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Autor Thema: [IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart  (Gelesen 19606 mal)

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Lilja von Rottmulde

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« am: 28.06.2015, 04:40:40 »
Shkhi-Imperium, Südwesten, 2. Tag der 14 Woche, 813 nFP
13. Tag seit Expeditionsbeginn


Seit Professor Archibald Worthingtons Expedition aus Luvia aufgebrochen war, ist das konstante, monotone Motorbrummen der einzige stetige Begleiter der illustren Truppe gewesen. Nachdem der offene Laster mit Anhänger die üppigen Felder und Wiesen Luvias hinter sich gelassen die malerischen, ausladenden Seelandschaften Ilves passiert hatte, sind die Anzeichen der modernen Zivilisation - bis auf das Motorgeräusch - verschwunden.
Jenseits der Grenzposten sind die Tunnel, die ins Shkhi-Imperium führen, nur spärlich beleuchtet. Hinter den Tunneln erstrecken sich trockene, felsige Riesenkavernen, in denen im Gegensatz zu Luvia oder Pelargon nur wenige Echos widerhallen und Frischwasserquellen rar sind. Professor Worthington, ein bärtiger menschlicher Mann in seinen späten Fünfzigern, scheint als einer der wenigen Expeditionsteilnehmer die Langeweile mit Engelsgeduld zu ertragen, indem er ständig in mitgebrachten Büchern wälzt und trotz des bebenden Wagens Notizen in seinem Expeditionstagebuch macht.
Über das Ziel der Expedition hat der Professor in Luvia zwar geschwärmt - die archäologische Ausgrabung in der Sunta-Steppe würde das Wissen um die geondische Vorgeschichte auf bahnbrechende Weise bereichern - ist aber auch erstaunlich zurückhaltend mit konkreten Informationen gewesen. Welche Quellen Worthington dazu bewogen haben, ausgerechnet dort nach prähistorischen Zeugnissen zu suchen, bleibt für die handverlesene Truppe ein Rätsel.
Die nämliche Truppe hat der Professor persönlich aus seinen vielversprechendsten Studenten und einigen mehr oder minder zufällig in Luvia befindlichen Gestalten zusammengestellt. Isabella Duboin, ihres Zeichens Wissenschaftlerin und Abenteurerin, hat die Ehre, den Expeditionslaster zu fahren, unterstützt von Anfisa Melaire, einer Cath-Navigatorin, die aus irgendeinem unerfindlichen Grund zur Gewohnheit hat, regelmäßig einen Kompaß - ein Gerät, für das ihre Spezies eigentlich keinerlei Verwendung hat - zu konsultieren. Rika O'Wiley, junge Menschenfrau mit dunkelblondem Haar, sommersprossigem Gesicht und Streberbrille, fungiert als persönliche Assistentin des Professors und Gegenstand zahlreicher Witze über genau diesen Umstand. Die Studenten Stan Lombards, Sid Enca, May de Silege und Fynn Connor - bis auf den Cath Fynn allesamt Menschen - bilden den Kern der eigentlichen Forschungsgruppe. Meist bleiben die vier jungen Leute unter sich und versuchen, die ereignislose Fahrt mit Gesellschaftsspielen zu überbrücken.
Der Koira Raibeart und ein älterer augenklappentragender Cath namens Barron sollen für die Sicherheit der Expedition sorgen; im Augenblick haben sie jedoch wenig besseres zu tun, als einander betont zu ignorieren. Für die medizinische Betreuung ist ein eher außergewöhnlicher Arzt zuständig - Myhkota Lezhym, ein Mykos, der sich aber zumindest kundig und einfühlsam gezeigt hat. Die vierarmige Cassiopeia gehört mehr oder minder zum 'Marschgepäck' des Mykos - Worthington hat ihrer Begleitung zugestimmt, nachdem klar geworden war, dass Myhkota sie nicht allein lassen würde. Allerdings ist die Ophidianerin nur die zweitgrößte Kuriosität der Expedition: der kleine Skaly in Frack und Zylinder, der sich selbst als Lord Fang Lucertola Lagarto van Géode vorgestellt hat, scheint noch weniger in die ohnehin schon bunte Gesellschaft reinzupassen. Was der Grund für seine Mitnahme gewesen sein mag, darüber schweigt der alte Worthington.

