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Autor Thema: Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses  (Gelesen 65904 mal)

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Thorgrimm

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« am: 13.02.2015, 03:40:24 »
So lief die Gruppe durch den knirschenden Schnee - zurück in die eisige, dunkle Umarmung des Finstermondwaldes. Da es noch nicht wieder geschneit hatte, waren die Spuren des Mädchens deutlich im Schnee zu erkennen und es war ein leichtes, ihrer Spur zu folgen. So liefen sie durch den kahlen, schwarzen Wald, der durch seine Trostlosigkeit, die Laune der Abenteurer und Helden nicht gerade steigerte. Es war kein angenehmer Marsch. Langsam stieg die furchtbare Kälte in jedes Glied und die Feuchtigkeit schien regelrecht in die Kleidung zu fließen, was nicht nur unangenehm, sondern auf Dauer auch schmerzhaft war. Es waren vor allem die - in großen Mengen gefährlichen - Messerkrähen, die die Gruppe neugierig zu verfolgen schienen. Immer mehr der übergroßen, rabenartigen Vögel verfolgten die Gruppe während ihrer Reise durch den Wald.
Doch zum Glück blieb es bei einer seltsam stillen Beobachtung - kein Angriff erfolgte durch die Vögel, die mit ihren extrem spitzen und scharfen Schnäbeln durchaus auch unter dicke Rüstungen gelangen und sogar Leder zerbeißen konnten. Generell schienen sie heute, was ihr Glück anging, sogar Cayden Cailean Konkurrenz machen zu können, denn kein wirklich gefährliches Wesen kreuzte ihren Weg.

Schließlich bemerkten sie, wie die Bäume immer spärlicher und kleiner wurden. Sie bewegten sich schon seit einer ganzen Weile stetig bergauf und waren ihrem Ziel sehr Nahe. Die Gruppe ließ die letzte größere Baumgruppe hinter sich und erspähte eine alte Ruine - sie hatten ihr Ziel erreicht.
Zwei mächtige, von Wind und Wetter gezeichnete Säulen, ragten vor der Gruppe auf. Die einst kunstvoll in den Stein gehauenen zwergischen Runen waren jetzt nicht mehr zu entziffern aber vermutlich hätten hier sowieso keine netten Worte gestanden. Denn wie Bergi durch den Forscher Bhoron Schwarzbart wusste, waren die Zwerge dieses Tals durch Droskar "den dunklen Schmied" fehlgeleitet und verdorben worden.
Unter dem Schnee zeichneten sich hier und da geometrische Formen ab, die von bearbeiteten Steinplatten zeugten. Die Eingangshalle, die hier einst gestanden haben musste, war nun nicht viel mehr als einige Säulen und kaputte, eingefallene Wände. Schutt- und Steinhaufen bildeten kleine Berge vor dem Droskarsfels, der immer steiler, bis in den Himmel aufzusteigen schien. Deutlich war auch der in den Berg gehauene Gang und das doppelflügige Stein- und Eisentor zu erkennen, dass die Helden tiefer in den Berg und weiter in Richtung ihres Ziels führen würde. Hier waren die Kinder hingebracht worden - von Kobolden, wenn man Jeva glauben sollte.

Tatsächlich tauchte das Mädchen in diesem Moment auf, als hätte sie nur auf die Gruppen gewartet. Hatte sie sie vielleicht sogar mit ihren Spuren hierhergeführt und ihnen dadurch geholfen?

"Da seid ihr ja! Ich bin so froh, dass euch dieses Ding... nicht getötet hat." Mit ihrer Puppe im Arm, hopste sie neben Shira und hielt sich dann an ihrer Kleidung fest. Sie sah zu der Frau auf und suchte ihren Blick - richtete sich aber an die ganze Gruppe. "Tut mir Leid, dass ich euch nicht Bescheid gesagt habe aber ich musste wegrennen."
« Letzte Änderung: 13.02.2015, 03:44:18 von Thorgrimm »

Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #1 am: 15.02.2015, 17:26:42 »
Je weiter sie gingen desto mehr wunderte sich Gerion. Jevas Spuren schienen sie direkt zu ihrem Ziel zu führen. Und wieder hatte er ein mulmiges Gefühl, wenn er an das Mädchen dachte. Vielleicht war es an der Zeit, dies mit seinen Gefährten zu besprechen. Also passte er einen Moment ab, wo sie alle recht nah beieinander waren und fragte in die Runde: "Ich würde gerne über etwas mit euch sprechen. Nachdem ich bei dem Holzfäller so arglos war, möchte ich nicht in die nächste Falle tappen. Weiß einer von euch etwas über Jeva zu sagen, was sie ist oder was wir von ihr zu halten haben? Ich habe die ganze Zeit geglaubt dass sie ein unglaublich pfiffiges und Überlebensuntüchtiges Kind ist. Das gibt es, gerade hier im Finstermondtal. Aber seit einer Weile ist sie mir unheimlich. Sie sieht mehr als wir, sie scheint immer schon im Voraus zu wissen, wann sie verschwinden muss und sie verschwindet von einem Moment auf den anderen. Aber sie hinterlässt Fußspuren, scheint zu schlafen, hat Angst und Sorgen. Sie wirkt auf mich wie ein extrem starkes Kind, aber ihr Verhalten hat für mich etwas magisches. Und da frage ich mich: ist sie wirklich nur ein normales Kind oder ist es wirklich Magie - und falls ja, ist es gute oder böse Magie? Oder bin ich einfach zu misstrauisch? Shira, ihr kennt euch mit Magie aus oder Nasreddin, du kommst aus einem fernen Land, in dem es Wunder geben soll. Und ihr anderen, ihr alle könnt Dinge, die ich nicht beherrsche. Was denkt ihr?"

Shira

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #2 am: 16.02.2015, 01:06:54 »
"Ich bin mir auch nicht ganz schlüssig", antwortete nun Shira. "Im Camp habe ich mir nochmals den Platz angesehen, an dem sie zurvor eingeschlafen war. Zumindest war am nächsten Tag keine Magie mehr nachweißbar. Dies muss nicht viel heißen. Der Hautdieb könnte durchaus recht gehabt haben. Jeva könnte ein Feenwesen sein, was sie unberechenbar macht, denn die Feen sind mit allen Wassern gewaschen und führen die Menschen gerne an der Nase herum." Dennoch sträubte sich etwas in der Hexe, das kleine Mädchen, welche es in vielem an sie selbst erinnerte, als sie noch durch die Straßen von Sandpoint gezogen war, als Feindin anzusehen. Sie hoffte inständig, dass sich dies nicht als Fehler herausstellte.

Shensüchtig blickte sie den verschneiten Weg entlang. "Bisher hat sie uns aber stets nur geholfen und in keine Falle gelockt, weshalb ich immer noch an sie glaube. Auch wenn du recht hast und wir in Zukunft deutlich vorsichtiger sein müssen, mit wem wem wir uns einlassen."

Plötzlich blieb sie stehen, öffnete den Verschluss ihres Rucksacks und zog einige Dinge heraus, welche sie nach dem Kampf mit dem Troll vorsorglich verstaut hatte. "Bevor wir an dem Felsen angelangen, sollten wir vielleicht noch die Fundstücke des Trolls verteilen - sie könnten uns durchaus nützlich sein. Heute Morgen hatte ich etwas Zeit mir die Teile etwas genauer zu untersuchen und konnte herausfinden, worum es sich handelt."

Sie steckte sich einen goldenen Ring an den Finger, welcher mit einem gravierten Auge versehen war. "Zum einen haben wir hier eine hübschen Ring, welcher stets ein Auge auf seinen Träger wirft und ihn schützt. Ich habe noch das Geschenk von Sharvaros und kann meine Gegner auch recht gut auf Distanz halten. Aber vielleicht wäre er etwas für Gerion, der sich stets zuerst unseren Feinden stellt.
 
Mit dem nächsten Gegenstand kenne ich mich durchaus aus. Wir hatten früher nicht sonderlich viel zu essen und mussten zusehen, wo wir etwas her bekamen. So stiegen wir auch schon mal in das ein oder andere Haus ein und öffneten Türen und Fenster. Dies war nicht immer einfach, obwohl wir uns allerlei Hilsmittel zurechtgebogen hatten. Mit dieser kleinen Röhre ..."
. Sie zeigte den anderen den hohlen Metallzylinder und ein kleines Lächeln kam über ihre Lippen. "... hätten wir sicher keine Probleme gehabt. Hier ist etwas Magie im Spiel."

Danach hielt sie zuerst ein kleines Fläschen hoch. "Dieses kleine Gebräu vertreibt euch die letzten Bedenken und gibt euch Mut, das richtige zu tun.

In diesem weiteren Fläschen befindet sich ein seltenes Öl, welches euen Waffen die Durchschlagskraft verschafft, die es braucht auch stärkere Gegner zu bezwingen.

