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Autor Thema: Heiliger Boden  (Gelesen 113132 mal)

Beschreibung: Kapitel 1

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Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #690 am: 19.06.2015, 13:44:19 »
Seit dem sie das Haus von Arias Freunden verlassen hatten, war Jurij ziemlich nervös. Er sollte sein nächtliches Ich nachspielen, wusste aber nicht wirklich wie er auftrat. Zwar gab es Hinweise, wie er sich verhalten musste aber ein Verbrecher, nein das war er nicht. Einige Filme mit Verbrechern kannte er. Verschwommen erinnerte er sich an sie und versuchte eine Essens heraus zu ziehen. Auf jeden Fall musste er sehr selbstbewusst auftreten. Vielleicht wie ein Yakuza, doch graute es ihm einen der Banditen den Finger zu brechen oder abzuhacken nur weil dieser ihm wiedersprach oder versagt hatte.

Mit einer leichten Gänsehaut stand er dann auch schon vor Ferrigan. Dass ihm der Plan, auch wenn nicht in Gänze, nicht gefiel, verstand Jurij. Auch ihm gefiel der Plan ganz und gar nicht. Doch meinte er sein „Ich muß es tun.“ vollkommen ernst. Obayifo hatte ein Kind entführen lassen und wie sollte er sonst der Gerichtswache beweisen, dass er nichts mit den Nachtaktionen zu tun hatte, als selbst in die Höhle der Wölfe zu gehen.

Denn noch wartete er mit den Anderen ungeduldig auf das Schreiben. Sie funkten einer hoheitlichen Operation dazwischen. Könnten am Ende alles kaputt machen, doch Jurij war sich sicher, dass die Wölfe von den Aktionen der Gerichtswache wussten. Spätestens Obayifo hätte sie gestern Nacht gewarnt.
Die wenigen Minuten vergingen zäher als jede Stunde, doch dann hielt er das Schreiben in der Hand. Damit gab es kein zurück. Sie mussten den Plan durchziehen.

Überrascht blickte sich Jurij um, als er seltsame Geräusche von hinten hörte. Verdammt, machte Harry jetzt schlapp und passierte das gleiche wie gestern mit Henry? Einen schlechteren Ort hätte sich der Drachenspross mit den Zahnproblemen nicht aussuchen können. Harry was ist?“ fragte er besorgt.
Wenn du etwas machst, mache es mit jeder Faser deiner Selbst. -Status-

Henry

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Heiliger Boden
« Antwort #691 am: 19.06.2015, 14:39:18 »
Henry nickte nur, als man ihm den Plan erläuterte. Es tat ihm sehr woh, dass sie einen Plan gefasst hatten und endlich handeln wollten. Daran konnte auch nicht ändern, dass der Plan reichlich unausgegoren war und noch dazu etwas Hinterlist verlangte. "Aber es geht um ein Kind...", dachte Henry und dachte auch an die Kinder in seinem Traum. Die Worte 'Kinder Gottes' schwirrten ihm jetzt im Kopf herum und ließen ihn nicht mehr los. Kinder Gottes, wie auch er eines war, wie auch Jurij, Harry, Kara und Aria es waren. Was Rillfarsell anging war er sich nicht ganz sicher. Aber zumindestens als Schöpfung war er geliebt, wie die Tiere...

Als henry das Taumen seines Freundes bemerkte, verzog er unschlüssig den Mund. Auch wenn er Arias Einschätzung nicht uneingeschränkt teilte, war er nun genügend in Zweifel geraten, um es nicht einfach abzutun. Langsam stand er auf und trat bis auf wenige Schritte an Harry heran. Er behielt seinen Freund im Blick, sagte aber zunächst einmal nichts. Sein Gesicht verriet Vorsicht und Sorge.

