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Autor Thema: 2. Zug - Bauernopfer  (Gelesen 17549 mal)

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Threan

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #435 am: 16.04.2016, 10:26:24 »
Eigentlich hätte Threan gerne gemeinsam mit der gesamten Gruppe den Rückzug angetreten, aber eine Flucht wie dieser - wo man leicht weiteren Wächtern in die Arme laufen kann und somit doppelt in der Patsche sitzt - ist nun mal kein Ponyhof. Durstig etwas Wasser hinunter stürzend, gießt sich der Sembit im Anschluss noch einen Becher Wein ein und richtet ebensolche auch für seine Gefährten. Darmon einen davon reichend, betritt der Schwertmagier das Nachbarzimmer und nimmt einen nachdenklichen Schluck während sein Blick auf die beiden Frauen gerichtet ist.

Schließlich hebt er die Stimme und beginnt mit der Vorstellung: "Dies hier ist Darmon, er hat sich unserer Sache angeschlossen und bei der Erfüllung unserer Mission wertvolle Dienste geleistet." Auf die entstellte, hagere Frau deutend spricht er mit emotionsloser Stimme weiter: "Heka war einst eine Priesterin von Lady Feuerhaar. Sie ist mit uns aus Grennokah gekommen."  Als letztes auf das weinende Mädchen, kaum eine Teenagerin, deutend macht Threan auch sie bekannt: "Und das ist Lina - ebenso seit dem Lager der Umbravar bei uns."

Als dies erledigt ist, geht der Söldner einige Schritte auf die beiden zu und beugt sich auf ein Knie herab um auf Augenhöhe mit Heka sprechen zu können: "Was ist geschehen? Warum die traurigen Gesichter?"

Idunivor

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #436 am: 17.04.2016, 10:01:40 »
Heka nimmt Threan direkt mit aus dem Raum hinaus, offenbar weil sie nicht direkt vor Lina darüber sprechen möchte. Als sie dann außer unmittelbarer Hörweite sind, sagt sie: "Ich weiß es auch nicht genau. Ich war schon eine Weile hier, als Lina zurückgekommen ist, aber das ist ja normal. Allerdings hat sie hier unten einiges an Krach gemacht, also bin ich aufgestanden, um zu sehen was vor sich geht. Da hab ich sie weinend inder Küche gefunden über den Scherben von einem Dutzend Tellern und Krügen. Es hat ne ganze Weile gedauert, sie zu beruhigen, aber irgendwann habe ich sie wenigstens zum Feuer bekommen und da sitzt sie jetzt so seit über einer Stunde." Besorgt blickt die Klerikerin hinüber zu dem jungen Mädchen. "Ich hab keine Ahnung, was genau passiert ist, aber ich habe auch noch nicht wirklich versucht es herauszufinden. Manchmal ist es besser über schlimme Dinge einfach zu trauern, als darüber zu sprechen." Aus dem Blick der ehemaligen Priesterin wird Threan sehr klar, dass sie nicht irgendeine Weisheit zum Besten gibt, sondern aus eigener Erfahrung spricht.
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Hesper

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #437 am: 17.04.2016, 14:04:25 »

Hesper bemerkt Darmons fragenden Blick gar nicht, zu sehr hört er in Linas Schluchzen seine eigene tiefe Traurigkeit über seinen Verlust. Viele Augenblicke steht er einfach nur da und blickt das Mädchen an, bevor er zu ihr hingeht und auch er ihr über das Gesicht streicht. "Nestor, nicht wahr? Weißt Du, was mit ihm passiert ist?" fragt der Priester sanft.

Darmon

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #438 am: 17.04.2016, 16:32:13 »
Darmon kann hier wenig Hilfe leisten, er kennt solche Situationen, wenn man ins Lager zurück kehrt und schlechten Nachrichten dort warten, zu gut. Das sie einen kleinen Sieg errungen haben, zählt nicht und es wird auch keinen in der Runde trösten. Diese Umbravar haben so viel Leid über das Land und die Leute gebracht und wir können so wenig tun, um die Wunden zu heilen.

