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Autor Thema: Dorwida  (Gelesen 48980 mal)

Beschreibung: Episode 1.1

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Khenubaal

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Dorwida
« am: 07.10.2014, 11:26:52 »
DORWIDA


Der Himmel ist klar und blau. Es sind keine Wolken am Horizont und die Mittagshitze des angebrochenen Sommers entfaltet sich ungehindert über euch. Der Überlandweg nach Dorwida mag staubig und unbefestigt sein, doch er ist klar zu erkennen inmitten der Felder um euch herum, die sich über die sanften Hügel erstrecken. Der Konandor – ein Nebenfluss des Renandor – fließt nur eine halbe Meile von euch entfernt über Land, leitet euren Weg nach Dorwida und sorgt dafür, dass der Boden hier trotz der ausgedehnten Sommer von Ek’Gakel fruchtbar und grün bleibt.
   Drei Tage ist es her, seit ihr aus Robuselido aufgebrochen seid. Die Garnison hatte ursprünglich nach Söldnern gesucht, die sich einem Gegenangriff auf marodierende Orks anschließen sollten – die Überfälle der Grünheute aus dem Brindenwald werden immer dreister – doch zwei Tage vor Ausrücken trafen neue Befehle aus der Hauptstadt ein. „Keine unnötigen Operationen im Norden“ hieß es lapidar. Die Truppen sollen zusammengehalten werden und bereit sein für mögliche Strafexpeditionen gegen marodierende Stämme der Dejy im Land. Eine verstörende Nachricht angesichts zwei noch immer rauchender Weiler nach den Angriffen der Orks, aber Befehl ist Befehl.
   Damit war auch euer Auftrag dahin – allerdings verkündete ein Herold noch am gleichen Abend, dass die Ratsherren des Dorfes Dorwida – nur vier Tagesreisen entfernt im Süden – nach tapferen Männern suchen für den Kampf gegen eine Plage der Kargi. Man sprach von großzügiger Entlohnung im Falle des Erfolgs. Da Rabuselido für den Augenblick nichts mehr für euch bereitzuhalten schien, war die Entscheidung leicht.
   Seit vier Tagen seid ihr nun unterwegs – und habt das heutzutage seltene Glück, eine ereignisarme Reise zu verleben. Der Konandor stillte euren Durst und tränkte eure Pferde. Der Himmel des Monats Henneth hatte keinen Regen und wenig Wind für euch übrig. Und nun befindet ihr euch auf den letzten der insgesamt gut 80 Meilen des Weges nach Dorwida.
   Seit Stunden ist das durchgängig saftige Grün der Wiesen um euch herum an vielen Stellen dem goldenen Schimmern der Weizenfelder der Bauern von Dorwida gewichen. An anderen Stellen, wo der Boden weiterhin grün ist, grasen große Rinderherden auf eingezäunten Feldern. Vielerorts seht ihr Vorarbeiter und Tagelöhner, manchmal auch Mitglieder der Gutsfamilie selbst, der harten Arbeit der Bauern von Tellene nachgehen - die Felder müssen bewässert und abgeerntet, die Tiere getränkt, gefüttert, geleitet und bewacht werden. Es gilt, Schäden an den hölzernen Zäunen der Farmen auszubessern, und an den Rändern der Farmgebiete – weiter weg vom Fluss und damit auf bereits trockenerem Boden – werden neue Pflanzungen angelegt. Es ist ein geschäftiger Tag für die Menschen von Dorwida.
   Zwischen den Farmen um euch herum nähert ihr euch immer weiter dem Dorf. In mehreren, nach außen hin dünner bebauten Schichten ziehen sich die Reihen der hölzernen Häuser um einen zentral gelegenen Platz, wie die schichten einer Zwiebel. Es sind keine luxuriösen Behausungen – aber man sieht, dass sie solide, gewissenhaft und für die eigenen Familien errichtet wurden. Die Wände werden durch massive, gut verarbeitete Baumstämme gestützt. Die Dächer sind durch überlappende Balken und zum Teil gegerbtes Leder wetter- und winterfest. Die Menschen um euch herum gehen ihrem Handwerk nach – rechts von euch bleibt der hallende Hammerschlag der Schmiede und das Zischen des Blasebalgs ebenso zurück, wie die lauten Gespräche und der unverkennbare Geruch der Gerber. Ein Töpfer kommt euch mit einem schwer beladenen Wagen entgegen – gezogen von einem einohrigen Esel. Der fröhliche Widerhall der tönernen Gefäße auf seiner Ladefläche mag weder ihn noch sein trübseliges Tier aufzumuntern. Der laute Ruf einer jungen Mutter und das Gelächter von Kindern schneiden durch die Luft. Dann seht ihr zwei junge Frauen mit je zwei vollen Wassereimern beladen, auf dem Rückweg von einem der Brunnen. Die beiden beäugen euch verstohlen, flüstern einander etwas zu und kichern dann. Eine von ihnen – pechschwarzes, hüftlanges Haar und die dunkelgrünen Augen einer Schönheit - schaut bedeutungsvoll zu euch hinüber, bevor sie den Blick ebenso bedeutungsvoll abwendet und die beiden zusammen zwischen zwei Häusern in einer Nebengasse verschwinden. Ihr versucht gerade herauszufinden, wem von euch beiden der Blick gegolten hat, als plötzlich Rufe vor euch – wohl vom zentralen Platz des Dorfes ertönen: „Kommt zusammen! Es gab noch einen Angriff!“. Danach hört ihr, wie eine Glocke geläutet wird und Menschen um euch herum, besorgte Frauen, schaulustige Jugendliche und auch einige fluchende Männer, an euch vorbeilaufen und aus den Gassen Richtung des Glockenläutens strömen.   
« Letzte Änderung: 21.10.2014, 11:34:10 von Khenubaal »

