Autor Thema: Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler  (Gelesen 6698 mal)

Beschreibung: Quereinstieg für Miguel Garcia Montes

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Eclipse

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #15 am: 06.08.2014, 00:29:39 »
"Hoch lebe König Drakosa!" stimmen Alvaro und Felliped in den Ruf Miguels ein und dem Hauptmann scheint die Huldigung sehr zu gefallen. "Genug jetzt, hoch mit euch." herrscht er sie nach einer Weile schließlich an "Es gibt noch mehr als genug zu tun ... Miguel such dir ein Zimmer, setzt dich in die Gärten, ist mir einerlei was du treibst. Nun liegt es an den echten Soldaten hier Entscheidungen zu treffen. Ich komme auf dich zurück, wenn ich deine Dienste erneut brauche." dann ging er herüber zu Alvaro und Felliped.

"Und ihr beide werdet hier vorerst die Schätze bewachen, bis wir einen Schmelzofen gefunden haben um diesen ganzen Tand hier zu Barren und Münzen zu pressen." woraufhin beide vor dem Hauptmann salutieren. Diese verabschiedet sich ohne weitere Worte, den Eisenhelm unter den Arm geklemmt, den Stirnreif noch immer auf seinem abstoßenden Haupt.

Miguel konnte vorerst ausatmen. Der Hauptmann schien für den Augenblick zufrieden und hatte Miguel entlassen, schon fällt sein Blick auf das offene Tor der Schatzkammer, von wo noch immer Drakosas Stiefel herüberhallen. Da packt ihn der junge Alvaro plötzlich unsanft am Arm und zieht ihn heran.

"Miguel. Wo ist die Frau? Die war doch sicher irgendwie wichtig hier am Hof. Wenn Drakosa ... "
Alvaro lässt den Satz unvollendet, er schluckt einfach nur schwer und blickt Miguel flehend, ängstlich an.

Miguel García Montés

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #16 am: 06.08.2014, 00:50:15 »
"Die Schatzmeisterin war sie," sagt Miguel rasch, was ja auch nur halb gelogen ist. "Und deshalb wird sie nun ja auch nicht mehr gebraucht, nicht wahr? Wo die Schätze nun unserem 'König' Drakosa gehören!"

Dann schluckt auch er. "Versteh doch, Álvaro. Sie war zu schön! Fellíped hat es selbst gesagt! Kannst du dir nicht vorstellen, wie man sie... also was der Hauptmann mit ihr... wie er... und hinterher dann, wenn er mit ihr durch ist: weitergereicht hätt er sie! Einmal durch die Reihe! Wird dir nicht auch ganz schlecht bei dem Gedanken? Oh, wie oft hab ich das mit ansehen oder anhören müssen und hab nur dagestanden und nichts getan! Aber diese eine Frau, und wenn's nur diese eine ist: die konnt ich ihm nicht lassen! Sie war zu schön, verstehst du nicht?

Aber sagt, ihr beiden, ihr habt ihm doch noch nicht von ihr erzählt, oder? Das dürft ihr nicht, er wird sie suchen lassen. Der Schatzmeister hat uns die Tür geöffnet und dann hab ich ihn fortgeschickt, weil er hier nichts mehr verloren hat—mehr braucht der Hauptmann nicht zu wissen. Ja? Solang wir drei uns einig sind, solang kann keiner wissen, dass es nicht so war, solang wird alles gut!

Álvaro, Fellíped! Ich weiß, ihr seid gute Kerle! Ihr habt das Herz auf dem rechten Fleck. Sind wir uns einig? Oder liefert ihr mich aus?"[1]
 1. Diplomacy=21
« Letzte Änderung: 06.08.2014, 00:56:03 von Miguel García Montés »
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Felliped

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #17 am: 07.08.2014, 05:11:12 »
"Miguel tu cretino!" Felliped beginnt zu fluchen, seine Augen weiten sich erneut vor Angst. Miguel hatte die weibliche Schlange tatsächlich ziehen lassen! Doch packt ihn schon der junge Alvaro und beruhigt ihn ... nicht dass Drakosa noch direkt auf dem Absatz kehrt macht und dem Gebrüll nachgeht.

Doch mit seiner Silberzunge schafft es der junge Barde die beiden wohl weitesgehend für sich einzunehmen und auch Felliped wirkt gefasster als er spricht. "Oh Miguel, bei allen guten Göttern. Ich versteh dich ja ... und mit Drakosa hast du ja auch recht. Dennoch ist mir nicht wohl bei der ganzen Sache. Wir haben Drakosa nichts erzählt und nach diesem Meztli hat er nicht weiter gefragt. Aber wenn das irgendwie rauskommt, dann lässt der an uns allen ein Exempel statuieren. Erst erschießen, dann hängt er uns auf, damit alle es sehen!"

Da mischt sich Alvaro wieder ein, der junge Krieger der stets seinen Morion auf dem Kopf hat "Das war sehr eigenmächtig was du da getan hast. Und du hast uns beide ohne unser Wissen da einfach mit reingezogen. Aber dennoch hast du das Richtige getan." der junge Bursche lächelt verschmitzt "Wir werden dich nicht ans Messer liefern Miguel, nicht an so ein Schwein wie Drakosa. Du sagst es selbst, wenn wir alle dichthalten wird niemand davon erfahren. Aber falls doch ... " nun verdüstert sich sein Gesicht "falls der Hauptmann davon irgendwie Wind bekommt und die Wahrheit aus mir mit brennendem Eisen herausholen will, dann kann ich dir nicht versprechen ob ich auch weiter den Mund halte."