Dann hob er die Hand seines Freundes von dessen Schoss und hielt sie in seinen, wie einen zerbrechlichen Gegenstand.
« Letzte Änderung: 19.06.2015, 14:48:02 von Henry »
"Be just, and fear not: Let all the ends thou aim'st at be thy country's, Thy God's, and truth's." - Shakespeare: King Henry VIII., Act 3, Scene 2

Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #692 am: 19.06.2015, 18:21:51 »
Verdutzt sah Harry auf Henrys Hände, dann auf Henry. "Ach, ist das goldig", sagte er. Dann blickte er zu Jurij. "Nein wirklich, ihr zwei seid ja herzallerliebst!"

Ein Schaudern ging durch seinen Körper und Henry spürte, dass Harrys Muskeln sich verkrampften, bevor dieser ihm seine Hand entzog. Auch seine Miene wirkte angestrengt.

"Männer!" lachte er. "Was schmieden sie immer für große Pläne! Was meinen sie, alles zu wissen und überall zu jeder Zeit das Steuer an sich reißen zu müssen! Vor Tatendrang bebend blicken sie in die Ferne und übersehen dabei, was vor ihrer Nase passiert! Ihr solltet das Regieren wirklich lieber euren Frauen überlassen, die haben mehr Hirn und mehr Gespür."

Er wandte sich wieder an Henry.

"Mein lieber Henry, tu mir einen Gefallen, ja? Sieh zu, dass du mit deiner Aria endlich mal aus den Startlöchern kommst. Das kann ich mir kaum mit ansehen! Ein verlegener Blick hier, ein schüchterner Händedruck dort—und schon wirst du rot wie der Hahn auf dem Dach. Jeden Augenblick könnte einer von euch beiden sterben, und ihr beide tut so, als hättet ihr alle Zeit der Welt! Also unternimm endlich was, sonst hat dein Freund Harry mir ganz umsonst ein Stück seiner Seele verkauft."

Die letzten Worte klangen gepresst und das war kein Wunder: am ganzen Leib war er jetzt so angespannt, dass er zitterte. Für einen Augenblick schloss er die Augen, als müsse er sich konzentrieren, und das Zittern ließ ein wenig nach.

"Rillfarsell", wandte er sich an die Fee. "Ich weiß, dass du gelogen hast. Interessieren würde mich ja irgendwie schon, warum. Aber das herauszufinden, überlasse ich deinen Gefährten. Ach, und Kara. Kara! Erleuchtung glaubst du gefunden zu haben? Oh ja, das passt zu Tara'sar.[1] Eine Blenderin ist sie! Wen sie verletzt, dem gaukelt sie Lust vor, wem sie alles nimmt, der glaubt beschenkt worden zu sein! Und dich, meine Liebe, scheint sie voll im Griff zu haben."

Das Zittern erfasste wieder seinen ganzen Körper, die Hände waren zu Fäusten geballt, das Gesicht eine Grimasse—dann sackte er mit leisem Stöhnen vornüber auf die Knie.
 1. Mit SL abgesprochen.
« Letzte Änderung: 21.06.2015, 14:06:30 von Harry Webster »
My name is Harry Aleister Mulholland Webster. Conjure by it at your own risk.

Paranoid? Probably. But just because you're paranoid doesn't mean that there isn't an invisible demon about to eat your face.

Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #693 am: 21.06.2015, 14:11:36 »
Der Ausdruck in Jurijs Gesicht wandelte sich von besorgt zu fassungslos. Warum war das nicht ein einfacher Schwächeanfall, nein vielleicht war es auch das und die Dämonen konnten auch diese Momente nutzen. Aber egal, Harrys zweites Ich stand dem von Henry in kaum etwas nach. Arrogant und selbstsicher. Gut, der von Jurij trat dann wohl ähnlich auf aber das war gerade nicht das Thema. Denn sie waren mitten im Wachgebäude der Gerichtswache. Es musste nur eine der Wachen richtig hinhören, oder mehre dieser Anfälle sehen und schon würde diese Person aus Sicherheitsgründen in Verwahrung genommen werden. Dem war sich Jurij sicher, auch wenn er es nicht hundertprozentig bestätigen konnte.

