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Autor Thema: Gulasado  (Gelesen 29322 mal)

Beschreibung: Episode 1.2

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Khenubaal

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Gulasado
« Antwort #15 am: 14.12.2015, 12:24:19 »
Als Siola so überstürzt aus dem Raum flüchtet, legt sich Jareshs Miene in Falten. Der ehemalige Bürgermeister von Dorwida verzieht den Mund zu einem Strich, die buschigen Augenbrauen ziehen sich zusammen. "Ich entschuldige mich ebenfalls", sagt er schließlich mit belegter Stimme. "Für meine Nichte ist es heute ein schwerer Tag - ich hätte sie nicht an die Tafel bitten sollen."

Zwei der Hausmägde, die gerade im Raum sind, werfen sich verwunderte Blicke zu und schauen dann ebenfalls beschämt zu Boden. Und auch Jemmas Miene hat sich getrübt. Der sonst so wortgewandte Halbling scheint tatsächlich für einen Augenblick verlegen um Worte. Dann erinnert sie sich an Flannaits Worte und ist dankbar, dass die Halbelfe mit ihrem Kommentar einen Anhaltspunkt bietet, das Gespräch wieder auf ein anderes Thema zu lenken. "Ja", sagt sie mit einem Nicken. "Das könnte ich wohl tatsächlich. Ich selbst habe zwar keine Quaki-Seide bei meinem letzten Zug ergattert, aber ich glaube, ich weiß, wer in Ek'Gakel noch welche hätte." Beim letzten Halbsatz schaut Jemma den immer noch ob der Flucht Siolas verdutzten Basilio an.

Dann wendet sie sich mit einem Grinsen Manik zu. "Dieses 'Nein' kam mir ein bisschen zu schnell und zu laut, als dass ich es wirklich glauben könnte. Ich vermute Mal, da steckt mehr dahinter. Irgendeine Form dieser verquerten Zuneigung, die ihr Nordmänner immer mit euren Riten und Bräuchen verdreht. Also - was ist es? Eine gegenseitige, aber nie eingestandene? Eine gegenseitig eingestandene, aber nie vollzogene?" Sie zwinkert, um dem Fhokki anzuzeigen, dass sie ihn nur necken will. "Aber ich nehme an, wenn ihr mit eurer Unternehmung Erfolg habt, werde ich das noch früh genug erfahren."

Derweil wendet sich Jaresh an Tarqetik. "Es ist eine gute Frage, die Ihr da stellt, Kämpe.", sagt er, den Blick auf den winzig kleinen Strudel in seinem Weinbecher gerichtet. Eine der beiden Mägde füllt eben Tarqetiks leeres Trinkgefäß nach. "'Die einfachste Erklärung ist meistens die Richtige', hat mein Vater immer gesagt. Es gibt einige Ratsherren, die größere Besitztümer in der Nähe der neutralen Zone hätten. Andere haben historische Ansprüche auf Ländereien in der Neutralen Zone oder sogar im Einzugsbereich der Ukhtark. Jeder dieser Männer hätte ein Motiv. Man müsste annehmen, es ist einer von Ihnen. Doch ich kann einfach bei keinem dieser Männer glauben, dass er dazu fähig wäre." Er macht eine kurze Pause und fügt dann hinzu. "Bürgermeister Sulu ist wohl der gerissenste unter den Ratsherren. Und er würde am meisten profitieren, denn er kann Anspruch auf recht große Ländereien erheben, wenn der Vertrag von Dorwida aufgelöst wird. Er wäre wohl der Hauptverdächtige. Aber erstmal sind das alles nur Unterstellungen. So lange wir niemanden haben, der es bestätigen kann, bleibt das nichts als Theorie."

Als Basilio dann von dem kommenden Bad spricht - insbesondere auch über die Rosenblüten und die Mägde, die einem zur Hand gehen - muss der alte Mann aber ein kehliges Lachen von sich geben. Beschwichtigend hebt er die offene Rechte in Richtung des Korakers. "Entschuldigung, mein Freund", sagt er ehrlich. "Aber mir scheint, ihr verwechselt mein Dampfbad mit dem Kurbad von Betasa oder einer ähnlichen Einrichtung. Rosenblüten werden wir nicht bieten können, dafür aber einige gut gebundene Birkenbesen zum Abklopfen der Haut. Und das übernimmt dann auch keine von den Mägden, sondern der gute Balon - einer unserer Feldarbeiter. Aber ich verspreche euch: Nach einer Dreiviertelstunde werdet ihr euch sauberer Fühlen, als die großen Wasser des Dhrokker, und wie neu geboren"...