Ähnlich verhält es sich auch hiermit."
Sie öffnete eine kleine Dose und lies den Blick auf ein Puder frei, welches anscheinend mit einem Lappen aufgetragen werden musste. "Wenn wir dies vorher schon gefunden hätten, würden unsere drei Begleiter vielleicht noch leben. " Sie dachte einen kurzen Moment zurück an den heftigen Kamp mit den Schatten und sie durchzuckte ein leichter Schauer. "Auf die Waffe aufgetragen fügt es auch gestaltlosen Kreaturen Schaden zu."

Sie blickte fragend in die Runde und wartete darauf, dass jemand seinen Besitz auf die Dinge anmeldete.


Wilbur Goldhämmerer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #3 am: 16.02.2015, 17:31:07 »
Wilbur war noch entsetzt über dieses Wesen, das sie so hinter das Licht geführt hatte. Bevor sie sich nun endgültig aufmachten, die Kinder zu retten, erbat er die Gunst Saranreas und ihres feurigen Mysteriums. Er wendete sich an den Geschichtenerzähler: "Ich sehe, du trägst noch Wunden. Lass mich dir helfen."
Wilburs Hand loderte in leichten Flammen auf. mit diesen berührte er die Wunde Nasreddins. Zu dessen Erstaunen waren die Flammen jedoch nicht heiß, anstatt ihn zu verbrennen, schlossen diese seine Wunden.
Dann folgte er den anderen.

Als die Gruppe wieder auf Jeva traf, zeigte sich Erleichterung auf dem Gesicht des Wahrsagers: "Ein Glück! Da bist du ja."
« Letzte Änderung: 16.02.2015, 17:31:24 von Wilbur Goldhämmerer »

Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #4 am: 17.02.2015, 19:55:11 »
Gerion schien erleichtert als er Shiras Worte über Jeva hörte. Er warete einen Moment, dann fragte er in die Runde "Ist jemand etwas aufgefallen, dass gegen Jeva spricht?" Sien Gesicht zeigte etwas wie eine bange Spannung, er schien das Mädchen ins Herz geschlossen zu haben.

Als Shira dann die Gegenstände zeigte, schaute er auf den Ring. "Oh, so ein Ding könnte ich schon gebrauchen, aber ich bin nicht der Einzige, der nah an unsere Feinde heran muss."

Nasreddin Yahya

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #5 am: 17.02.2015, 20:03:16 »
"Ich kann mich nur der Weisheit eure Worte beugen edle Tochter der Voraussicht, es ist nicht falsch Vorsicht walten zu lassen, doch mein Glaube an Cayden Cailean und Sarenrae erlauben es mir nicht anders zu Handeln als mein Herz es mir bereits gebietet."
Bei diesen Worten blickte er seinen Gefährten in die Augen ein aufrichtiges Lächeln auf seinem Gesicht, seine Mimik verriet bereits, dass er einfach nicht anders Handeln würde als er es angekündigt hat.
"Was das absonderliche Verhalten der kleinen Jeva angeht, die mysteriöser scheint als die Händler in den Nachtständen von Katapesh so könnte dies eine Vielzahl an Gründen haben. In Katapesh gibt es viele Zwerge und Elfen es gibt allerdings auch andere Wesen die das Blut der Djinns in sich tragen, einige davon sind von Menschen kaum zu unterscheiden, bei anderen ist ihre Abstammung offensichtlich, doch sie alle haben die Magie ihrer Vorfahren im Blut. Wer sagt uns also das Jeva ein menschen Kind ist und selbst wenn kann niemand wissen ob es sich mit ihren Vorfahren genauso verhält."
Bei diesen Worten rieb sich Nasreddin den Bart während er die Arme verschränkte, als er diese wieder voneinander trennen wollte um mit seiner Gestik seine Worte zu unterstreichen, verzog er leicht das Gesicht. Er hatte immer noch eine leichte Verletzung vom vorherigen Kampf, welche zwar nicht gefährlich war aber seine Bewegungen einschränkte.
"Wie dem auch sei diese Frage werden wir nicht ohne weiteres Beantworten können, wir besitzen weder das Wissen der Pharaonen noch die Weisheit der Veziere und so werden unser Fragen unbeantwortet bleiben, bis sie sich uns selbst offenbaren. Das einzige was wir tun können, ist uns so gut es geht vorzubereiten, wir besitzen zwar nicht die Weisheit der Veziere aber wir sind auch nicht die Tumben Söhne der Einfältigkeit."

