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Autor Thema: Die Legenden von Eredane - Die Reisenden  (Gelesen 36575 mal)

Beschreibung: Kapitel 1

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Ferygan

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Die Legenden von Eredane - Die Reisenden
« Antwort #285 am: 22.06.2015, 11:00:14 »
Im Morgengrauen taubenetzt aufwachend, lockerte Ferygan seine verkrampften Muskeln ehe er vorsichtig begann den Baum hinab zu klettern. Mehrmals war er in der Nacht erwacht und hatte gelauscht nur um schließlich wieder beunruhigt ein zunicken.

Gerade als er nach Tami suchen wollte tauchte das Mädchen unverhofft mit ihrem Wolf an der Seite neben ihm auf. Einen morgendlichen Gruß murmelnd, aß der Handwerker schweigend mit ihr und Cassandra ein karges Frühstück, ehe sie ihre Dinge wieder zusammen packten. Unbewusst flüsternd, verrät Ferygan seine Nervosität über seine Stimme: "Ich würde vorschlagen, dass wir zum Dorf schleichen. Wenn wir dort auf die wandelnden Toten treffen, dann kehren wir nach Randdorf zurück und berichten was wir gesehen haben."

Abwartend die beiden Frauen musternd, war dem Erenländer nicht wohl in seiner Haut. Es war eine Sache in dunklen Gassen einen Hinterhalt für Menschen zu legen, aber eine ganz andere gegen Untote in unbekannter Umgebung vorzugehen...

Bane of Izrador

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Die Legenden von Eredane - Die Reisenden
« Antwort #286 am: 22.06.2015, 15:18:32 »
Während Ferygan und Cassandra auf ihrem unbequemen Platz im Baum irgendwann vom Schlaf übermannt wurden, blieb Tami die ganze Nacht über wach. Schleicher kam irgendwann zur Ruhe, Tamis Anwesenheit hatte wie immer eine beruhigende Wirkung auf ihn. Als Tami immer öfter die Auen zuzufallen drohten, kroch sie unter Schleicher weg, um die Beine zu bewegen und das Gesicht in die feuchte und kalte Nachtluft zu halten.
Und während sie dort saß und den beruhigenden Anblick der Sterne genoss, fuhr ihr plötzlich ein furchtbarer Schrecken in die Glieder.
Irgendwo ganz in der Nähe hörte sie wieder diese entsetzlichen Geräusche dieser Wesen, ein Knurren und Schlurfen, wie sie es bislang von keinem andere Geschöpf gehört hatte. Sie wurde ganz still, wagte kaum zu atmen. Schleicher schlief fest und bekam offenbar nichts davon mit. Tami hatte bereits ein paar mal erlebt, dass er tief schlafen konnte, wenn sie wache hielt, wenn sie dagegen schlief, waren seine Ohren immer gespitzt. Tami lauschte und wartete. Das Geräusch kam nicht aus ihrer unmittelbaren Nähe und sie konnte weder etwas sehen noch genau die Richtung bestimmen. Sie wartete weiter und hoffte. Bald erkannte sie, dass das Geräusch anders war, weniger bedrohlich. Und dann erkannte sie, dass es diesmal wohl nur eines oder sehr wenige dieser Wesen waren, die irgendwo durch die Nacht schlichen. Sie lauschte weiter, kamen die Geräusche näher?

Plötzlich wurde Tami wach, als Schleicher sie mit der Nase anstupste. Die Sonne stand bereits am Himmel und die Welt sah friedlich aus. Tami war hundemüde und ihre Knochen schmerzen[1]. Und plötzlich erschrak sie, erinnerte sich an die Geräusche der Nacht und schaute sich erschrocken um, doch alles war ruhig und friedlich. Die Vögel zwitscherten, die Strahlen der Sonne fühlten sich angenehm warm an und auf einem Baum und der Nähe sah sie Ferygan und Cassandra sitzen. Von den Wesen war nichts zu sehen, allen ging es gut. Sie wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte, aber es konnte nicht allzu lange gewesen sein, so wie sie sich fühlte. Schleicher war aber wohl auf und munter, und sprang auf dem Felsen herum und wollte toben.
 1. Tami ist an diesem Tag Erschöpft (fatigued)

Tami Wolfsbrut

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« Antwort #287 am: 23.06.2015, 21:33:18 »
Aber Tami wollte nicht toben. Tami wollte schlafen. Müde kaute sie auf ihrem Frühstück herum. Irgendwann kippte sie um und schlief ein, doch das gefiel Schleicher nicht: er stupste sie sofort wieder wach. Sie schimpfte ihn auf halblingisch aus, aber er schien es für aufmunternde Worte zu halten und verdoppelte seine Anstrengungen, Tami in ein Spiel zu verwickeln—umsonst.