* * *

Und so begeben sich die Gefährten zusammen mit Jaresh und Jemma kurze Zeit später in das Dampfbad. Der alte Mann hat nicht zu viel versprochen. Das gebäude ist komplett aus Massivholz zusammengelegt. Der steinerne Ofen im ersten Raum hat selbigen inzwischen so weit erhitzt, dass die nur mit einem Handtuch bedeckten Körper sofort aus jeder Pore zu schwitzen beginnen. Die Muskeln entspannen sich wohlig, sobald sich die sechs Männer und beiden Frauen auf den Bänken ausstrecken oder hinsetzen. Der heiße Dampf steigt in die Nasen, füllt die Lungen - scheint Staub und Dreck, die sich während der vergangenen Tage in wilden Ritten und ebensolchen Kämpfen dort abgelagert haben, zu lösen, zu erweichen und schließlich zusammen mit dem Dampf wieder hinauszubefördern.[1]

Die Nasenflügel weiten sich, die Atemzüge werden tiefer. Jeder einzelne streckt sich unwillkürlich, lässt die Wirbel knacken, die Kugelgelenke in Schulter und Beckenbereich kreisen. Man könnte sich entspannt zurücklehnen, wenn da nicht Jaresh wäre, der den hereinkommenden Balon zu sich winkt. Der Vorarbeiter greift sich einen der Birkenbesen, die an die Wand gelehnt stehen und beginnt auf den Rücken seines Gutsherren einzudreschen. Die Birkenzweige ziehen rote Streifen über die Haut des alten Mannes und mehr als ein Blatt löst sich bei der Behandlung aus dem Besen und wirbelt durch die dampfgeschwängerte Luft. Das sieht alles eher nach einer Bestrafung, als nach einer Behandlung aus, doch Jaresh seufzt nur wohlig und scheint nicht im Mindesten erzürnt.

Schließlich hört Balon auf. Jaresh setzt sich mit einem Lächeln auf und lässt noch einmal Nacken- und Rückenwirbeln knacken. Schließlich schaut er zu den anderen. "Das regt noch einmal die Durchblutung an und steigert das Entspannungsgefühl - wer ist der nächste?"[2]

"Nein, danke", murmelt Jemma mit skeptischem Blick und wendet sich ab. 

Als nächstes steht eine weitere Mutprobe an. Nach ungefähr zwanzig Minuten geht Jaresh in das Nebenzimmer des Dampfbads. Dieses ist komplett von dem ersten Raum abgetrennt. Die Männer und Frauen beginnen sofort zu frösteln. Umso mehr, als sie in der Mitte des Raums das steinerne Becken erblicken, welches mit eiskaltem Wasser gefüllt ist.

"Ah..., das härtet ab und öffnet die Blutgefäße", sagt der alte Dejy, klettert hinauf, setzt sich an den Beckenrand und befördert sich mit einer schnellen Bewegung ins Wasser. Während die anderen sich noch vorstellen, wie unermesslich kalt es in dem Wasser sein muss, taucht Jaresh seinen Kopf tief hinein, hebt ihn wieder heraus und schaudert wohlig. "Na los!", ruft er den anderen zu.[3]

* * *

Am nächsten Morgen, in aller Frühe finden sich die Gefährten in der Bibliothek des Guts wieder zusammen. Auch Jaresh ist da, um sie zu verabschieden und sich noch einmal bei Ihnen zu bedanken. Ebenso Jemma, die in einem der bequemen, gepolsterten Sessel Platz genommen hat und einen Kräutertee schlürft.

Siola passt Sanjan auf dem Weg in die Bibliothek ab. Sie hat wieder einfache Kleidung an und scheint sich darin auch sichtlich wohler zu fühlen, als am Vortag. Im Flüsterton gibt sie ihm zu verstehen, dass sie kurz alleine mit ihm sprechen möchte. Als der Schamane ihr aus dem Haus auf die ansonsten menschenleere Veranda folgt, neigt sie leicht den Kopf und legt die Stirn in Falten. "Sanjan, ich wollte mich bei dir dafür entschuldigen, dass ich gestern so schroff war und schließlich aus dem Raum gestürmt bin. Es hatte nichts mit euch oder mit dir zu tun. Es war einfach ein sehr schwerer Tag für mich - es war mein Geburtstag."

