klingen, so erreichen sie es doch nur, dass Meztli sich weiter vor Furcht krümmt, nun da drei Legionäre sich bewaffnet vor ihm aufbauen. Er wirft sich regelrecht vor Miguels Füße. "Herr, ich gebe euch mit Freuden all mein Gold." kurz windet er sich erneut "Verzeiht, nicht Herr. Ehrwürdiger Pipiltin seid ihr. Ich weise euch gern den Weg zur Schatzkammer des verehrten Sprechers, doch dazu muss ich kurz mit dem Schatzmeister sprechen, denn nur er hat die Schlüssel zu diesem Ort."

Miguel merkt kurz wie der Mann zögert, ehe er weiter spricht "Nur eine Bitte hat dieser unwürdige Pipiltin zu euren Füßen. Nehmt nicht das Gold der Götter aus ihren Tempeln, oder großen Unheil könnte uns allen wiederfahren. Hier in Tukan opfern wir den Göttern kein Blut wie es die Menschen von Nexal tun, stattdessen fertigen wir zu ihren Ehren wunderschöne Dinge aus Gold und Jade."[1] dann schweigt er und verharrt zu Miguels Füßen.
 1. Kleines Infoposting zum Thema ...

Miguel García Montés

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« Antwort #5 am: 30.06.2014, 23:46:55 »
Miguel weicht seinerseits entsetzt einen Schritt zurück. "Nein, nicht Euch legt von Knien vor mir! Bin einfacher Mann. Weder erwarte noch verdiene ich dies. Hebt auf Euch das für den Hauptmann, zu ihm, ihm es wird gefallen."

Er dreht sich zu seinen beiden Begleitern um und erklärt rasch in der Muttersprache: "Der Mann hier wird uns die Schatzkammer zeigen, sobald er zu zittern aufhört. Ihr tretet besser ein paar Schritte zurück, dann lässt er sich vielleicht schneller beruhigen."

Mit zweifelnden Mienen ziehen die beiden sich so weit zurück, wie es in dem kleinen Raum nur geht: bis zur Tür.

Darauf tritt Miguel wieder zu dem pipiltin, lässt sich auf ein Knie hinab und fasst ihn vorsichtig an den flehentlich ausgestreckten Händen, um ihn soweit aufzurichten, dass sie halbwegs von Angesicht zu Angesicht reden können. Natürlich windet Meztli sich dabei und dreht den gesenkten Kopf weg, bis es nicht mehr geht.

"Hört zu, mir", sagt Miguel mit leise beschwörender Stimme, die Hände des pipiltin noch immer mit den seinen umfasst. "Wegen Eure Bitte. Nicht ich kann versprechen nichts. Capitán Drakosa und die anderen, nicht sie glauben, dass Eure Götter seien echt. Deshalb nicht sie fürchten zu Eure Götter. Aber ich, ich mich frage: Kann es sein, dass ausgerechnet in der wahren Welt die Götter sollen sein falsch? Was Unfug! Deshalb ich Euch rate: wenn Ihr wollt retten das Gold in die Tempel, macht das was sage ich."

Miguel lässt Meztlis Hände los. Der Mann zittert nicht mehr. Erstarrt kniet er da und lauscht, als Miguel leise fortfährt.

"Sobald Ihr mir habt gezeigt die Schatzkammer, Ihr geht in die Tempel. Ihr nehmt mit nur wenige Leute, die Ihr vertraut über allen. Und Ihr es werdet verstecken alles das Gold! Versteht Ihr? Alles Ihr werdet verstecken dort, wo niemand wird denken zu suchen es. An seine Stelle in die Tempel legt Speisen, legt Blumen, legt andere Sachen hübsche, um zu können sagen: dies ist es was wir opfern zu unsere Götter!

Tut alles dies, wenn nicht, sie werden rauben alles. Hört Ihr? Alles. Denn nichts ist heilig für sie. Also, wenn Ihr Eure Götter fürchtet mehr als dass uns, dann versteckt das Tempelgold! Und besser dass Ihr Euch beeilet. Nichts werde dem Capitán erzählen ich, das ist die einzige Versprechen, die kann geben Euch, aber er wird er selbst daran denken zu suchen lassen nach Gold in die Tempel."

Nach dieser langen Rede[1] will Miguel sich wieder aufrichten, als ihm noch etwas einfällt.

"Falls Ihr habt Mädchen heilige, die dienen Eure Götter und haben versprochen, nicht zu liegen niemals mit kein Mann, versteckt sie auch. Nichts—ich Euch sage wieder: absolut nichts—ist heilig für den Capitán und die meisten von uns. Wenn nichts anderes Ihr mir glaubt, bitte, mir glaubt das."

Dann steht Miguel auf und wartet auf Meztlis Reaktion.
 1. Vereinzelte Worte in der Rede waren, unbemerkt von Miguel, in Payithan, nicht Nexalan. Dass er Nexalan in Ulatos gelernt hat, obwohl die Leute dort P. sprechen, hatte ich mir so erklärt: die Eingeborenen haben mit ihm automatisch N. geredet, weil er ja ein Fremder ist und man mit Fremden eben N. redet. Aber Miguel hat auch ein paar Worte auf der Straße aufgeschnappt, wenn er den Gesprächen der Eingeborenen untereinander gelauscht hat. Ihm ist aber noch nicht aufgefallen, dass es sich um zwei verschiedene Sprachen handelt. P.S. Ich würde das noch einmal genauer beschreiben beim ersten Gespräch mit der Gruppe.
« Letzte Änderung: 03.07.2014, 18:51:20 von Miguel García Montés »
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Eclipse

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« Antwort #6 am: 10.07.2014, 23:51:59 »
Meztlis Augen weiten sich bei Miguels Worten. Trieb der weiße Teufel ein grausamens Spiel mit ihm oder war sein Vorschlag ernst gemeint? Oder verstand er das gebrochene Wirrwarr aus Nexalan und Payithan nur falsch? Schlussendlich setzt er aber zur Antwort an. Wenngleich er nicht erneut auf die Knie fällt, wackelt er doch demütig mit dem Kopf. "Ich danke euch ... Ihr seid sehr gütig, möge Kiltzi euer Haupt küssen. Lasst uns keine Zeit verlieren, ich will euch gleich den Weg zu den Schätzen des verehrten Sprechers weisen, doch zuvor muss ich die weibliche Schlange aufsuchen." ein Ausdruck mit dem Miguel gerade nichts anzufangen weiß.