Doch da verschwindet die Düsternis wieder aus Alvaros Gesicht und das verschmitzte Lächeln zeigt sich erneut. "Aber lass uns davon mal nicht ausgehen, wir haben uns nun  etwas Ruhe verdient. Ich und Felliped wachen nun über die Schätze hier und genießen die Kühle hier unten. Du geh ruhig auf das Zimmer dass du uns beschafft hast, oder tu was dir beliebt. Es herrscht kein böses Blut zwischen uns."[1]

Während Alvaro jedoch sehr zuversichtlich wirkt, ist Felliped immer noch eine gewisse Anspannung anzusehen ..
 1. Hier wäre also eine gute Stelle wo du dich der Dichtkunst widmen könntest :)
« Letzte Änderung: 07.08.2014, 05:14:40 von Felliped »
"Ihr Narren! Ihr werdet alle sterben!"

Miguel García Montés

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #18 am: 07.08.2014, 09:00:18 »
Miguel sieht Fellíped und Álvaro betroffen an. Das hat er gar nicht so bedacht, dass er die beiden da so arg mit hineinzieht, obwohl es im Nachhinein völlig offensichtlich ist. Warum denkt er bloß nie richtig nach, bevor er etwas tut?

"Tut mir leid", sagt er geknickt. "Ich konnt nicht anders. Ihr habt was gut bei mir! Und wenn Drakosa euch tatsächlich je 'peinlich' befragen lässt, dann sagt ihm alles, dann schiebt alles auf mich! Ich war's, ich bin an allem schuld. Mit etwas Glück lässt er dann nur an mir ein Exempel statuieren! Euch kann er eher brauchen als mich, euch hat er nicht so gefressen."

Mit einem letzten Schulterklopfen verabschiedet er sich von den beiden und begibt sich in Meztlis Kammer, wo er sich die noch immer klamme Kleidung auszieht und zum Trocknen ausbreitet, bevor er sich wäscht und sein Bettzeug auf einem der Teppiche ausbreitet. Ans Essen denkt er dabei gar nicht, obwohl es mittags auch schon nichts gab.

Doch kaum hat Miguel sich hingelegt, da springt er wieder auf, um rastlos in dem kleinen Raum auf und ab zu gehen. Einen besinnlichen Augenblick lang verweilt er am Fenster, blickt hinaus auf die nächtlich stille Stadt, den noch stilleren See, genießt den balsamisch kühlen Hauch auf seiner fiebrig heißen Stirn, aber ach, es nutzt nichts! Das sieht man schon an der Zahl der Adjektive, die er braucht, um sich selbst in diesem Augenblick zu beschreiben: besinnlich, nächtlich still, balsamisch kühl und fiebrig heiß! Und wie einsam und traurig der Mond ist, wie silbrig-zart sein Leuchten!

Miguel, hör schon auf, was bist du, ein Romanzenschreiber? Schäm dich!

Er setzt sich hin. Dann springt er auf. Er legt sich hin. Dann steht er auf. Ach, alle Gegenwehr, sie ist vergebens! Es hilft nichts, ein Gedicht muss her!

Und so kramt er Feder, Tinte und Notizblock hervor, entzündet eine Kerze, setzt sich an den Tisch und beginnt zu schreiben. Eigentlich ist er kein Dichter. Tanz und Flötenspiel und lustige Weisen sind sein Metier. Gedichte kann er wohl fein aufsagen, das ist sehr nützlich, das mögen die Frauen. Aber selber dichten! Ein Liebesgedicht! Schlimmer noch: ein Liebesgedicht, das man tatsächlich so meint, das man in sich spürt, bei dem das Antlitz der Verehrten einem nicht aus dem Sinn geht!

Seine früheren Dichtversuche endeten jedesmal gleich: mit einem riesigen Haufen zerknüllten Papiers und keiner einzigen Zeile, die es wert war, laut aufgesagt zu werden. Heute nacht aber fließen ihm die Worte aus der Feder, kaum dass er hier und da mal eines durchstreichen und ersetzen muss.

Er hebt nur kurz nickend den Kopf, als irgendwann gegen später Álvaro und Fellíped hereinkommen, die offensichtlich auf ihrer Wache abgelöst worden sind. Wortkarg und erschöpft sinken sie auf ihre Betten; bald darauf schnarchen sie auch schon im Duett. Miguel streicht noch einmal zwei Worte durch. Ejemplos tristes, jawoll, das trifft's besser! Rasch überfliegt er ein letztes Mal, was nun auf dem Papier steht.


Soneto: A Cihuacóatl
"Estoy contino en lágrimas bañado,
rompiendo siempre el aire con sospiros,
y más me duele el no osar deciros
que he llegado por vos al tal estado;

que viéndome do estoy y en lo que he andado
por el camino estrecho de seguiros,
si me quiero tornar para hüiros,
desmayo, viendo atrás lo que he dejado;

y si quiero subir a la alta cumbre,
a cada paso espántanme en la vía
ejemplos tristes de los que han caído;

sobre todo, me falta ya la lumbre
de la esperanza, con que andar solía
por la oscura región de vuestro olvido."[1]


Dann versucht er—leise, um seine Kameraden nicht zu wecken—es aufzusagen. Er schliesst dazu die Augen und tritt vor sie hin, sie lächelt erwartungsvoll... er öffnet den Mund, holt tief Luft... und dann... flucht er. Bitte, was ist das? Oh Miguel, du liebestrunkener Reimverdreher! Das soll ein Gedicht sein? Ich fass es nicht!

Also rasch ein zweiter Versuch. Ne, ach, Miguel, komm' mir nicht so, du! Du Witzfigur, du trunkener Schenkendichter!

Auf ein drittes! Ja, sehr schön, Miguel—für einen Achtjährigen nicht schlecht! Üb' noch ein bisschen, ja, sei ein Schatz!

Frisch gewagt und auf ein letztes: Zu Hilfe! Miguel, oh du bedauernswerter Tropf, es ist hoffnungslos mit Dir!