"Lasst uns schnell das Dorf untersuchen", schlug Tami vor. "Und dann nichts wie zurück nach Randdorf."

Dass sie das einmal sagen würde, hätte sie sich gestern noch nicht träumen lassen. Wo sie doch eigentlich zu dem Schluss gekommen war, dass sie sich in der Wildnis immer sicherer gefühlt hatte als dort, selbst allein, nur mit Schleicher.
Nur ein toter Ork ist ein guter Ork.

Bane of Izrador

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« Antwort #288 am: 25.06.2015, 11:04:37 »
Also packten die drei nach dem Frühstück ihre Sachen zusammen. Cassadra war sehr still am Morgen, sie sah blass aus und Feryggan hatte bemerkt, dass sie die Nacht über häufig erschrocken aufgewacht war, offenbar verfolgte sie die Begegnung mit den Kreaturen bis in ihre Träume. Sie lächelte, als Ferygan ihr seine Hilfe anbot, winkte aber ab. Dann nahmen alle ihre Sachen auf und marschierten los. Schleicher war gut gelaunt und sprang herum, hielt aber etwas Abstand zu Tami und hielt sich eher an Ferygan, der immer wieder mal von hinten oder von vorne angesprungen wurde. Der Adler flog hoch über ihnen in der Luft.

Und so näherten Sie sich erneut dem Dorf. Als sie in die Nähe kamen gingen sie langsamer und wurden vorsichtig und bald sahen sie die Senke vor sich, in der sie zuerst ihr Lager aufgeschlagen hatten. Von hier aus war nichts ungewöhnliches zu erkennen. Von der kleinen Kuppe würden sie aber einen guten Überblick über das Land haben und das Dorf, das zwar noch ein gutes Stück entfernt aber bereits gut zu erkennen war. Wenn diese Kreaturen dort herumliefen, würden sie es bemerken, ohne selbst gesehen zu werden.

Tami Wolfsbrut

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« Antwort #289 am: 25.06.2015, 18:15:14 »
Trotz ihrer Müdigkeit suchte Tami unterwegs den Boden (beim ersten Lager auch die Brombeerhecke) gründlich nach Spuren ab. Besonders sorgfältig betrachtete und beschnüffelte sie natürlich die Spuren der schrecklichen Kreaturen, die sie in der Nacht aus ihrem ersten Lager vertrieben hatten. Wieviele waren es gewesen, woher waren sie gekommen, wohin abgezogen?

Aber auch vorher schon hielt sie Ausschau nach weitere Fußspuren (da, wo sie auf ihrer einsamen Wache Geräusche gehört hatte) und nach Wolfsspuren. Falls sie solche fände, würde sie auch interessieren: wieviele? woher? wohin?

Schleicher, der dachte, dies sei endlich ein Spiel, half eifrig, allerdings wenig zielstrebig.[1]

Schließlich hielt sie auch noch nach Spuren dieses seltsamen echsenartigen Wesens Ausschau, das ihnen bei ihrer Mittagsrast begegnet war.
 1. Tami survival (track + scent) = 24; Schleicher (track by scent) = 11
« Letzte Änderung: 25.06.2015, 18:18:58 von Tami Wolfsbrut »
Nur ein toter Ork ist ein guter Ork.

Bane of Izrador

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« Antwort #290 am: 26.06.2015, 09:30:32 »
Obwohl Tamis Augen recht müde waren, konnte sie im feuchten Gras die Spuren einzelner menschlich aussehender Wesen finden, die in der Nacht bei ihrem zweiten Lager gewesen waren. Es waren aber seltsame Spuren, die kein normaler Mensch hinterlassen würde, sie dachte sofort an die Wesen. Es waren also doch einzelne dieser Kreaturen ihnen gefolgt, sie war nicht sicher ob zwei oder drei, weil der schlurfende Gang die Spuren immer wieder verwischt hatte. Sie waren sehr nah am Baum gewesen, aber dann in eine andere Richtung abgebogen. Tami konnte nicht sagen, warum.

Ferygan beobachtete genau das Umfeld, nachdem Tami ihm die Spuren gezeigt hatte und war während ihrer Rückreise aufmerksam, aber die Kreaturen schienen fort zu sein. Er konnte keine Spur mehr von ihnen entdecken.