Sogleich setzt sich Meztli in Bewegung. Felliped und Alvaro legen noch ihre Rucksäcke nieder, ehe sie gemeinsam mit Miguel und Meztli durch die langen Hallen des Palastes hetzen. Schließlich geleitet sie Meztli in einen der prächtigen Gärten, welche die Palastanlage umgeben. Auf einer Steinbank sitzt dort eine junge Frau, die sich sogleich erhebt und auf die Gefährten zu bewegt. Sogleich fällt Miguel auf, dass sie für eine Mazticerin auffallend blass ist, ihr aufwändiger Schmuck deutet aber auf eine hohe Position hin.[1] Meztli geht sogleich auf sie zu, wobei er erneut die gleiche demütige Haltung an den Tag legt, welche er bei Miguel gezeigt hat und sinkt vor der Frau auf die Knie.

"Oh ehrwürdige weibliche Schlange. Es kümmert mich sehr worum ich dich bitte, doch diese Männer verlangen die Herausgabe der Schätze des verehrten Sprechers. Ich bitte euch voller Demut ihrer Bitte Folge zu leisten, oder großes Unheil könnte uns befallen. Ich muss mich nun entfernen, denn andere, wichtige Aufgaben warten auf mich. Sorgt euch nicht, dieser hier spricht unsere Sprache" mit einer Verbeugung verabschiedet er sich und schenkt Miguel ein Lächeln.

Die "weibliche Schlange" nähert sich Miguel sogleich, doch anders als Meztli strahlt sie Selbstsicherheit und keinerlei Furcht aus, obschon drei bewaffnete, weiße Teufel vor ihr stehen. "Ich fürchte ich habe gar keine Wahl in dieser Angelegenheit? Sagt ... warum giert es euch Fremde so sehr nach unserem Gold? Hat sich Tezca über eurem Land nicht so gründlich entleert wie er in der wahren Welt getan hat?" ein zynisches Grinsen umspielt dabei ihr Gesicht.
 1. Die weibliche Schlange (Cihuacóatl)

Felliped

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« Antwort #7 am: 11.07.2014, 00:06:34 »
"Oh wie schön sie ist ... " haucht Felliped, dessen Augen sehnsüchtig über die exotische Frau wandern. "Hast du so etwas schon einmal gesehen Miguel?" der schnauzbärtige Legionär mit dem markanten Eisenhelm scheint der schönen Adeligen sogleich erlegen zu sein. Doch als Meztli plötzlich verschwindet wird er unruhig. Schon immer war Felliped ein nervöser und ängstlicher Mann, der sich jederzeit davor fürchtete die Einheimischen könnten grausame Rache an den Legionären üben, als Vergeltung für all ihre Grausamkeiten.

Ob er deswegen einer der wenigen war die gelegentlich gegen das Vorgehen der Legion protestierten, oder ob er wie Miguel wirklich davon überzeugt war, dass dies einfach falsch und nicht im Sinne ihres Schutzgottes Helm war, dass hatte Letzterer noch nicht wirklich herausfinden können. Alvaro hingegen, war ein junger Mann mit dem Herz am rechten Fleck und ähnlich wie Miguel war mit falschen, vielleicht naiven Vorstellungen nach Maztica aufgebrochen.

"Wo ... wo geht dieser Meztli hin Miguel? Hast du ihm das erlaubt? Nicht dass er jetzt die Palastschätze bei Seite schafft! Du bist immer viel zu gutgläubig! Drakosa wird uns vierteilen oder aufhängen lassen wenn du ihm die Schätze des Palastes nicht innerhalb dieses Tages beschafft." sein unruhiger Blick gleitet dann wieder auf die junge Frau zurück, ihre Antwort und Miguels Reaktion erwartend.
"Ihr Narren! Ihr werdet alle sterben!"

Miguel García Montés

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« Antwort #8 am: 11.07.2014, 12:20:24 »
"Ja, ich habe so etwas Schönes schon oft gesehen", erklärt Miguel. "Jeden Morgen und jeden Abend seit dem Tag meiner Geburt." Und er musste oft genug miterleben, wie gestandene Männer in Gegenwart seiner Mutter zu stottern begannen, wie sie sich wanden und nicht mehr wussten, wohin mit ihren schmachtenden Blicken; die hoffnungslosesten Fälle unter ihnen versuchten gar, Reime aufzusagen, ohne jegliches Talent dafür.

"Wenn wir das hier überleben und die Heimat wiedersehen, kann ich dich gern zuhause vorstellen, Fellíped, doch jetzt heißt's erst einmal: strammstehen."