Während sich der Geschichtenerzähler nun weiter unterhielt, verspürte er das seine Schmerzen auf einmal verschwunden waren und das Wilbur der Gnom ihn mit flammenden Händen berührte. Als echter Keleshite und Anhänger Sarenraes war ihm das Heilige Feuer wohl bekannt und er verbeugte sich tief vor dem Alchemisten.
"Dieser Unwürdige hier dankt euch im Namen der Göttin für die Linderung die ihr ihm verschafft habt. Ihr habt mich von meinen Schmerzen und Verletzungen befreit Freund Wilbur und dass auf eine wunderbare Art welche mich an meine Heimat erinnerte ich danke euch."

Shira

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #6 am: 20.02.2015, 19:50:47 »
Sachte fuhr die Hexe der kleinen Jeva über ihr langes blondes Haar. Ihr fiel ein deutlicher Stein vom Herzen, als sie die Kleine wieder heranhüpfen sah und am liebsten hätte sie sie in den Arm genommen und gedrückt. Aber so vieles war in der letzten Zeit geschehen, was auf den ersten Blick recht harmlos begonnen hatte, und so begnügte sie sich mit dieser einfachen Geste.

"Schön dich wieder zu sehen ...", begann sie mit einem Lächeln. "Aber warum verwundert es mich nicht, dich hier zu sehen?", fügte sie mit einem Grinsen hinzu, das aber dennoch nicht nur aus Flachs gesagt war.

"Woher wusstest du, wer hinter der Maskerade steckte? Es war uns nicht aufgefallen, bis wir ihn in die Enge drängten, um etwas über deinen Verbleib zu erfahren. Es hätte nicht viel gefehlt und unser Wüstensohn wäre einen Kopf kürzer gewesen."

Sie blickte dem Mädchen nun tief in die Augen. "Wer bist du wirklich? Ich habe das Gefühl du brauchst hier nicht unsere Hilfe, sonder eher umgekehrt."

Thorgrimm

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #7 am: 22.02.2015, 04:36:58 »
Jeva lächelte Wilbur und auch den Rest der Gruppe an und hörte schließlich Shira zu. Wenn sie die Fragen der Hexe störten oder ärgerten, dann ließ sie sich das nicht anmerken.

"Ich wusste nicht, dass der Holzfäller nicht wirklich ein Holzfäller war. Das ist mir erst am Morgen aufgefallen. Weil er sich anders verhalten hat. Irgendwas muss in der Nacht passiert sein. Bevor er mir etwas antun konnte, bin ich weggerannt. Ich wusste, dass ihr hierher kommt." erklärte das Mädchen und erzählte jetzt auch, warum sie gar nicht erst in das Lager wollte. "Die Hunde im Lager mögen mich nicht. Vielleicht weil ich nach dem Wald rieche aber deshalb wollte ich nicht mitkommen." Als die Frage aufkam, wer sie wirklich war, legte sie lediglich ihren Kopf schief und schien verwirrt zu sein.[1] "Wieso fragst du? Ich bin ein Mensch. Wie ihr. Naja... nicht wie die beiden da." womit sie auf Wilbur und Bergi zeigte. "Ich kenne den Wald nun mal gut und kann euch helfen. Dafür seid ihr Stark oder könnt zaubern oder Geschichten erzählen. Das kann ich alles nicht." endete sie schließlich etwas traurig.
 1. Einmal Motiv erkennen bitte.

Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #8 am: 23.02.2015, 07:19:12 »
Auch Gerion freute sich, das Mädchen lebendig wieder zu sehen, aber sein Misstrauen war dennoch noch nicht verschwunden. Zu sehr hatte er sich geirrt. Außerdem glaubte er nun wieder die Schwäche des Schattens in seinen Gliedern zu spüren, die der Schatten hinterlassen hatte. Er hielt sich also zurück und überließ den anderen das Reden. Dies gab ihm auch die Möglichkeit, Jeva genau zu beobachten. Sprach sie wirklich die Wahrheit? Wie würde sie erklären, das sie immer genau zum richtigen Zeitpunkt kam und ging?
Als sie dann Antwortete, hörte er ebenso genau zu. Sie nannte sich einen Mensch, das fand er seltsam. Er hätte etwas erwartet wie "Ich bin ein Kind" oder "Ich bin halt ich", aber ein Mensch? Und je länger er sie beobachtete desto stärker wurde sein Verdacht bestätigt. Jeva log sie an, sie war nicht das, was sie vorgab zu sein. Gerion war erschüttert und fürchtete, dass Jeva es ihm ansehen konnte. Was ihn aber genauso stark erschütterte war, dass ihm diese Information kein Stück weiter brachte. Ja, Jeva log, aber warum und was war sie wirklich? Konnte alleine die Tatsache, dass dieses Wesen seine wahre Natur verbarg als Beweis gelten, dass sie böse war? Bisher hatte Jeva, oder wer auch immer dieses Wesen war, ihnen geholfen und nicht geschadet. Vielleicht war es wirklich eine gute Fee die sich als Kind tarnte, um ihnen den Weg weisen zu können, ohne Misstrauen auszulösen. Was konnte er also anfangen mit seinem Wissen. Und sollte er es preis geben - Jeva sagen, dass er sie durchschaute? Und was dann? Würden die anderen ihm glauben, oder dem "Kind"? Er musste überlegen und bemühte sich darum, dass Jeva ihm seine Zweifel nicht ansehen konnte[1]. "Hallo Jeva, es ist schön, dass es dir gut geht" sagte er zu dem Wesen und das war irgendwie auch ehrlich gemeint. "Wie lange bist du schon hier und hast du hier irgend jemand gesehen oder gehört?" Er musste mit den anderen sprechen bevor er etwas unternahm. Aber er würde das Kind im Auge behalten.
 1. Bluff: 13
« Letzte Änderung: 25.02.2015, 09:43:02 von Gerion der Wanderer »

Bergi Glimmaxt

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #9 am: 23.02.2015, 20:58:18 »
Schwer lasteten die Erlebnisse der vergangenen Stunden auf der Seele des zum Zwergen erzogenen Gnomes. Sein treues Schild geschultert, stapfte er mit wachen Augen jene tiefen Schneefurchen entlang, welche der Waidmann vor ihm in dem knirschenden Untergrund hinterlassen hatte. Als die kleine Gruppe jene verzierten Monolithen passierte, musterte Bergi die Gravierungen andächtig und schenkte seinen Ahnen einen Augenblick der Andacht. Er war nach Falkengrund gekommen, um nach seinem verschollenen Onkel zu suchen... Doch je länger er im unheimlichen Griff dieses Tales gefangen war, umso tiefer drangen auch die Wunden, welche jene finsteren Klauen auf seiner rechtschaffenen Seele geschlagen hatten. Die Wahrscheinlichkeit, den Bruder seines Vaters lebend zu finden sank Stunde um Stunde... Bis er schließlich den bitteren Geschmack der Reue in seinen Mundwinkeln spürte, welcher sich nur bemerkbar macht, wenn das eigene Bewusstsein die innersten Wünsche mit der harten Realität konfrontiert. Einmal blieb Bergi stehen und hob den Blick; versuchte, durch die trübe Wolkendecke bis hinauf zum Gipfel zu sehen. Droskar. hallte es dabei durch seine Gedanken. Diesen Zwerg wirst du mit deinen Lügen nicht vergiften. Grim Hamar'thang. Denn ich bin Bergi Glimmaxt, von den Glimmaxt Zwergen. Denn ich weiß um die Schatten deines Felsens und die Versuchung, welche du mit Tod und Verderben erkaufst! Dolthulven, Hamar'thang.



Er musterte den Waidmann Gerion und pflichtete ihm zustimmend bei. "So sehr mein Herz auch für ihre Erscheinung schlägt - Ich traue dem Kind nicht. Das alles passt einfach nicht zusammen. Wir sollten auf der Hut sein... Alle miteinander! Denn wer kann uns so tief im Walde noch beweisen, dass das - was wir mit unseren eigenen Augen sehen - überhaupt noch der Realität entspricht? Denkt an Emunds Sinneswandel und das Biest, welches seine Haut als Tarnung trug. An den unsichtbaren Kerl, die Schatten und den grauenvollen Keller des verbrannten Kinderheimes! Beim Barte meines Vaters' Vater, in welch Alptraum sind wir da nur hinein gestolpert?"

Während die hübsche Frau Shira jene Gegenstände hervorholte, welche sie aus dem Besitztümern des Steintrolles geborgen hatten, zögerte Bergi erst einen Augenblick - und griff dann nach dem Waffenöl. Er biss sich auf die Lippen, während seine Gedanken ihn mahnend an den Kampf mit den Schattenwesen erinnerten. "Das Zeug soll also magischen Beistand leisten, hm? Na wenn keiner was' dagegen hat, dann werd' ich es einstweilen an meinen Gürtel schnallen. Und wenn das nächste Mal die Toten aufstehen und nach Nasi greifen, werd ich mich dann wohl auch wehren können. Dankesehr."