Sie hält kurz inne. Als sie sieht, dass ihre Antwort Sanjan noch mehr verwirrt zu haben scheint - warum sollte jemand an seinem Geburtstag trauern? - versucht sie sich an einer Erklärung. "Entschuldige. Das macht für dich natürlich keinen Sinn. Du musst wissen - ich hatte einen Bruder. Einen Zwillingsbruder. Ich habe ihn schon sein fast zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Das letzte Mal, als wir einander sahen, waren wir noch Kinder. Und seit vielen Jahren ist er tot. Er starb in der Ferne - ich weiß nicht einmal genau wann und wo. Und ich war nicht in der Nähe. Ich weiß nicht, wann sein Todestag ist, an dem ich trauern könnte. Und so ist unser gemeinsamer Geburtstag zu meinem Trauertag geworden."

Wieder hält Siola kurz inne. Wendet den Blick ab, kämpft nochmals mit den Tränen. Im Gegensatz zum Vorabend gewinnt sie den Kampf aber diesmal und schaut Sanjan abermals in die Augen. "Ich kann mir nicht helfen. An diesem Tag bin ich traurig und werde es wohl immer sein. Ich wollte nur, dass du weißt, dass es nicht deine Schuld war, oder die deiner Gefährten."
 1. @ Sanjan: Sanjan wollte doch noch einen traditionellen, Dejy-Trunk vorbereiten. Falls er das immer noch möchte, kannst du das gerne in deinen Beitrag einbauen. Der Dejy hätte dann den Trunk vorbereitet und die Gefährten würden ihn in der Sauna (oder auch danach) gemütlich zu sich nehmen!
 2. Für das Dampfbad regeneriert jeder Charakter einen Trefferpunkt. Wer außerdem die Behandlung mit dem Birkenbesen auf sich nimmt, regeneriert einen weiteren Trefferpunkt.
 3. Wer das Kältebad nimmt, bekommt beim nächsten Skill-Wurf auf eine Fertigkeit, die an ein körperliches Attribut gekoppelt ist (STR, DEX oder CON) einen Bonus von +4
« Letzte Änderung: 14.12.2015, 12:25:10 von Khenubaal »

Flannait Adair

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Gulasado
« Antwort #16 am: 14.12.2015, 22:54:22 »
Basilios Frage macht Flannait offenbar sprachlos, denn sie weicht seinem Blick aus und schlägt die Augen zu Boden und schweigt. Erst nach einer Weile hohlt sie tief Luft und blickt dem Koraker mit dunkelgrünen Augen an als suche sie die Antwort in seinem Gesicht, oder seinen Augen. Sie klingt beinahe trotzig, defensiv und sehr viel unsicherer als Basilio die Halbelfe je erlebt hat:
"Non lo so, va bene? Dovrò che Fearchara e Torin devo come me crescere così, all'ombra della guerra e con buona ragione portato a odiare il nemico, perché egli è il nemico? Pieno di dubbi. Ma io sono disposto a rinunciare giustizia per mio padre? E anche se non credo che il Kargi può mantenere la pace. Anche se lo vogliono in questo momento,perché sono ancora in grado di sconfiggere Jaylin né Dorwida. Si riproducono molto più rapidamente di quanto il Adair proseguito e in venti anni, se ci sono tre volte più numerosi giovane guerriero Kargi come oggi e appena qualche dozzina di elfi che oggi in Jaylin, poi penseranno diversamente. Tutta la cultura di Kargi è un orgoglio e l'onore come un guerriero. Prima o poi, hanno bisogno della guerra per provare se stessi come guerrieri. E che possibilità ci abbiamo poi, se abbiamo la pace da noi essere cullati?"[1] Sie schüttelt den Kopf und ihr fällt nicht mal auf dass sie, die Verbannte mit dem letzten Satz die Sache der Adair zu ihrer eigenen gemacht hat. "Voglio credere nella tua pace Basilio, ma non ci riesco."[2]

~~~

Maniks Geständnis kommt für Flannait überraschend. "Eine Komplikation mehr die wir nicht brauchen - andererseits. "Diese Helga könnte sich als nützlich erweisen wenn wir uns in die Burg einschleichen wollen. Wenn sie schon länger auf der Burg ist wird sie sicher einiges über die Gegebenheiten vor Ort und die Gewohnheiten der Sölder wissen. Zum Beispiel wer gerne einen über den Durst trinkt oder wo die Wachen üblicherweise stehen."