Als sie schließlich an ihrem ersten Lagerplatz ankamen, fand sie Unmengen derselben Spuren, die Anzahl konnte sie kaum schätzen, aber sie passte ungefähr zu den zehn gestalten, die sie in der Nacht gezählt hatte. In der Luft hing noch der modrige Geruch der Kreaturen. Als sie sich ansah, wohin die Wesen vom Lagerplatz aus gegangen waren erkannte sie, dass sie zunächst der Gruppe gefolgt waren, dann aber schnell in unterschiedliche Richtungen weiter gegangen waren. Einige Spuren führten aber weiter in Richtung des Baums, dort hatte Tami sie ja bereits entdeckt. Gekommen waren die Kreaturen eindeutig aus dem Dorf und einige waren vom Lagerplatz auch direkt dorthin zurück gekehrt. Ferygan fand auch um ihren ersten Lagerplatz nichts auffälliges. Die Kreaturen waren fort.

Andere Spuren, von Wölfen oder dem anderen Wesen, fand sie nicht.
« Letzte Änderung: 26.06.2015, 12:33:32 von Bane of Izrador »

Ferygan

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« Antwort #291 am: 26.06.2015, 09:46:32 »
Tami beim Frühstück vollkommen zustimmend, hatte der Handwerker den Rest seines Frühstücks äußerst abgelenkt und unkonzentriert zerkaut, ehe er mit einem unguten Gefühl in der Magengegend los gegangen war. Noch stiller als üblich, schlich er schließlich zu ihrem alten Lagerplatz und sah sich um. Während Tami die Spuren gemeinsam mit Schleicher untersuchte hielt ihr der Erenländer den Rücken frei und achtete darauf, dass sich ihnen niemand unbemerkt näherte.

Schließlich wieder zu Tami bewegend, deutete ihr der junge Mann sich geduckt zu der kleinen Kuppe vor zu wagen um von dort einen Überblick bei frischen Tageslicht zu bekommen. Sollte ihnen einstweilen nichts geschehen oder auffallen, so fragte Ferygan seine Kameradin dort leise was sie gefunden hatte.
« Letzte Änderung: 26.06.2015, 09:47:44 von Ferygan »

Tami Wolfsbrut

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« Antwort #292 am: 19.07.2015, 09:40:11 »
Tami erzählte ihren beiden menschlichen Begleitern rasch, was sie gefunden hatte. Dabei musste sie immer wieder gähnen und ein paarmal fielen ihr gar die Augen zu.

"Also", schloss sie mit gesenkter Stimme, "wenn ich die Spuren richtig deute, dann rotten sich diese Mistkerle immer nur zusammen, wenn sie jemanden überfallen wollen—das Dorf oder unser Lager gestern abend—und laufen ansonsten eher planlos in kleineren Gruppen durch die Gegend. Es könnte natürlich auch sein, dass sie sich gestern getrennt haben, weil sie außer uns noch andere Leute verfolgt haben. Überlebende aus dem Dorf vielleicht, was meint ihr? Dann sollten wir sie suchen, sie könnten uns am besten sagen, was hier passiert ist. Aber erst einmal schauen wir uns das Dorf an. Vielleicht kann ich ja herausfinden, aus welcher Richtung die Angreifer kamen."

Während Tami diesen Vorschlag machte, dachte sie, dass es eigentlich ziemlich dumm von ihnen war, sich zu viert mit einer Bande anzulegen, die ein ganzes Dorf abgemetzelt hatte. Doch wer sonst würde die Sache untersuchen? Aus Randdorf niemand, da war Tami sich sicher. Die verbarrikadierten sich lieber vor Ort und warteten, dass sie an die Reihe kämen, dabei hätten sie bestimmt eine größere Chance zu überleben, wenn sie loszögen und die Kerle jagten, wie diese noch verstreut umeinanderliefen, und auf diese Weise einzeln erledigten. Sie stellte sich vor, diesen Vorschlag vor dem Ältestenrat vorzubringen. 'Kind', würde man ihr antworten, und ihr dann in nachsichtigen Worten erklären, warum das kein guter Plan war und sie möge die Erwachsenen doch bitte machen lassen und sich nicht darum sorgen.