Mit offenem Mund beobachtete der Gnom das 'Menschenkind', wie es sich schelmisch an das Kleid Frau Shiras schmiegte und trotz aller Erlebnisse auch noch putzmunter erschien! Freilich konnte er nicht leugnen, dass ihm im ersten Augenblick ein riesiger Stein vom Herzen fiel. Immerhin war sie noch am Leben und die Krallen des Hautdiebes hatten sie wahrlich verschont. Jedoch... - Bei seiner Esse! Was war Real - und wo begann die Scharade? War Jeva wirklich ein Mensch? Oder war nun der Augenblick gekommen, um ihre wahre Identität zu enthüllen?[1]
 1. Sense Motive 11

Nasreddin Yahya

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #10 am: 27.02.2015, 00:17:23 »
Nasreddin fand, das diese Diskussion ihnen nicht weiterhalf, er verstand die Vorsicht seiner Gefährten gegenüber Jeva im Angesicht der jüngsten Ereignisse, doch er würde sich nicht ohne weiteres von dem Mädchen abwenden.
Gnädige Sarenrae, bitte weise diesem unwürdigen Sohn des Zweifels den rechten Weg, den in diesem Fall sind der Verstand und das Herz nicht im Einklang. Wie soll sich dein Diener verhalten, gegenüber diesem Mädchen das Rätselhafter ist, als die Rätsel der Sphinx, an einem Ort in dem es mehr Trugbilder gibt als in der Wüste von Tuvia und üble Feen mit dem Verstand armer reisender Spielen.

Kann dieser unwissende Vater der Ungewissheit seinem Verstand und seinen Augen noch trauen, als Sohn der Wüste sind mir die Gefahren des Scheins bewusst, aber sollte ich dadurch etwa zum hartherzigen Vater des Misstrauens werden und ein kleines Mädchen abweisen?

Und selbst wenn sie kein Menschenkind war, machte sie das noch lange nicht schuldig, weder Cayden Cailean noch Sarenrae würden sie deswegen abweisen.
"Kleine Jeva, dieser einfache Geschichtenerzähler bedankt sich für die Unterstützung die du uns gewährt hast, dank deiner Hilfe konnten wir schneller an unser Ziel gelangen, zwar nicht so schnell wie ein Keleshietisches Pferd im vollen Galopp, doch wir sind alle vernünftige Söhne und Töchter der Genügsamkeit und du hast dies alles ohne zusätzliche Stärke oder Zauberkraft erreicht. Daher ist es ganz unerheblich ob du ein Mensch bist oder nicht. Eine der berühmtesten Klerikerinnen im Haus der Sarenrae ist ein Tiefling, mit einer Haut so rot wie die eines wütenden Efreet und den Hörnern einer Ziege. Doch ihr Haar ist angeblich so wunderbar Blond, wie ein frisches Weizenfeld und niemand würde es wagen an ihrer Güte oder Loyalität zu Sarenrae zu zweifeln. Und in den Hallen Cayden Cailean gibt es mehr Zwerge und Halb-Orcs als man Zählen mag, viele davon bekannte Helden und Abenteurer."

Bei diesen Worten lachte Nasreddin, den er hatte die Antwort auf seine Frage gefunden und diese Erleichterung spiegelte sich in seinem Gesicht wieder, den sie war süßer als Wüstenwasser.
"Das, was das Auge sieht ist nicht von Bedeutung, wichtig ist das Herz."
Diese Worte sprach der Wüstenbarde mit einem ehrlichen und offenen Lächeln.
« Letzte Änderung: 27.02.2015, 00:18:19 von Nasreddin Yahya »

Bergi Glimmaxt

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #11 am: 01.03.2015, 15:24:16 »
Bergi hatte sich bewusst im Hintergrund gehalten und dabei versucht, aus den Gesten und den Worten der kleinen Jeva weitere Schlüsse zu ziehen. Er musste diesbezüglich ehrlich zu sich selbst sein - Im Lesen anderer Personen, sei es deren Gefühle, Handlungen oder wahren Hintergründe, war er noch nie sonderlich bewandert gewesen. Der kleine Krieger konnte es schließlich drehen und wenden wie er nur wollte... In seinen Augen blieb sie das kleine, süße Menschenkind, dessen Verhalten sie stets für ihn an den Tag legte. Sei dies nun bewusst eingefädelt oder gänzlich aus ihrer Natur entsprungen... Je länger er darüber sinnierte, umso weniger konnte er sich am Ende einen Reim darauf machen.