--

Die südlichen Kavernen des Shkhi-Imperiums sind allesamt ziemlich warm, was der Nähe zu vulkanischen Rissen zuzuschreiben ist. Die Trockensteppe, die der kleine Tross am 13ten Tag der Expedition durchquert, ist außerdem von einem dichten Dunst behangen. Der Nebel enthält dieselben sanft leuchtenden Partikel wie die Wolken hoch oben unter der Kavernendecke, sodass der Lastwagen sich langsam durch den gespenstischen milchigen Vorhang kämpfen muss. Die seltenen Vogelrufe aus der Ferne klingen wie aus einer anderen Welt stammend.
"Das ist wie in diesem einen Kinofilm," bemerkt Sid, indem er in einer Geste des Gruselns mit den Fingern wedelt. Prompt kassiert er einen Ellbogenstoß von seinem Kommilitonen Fynn, und die jungen Studenten lachen auf, trauen sich aber nicht, allzu laut zu werden.
Das Lachen erstirbt augenblicklich, als der Laster unvermittelt mit einem dumpfen Knall zum Stehen kommt. Der vordere linke Reifen ist geplatzt - und Isabella könnte schwören, dass sie langsam genug gefahren ist, um etwaige scharfkantige Felsen rechtzeitig zu entdecken. Oder etwa doch nicht?
"Huch, was ist denn nu passiert?," schreckt Worthington von seinem Tagebuch auf. Er klappt das Buch zu und richtet sich auf der Ladefläche auf, im vergeblichen Versuch, etwas durch den Nebel zu erspähen. "Ms. Duboin, was ist mit unserem Wagen los?," ruft der Mann zur Fahrerkabine hin, ehe er sich seinen Studenten zuwendet. "Packen Sie mit an, meine Lieben. Ach, wir können gleich ein Lager aufschlagen," beschließt der Alte großzügig. Stan, Sid, May und Fynn rappeln sich auf und klettern von der Ladefläche herunter; selbst Rika beeilt sich, sich in Bewegung zu setzen.
In der Fahrerkabine klappt Anfisa ihren Kompass mit einem leisen Klacken zu und wechselt einen Blick mit der Fahrerin. "Seltsam," meint die brillentragende Cath kryptisch. Die dreieckigen Ohren der Navigatorin sind aufgestellt. Was hat sie in dieser undurchdringlichen Suppe nur entdeckt?
« Letzte Änderung: 01.07.2015, 20:17:15 von Lilja von Rottmulde »
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Cassiopeia

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #1 am: 05.07.2015, 09:47:30 »


Die Ophidianerin hat auf der bisherigen Fahrt nur wenig Kontakt mit den anderen Expeditionsteilnehmern gesucht. Sie hat weiter Pellan gelernt und beim Auf- und Abladen sowie Auf- und Abbauen der Lager geholfen. Fast ständig hat sie aus einem Wasserschlauch getrunken (und sich dabei gelegentlich selbst übergossen), der nur selten nachgefüllt werden musste. Sie trug stets die gleiche Garnitur aus dunklem Fischleder und hatte ihren Kamm angelegt, während die freien blauen Schuppenflächen feucht glänzten. Ihre Augen bedeckt sie mit einer Mort-Brille, was ihr nur wenig ihrer unheimlichen Präsenz nimmt.

Als der Laster stoppt, ist ihr unteres Armpaar gerade mit Notizen auf ihren ledrigen Papieren beschäftigt, während das obere ihr Gewehr pflegt. Bis zu dem Zeitpunkt hat sie wenig Aufmerksamkeit auf die Umgebung verwendet. Nun entfährt ihr ein leises Klacken, dann beendet sie ihre Tätigkeiten - Ein Armpaar packt ihre Sachen zusammen, während das andere die Waffe herrichtet. Anschließend schlängelt sie sich von der Ladefläche und sieht sich, gleichzeitig lauschend, um.