Er suchte sich einen Platz bei einem Fenster, wo er hinaus spähen kann, aber auch Schutz durch einen Vorhang oder ähnliches hat, um nicht direkt gesehen zu werden. Immer wieder wirft er einen kurzen Blick nach draußen, doch irgendwann überwindet ihn die Müdigkeit und er nickt kurz ein.

Idunivor

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #439 am: 18.04.2016, 17:54:01 »
Das Mädchen schaut Hesper mit ihren roten Augen an: "Nestor? Nein, der ist doch draußen vor der Stadt mit Calator. Ist ihm etwa auch was passiert?" Hesper sieht die Lippen des Mädchens zittern, sie scheint nur Augenblicke davon entfernt zu sein erneut in Tränen auszubrechen. Was immer sie in dieser Nacht erlebt hat, hat sie offensichtlich bis ins tiefste erschüttert und aus der Rebellin, die sie in den letzten Zehntagen so schnell geworden zu sein schien wieder das junge unsichere Mädchen gemacht, das er in Grennokah kennen gelernt hatte.
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Hesper

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #440 am: 18.04.2016, 20:16:08 »

Für einen Augenblick wird Hespers Blick leer. Dieser Tag ist verflucht! Hätte er doch bloß seinen Mund gehalten. Doch um des Mädchens willen gelingt es ihm, sich noch einmal zu fangen und nicht wild um sich zu fluchen. Er zögert daher auch nicht, sich mit einer Halbwahrheit zu behelfen: "Ach so... Nun, ich weiß auch nicht genau, was mit Nestor ist, deswegen fragte ich ja Dich. Aber darum kümmern wir uns gleich." Der Kleriker blickt ihr direkt in die Augen. "Jetzt sag mir bitte, weswegen Du tatsächlich geweint hast. Ist jemand anderem etwas zugestoßen? Du weißt, daß ich immer bereit bin, zu helfen."

Idunivor

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #441 am: 18.04.2016, 21:30:57 »
Hesper sieht Dankbarkeit in den Augen des Mädchens, als Lina ihn anblickt und sich dann irgendwie so weit fassen kann, ihm zu erzählen, was geschehen ist, auch wenn immer wieder ein Schluchzen ihre Rede unterbricht. Doch wenigstens Tränen rollen keine mehr ihr junges Gesicht hinab, auch wenn das daran liegen mag, das sie keine mehr besitzt, um sie zu vergießen: "Dafür ist es zu spät, niemand kann ihnen mehr helfen. Zwölf an der Zahl, alles Rebellen und es ist meine Schuld. Ich habe die Pläne gesehen, habe die Besprechungen gehört, wusste, dass sie entdeckt worden. Ich hätte sie warnen können. Aber ich habe es nicht getan. Manch eine Figur muss geschlagen werden, damit ein Zug erfolgreich abgeschlossen werden kann." Linas Stimme klingt beinahe wie die Nebulos, wäre sie nicht voll von trauriger Ironie und Zweifeln, als sie diese Worte spricht. "Wenn ich etwas verraten hätte, hätten die Schattenwirker gewusst, dass ein Spion im Haus des Hulorn ist, weil nur jemand dort dies alles hätte wissen können. Aber ich habe nichts verraten und deshalb bin ich in Sicherheit und kann weiter Sehen und Hören, was ich nicht sehen und hören sollte, weil niemand mich bemerkt. Mich kleines Mädchen. Damit wir diesen Kampf gewinnen können, damit der Feind irgendwann besiegt ist. Zwölf tote Rebellen sind nichts im Vergleich zu den Tausenden, die gerettet werden, weil ich nicht aufgeflogen bin. Dafür kämpfen wir, oder nicht? Um zu gewinnen. Und so lange wir am Ende gewinnen, ist es den Preis wert, den wir im Kampf bezahlen. Solange wir nur am Ende gewinnen und der Feind besiegt ist, hat jeder Tod seinen Sinn gehabt. Oder nicht?"
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Darmon

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #442 am: 19.04.2016, 09:11:02 »
Darmon hört die Worte des Kindes und spürt ihren Schmerz in seinem Innern widerhallen. Einen Moment starrt er weiter aus dem Fenster, kämpft mit den Tränen, kämpft mit den Bildern aus der Vergangenheit.