Bei all diesen Worten und Gedanken blickt Miguel nicht den Kameraden an sondern Meztli hinterher, dessen eigenmächtiges Verschwinden ihm mehr Sorgen bereitet, als er zeigen darf. Wie mutig und entschlossen der Mann auf einmal ist! Gerade noch hat er sich zitternd vor Miguel auf den Boden geworfen, jetzt eilt er ohne Erlaubnis davon, denn eigentlich ist abgemacht gewesen, dass er sie zur Schatzkammer führt, und vorher zum Schatzmeister, und sich dann erst um die andere Angelegenheit kümmert. Tatsächlich hat Miguel gar nicht damit gerechnet, dass seine Rede überhaupt eine Wirkung oder Reaktion bei Meztli hervorrufen würde außer noch mehr Zittern. Aus Ulatos kennt er nur das passive Erdulden der Bewohner, das ihn jedesmal, wenn er es bezeugen musste, auf die Palme brachte, obwohl—oder gerade weil?—er selbst auch nicht anders handelt, seit er kapiert hat, wie die Legion in diesen Landen haust.

Vielleicht ist dieses ganze Hinwerfen und Flehen nicht echt? Eine kulturelle Eigenart nur, die nicht dasselbe bedeutet wie zuhause? Womöglich wirft man sich hier in Tukan einander zu Füßen und bittet unter Tränen, so wie man daheim "Ich bitt' Euch sehr" sagt?

Álvaro hat recht. Miguel hätte sich erst die Schatzkammer zeigen lassen sollen, bevor er Meztli gegenüber das Maul aufreißt. Was, wenn es dort nicht genug Gold gibt, um selbst die anfängliche Gier des Hauptmanns zu stillen? Es hat Miguel nur so wütend gemacht, wie der gute Mann ihn um das Versprechen bat, das Tempelgold doch zu verschonen. Oh Meztli, du naiver Tropf![1] Hast du wirklich geglaubt, dass man Soldaten, die ohne Provokation und Kriegserklärung in eine friedliche Stadt eindringen und auf dem Marktplatz wild um sich schießen—denen es egal ist, ob sie dabei Frauen oder gar Kinder treffen—dass man solche Männer um Einsicht oder Maßhaltung oder sonst etwas bitten kann?

"Ich arbeite daran", sagt er zu Álvaro. "An meiner Gutgläubigkeit. Ein Großteil wurde mir schon ausgetrieben. Ja, ich habe Meztli erlaubt sich zu entfernen, sobald er mich zu jemanden mit der Befugnis, die Schatzkammer zu öffnen, gebracht hat. Wenn das ein Fehler war, so mach dir dennoch keine Sorgen. Mein Fehler war es. Mich wird der Hauptmann vierteilen, hängen oder pfählen lassen oder einfach bei der Gurgel packen und eigenhändig erwürgen, wenn sein Ärger über mein freches Mundwerk je meine Nützlichkeit übersteigt. Euch beiden kann niemand einen Strick daraus drehen, dass ihr dem Befehl eines Vorgesetzten gefolgt seid."

Nach diesen Worten tritt er vor die Eingeborene. Ja, schön ist sie. Und stolz. Er versucht, sich nicht auszumalen, was passieren würde—was mit Sicherheit passieren wird—sobald gewisse Herren aus des Hauptmanns engerem Kreis sie erblicken würden. Hatte Meztli Miguels letzte Warnung nicht gehört oder verstanden? Oder war auch ihm das Gold wichtiger als die Ehre und das Wohlergehen dieser Frau?

Von diesen bitteren Gedanken abgelenkt, vergisst Miguel, die Dame auf einheimische Art zu grüßen. Stattdessen nimmt er den Kokosfaserhut vom Kopf, presst ihn auf die Brust, vor das wild klopfende Herz, und verbeugt sich vor ihr—ganz so, wie seine gute Erziehung ihm sagt, dass man eine Dame zu begrüßen habe.

"Miguel García Montés, Adjutant des unbesiegten Capitán Drakosa, seinerseits die rechte Hand des Gobernador Cordell..." An dieser Stelle kommt ihm das vorgefertigte Sprüchlein plötzlich albern vor und er beginnt zu improvisieren. "...welcher sich es hat gesetzt in die Kopf zu erobern eure Lande. Erlaubt mir dennoch, Euch respektvoll zu grüßen, ehrwürdige Schlange. Zu Eurer Frage: an den falschen Mann Ihr sie richtet, denn ich selbst, nichts mir mache aus Gold. Nur es bringt Ärger. Aber der Capitán will haben es, und darum ich ihm es muss herbeischaffen, oder schlecht für alle. Bitte, führt mich zu die Schatzkammer. Genug Blut hat geflossen heute."

Miguel setzt seinen Hut wieder auf, rückt danach die Röhrenflöte[2] auf der Brust zurecht und ärgert sich, dass er beides nicht im Zimmer gelassen hat. Bei allem Mitgefühl mit den Eingeborenen geht es immer mehr um seinen eigenen Hals, wie Álvaro auf den Punkt gebracht hat. Nur seine Nützlichkeit hält Miguel am Leben, und um nützlich zu sein ist er darauf angewiesen, dass die Eingeborenen ihn ernst nehmen, was er ihnen mit seinem wenig soldatischen Aussehen und Auftreten offensichtlich schwer macht. Gut, dass er Fellíped und Álvaro mitgenommen hat! Ihre Anwesenheit mag das ein wenig ausgleichen.

Obwohl sein Hintergedanke dabei ein anderer gewesen ist. Er hätte weder Angst noch Bedenken gehabt, allein mit Meztli loszuziehen, aber ihm war die Idee gekommen, die beiden zu testen. Ganz genau will er ihre Mienen betrachten, wenn sie die Schatzkammer betreten. Würden ihre Augen glänzen? Würden sie ihnen übergehen noch zehnmal mehr als soeben beim Anblick der schönen Eingeborenen? Die Gier nach Gold lässt die meisten Menschen ihre moralischen Bedenken vergessen und tröstet sie über so manch üble Tat hinweg. Bevor Miguel auch nur den Ansatz eines Planes zu schmieden wagt, muss er sich Gewissheit verschaffen, dass er nicht der einzige ist, der sich nicht mit Gold als Ersatz für ein gutes Gewissen—für sein Seelenheil!—zufrieden geben will.