Manik

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Dorwida
« Antwort #1 am: 11.10.2014, 22:12:45 »
Grade eine lange, ausführliche Erklärung vorbereitend, warum der verheißungsvolle Blick der schwarzhaarigen Schönheit wohl nur ihm gegolten haben könne, wird Manik durch das Läuten der Glocken und durch den Trubel auf den Straßen aus seinen Gedanken gerissen. Das kommt ihm ganz gelegen, eigentlich interessieren ihn solche Ablenkungen derzeit eh nicht, aber er hatte das Gefühl, dass es sich wohl so gehört, darüber zu diskutieren wem ein flüchtiger Blick gegolten haben könne.
Kurz überlegt der Waldläufer sich, ob es sich lohnt, eine der aufgebrachten Personen zu fragen, was das Ganze zu bedeuten habe, aber sowieso schon leicht genervt von der ganzen Hektik, die die bisher sehr beschauliche, gemütliche Reise so abrupt beendet hat, entschließt er sich dagegen. Vermutlich würde er es sowieso gleich erfahren. Grimmig schüttelt er die Reiselethargie ab, nickt seinem Begleiter zu und reitet so schnell es ob des Trubels geht, Richtung Dorfmitte.



Sanjan, von den Bahir

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Dorwida
« Antwort #2 am: 12.10.2014, 18:32:14 »
In einer anderen Gasse, nicht unweit des Marktes. Zwei Gestalten ließen sich gerade neben eine Abfalltonne nieder. Zufrieden betrachtete die größere Gestalt, offenbar ein Hominide, die Ausbeute ihrer Suche. Er hielt zwei Schweinekeulen in den Händen. Sie waren nur lauwarm aber dafür kaum angebissen. Wunderbar. Denn genau das hatte er gesucht. Genüsslich versenkte er die Zähne in das Fleisch. Wie das schmeckte. Eines konnte er den Döflern nicht absprechen. Sie wussten es wie Fleisch zu würzen war. Nachdem er den ersten Bissen herunter geschlungen hatte, hielt er die zweite Keule vor die Schnauze seines geduldigen Gefährten. Kurz schnüffelte er daran bevor auch er seine Zähne in das Stück Fleisch versenkte. „Heha“ Lachte der Mann neben dem Tier hell auf. Es hatte etwa eine Stunde gedauert bis er ein paar Sachen die er gebrauchen konnte gefunden hatte. Neben dem Fleisch waren es ein altes Feuereisen und ein paar Lederriemen. Er verstand es nicht, wie die Dörfler solche und andere Dinge einfach wegwerfen konnten. Doch ihm war es auch egal. Schließlich brauchte er somit weniger Geld um sich die Dinge zuzukaufen.
Mit einem knacken brach er den Knochen seines Fleischstückes entzwei. Jetzt ging es an das leckere Knochenmark. Auch das Tier neben ihm vergnügte sich am Knochen. Als vom Markt her der Ruf erklang. Murrend schluckte der junge Mann das ausgesaugte Knochenmark. Denn es waren keine guten Nachrichten. Es bedeutete Gefahr und dass er wohl das Dorf nicht mehr lange so leicht betreten könnte. „Auf mein Grimnir.“ Sagte er und stand mit Hilfe eines Speeres auf.

Als die beiden aus der Dunkelheit der Gasse traten, wurde klar, dass es sich um einem jungen Mann handelte. Auf den Rücken geschultert hielt er ein Bündel mit Fellen sowie Kräutern. Die Fundsachen waren in die Gürteltasche gewandert. Schon auf dem ersten Blick hob er sich von den Dorfbewohnern ab. Fast seine gesamte Kleidung bestand aus Fellen und sein von langen schwarzen Haaren umrahmtes Gesicht war stark tätowiert worden. Auch das Tier neben ihm war sehenswert. Denn es war ein grausilberne Wolf. Trotz ihrer deutlichen Dejyerscheinung kümmerten die meisten Dörfler nicht um ihn. Sie eilten weiter zum Markt. Der junge Mann folgte ihnen ruhig. Denn auch er wollte wissen was passiert war und in wieweit es für ihn eine Gefahr war.

Ragnar Sturmschild

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Dorwida
« Antwort #3 am: 13.10.2014, 19:59:20 »
Ragnar blickt einen Augenblick der Schwarzhaarigen Schönheit hinterher. Es war eine ganze weile und ein gutes stück Weges her, das er sich an einen solchen Anblick erfreuen konnte. Seine Reise war bisher nahezu ereignislos verlaufen, und er mochte den Anblick schöner, junger Frauen.
Der junge Fhooker zügelte seinen Braunen und reckte den Hals um einen besseren Blick zu bekommen als aufgeregtes Rufen seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung lenkte. Etwas über einen Angriff und er blickt kurz zu seinem Begleiter hinüber. Dann lässt er sein Pferd in einen leichten trab fallen, der Quelle der Aufregung entgegen.