Raibeart

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #2 am: 05.07.2015, 11:59:35 »
Leicht weht der Kilt, als der Koira von der Ladefläche springt, die sperrige Schrotflinte sich über die Schulter wirft und schon wieder aufmerksam die Nase in den Wind hält. Er geht ein paar Schritte zur Seite, ganz so, als würde er die Umgebung überprüfen- nur um dann unter der Stahlplatte auf seiner Brust einen zerkratzten Flachmann zu ziehen, einen großen Zug des kostbaren Lebenswassers nimmt- und dann mit einem Kopfschütteln wieder zu den anderen zurückzukehren. Ihm gefällt diese Expedition immer weniger- aber er braucht das verdammte Geld viel zu sehr als dass er sich leisten könnte eine solche Aufgabe abzulehnen. Vor Allem weil ein betrunkener, entlassener Soldat sonst nur wenig Arbeit zu finden vermochte. Auch wenn sein Interesse an toten Steinen eher gering war... immerhin war die Reise bisher relativ ereignislos verlaufen. So bleibt er neben dem LKW stehen, die Ohren angelegt, den Schwanz auf Halbmast- eindeutige Zeichen dass er mies gelaunt ist. Ringt sich schließlich doch dazu durch, den Helfern beim Abladen zu helfen, schon allein weil er sonst nichts zu tun hat.
« Letzte Änderung: 05.07.2015, 12:13:41 von Raibeart »
I hope I loaded my gun, I know I'm loaded with rum...

Myhkota Lezym

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #3 am: 07.07.2015, 01:06:01 »
Wäre es Myhkota Lehzym möglich, so wie andere Lebewesen ein- und aus zu atmen, dann hätte er jetzt vermutlich laut geseufzt. Diese Expedition ist genau das, was sich der Mykos gewünscht hat und er genießt die Fahrt durch die riesigen Höhlen des Shkhi-Imperiums. Jeglichen Aspekt dieser Reise nimmt er in sich auf, um diese Erfahrungen am Ende seines langen Lebens zu teilen, indem er sie in das Kollektivbewusstsein eingehen lässt. So beschäftigt sich der Arzt den Großteil der Reise auf ähnliche Weise wie Professor Worthington und verewigt seine Eindrücke und Gefühle in einem Tagebuch, welches seit dem Anfang seines langen Weges sein steter Begleiter ist. Fast ist dem Mykos dieses Buch wichtiger als der Rest seiner Ausrüstung.
Tatsächlich ist ihm sogar das Ziel und der Grund dieser Expedition recht unwichtig. Ihm geht es eher um die vielen neuen Erfahrungen, die er machen kann und da ist es ihm egal, woraus genau diese bestehen - solange sie spannend und neu sind. Bisher hat diese Reise in diesem Punkt nicht enttäuscht. Allein die Unterschiede zwischen Luvia, Ilves und dem Shkhi-Imperium sind atemberaubend und all die Mühe wert.
Als der Laster gezwungenermaßen stehen bleibt, macht sich der Mykos, wie auch der Rest der Gruppe auf, um zu helfen wo er kann. Nachdem er sich davon überzeugt hat, dass niemand verletzt ist, klappt er also sein Tagebuch zusammen und verstaut es sorgfältig in seinem Rucksack und steigt schließlich von der Ladefläche. Neugierig wie der Pilzmann ist, läuft er allerdings zuerst vor den Wagen, um sich dann nach dem Reifen zu bücken und den Übeltäter zu suchen, der für den geplatzten Reifen verantwortlich ist.
Die vielen Knochen, die an Bändern von seinem Pilzhut baumeln, klackern dabei auffällig aneinander. Für andere mögen sie vielleicht verstörend wirken aber für den Mykos sind es wichtige Komponenten und Foki für seine schamanistischen Kräfte. Durch die Knochen, die übrigens auch an seinem Gürtel befestigt sind, kann er Kontakt mit der Geisterwelt aufnehmen und so heilende, magische Kräfte kanalisieren. Zum Glück war das aber jetzt noch nicht notwendig.
« Letzte Änderung: 07.07.2015, 01:10:20 von Myhkota Lezym »