"Gold ist sehr selten bei uns, da Ihr habt recht, ehrwürdige Schlange", sagt er zu der Frau, als er und seine beiden Kameraden ihr bereits durch den Garten folgen. "Deshalb kostbar. Man sich kann kaufen damit alles das, was man will. Nicht nach das Gold, sondern nach die Macht, die man kann kaufen davon, danach giert der Hauptmann. Niemals Ihr dürft unterschätzen, wie sehr er giert danach. Egal ihm ist, wen oder wie viele er muss bedrohen oder verletzen dafür. Sagt mir, habt Ihr Namen, der ich darf benutzen, oder werdet genannt Ihr 'ehrwürdige Schlange' von allen?[3] Zu jung und schön Ihr seid für solch, ah, wie man sagt sobrenombre... Über-Name? Oder es ist ein Titel? Von welches Amt?"

Jetzt packt er gar Drohungen und Komplimente in denselben Atemzug; Miguel möchte sich am liebsten ohrfeigen. Heute abend würde er als erstes in sein Notizbuch schreiben, unter dem Stichwort Verhandlungstaktiken: Drohungen und Komplimente halte man sauber auseinander. Desweiteren: Entscheide dich vor der Verhandlung, ob du drohen oder schönreden willst. Beides auf einmal kann nicht glücken!
 1.  :P
 2. Panflöte
 3. Diplomatie, schlappe 14.
« Letzte Änderung: 01.08.2014, 10:55:54 von Miguel García Montés »
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« Antwort #9 am: 18.07.2014, 13:01:01 »
"Mein Name ist nicht von Belang, die weibliche Schlange bin ich für euch, die Gattin unseres ehrwürdigen Sprechers und Regenten.[1] Und somit gleichermaßen seine oberste Richterin und Herrin des Kronschatzes." wenn Miguel beabsichtigt hat mit seinen Worten Freundlichkeit in der schönen Mazticerin zu wecken, so war ihm dies nicht gelungen.
Eisig blieb ihr Ton und ihre Augen.

"Nun dann folgt mir ... ich will euren Hauptmann nicht erzürnen, wenn er doch so sehr nach unserem Gold giert." und so macht sich die 'weibliche Schlange' auf den Weg, wobei sie in ihrem langen Gewand regelrecht dahinzuschweben scheint. Miguel, Alvaro und Felliped folgen ihr sogleich und verlassen die prachtvollen Gärten um erneut durch die Hallen des Palastes zu wandeln. Entlang prächtig bemalter Wände und endloser Kammern und Räume.

Diesmal geht es über eine Treppe hinab in die Tiefe, wobei Miguel sehr die Kälte zu genießen beginnt, sobald es in die kühlen Kellergewölbe hinab geht. Nach einiger Zeit gelangen sie zu einer großen Tür, welche von einem Totenschädel geziert wird. Zu recht nimmt Miguel an, dass sich hier die Schatzkammer befinden muss, denn die weibliche Schlange ergreift ihr güldenes Amulett und legt es in den Mund des Totenschädels, wobei sch die Tür wie von Zauberhand unter lautem Knirschen in die Höhe bewegt. Miguel, der damit nicht unvertraut ist, nimmt an dass hier Magie im Spiel sein muss.

Wie er bereits bemerkt hatte, gab es durchaus mannigfaltige Magie in der wahren Welt. Priester empfingen ebenso machtvolle Kräfte von ihren Göttern und Medizinmänner hielten Zwiesprache mit der Welt der Geister. Dennoch gab es keine Orte des magischen Studiums, keine Akademien der Zauberei wie an der Schwertküste. In Ermangelung einer dafür geeigneten Schrift wäre dies wohl auch kaum möglich. Noch immer war es Miguel ein Rätsel, wie die seltsame Bildersprache der Mazticaner funtkionierte.

Doch als sie die Schatzkammer betreten, verfliegen diese Gedanken schnell. Der Raum ist gefüllt mit kunstvollen Schätzen ... Kelche und Masken aus Gold, aber auch Arbeiten aus Jade finden sich her. Dabei entdeckt Miguel auch einen goldenen Reif, der sich womöglich als Krone für Drakosa eignen würde. Ganze Truhen voller Goldmünzen standen hier, welche wohl auch in der wahren Welt durchaus als Zahlungsmittel gelten, aber nicht den Wert wie in seiner Heimat besitzen. Zu seiner Verwunderung findet er auch Kisten voll mit Kakaobohnen, die wie Miguel bereits herausgefunden hatte, ein noch weit verbreiteteres Zahlungsmittel waren.



Mit glänzeden Augen mustert Felliped die Schätze, wobei er eine Hand durch die Münzen gleiten lässt.


Dennoch wagt er es nicht etwas davon einzustecken, ist die Furcht vor Drakosas Zorn doch zu groß. Vielleicht würde er sie ja belohnen, wenn er mit dem dargebrachten Fund zufrieden war. Die weibliche Schlange indes, bleibt inmitten der Schatzkammer stehen und neigt ihr Haupt. "Dann soll der Kronschatz nun euch gehören. Hoffentlich vermag er die Gier eures Hauptmannes zumindest für den Moment stillen." dann schweigt sie und wartet ab.
 1. Huey Tlatoani

Miguel García Montés

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #10 am: 18.07.2014, 15:35:43 »
Die Gattin des Regenten! Wie hätte Miguel das ahnen sollen! Er hat sie eher für eine Priesterin gehalten. Da ist freilich jeder Versuch, die für beide Seiten unangenehme Situation auch nur ein wenig freundlicher zu gestalten, zum Scheitern verurteilt. Wo man doch ihren Gatten vor seinem Volk gedemütigt, abgesetzt und dann auch noch in den Kerker geworfen hat.