Doch wie er so—haareraufend!—auf und ab geht, erkennt er das Problem und lacht laut heraus. Ja, wie soll das denn auch gehen? Er kann doch nicht vor sie hintreten und ein Sonett auf Chondathan aufsagen, der Zunge eines weißen Teufels! In ihrer Sprache muss er ihr all dies gestehen!

Also wieder ans Werk. Auch diesmal küsst ihn die Muse—auf Mund, Augen, Ohren, Nase, und einmal auch hauchzart von hinten auf den Hals. Doch leicht fällt's ihm dennoch nicht. Doppelt so lange braucht er dafür, und immer wieder muss er seine Notizen zur Grammatik und zum Wortschatz heranziehen. Das mit dem er und du, dem ich und mir, und auch mit den Adjektiven, das macht er beim Sprechen immer wieder falsch, das weiß er ja, doch jetzt, wenn er ganz genau darauf achtet, wenn er es wieder durchstreichen und korrigieren kann, jetzt, wo Oghma seine Hand und Gedanken zu lenken scheint, jetzt klappt es! So hofft er. So bittet er innig. Und so klingt das ganze nun, als er aufsteht und rezitiert:


An Cihuacóatl
"Ich bade in Tränen tag und nacht,
Mein Seufzen zerreißt die Stille,
Und je grausamer er mich plagt, desto weniger wag ich dir offenbaren,
dass dir allein diesen Zustand ich verdank;

Schau, wie eifrig ich dir folge
auf diesem schmalen Pfad;
Umkehr'n will ich, vor dir flieh'n,
Verzagt blick ich zurück, was hinter mir ich ließ;

Doch vor mir lockt der höchste Gipfel,
Auch wenn bei Schritt und Tritt mich schreckt der Anblick
all jener traurigen Gestalten, die hier bereits gescheitert sind;

Überhaupt, mir fehlt der Schein der Hoffnung,
Der den Weg mir weist in diesem dunklen Land,
wo du mich längst vergessen hast."[2]


Ja! Jetzt passt es. Jetzt lächelt sie. Balsam für seine geschundene Seele! Auch wenn es ihn lockt, ihr Lächeln, ihn neckt, ihn auf Distanz hält und dabei doch alles verspricht... so magisch, so unendlich geheimnisvoll! Gleich noch einmal, damit er es wiedersieht, ihr Lächeln, denn schon schwindet das Bild...

Noch besser, noch feuriger klingt's beim zweiten Mal. Natürlich ist's so kein Sonett mehr, aber klingen tut's fast besser! Warum? Erst weiß er's nicht. Dann meint er zu sehen: weil mein Herz, meine Liebe so wild, so ungestüm brennt, da passt kein Sonett dazu, kein enges Versmaß, kein vorgeschriebener Reim! Das muss wild, das muss stürmisch klingen, und dabei hoffnungslos!

Und um wie viel ergreifender die letzte Zeile klingt in ihrer Sprache, wo das Vergessen eine Tat, nicht ein Abstraktum ist![3] Auch duzt er sie hier, weil's sonst nicht passt. Was für ein Unsinn, die Angebetete mit Ihr und Euch anzureden, doch so will's die Form! Doch wenn man sich geküsst hat, ist's dann nicht Zeit, auf das Formelle zu verzichten? Sicher, wer nur aus der Ferne schmachtet, dem mag ein Euch genügen!

Ein drittes Mal sagt Miguel es noch auf, dann trifft ihn plötzlich etwas hartes in den Rücken. Álvaro hat einen Stiefel nach ihm geworfen.

"Jetzt gib endlich Ruh, du irrer Hund!" ruft Álvaro verzweifelt. "Da kriegt man ja kein Auge zu. Da wird's selbst mir zu bunt!"

Oh weh, selbst meine Kameraden reimen schon! Oder hab ich ihm die Worte im Mund umgedreht in meinem Taumel? Hat er es eigentlich ganz anders formuliert?

Ein letztes Mal sagt Miguel die Zeilen auf, ganz leise... doch vergebens: der Augenblick ist vorbei, sein Zauber entschwunden, und mit ihm das Bild ihres Lächelns. Schal und flach klingen die Worte, und schmecken tun sie wie Asche in seinem Mund.

Er legt sich schlafen. Über Tukan graut bereits der Morgen.
 1. © Garcilaso de la Vega, 1501 (?) bis 1536 === dichten mit perform (oratory) 24; rezitieren mit perform (oratory): 10 – 13 – 16 – 13
 2. Frei übersetzt von mir, wahrscheinlich mit diversen Fehlern, doch wen kümmert's! === übersetzen mit perform (oratory): 25; rezitieren mit perform (oratory): 24, 25, 22, 10)
 3. Im Original ist es in ein (abstraktes) Nomen verpackt: = por la oscura región de vuestro olvido = im dunklen Land(strich) Eures Vergessens; in meiner Übersetzung dagegen ein Verb.
« Letzte Änderung: 15.08.2014, 10:08:54 von Miguel García Montés »
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Eclipse

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #19 am: 15.08.2014, 03:39:11 »
Als Miguel erwacht, scheint es bereits mittags zu sein, so hell strahlt die Sonne in sein Zimmer hinein. Trotz des späten Schlafes und der Träume von der weiblichen Schlange die ihn beschäftigt haben, fühlt er sich gut ausgeruht. Endlich eine Nacht unter einem Dach, noch dazu in einem Palast, auf einem richtigen Schlafplatz. Keine Hängematte in einem Schiff, kein provisorisches Lager im Regenwald, wie auf der langen Reise nach Tukan.