[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #4 am: 07.07.2015, 20:20:41 »
Lord Fang steht, wie ein wahrer Gentleman mit einer Kralle auf seinen Gehstock gestützt, völlig unbeeindruckt von Hitze, unsteten Untergrund oder anderen Ablenkungen auf der Ladefläche des Lasters. Seine Augen mustern jede Bewegung der anderen Teilnehmer, während das Monokel im Licht der Wolken aufblitzt. Seine ledrigen Ohren zucken bei jedem Geräusch und regelmäßig überprüft der Skaly im Frack die Uhrzeit auf der teuren goldenen Taschenuhr. Warum er hier ist, weiß wohl Niemand, vielleicht nicht einmal der Professor oder Lord Fang selbst. Aber er selbst weiß, dass es zu seinen Pflichten, seiner Bestimmung zählt. Völlig reserviert erträgt der Skaly die Reise und als sie unvermittelt anhalten, überprüft er die Uhrzeit, nur um darauf den Kopf zu schütteln. Voller Tatendrang schlendert Lord Fang, der einzige Erbe des Géode-Imperiums, an den Rand des Lasters und schwingt sich darüber. Mit einem lauten Plumps prallen seine Krallenfüße auf den Untergrund und er geht mit einem stolzen Gang zu dem geplatzten Rad. Wenig später vernimmt man seine hochnäsige, zischende Stimme.
“Diener?“
Anscheinend nicht bereit selbst Hand anzulegen. Dennoch wirft der Skaly einen Blick darauf, wirkt fast fachmännisch, jedoch darauf bedacht nicht zu starren. Sein Blick ignoriert dabei das Pilzwesen völlig, als wenn dieses überhaupt nicht da ist.
« Letzte Änderung: 07.07.2015, 20:31:29 von Lord Fang Lucertola Lagarto van Géode »
"Ich bin der einzig wahre Lord Fang Lucertola Lagarto van Géode, Erbe des Géode-Imperiums."

Lilja von Rottmulde

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #5 am: 09.07.2015, 17:40:54 »
Während die Passagiere des Lasters in mehr oder minder emsige Aktivität ausbrechen, richtet sich Barron auf der Ladefläche des Anhängers auf, nimmt sein altes Armeegewehr von der Schulter und beginnt, den undurchdringlichen Nebel nach allen Richtungen zu sondieren. Seinen Koira-Kollegen würdigt er dabei nicht eines Blickes - die beiden sind nicht unbedingt die besten Freunde.
Stan und Sid springen elanvoll auf den trockenen Boden herab und gesellen sich sogleich zu der Runde, die sich um den geplatzten Reifen versammelt hat. Kichern und Schnauben sind ihre Entgegnung auf Lord Fangs Ruf nach 'Dienerschaft'. Fynn, May und Rika verrenken sich zwar fast die Hälse, um hinter der Traube etwas zu erkennen, gehen aber ihren Aufgaben nach, indem sie Klappstühle, Tische und Kochutensilien abladen und aufbauen. Die Studenten unterhalten sich leise auf Iloan, aber schon allein aus dem Klang ihrer Stimmen wird recht schnell deutlich, dass sie einander von der Ungefährlichkeit der Lage zu überzeugen versuchen.
Professor Worthington breitet auf dem ersten aufgestellten Klapptisch eine Karte aus, die er mit Notizbuch und Kompaß beschwert. Die weißen Brauen des Mannes rücken zusammen, und er schiebt den Tisch ein wenig nach links, dann nach rechts. "Verflixter schräger Boden," murrt er, um dann Rika herbeizuwinken. Nach einer kurzen Anweisung auf Iloan sieht sich die junge Frau um, liest einen Stein vom Boden auf und schiebt ihn unter eins der Tischbeine. Der Professor scheint mit dem Ergebnis immer noch nicht zufrieden - die Tisch- und Steinschieberei wird sich wohl noch etwas hinziehen.
In der Fahrerkabine zückt Anfisa ihren Kompaß wieder. "Schau mal," klappt sie das Instrument auf und hält es vor sich und Isabela. Obwohl die Hand der Cath ruhig ist, zuckt und zappelt die Nadel über dem Blatt, als wäre sie sich plötzlich nicht mehr sicher, ob der Norden noch da ist, wo er bisher immer gewesen ist. Nebenher kann Isabella allerdings auch das Geheimnis lüften, warum die Navigatorin überhaupt Verwendung für das Gerät hat - es ist mit vielen weiten Messskalas ausgestattet, die Luftdruck, Umgebungstemperatur und unzählige andere Werte anzeigen und hat obendrein einen praktischen kleinen Spiegel im Deckel.
Indes macht ausgerechnet Lord Fang vor, oder genauer gesagt, unter dem geplatzten Reifen eine Entdeckung. Ein spitzer, fast schwarzer Stein ist der Übeltäter - aber für den schlauen kleinen Skaly sieht es nicht nach einem Zufall aus. Auf dem Boden vor dem Laster, zumindest soweit man im milchigen Nebel überhaupt blicken kann, liegen weitere dieser fußangelartigen Steine, die dem ockerfarbenen, staubigen Boden kein bisschen ähneln. Fast wirkt es, als hätte man sie hier mit Absicht platziert.
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Cassiopeia