Khenubaal

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Dorwida
« Antwort #4 am: 14.10.2014, 13:53:54 »
   Als ihr den Marktplatz des Dorfes erreicht, hat sich bereits eine recht große Menge aus einigen Dutzend Menschen versammelt. Ragnar und Manik binden ihre Pferde an einem der Pfähle am Rand des Platzes an, bevor sie in die Menschenmenge eintauchen. Die Menschen blicken allesamt zum Ratsgebäude, dass im Nordosten des Marktplatzes steht und vor seinen Toren eine hölzerne Erhöhung hat - anscheinend ein Podium für Verkündungen.
   Auf dem Podium seht ihr einen Mann Ende zwanzig stehen. Er hat zwei Schnitte am rechten Oberarm. Die Wunden sind noch frisch, wie ihr an dem noch nicht ganz geronnenen Blut erkennen könnt, doch sie scheinen nicht sehr tief zu sein. Allem Anschein nach ist er aus einer der Rancher-Familien des Dorfes.  Er ist sehr aufgeregt und redet eindriglich auf einen formell in ein helles Hemd und einen langen Mantel gekleideten, älteren Mann ein. Es ist wohl der Bürgermeister des Dorfes.
   Etwas Abseits der beiden steht eine weitere Gestalt - eine junge Frau mit kurzem, feurig rotem, gelockten Haar - auf dem Podium. Ihr erkennt deutlich die blaue Uniform des Ek'Gakeler Heeres unter dem Silber und Braun des Kettenhemdes und der Arm- und Bein-Platten samt Lederfutter. Das brandobische "F" am Kragen der Uniform und in größerer Ausführung auf der rechten Brust weisen die Kämpferin als Unteroffizier aus.
   Endlich unterbricht der Bürgermeister die Worte des Mannes neben sich und wendet sich der Menge zu. Als die Menschen weiter durcheinander reden, hebt er beide Hände und ruft "Ruhe, bitte."
   Da beruhigt sich die Menge und er fährt fort: "Ihr alle wisst, das wir - unsere Farmen und Landgüter, aber auch Karawanen die nach Dorwida unterwegs waren oder von uns fort - seit einigen Wochen immer wieder von dem Kargi-Stamm im Westen angegriffen werden! Auch heute Nacht hat es wieder einen Angriff gegeben. Sindal ist hier, um euch davon zu berichten."
   Mit diesen Worten überlässt der Bürgermeister das Wort dem jüngeren Mann, der sofort zu sprechen beginnt. "Ihr kennt mich! Wir Darrens haben Dorwida mit aufgebaut. Mein Vater war zwanzig Jahre lang im Dorfrat. Jetzt liegt er im Bett und muss sein Bein kurieren. Ein Bolzen von einem der Kargi hat ihn erwischt, mögen diese grünen Monster alle verflucht sein.
   Aber meine Brüder, unsere Arbeiter und ich habe die Bastarde zurückgeschlagen. Als sie gesehen haben, dass wir vorbereitet sind, sind die Feiglinge geflohen!"
   Wieder erhebt sich Geschrei. Aufmunterungen, aber auch Glückwünsche zum Sieg sind zu hören, aber auch Verwünschungen für die Kargi und Gelächter über deren Feigheit. Da schallt die rissige Stimme eines alten Mannes durch die Menge.
   "Was?" schreit Sindal Darren. Die Menge beruhigt sich und der alte Mann wiederholt seine Worte. "Ein Kargi verliert für gewöhnlich eher sein Leben, als seine Ehre. Das sind keine Feiglinge. Seid ihr denn sicher, dass es Kargi waren, die euch angriffen?" Während er spricht, tritt die Menge um ihn herum etwas auseinander und ihr erkennt einen Mann von über fünfzig Sommern mit schlohweißem Haar und einem grauen Vollbart. Seine dunklen Augen und die markante Stirn weisen auf Dejy-Blut hin, während die hohen Wangenknochen auf brandobische Abstammung schließen lassen. Sanjan erkennt in ihm Jaresh Dorguln, den ehemaligen Bürgermeister von Dorwida, dem er vor einem Jahr geholfen hat, als seine Nichte eine hartnäckige Kehlkopfentzündung hatte.
   Sindal lacht auf dem Podium laut auf. "Das darf doch nicht wahr sein! Wie verrückt bist du, Jaresh? Ich weiß nicht, wie es um dein Augenlicht steht, aber ich und meine Sippe sehen gut. Das waren Kargi - ohne Zweifel. Frag meinen Vater, der mit einem von ihren Bolzen im Bett liegt. Und sie sind geflohen, wie Feiglinge!"
   Wieder beginnt die Menge zu schreien, einige verhöhnen den alten Mann, andere dagegen sagen, man soll sich zurückhalten. Da schreitet der Bürgermeister wieder mit erhobenen Händen ein und beruhigt die Menge. "Na, na, na. Halte dich zurück, Sindal. Wir alle verstehen, dass du aufgewühlt bist, aber sei nicht so respektlos gegenüber Jaresh Dorguln. Er ist ein ehrbarer Mann, der schon viel für unser Dorf getan hat." Die Worte sind gut gewählt, klingen aber sehr gönnerhaft.
   "Vielen Dank, Hiram", ruft Jaresh mit nicht zu überhörendem Sarkasmus.
   "Aber natürlich", fährt der Bürgermeister fort. "Ich verstehe das, Jaresh. Immerhin hast du vor mehr als fünfzehn Jahren den Friedensvertrag zwischen Dorwida und den Kargi abgeschlossen. Ich weiß, dass du deren... Fürst, oder wie heißt es bei denen?"
   "Gul", hilft Jaresh aus.
   "Ah, ja, Gul. Ich weiß, dass du deren Gul kennst. Da muss es dir schwer fallen, zu glauben, dass die Kargi den Friedensvertrag gebrochen haben." Der Bürgermeister unterbrich seine Worte kurz und schaut zu der Offizierin hinüber. Diese stand bis dato unbeweglich mit hinter dem Rücken zusammengenommen Händen. Nun nickt sie ihm jedoch zu und gibt mit einer Handbewegung weiteren Männern in einer Seitengasse ein Zeichen.