Als er sich umblickt, sieht er dass Alvaro und Felliped bereits fort sind. Sicherlich hatte man sie bereits für Wachdienste oder ähnliche Aufgaben herangezogen. Miguel indes wurde es wohl erlaubt weiter zu schlafen, war Drakosa wohl doch noch immer von seiner Untauglichkeit als Soldat überzeugt. Doch er würde früher oder später schon wieder auf seine Dienste zurück kommen. Ein erster Tag in Tukan lag nun bereits hinter ihm und es würde sich zeigen welche Auswirkungen Miguels Entscheidungen nun zeigen würden. Was hatte Meztli erreicht? Konnte die weibliche Schlange erfolgreich flüchten? Oder würden Miguels Tagen doch noch aufgedeckt werden und somit ihm und seinen Gefährten den Strang einbringen?

Felliped

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« Antwort #20 am: 15.08.2014, 03:46:52 »
Plötzlich klopft es an der Tür und Felliped tritt nach kurzer Zeit ein. In seinen Händen hält er einen Krug Wasser, dazu etwas Obst und einen Teller voll Maisbrot. "Hab ich mir doch gedacht, dass du gerade erst aufgestanden bist." Felliped selbst sieht man etwas die Müdigkeit an, nachdem Miguels Worte ihm ebenfalls etwas Schlaf gekostet haben. Noch immer sieht man etwas Unsicherheit und Angst in seinem Blick.

"Zieh dich an und iss etwas. Drakosa will dich sprechen sobald du bereit bist." Krug und Teller stellt der Legionär direkt neben Miguels Schlafstätte, ehe er wieder durch die Tür entschwindet. "Wir erwarten dich im Thronsaal, du wirst ihn nicht verfehlen können. Frag zur Not einen der Eingeborenen." hatte Felliped vielleicht etwa doch geredet und Miguel nun seine Henkersmahlzeit überreicht? Womöglich wäre selbst das zu viel der Gnade für Drakosa.
"Ihr Narren! Ihr werdet alle sterben!"

Miguel García Montés

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« Antwort #21 am: 15.08.2014, 12:58:00 »
Als Miguel aufwacht, dreht er sich gleich noch einmal um und schließt die Augen. Zu schön ist sein letzter Traum gewesen. Sie hat neben ihm gelegen und sich ganz eng an ihn geschmiegt und dabei sacht, oh so sacht, seine Brust gestreichelt.

Ein lautes Klopfen schreckt ihn hoch, doch als Miguel das Essen sieht, zögert er nicht lange. Ausgehungert stürzt er sich darauf, kaum dass Zeit für ein dafür um so enthusiastischer klingendes "Danke!" bleibt. Er hat sein Frühstück jedoch erst halb verzehrt, als ihm der Appetit wieder vergeht. Der Hauptmann will ihn sehen, sofort, im 'Thronsaal'. Eigentlich hat Miguel auf ein paar Tage Ruhe gehofft. So klang das gestern in der Schatzkammer.

Wieso braucht er mich so schnell wieder? Da ist doch etwas vorgefallen!

Doch was? Hat Fellíped aus lauter Angst gestanden? Flieht er deshalb gleich wieder aus dem Zimmer, kaum ohne einen Blick? 'Wir erwarten dich im Thronsaal...' Dieses 'wir' stört Miguel. Als ob Fellíped sich ganz zum Hauptmann gesellt in dessen Ansinnen. Oder ist Meztli erwischt worden? Cihuacóatl? Oder hat Meztli es tatsächlich geschafft, das Tempelgold zu verstecken, und Drakosa glaubt ihnen aber die Täuschung nicht und sucht jetzt danach?

Und wie wird der selbsternannte König von Tukan wohl nach dem verschwundenen Tempelgold suchen? Indem er alle foltern lässt, von denen er denkt, sie könnten etwas wissen. Und wen braucht er wohl, um die unter höchsten Qualen hervorgepressten Worte der Unglücklichen zu übersetzen? Mich!

Bei dem Gedanken wird Miguel so schlecht, dass er sein Frühstück um ein Haar wieder erbricht. Nur mit höchster Willensanstrengung kann er es unten behalten.

Oh Miguel, du elendsdummer Tropf![1] Daran hast du gar nicht gedacht, nicht wahr? Helfen wolltest du, dabei hast du alles nur noch schlimmer gemacht!

In fliegender Hast zieht er sich an, mitsamt Kettenhemd und Munitionsgürtel. Den Kokosfaserhut lässt er liegen, die Flöte ebenfalls. Dolch und Pistole steckt er in den Gürtel. Dann eilt er durch die Gänge, dem Thronsaal entgegen. Um soldatische Haltung bemüht er sich und soldatischen Blick.

Dann tritt er ein, durchquert den Saal in langen Schritten und lässt sich vor Drakosa nach zackig-militärischem Gruß auf ein Knie hinab. "Mein König", sagt er. "Ihr habt gerufen?"
 1. Das Wort Tropf lässt mich einfach nicht mehr los. Zu schön... :wink:
« Letzte Änderung: 15.08.2014, 13:15:00 von Miguel García Montés »
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« Antwort #22 am: 21.08.2014, 18:06:16 »
Der Thronsaal des verehrten Sprechers ist eine gewaltige Halle, die teils zu den Seiten hin geöffnet ist, wo es hinaus in die prächtigen Gärten geht. Hohe Säulen tragen das Dach und zwei gewaltige Statuen flankieren den Eingang. Ihre Form ist teils recht verwittert, was wohl anzeigt dass sie seit sehr langer Zeit hier stehen müssen.