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #6 am: 10.07.2015, 00:25:12 »
Da sie einige Augenblicke nichts besonderes entdecken kann und der Rest der Gruppe friedlich seinen Tätigkeiten nachgeht, beruhigt sich auch die Ophidianerin und hängt ihr Gewehr in den Halter am Rucksack. SIe dreht sich herum und macht sich, wie immer, ein Lager unter dem Laster. Danach sieht sie sich um, wo sie noch helfen kann. Sie vermeidet die Kochstelle, die ist ihr zu heiß. Die Unsitte, ihre Nahrungsmittel vor dem Verzehr zu wärmen oder heiß zu machen, versteht Cassiopeia nicht. Aber Feuer ist sowieso etwas, mit dem ihr Volk so wenig wie möglich zu tun hat.
Schließlich schlängelt sie sich zum Kartentisch und nutzt ihre Größe, um über die anderen hinweg auf die Karten zu sehen. "Schwierig?", zischt sie leise. Sie prägt sich alles ein, was sie erkennen kann, und orientiert sich still. Dabei wandert ihr Blick über die anderen. Viele hatte sie auf der Universität bereits gesehen, aber nur mit wenigen direkten Kontakt gehabt. Myhkota war ihr am meisten vertraut, er hatte ihrer Jagdtruppe sehr geholfen und sich keine Gedanken darüber gemacht zu haben, wie sie wohl mit ihm umgehen würden. Nun ist sie froh, dass sie ihn gehen ließ. So hatte sie wenigstens einen, den kannte, nachdem sie ihre Truppe verloren hatte. Sie seufzte.

Lilja von Rottmulde

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #7 am: 10.07.2015, 20:08:30 »
Cassiopeia stellt fest, dass es nahezu unmöglich ist, sich im dichten Nebel anhand einer Karte zu orientieren, die auf einem ständig hin- und hergeschobenen Tisch ausgebreitet liegt. Worthington wirft der Ophidianerin einen kurzen Blick zu.
"Sie haben vier Hände, seien Sie so gut und helfen uns hier," spannt der Professor die Unterwasserbewohnerin ganz pragmatisch ein. "Eine stabile waagerechte Fläche ist in diesen Gefilden wohl zuviel verlangt."
Doch weder das Verrücken des Tisches, noch das Anheben oder Stützen der Tischbeine, noch das Umherschieben des Kompaß bringen die magnetische Nadel in eine ruhige, konstante Position. Cassiopeia beschleicht die Vermutung, dass es nicht an dem schiefen oder unebenen Boden liegt. "Das klappt einfach nicht!," seufzt Rika resigniert; ihr Pellan ist von starkem Akzent durchsetzt und für die Ophidianerin nicht ganz leicht verständlich, wenngleich der Tonfall ihre Entnervtheit verrät. Dabei ist die junge Frau doch normalerweise vorbildhaft geduldig - irgendetwas nagt an ihr, so wie sie sich umsieht und ihre Ärmelsäume knetet.
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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #8 am: 10.07.2015, 21:44:58 »
Lord Fang rollt mit den Augen, als er die Reaktion der Studenten bemerkt, während sein geübter Blick über die Misere schweift, welche die Diener einfach nicht erkennen wollen. Er schlägt mehrmals mit dem Stock auf und räuspert sich.
„Wenn die Diener Manieren kennen würden und einen Funken Kompetenz hätten, würde sie erkennen was die Sachlage ist.“
Er rückt sein Monokel zurecht und schüttelt den Kopf.
„Was rede ich, die Diener haben ja nicht einmal Augen im Kopf. Dies war beileibe kein Unfall, sondern die Aktion eines bösen Geistes. Seht nur, perfide Vorrichtungen um die Räder zu zerstören.“
Zeigt der Adlige auf die spitzen schwarzen Steine die ausgerechnet im Weg liegen und umfasst den Gehstock.
„Sie sollten den Professor informieren, damit eine Gruppe mutiger Männer zusammengestellt werden kann und sich Frauen, Kinder...“
Sein Blick fällt dabei auf die Studenten.
„...und Haustiere in Sicherheit gebracht werden können.“
Lord Fang selbst würde natürlich vor keiner Gefahr weichen.
"Ich bin der einzig wahre Lord Fang Lucertola Lagarto van Géode, Erbe des Géode-Imperiums."