Dann wischt er die Tränen fort, steht auf und geht zu dem Mädchen. "Hallo, Kleine. Ich bin Darmon. Du kennst mich nicht, aber ich stehe für dieselbe Sache ein, wie ihr. Und deine Worte berühren mich, denn ich weiß, was du fühlst. Aber lass mich dir sagen, aus tiefster Überzeugung, du hast Recht getan und dein Schmerz und deine Tränen ehren das Opfer. Auch ich habe Menschen in den Tod gehen sehen und habe zugeschaut, und nicht geholfen - für die Sache, für das große Ganze. Aber auch wenn ich überzeugt bin, dass es richtig war, trage ich diese Erinnerung bis heute. Und auch du wirst diesen Moment nicht vergessen. Aber er ist auch ein Schatz. Der Schmerz zeigt, dass wir menschlich geblieben sind. Wir haben Krieg und im Krieg sind Opfer nötig. Diese Rebellen sind Helden und ihr Tod war nicht sinnlos. Sie wussten, worauf sie sich einließen, daher bist du nicht Schuld an ihrem Tod, denn du musstest so handeln, sie haben sich vielmehr geopfert für die Sache, und dazu waren sie ab dem Moment bereit, an dem sie sich der guten Sachen angeschlossen haben."

Während Darmon spricht merkte er schnell, dass er kaum die richtigen Worte für ein Kind findet, aber er ist es nicht gewohnt, mit Kindern zu sprechen. Im Krieg sind oft auch die Kinder schon weise, wenn sie lange genug überleben, vielleicht wird sie ihn also doch verstehen[1]. Und für einen Moment scheint es so, als habe er die Worte genauso an sich selbst gerichtet wie an das Mädchen.  Er streckt die Hand aus, so dass Lina sie nehmen kann, wenn sie das möchte.

"Du wirst es nie vergessen können. Armes Kind, ich wünsche dir, dass du nicht zu jung bist, um diese Last zu tragen."
 1. Diplomacy: 15
« Letzte Änderung: 19.04.2016, 09:12:01 von Darmon »

Threan

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #443 am: 19.04.2016, 15:20:43 »
Hekas Worte lassen den Schwertmagier aus Yhaun nicht unbewegt. Er selbst war froh gewesen, dass ihn Hesper aus dem dunklen Loch, das Reyas Verlust hinterlassen hatte, geholt hatte. Die Worte des Seluniten hatten in ihm ein neues Feuer entzündet und ihn hoffen gelehrt.

Als er leise Stimmen aus dem Nachbarzimmer vernimmt, so tritt Threan behutsam in die Türe und lauscht was Lina und mit den beiden Männern bespricht. Und schweigt mitfühlend. Dass so ein Erlebnis für einen jungen Menschen nicht ohne weiteres zu handhaben ist, ist offensichtlich. Die Imitation von Nebulos Stimme bestärken die Gefühle der Abneigung gegen diesen... dieses eiskalte Wesen nur um so mehr.

Darmons Worte des Trosts vernehmend, wendet sich der Söldner schließlich ab und lässt Dawn in das Haus, als sie gerade zurück kehrt. Ihr auch einen Becher Wein in die Hand drückend,erklärt er der wandlungsfähigen Druidin mit wenigen Sätzen was ihrer jungen Mitgefangenen heute Nacht widerfahren ist.

Und Calator. Was sollten sie nur unternehmen?

Dawn

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #444 am: 19.04.2016, 16:02:30 »
"Wegen Calator können wir nicht viel tun, fürchte ich. Vielleicht sind andere dazu in der Lage. Das größere Problem wird aber sein, dass es nicht schwierig sein wird, zusammenzureimen, dass er mit denjenigen zusammen war, die in die Tunnel eingedrungen sind. Und auch, wenn sie nicht wissen, was wir dort gemacht haben, werden sie sicher alles daran setzen, es aus ihm herauszubekommen, und wer weiß, was sie dabei noch alles erfahren. Wir sollten uns daher überlegen, ob es da nicht irgendwelche anderen Unterschlupfe gibt, denn ich zumindest halte es hier nicht mehr für sicher. Dazu sollten wir morgen auch Fragen stellen. Aber jetzt sollten wir uns erstmal ausruhen. Morgen wird sicher auch ein anstrengender Tag."