   "Und wir müssen auch ganz sicher sein, bevor wir etwas unternehmen", fährt der Bürgermeister fort. "Aber leider, Jaresh, sind wir uns nun ganz sicher."
   In diesem Moment führen zwei weitere Soldaten des Heeres einen Kargi auf die Bühne. Wieder erhebt sich Geschrei und Tumult in der Menge. Einige Frauen schreien auf und wollen weglaufen. Männer beginnen dem Kargi Verwünschungen an den Kopf zu schreien. Ein Jugendlicher wirft mit einem Stein und trifft den Kargi an der Schulter. Der Hobgoblin zeigt dabei die Zähne und versucht sich für einen Augenblick von seinen Bewachern loszureißen. Es dauert nur Sekunden, dann nimmt er wieder eine ruhige Haltung ein und bedenkt die Menge mit einem eisigen Blick. Aber diese eine Sekunde reicht schon aus, um die ängstlichsten Kinder auseinanderstoben zu lassen.
   Es dauert fast eine Minute, bis der Bürgermeister die Menge wieder beruhigen kann. Dann übergibt er das Wort an die Offizierin des Heeres - Lihana Ejdarn, wie er sie vorstellt. Diese spricht ruhig und sachlich. "Als wir von dem Angriff auf das Gut der Darrens hörten, nahmen wir sofort die Verfolgung der geflohenen Angreifer auf. Wir folgten ihrer wahrscheinlichen Route nach Westen zum nördlichen Elninawald. Sichtkontakt stellten wir unweit des Flusses Avendor her. Es waren drei Reiter - Kargi - klar innerhalb des Territoriums, dass laut Vertrag als neutrale Zone gekennzechnet ist. Einer der drei war verwundet. Als wir sie aufforderten, zu halten, griffen die Kargi uns an. Einer von Ihnen starb am Ort des Kampfes. Einer konnte entkommen. Den dritten haben wir gefangengenommen."
   Die Menge johlt bei den letzten Worten auf. Weitere Steine und verfaultes Obst fliegen auf die Bühne, doch nachdem in erster Linie die Soldaten getroffen, werden, die den Kargi halten, bringt der Bürgermeister die Menge abermals zur Ruhe.
   Da meldet sich wieder Jaresh Dorguln zu Wort. "Und gibt es irgendwelche Beweise dafür, dass diese Kargi zum Stamm der Ukhtark gehören? Vielleicht ist das eine marodierende Gruppe."
Seine Worte gehen in Buhrufen unter. Ein jüngerer Mann in teurem Ledermantel und neuen Wildlederstiefeln schreit. "Nun hör aber auf, Onkel! Deine Versuche, diese Wilden zu verteidigen, werden immer peinlicher."
   Diesmal beruhigt die Offizierin die Menge mit erhobenen Händen. "Leider gibt es auch dafür Beweise", sagt sie ruhig. Ein weiterer Soldat kommt hoch und schmeißt einige Sachen vor sich und für alle sichtbar auf das Podium. Es ist ein Schmuckstück, wahrscheinlich ein Halsanhänger, ein Breitschwert und ein hölzernen Rundschild mit der Sillhoutte eines weißen Habichts darauf. Anscheinend ist der weiße Habicht das Zeichen des Ukhtark-Stammes, denn während Jaresh die Zähne zusammenbeißt und einen Kloß herunterschluckt, johlt die Menge wieder auf.
   Abermals beruhigt der Bürgermeister sie und sagt. "Damit haben wir Klarheit über unseren Feind. Lihana Ejdarn und die Soldaten des Heeres werden schon morgen damit beginnen, das Vorgehen gegen die Kargi zu planen. Ich habe bereits Herolde nach Rabuselido und in andere Städte geschickt, um Söldner zu uns zu bitten. Vielleicht sind einige schon hier", dabei bleibt der Blick des Bürgermeisters kurz auf Manik und Ragnar haften, die aufgrund ihrer Abstammung und der imposanten Statur aus der Menge herausragen. "Ich würde alle bitten, die Interesse haben, für gutes Geld uns zu helfen, uns von dieser Plage zu befreien, morgen früh hier an gleicher Stelle zu sein und sich bei mir und Offizier Ejdarn einzutragen."
   "Was ist mit dem Kargi?", fragt Jaresh durch die Rufe der Menge, und alle verstummen plötzlich.
   Der Bürgermeister sieht verwundert aus. "Was soll mit ihm sein? Er wird morgen hingerichtet."
   Wieder will die Menge aufjohlen, doch sie wird von Jaresh unterbrochen. "Das geht nicht, Hiram, und das weißt du. Wir können hier niemanden hinrichten, ohne einen ordentlichen Prozess - das ist Gesetz. Du warst im Stadtrat, als wir es verabschiedet haben."
   Die Menge murrt unwillig. Hiram verzieht das Gesicht. "Unser Richter wird erst in einer Woche zurückerwartet", sagt er trocken.
   "Dann bleibt der Kargi eben eine Woche lang in der Zelle unseres Scheriffs, bis ihm der Prozess gemacht werden kann", antwortet Jaresh mit einem verschmitzten Lächeln. "Ich denke, Scheriff Gelspad hat nichts dagegen."
   "Allerdings nicht", antwortet ein drahtiger Mann, der sich seitlich in der Menschenansammlung aufgehalten und bis dato ruhig verhalten hat, trocken. "Gesetz ist Gesetz - ich nehme den Gefangenen in Gewahrsam."
   Die Menge ist unzufrieden, und der Bürgermeister allem Anschein nach auch - allerdings widersetzt sich niemand dem Scheriff, als dieser den Gefangenen mit Hilfe der Soldaten in sein Revier führt. Der Bürgermeister weist noch einmal darauf hin, dass am nächsten Morgen am gleichen Ort Söldner angeworben werden sollen. Danach beginnt sich die Menge langsam zu zerstreuen. 
« Letzte Änderung: 22.11.2014, 11:24:43 von Khenubaal »