Während er also den wirren Worten des Bunten Mannes versuchte, zu folgen, spürte er plötzlich den schleichenden Schmerz des Schamgefühls an seiner Rechtschaffenheit nagen. Wie recht der Keleshite nur hatte! Was für Dämonen hatten denn nur Bergis Blick vernebelt?! Wie hatte er nur tatsächlich dem giftigen Misstrauen solche Macht über ihn selbst zugestehen können? Der Gnom seufzte und schüttelte den Kopf; immer noch mit seinen eigenen Gedanken ringend. Sein Blick wanderte erneut zu den Kronen der umliegenden Tannen hinauf, die Wolkendecke empor. Es war dieses Tal. Dieses verfluchte, todbringende Tal! Die hässlichen Krallen dieser Gegend zerrten an seinem Glauben und trieben ihm Minute um Minute mehr hinein, in die Faust seines eigenen Verderbens. Doch damit ist jetzt Schluss! Ein für alle Mal!

"Wie Recht du doch hast, Nasi." sprach er plötzlich und wandte sich dem kleinen Mädchen zu. "Mein Vater hatte mir einst gesagt: 'Es kommt nicht darauf an, wer du bist, mein kleiner Bergi. Deine Taten zeigen, was sich wirklich in dir versteckt. Dein Tun offenbart, zu was dein Herz wahrlich fähig ist.'[1]"[/b] Aufgrund seiner bescheidenen Größe musste sich der Gnom nicht sonderlich nach unten beugen, um mit dem Mädchen auf eine Augenhöhe zu gelangen. "Was auch immer dein Geheimnis ist, es soll mir Einerlei sein. Ich hatte keinen Grund, dir zu misstrauen. Immerhin hast du uns geholfen und mehr für uns getan, als so manch anderer jemals getan hätte." Er ließ von der kleinen Jeva ab und beäugte seine Kameraden nacheinander. "Es soll nun das Mindeste für uns sein, dir als Dank dafür einfach Glauben zu schenken. Wir haben schon genug Feinde in diesen grauenvollen Gefilden. Kleine Jeva,-" Ohne zu Zögern hob er plötzlich seine Hand und legte sie sanft auf die Schulter der Kleinen.[2] "Ich halte mein Versprechen und bringe dich aus dieser Wildnis heraus.  Sag mir nur noch eines - Ist das hier der Ort, von dem du gesprochen hattest? Haben die Wesen jene Kinder hierher verschleppt? Wenn ja, dann lasst uns keine Zeit mehr mit Undankbarkeiten verlieren. Wenn dem so ist - dann bitte ich dich, mein Mädchen, verstecke dich so gut du kannst und warte auf unsre' Rückkehr. Ich steige da jetzt hinunter und wehe jedwedem Biest, dass sich zwischen uns und den verschleppten Kindern stellt!"
 1. Lose adaptiert von Christopher Nolans 'Batman Begins'.
 2. sofern Jeva dies gestattet.

Shira

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #12 am: 01.03.2015, 17:34:14 »
Ihnen allen war der Holzfäller mit seiner schauerlichen Geschichte etwas unheimlich vorgekommen, aber Jeva hatte recht. Bis zum Schluss hatte keiner Verdacht geschöpft, was tatsächlich hinter oder besser in dem Waldmann steckte. "Letztendlich sind wir alle froh, dass du schnell genug entkommen bist. Aber du wärst sicherer gewesen, wenn du einfach zu uns in den Stall gekommen wärst - wir wissen uns unserer Haut schon zu erwehren und hätten dich beschützen können. Zudem wären wir um ein Haar weitergezogen und diese Gestalt hätte in Zukunft vielleicht noch mehr ahnungslose Gesellen im wahrsten Sinne das Fell über die Ohren gezogen", stellte sie dennoch das Verhalten von Jeva etwas in Frage.

"Dass du ein Kind bist, sehe ich - und ein mutiges noch dazu. Dennoch bist du immer für eine Überraschung gut! Immer wenn wir glauben wir haben dich verloren, tauchst du unverhofft wieder auf. Dein Wissen über den Wald ist unglaublich." Sie musste lächeln. "Trotz unserer Stärke rennen wir hier von einer Schwierigkeit in die nächste."