Die Halle welche sonst gefüllt ist mit Höflingen, Besuchern und Bittstellern ist aber nun weitesgehend leer und wirkt ob ihrer Größe darum noch bedrückender. Auf einer erhöhten Plattform am Ende der Halle hat Drakosa mit seinen wichtigsten Offizieren Platz genommen, Musketenschützen und einige Männer der Adlergarde bewachen ihn. Der Hauptmann und selbsternannte König von Tukan trägt noch die meisten Teile seiner Rüstung, jedoch nicht die einschüchternde Eisenmaske sondern den von Miguel beschaffenen Goldreif auf dem hässlichen Kopf.

Der bullige Mann windet sich scheinbar schon in Vorfreude auf dem großen steinernen Thron als er Miguel herannahen sieht. "Da ist ja endlich Miguel, unsere Silberzunge und Langschläfer." ernst blickend stehen Felliped und Alvaro links und rechts neben dem Thron "Ich kann dich zwar noch immer nicht leiden, aber ich muss dir lassen dass du gestern gute Arbeit geleistet hast. Wer weiß schon wie lange wir ohne deine Hilfe in diesen Hallen nach dem Kronschatz gesucht hätten. Ich möchte dass du deine Arbeit fortführst. Meine Legionäre sind damit beschäftigt die Stadt zu sichern und wir haben nur etwa Einhundert Mann. Geh zu den Tempeln der Stadt, dass es dort ebenfalls viel Gold zu finden gibt, wissen wir ja seit Ulatos. Die Tempeldiener sollen all ihr Gold hier in den Palast schaffen, wie du das bewerkstelligst ist dir überlassen, aber ich werde dir wieder Alvaro und Felliped zur Seite stellen, um deiner Forderung Nachdruck zu verleihen."

Die beiden Männer treten vor und stellen sich salutierend und ernst an Miguels Seite auf.
"Am Ende des Tages sollen sich die Schätze in dieser Halle türmen. Und nun weggetreten!"[1]
 1. Verzeih, ich habe es gestern doch nicht mehr geschafft :)

Miguel García Montés

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« Antwort #23 am: 21.08.2014, 20:27:42 »
"Wie Ihr befehlt, mein König", sagt Miguel, doch als er aufsteht, schwankt er.

So, ich soll mir mein Grab also selbst schaufeln. Den Platz dafür habe ich mir ja gestern schon ausgesucht.

Und nicht nur das, sondern er hat Álvaro und Fellíped zu allem Überfluss mit hineingezogen; die beiden ahnen ja noch gar nicht, wie tief. Das heißt, wenn Meztli tatsächlich etwas unternommen hat...

"Verzeiht, mein König, aber seid Ihr sicher, dass Ihr die beiden entbehren könnt?" Miguel muss lauter sprechen, als ihm lieb ist, damit seine Worte den Hauptmann da oben am Ende der Treppe auch erreichen. "Es sind feine Soldaten, die anders als ich zu richtiger Arbeit taugen. Lasst mich diesen Botengang ruhig allein tun. Wenn es nur halb so leicht wird wie gestern, habt Ihr Euer Gold am Abend hier liegen. Die Eingeborenen haben mir—wie nach unserer Demonstration auf dem Marktplatz zu erwarten war—keinerlei Schwierigkeiten gemacht. Ich trau mir das zu."

Vielleicht kann Miguel als letzte Tat auf Erden wenigstens noch zwei Leben retten, so wie er zwei vernichtet hat. Gerechnet wie ein Kaufmann! Und doch ernst gemeint...

Miguel wagt kaum zu atmen, während er auf die Antwort des Hauptmanns wartet.
« Letzte Änderung: 22.08.2014, 14:39:54 von Miguel García Montés »
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« Antwort #24 am: 22.08.2014, 14:12:13 »
Drakosa runzelt etwas die Stirn als Miguel laut zu ihm herauf ruftund scheint für einen Augenblick zu überlegen "Willst mir wohl beweisen dass du was kannst  heh? Na mir soll es recht sein, dann bleiben die beiden eben halt hier. Glaub aber ja nicht, dass ich sie dir hinterher schicke, wenn du in Schwierigkeiten gerätst.  Wenn dir irgendwelche von diesen Wilden ein Messer in die Rippen rammen, nur weil du Drakosa etwas beweisen wolltest, dann hast du dir das ganz allein zuzuschreiben. Nun geh und verschwende meine Zeit nicht."

Woraufhin Drakosa die beiden Männer an Miguels Seite wieder zu sich winkt. Felliped und Alvaro nehmen erneut Aufstellung links und rechts des steinernen Throns. Zwar wissen sie nicht, mit welchen Worten Meztli fortgeschickt wurde, dennoch blicken sie Miguel flehentlich an. 'Still Drakosas Hunger nach Gold, auf dass er nie nach der weiblichen Schlange fragen möge.' scheinen ihre Augen zu sagen.

Nun war Miguel auf sich allein gestellt ... in einer Stadt dessen Bewohner ihn wohl gleichermaßen hassten wie fürchteten, regiert von einem Tyrannen welcher Miguel ohne Zweifel hinrichten würde, käme die Wahrheit über seine Taten ans Licht. Welche Hoffnung blieb ihm das Blatt noch zu wenden? Sein Schicksal hing am seidenen Faden ...

Miguel García Montés

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« Antwort #25 am: 22.08.2014, 21:24:47 »
Miguel begegnet den Blicken seiner Kameraden kurz, wobei ein gequält-spöttisches Lächeln über sein Gesicht zuckt. Er wendet sich ab und verlässt den Thronsaal wie ein Schlafwandler, kaum dass er genug von seiner Umgebung wahrnimmt, um Kollisionen mit Menschen, Säulen oder Türrahmen zu vermeiden.

Ein halber Tag Galgenfrist. Was soll er nur tun? Zum nächsten Tempel gehen, ja, aber was, wenn dort kein Gold ist? Und im nächsten Tempel auch nicht, was soll er dann tun? Er geht seine Möglichkeiten durch.

