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Autor Thema: Heiliger Boden  (Gelesen 113140 mal)

Beschreibung: Kapitel 1

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Henry

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Heiliger Boden
« Antwort #660 am: 08.06.2015, 13:33:20 »
Ohne einen weiteren Gedanken ergriff Henry die Hand der hübschen Priesterin. Er war glücklich, dass es jemanden gab, der ihn verstand, und mit dem er diesselbe Erfahrung teilen konnte. Er lächelte ihr zu, ließ ihre Hand dann aber schnell wieder los, als hätte er etwas ungehöriges getan. Und vielleicht fühlte er auch so, denn er blickte dann etwas beschämt in eine andere Richtung.
"Be just, and fear not: Let all the ends thou aim'st at be thy country's, Thy God's, and truth's." - Shakespeare: King Henry VIII., Act 3, Scene 2

Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #661 am: 09.06.2015, 11:15:30 »
Harry entging der schüchterne Händedruck nicht. Er grinste entzückt und ein kleines bisschen boshaft. Oder sagen wir hämisch. Nein, spöttisch. Oder benennen wir es gar nicht. Eine Augenbraue ging dabei hoch, das war alles. Überhaupt huschte das Grinsen nur ganz eilig über sein Gesicht, dann wurde er schon wieder ernst.

"Ähm, Henry", begann er vorsichtig. "Bist du dir sicher, dass du vorhin nicht zuviel Rauch eingeatmet hast? Daheim hätte man dir erst einmal eine Sauerstoffmaske über das Gesicht gestülpt. Schreckliche Dinge passieren, wenn das Gehirn nicht genug Sauerstoff bekommt! Die Leute fangen an, wirr zu reden, daran merkt man es zuerst... Der Schatten, den du gesehen hast, bevor der Dämonenprophet dich mit Erde beschmiss, war das Passepartout des Herrn? Sag, wie soll man sich bei so einem Ausspruch keine Sorgen um dich machen? Das klingt so gar nicht nach dir. Außerdem dachte ich, man darf sich kein Bild von Gott machen, aber ein Passepartout ist erlaubt? Oder liegt genau darin der Trick? Weil man sich kein Bild von ihm machen darf, behilft man sich mit einem Passepartout, um—ja was?—seine Größe abzustecken? Aber da er größer ist als alles andere, müsste man sich das Passepartout schon direkt vor die Nase halten, um mehr als nur einen winzigen Ausschnitt seiner Herrlichkeit zu erblicken, aber dann kann das Teil ja keinen Schatten werfen, ganz abgesehen davon, dass es zu nichts nutze wär. Also, du musst zugeben, von welcher Seite her man die Sache auch betrachtet, das mit dem Passepartout klingt seltsam. Ich glaube ja, der Schatten stammte von deinen eigenen, dunklen Neigungen oder gar von Lucifer selbst. Wie das Licht den Schatten braucht, um geschätzt zu werden, so braucht Gott seinen Gegenpart, so braucht jeder einzelne Mensch in sich das Gute wie das Böse. Freier Wille nennt man letzteres gern, oder auch die Vertreibung aus dem Paradies. Aber darüber könnte Lilith dir ja sicherlich mehr erzählen, als Augenzeugin.