~~~

Das Dampfbad nimmt Flannait nach Tagen im Sattel und wenig Gelegenheit sich zu waschen nur zu gerne an.
Wie Basilio macht auch sie sich, einmal ins Handtuch gehüllt auf die Suche nach einer Magd, die sie bitten kann sich ihrer getragenen Unterkleidung anzunehmen.
Sie kommt gerade rechtzeitig um zu erleben wie Basilio eine junge Magd überredet seine Wäsche zu waschen.
Mit den Worten, "Das ist sehr nett. Dies bitte auch noch." landet ihr getragenes Unterzeug auf dem Haufen. Dabei tut die Halbelfe ihr bestes es so erscheinen zu lassen, als wäre ihr der Gedanke gar nicht gekommen, das Angebot könne nur für Basilio gegolten haben.[3]
Leicht fröstelnd folgt sie den anderen in die höchst willkommene Hitze des Dampfbades, verzichtet
aber dankend auf die Auspeitschung durch Balons zarte Arme.
Da er bei dieser Gelegenheit seine Felle gegen ein Handtuch eingetauscht hat nimmt die Halbelfe nun auch mit Überraschung Sanjans elfischen Körperbau und die spitzen Ohren zu Kenntnis. Basilio hatte immer nur von Sanjan dem Druiden und Deyji gesprochen. Sie wirft Basilio einen bösen Blick zu und neigt grüßend den Kopf in Sanjans Richtung.
"Mar sin, tá tú dócha aon smaoineamh conas tá sé aon áit go leor nach a bhaineann. Basilio Tá dearmad a lua do chuid fola elven."[4] Der Gedanke, dass jemand, der ganz offensichtlich ein Halbelf ist, der elfischen Sprache nicht mächtig sein könnte, kommt ihr gar nicht.

Das kalte Wasser schreckt sie zwar nicht ab, im Gegenteil, sie freut sich auf die Gelgenheit sich den Schweiß und was vom Staub noch nach ist abzuwaschen. Ausserdem ist sie von den Winter in Jaylin und Korak schlimmeres gewohnt. Aber seit der Zeit unter Koraks Soldaten ist sie sich ihrer Wirkung auf die meisten Männer sehr wohl bewusst und die ist oft genug schon lästig genug wenn sie nicht auch noch komplett entblöst und mit durch das kalte Wasser verhärteten Brustwarzen vor ihnen steht. Nicht, dass sie sich gegen männliche Zudringlichkeiten nicht zu wehren wüsste, mehr als ein korakischer Offizier hat das schmerzhaft erfahren ehe ihre Reputation genug Abschreckung bot, aber sie geht solchen Komplikationen wenn möglich doch lieber aus dem Weg.
Also schüttelt sie auf Jaresh Angebot nur den Kopf.
"Danke, aber erst wenn ich das Bad für mich alleine haben kann."
"Wirst Dir für deine Träume ein anderes Vorbild suchen müssen alter Mann."
Und damit kehrt sie vorläufig ins Dampfbad zurück um den Männern die selbe Privatsphäre zu geben, die sie gerade für sich selbst eingefordert hat.
Erst als alle anderen den kalten Raum verlassen haben nimmt sie ein kurzes aber gründliches Bad in dem eisigen Wasser ehe sie sich wieder in das Handtuch hüllt und zum Aufwärmen kurz in das Dampfbad zurückkehrt ehe sie aus ihrem Rucksack saubere Unterkleidung holt und sich wieder in ihre gewohnte Lederkluft kleidet.




 1. Ich weiß es nicht, in Ordnung? Will ich dass Fearchara und Torin so aufwachsen müssen wie ich, im Schatten eines Krieges und mit gutem Grund dazu erzogen den Feind zu hassen weil er der Feind ist? Ganz sicher nicht. Aber bin ich bereit auf Gerechtigkeit für meinen Vater zu verzichten? Und selbst wenn, ich glaube nicht dass die Kargi den Frieden halten können. Selbst wenn sie ihn momentan wollen,
weil sie weder Dorwida noch Jaylin besiegen können. Sie pflanzen sich weit schneller fort als die Adair und in zwanzig Jahren, wenn es dreimal so viel junge Kargi-Krieger gibt wie heute und kaum ein paar dutzend mehr Elfen als heute in Jaylin, dann werden sie anders denken.  Die ganze Kultur der Kargi ist auf ihren Stolz und ihre Ehre als Krieger ausgerichtet. Früher oder später brauchen sie Krieg um sich als Krieger zu beweisen. Und welche Chance hätten wir dann noch, wenn wir uns vom Frieden haben einlullen lassen? x
 2.  Ich möchte an deinen Frieden glauben Basilio, aber ich kann es nicht.
 3. Bluff: 10
 4. Elfisch: "Also habt ihr wohl eine Ahnung wie es ist nirgenwo ganz dazuzugehören. Basilio hat ganz vergessen euer elfisches Blut zu erwähnen."
« Letzte Änderung: 16.12.2015, 00:29:25 von Flannait Adair »
"Nur ein toter Kargi ist ein guter Kargi!"