Sanjan, von den Bahir

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Dorwida
« Antwort #5 am: 14.10.2014, 18:31:00 »
Am Rand der Menge hatte sich Sanjan aufgehalten. Mitten hinein wäre eh nichts für ihn und Grimnir gewesen. Auf dem Speer gestützt verfolgte er die Szenerie. Als Jaresh Dorguln aufgetaucht war, war Sanjan immer wieder versucht zum alten Mann zu gehen. Er wollte sich neben ihm stellen, damit er nicht diesen Schreiköpfen alleine ausgeliefert war und das Besonders als ihm einer seiner eigenen Sippe in den Rücken viel. Für Ihn waren sie alle extrem respektlos. Schließlich war Jaresh der alte Häuptling der Dörfler und nun ein Stammesältester. Grimnir hatte die Unruhe seines Rudelführers schnell bemerkt. Er stand mit aufgerichteten Ohren neben ihm und wartete nur darauf, dass er handelte. Doch Sanjan verstärkte nur seinen Griff um den Speer. Schließlich hatte er kein Recht sich in dieses Gespräch einzumischen, gleich wie.
Kaum hatte Jaresh seinen Unglauben geäußert, blickte sich Sanjan das Dreiergespann auf dem Podest genauer an. Besonders den jungen Mann betrachtete er eingehens. Doch er war zu weit weg um jetzt etwas genauer zu sagen. Allein die Tatsache, dass die Schnitte noch nicht versorgt worden waren, machten ihn stutzig. Denn wenn der Angriff in der Nacht war, warum waren sie nicht einmal gesäubert worden? Was die Ruhe und Sicherheit der Soldatin anging, so klärte es sich als bald. Doch auch ihr Verhalten und dass des jetzigen Häuptlings kam ihm seltsam vor. So wie sie die Beweise präsentierten, sah es für den jungen Dejy so aus, als würden sie versuchen jeden Zweifel an ihren Worten ausräumen zu wollen aber gerade erst wenn Zweifel aufkamen. Irgendwie hatte er kein gutes Gefühl in der Magengegend.

Als dann alle auseinander gingen, versuchte er zu Jaresh zu gelangen. Er wollte unbedingt mit dem alten Mann reden. Denn er glaubte nicht daran, dass der alte Dejy durch diese Szene alle seine Zweifel fallen ließ und wenn ihn jetzt auch noch seine eigenen Sippe verriet, dann würde er sich sicher über vier weitere Augen und Ohren freuen.
« Letzte Änderung: 14.10.2014, 18:36:47 von Khenubaal »

Manik

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Dorwida
« Antwort #6 am: 16.10.2014, 14:14:12 »
An einem Platz angekommen, von wo aus er sowohl das Podest, als auch ihre Pferde gut im Blick hatte, blieb Manik stehen. Ruhig aber wachsam blickte er umher und harrte der Dinge die da kommen mögen.
Den auf dem Podest stehenden Personen widmete er zunächst keinen genaueren Blick, einer schien leicht verwundet sein, doch im Moment interessierte ihn das nicht weiter, es hieß vermutlich nur, dass der Mann vor kurzem gekämpft hatte. Was ihn jedoch interessierte, war der Aufruhr der Menge. Wieso waren alle so aufgebracht? Und wieso konnten sie nicht aufhören wie die Wilden durcheinanderzuplappern und das zu tun, weswegen sie hergekommen waren: Zuhören?
Manik war froh, als endlich einer der Männer auf dem Podest zu sprechen begann, die Menschen zur Ruhe aufforderte und diese auch einkehrte.
Offenbar wurde eine Farm von den Kargi angegriffen.
Als die ersten Ausführungen über den Angriff beendet waren, die Menge wieder lauter wurde, schreiend, jubelnd, johlend, verdrehte Manik die Augen. Offenbar würde er mit dem Krach erstmal leben müssen.
Desinteressiert, aber glücklich über die erneute Ruhe, verfolgte er anschließend ein Gespräch zwischen dem Mann auf dem Podest der Sindal genannt wurde und einem alten Mann aus der Menge.
Der alte Mann schien viel über die Kargi zu wissen, war offenbar mal ein Verantwortlicher von Dorwida gewesen, hatte einen Friedensvertrag mit den Kargi geschlossen. Einen Friedensvertrag mit den Kargi? Manik runzelte die Stirn. Leute die eine Bedrohung für einen darstellen, sollte man bekämpfen und nicht verschonen. Der Mann versuchte anscheinend die Kargi zu verteidigen, doch wie als Stichwort wurde in dem Moment ein Gefangener auf die Bühne geführt. Wieder Krach. Doch Kargi war Kargi und so erfreute Manik sich innerlich an dem Steinwurf auf das Monster.
Dennoch kam ihm der Bericht des rothaarigen Offiziers der Armee seltsam vor.
Man nahm die Verfolgung auf und stellte grade einmal drei Angreifer? Wo war der Rest? Hatten die Kargi am Ende nur zu dritt angegriffen? Das konnte er sich nicht vorstellen. Und wie hatte man sie eingeholt? Und am wichtigsten:

"Wieso griffen die Kargi plötzlich mutig und vermutlich in Unterzahl an, obwohl sie vorher noch in angeblicher Feigheit geflogen waren?"

Als Manik klar wurde, dass er grade laut gedacht hatte, räusperte er verlegen und sagte nichts weiter. Er hatte keine Lust darauf, dass der Krach und das Gejohle sich auch noch gegen ihn richteten, so wie es sich aktuell gegen den alten Mann richtete.
Anschließend wurden noch Beweise präsentiert, aus welchem Stamm der gefangene Kargi stammen sollte. Dem alten Mann schien das nicht zu gefallen, wie Manik bemerkte.

Als der Bürgermeister endlich zum Punkt kam, war Manik froh. Offenbar sollten Söldner angeheuert werden, die sich dem Angriff auf den Stamm der Kargi anschlossen, sehr gut, endlich wieder eine Möglichkeit etwas Geld zu verdienen. Er beschloss, am nächsten Tag auf jeden Fall wieder vor Ort zu sein.

Doch jetzt hatte er erstmal noch das Bedürfnis mit dem Bürgermeister zu reden. Diesem schien es nicht zu gefallen, dass der Gefangene jetzt noch eine Woche weggesperrt werden musste. Manik leuchtete dies auch nicht ein, wieso noch eine Woche Ressourcen verschwenden, wenn man sich auch jetzt gleich eines Verbrechers entledigen konnte? Vielleicht konnte er sich ja noch diese Nacht, ein paar Münzen dazuverdienen. Und wenn ihm Zweifel an der Schuld des Gefangenen überkamen, so wollte er sich zumindest nicht die Gelegenheit entgehen lassen, die andere Seite der Geschichte zu hören.