Und falsch angeredet hat Miguel sie auch noch. Egal, wie offensichtlich weiblich sie ist, es scheint zu ihrem Titel dazu zu gehören, dies noch einmal ausdrücklich zu betonen.

"Es mir tut leid", stammelt er. "Das mit Eurem Gatten und auch dass ich habe gesagt falsch Eure Titel, ehrwürdige weibliche Schlange. Nicht Euch wollte kränken." Ihre Miene zeigt keinerlei Regung, keinerlei Hinweis darauf, ob sie wenigstens den zweiten Teil von Miguels Entschuldigung annimmt.

"In meiner Muttersprache, jedes Wort ist entweder männlich oder weiblich. La serpiente, die Schlange, ist weiblich. Immer. Nicht man es braucht hinzufügen." Auch dies scheint die Frau nicht im geringsten zu interessieren, also schweigt Miguel für den Rest des Weges.

Fast ist er erleichtert, als man endlich die Schatzkammer erreicht. Auch der erste Blick hinein erleichtert ihn: ja, das sollte doch eigentlich für den Anfang genug sein, oder? Da wird der Capitán sich nicht beklagen können!

Als Miguels Blick jedoch so über die Schätze gleitet und über die Mienen seiner beiden Kameraden—zumindest die von Fellíped trägt genau jenen Ausdruck, den Miguel befürchtet hat[1]—da überkommt ihn ein Schauder. Plötzlich friert er, dass ihm die Zähne klappern. Die Grabeskühle der Kellergewölbe—vor wenigen Augenblicken noch so willkommen!—lässt ihm nun die schweißnasse Kleidung eiskalt am Körper kleben.

Er schleudert die zierliche Statuette, die er wegen ihrer Kunstfertigkeit gerade bewundernd in die Hand genommen hat, angewidert von sich. Blut klebt an allem hier, an jeder einzelnen Münze. Und Fellíped steht da mit glänzenden Augen!

Alle drei sehen ihn an. Was nun? Jemand muss den Hauptmann holen, doch wer? Soll Miguel Fellíped schicken, damit er selbst ungestört mit Álvaro reden kann und mal so vorfühlen, was dieser von ihrer Situation hält? Aber Fellíped wird sich nicht trauen, allein durch den halben Palast zu marschieren, und wenn er Álvaro schickt, der es sich trauen würde, dann ist nichts gewonnen. Fellíped scheint ihm sowohl zu ängstlich als auch zu empfänglich für den Lockruf des Goldes, um zu einer wie auch immer gearteten Verschwörung oder als Mitanstifter einer Meuterei zu taugen. Andersherum ist es sicherlich auch keine gute Idee, wenn Miguel sich mit Álvaro auf den Weg macht und dabei Fellíped mit der schönen Dame allein lässt. Nein, das passt alles nichts.

Miguel kann natürlich auch einfach selbst gehen, aber traut er Fellíped und Álvaro allein mit dem Gold und der schönen Regentengattin? Eher nein. Ganz abgesehen davon, dass er sich nicht sicher ist, ob die Dame mit den beiden nicht allzu leicht fertig würde. Recht gehabt hat Miguel mit seiner Einschätzung, dass sie magisch begabt sei. Da hat er allein womöglich bessere Chancen, sich ihrer zu erwehren, wenn sie etwas Verzweifeltes versucht.

In Ermangelung einer optimalen Lösung kann er genausogut beide schicken und so wenigstens einige Augenblicke der Stille genießen, wenn auch unter dem eisigen Blick der Regentengattin. Gedacht, getan.

"Álvaro, Fellíped. Geht zu Capitán Drakosa und berichtet, was wir gefunden haben. Bittet um Anweisung, was damit nun geschehen soll. Auf! Je schneller ihr das erledigt, desto schneller kann alles in Barren eingeschmolzen werden, damit es danach 'gerecht' verteilt wird: ein Fünftel an die Auftraggeber, ein Fünftel an Cordell, ein Fünftel an die Offiziere, ein Fünftel in den Topf, um die nächste Expedition auszustatten, und das letzte Fünftel an den Rest der Mannschaft. Das seid ihr." Was er selbst ist, weiß Miguel nicht so recht.

Álvaro lacht bei Miguels Worten spöttisch auf, während Fellíped schon wieder besorgt aussieht. Dann machen sich die beiden auf den Weg und Miguel bleibt mit der weiblichen Schlange allein in der Schatzkammer zurück.

Eine Weile lang herrscht Schweigen. Dann räuspert Miguel sich und sagt: "Helft mich. Nicht ich weiß, was tun. Denn seht: wenn Capitán Drakosa erfährt, wer Ihr seid, er Euch wird lassen sperren zu Euren Gatten sofort. Wollt Ihr das? Wenn nicht, jetzt schnell Ihr müsst gehen. Den Palast verlassen. Dann wenigstens Euer Volk hat eine Herrscher noch. Ist das besser? Nicht es weiß. Kann sein dass der Hauptmann wird furchtbar böse, wenn niemand findet die Frau des Sprechers. Aber Ihr entscheidet. Wenn Ihr wollt gehen zu Eure Volk, ich nicht Euch werde aufhalten."

Kaum hat er die Worte ausgesprochen, da schaut er besorgt die magische Tür an.

"Nur die Tür, sie muss aufbleiben, oder Ihr mir gebt die Schlüssel. Kann jeder sie benutzen oder nur Ihr? Rasch, sagt mir, und entscheidet Euch was tun, bevor kommt der Hauptmann!"