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #17 am: 15.12.2015, 01:04:12 »
Heißt das Zeug nun Quaki- oder Quiki-Seide? Die beiden Damen scheinen sich uneins. Warum haben die ganzen Frauensachen auch immer so ulkige Namen, die sich keiner merken kann?

"Und du könntest mir genug davon besorgen, dass es für ein Kleid reicht? Aber hm, die Farbe müsste auch stimmen, Frauen haben da ja immer so schrecklich genaue Vorstellungen. Also, Amell mag's eher dunkler, oder jedenfalls kräftig, bloß nichts blasses! Also dunkelgrün, dunkelblau, so'n dunkles, eh, wie soll ich sagen, erdgelb... 'Wenn's dir stehen würd', steht's auch mir' hat sie mir mal gesagt, als sei damit alles erklärt. Also na ja, ich meine, wir sehen uns schon recht ähnlich, so vonwegen Haar-, Haut- und Augenfarbe, aber ich kann mir dann irgendwie doch immer nicht vorstellen, dass ihr stehen würd', was mir steht. Ich täte mich da ganz auf dich verlassen müssen, Jemma! Wie teuer käme das denn so ungefähr?"

Jemma nennt ihm eine Summe. Er lässt sich nichts anmerken, sondern schlägt kräftig ein, als sie ihm die Hand hinstreckt. Ha, eine Sorge weniger! Das Problem des leeren Beutels—ein Gold und vier Silberlinge befinden sich zurzeit darinnen und eine vernachlässigbare Anzahl Kupferstücke—würde er bis dahin schon irgendwie lösen.

Dann ist auch der letzte ihrer Tafelrunde satt und man begibt sich in das Nebengebäude, in welchem sich tatsächlich niemand um die dreckige Kleidung zu kümmern anschickt. Bereits handtuchumschlungen schlüpft Basilio noch einmal hinaus, beide Arme voll Wäsche, auf der Suche nach einer guten Seele. Normalerweise ist er ja weder eitel noch allzu empfindlich in dieser Hinsicht, aber wenn er sich vorstellt, in diesem Aufzug—nur nochmals um drei Tage reifer—Maru wiederzusehen...

Er muss nicht lange suchen, da erblickt er schon einige Mägde und steuert zielstrebig eine grauhaarige Matrone an, in der er mütterliche Gefühle zu erwecken gedenkt. Seine Miene arrangiert er sorgfältig zu jenem Ausdruck, den seine Schwester sein "verirrte-Welpe-Gesicht" nennt und der seine Wirkung bei Frauen über vierzig eigentlich noch nie verfehlt hat.

Doch bevor er die Alte erreicht—die ihm umso grießgrämiger erscheint, je weiter er sich ihr nähert, weswegen sein Schritt schon zögerlich werden will—tritt ein junges blondes Ding an ihn heran, deren wogend dralle Oberweite sich genau auf seiner Augenhöhe präsentiert.

"Kann ich etwas für Euch tun, mein Herr?" fragt sie mit klingender Stimme.

Alarmiert blickt Basilio zu Boden und erkennt, dass sie auf einer Treppenstufe steht. Als sie davon herunter- und ihm einen weiteren Schritt entgegentritt, überragt sie ihn immerhin nur noch um einen halben Kopf.

"Äh", sagt er.

Das Mädchen lächelt aufmunternd. "Ihr braucht Hilfe mit Eurer Wäsche, nicht wahr?"

"Ja", sagt Basilio, eifrig nickend. "Wir müssen nämlich morgen früh schon wieder los und das Hemd hier müsste zudem dringend mal wieder eine Nadel sehen, schau den Riss hier, und dort ging der Pfeil hindurch, und an der Hose da, siehst du, da hat mir eine Hyäne hinterhergeschnappt. Würdest du... wärst du wirklich so freundlich... also, das fände ich ganz schrecklich reizend von dir!"[1]

"So reizend, dass Ihr mich hinterher mit Küssen bedeckt?" fragt das Mädchen kokett.

Hinter ihr schnaubt die Alte spöttisch und sagt etwas in der Sprache, die Sanjan immer spricht; eigentlich ist es mehr ein Spucken als ein Sprechen. Basilio aber, der sich mit Frauen so gar nicht auskennt, bleibt trotz diesem und den folgenden Anzeichen völlig ahnungslos.