Kurz war er versucht etwas zu sagen. Doch dann wurde sein Gesichtsausdrück kühler. Er hatte die Anderen zu besonneneren Verhalten aufgerufen. Die Dämonen, nein Harrys Dämon schien das nicht zu kratzen, vielleicht auch nicht Harry aber was er von anderen einforderte, sollte er auch machen. So machte er seinen Rücken gerade, ließ dabei den Blick über die anwesenden Wachen schweifen. Für die beiden Lügen würde er nicht, doch kam es darauf an, wie sehr interessiert die Anwesenden Wachen nun an Harry waren.[1]
 1. Wahrnehmung: 27 - Wie viele Wachen/Leute schauen zu und wie auffällig war das Ganze. Also wie skeptisch blicken sie gerade drein?
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Kara Kulenov

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Heiliger Boden
« Antwort #694 am: 21.06.2015, 15:16:44 »
Es muss auf den Dämon etwas bizarr wirken, aber auf Karas Gesicht erschien plötzlich ein bösartiges Grinsen, aber nur kurz. Dann verschwand es wieder und ihr Gesicht wurde etwas, was man auf Terra vielleicht als "Pokerface" bezeichnet hätte, bevor Kara das Wort ergriff.

"Ich sehe, dass Ihr offensichtlich keine Lust am Schauspielen habt. Dabei ist gerade 'Theaterspielen' doch so schön. Ich hätte anderes von einem Wesen mit Eurer Lebensspanne erwartet. Ja, Ihr könntet einen Keil zwischen uns treiben oder uns ins Zweifeln bringen wollen, aber ist das nicht durchschaubar? Und ich merke an Harrys Körper, dass ganz offensichtlich so etwas wie ein Kampf tobt. Aber für eines muss ich mich noch bei Euch bedanken: Ihr habt mir ganz offensichtlich einen Namen genannt und eine Charakterisierung des Wesens. Wie könnte man sich etwas stellen, was man gar nicht kennt?"

Es war eher an Jurij und Henry etwas zu unternehmen. Sie kannten Harry etwas besser und wer wusste es schon so genau, vielleicht mussten gerade Harrys Zweifel irgendwie beseitigt werden und Harry direkt angesprochen werden.

Rillfarsell

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Heiliger Boden
« Antwort #695 am: 22.06.2015, 16:12:32 »
Rillfarsell hatte zwar besorgt in Harrys Richtung geschaut, aber sich nicht weiter gerührt. Henry war der bessere Helfer.
Als Harry dann eine Veränderung durchmachte, merkte es auf.
Und auf die Worte reagierte es sehr gelassen. Das Feenwesen schlug in die selbe Kerbe wie Kara.
"Oh, Ratschläge von einem Verstoßenen. Das haben wir gerade noch gebraucht.
Vieles, was aus deinem Mund kommt, ist falsch, irreführend oder eine Lüge. Wenn du so versuchst uns auseinander zu bringen, wird dir das nicht gelingen.
Ich hätte ein wenig mehr Subtilität erwartet, aber so zeigt ihr nur, wie einfälltig und ängstlich ihr seid.
Machen unsere Pläne euch so viel Sorgen?
Nun, dann sollten wir sie auf jeden Fall weiter verfolgen."

Wieder einmal nahm Rillfarsell die energische Post mit aufrechter Haltung, stolz erhobenen Kopf und in die Hüfte gestützen Armen ein.

