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Autor Thema: Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses  (Gelesen 33909 mal)

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Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #420 am: 03.01.2017, 19:08:22 »
Gerion hörte Jeva zu und nickte am Ende. Dann widmete er sich wieder seinem Essen und dem Bier. Schließlich sah er Jeva einen Moment schweigend an. Dann beugte er sich n ach vorne, so dass nur das Mädchen ihn  hören konnte und flüsterte. "Nun, da alles vorbei ist, willst du mir nicht dein Geheimnis verraten? Ich will dir nichts böses und ich bin überzeugt, dass du auch nichts böses willst, aber du bist nicht das, was du vorgibst. Bald werden wir alle unserer Wege gehen und du würdest mir die eine oder andere schlaflose Nacht ersparen, wenn du es mir verrätst. Es bleibt unter uns, ich verspreche es."

Er wartete einen Moment und schaute Jeva an. Dann sagte er in normaler Lautstärke. "Oh, ich habe wohl etwas zu schnell mein Bier getrunken, ich brauche frische Luft. Jeva, kommst du mit raus und leistest mir Gesellschaft?"
« Letzte Änderung: 05.01.2017, 19:23:36 von Gerion der Wanderer »

Shira

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #421 am: 05.01.2017, 20:48:27 »
Die Hexe legte dem kleinen Savram die Hand auf die Schulter. "Euer Angebot nehme ich gerne an. Obwohl wir die vielen Gefahren gut meistern konnten, so habe ich doch noch einige Fragen, gerade was die Geister in dem Kinderheim betrifft. Vielleicht kann ich von euch oder in den Büchern ein paar Antworten dazu finden. Sobald wir uns morgen alle verabschiedet haben, werde ich mich auf den Weg zu euch beiden machen." Und dabei lächelte sie Savram freudig an.

Thorgrimm

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #422 am: 24.02.2017, 00:48:55 »
Breit grinsend neigte sich auch Jeva ein Stückchen über den Tisch, um Gerion entgegenzukommen. Bei seinen Worten veränderte sich ihr Gesichtsausdruck kaum - lediglich ihre Mundwinkel hoben sich noch ein kleines Stück, was eigentlich fast nicht mehr möglich war. Dieses Mal antwortete sie dem Mann allerdings nicht. Ob sie ihr Geheimnis noch immer für sich behalten wollte oder sich einfach einen Spaß daraus machte, den Waldläufer zu quälen, wurde nicht ganz klar. Weiterhin wippte sie fröhlich mit den Füßen, womit sie erst aufhörte, als Gerion vorschlug, frische Luft zu schnappen. "Na gut." erwiderte Jeva nur, stand mit einem kleinen Sprung auf und folgte dem Mann nach draußen.
In der Kälte des Finstermondtals angekommen, wartete das Mädchen gar nicht ab, das Thema, dass Gerion so auf der Zunge brannte, von selbst anzuschneiden. Mit beiden Händen hielt sie ihre Puppe umklammert als sie zu dem Waldläufer hochblickte. Das Lächeln war verschwunden. "Ich bin ein Werwolf." erklärte sie schließlich todernst. Nach einigen Sekunden, in denen Jeva den Mann vor sich nur ernst anblickte, brach sie schließlich in schallendes Gelächter aus. Sie lachte, als hätte sie den besten Witz des Jahrhunderts gemacht.

In dem warmen und komfortablen Schankraum der lahmen Ente wurde ebenfalls herzlich gelacht. Die Stimmung war ausgelassen und die Eltern, die die Tatsache, dass ihre Kinder wieder in Sicherheit waren, nun endlich verarbeitet hatten, beteiligten sich auch langsam an Gesprächen. Sie aßen, tranken und gaben dabei ihre liebsten Geschichten preis. "Einma, da habich nen janzen Bärn allein in die Mangel genomm, hab ich den! Wir ham gekämpft und gerungen und uns aufm Bodn rumjewälzt aba am Ende hab ich gewonnen. Ja dat hab ich! Mikra kanns bezeugn, nich mein Jung?" Der Junge verdrehte nur die Augen, konnte sich aber ein Kichern nicht verkneifen. "Ja klar." meinte er schließlich.
Savram konnte man währenddessen die Begeisterung ansehen und anhören. "Ich freu mich schon, dass du zu uns kommst. Kannst du... kannst du vielleicht..." Der Junge zögerte etwas aber sein Vater brachte ihn mit einem Nicken dazu, weiterzusprechen. "Kannst du mir vielleicht zeigen, wie du zauberst? Mein Papa hat mir auch schon was beigebracht. Guck mal!" Der Junge konzentrierte sich und schloss seine Augen. Zögerlich begann er eine Zauberformel aufzusagen. Als er die Augen wieder öffnete und seine Hand nach oben streckte, tat sich nichts. Das Lächeln auf Savrams Gesicht fror und er versuchte es noch einmal. Wieder begann er die Zauberformel aufzusagen aber irgendetwas stimmte nicht.