Seine ganze Verzweiflung bricht mit dem letzten Satz aus ihm heraus. Er weiß einfach nicht mehr aus noch ein. Auf fünf Jahre hat er sich der Legion verpflichtet! Das erschien ihm damals als angemessene Zeit, einen fremden Kontinent zu erforschen. Aber wie soll er das nun durchhalten? Sieben Monate sind erst geschafft und er dreht jetzt schon fast durch. Noch einmal viereinhalb Jahre lang sich ducken und tatenlos dem Morden und Malträtieren zusehen und dabei selbst zum Täter werden, das wird er niemals durchhalten. Und wenn doch, wenn er es durchsteht und überlebt, was für ein Mensch wird dann aus ihm geworden sein? Das wagt er sich nicht vorzustellen.

Und doch sieht er keinen Ausweg. Was kann ein Mann schon tun? Warum liegt es überhaupt an ihm, etwas zu tun? Er ist nur einer, die Eingeborenen sind viele. Warum tun sie nichts? Nicht, dass er es überleben würde, wenn sie sich doch endlich einmal dazu entschließen sollten, aber für einen kurzen Augenblick fragt er sich, ob das nicht besser wäre. Ganz abgesehen davon kann er sein Schicksal ja auch selbst in die Hand nehmen. Wenn er sich beim nächsten Kampf einfach nicht wehrt, dann wäre er auch endlich seiner misslichen Lage entkommen...

Doch den Gedanken verwirft er sogleich wieder. Zu sehr liebt er das Leben. Außerdem ist es der Ausweg eines Feiglings und als Feigling will er nicht sterben! Auch nicht, ohne seine Schuld gesühnt zu haben!

Die Regentengattin hat seine Frage noch immer nicht beantwortet. Stattdessen scheint sie sein Mienenspiel zu studieren.

"Bitte", sagt Miguel. "Nicht uns bleibt viele Zeit. Entscheidet."
 1. Eigentlich hatte ich mir etwas mehr erhofft von meinem Plan, die Mienen der beiden beim Anblick des Goldes ganz genau zu beobachten, vielleicht hilft ein Sense Motive=22
« Letzte Änderung: 01.08.2014, 12:35:17 von Miguel García Montés »
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« Antwort #11 am: 29.07.2014, 16:47:37 »
Tatsächlich, da ist es ... die Gier, die Miguel bereits in den Augen so vieler Männer gesehen hat, auch bei Alvaro und Felliped erblickt er sie nun. Ein wirres Glitzern in den Augen, dass selbst Männer mit gutem Herzen zu schändlichsten Taten treibt. Vielleicht, irgendwo in seinem Herzen war auch bei Miguel dieses Verlangen? Mit nur einem Bruchteil dieses Goldes könnte er den Rest seines Lebens in Luxus schwelgen, ein großes Anwesen an der Küste kaufen und sich von hübschen Dienerinnen umgarnen lassen. Ebenso scheinen seine beiden Begleiter zu denken, doch die Furcht vor Drakosa bringt sie dazu nicht auch nur eine einzige Goldmünze einzustecken.[1]

Doch kaum dass Miguel seinen Befehl gesprochen hat, verschwinden die beiden auch schon ohne weitere Worte und lassen ihn mit der weiblichen Schlange, der Regentin von Tukan allein. Für einen langen Augenblick schaut sie den Mann unsicher an. "Treibt ihr ein grausames Spiel mit mir?" fragt sie noch, doch kann sie keine Lüge in den Worten erkennen.
Was trieb diesen Mann um? War er wie so viel ihre exotischen Schönheit verfallen.

Plötzlich tritt sie auf Migul zu und ehe er sich versieht gibt sie ihm einen Kuss auf die Wange. "Was auch immer euch umtreibt, ich danke euch. Ich werde nun gehen, mein Dank ist euch gewiss. Das Tor bleibt offen, sorgt euch nicht." dann entschwindet sie aus der Schatzkammer in die langen Gänge des Kellergewölbe, sicher würde sie einen Weg kennen hier ungesehen zu entkommen. Dabei scheint sie regelrecht über den kalten Boden zu schweben, ihr süßer Duft verhaftet noch für eine Weile in der Luft. Für einen Moment bangt Miguel ob das Tor nun zufällt, doch nichts geschieht ...

Und so bleibt Miguel schließlich mit seinen Sorgen und Gedanken allein in der oppulenten Schatzkammer zurück. Nun hatte er bereits zwei Mitglieden des Hofes zur Flucht verholfen, ja sie sogar regelrecht dazu angestachelt. Nun hieß es auf die Ankunft Drakosas zu warten, zu hoffen dass Alvaro und Felliped die weibliche Schlange dem Capitan gegenüber nicht erwähnen würden und dass das Gold ihn zumindest für den Moment zufrieden stellen würde.[2]
 1. Verzeih dass ich auf deinen Beobachtungsversuch zuvor nicht eingegangen bin, man kann nicht an allesdenken ^^
 2. Möchte dir hier noch die Gelegenheit für einen Post geben, falls dir nichts einfällt mach ich direkt weiter.

Miguel García Montés

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« Antwort #12 am: 29.07.2014, 22:19:29 »
"Et tu, Álvaro![1] Auch du schaust das fremde Gold an, als versprächest du dir davon das Paradies! Sind wir Menschen wirklich so?"

Miguel seufzt, seiner letzten Hoffnung beraubt. Er fragt sich: "Bin ich wirklich so anders als sie? Wenn ja, warum? Oder lüg ich mir selbst in die Tasche?" Ganz genau sieht er sich noch einmal in der Schatzkammer um und versucht zu ergründen, was er dabei empfindet. Es bleibt dabei: ihm ist einfach nur kalt. Und schlecht. Korrigiere: zum Speien übel.

Luxus. Seltsames Wort. Tod aller Kunst. Ein Künstler, der im Luxus schwelgt, erschafft keine Kunst mehr! Faul und träge wird er dadurch, übersättigt und des Lebens satt!