Cassiopeia

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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #9 am: 11.07.2015, 11:29:46 »
Cassiopeia ist mit den sozialen Strukturen der Nichtophidianer nicht vertraut und hat ihre Schwierigkeiten, sie zu durchschauen und sich einzufügen. Ihr war nicht ganz klar, was ihre Rolle und Aufgabe bei dieser Mission war. Aber das der Professor der verantwortliche Führer war, dessen war sie sich sicher. Also folgte sie seiner Anweisung. "Ja", bestätigt sie die Worte leise und schlängelt sich um den Tisch herum, um auf der gegenüberliegenden Seite zunächst die Personen zur Seite zu drücken, dann mit den oberen Händen den Tisch zu ergreifen und mit den unteren die Füße desselben wieder einzuklappen. Die Überraschung und den Protest ignorierend schiebt sie ihren schlangenförmigen Unterkörper um sich selbst gedreht wie eine Schlaufe unter den Tisch. So wurde sie selbst zur Oberfläche, auf der der Tisch steht, und sie selbst kann ihn ruhig und gerade halten. Zum Schluß wechselt sie ihre Hände, so dass die unteren nun die Karte ausgebreitet auf der Tischfläche festhalten, während die oberen frei sind und zunächst einmal vor der Brust verschränkt werden.
Dank ihrer Mortbrille ist schwer auszumachen, wohin sie sieht und ob ihr Gesichtsausdruck etwas sagt. Unsicher stellt sie fest: "Magnetmesser bewegt nicht wegen ungerader Erde, sondern Störung." Die Emotionen der Menschenfrau nimmt sie wahr, weiß aber nicht, wie sie reagieren soll. Als ihr Vorgesetzte wäre sie in der Pflicht gewesen, ihr Hilfe anzubieten, als Untergebene, zu schweigen, um es nicht zu verschlimmern. Meist hatte sie den Eindruck, Rika wäre so etwas wie eine Offizierin unter dem Professor, die anderen in der Gruppe begegneten ihr aber nicht mit dem angemessenen Umgang. So beschließt sie, zunächst nicht darauf einzugehen.
Anders verhält es sich mit dem Skaly. Er war ein Fremdkörper wie sie selbst. So dreht sie ihren Kopf herum und antwortet ihm: "Beschimpfen hilft nicht, kleiner Edelmann. Was du siehst und weißt?"

[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #10 am: 13.07.2015, 20:37:24 »
Der Skaly gibt ein Zischen von sich und schlägt mit dem Gehstock auf. Er mustert dabei das merkwürdige Schlangenwesen. Ein Wesen, welches er sich nicht erinnern kann schon einmal in der Stadt gesehen zu haben. Zumindest nicht während seiner Zeit an der Stadt.
“Ohren um meine Worte zu hören, aber kein Verstand um sie zu verstehen. Typischer Pöbel.“
Schießt es Lord Fang durch den Kopf, als Cassiopeia zwar die Beleidigung hört, aber nicht seine geteilten Informationen. Langsam und würdevoll geht Lord Fang zum Professor und wirft Cassiopeia nur einen Seitenblick zu.
„Die Körpergröße macht keine große Person aus, nur eine lange.“
Stellt Fang scharf klar und entblößt seine Zähne.
„Fakten sind außerdem keine Beleidigung und Sie sollten zu hören. Wie ich sagte, eine Falle. Jemand hat mit Absicht spitze Steine ausgestreut, um uns aufzuhalten. Ich empfehle Sie handeln schnell, Professor.“
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Isabella Duboin