Dann blickte sie zu dem kleinen Zwerg. "In einem hast du recht Bergi. Jetzt wo wir wissen, dass Jeva in Sicherheit ist, wird es höchste Zeit die anderen Kinder zu suchen. Wir haben schon reichlich Zeit verstreichen lassen und wer weiß, wie lange sie noch am Leben sind."

Anschließend kehrte er sich abermals zu Jeva um: "Kennst du dich auch innerhalb des Felsens aus oder hast du nur beobachtet, wie die Kinder dort hinein verschleppt worden sind."
« Letzte Änderung: 01.03.2015, 18:12:07 von Shira »

Thorgrimm

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #13 am: 02.03.2015, 01:58:45 »
Wenn Jeva bemerkte, dass Gerion an ihr zweifelte, dann zeigte sie das nicht offen.[1]Stattdessen ließ sie die Kleidung Shiras los und umklammerte wieder ihre Puppe, bevor sie zu dem Waldläufer aufblickte. "Ich bin schon lange hier und habe auf euch gewartet aber ich habe nichts gesehen oder gehört. Hier ist alles ruhig." sagte sie und hörte dann Nasreddin zu. Sie legte ihre linke, flache Hand auf die Brust - genau an die Stelle, an der das Herz lag - nickte eifrig und stimme in das Lachen ein. Sie lächelte breit, als sie antwortete. "Ja, das Herz zählt und nichts anderes. Das habe ich Elara auch immer gesagt aber sie sah das anders..." erzählte das Mädchen und schien für einen Moment traurig zu sein. Doch der kurze Augenblick verflog schnell, als Bergi dem Geschichtenerzähler zustimmte.
Jetzt grinste Jeva wieder und nickte zur Bestätigung auf Bergis Fragen. Trotzdem sah sie ihm direkt in die Augen, als sie noch etwas sagte. "Danke aber will hier nicht weg. Der Wald ist mein Zuhause." Mit diesen Worten ließ sie den Gnom alleine, als sie sich schließlich wieder an Shira wandte. "Aber ich mag euch und wollte euch nicht in Gefahr bringen." schmollte das Mädchen jetzt und wippte mit der Puppe im Arm etwas umher. "Du kennst deine Heimatstadt doch bestimmt auch gut. Die Gebäude und wichtigen Personen. Ich kenne eben den Wald gut, weil er mein Zuhause geworden ist. Nachdem das Kinderheim abgerannt ist, zumindest..." Auf die letzte Frage schüttelte Jeva nur den Kopf. "Da gehe ich nicht rein." war die recht kurze Antwort, die Shira bekam. Schließlich wandte sich Jeva noch einmal an die Gruppe. Sie lächelte nicht mehr und schien etwas gedankenverloren zu sein. "Ich warte hier auf euch. Seit bitte vorsichtig. Da drin gibt es Geister und Echsenwesen und schlimmeres."
 1. Kannst nochmal Sense Motive würfeln, wenn du möchtest.
« Letzte Änderung: 02.03.2015, 01:59:48 von Thorgrimm »

Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #14 am: 03.03.2015, 16:34:52 »
Gerion wollte gerne mit den Kameraden über Jeva sprechen, aber das konnte er schlecht, so lange sie in ihrer Nähe war. Er schaute zum Himmel. "Es wird bald dunkel, vielleicht sollten wir diese Nacht außerhalb der Mauern bleiben und uns einen gut zu verteidigenden Schlafplatz suchen. Wer weiß, was uns da drin erwartet. Geister und Echsenmenschen möchte ich lieber bei Tageslicht begegnen als nachts, wenn wir alle auf künstliches Licht angewiesen sind. Was meint ihr?"
Was er nicht sagte war, dass er immer noch die Schwäche in seinem Körper fühlte und gerne noch eine Nacht Ruhe hätte. Nach der letzten Nacht hatte er das Gefühl, dass er etwas seiner Kraft zurückgewonnen hatte und hoffte, dass er nach einer weiteren Nacht wieder der Alte war. Und wenn Jeva schlief konnte er ihnen von seiner Beobachtung berichten. Sonst würde er es im Innern der Ruine tun, dort würde Jeva sie ja nicht begleiten. Doch vorher wäre es besser, denn wenn sie wirklich ein böses Wesen war, war die Ruine vermutlich eine Falle - aber dann hätte sie dies auch schon früher erledigen können. Gerion wurde nicht schlau aus dem Mädchen, oder was immer sie war.
Er schaute in die Runde und wartete, was die anderen dazu sagen würden.

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