"Oh, du, äh, warst vorhin bei Tisch dabei, richtig? Also, ich mach gern mal einen Spaß, das muss man nicht so ernst nehmen."

Das Mädchen zuckt eine gleichgültige Schulter in Richtung der Alten, bevor sie einladend die Arme nach Basilio ausstreckt—oder vielmehr nach seiner Wäsche.

"Wann könnte ich meine Sachen denn wieder abholen? Und wo?" fragt er, als er ihr seine gesamte Last aufdrückt. "Und wie heißt du überhaupt? Ach, du kannst mich übrigens Basilio nennen und du sagen, ja? So ganz ein feiner Herr bin ich dann auch wieder nicht."

Den Namen will er schon allein zur Sicherheit wissen, damit er sich notfalls zu ihr durchfragen kann. Das muss ihm nicht passieren, dass er am Morgen noch nackt durch die Gegend hüpft, wenn die anderen schon aufbrechen wollen, auf der Suche nach seiner Wäsche!

Seltsamerweise strahlt das Mädchen bei seinen letzten Worten über das ganze Gesicht. "Mirtel", sagt sie, und dann erklärt sie ihm den Weg zu der Kammer, wo er seine Sachen abholen kann, aber vor Einbruch der Nacht schafft sie es nicht und es muss ja auch noch alles trocknen, da wird auf dem Hof gewiss schon jeder im Bett sein, aber er solle sich nur ja keine Gedanken machen, es mache ihr wirklich nichts aus, etwas länger wach zu bleiben und einem Helden wie ihm zur Hand zu gehen.

Balsam für Basilios Seele! Endlich wird er einmal nicht mit Schimpf oder Spott überschüttet, sondern mit Lob und Bewunderung! Gerade will er etwas ähnlich nettes erwidern, da tritt plötzlich Flannait heran und häuft ihre Dreckwäsche gleich zu Basilios dazu, dass die arme Magd unter der Last schwankt.

"He!" sagt Basilio. "Nicht so ruppig! Überhaupt, das heißt Bitte und Danke, liebe Mirtel."

Flannait, welche sich längst wieder auf dem Rückzug befindet, wirft ihm nur einen langen Blick über die Schulter zu.

"Schon in Ordnung", sagt Mirtel. "Deine Freundin?"

"Kamerad", sagt Basilio. "Wir kennen uns von der Front. Tut mir leid, dass du wegen mir jetzt noch mehr Arbeit hast."

"Oh, wenn's dir nur leid tut, macht's mir gar nichts aus, dann wirst du es nachher ja wiedergutmachen wollen. Ich wüsst' auch schon wie."

Oh, mein armer Beutel. Da muss wohl mein letztes Goldstück dran glauben. Oder vielleicht reichen die vier Silber?

"Keine Sorge", verspricht er tapfer. "Du sollst auf deine Kosten kommen."

Glucksend rückt Mirtel sich die Last zurecht und verschwindet damit hüftschwingend im Haus.

Basilio eilt Flannait nach zum Badhaus hinüber.

~~~

Das ist schon ein sehr seltsames Badhaus, denkt Basilio bei sich, was ihn nicht daran hindert, sich bald schon unter wohligsten Seufzern auf einer der Bänke auszustrecken und zu räkeln und, kaum dass er die Augen schließt, aufs Angenehmste vor sich hinzuträumen.

Den peitschenden Birkenbesen schlägt er aus. Ha, das fehlt gerade noch! Sich freiwillig hauen zu lassen. Wie kann der Kerl so wonnevoll dabei gucken? Das muss doch wehtun! Nun ja, jedem das Seine.

Als sie dann aber das Becken mit kaltem Wasser umstehen und der alte Dejy etwas von "abhärten" erzählt, fühlt Basilio sich dann doch an seiner Männlichkeit gepackt. Abhärten, ja, das will er ja gern! Also, hart wäre er gern, am liebsten ohne voriges Abhärten, aber das wäre wohl zu viel verlangt. Also tritt er beherzt an das Becken heran und steckt einen Zeh ins Wasser.

Und springt mit einem ungläubigen Aufschrei wieder zurück. Dabei entgleitet ihm der Zipfel, an welchem er das umgeschlungene Handtuch festhält, und selbiges beginnt von seiner Blöße zu rutschen, gerät ihm alsdann, bei seinem hektischen Versuch, es rechtzeitig aufzufangen, zwischen die Beine, der glitschige Boden tut sein übriges und Basilio stürzt. Ihm gelingt noch eine halbwegs elegante Pirouette, dass er nicht mit dem Kopf auf dem harten Steinboden aufschlägt, sondern mit allen Körperteilen—und einem gewaltigen Platscher—im eiskalten Wasser landet.

"Pah!" ruft er, als er prustend wieder auftaucht. "Pah! Das soll abhärten? Das kann ja gar nichts!"[2]