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« Antwort #11 am: 14.07.2015, 22:40:21 »
"Shit!"
Isabella flucht als nach einer mehr oder minder geruhsamen Fahrt plötzlich ein sehr eindeutig zuzuordnendes Geräusch vom Platzen des Vorderreifens kündet. Während die anderen bereits weiter über die Ursache diskutieren und diesen unfreiwilligen Halt dazu nutzen ein Zeltlager aufzuschlagen, kümmert sich die Wissenschaftlerin und Entdeckerin darum das problem pragmatisch anzugehen und ihr Fahrzeug so schnell wie möglich wieder fahrtüchtig zu machen. Mit einer geübten Handbewegung zieht sie die Handbremse fest an und schwingt sich aus der Fahrzeugkabine, um den Ersatzreifen von der Ladefläche zu holen. Zwar sieht es so aus als würde sich die Expedition für heute nicht mehr weiterbewegen, aber sie will das Problem trotzdem lieber direkt angehen um im Notfall nicht auf dem sprichwörtlichen Trockenen zu sitzen. Darüber hinaus entspricht es auch einfach nicht ihrer Art die Dinge lange aufzuschieben.  Bei ihrem Unternehmen lässt sie sich von Anfisa begleiten und wuchtet mit Hilfe der Cath den schweren Reifen von der Ladefläche, während sie sich über das eigenartige Verhalten des Kompasses unterhalten.
"Irgendetwas stört den Kompass. Hat hier jemand vielleicht einen starken Magneten dabei?"
Mit einem leichten Ächzen wuchtet die Menschenfrau zusammen mit der Navigatorin den Fahrzeugreifen in Position und stützt sich für einen Augenblick auf diesem ab und blickt zum provisorisch errichteten Tisch, an dem sich ein Großteil der Expeditionsteilnehmer angeregt zu unterhalten scheint. Ein paar spitze Steine auf der Straße sind für Isabella noch kein Grund böse Absicht zu vermuten und ihrer Erfahrung nach muss man sich bei einer Expedition auf solch unliebsame Zufälle einfach einstellen.

Myhkota Lezym

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« Antwort #12 am: 15.07.2015, 03:44:09 »
So sehr sich der Mykos auch anstrengt, den Übeltäter für diese Panne zu finden, er hat einfach keinen Erfolg. In der Dunkelheit unter dem Laster kann er nichts erkennen - der kleine, reptilienhafte Sir hat da mehr Erfolg. Myhkota macht es nichts aus, dass dieser ihn ignoriert. Früher oder später würden sie sich schon anfreunden, da ist er sich sicher - bei diesem Wesen dauert es vielleicht nur etwas länger. Was ihm da mehr Probleme bereitet ist, wie der Skaly mit dem Rest der Gruppe umgeht.
"Diese Männer und Frauen sind weder Diener, noch Haustiere, sondern Mitglieder dieser Expiediton wie Sie, Sir. Sie haben Namen, so wie wir und mit diesen sollten Sie sie auch ansprechen." erklärt der Mykos. Seine Sprache ist mit einem leichten Brummen und Rauschen versetzt und erinnert etwas an das Störgeräusch eines Radios oder Funksprechers. Schließlich besitzt Myhkota keine Stimmbänder und imitiert die Sprache nur.
Begleitet vom Klackern der vielen Knochen, begibt er sich ebenfalls zu dem Tisch. Als er hört, dass der Kompass nicht richtig funktioniert, konzentriert sich der Arzt auf seine magnetischen Sinne. Im Prinzip ist er ein lebender Kompass und weiß immer, wo sich Norden befindet. Die Frage ist nur, ob sein Körper ebenfalls gestört wird oder es an dem Kompass liegt.
Myhkota denkt darüber nach, was das gut gekleidete Reptil gesagt hatte. Das soll kein Unfall gewesen sein, sondern ein geplanter Überfall? Das kann er sich wirklich nicht vorstellen. Nur weil sie einen platten Reifen haben und der Kompass nicht funktioniert, muss man nicht direkt vom schlimmsten ausgehen. Zumindest tut das der Mykos nicht.
"Es gibt bestimmt keinen Grund zur Beunruhigung. Spitze Steine gibt es überall und vielleicht befinden wir uns in einer magnetischen Anomalie, die von einer bestimmten Gesteinsart oder etwas anderem hervorgerufen wird. Kein Grund sofort von bösen Geistern zu sprechen. Es ist nur ein kleiner Unfall - mehr nicht." Myhkota ist felsenfest davon überzeugt. 