Und Ihr, Kara"
, wandte er sich an diese, "Ihr traut Euch zu, einen dreitausend Jahre alten goldenen Drachen erfolgreich zu belügen? Allerhand! Hätte ich doch nur die Hälfte Eures Selbstvertrauens, ach was, ein Zehntel tät mir langen! Interessant, wenn man dies zum Rest Eurer Selbstbeschreibung fügt—nach der ich übrigens gar nicht gefragt hatte, doch ich weiß es zu schätzen, dass Ihr uns diese anvertraut habt—ja also, wie gesagt, das ergibt ein interessantes Bild. Lügen und Betrügen war Euer Métier, Machtspiele und Marionettentheater. Und der Schattenfürst, wer war denn das? Klingt verlockend ominös. Nun, jedenfalls erscheint es mir in diesem Licht betrachtet umso erstaunlicher und bewundernswerter, dass Ihr den Dämon in Euch bekämpfen wollt, statt seine Macht für Euch zu nutzen. Gerade weil Euer Gott tot ist! Hat Euer Gast nicht schon versucht, sich als 'Ersatz' anzubieten? Wie heißt er denn eigentlich? Der Gast, nicht der Gott."
« Letzte Änderung: 09.06.2015, 11:24:42 von Harry Webster »
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Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #662 am: 09.06.2015, 13:10:46 »
Jurij holte nach Harry langer rede tief Luft. Das tat gut einfach zu atmen, und nicht auf irgendetwas reagieren zu müssen. Denn noch fragte er ruhig. „Anstelle zu sagen was wir nicht können, sollten wir langsam zu dem Punkt kommen der sagt was wir können. Wir drehen uns gerade im Kreis und dabei sind wir nicht die anonymen Besessenen.“ Provokativ, denn Harry war der der sich gerade am meisten weigerte mit einem Drachen zu sprechen, blickte Jurij ihn an. Innerlich war er von ihrer Zusammenarbeit, von den Früchten des Erfolges, gerade nicht sehr erfreud.
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Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #663 am: 09.06.2015, 13:31:47 »
"Oh, wenn ich an dieser Stelle noch anmerken darf", sagte Harry, den Jurijs finsterer Blick wenig zu bekümmern oder zu beeindrucken schien, "wie unglaublich überrascht ich war zu erfahren, dass wir eine derart illustere Persönlichkeit in unserer Mitte haben." Er sah Aria dabei an. "Aria! Dass du so einfach mal Plätze für uns auf einem militärischen Flugschiff besorgen kannst, noch dazu, wo ein Krieg ins Haus steht... ich finde keine Worte!"
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Sternenblut

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Heiliger Boden
« Antwort #664 am: 09.06.2015, 13:46:46 »
Aria sah Harry eine ganze Zeit schweigend an. Ob sie über etwas nachdachte, oder verärgert war, war unmöglich zu sagen. Schließlich aber erwiderte sie: "Ich habe nie gesagt, dass es leicht ist - aber ja, ich könnte das organisieren, glaube ich."

Dann sah sie zu Henry. "Zu deinem Erlebnis würde ich dir gern noch etwas sagen - aber unter vier Augen. Es ist persönlich.  Begleitest du mich kurz?"
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Rillfarsell

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Heiliger Boden
« Antwort #665 am: 09.06.2015, 15:40:54 »
Rillfarsell hatte leise vor sich hingekichert, als es Harry reden hörte.
Schließlich meldete es sich aber auch wieder zu Wort.
"Harry, der Drachling, der sich Sorgen macht, er könnte wieder einem Drachen begegnen?! Das wirkt auf mich seltsam. Solltet du dich nicht freuen? Ihr könntet vielleicht Erfahrungen austauschen oder du könntest fragen, ob er eine hübsche Schwester oder Cousine hat, die noch allein ist."
Wieder ein kurzes zirpendes Kichern.
"Ich glaube, du verstehts nicht viel von Drachen. Ich zwar auch nicht, aber wenn er unsere Gäste wahrnehmen kann, dann denke ich auch, daß er unsere ehrliche Absicht erkennen kann, gegen sie vorgehen zu wollen. Ob unsere Begleiter das nun mitbekommen oder nicht....Wenn ich es richtig verstehe, bleibt ihnen eh nichts verborgen, denn irgendwann müssen wir uns über unsere Pläne zu iherer Verbannung unterhalten."

Kara Kulenov

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Heiliger Boden
« Antwort #666 am: 10.06.2015, 13:12:01 »
Kara zog etwas die rechte Augenbraue nach oben, als Harry mit seinen Worten an sie fertig war. Sie sprach aber nicht gleich mit Harry, sondern mit Jurij. Ihr Gesicht wandelte sich etwas: Von skeptisch und kritisch zu einem eher neutralen Gesichtsausdruck; kurzzeitig hatte man sogar das Gefühl ein leichtes Lächeln wäre ihr über das Gesicht gehuscht. Dann sprach sie leise zu Jurij: "Ihr seid ein interessanter Gesprächspartner. Wir sollten unsere Unterhaltung bald weiter führen, aber erst muss ich noch auf Harry eingehen."

Kara verschränkte die Arme vor sich, schaute Harry in seine Augen und sagte zu ihm: "Belügen? Wenn ich das gesagt habe, habe ich mich tatsächlich versprochen Harry. Ihr kennt meinen Glauben nicht und was ich als junge Erwachsene immer eingeübt habe, um meinem finsteren Gott zu gefallen und ich betete meist zu ihm als Schattenfürst. Mein Gott hat viele Gesichter. Aber ich schweife ab. Ich werde Euch mal die wesentlichen Teile seines Dogmas nennen, die hier von Relevanz sind:

'Heimlichkeit und Vorsicht sind Tugenden, ebenso wie Zungenfertigkeit und das Talent, das eine zu sagen und das andere zu meinen, eine Situation stets zum eigenen Vorteil zu verbiegen.