Flucht. Doch wohin? Noch wichtiger zunächst: wie? Die Stadt ist dicht. Über den See? Oder versuchen, zwischen den Wachen durchzuschleichen, gleich nach Einbruch der Dunkelheit? Oder noch bei Tag dreist hindurchmarschieren und behaupten, er sei im Auftrag des Hauptmanns unterwegs?

Oder sich auf seine Überredungskünste verlassen? Miguel spielt die Szene in seinem Kopf durch: wie er heute abend mit leeren Händen vor "König" Drakosa tritt und ihm erklärt, dass die Einwohner von Tukan—einer Stadt, von deren fantastischen Goldschätzen man sich im fernen Ulatos noch erzählt—dass also ausgerechnet in dieser goldenen Stadt die Menschen ihren Göttern kein Gold opfern...

Niemals wird Drakosa ihm das abkaufen. Eher wird er Miguel verdächtigen, das Gold für sich selbst auf die Seite geschafft zu haben, mithilfe der "Wilden", die ihm ja offenbar lieber als die eigenen Leuten seien! (Und Miguels Bitte, den "Botengang" allein erledigen zu dürfen, muss im Nachhinein als Beweis für eben dieses Vorhaben erscheinen.)

Im Grunde macht es keinen Unterschied, ob Drakosa Miguel daraufhin foltern lässt, um die Wahrheit aus ihm herauszubringen, oder ob sich Miguels andere Alptraumszene abspielen wird: dass er den Übersetzer spielen muss, während Eingeborene gequält werden...

Es bleibt also nur die Flucht!

Und damit ist Miguel wieder bei der Frage angelangt: selbst wenn diese gelingt, was dann? Wohin kann er sich wenden, wie in der Wildnis ohne Hilfe überleben? Wäre dies ein normaler Krieg, könnte er zur Gegenseite überlaufen und dort sein Leben mit dem Wissen erkaufen, das er über die Seinen besitzt. Aber hier gibt es ja keine richtige Gegenseite, niemanden, der etwas gegen den Feind unternimmt, der mit Miguels Hilfe oder Information etwas anzufangen wüsste!

Während dieser Überlegungen hat Miguel Meztlis Zimmer erreicht. Hier erlaubt er sich, mit dem Rücken zur Wand zu Boden zu sinken und für einen kurzen Augenblick das Gesicht in seinen Händen zu verbergen und sich nicht zu regen. Nichts mehr zu denken. Nichts mehr zu fühlen. Einfach nur zu atmen. Zu sein.

Frei von dem Zwang, eine Entscheidung zu fällen.

Dann erhebt er sich wieder und geht zum Tisch hinüber. Er reißt eine Seite aus seinem Notizbuch. Feder und Tintenfass stehen noch von gestern nacht bereit. Die Vorderseite adressiert er mit:

Zu Händen Hauptmann Drakosas, dringend!

Dann dreht er den Zettel um und schreibt: "Ich, Miguel García Montés, gestehe hiermit, am *Datum*[1] von der Legion desertiert zu sein. Niemand hat mir dabei geholfen und ich habe niemanden von meinen Plänen in Kenntnis gesetzt. Meine Gründe dafür sind die folgenden: dass ich es mit meinem Gewissen und meinem Glauben nicht mehr vereinen kann, an dieser Eroberung teilzuhaben, die eigentlich keine Eroberung ist, sondern ein sinnloses Abschlachten. Keine Ehre liegt in diesen Kämpfen! Die Grausamkeiten, die der Bevölkerung angetan werden, übersteigen jedes Maß und jede Notwendigkeit. Und wofür das alles? Für Gold! Die Götter mögen es verfluchen. Ersticken sollt Ihr an Eurem Gold! In eine Hölle einfahren, in der alles aus Gold ist: die Streckbank, die Handschellen, die Folterwerkzeuge. Ich jedenfalls ertrag es nicht mehr, daran teilzuhaben, und suche mein Glück—oder meinen Tod—lieber in der Flucht, in der Wildnis, in der Barmherzigkeit meiner Götter!

Miguel García Montés"


Er faltet den Zettel zusammen und versiegelt ihn mit Kerzenwachs. Dann steckt er ihn ein. Er überlegt kurz. Dann steckt er auch das Notizbuch, in dem er sein Gedicht aufgeschrieben hat, ein. Die Flöte kommt ebenso wieder um den Hals und der Kokosfaserhut auf den Kopf.

So, und jetzt will er erst einmal schauen, wie es in den nächstgelegenen Tempeln aussieht. Vielleicht braucht er den Brief ja gar nicht. Wenn das Gold jedoch fort ist, dann wird er nur rasch seine Sachen hier holen und, mit der Dunkelheit, die in diesem Land ja so plötzlich, so fast ohne Dämmerung kommt, aus dem Palast verschwinden, gleich hier durchs Fenster und dann...

Dann wird er weitersehen.

Und er lenkt seine Schritte zum Ausgang. Zielstrebig. Aufrecht. Ein entschlosser Ausdruck im Gesicht. Ein ganz gewöhnlicher Legionär auf einem ganz gewöhnlichen Botengang.

Sobald er ins Freie tritt, sieht er schon den ersten Tempel. Dieser ist gar nicht allzu weit entfernt. In der sengenden Mittagshitze stapft Miguel darauf zu.
 1. 11. Eleasis, 1362 nach Taliser Zeitrechnung
« Letzte Änderung: 02.10.2014, 15:19:42 von Eclipse »
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« Antwort #26 am: 25.08.2014, 13:25:45 »
Der erste Tempel den Miguel erspäht ist sogleich die große Pyramide des Quotal. Es ist der mit Abstand größte und wichtigste Tempel der Stadt, welcher alle anderen Gebäude überragt und somit von nahezu jeder Stelle der Stadt aus sichtbar ist. Wenn eine Chance bestand Meztli zu finden, oder zumindest seine Spur wieder aufzunehmen, dann war es sicherlich hier.