Lilja von Rottmulde

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« Antwort #13 am: 15.07.2015, 12:13:20 »
Stan und Sid gehen Isabella und Anfisa mit einem Wagenheber zur Hand; dabei erweisen sich die Studenten als weitaus größere Hilfe als die schmächtige Navigatorin. Diese zieht lieber den spitzen Stein aus dem Reifen und dreht ihn vor dem Gesicht hin und her. "Das kribbelt richtig in den Ohren," stellt die magnetisch sensitive Cath fest.
Auch als Myhkota sich auf seine Magnetsinne konzentriert, bemerkt er ein eine Störung in dem sonst so steten Kräftegefüge, die ihm vorhin auf die Schnelle nicht aufgefallen ist. Ganz eindeutig sind hier magnetische Mineralien im Spiel.
Professor Worthington richtet sich auf und streicht sich über den gepflegten Bart, als er über die neusten Erkenntnisse nachdenkt. "Magnetische Gesteine, sagen Sie, ja, das ergibt natürlich Sinn. Aber was sagen Sie, Lord Fang, irgendjemand hat die Steine vorsätzlich ausgestreut. Sind Sie sicher? Kann es..." Die Brauen des älteren Mannes rücken zusammen; an den Gedanken, die hinter ihnen aufkommen, lässt er den Rest aber nicht teilhaben. Stattdessen kommandiert er entschlossen: "Raibeart, Barron, wie heißt das, Alarmstufe Orange! Geben Sie gut Acht. Wir bleiben hier, bis der Nebel sich lichtet."
Barron, der Cath-Veteran mit den luchsartigen Kotleten, brummt nur etwas zur Bestätigung und bleibt weiterhin auf der Ladefläche stehen. Er scheint seine Aufgabe ernst zu nehmen, wenn auch nicht unbedingt den militärisch nicht so versierten Professor. Fynn, May und Rika bauen gemeinsam die Kochstelle und weitere Sitzmöglichkeiten auf, setzen einen Topf mit Wasser auf und kümmern sich um die Verpflegung. Um die drückende, gespenstische Atmosphäre ein wenig im Schach zu halten, holen die Studenten ein kleines Grammophon vom Laster, und bald dudeln aus dem Schallrohr leise die Kunststücke irgendeiner pelargischen Big Band.
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[IC] Prolog - Dämonen aus der Gegenwart
« Antwort #14 am: 15.07.2015, 22:57:26 »
Lord Fang mustert das merkwürdige Pilzwesen und lässt sich nichts anmerken. Er stützt sich lediglich auf den Gehstock und bringt trocken hervor.
„Was sind Studenten denn sonst? Sie gehen einem Professor zur Hand, bauen das Lager auf und helfen ihrem Arbeitgeber. Nichts anderes sind Diener? Oder zu welche schrecklichen Zeiten ist es gekommen, dass das anders ist?“
Klingt der Skaly völlig pikiert mit seinen Ansichten aus dem letzten Jahrhundert. Danach hebt er den Stock und zeigt direkt auf Myhkota.
„Außerdem wenn jemand auf die Bezeichnung Haustier reagiert, wird er wohl auch eins sein. Wenn nicht, sollte er nicht darauf hören wie ein Hund.“
Danach wendet Lord Fang sich wieder dem Professor zu, der wenigstens etwas sinnvolles zu tun scheint. Nun vielleicht, der Adlige jedoch wendet sich ab und kehrt zum geplatzten Reifen zurück, wo bereits drei Leute ihn auswechseln. Er nickt zufrieden.
„Wenigstens einige sind tatkräftig.“
Sein Blick schweift umher, während die Gedanken kreisen.
“Gibt es noch mehr Hinweise? Sind es womöglich die Kopte? Sind sie gekommen um erneut Rache zu nehmen? Das würde zu ihnen passen. Ich sollte aufmerksam sein.“
Völlig ungewollt ist bereits der Revolver in seine Hand gesprungen und der kleine Skaly wirkt paranoid.
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