Lüge nicht, wenn du eine Wahrheit erzählen und einen falschen Eindruck von ihr hinterlassen kannst!'

Was das alles bedeutet, wissen diejenigen genau, die in der Gunst des Schattenfürsten standen. Und aus irgendwelchen Gründen hatte er Gefallen an einer jungen Taschendiebin gefunden.

Außerdem Harry müsst Ihr schon wissen, was Ihr wollt. Es kann auch sein, dass ich Euch falsch verstanden habe, aber das glaube ich nicht. Ihr wolltet meine Schwächen wissen und mittlerweile denke ich, dass meine Vergangenheit eine einzige Schwäche war durch Selbstsucht und die Sucht nach Macht.

Warum ich den Dämon in mir nicht irgendwie zu meinem Vorteil ausnutze? Ganz einfach: Es wäre wie bei einer Droge, man fühlt sich anfangs vielleicht stark und mächtig, aber man wird immer abhängiger und irgendwann ist das eigene Leben nur noch ein Scherbenhaufen; man kann eben nie genug von dem schädlichen Stoff kriegen. Ich will aber so eigenständig wie möglich sein! Keine Marionette eines Dämons sein! Ich habe selbst andere verführt und manipuliert in meinem Leben. Leicht wird es der Dämon mit mir nicht haben. Seinen Namen kenne ich allerdings nicht.

Ich glaube im übrigen, dass es wichtig ist, wer ich jetzt bin und nicht, wer ich in der Vergangenheit war."

Henry

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Heiliger Boden
« Antwort #667 am: 11.06.2015, 14:23:37 »
Henry lächelte seinen Freund nur an. "Du hast es nicht verstanden, was ich sagen wollte.", sagte er mit der Besonnenheit eines Rastafari. "Ich erkläre es Dir gerne bei Gelegenheit, wenn Du möchtest." Und damit beließ er das Thema, denn es gab mehr nicht zu sagen im Moment.

Doch er selbst war noch mehr als Beschäftigt mit seiner Erfahrung. Im Gegenteil fühlte es sich für ihn an, als würde sich die Erkenntnis gerade langsam in ihm entfalten. Er fühlte sich den anderen sehr nahe. Er war Gottes Schöpfung wie die anderen auch und alle waren von demselben Lebensodem beseelt.

Hatte er eben nach Arias Hand gegriffen, so war er einem Impuls gefolgt. Und er hatte sie nur losgelassen, aus kutureller Scham. Doch hatte es nicht eine Zeit gegeben, da sich die Menschen nicht vor einander schämten. Bevor sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten?

Herzlich, aber auch ein wenig schüchtern, lächelte er Aria an. "Lass uns noch eben einen Beschluss fassen und dann... komme ich sehr gerne mit Dir mit."

Gerne würde er Aria "seine Eva" nennen. Doch das war nur ein kurzer Gedanke.
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Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #668 am: 11.06.2015, 14:48:18 »
Jurij lehnte sich zurück. Es war wirklich Zeit für einen Beschluss und der Wissensdurst von Harry musste einmal gestillt sein und in einem Ergebnis münden.  Während er also wartete, dachte er über den Schattenfürsten nach. Kein übler Gott, jedenfalls was er so aus den paar Dogmen erahnen konnte. Vielleicht vergleichbar mit Loki oder vielleicht Hanuman in seiner Form als Gestaltenwandler. 
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Sternenblut

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Heiliger Boden
« Antwort #669 am: 11.06.2015, 15:33:17 »
Aria zögerte einen Moment, bevor sie weitersprach. "Was ich dir sagen möchte, hat möglicherweise Einfluss auf deinen Entschluss. Es dauert auch nicht lange."