Shira

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #423 am: 13.03.2017, 19:32:20 »
Shira merkte sofort, woran es lag. Savram hatte sich die Wörter nicht genau eingeprägt. Manchmal machten bereits kleine Abweichungen den Unterschied aus.

"Lass es uns einmal gemeinsam probieren. Erst reiben wir uns die Hände, um uns auf den Spruch einzustimmen." Sie presste die Handflächen aufeinander und begann dreimal die Hände aneinander zu reiben.
"Dann suchen wir uns ein Ziel für den Spruch." Sie griff nach der Kerze, verlöschte die Flamme und stellte sie vor Savram.
"Und zum Schluss konzentrieren wir uns auf den Zauberspruch. Lass es uns gleich zusammen sprechen." Sie wählte den gleichen Spruch, den der Junge auch verwendet hatte, wobei sie sicher sein konnte, dass sich die Flamme diesmal entzündete, da ihr Spruch auf jeden Fall wirkte.
"Lumos parva candela!" Und wie vorhergesagt, wurde der Docht der Kerze von einer kleinen Flamme umhüllt.
Shira lächelte. "Prima hast du das gemacht! Aus dir wird einmal ein großer Zauberer werden."

Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #424 am: 18.03.2017, 20:06:33 »
Als Jeva sagte, sie sei ein Werwolf, bemerkte Gerion, wie erschrocken er war und Jeva konnte es sicher auch sehen. Er wusste zunächst nicht, was er sagen, wie er reagieren sollte. Diese kleine Mädchen ein Monster? Nein, das konnte nicht sein, sie machte einen bösen Scherz. Doch dann dachte er nach, wie sie überlebt hatte, wie sie immer da war, wo sie eigentlich nicht sein konnte und auch dieser Keller dort, was er dort gesehen hatte. Doch dann lachte sie. Zuerst wollte er mitlachen, wollte sagen, dass sie ihn wirklich getäuscht hatte, aber in seinem Innern sagte eine Stimme, dass dieses Lachen die falsche Fährte war. Er zögerte, hin und her gerissen von Angst und Abscheu und der Zuneigung den Mädchen, dass nie etwas böses getan hatte – naja, ihnen nichts böses getan hatte. Dann gab er sich einen Ruck und trat an sie heran und umarmte sie.

"Egal ob dies dein Geheimnis ist oder etwas anderes, uns warst du eine Hilfe und eine gute Gesellschaft." So ein quatsch, gute Gesellschaft. "Ach Mädchen, ich kann das nicht ausdrücken. Du hast uns nichts böses getan, du hast uns sehr geholfen und ich mag dich." Er machte eine kurze Pause. Da standen sie nun, ein Kind oder doch nicht, tapfer und mutig - vielleicht eine Bestie. Und er.

"Ich werde jetzt in meine Hütte zurück gehen und dort eine Weile bleiben, um diese düsteren Höhlen aus meinen Gedanken zu drängen. Dort ist es abgelegen und ruhig. Wohin wirst du gehen? Hast du schon eine Idee." Er zögerte und dann kam ihm ein Gedanke, ein fast ungeheuerlicher Gedanke angesichts dessen, was Jeva eben gesagt hatte. "Wenn du willst dann komm doch mit, wohne bei mir, es gibt ein Bett unter dem Dach, das ist frei, dort habe ich als Kind geschlafen, da stört dich niemand, aber du hättest ein Dach über dem Kopf. Und naja", er grinste, "also bei Vollmond kannst du ja draußen schlafen." Er lachte, es war ein ehrliches Lachen. Irgendwie fühlte es sich richtig an. Nun musste sie entscheiden.