Nein, der Anblick des Goldes lässt Miguel kalt. Ja, auch ihn treibt ein Hunger an, eine Gier, aber ein ganz anderer Hunger, eine ganz andere Gier! Der Hunger nämlich, ein Werk zu schaffen, das so schön, so kostbar, so ergreifend ist, dass es die Herzen der Menschen berührt wie kein zweites, ihr Empfinden emporhebt wie nie ein anderes zuvor, das ihre Träume zum Singen bringt, ihre Seelen erfüllt; ein Stück, das seinen Tod überdauern würde, das Platz fände in der Reihe unsterblicher Werke, das neben den Namen der ganz großen Flötisten bestünde; ein Lied, das den Menschen eine Ahnung des Göttlichen gäbe, einen Blick ins Paradies; Klänge, die Oghma selbst aufhorchen ließen—ein solches Werk zu erschaffen, davon träumt Miguel, dafür lebt er, das treibt ihn insgeheim an, obwohl er kaum atmen kann ob der Anmaßung dieser Ambition! So gut ist er nicht! Sein Talent, kaum reicht es, ein wenig auf der Flöte herumzupfeifen! Verblendeter als Don Quijote und zehntausendmal so lächerlich! Und doch lässt es ihn nicht los, dieser Traum, dieser Wahn, diese Sehnsucht nach den Sternen! Sollen doch andere vom Spatzen in der Hand reden!

Wie kann ein Mensch nur für Gold etwas ähnliches empfinden.

Er schüttelt den Kopf, als könne er diese wirren Gedanken hinausschütteln, die selten so unangebracht gewesen sind wie in seiner jetzigen Lage. Inzwischen stehen er und die weibliche Schlange allein beisammen. Erst sieht sie ihn an, als könne sie nicht fassen, was er da von sich gegeben hat, doch dann beschuldigt sie ihn, nur ein grausames Spiel mit ihr zu treiben. Miguel hebt abwehrend die Hände und protestiert:

"Nein! Nicht treibe kein Spiel mit Euch! Dios y diosa, ¡qué idéa!" Vor Entrüstung verfällt er in seine Muttersprache und wo er schon mal dabei ist, flucht er gleich weiter: "¡Ay de mí! ¿Qué estoy haciendo aquí? Debo de estar loco, completamente he perdido la razón. Miguel, ¡tu eres un imbécil! ¿Quieres morir? ¿Sí? ¿Quieres? Bueno, ¡continúa así!"[2]

Er hört erst auf zu fluchen, als die Frau des Regenten ihn auf die Wange küsst. Da verschlägt es ihm so schnell die Sprache, dass er sich verschluckt und in einem erstickten Keuchen endet. Bevor er aber auf irgendeine Weise reagieren kann, schwebt die Dame schon den Gang hinunter und ihm bleibt nichts, als ihr verwirrt hinterher zu blicken, wobei er mit der Rechten ungläubig seine Wange betastet. Auch ihre letzten Worte bewahrt er wie einen Schatz: Mein Dank ist Euch gewiss... Sorgt Euch nicht...

Dann fällt ihm ein, dass er besser mal wieder Luft holen sollte.

Doch egal, wieviel Luft er holt, ihm ist und bleibt flau, ganz schrecklich flau im Magen, wie er sich so in der nun leeren Schatzkammer umsieht. Wenn Fellíped und Álvaro Capitán Drakosa schon von der schönen Frau vorgeschwärmt haben, dann wird der Hauptmann sie sehen wollen! Und Miguel wird ihm nur sagen können: ach die? Die habe ich fortgeschickt, die muss hier irgendwo sein. Warum ich sie fortgeschickt habe? Sie wurde mir lästig, sie hat mich immer so böse angeschaut, die ganze Zeit hat sie mich angestarrt, als ob sie gleich Gift spucken wolle!

An der Gurgel wird der Hauptmann ihn packen und schütteln wie eine Ratte!

Fast ist Miguel erleichtert, als draußen im Gang sich schwer stampfende Schritte nähern.

Aus ist's gleich mit mir. Wenigstens gab's zum Abschied den Kuss einer schönen Frau. Nicht jeder Mann kann das von sich sagen. Schade, dass es nur die Wange war: auf den Mund hätte er mir gleich nochmal so gut geschmeckt! In keinem Epos, das ich kenne, benügt der Dichter sich je mit einem Kuss auf die Wange, um dem sterbenden Helden das Ende zu versüßen... Aber ach, das Leben ist kein Epos!"

Dann steht der Hauptmann auch schon vor ihm.
 1. © Shakespeare
 2. 
Falls die Dame zufällig die Sprache spricht oder einen Sprachzauber aktiv hat, hier die Übersetzung (Anzeigen)

Und wenn nicht, hier der Eindruck: (Anzeigen)

« Letzte Änderung: 04.08.2014, 23:19:36 von Miguel García Montés »
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« Antwort #13 am: 04.08.2014, 00:45:39 »
Hatte die weibliche Schlange Miguels Worte verstanden? Er konnte sich wirklich nicht sicher sein ... doch selbst wenn nicht, so schien sie die Sprache der Legionäre, die so bedrohlich in den Ohren vieler Mazticaner klang nicht einzuschüchtern. Wenngleich sie ohne weitere Worte einfach, verschwand ... doch der Kuss, die Berührung ihrer sanften Lippen schien weiter spürbar auf Miguels Wange zu bleiben.[1]

Diese Gedanken an Sanftheit und Schönheit verschwinden aber bald aus Miguels Kopf, als das laute Gestampfe beschlagener Stiefel erklingt. Nun beherrschen Angst und Panik sein Denken, noch ehe er sich wieder gefasst hatte tritt dann auch Drakosa in den Raum hinein. Da stand er nun, dieser brutale Hühne, ganz in Eisen gehüllt, sogar sein Gesicht. Dumpf erklingt seine Stimme durch den Helm aus er sich umsieht.