Zu Ferygans Vorschlag nickte sie und wollte sich schon aufmachen[1], da platzte es plötzlich aus ihr heraus: "Wie können diese Menschen noch leben? Hast du die schrecklichen Verwundungen gesehen? Und der gräßliche Gestank, als würde Fleisch vergammeln! Das kann doch eigentlich gar nicht sein, dass die noch rumlaufen!"
 1. Hier habe ich schon einmal auf die folgende Aktion gewürfelt.
« Letzte Änderung: 24.07.2015, 21:47:22 von Tami Wolfsbrut »
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Bane of Izrador

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« Antwort #293 am: 04.08.2015, 12:50:55 »
Ferygan schaute Tami nur an, offenbar wusste er nicht recht, was er ihr antworten sollte. Nach einem kurzen Moment des Schweigens zeigte er in Richtung des Dorfs und nickte Tami zu. "Schauen wir es uns an", sagte er mit fester Stimme. Cassandra jedoch sah nicht so aus, als wolle sie mitkommen. Als Ferygan dies sah, sagte er "wir gehen alleine, bleib hier und achte auf das Gepäck und ob sich jemand nähert. Falls Gefahr droht kann uns dein Vogel ja warnen".

Damit gingen die beiden los und schlichen in Richtung des Dorfs. Zunächst sah alles aus wie bei ihrem letzten Besuch, es war still und sie konnten keine Bewegung ausmachen. Doch als sie näher kamen, entdeckte Tami bald doch etwas, was anders war. Sie stieß auf Spuren von schlurfenden Füßen, die in Richtung des Dorfes gegangen waren und als sie sich weiter näherten sah sie weitere Spuren. Offenbar waren die Kreaturen am Morgen wieder zurück ins Dorf gekommen, denn die Spuren waren frisch. Aber zu sehen oder zu hören war nichts im Dorf. Die Büsche und Sträucher außerhalb des Walls boten ihnen gute Deckung, daher konnten sie sich bis auf 20 Meter der niedergebrannten Hecke nähern. Auch von dort war aber nichts zu entdecken. Schleicher hob die Nase in die Ruft und knurrte leise und da bemerkten die beiden es auch, in der Luft lag etwas von dem modrigen üblen Geruch, den sie schon von ihrem Lagerplatz kannten.

Tami Wolfsbrut

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« Antwort #294 am: 07.08.2015, 23:06:35 »
"Die sind alle da im Dorf", wisperte Tami und deutete auf einige der schlurfenden Fußspuren in der Nähe. "Halten sich wohl in den Häusern versteckt. Was machen wir jetzt? Zurück nach Randdorf, wie du gesagt hast?"

Nachdenklich betrachtete sie die Hecke. "Feuer", sagte sie. "Die Bewohner haben sich mit Feuer gegen die Angreifer gewehrt und auch einige erwischt, aber es waren halt zu viele. So wird's Randdorf auch ergehen, wenn wir nichts tun. Ich weiß, zu dritt können wir nicht viel ausrichten, oder auch zu viert", fügte sie hinzu, wobei sie einen Blick in die grobe Richtung warf, in der sie Cassandra zurückgelassen hatten. "Aber vielleicht können wir uns doch schnell hineinschleichen und ihnen wenigstens eins der Häuser—da, wo's am ekligsten stinkt—über den Köpfen anzünden. Dass sie wenigstens ein paar weniger sind, wenn sie sich zum nächsten Dorf aufmachen oder... sonstwem begegnen."

Tami erschrak bei dem Gedanken: die Holzäpfel konnten ja noch gar nicht so weit entfernt sein! Alvin hatte ihr nicht gesagt, in welche Richtung er mit den seinen weiter wollte; wenn in diese, waren sie womöglich ganz in der Nähe! Dann wären diese wandelnden Toten, wie Ferygan sie genannt hatte—"Glaubst du wirklich, dass sie tot sind? Aber sie laufen doch noch rum!"—auch eine Gefahr für die fahrende Halblingssippe. "Sie sind eine Gefahr für die ganze Gegend! Und was ist, wenn doch jemand aus Weidenhof entkommen ist? Aber die wären ja wohl Richtung Randdorf geflohen, oder was gibt es hier sonst noch in der Nähe? Soll ich ringsum nach Spuren suchen, ob doch wer entkommen ist?"

So erregt hatte Ferygan Tami noch nicht erlebt und er konnte den Grund dafür ja auch nicht wissen, Tami selbst war ihn sich nur halb bewusst: schon wieder fliehen? Immer nur fliehen und andere sterben lassen? Wie oft denn noch? Sie wollte sich endlich einmal wehren und die ihren verteidigen! Bei den Holzäpfeln hatte sie ja ein paarmal helfen dürfen, wenn die Frauen und älteren Kinder gemeinsam einen fliehenden oder verwundeten Ork mit ihren Schleudern noch gar den Garaus gemacht haben...