"Entschuldigt mich bitte." sagte Manik an Ragnar gerichtet und ging in Richtung des Bürgermeisters.
« Letzte Änderung: 16.10.2014, 19:53:13 von Manik »

Ragnar Sturmschild

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Dorwida
« Antwort #7 am: 16.10.2014, 19:23:21 »
Ragnar reagiert lediglich mit einem leisen Grunzen auf das fortgehen seines Begleiters. Zu sehr war er von den Ereignissen gefesselt und seine Gedanken rasten hinter seiner Stirn. Irgendetwas schien hier Faul zu sein, jedoch konnte der junge Krieger nicht erkennen was. Da er keine Möglichkeit hatte dieses Rätsel zu lösen, blickte er sich nach einer Informationsquelle um, vielleicht wäre die örtliche schenke ein geeigneter Ort um etwas zu erfahren. Jedenfalls konnte er sich dort das Angebot für eine bewaffnete Unterstützung durch den Kopf gehen lassen.

Khenubaal

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Dorwida
« Antwort #8 am: 17.10.2014, 09:05:59 »
   Für einen Augenblick stutzt Jaresh, als er Sanjan sieht - offenbar ist der Mann noch in Gedanken versunken. Doch der Druide ist ob seines Äußeren und auch Grimnir an seiner Seite eine außergewähnliche Erscheinung, und so erkennt ihn der alte Mann im nächsten Augenblick sofort wieder.
   "Ah, Sanjan. Schön dich zu sehen - Siola wird sich freuen, dass du uns wieder besuchst." Mit diesen Worten reicht Jaresh Sanjan die Rechte und drückt ihm mit der linken freundschaftlich die Schulter.
   Dann geht der Blick des alten Mannes wieder zum Podium, auf dem immer noch der Bürgermeister steht und nun wohl ein Gespräch mit einem Ortsfremden - einem Kämpen aus den Nordlanden, nach dem Aussehen geurteilt - beginnen wird. Seine Miene verfinstert sich etwas.
   "Ich nehme an, du hast mitbekommen, was eben hier geschehen ist", sagt er und blickt wieder Sanjan an. "Es sind turbulente Zeiten in Dorwida. Sicherlich hast du auch Fragen, die wir gerne bei etwas Wein erörtern können. Und, um ehrlich zu - es gibt auch etwas, was ich mit dir besprechen möchte. Darf ich dich einladen, heute mein Gast auf unserem Gestüt zu sein?"
« Letzte Änderung: 17.10.2014, 09:17:35 von Khenubaal »

Khenubaal

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Dorwida
« Antwort #9 am: 17.10.2014, 09:15:54 »
   Während sich Manik dem Podium nähert, zerstreut sich die Menge immer mehr. Der Bürgermeister war noch in ein kurzes Gespräch mit Lihana Ejdarn vertieft, dieses ist aber auch schon beendet, als der Fhokki am Podium ankam. Die Offizierin verabschiedet sich mit einem Nicken vom Bürgermeister und steigt auf der anderen Seite des Podiums zu ihren Männern herunter. Sie streift dabei Manik mit ihrem Blick - anscheinend kann sie sich bereits denken, dass er einer der Söldner sein könnte, die dem Ruf nach Dorwida gefolgt sind. Manik kann ihren Blick nicht einschätzen, die Miene ist ausdruckslos.
   Aus den Augenwinkeln bemerkt Manik, dass neben einigen Dörflern, die am Brunnen des Dorfplatzes ihr Wasser holen wollen, noch drei Gestalten auf dem Platz geblieben sind: der alte Mann, der versucht hatte, den Kargi zu verteidigen, und eine seltsam gekleidete Gestalt mit einem wilden Hund an ihrer Seite. Die beiden Menschen reden gerade miteinander.
   So nah am Podium erweckt Manik jedoch die Aufmerksamket des Bürgermeisters. Dieser wendet sich ihm zu und reißt ihn mit seinen Worten aus seiner Beobachtung. "Kann ich Ihnen helfen?", fragt er.
« Letzte Änderung: 17.10.2014, 09:51:01 von Khenubaal »

Khenubaal

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Dorwida
« Antwort #10 am: 17.10.2014, 09:41:48 »
   Von seinem Gefährten zunächst allein gelassen, blickt sich Ragnar auf dem zentralen Dorfplatz um. Er erkennt neben dem Brunnen in der Mitte des Platzes noch einige weitere markante Gebäude. Da ist sicherlich das imposante, steinerne Ratshaus mit den Podium, auf dem sich die Szenerie abgespielt hat. Um den ellyptischen Platz herum sind jedoch neben einigen Wöhnhäusern - sicherlich in der Hand der reichsten Familien des Dorfes - auch ein Laden, der anscheinend auch einfache Waffen aber vor allem Eisenwaren des täglichen Bedarfs anbietet, das Revier des Scheriffs, in dem letzterer mit dem Kargi verschwunden ist, und ein hölzerner Tempel der Heiligen Mutter - neben dem Ratshaus das größte Gebäude in Dorwida - angeordnet. Außerdem erkennt Ragnar ein weiteres Gebäude - zu groß für ein Wohnhaus, mit weiten Fenstern und einer offen stehenden Doppeltür. Auf die Wand des hölzernen Hauses ist mit tiefroter Farbe die Sillhoutte eines Pferdes im Sprung aufgemalt. Über der Tür ist ein helles Holzschild angebracht mit der Aufschrift "Zum roten Mustang". Offensichtlich handelt es sich hierbei um die Schenke - oder eine der Schenken - von Dorwida.
   Als Ragnar diese betritt, schlägt ihm sofort der vertraute Duft von Bier, Tabak und Abgestandenem entgegen - wie erwartet. Das Licht im "Mustang" ist dämmerich - der Kamin ist aus, da es draußen warm ist, und so spenden nur einige ölbetriebene Deckenlampen sowie einige Kerzen auf Tresen und Tisch licht. Es ist recht leise und leer im Gastraum.
  Es ist noch nicht Abend, und so sind die Tische bis auf zwei alle frei. An einem sitzen drei Soldaten des Heeres von Ek'Gakel - leicht zu erkennen an ihrer Uniform. Sie haben jeweils einen großen Humpen Bier vor sich und sind offensichtlich in ein Würfelspiel vertieft. Am anderen sitzt der gut gekleidete, junge Mann, der den alten aus der Menge als seinen Onkel bezeichnet und zurechtgewiesen hatte - er und seine Begleiter haben sich wohl gerade eben hingesetzt. Er redet dabei auf die zwei Männer in deutlich bescheidenerer Erscheinung ein und scheint ihnen etwas zu erklären. Er scheint sich dabei in der Rolle des Erzählers zu gefallen; die beiden anderen nicken einfrig.
  Hinter dem Tresen trocknet ein stämmiger, dicklicher Mann mit rotem Gesicht und großen Augenringen gerade weitere Gläser und Humpen ab. Vor ihm sitzen zwei junge Burschen und unterhalten sich. Ebenfalls am Tresen, etwas abseits in der Ecke sitzt eine etwas kleinere Gestalt - eventuell ein Kind? Aber was macht ein Kind allein in einer Schenke? - und nippt ebenfalls an einem Humpen.
« Letzte Änderung: 17.10.2014, 11:22:14 von Khenubaal »