Thorgrimm

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #425 am: 09.04.2017, 05:47:53 »
Sharvaros lächelte vergnügt, als sein Sohn den Anweisungen Shiras folgte und seine Hände aneinander rieb. Der Junge schloss einen kurzen Moment seine Augen, als er sich auf die Kerze konzentrierte und rezitierte dann langsam die Worte, die die Hexe ihm vorgab. "Lu... Lumos parva candela!" Als Savram die Augen wieder öffnete, brannte die Kerze wieder, was ihm ein breites Lächeln aufs Gesicht zauberte. "Ja! Ich habs geschafft! Danke. Ich hoffe, ich kann irgendwann mal so gut zaubern wie du oder Papa." Sein Vater lächelte und legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter. "Wenn du fleißig übst, dann wirst du sogar noch besser!" Er warf Shira einen Blick zu und nickte dankend.
Draußen betrachtete Jeva den Waldläufer vor sich kritisch. Einige Sekunden lang sahen die beiden sich nur schweigend an. Ob sie nun wirklich ein Werwolf war oder doch etwas völlig anderes, würde vielleicht für immer ein Geheimnis bleiben, denn mehr sagte Jeva zu dem Thema nicht mehr. Sie erwiderte aber Gerions Umarmung, schien glücklich zu sein, dass der Mann nicht weiter auf das Thema einging und lächelte, als er zugab, sie zu mögen. Gerade als sie auf seine Frage antworten wollte, was sie nun vorhabe, machte Gerion einen Vorschlag, der sie wirklich überraschte. Sie stimmte in sein Lachen ein aber war etwas abgelenkt und nachdenklich. Schließlich umarmte sie den Waldläufer noch einmal. "Gerne." sagte sie breit lächelnd. Erst nach einer kurzen Weile fügte sie noch etwas hinzu. "Aber ich gehe wann und wohin ich will." erklärte sie ernst. "Wunder dich nicht, wenn ich mal für ein paar Tage nicht da bin." Was auch immer das Mädchen für ein Geheimnis umgab - vielleicht würde Gerion das in Zukunft herausfinden. Für den Moment blieb es allerdings verborgen.
Es wurde noch weiter ausladend in der Ente gefeiert. Auch die Kinder durften lange aufbleiben und den Tag feiern, an dem sie unbeschadet zurück nach Falkengrund gekommen waren. Es wurden Geschichten erzählt, gegessen und getrunken was das Zeug hielt. Doch es gab noch eine Sache zu erledigen und sowohl Gerion, als auch Shira entschieden sich, dies noch heute zu tun. Zusammen liefen sie zu dem einzigen Haus Falkengrunds, welches aus Stein bestand und mit Runen und Schriftzeichen der zwergischen Sprache verziert war. Das Heim Bhoron Schwarzbartes, der die Gruppe darum gebeten hatte, ihm alle Informationen zu geben, die sie kriegen konnten. Außerdem wollte er die Artefakte - allen voran Droskars Hand - untersuchen, die womöglich in den alten Hallen geschlummert hatten.
"Kommt herein. Bitte! Ich habe euch schon sehnsüchtig erwartet!" begrüßte er die Beiden Pfeife rauchend. Durch einen kurzen Flur kamen sie in einen größeren Raum, der an ein Miniaturformat einer klassischen Zwergenhalle erinnerte. Überall lagen vergilbte Schriftrollen oder aufgeschlagene Bücher herum, während in einem nahen Kamin das Feuer knisterte. Der Chronist setzte sich mit einem Stöhnen in einen Stuhl, zog gespannt an seiner Pfeife und bedeutete Shira und Gerion, sich zu setzen. "Also... erzählt. Was habt ihr dort oben gefunden? Sind die Geschichten wahr?" fragte er ebenso eindringlich, wie neugierig und beugte sich etwas hervor. "Habt... habt ihr vielleicht sogar Droskars Hand gefunden?"

Gerion der Wanderer

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #426 am: 14.04.2017, 18:31:20 »
Gerion war froh, dass Jeva seinen Vorschlag annahm, auch wenn er sich für einen Moment davor fürchtete, was er sich damit eingebrockt haben möchte. Aber ihre Reaktion erleichterte es ihm, diese Gedanken direkt wieder zur Seite zu schieben. "Du kannst kommen und gehen wohin du willst und wenn es mich selbst wieder nach draußen zieht hänge ich dir einen Zettel an die Tür, wenn du gerade unterwegs bist, dann weißt du, wann ich zurück komme." Er lachte sie an und damit war für ihn das Thema erst mal erledigt. "Wir werden sehen, was kommt."

Und irgendwann war es dann an der Zeit, die letzte Aufgabe ihres Auftrags zu erledigt, das Gespräch mit dem Zwerg. Also machten sie sich dorthin auf und fanden sich bald darauf in einer Stube wieder. Gerion zögerte kurz dann begann er zu erzählen. "Nun, wir haben dort in erster Linie Wahnsinn und Tod gefunden. Die Geschichten sind wahr und noch viel schlimmer." Dann erzählte er ausführlich, was sich dort wohl schreckliches zugetragen hatte, soweit sie es hatten ergründen können, und was sie dort vorgefunden hatten. Er beschönigte nichts, auch wenn er fürchtete, dass der Zwerg darüber sehr bekümmert sein würde.