Ohne abzuwarten, ob Henry einverstanden war, stand sie auf und ging aus der Tür, die auf den Flur führte.
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Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #670 am: 11.06.2015, 16:09:55 »
"Ach Kara, um die Vergangenheit geht's mir nicht! Was ich war, was Ihr wart, was Henry, Jurij oder Rillfarsell waren—einerlei! Die Zukunft ist es, die mir Sorge macht, und nicht nur wegen unserer Gäste, sondern auch wegen dem, was wir im Kampf gegen sie zu werden bereit sind. Ihr seid überzeugt, und Henry sowieso, dass es eine gute Kraft ist, die Ihr in Euch selbst erwachen und wachsen spürt. Jurij und Rillfarsell scheinen es ähnlich zu sehen—obwohl ich Jurij noch fragen wollte, was ein Kundalini ist, ich kenne nur einen Houdini—was ich aber gerade in mir spüre seit unserer Begegnung mit dem frechen Kerl, ist genau die Kraft, die ich seit meiner Kindheit zu unterdrücken versuche. Aus gutem Grund! Das war mehr als bloß jugendliches Rebellentum, das die Drachennatur in mir leugnen wollte, mehr als bloß das übliche: 'Ich will aber anders als meine Familie sein'! Seit der Begegnung kocht mir das Blut in den Adern und eine Wut habe ich im Leib, dass ich am liebsten irgendwo reinbeißen würde, dass ich am liebsten meine Klauen ausfahren und etwas—oder jemanden!—zerfetzen will!

Aber ihr! Ihr seid alle so beseelt nach dem Erlebnis, so erleuchtet. Wie neid ich euch das! Für mich ist nicht das Licht, sondern der Schatten mehr geworden. Vorhin hab ich selbst schon gedacht: Oh Mann, Harry, pass nur auf, du klingst ja schon wie deine Auntie Trish!"


Bis jetzt war Harry nur auf seinem Sessel hin und her gerutscht, hatte sich abwechselnd die Haare gerauft und die Hände gerungen, jetzt sprang er auf und lief erneut auf zu engem Raum auf und ab; hätte er Flügel, so würde er bestimmt aufgeregt mit ihnen schlagen.

"Neid! Ich glaube, wenn man eine Eigenschaft nennen müsste, die einen roten Drachen ausmacht, dann diese! Neid! Daraus erklärt sich alles andere. Warum hat der Nachbar ein so schönes Auto, Haus, Frau, was auch immer? Das will ich auch alles haben, das steht mir zu! Egal, welche Eigenschaften die einschlägigen Werke uns 'Roten' auch sonst gerne zuschreiben—machthungrig, arrogant, habgierig, grausam, spielt gern mit seinem Opfer, bevor er es umbringt—ich sage euch, am Anfang steht der Neid. Die Angst, zu kurz zu kommen im Leben. Das hat mich Lasciels Münze aus dem Holz ziehen lassen, das hat meinen Vater sich mein gesamtes mütterlich-großväterliches Erbe unter den Nagel reißen lassen, ohne mir auch nur einen schlappen Dollar zu gönnen!

Und auch wenn das alles in einem echten Drachen stärker wirkt als in einem Drachenspross: wenn ich, um Lasciel zu bekämpfen, mehr davon in mir zulassen muss... Ach, ich glaub, ich will gar nicht mehr von diesem heiligen Boden finden! Wenn ich jetzt schon kaum an mich halten kann, wie soll das erst beim nächsten Mal werden? Wie weit kann ich auf dem Weg gehen, ohne ein, wenn schon kein echter Drache, so doch ein echter Marcone zu werden?"