Sanjan, von den Bahir

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Dorwida
« Antwort #11 am: 17.10.2014, 10:40:20 »
Sanjan lehnte seinen Speer an seine Schulter und nahm die Geste von Jaresh auf. Er legte ihm die freie Hand freundschaftlich auf die Schulter. „Ebenfalls schön dich zu sehen.“ Erwiderte er die Begrüßung des alten Mannes und folgte dessen Blick. Kurz atmete er tief aus und dachte sich seinen Teil. Nachdem sich Jaresh wieder löste, konnte Sanjan wieder den Speer zur Hand nehmen. Erlauschte den Worten des alten Mannes und nickte leicht. „Ja ich habe es mitbekommen. Unschön was hier vor sich geht. Dabei bin ich immer gerne nach Dorwida gereist, doch nun?“ Er senkte seinen Blick zu Grimnir. Dieser hatte sich neben die beiden Männer gelegt, doch seine Ohren zeigte, dass er lauschte. Ein lächeln huschte über das Gesicht des Druiden. So einen wachsamen tierschen Freund zu haben war mehr als gut. Dann blickte er wieder zu Jaresh „Du gehst richtig in der Annahme. Ich habe einige Fragen an dich. Doch du hast Recht. Bei einem Wein lässt sich besserreden, auch über deine Bitte. So nehme ich deine Einladung allzu gerne an. Wenn du möchtest können wir aufbrechen. Ich habe keine Geschäfte mehr im Dorf zu erledigen.“ Er lächelte Jaresh freundlich an. So wie die Dinge gerade schienen glaubte er kaum mehr daran, dass er seine Felle und Kräuterloswerden würde. Aber das kam ihm auch recht. So konnte er sie Jaresh und seinem Stamm als Dank für die Einladung zu gegebener Zeit überreichen.
« Letzte Änderung: 18.10.2014, 11:45:14 von Sanjan »

Manik

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Dorwida
« Antwort #12 am: 18.10.2014, 11:07:38 »
"Seid gegrüßt, werter Herr Bürgermeister" beginnt Manik seine Ausführungen, "echt Schlimm, diese Plage, mit der ihr da zu kämpfen habt." Während der Waldläufer mit dem Bürgermeister spricht, geht er ein paar wenige Schritte seitwärts, um den Bürgermeister rum. Eine seltsame Gruppe in der Mitte des Platzes hat eben seine Aufmerksamkeit erregt und er möchte sich die Gelegenheit, diese Gruppe unauffällig mustern zu können, nicht entgehen lassen.
"Und tapfere Soldaten, die ihr da an eurer Seite wisst", fährt Manik ohne auf eine Antwort zu warten fort, in Richtung der eben gegangenen Unteroffizierin nickend "aber den Angriff konnten sie nicht verhindern, deswegen sucht ihr sicher auch Söldner zur Unterstützung des Angriffs auf eure Plage? Ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass ich und vermutlich auch mein Gefährte..." Manik schaut sich um und sieht wie Ragnar die Schänke betritt, "... nun, wir würden eurem Rufe gerne folgen. Wisst Ihr? Nicht, dass wir was gegen gute Bezahlung hätten, die ihr sicher anzubieten habt, aber es ist auch der Kampf gegen die Üblen Dinge der Welt, der mich im Speziellen antreibt."
Während der Fhokki seine Worte spricht, fällt ihm auf, dass die Gruppe in der Mitte des Platzes nun, nach einer kurzen aber anscheinend freundschaftlichen Unterhaltung, aufzubrechen scheint.