"Irgendwas müssen wir doch tun!"
« Letzte Änderung: 07.08.2015, 23:13:03 von Tami Wolfsbrut »
Nur ein toter Ork ist ein guter Ork.

Ferygan

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« Antwort #295 am: 10.08.2015, 11:55:41 »
Tami aufmerksam musternd, nickte Ferygan schließlich zustimmend. Etws musste getan werden. Doch eine Frage beschäftigte ihn noch mehr: "Wie es wohl zu der ganzen Sache gekommen ist?" fragte er leise und warf immer wieder misstrauische Blicke in die Umgebung.

Die angespannte Aufregung der Erenländerin für einen Augenblick beobachtend, murmelte der Handwerker schließlich: "Ich weiss nicht was wir alles aus den Spuren lesen können, aber denkst du wirklich, dass es schlau ist, wenn wir da rein schleichen?" Mit einem Schaudern an die vergangene Nacht denkend, möchte Ferygan so ein Vorgehen lieber vermeiden.

"Glaubst du wir könnten zu dritt eine Falle bauen und diese Monster so vernichten?" Mit einer Grube die mit angespitzten Pfählen versehen ist, eine wackelige Brücke über einem flott dahin fließenden Fluß, einen Steinschlag auslösend wenn sich die Wesen um ein angekettetes Tier kümmerten - sind alles Vorschläge die dem Kleinschmied einfallen und die er auch gerne mit Tami teilte.

Tami Wolfsbrut

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« Antwort #296 am: 12.08.2015, 12:09:15 »
"Ich habe nicht erkennen können, aus welcher Richtung sie kamen, aber ich bin auch noch nicht einmal um das ganze Dorf herum und hab nach Spuren gesucht", sagte Tami. "Ich find's aber komisch, dass die alle wieder hierher zurückgekommen sind. Gestern nacht schienen sie doch eher unüberlegt hierhin und dorthin zu laufen, und gar nicht miteinander irgendwohin. Wie schlau sind die wohl? Arbeiten die überhaupt zusammen? Haben sie einen Anführer? Was hat sie ins Dorf zurückgelockt?"

Ferygans Vorschlägen zu den verschiedenen Fallen lauschte sie aufmerksam. Das wäre ihr natürlich auch am liebsten, wenn man eine schlaue Falle bauen könnte, aber die, die ihr Packführer da beschrieb, schienen ihr alle nicht durchführbar.

"Für die Grube und die Pfähle bräuchten wir mehr Zeit und mehr Leute, gegen den Fluss spricht, dass wir nicht wissen, ob Wasser ihnen überhaupt was ausmacht—ertrinken können sie ja wohl nicht mehr, oder? Wenn du recht hast und sie sind schon tot!—und dann spülen sie halt bloß sonstwo an Land und es gibt anderswo dieselben Probleme. Und das mit dem Tier—warum sollten sie sich dafür interessieren? Essen sie noch? Und selbst wenn: ein Tier wird höchstens drei oder vier von denen beschäftigen. Wir müssten schon sehr viele Tiere fangen... lebendig noch dazu, das ist noch schwerer als tot. Was besseres weiß ich aber auch nicht. Ich bin wohl sehr dumm."

Sie spähte noch einmal zum Dorf hinüber. Konnte man sich da irgendwo anschleichen, gab es irgendwelche Deckung oder—von den Fenstern der Häuser ausgesehen—tote Winkel?[1]

"Eigentlich säßen sie da ja schon in einer Falle, wenn wir das nur irgendwie ausnutzen könnten..."

Sie sah Schleicher an, als müsste er eine Idee haben. Er schleckte ihr eifrig die Hand.

"Oder sollen wir erst nach Überlebenden suchen? Vielleicht wäre da einer dabei, der uns helfen würde." Das klang eher zweifelnd.
 1. Perception = 25
« Letzte Änderung: 12.08.2015, 12:10:40 von Tami Wolfsbrut »
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Bane of Izrador

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« Antwort #297 am: 12.08.2015, 16:57:58 »
Tami schaute sich das Dorf nun unter taktischen Überlegungen an und stellte fest, dass die Häuser kreuz und quer standen. Es gab überall tote Winkel und Ecken zum Verstecken.