Kara Kulenov

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Heiliger Boden
« Antwort #696 am: 22.06.2015, 17:06:20 »
Kara bewegte sich keinen Millimeter, sondern sie blieb ganz still. Sie schien dabei den dämonisch-besessenen Harry ganz genau zu beobachten. Sie hatte sich einige Gedanken gemacht. Kara kannte Harry einfach nicht gut genug, so viel stand fest. Sie würde es aber vielleicht bald ganz genau erfahren, ob der Dämon schon früher Harry nur vorgetäuscht hatte und das sehr geschickt, so dass es selbst Henry und Jurij nicht merkten. Dieser scheinbare Schwächanfall sprach er nur dafür, dass der Dämon so langsam die Kontrolle wieder verlor und letzte Beleidigungen ausspie? Was steckte genau dahinter? Kara wollte das ganze unbedingt aufklären und ihre Provokationen zuvor halfen vielleicht weiter. Kara war wahrlich keine Ebenen-Spezialistin, aber selbst sie hatte gehört, dass Dämonen telepathisch miteinander kommunizieren konnten. Würde Tara'sar den anderen Dämon irgendwie warnen können? Die Situation war sehr günstig, um wertvolle Informationen zu erlangen.
« Letzte Änderung: 22.06.2015, 17:07:51 von Kara Kulenov »

Henry

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Heiliger Boden
« Antwort #697 am: 22.06.2015, 19:17:25 »
Henry seufzte. Aria hatte also tatsächlich Recht behalten und der Dämon hatte Harrys Widerstand überwunden. Bisher hatten sie angenommen, dass die Dämonen nur im Schlaf die Kontrolle übernahmen. Jetzt mussten sie erkennen, dass dies nicht der Fall war. Hatte der Dämon irgendwie Harrys Aufmerksam geschwächt, ihn vielleicht gar überredet, seine Kontrolle abzugeben? Machte er sich Harrys Erregtheit zu Nutzen?

Henry seufzte erneut. Er würde der Sache jetzt nicht auf die Spur kommen. Stattdessen ergriff er wiederum Harrys Hand und drückte sie leicht. Sein Freund sollte jetzt nicht allein sein.

"Ich bin es müde, Angst zu haben.", sagte Henry langsam. "Ich bin es müde, darüber nachzudenken, dass sich der Teufel nach uns ausstreckt und das Böse über uns kommt. Ich will mich nciht mehr um mich oder meine Lieben sorgen. Ich will frei sein vor Gott. Ich will in seinem göttlichen Licht baden, in dem alles Böse verschwindet und alles Irdische seine Kontur verliert. Ich will nachdenken über jenen Tag, da Gerechtigkeit und Frieden und Barmherzigkeit herrschen. Ich will alles tun, dass diese Idee hell und strahlend wird und uns allen den Weg leitet. Gerechtigkeit, Friede und Barmherzigkeit. Gott, erbarme Dich unser. Sei das Erbarmen ins uns."

Wiederum drückte Henry die Hand seines Freundes. Er versuchte die Vorstellung in sich stark zu machen, machtvolle Bilder in sich ehraufzubeschwören. Sich das Reich Gottes vorzustellen, das himmlische Jerusalem und den Thron Gottes. Und als er die himmlische Heerscharr visualisierte, bat er Gott, dass seine ganze Armee auf Erden kommen und ihnen beistehen möge, gegen das Böse zu kämpfen.

"Mach uns zum Werkzeug Deines Friedens!"
« Letzte Änderung: 22.06.2015, 19:18:16 von Henry »
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Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #698 am: 22.06.2015, 19:59:49 »
Fliegen! Genau das war es, was Harry sein ganzes Leben lang vermisst hatte, ohne es zu ahnen; genau diesen thrill hatte er bei seinen wechselnden Liebschaften gesucht, aber nie gefunden, weil auch der aufregendste (notwendigerweise safer) sex nicht an das heranreichte, was ihn gerade erfüllte. Nenn es Glück! Triumph! Ekstase! Freiheit!