"Haha. Ja genau so habe ich es mir erhofft. Cordell wird zufrieden sein, ich bin zufrieden!" anders als bei seinen beiden Begleitern kann Miguel nicht auf das Gesicht des Capitan blicken, aber die Gier in seiner Stimme ist förmlich heraus zu hören. Ebenso gierig greifen seine Hände nach dem Gold, durchwühlen unter grässlichem Lachen die Schatztruhen. Da ergreifen seine Finger auch den güldenen Stirnreif, den Miguel schon entdeckt hatte.

Mit einer schnellen Bewegung streift er seinen Helm ab, schmeißt diesen achtlos zu Boden und setzt sich den Reif auf. Nun sieht Miguel auch warum der Hauptmann sich derart maskiert, er glaubt noch nie zuvor sein Gesicht gesehen zu haben. Von sich aus waren die Züge Drakosas bereits hart und grobschlächtig, aber eine breite Narbe ging quer über sein Gesicht, welches nur noch über einen stummeligen Rest von Nase verfügte.

"Bist ja doch gar nicht so ein Taugenichts Miguel. Nun sag schon, sehe ich jetzt nicht wahrhaft königlich aus? Haha, der neue König von Tukan. Ein Zepter brauch ich auch noch!" wobei er dreckig und kehlig weiter lacht. "Ich würde sagen ihr drei Waschlappen könnt direkt einmal vor dem neuen König niederknien!"

Doch ob nun mit güldenem Stirnhaupt oder ohne ... an Drakosa war nichts Edles oder Königliches. Dem verehrter Sprecher oder seiner Frau hätte dieser Reif sicher gut gestanden, aber nicht einem so derben Soldaten, womöglich früher nichts weiter als ein einfacher Straßenräuber, wenn Miguel den Gerüchten glauben schenken durfte.

Zumindest jedoch war Drakosa einstweilen zufrieden mit dem Goldfund und schien auch weder nach Meztli noch nach der weiblichen Schlange zu fragen. Miguel blieb zu hoffen, dass seine beiden Gefährten sie unerwähnt gelassen haben, wissend dass es besser war schöne Frauen vor dem Hauptmann zu verstecken. Jedoch kann Miguel den beiden ansehen, dass das Verschwinden der Frau ihnen nicht entgangen ist und sie sicherlich mit großer Sorge erfüllt. Miguels Schicksal mochte jetzt davon abhängen ob sie aus Furcht ihren Begleiter verraten würden. Vorerst gehen sie jedoch vor Drakosa auf die Knie und lassen kein weiteres Wort über ihre Lippen kommen.
 1. Finde es ganz wunderbar, wie die Linguistin in dir immer durchkommt :)

Miguel García Montés

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« Antwort #14 am: 04.08.2014, 03:40:27 »
Als der Hauptmann sich den Stirnreif aufsetzt, bedauert Miguel die verpasste Gelegenheit: er hätte die weibliche Schlange rasch noch fragen sollen, wer diesen Reif normalerweise trägt, welche Symbolik da womöglich dahinter steckt. Lachen tät er, wenn es der Reif für jungfräuliche Prinzessinnen wäre! Natürlich ist ihm nicht zu Lachen zumute. Galgenhumor, er beginnt ihn zu verstehen.

Bei den letzten Worten des Hauptmanns geht Miguel ohne Zögern auf die Knie.

"König Drakosa der erste, lang möge er leben! Mögen seine Feinde vor ihm erzittern! Möge er unbesiegt bleiben und uns immer wieder zum Sieg führen! Hoch lebe König Drakosa!"[1]

Mehr bringt er nicht hervor. Sein Mund ist auf einmal so trocken, fühlt sich dabei so klebrig an, dass die Zunge sich kaum vom Gaumen löst. Hoffentlich hat er mit seinen Worten nicht übertrieben.

Während der Hauptmann herrschaftlich über die drei Knieenden hinweg und noch einmal über die Schätze schaut, sucht Miguel beschwörend den Blick von Fellíped und Álvaro. Por favor, formen seine Lippen. Por favor. Bitte, liefert mich nicht ans Messer!

Dann wartet er, wie dem Hauptmann seine Huldigungen gefallen.

Und wie er so wartet, der Tür und dem Gang zugewandt, sieht er vor seinem inneren Auge eine zarte Gestalt davonschweben, sich noch einmal nach ihm umblickend, ihm ein letztes Lächeln schenkend, einen letzten Kuss hinüberhauchend, bevor sie seinen Blicken entschwindet.

Er schluckt. Das kann nicht wahr sein. Das darf nicht wahr sein. So etwas passiert doch nur anderen Männern. Nicht ihm. Ganz sicher nicht ihm.

Oh Schicksal, oh heitere Tymora, was treibst du für ein Spiel mit mir? Sieh, hier knie ich vor dir, ich ergebe mich! Tritt mich nicht weiter in den Staub, wo ich doch längst zu deinen Füßen lieg!

Miguel, sag, bist du von Sinnen? So viele hübsche Mädchen hast du daheim schon getroffen und sie haben sich dir an den Hals geworfen. Da wäre doch etwas dabei gewesen, warum hast du nie... warum ausgerechnet jetzt... warum ausgerechnet... die Herrscherin von Tukan?


[2]
 1. Bluff = 20
 2. P.S. Danke! Aber keine Sorge, wenn Miguel erst einmal mit der Gruppe unterwegs ist, werde ich das mit dem spanischen Satzbau seiner nexalanischen Dialogzeilen so nach und nach zurückfahren, um zu zeigen, wie er sich durch den Kontakt und ihre Hilfe verbessert (und damit es auf die Dauer nicht zu nervig wird...)  :wink:
« Letzte Änderung: 04.08.2014, 03:54:45 von Miguel García Montés »
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