Sie sah auch jetzt nichts und niemand, auch keine Bewegung an den Fenstern. Die meisten Häuser hatten keinen Stoff an den Fensterlöchern, nur bei einem Haus waren Fenstertücher, diese hingen jedoch in Fetzen und bewegten sich leicht im Wind.

Tami Wolfsbrut

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« Antwort #298 am: 12.08.2015, 17:29:02 »
"Also ich glaub ja, das mit dem Anschleichen wird nicht so schwer", sagte Tami. Das musste Ferygan doch eigentlich auch sehen. "Hast du Angst, traust du dich deshalb nicht rein? Oder hältst du mich für ein Kind, auf das man nur aufpassen muss, das nicht helfen kann?"

Sie wurde nicht so ganz schlau aus ihm. Vor dem alten Dorfwart war er davongelaufen, aber dann hatte er sich bereit erklärt nachzuschauen, wer einen ganzen Weiler ermordet hatte. War er jetzt mutig oder doch so feige wie die meisten Menschen?

"Wenn es das ist, dann muss ich dir sagen, dass ich kein Kind mehr bin. Meine Eltern konnten mir nie so genau sagen, wie alt ich bin, weil sie mich gefunden haben, aber ich könnte schon einen Wurf haben, seit fünf Jahren schon, also bin ich auch seit fünf Jahren erwachsen. In der Tierwelt ist es so. Warum die Menschen das anders sehen, kapier ich nicht."

Tami klappte überrascht den Mund zu. Wo kam dieser Wortschwall bloß her? Eigentlich hatte sie ja nur sagen wollen: "Du kannst dich auf mich verlassen."

Sie teilte ihm noch rasch ihre restlichen Beobachtungen mit, dann packte sie ihren Bogen fester und wartete auf die Entscheidung des Packführers.
« Letzte Änderung: 12.08.2015, 17:54:40 von Tami Wolfsbrut »
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Ferygan

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« Antwort #299 am: 14.08.2015, 10:59:59 »
Seinen Blick nachdenklich auf das Dorf gerichtet, dachte der Handwerker nach während Tami ihre Gedanken zu dieser Situation teilte. Im Geiste immer noch mit Möglichkeiten für Fallen und der Beseitigung der Wandelnden beschäftigt, bekam er ihre Worte über Angst, Kinder und Zeugungsfähigkeit nur am Rande mit.

Schließlich hackte er bei dem Punkt ein, der ihn am meisten beschäftigte. "Sie sind gestern Nacht wegen uns gekommen. Deswegen wäre mir ein Tier lieber als Köder, als dass erneut wir der Köder sind." klärte er die junge Frau geduldig über seine Herangehensweise auf. Vielleicht konnte man wirklich unter einem steilen Hang erneut ein Feuer machen und den Hang zuvor so präparieren, dass er möglichst viele von den Wesen unter sich begrub wenn sie sich erneut zeigten. Das war natürlich verdammt viel Arbeit und Risiko, doch etwas Besseres wollte ihm partout nicht einfallen.

"Wir wissen doch, dass sie im Dorf sind. Weshalb sollten wir uns in Gefahr bringen und zu ihnen schleichen? Was können wir dadurch gewinnen?" fragte Ferygan die Waldläuferin leise.

Irgendwie wurde ihm die Situation mit Tami langsam unangenehm. Das lebhafte Mädchen, oder die junge Frau eben, schien die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen als er es selbst tat. Natürlich tut man sich zusammen um ein Ziel zu erreichen. Und natürlich hatte das Wort eines über zwanzig Winter alten Menschens mehr Gewicht, als das eines wohl kaum sechzehn Sommer Zählenden. Nur "Rudel" und dergleichen, dass war ihm zuviel... Er, Ferygan, war schon damit beschäftigt sich selbst am Leben zu halten und nun so etwas...

Einen langen Seitenblick auf Tami werfend, wendete er sich wieder dem Dorf zu. Vielleicht hatte sie ja recht und die Wesen waren bei Tageslicht angreifbar und hoffentlich sogar wehrlos...

Noch ehe das Wolfsmädchen eine Antwort formulieren kann, nickt der Handwerker schließlich schicksalsergeben und fällt die Entscheidung: "Aber vielleicht hast du recht" seufzt er "Sehen wir uns das Ganze aus der Nähe an. Erspart uns eventuell verdammt viel Schufterei beim Fallen bauen. Sollte es zu eng werden, rennen wir zu Cassandra. Besonders sollten wir getrennt werden."

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