Und so verlässt Miguel die für ihn so bedrückenden Palastanlagen des verehrten Sprechers, die sich nahe an das Wasser des See schmiegen und nähert sich dem Tempelviertel, welches sich direkt nebem dem Markplatz befindet, wo noch gestern das schreckliche Massaker geschah.

Die Straßen der sicherlich einst so geschächtigen und lebendingen Stadt sind merkwürdig leer und ruhig. Die Leute scheinen sich einstweilen in ihr Häuser zu verkriechen und der Dinge zu harren die da kommen. Einzig hier und da begegnet er einer kleinen Gruppe Legionäre oder Adlergardisten, hier und dort ein paar Passanten die von einem Ort zum anderen huschen.

Schließlich nähert er sich der Pyramide des Quotal. Ein wunderschöner Tempel, der mit prächtigen Farben bemalt ist. Miguel weiß noch wenig über den Gott Quotal, doch nach allem was er erfahren hat, ist er kein blutgieriger Götze, der nach Menschenherzen verlangt, sondern ein friedfertiges Wesen, dass den Beinamen die gefiederte Schlange trägt und hier in Tukan besondere Verehrung erfährt. Somit gibt es auf der oberen Plattform auch keinen Opferaltar und keine Spuren alten Blutes laufen die Treppen hinunter.

Kaum jedoch dass er einen Fuß auf die Stufen setzt um den Tempel zu erklimmen, da eilt ihm auch schon eine junge Frau in einer einfachen weißen Kutte entgegen, das dunkle Haar mit zahlreichen Federn verziert. Sie neigt demütig das Haupt, offenbar ist ihr klar, dass die Ankunft eines Legionärs nichts Gutes bedeuten kann. "Herr ... was kann diese einfache Dienerin der gefiederten Schlange für euch tun?" fragt sie auf Nexalan, den Blick auf Miguels Stiefel gerichtet.

Miguel García Montés

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #27 am: 25.08.2014, 14:23:17 »
Miguel nimmt den Kokosfaserhut[1] ab und verneigt sich, obwohl die Geste an der Priesterin verloren ist, solange diese den Boden anstarrt.

"Ehrenwerte Dienerin der gefiederten Schlange", beginnt er. "Mein Anliegen ist einfach. Mir würde gefallen niederzuknien vor den Altar von Eure Gott Quotal und beten zu ihm, wenn ist gestattet für einen Fremden, zu tun dies. Vielleicht Ihr mir könnt erzählen etwas von Quotal? Denn seht, mich interessiere sehr für Eure Götter und Kultur und..."

Miguel bricht ab. Seine Worte klingen hohl in seinen Ohren. Warum ist er wirklich hier? Zweifelt er daran, dass Meztli etwas erreicht hat oder ist ihm nicht längst schon bewusst, was er oben finden wird—nämlich kein Gold? Aus einem Impuls heraus sagt er, was er in diesem Augenblick wirklich hier will.

"Nicht ich weiß ob werde überleben die kommende Nacht. Deshalb ich will schließen Frieden mit Eure Gott, wenn ihm gefällt. Quotal, was für eine Art von Gott er ist? Glaubt Ihr er wird vergeben die Sünden einem Menschen, der bereut ehrlich?"[2]
 1. BTW - Der Kokosfaserhut (aus Ulatos) ist mit einem geflochtenen Band verziert, die Panflöte (aus Dorf kurz vor Tukan) ebenfalls und der Beutel an Miguels Gürtel (dito) mit Federn; möglich wäre es, dass diese nicht nur zur Zierde sind, sondern irgendwas bedeuten, wovon Miguel natürlich keine Ahnung hätte. (Oder sie sind nur Zierde...)
 2. Diplomacy 24
« Letzte Änderung: 29.08.2014, 22:52:04 von Miguel García Montés »
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Eclipse

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #28 am: 29.08.2014, 16:42:44 »
Die junge Priesterin blickt erstaunt auf als sie Miguels Worte hört, offenbar berührt sie wirklich was sie hört. Miguels demütiges Auftreten und die Federn welcher er trägt tun wohl ihr übriges. "Was auch immer eure Sünden sein mögen, Quotal wird euch vergeben, wenn ihr ehrliche Reue empfindet und euch seiner annimmt." die Priesterin lädt Miguel mit einer Geste ein ihr die Stufen der Pyramide hinauf zu folgen und lächelt.

"Die gefiederte Schlange ist ein gütiger Gott. Er verabscheut Opfer wie sie Azul, Tezca oder vor allem Zaltec dargebracht werden. Er war einst einst mächtiger Gott, der bei den Itza des alten Payit große Verehrung genoss. Aber als die Menschen der wahren Welt vor langer Zeit begannen sich selbst den Göttern hinzugeben, da wandte er sich ab und verließ Maztica. Unter den grausamen Herrschern von Nexal wurde nun sein Bruder Zaltec zum mächtigsten Gott und die wahre Welt stürzte in ein dunkles Zeitalter. Doch an einigen Orten wurde die gefiederte Schlange weiter verehrt ... im fernen Payit und auch hier in Tukan, welches nie unter Nexals blutige Herrschaft fiel."

Schließlich haben Miguel und die junge Priesterin die oberste Plattform erreicht, das kleine Tempelgebäude dass sich dort befindet ist mit allerlei Schlangemotiven und Steinbildnissen verziert.[1] Von hier oben aus kann Miguel die gesamte Stadt Tukan überblicken und noch weit in die Ferne wo sich das Haus des Tezca endlos weit erstreckt. Eines bemerkt er jedoch auch sogleich ... keine der zu erwartenden Goldschätze sind hier oben zu finden, weder auf der Plattform noch innerhalb des kleinen Tempelgebäude.