Er flog! Zerschnitt die Luft wie ein Samuraischwert die Butter mit seinem durchsichtig-schimmernden Schuppenleib. Der Wind umstrich und umschmeichelte ihn, füllte seine Schwingen, die sich links und rechts von ihm wölbten wie Segel. Anders aber als auf der Yacht seines Vaters—der ihn genau einmal auf einen Segeltörn quer über den Lake Michigan mitgenommen hatte, um mit seinem Sohn "das Gespräch" zu führen—anders als damals wusste Harry jetzt ganz genau, was er tun musste. Ein leichtes Anspannen im rechten Flügel leitete eine sanfte Linkskurve ein, ein Drehen in den Wind gab etwas mehr Auftrieb, bei Seitenwind musste man die Abdrift einkalkulieren, jede Bö veränderte die Richtung des scheinbaren Windes, doch wenn Harry den Kopf an seinem langen Hals weit vorstreckte, spürte er das Auffrischen der Lüfte als erstes an der Nasenspitze und hatte noch genügend Zeit, die Spannung in den Flügeln anzupassen oder das Körpergewicht entsprechend zu verlagern...

Und der Blick über die Stadt! Die klare Luft! Die unendliche Weite! Ein heiserer Jubelschrei entfuhr seiner Kehle. Stundenlang hätte er soch weiterfliegen mögen!

Doch wenn dies ein Zauber war, so wusste Harry nicht, wie lange er andauern mochte. Im Geiste sah er sich schon vom Himmel plumpsen... Man bräuchte einen zweiten Zauber für diesen Fall, überlegte er sich, der einen sanft wie eine Feder zu Boden schweben ließe, und nicht wie ein Brathähnchen abstürzen! Der Wortlaut dazu kam ihm auch sofort in den Sinn. Lapsus plumae. (Zu irgendwas musste das Latein ja gut sein, dass er als Junge hatte pauken müssen...) Aber jetzt musste er sich erst einmal einen Platz zum Landen suchen.

Er wandte sich also der Bibliothek zu, von wo aus er gestartet war, nur um festzustellen, dass das Gebäude gänzlich in einen schwarzen Nebel gehüllt war, der ölig glänzte und zähflüssig wie Teer war—so entdeckte Harry zu seinem Horror, als er hineinflog.

Mitten im Flug jäh gebremst, hing Harry zappelnd in der Luft wie eine Fliege im Honigglas. (Wenn man es Luft nennen wollte—zumindest atmen konnte er noch.) Außerdem war es stockfinster, dunkler noch als die schwärzeste Nacht. Das seltsamste aber war die Temperatur: Körpertemperatur. Überhaupt fühlte der Nebel sich wie Haut auf seiner Haut an und das leichte Wabern war wie das Heben und Senken eines Brustkorbs durch lebendigen Atem.

Der Nebel lebte! Er, Harry, steckte in einer lebendige Masse fest. Trotzdem fühlte es sich an, als wäre der Nebel in ihn eingedrungen statt andersherum, als würde er durch Nase, Ohren und die fest zusammengepressten Lippen in Harrys Leib eindringen, wie bitteres Gift lag er ihm auf der Zunge, brannte in seiner Nase, in seinem Rachen, alles dort stach wie von tausend Nadeln, dann wurde es langsam taub, bis Harry kaum noch schlucken konnte, kaum noch Luft bekam. Nebenbei fiel ihm auf, dass er kein Drache mehr war, sondern wieder ganz Mensch, dass er mit Armen und Beinen in dieser Masse herumruderte wie ein Schwimmer in einem Schlammloch...

So kämpfte er sich mühsam vor, Zoll für Zoll, Richtung Bibliothek, die hier irgendwo mittendrin sein musste, ein so riesiges Gebäude würde Harry ja wohl kaum verfehlen können. Endlich hörte er Stimmen nicht allzu weit entfernt. Sie klangen verzerrt, sodass er nicht hätte sagen können, wer dort sprach, doch gaben sie ihm neuen Mut. Der Nebel schien lichter zu werden, weniger klebrig.

Dann, ganz plötzlich, war Harry hindurch und bekam auch wieder Luft. Neben ihm redete eine Frau, deren Stimme er nicht kannte. Er blinzelte.