Hesper

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #445 am: 20.04.2016, 12:53:33 »

Hesper schießen bei Linas Bericht die Tränen in die Augen; daß sie Nebulo gleichsam zitiert, nimmt er kurz und etwas verbittert wahr, was aber im Strudel der Gefühle untergeht. Auf ihre Frage am Ende hin nickt er nur, nach Worten ringend und unter Tränen leise lächelnd, und ist dankbar, daß Darmon ihm die Bürde abnimmt, ihr zu antworten. Das Mädchen stellt sich eine Frage, die sich jede und jeder der Rebellen zu stellen hatte, und die Hesper selbst vor dem Bürgerkrieg vielleicht noch eindeutig - oder zumindest eindeutiger - hätte beantworten können; diese Sicherheit des Urteils, wenn es sie denn je gab, war ihm abhandengekommen. Aber genau deswegen hatte es für ihn keinen Sinn, etwas anderes zu tun als Lina zu bestärken.

Darmons Worte allerdings lassen den Kleriker nicht nur Bewunderung gegenüber dem Mann empfinden, sondern geben auch ihm selbst etwas Halt. Es beruhigt ihn auch, daß er sich nicht geirrt hatte, was die Integrität des neuen Gefährten betrifft.

Ein wenig gefaßter fügt er daher dessen Rede hinzu: "Darmon hat Recht. Das heißt jedoch nicht, daß diese Last von Deiner Seele so einfach und schnell verschwinden wird. Daß Dich genau das aber zu einem guten Menschen macht, ist ebenfalls nicht so einfach und schnell zu verstehen. Selûne möge Dich segnen und Dir dabei helfen. Und auch ich möchte Dir dabei helfen. Ich habe immer ein offenes Ohr für Dich, wenn Du darüber reden oder schweigen möchtest," lächelt er sie, wenn auch unter Anstrengungen, aufmunternd an, bevor er in neutralem Ton und mit Halbwahrheiten fortfährt: "Was Nestor betrifft, so wurden er und Calator bei ihrer Aufgabe anscheinend getrennt. Den Zwerg haben wir später eher zufällig wiedergetroffen, aber dann wieder verloren, als wir auf dem Weg hierher den Szeptern in die Hände gelaufen sind. Ich verspreche Dir, daß ich gleich morgen anfange, Nestor zu suchen. Er versteckt sich sicher irgendwo außerhalb der Stadt. Für heute sind meine Kräfte erschöpft..." Tatsächlich ist Hespers Stimme brüchig geworden, und ihm wird schwindelig, als er sich aus der Hocke erhebt. Er streicht noch, etwas unbeholfen, über Linas Schulter, bevor er sie der Obhut Darmons überläßt und sich auf einem Sessel niederläßt.

Als Dawn zurückkehrt und sich mit Threan unterhält, schläft er bereits.

Idunivor

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2. Zug - Bauernopfer
« Antwort #446 am: 22.04.2016, 13:01:59 »
Darmons und Hespers freundliche Worte vermögen das junge Mädchen zu beruhigen und wenig später zieht sie sich auf ihr Zimmer zurück und Heka tut es ihr gleich. Auch die vier Rebellen suchen sich Betten, wobei Darmon übergangsweise Malarks Zimmer bezieht, der in den Tunneln unter Selgaunt verschwunden bleibt, ohne dass klar ist, was er dort tut und ob er überhaupt noch am Leben ist. Doch für all diese Dinge würde es morgen noch Zeit geben, fürs erste brauchen die Rebellen Ruhe, bevor sie sich am Folgetag dann mit Nebulo treffen würden, scheinbar, um Selgaunt erneut hinter sich zu lassen.

Hier geht es weiter...
« Letzte Änderung: 07.05.2016, 20:42:09 von Idunivor »
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