~~~

Einige Zeit später lehnt Basilio mit nassem Haar und trockenem Handtuch an der Stallwand und denkt über Flannaits Worte nach. Er hat nicht erwartet, dass sie mit Ja antwortet, aber zumindest zögert sie und klingt verunsichert, wo sie früher nicht lange gefackelt hätte, sondern lieber der nächsten Grünhaut die Kehle durchschnitten.

"Angst ist ein schlechter Ratgeber.[3] Was schlägst du denn als Alternative zu der von dir phantasierten Szene vor: präventiven Genozid? Mal abgesehen davon, dass euch das womöglich die Seele kosten wird: glaubst du, dann wärt ihr sicher? Sag, ihr vertreibt die Ukhtark aus Kezhdal, was dann? Dann steht ihr völlig allein da. Die Menschen in Dorwida, so wenig Sympathie sie für Kezhdal haben, werden auf eine solche Tat mit Entsetzen reagieren. Und Norga-Krangel? Werden sie ihre verlorenen Vettern rächen? An wem? Wenn ihr Glück habt, nur am nächsten korakischen Dorf, schließlich schmeißen sie uns Menschen gern alle in einen Topf, und wer weiß, ob sie unsere Beteuerungen, das seien aber nicht unsere Freunde in Ek'Gakel sondern die Elfen gewesen, glauben würden. Ich könnte jetzt noch ein Dutzend weiterer Szenarien heraufbeschwören, eins düsterer wie das andere.

Du darfst dir nicht vom Schreckgespenst einer möglichen Zukunft den Blick auf das verstellen lassen, was hier und jetzt das richtige wäre. Mehr können wir nicht tun: hier und jetzt so handeln, wie Gewissen und Vernunft uns gebieten. Und, notgedrungenerweise, die Tagespolitik unserer Völker."


Er macht eine Pause, ordnet seine Gedanken. Ein wenig muss er schmunzeln. Da schau einer ihn an, was für ein Friedensbote aus ihm geworden ist! Dabei ist er nun so gar nicht mit diesem Gedanken nach Ek'Gakel gereist, doch da die Idee ihn nun einmal gepackt hat—nebst einem gewissen Ehrgeiz, zu beweisen oder zumindest für sich selbst herauszufinden, ob es möglich wäre—hat er sich selbst schon halb davon überzeugt, dass er sein Lebtag nicht anders gedacht hätte. Obwohl Flannaits Gegenwart ihm nur allzu bildhaft die Erinnerung ins Gedächtnis ruft, dass dem nicht so ist. Aber was soll's. Die besten Lügner glauben ihre Lügen selbst.

"Alles, was du über die Kargi weißt, weißt du von deinen Leuten. Oder von meinen. Stolz und Ehre lassen sich aber auch an anderen Orten beweisen als auf dem Schlachtfeld: auf der Jagd, im sportlichen Wettkampf, beim Turnier. Das allein ist kein Grund für einen Krieg. Genausowenig wie die Grünhäute ein Monopol auf den Krieg haben, dem Hurra-Geschrei auf der Suche nach Ruhm und Ehre.

Ich sag jetzt gar nicht, dass du meinem Frieden glauben sollst. Aber ich bitte dich, flehe dich an: geh mit offenen Augen und offenem Herzen an die Sache heran und schaue selbst. Lass dir nicht deine Meinung vom Hass der Vorväter vorgeben, lass dir von ihnen nicht verbieten, für die Zukunft zu hoffen.

Dein Vater fiel in der Schlacht. Im Kampf Mann gegen Mann. Hätte sein Gegner ihn nicht erschlagen, läge dieser nun selbst tot unter der Erde. Du sprichst von Gerechtigkeit für deinen Vater: es ist an ihm keine Ungerechtigkeit begangen worden, nach keinem Gesetz der Welt, geschrieben oder ungeschrieben. Trauer um ihn, Flannait, schreie deinen Zorn über die Ungerechtigkeit, dass ein Kind ohne den Vater aufwachsen musste, in die Welt hinaus, aber verlange keine Gerechtigkeit in seinem Namen. Er würde es nicht wollen.