Doch halt, das ist doch die Frau, auf die Rubin uns gerade aufmerksam gemacht hat. Die, die noch nicht gesagt hat, ob sie für oder gegen uns ist. Wie war doch gleich der Name? Kara. Genau. Aber warum knie ich denn vor ihr auf dem Boden? Und wovon redet sie schon die ganze Zeit? Irgendwas seltsames von wegen Theater spielen und Charakterisierung und von meinem Körper hat sie's auch. Warte mal, ich habe mich doch gerade nicht wirklich in einen Drachen verwandelt und einen Rundflug über die Stadt gemacht, oder? Das war doch bloß ein Traum? Ach, müssen denn alle auf einmal reden, da dreht sich einem ja der Kopf! Mit wem diskutiert unsere Fee da gerade? Richtig böse klingt sein Stimmchen. Und Henry reißt an meiner Hand und betet laut. Und was hat die Frau da eben mit Kampf gemeint? Was für'n Kampf? Moment, richtig, da war doch was. Dieser Andhaka oder Asura oder Markent i'Tayani, der hat doch... und dann hat er... und dann...

"Feuer!" rief Harry entsetzt und sprang auf die Füße. "Feuer! Schnell raus hier! Wo ist denn der freche Kerl hin, hat das jemand gesehen?"[1]
 1. Nachtrag zum Geschehen der letzten 66 Minuten
« Letzte Änderung: 23.06.2015, 15:05:39 von Harry Webster »
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Kara Kulenov

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Heiliger Boden
« Antwort #699 am: 22.06.2015, 20:46:39 »
"Wir sprechen uns wieder, Dämon." Die Damaranerin konzentrierte sich jetzt voll und ganz auf Harry. Der Feind hörte schließlich mit. Mit sanfter Stimme sprach Kara Harry an, sie war ganz verändert im Vergleich zu vorher. "Beruhigt Euch bitte Harry! Wir wollen doch nicht unnötig auffallen. Er seid jetzt woanders. Ihr wart nicht Ihr selbst. Ihr wisst sicherlich, was ich damit sagen will."

Dann wandte sich Kara vor allem an den Rest, auch wenn sie Jurij am längsten anschaute: "Ich weiß, das könnte auch ein Trick sein, aber wir sollten nicht zu paranoid sein, sonst könnten wir streng genommen immer nur schweigend da sitzen und nichts mehr sagen. Die vergangenen Ereignisse sollte man sich gut einprägen. Harry hat 'Feuer!' gerufen, wir sollten also später die Sache genauer besprechen." 

 

Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #700 am: 23.06.2015, 04:02:16 »
Jurij holte tief Luft. Nicht nur Harry oder sein Dämon oder wer er auch immer jetzt im Moment war konnte sich nicht an den Plan halten, sondern auch Kara. Ihre Anspielungen waren am deutlichsten. Wenigstens Rillfarsells und Henrys Worte waren da mehrdeutiger. Aber egal. Mehr Aufmerksamkeit als sie jetzt schon hatten, konnten sie kaum mehr bekommen.

Kopfschüttelnd wendete sich Jurij als ab und ging. Erst draußen vor dem Tor der Gerichtswache wartete er auf die Anderen. Schließlich war der Plan ohne sie nicht durchzuführen.
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Sternenblut

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Heiliger Boden
« Antwort #701 am: 23.06.2015, 06:19:02 »
Kurz nachdem Harry "Feuer" gerufen hatte, kamen zwei Männer der Gerichtswache herbeigerannt, und sahen sich besorgt im Raum um. Die Besorgnis schlug schnell in leichte Verärgerung um, als sie sahen, dass es gar nicht brannte.

"Betrachtet das als erste Verwarnung", erklärte der größere der beiden Männer. "Noch so ein Scherz, und ihr bezahlt eine Geldbuße."