Khenubaal

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Dorwida
« Antwort #13 am: 19.10.2014, 10:16:31 »
   Jaresh nickt Sanjan noch einmal zu. "Dann lass uns zu meinem Gestüt aufbrechen und uns es heute auf meiner Terrasse gemütlich machen. Dort können wir alles in Ruhe besprechen" - seine Augen deuten kurz zum Bürgermeister und der sich gerade entfernenden Offizierin auf der Bühne, als er hinzufügt - "ohne, dass uns ungebetene Gäste belauschen. Komm."
   Mit diesen Worten bricht die kleine Gruppe vom Marktplatz von Dorwida auf. Jaresh - bereits im hohen Alter, aber noch in der Lage, kurze Entfernungen zu reiten - hat sein Pferd im kleinen Stall des "Roten Mustangs" anbinden lassen. Er schnippt mit den Fingern dem kleinen Jungen in den Binsen eine Kupfermünze zu und dieser führt das Tier eifrig hinaus.
   Zunächst führt Jaresh die Stute an den Zügeln, bis sie das Dorf verlassen haben und Sanjan mit einem Pfiff sein Pferd herbeirufen kann. Dann sitzen beide auf und Jaresh gibt den Weg zu seinem Gestüt vor. Grimnir trottet dabei eifrig neben den beiden Reitern her.
   "Du erinnerst dich sicherlich", sagt der alte Mann, "es ist nur eine Viertelstunde zu Pferd bis zu mir. Die Gestüte liegen eng um die Dorfmitte herum - die meisten sind innerhalb einer Stunde zu Pferd zu erreichen. Insbesondere diejenigen, die am frühesten gegründet wurden."
   Sanjan erinnert sich an das Anwesen und die Weidefelder der Dorguln. Es ist keins der größten Gestüte um Dorwida, denn als zweiter Sohn, der sich zudem stärker mit der Politik des Dorfes befasst hatte, als mit der Führung der Geschäfte, hatte Jaresh nur einen kleinen Teil der Ländereien seines Vaters geerbt - das meiste ging an seinen älteren Bruder Destan. Dennoch hat es sehr gutes Weideland mit einem schönen und großzügig gebauten Anwesen aus Holz. Als Sanjan, das letzte Mal da war, hat er einiges aufschnappen können: Auf dem Land waren zwei Vorarbeiter, die fast schon zur Familie gehörten und - je nach Jahreszeit - vier bis zehn weitere Arbeiter beschäftigt. Dazu gab es noch Personal im Haus. Das Gebiet war in Parzellen eingezäunt, um die Rinderherde besser zu kontrollieren und bei Bedarf einzelne Gruppen von Rindern separat zu halten, um die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden, oder Kälber, magere Tiere und andere Sondergruppen anders füttern und behandeln zu können, als den Rest. Manchmal nutzte man die Trennung auch dazu, um zwei besonders kampflustige Bullen voneinander fern zu halten. Allerdings mussten diese dann mindestens noch eine Parzelle zwischen sich haben - würden sie in benachbarten Parzellen sein und einander riechen, würde sie der Holzzaun nicht aufhalten.
   Während Sanjan sich die Bilder durch den Kopf gehen lässt, kommt bereits das Tor zu dem Gestüt der Dorguln in Sicht. Der alte Mann lächelt milde "Ah - wir sind fast da."
   Dann sehen die beiden, dass eine Gestalt vom Tor her auf sie zurennt. Zunächst ist wegen der Sonne nur ein schwarzer Umriss zu sehen, doch als die Gestalt näher kommt, erkennen Jaresh und Sanjan, dass es eine der Mägde aus dem Anwesen ist.
   Jaresh beugt sich vor und fragt. "Inga, was ist los?"
   Die Magd bleibt stehen und mss erst ein paar Mal tief Luft holen. "Ein Bär, Herr. Er hat sich wohl verlaufen und ist über den Zaun eingebrochen. Pishu hat versucht, ihn mit einem Speer zu verjagen, aber..."
   Jaresh wirft die Arme in die Luft. "Dieser Dummkopf!"
   "Jedenfalls hat er den Bär eher wütend gemacht, als verletzt. Jetzt ist das Tier in der nordwestlichen Einzäunung, rechts von der Baumgruppe - es läuft wild herum, brüllt und erschreckt die Rinder in der Parzelle."

Khenubaal

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Dorwida
« Antwort #14 am: 19.10.2014, 10:32:31 »
   Als Manik spricht, hellt sich die Miene des Bürgermeisters leicht auf. "Das freut mich zu hören. Wir brauchen Männer, die uns gegen diese Plage unterstützen. Das Heer hat seine Einheiten Anfang dieses Jahres in eine größere Anzahl von Gruppen aufgeteilt, um das Land feinmaschiger abdecken zu können und so der Bedrohung durch die aggressiven Dejy-Stämme Herr zu werden, aber als Folge sind die Einheiten auch kleiner geworden. Lihana Ejdarn hat nur 24 Mann zu Verfügung. Das würde reichen, um uns gegen etwaige Übergriffe zu verteidigen, aber für einen Angriff auf den Stamm der Ukhtark dürfte das zu wenig sein."
   Langsam geht der Bürgermeister über das Podium, um die Treppe hinunter zu kommen und sich zu Manik zu gesellen. Er trägt einen kurz getrimmten, roten Vollbart. Seine Haare sind ebenfalls kurz geschnitten. Die Augen sitzen tief und sind blau - alles deutet auf kalamarische Abstammung hin. Ein Hinweis darauf, dass der Mann fähig und ausdauernd sein muss, wenn er es bis zum Dorfbürgermeister gebracht hat, denn Kalamarer sind in den Jungen Königreichen nicht gerade das beliebteste aller Völker.
   "Jaresh Dorguln hat vor etwas mehr als fünfzehn Jahren einen Friedensvertrag mit den Ukhtark unterschrieben und zunächst sah es so aus, als würden sie sich daran halten. Aber Kargi bleibt Kargi. Ich haben den Ukhtark nie vertraut und leider scheint es, als hatte ich recht. In der Vergangenheit gab es auch Vorfälle, aber man konnte es nie den Ukhtark nachweisen - es hätten auch marodierende Banden - Dejy, Orks - oder auch andere Plagen und wilde Tiere sein können. Doch in den letzten Wochen haben die Kargi ihr wares Gesicht gezeigt. Es gab bereits drei Überfälle. Zwei Karawanen - eine auf dem Weg nach Dorwida, eine auf dem Weg von Dorwida - wurden angegriffen. Außerdem ein am Außenrand liegendes Gestüt. Der Angriff auf die Darrels ist bereits der vierte Übergriff.
   Daher freue ich mich, dass Ihr - und hoffentlich noch einige weitere Männer - hier seid und uns unterstützen werdet, um die Kargi ein für alle Mal aus unserer Nachbarschaft zu vertreiben."
« Letzte Änderung: 19.10.2014, 10:33:40 von Khenubaal »

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