Erneut wendet sich ihm die junge Priesterin zu "Doch es heißt, dass Quotal in einer Zeit größter Not zurück kehren und das Volk der wahren Welt in ein neues Zeitalter führen wird. Viele glauben dass mit der Ankunft von euch weißen Männern diese Zeit nun gekommen ist. Die Zeichen sind bereits da. In der Nacht der Klage, als Tezca verhüllt wurde ist Nexal der Vernichtung anheim gefallen. Vielleicht können sich die Menschen von Maztica nach Jahrhunderten unter Zaltecs blutiger Herrschaft endlich wieder befreien." vorsichtig und langsam legt die Priesterin ihre zarte Hand auf Miguels Brust "Ihr lasst mich hoffen, dass nicht alle von euch Weißen bösartige Teufel sind. Vielleicht können wir gemeinsam in dieses neue Zeitaler gehen."
 1. http://www.samaelgnosis.net/glosarios/quetzalcoatl.jpg

Miguel García Montés

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Zwischenspiel: Unter dem goldenen Adler
« Antwort #29 am: 29.08.2014, 19:06:35 »
Miguel betrachtet die Hand auf seiner Brust, dann schweift sein Blick über die Plattform und das Tempelgebäude. Gequält lacht er auf.

"Gemeinsam. Wenn nicht mich hätte angestellt so dumm, dann vielleicht..."

Er nimmt vorsichtig die Hand der Priesterin, zieht sie von seiner Brust und hält sie noch einen kurzen Augenblick, bevor er loslässt.

"Die Weißen, die werden kommen morgen hierher, sie sich werden benehmen wie Teufel, weil finden kein Gold hier. Werden Euch machen Schmerzen, damit Ihr möget sagen, wo ist das Gold. Nur zwei ich kenne, die nicht sind böse wie das, aber sie haben viele Angst vor unserem Capitán und den anderen, und vor euch und eure Rache. Drei Männer nicht können ändern das Schicksal. Nur ihr es könnt ändern, ihr seid viele. Ihr selbst seid eure Hoffnung."

Nach diesen Worten betritt er das Tempelgebäude, sucht sich dort das größte Abbild Quotals heraus und kniet davor. Statt eines Gebetes, bei dem man seiner Gottheit zunächst für die empfangenen Gaben dankt und dann demütig um weitere bittet und dabei allerlei Versprechen macht—so hat es die Mutter ihm beigebracht, aber das fand er immer schon zu "kaufmännisch gedacht"—statt Quotal also einen solchen Handel anzubieten, öffnet Miguel einfach seine Seele ganz weit und versucht, die göttliche Präsenz dieses Ortes in seinem Herzen zu spüren.

"Ich glaube", sagt er zu der Priesterin, als diese leise hinter ihn tritt, "Euer Quotal und mein Oghma, wenn sie sich würden kennen, sich verstünden gut. Bestimmt wären Freunde. Sagt, zu Quotal, ihm gefällt Musik?"

Schon springt er auf und zückt die Flöte. Kaum, dass die Priesterin ihre Zustimmung genickt hat, beginnt er zu spielen. Nicht nur an Oghma und Quotal denkt er bei seinem Spiel, auch an den ehemaligen Besitzer der Flöte. Vielleicht lauscht dieser ja ebenfalls und erkennt, dass dieses Lied für ihn ist. Dass mit diesem Lied, Miguel ihn um Vergebung bittet.

Schon nach den ersten Tönen merkt Miguel, dass Oghma mit ihm ist.[1] Oghma will die Versöhnung. Oghma will, dass Quotal Miguels Spiel hört. Quotal soll hören, dass nicht alle Weißen böse sind, dass nicht alle seinem Volk Böses wollen, dass auch sie etwas von Schönheit und Freiheit verstehen, von Freundschaft und Lebensfreude. Und weil es ein Liebeslied ist, das Miguel als erstes in den Sinn kam, singt er dazu.[2] Seine Stimme ist heiser und zittert, aber dennoch ist sein Gesang erfüllt von Sehnsucht und Gottesfurcht.[3]

Und zwischen den beiden Strophen beginnt er zu tanzen. Mit Herz und Seele gibt er sich dem Tanz hin, dem Rausch, der Ekstase, für die ein Schamane erst irgendwelche Pilze einnehmen müsste oder geheimnisvolle Kräuter verbrennen.[4] Und dabei spielt Miguel auf seiner Rohrenflöte, kaum ohne Luft zu holen—holt er überhaupt Luft? Er weiß es selbst nicht; ihm schwindelt, aber trotzdem sieht er klar, trotzdem fehlt ihm nicht der Atem, weder zum Spiel noch zum Tanz—und dann wird sein Spiel noch etwas schneller, sein Tanz noch etwas wilder, und es klingt wie zwei Flöten und es scheint, als könne ein einzelner Tänzer nicht so durch den ganzen Raum wirbeln, dass er fast überall zugleich ist, und dann ist der letzte Ton verklungen und Miguel steht schwer atmend, mit roten Wangen und entrücktem Blick vor der Priesterin.

Eine Weile lang sagt er nichts, versucht nur, wieder zu Atem zu kommen. Dann fragt er:

"Wisst Ihr, ehrwürdige Dienerin der geflügelten Schlange, wo kann finden ich ein pipiltin jungen, der sich nennt Meztli?"
 1. perform (flutes) = 31 (natürliche 20!) :)
 2. An dieses Stück dachte ich.
 3. perform (sing) = 16
 4. perform (dance) = 30
« Letzte Änderung: 30.08.2014, 18:13:22 von Miguel García Montés »
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