Der andere Soldat sah sich kurz um, und merkte, dass Jurij nicht mehr da war. "Ihr habt alles, was ihr brauchtet, oder? Dann möchte ich euch jetzt bitten, zu gehen", forderte er die Gefährten mit Nachdruck auf.
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Harry Webster

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Heiliger Boden
« Antwort #702 am: 23.06.2015, 13:19:47 »
Kaum war Harry aufgesprungen, da fielen ihm mehrere Dinge auf. Zunächst einmal, dass es hier nirgendwo brannte. Zweitens, dass er nicht wusste, wo er war. Das Zimmer, in dem sie sich befanden, schien eine Art Warteraum zu sein, in dem zurzeit—außer offenbar ihnen selbst—aber niemand wartete. Karas Erläuterung hätte es da gar nicht mehr bedurft: Harry begriff selbst, was geschehen sein musste. Was er nicht sofort begriff: warum? In Brückenstadt war es ihm so ergangen, als eine Schlägerbande ihn bewusstlos geprügelt hatte—da hatte Lasciel übernehmen müssen, um sie beide zu retten. Aber was war hier passiert? Es musste der Rauch gewesen sein. Das Feuer hatte sich ja rasend schnell verbreitet und alle Luft verbraucht, da musste er das Bewusstsein verloren haben. Den anderen war es dann wohl ähnlich ergangen, schließlich war man ja beisammen gewesen. Auch Karas Worte deuteten in diese Richtung: Ihr wart nicht Ihr selbst. Allem Anschein nach waren die anderen früher als er zu sich gekommen und hatten sich bereits orientieren können. Herrje, wo mochten sie bloß aufgewacht sein, wenn ihre Dämonen sie hierher gebracht hatten?[1]

Doch da steckten zwei Männer ihre Köpfe zur Tür herein, die Harry unschwer als Stadtwachen identifizierte. Und Jurij zog in aller Eile von dannen, als genierte er sich für Harry und wollte klarstellen: ich gehöre aber nicht dazu! Moment mal, hieß das, man war auf der Stadtwache? Und er hatte gerade laut "Feuer" gerufen?

Er räusperte sich und blickte verlegen. "Verzeihung", sagte er zu den beiden. "Ich muss beim Warten eingenickt sein. Dabei hab ich wohl geträumt, wir wären noch in der brennenden Bibliothek. Derartige Scherze kämen mir niemals in den Sinn! Schon gar nicht, nachdem ich selbst gerade mit Mühe einer Flammenhölle entronnen bin."[2]
 1. Perception = 19; Profession (P.I.) = 26
 2. Bluff = 23; der Profession-Wurf könnte aber auch nützlich sein: Harry hat automatisch seine Polizei-Beruhigungshaltung + Tonfall drauf.
« Letzte Änderung: 23.06.2015, 18:49:12 von Harry Webster »
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Henry

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Heiliger Boden
« Antwort #703 am: 23.06.2015, 18:56:34 »
Henry blickte von Harry auf und ohne seinen Händedruck zu lösen, sagte er zu den Wachen: "Einen kleinen Moment noch, bitte."

Als die beiden gegangen waren, sprach Henry noch einmal das offensichtliche aus: "Harry, Du bist eingeschlafen und der Dämon hat die Kontrolle übernommen." Seine Stimme war ruhig, aber das Gesicht zeigte einen leicht gequälten Ausdruck. "Ich habe es erst sehr spät gemerkt, eigentliche erst als der Dämon es offen ausgesprochen hatte. Aria hatte es als erstes gemerkt und ich habe ihr nicht geglaubt. Ich dachte schlicht, dass Du etwas verwirrt und überfordert bist, so wie... es oft der Fall ist."

"Du musst dagegen ankämpfen. Du musst Ihnen etwas entgegensetzen, eigentlich alles, was Du hast und noch mehr. Das Böse darf nicht siegen." Damit löste Henry den Händedruck und sah seinen Freund prüfend an.
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Jurij Klee

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Heiliger Boden
« Antwort #704 am: 23.06.2015, 19:32:11 »
Draußen lehnte Jurij derweil an der Wand des Wachgebäudes und unterhielt sich mit den Torwachen über dies und das. Er erkundigte sich nach ihrem Befinden und wie die Schicht wohl sei. Also nichts besonderes, einfaches Gerede um die Zeit tot zu Schlagend während er auf die anderen wartete.
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