« Letzte Änderung: 11.06.2015, 16:31:10 von Harry Webster »
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Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #671 am: 11.06.2015, 17:17:04 »
„Man ist was man ist.“ sagte Jurij ruhig. Er schien sich nicht von Harrys Aufgebrachtheit mitreißen lassen zu wollen.  „Die Kundalini ist die schlafende Kraft eines Wesens. Durch Yoga soll sie erweckt werden können und sich mit der normalen Kraft mischen. Aber weder Yoga noch simple Dehnübungen haben wir gerade gemacht.“ Er kratzte sich am Kinn. „Aber wer bist du Harry? Bist du etwa nur Spiegelbild deiner Eltern, deines Blues? Blut, Bestimmung ist nicht alles. Also wer bist du?“ Nach dieser Frage hob Jurij abwehrend seine Hand. „Das ist eine Zenfrage. Eine über die Priester, Mönche und Novizen nachdenken um zur Erkenntnis zu gelangen. Also, finde wie sie deine Antwort auf diese Frage.“ Nun verschränkte er die Arme vor der Brust und wartete auf die Entscheidung was sie machen würden.
« Letzte Änderung: 11.06.2015, 17:17:13 von Jurij Klee »
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Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #672 am: 11.06.2015, 17:57:41 »
"Wer ich bin? Die Summe meiner—ach, du weißt doch genau, dass es in dieser Sprache kein Wort dafür gibt. Was ich meine, wenn ich 'Blut' sage, ist biologische Vererbung: I'm the sum of my genes. Das ist keine Zenfrage. Überhaupt ist Magie das Gegenteil von Zen. Sie sucht weder Harmonie noch Balance, nur eins will sie: mehr, immer mehr. Läuft man mit ihr in eine Richtung los, so drängt sie einen immer stärker dorthin, immer eiliger, schlimmer als irgendwelche Drogen. Sie selbst wird sich niemals zügeln, nur eine gleich starke Gegenkraft kann sie aufhalten. Aber je nachdem, wie viel Fahrt die beiden Kräfte draufhaben, wenn sie kollidieren, kannst du dir das vorstellen als... als... two trains colliding head-on at 200 miles per hour! Und ich sitz ganz vorne drin mit meiner Zen-Weisheit und mach Yoga."

Seine Stimme klang weniger aggressiv oder provokativ, vielmehr resigniert.

"Aber gut, weil's eh zu spät, da sag ich doch: volle Fahrt voraus!"
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Rillfarsell

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Heiliger Boden
« Antwort #673 am: 12.06.2015, 02:57:04 »
Auch Rillfarsell meldete sich wieder zu Wort.
"Harry, du hast mich nicht richtig verstanden. Bei mir ging es nicht um Gut oder Böse. Bei mir ging es um Heimat! Um Freunde! Darum, dort zu sein, wo du dich wohlfühlst. Wie sagt man bei Euch: "Home is where your heart is.".
Wenn ich mich in einem Höllenloch wohlfühlen bzw. von dort kommen würde, dann wäre das eben mein Heim.
Die Kraft, die ich gespürt habe, bin ich selbst. Es sind Erinnerungen an jene, die ich zurücklassen mußte; die mir aber jetzt beisetehen, weil ich mich an sie erinnere, als wäre ich noch dort. Egal, was ich tue."

Kurz pausierte das Feenwesen.
"Und dein Verständis von Magie ist so grundlegend anders als das meine. Magie hat keinen Willen. Magie ist wie ein Werkzeug. Was sie macht, macht sie aus dem Willen ihres Benutzers heraus.
Wen deinen Magie also immer mehr Macht will, so liegt es an dir! Nicht an ihr! Und das zeigt mir, daß du noch viel zu lernen hast. Das du dich selbst nicht unter Kontrolle hast. Es mag daran liegen, daß die Magie in deiner Welt nicht so natürlich ist wie in meiner. Wer in deiner Magie haben möchte, muß dafür etwas tun oder geben. Eine Gegenleisung für seine Macht. Daraus kann kaum etwas Gutes erwachsen. In meiner Welt wird uns die Magie geschenkt. Wir nutzen sie, um andere und uns zu erfreuen und zu unterhalten. Natürlich können auch wir mit ihr verletzten, wenn uns danach ist. Aber das zeigt für mich nur die Dualität. Wie kann man das nicht erkennen?"

Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #674 am: 12.06.2015, 14:20:22 »
"Oh, ich leugne nicht die Dualität, ich behaupte nur: je länger man in einer der beiden Richtungen unterwegs ist, desto schwieriger bis unmöglich wird die Umkehr. So funktioniert die Magie bei mir daheim nun einmal, aber bei uns gibt es ja auch nur 'natürliche' Zauberer. Schon möglich, dass unser jeweiliges Erbe uns von vorneherein kaum eine Wahl lässt."

Über diesen Worten schien Harry sich wieder ein wenig zu beruhigen. Er schnaubte nicht mehr ganz so laut und es stieg auch kein Rauch mehr aus seinen Nüst—aus seiner Nase auf. Besonders der letzte Gedanke—eh keine Wahl zu haben—schien eine tröstliche Wirkung auf ihn zu haben. Er setzte sich wieder, wenn auch auf die vorderste Kante seines Sessels.

"Aber sag, Rillfarsell: du sprichst English? Mann, wie kommt denn das? Und warum erfahren wir es erst jetzt?"
« Letzte Änderung: 12.06.2015, 18:11:20 von Harry Webster »
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