Am Ende holte er den Panzerhandschuh und die Kette heraus. "Hier, diesen Handschuh wolltet ihr doch gerne haben. Hier ist er. Und dies hier, diese Kette, ist vermutlich die Wurzel allen Übels. Ich hätte sie am liebsten zerstört, doch kann ich das nicht. Ich möchte sie nicht in meiner Nähe haben, aber ich warne euch. Dieses Ding ist nichts für eure Neugier, es wird nur Unheil über alle bringen. Es gehört zerstört. Könnt und werdet ihr dafür sorgen?" Er sah den Zwerg eindringlich an, in der Hoffnung in seinen Augen lesen zu können, ob er die Gefahr erkannte, oder ob die Neugier oder gar der Machtdurst, den viele Zwerge in sich trugen, überwiegen würden.[1]
 1. Motiv erkennen 12, das "geschummelt" war ein Eingabefehler
« Letzte Änderung: 14.04.2017, 18:33:03 von Gerion der Wanderer »

Thorgrimm

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Kapitel 2 - In den Tiefen des Droskarfelses
« Antwort #427 am: 11.06.2017, 04:34:58 »
"Oh wie schrecklich! Wie interessant! Wie überaus wunderbar, seltsam und entsetzlich!" Bhoron sah Gerion mit offenem Mund an und staunte einfach nur noch über die Geschichten, die der Waldläufer da erzählte. Selbst seine Pfeife hatte der alte Zwerg vergessen. Geschwind machte er sich einige Stichpunkte und Notizen. "Ein Schmiedeschand? Ein Bündnis mit den Kobolden und ein neuer König?" Immer wieder stellte er Zwischenfragen. Für den Chronisten konnte es nicht genau genug sein. Er ließ es sich auch nicht nehmen, alle Details berichtet zu kriegen. Selbst die unschönen. Als Gerion die Geschichte zu Ende erzählt hatte, war das Feuer im Kamin bereits ein ganzes Stück heruntergebrannt. Bhoron hatte sich eine ganze Menge Notizen gemacht und allerlei Pergamente vollgeschrieben. Nun saß er in seinem Stuhl, paffte an seiner Pfeife und konnte es kaum fassen. Erst als er das alles verarbeitet hatte, schaffte er es wieder, etwas zu sagen.
"Seid euch gewiss, dass dieses Abenteuer in die Geschichtsbücher eingehen wird. Ich werde diese Geschichte niederschreiben und für folgende Generationen bewahren. Auch wenn im Droskarsfels viel Schreckliches geschehen ist, so handelt es sich doch um die Geschichte dieses Tals und diese muss verewigt werden. Ich hoffe nur, dass der neue Koboldkönig wirklich kein Interesse daran hat, Krieg mit Falkengrund zu führen."
Schließlich reichte Gerion dem alten Zwergen sowohl die Kette, als auch den Handschuh. Droskars Hand. Leicht zitternd nahm Bhoron die Artefakte an sich und schluckte schwer, als er diese betrachtete. Sanft streichelte er das schwarze Metall. Kaum hatte er gehört, was Gerion von ihm verlangte, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Erst war deutlich Wut zu sehen. Wie konnte dieser dahergelaufene Mensch es wagen, ein solch wichtiges Stück Zwergengeschichte zerstören zu wollen? Dann Unglaube und schließlich Trauer. Die Hände des Zwergen zitterten, als er Gerion ins Gesicht sah. "Zerstören? Ihr wollt, dass ich diese Artefakte von unschätzbarem historischem Wert in seine Einzelteile zerlege?" Langsam schüttelte er den Kopf. "Ich... ich..." Der Zwerg fand keine passenden Worte. "Ich bin Chronist. Historiker. Das könnt ihr nicht verlangen - egal wie viel Unheil diese Artefakte bringen können. In den richtigen Händen..." Doch als er Gerions entschlossenen Gesichtsausdruck sah, nickte er schließlich traurig. "Nun gut. Ich werde dafür Sorge tragen, dass diese Artefakte zerstört werden. Ihr könnt euch auf mich verlassen." Gerion war sich nicht sicher, ob der Zwerg die Wahrheit sagte. Er schien allerdings aufrichtig zu sein und die Gefahr, die von den Gegenständen ausging, zu verstehen. Bhoron würde schon das Richtige tun.

Nachdem dieser schwere aber notwendige Schritt getan war, zog es Gerion und Shira zurück zur lahmen Ente. Es wurde noch eine ganze Weile weitergefeiert gegessen und getrunken. Geschichten wurden erzählt und je später der Abend wurde, desto wilder wurden diese. Man scherzte miteinander und war einfach froh, dass dieser Albtraum vorbei war. Schließlich zog es die Eltern samt ihren Kindern aber zurück nach Hause. Nach diesem überstandenen Schrecken wollten sie die neu erhaltene Zeit mit ihren Kindern nutzen. Dieses Abenteuer hatte viele Veränderungen mit sich gebracht. Nicht nur für die Helden dieser Geschichten, sondern für jeden Beteiligten. 

Der Droskarsfels war von den letzten Zwergengeistern und schrecklichen Kreaturen, die dort hausten, befreit worden. Er war nunmehr nur noch eine dunkle Ruine mit einer schrecklichen, schrecklichen Vergangenheit. Der Koboldkönig Merlokrep und seine Verbündeten wurden gestürzt und unter der Führung eines neuen Königs - des Schamanen Kerdamarrk - brach eine neue, eine gute Zeit für den Clan an. Statt in den dunklen Höhlen unter dem Zwergenkloster zu hausen, zog es die überlebenden Kobolde wieder an die Oberfläche. Sie zogen weiter, bis sie einen geeigneten Platz gefunden hatten, wo sie ihre Jungen aufziehen konnten. Es würde keine einfache Zeit werden aber der Schamane war intelligent und gütig. Unter seiner Führung würde der Clan wieder aufleben. Ohne ein Leben unter der tyrannischen Herrschaft Merlokreps.
Auch für Jeva änderte sich einiges. Sie zog zu Gerion aber behielt trotz allem ihre Geheimnisse für sich. Immer wieder verschwand sie für einige Tage - manchmal sogar Wochen - doch kehrte sie stets zu ihm zurück. Nachdem das Kinderheim abgerannt war, hatte sie nun endlich so etwas wie eine Heimat gefunden. Doch es würde noch sehr lange dauern, bis sie Gerion und diesem neuen Leben wirklich vertraute. Vielleicht würde sie in Zukunft wirklich ihre Geheimnisse mit dem Waldläufer teilen. Für den Moment hüllte sie sich allerdings, was dieses Thema betraf, in Schweigen. Auch wenn das junge Mädchen immer wieder verschwand, war sie eine angenehme Untermieterin, die Gerion aushalf und ihm Gesellschaft leistete.
In Falkengrund änderte sich nicht viel. Der Schreck war nach einigen Tagen vorbei und es herrschte schnell wieder Alltag in dem kleinen Dorf. Vielleicht schätzten sich die Familien gegenseitig nun etwas mehr und durch dieses Erlebnis waren alle etwas näher zusammengerückt. Der Holzfürst herrschte noch immer über das Dorf und versuchte seinen Sohn von dem gemeinen Volk fernzuhalten. Doch dieser entwickelte mit der Zeit seinen eigenen Kopf und lernte schnell, sich seinem Vater zu widersetzen. Der Jahrmarkt würde bald Einzug in die Stadt erhalten und so für etwas Abwechslung sorgen.
Shira zog bei Savram und seinem Vater ein. Zumindest für eine Weile. Dort hatte sie genügend Zeit, die Bücher in der Bibliothek des Magiers zu studieren und konnte dem kleinen Jungen gleichzeitig einiges beibringen. Es war eine Zeit des Entspannens und des Wissens. Jeder lernte dazu und sie tauschten sich gegenseitig aus. Es fühlte sich so an, als hätte Shira schon immer dorthin gepasst. Nein, dorthin gehört. Schließlich wurde der Hexe angeboten, einfach zu bleiben, solange sie wollte. Ob sie dieses Angebot annahm?
Nasreddin, Theudis, Bergi und auch Wilbur zogen allerdings weiter. Getrennt voneinander. Jeder hatte seine eigenen Ziele, die er verfolgen wollte. Sie würden sich sicherlich an diese gemeinsame Zeit und das Abenteuer erinnern.

Doch auch wenn alles friedlich aussah, so zogen doch dicke, pechschwarze Wolken im Finstermondtal auf. Irgendetwas braute sich zusammen und die Helden hatten bereits erste Anzeichen gesehen aber diese vielleicht nicht erkannt oder richtig gedeutet. Die unsichtbare Gestalt im Wald. Der Hautstehler in dem alten Holzfällerdorf und diese eisige, eisige Kälte, die selbst für das Tal zu schneiden war, deuteten auf ein weiteres Unheil hin. Selbst Wilbur, der Hellseher, hatte unbewusst diesen Schrecken vorhergesagt, als er Jeva die Karten gelegt hatte.

Doch wie dieses Gräuel bekämpft würde und ob die Helden auch daran teilhaben würden, ist eine andere Geschichte.


Ende

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