Du fragtest, was ich mit Aisling noch besprach. Ich habe ihr wiedergegeben, was Mago mir erzählt hat von jener Schlacht. Es war sein Olivenzweig an sie. Sein Angebot der Versöhnung. Wenn du glaubst, es dir ruhig anhören zu können, werde ich es auch dir erzählen."


Wenn Flannait ihm dies verspricht—glaubwürdig—so wird Basilio ihr dasselbe erzählen, was er Aisling erzählt hat, nebst seinen Schlussfolgerungen, diese als solche deutlich ausgewiesen.[4]

Danach schweigt Basilio etwas länger und Flannait, wenn sie nicht in Gedanken völlig bei ihrem Vater verweilt, mag wohl schon denken, er habe ihre zweite Frage vergessen oder wolle sie stillschweigend übergehen. Weder noch.

"Ich kenne Nola nicht. Von den Elfen im Elninawald hatte ich vorher noch nie gehört, über Elfen im allgemeinen weiß ich kaum etwas, und diese ganze Sache mit der Erbfolge ist mir unverständlich und suspekt. Was ich jetzt sage, begründet sich einzig auf einer Sache, die mir gewiss scheint: kein Treueschwur seinem Fürsten oder General gegenüber kann einen Mann binden, diesem auch dann noch zu gehorchen, wenn dessen geistige Fähigkeiten offensichtlich beim Teufel sind und er auf fatalste Weise gegen die Interessen seines Volkes agiert, es gar an den Rand des Untergangs bringt, weil's ihn einen Dreck interessiert, was nach ihm sein wird. Im Gegenteil: sein Schwur gebietet dem loyalen Gefolgsmann in diesem Fall sogar, seinem Herrn den Befehl zu verweigern und ihn daran zu hindern, dem Volk zu schaden, das sie gemeinsam so lange beschützt haben, denn wäre der Fürst noch bei Verstand, so würde er dies gewiss wollen.

Daraus schließe ich, dass Nola eigene Pläne hat."


Diesen Satz lässt Basilio erst einmal wirken.

"Du wirst ein besseres Bild von seinem Charakter haben als ich", sagt er schließlich. "Aber du hast mich gefragt und deshalb antworte ich: nein, ich glaube nicht, dass er Aisling in ihren Friedensplänen unterstützen wird. Das beste, was ich mir von ihm erhoffen will, ist, dass er andererseits auch dem Wahn deines Großvaters nicht bis in die letzte Konsequenz folgen wird: sobald er den Augenblick für gekommen sieht, wird er versuchen, die Macht an sich zu reißen. Und wenn ich das mit der Erbfolge richtig verstanden habe—und seinen Auftritt als der Krone ultraloyal richtig deute—so wird er keine eigene Dynastie gründen wollen, denn dafür wäre es weitaus schwerer, die nötigen Mithelfer zu finden, sondern sich als Regent inszenieren. In anderen Worten, er wird Torin und Fearchara nicht umbringen lassen, aber er wird sie für seine Zwecke benutzen. Wird sich als Statthalter für den Thronfolger ausgeben, als Vormund der beiden, eben als Regent. Aisling wäre dabei natürlich im Weg, ebenso Onkel Liam, aber dafür wird er schon eine Lösung finden.

Das sind alles nur Vermutungen, von denen ich mir wünsche, dass ich damit falsch liege. Dennoch möchte ich dich noch einmal bitten: schau nicht zwanzig Jahre in die Zukunft. Die Gegenwart ist kompliziert genug und verlangt unsere volle Aufmerksamkeit und all unser Können."


Damit ist Basilio nun aber wirklich am Ende seiner Rede angelangt. Oder doch nicht? Eine Sache will er eigentlich nicht ansprechen. Es wäre schrecklich dumm, sie anzusprechen. Noch dümmer allerdings, wenn Flannait es anders erfährt als von ihm. Dann sähe die Sache erst recht schlecht aus.

"Wenn du das alles, was ich gerade gesagt habe, aber nicht hören und bedenken willst, so kann ich dir einen Ausweg anbieten, der mir mit einem einzigen Tritt unter die Gürtellinie alle Glaubwürdigkeit aberkennt. Tarqetik sagt es mir bereits nach, und Protest hilft da wenig, doch vor dir will ich es vorneweg und rundheraus leugnen und du magst selbst entscheiden, ob du mir glaubst. Einzig deiner Diskretion möchte ich vorab versichert sein." An dieser Stelle hält er inne, bis Flannait ihm verspricht, die nächsten Worte so vertraulich zu behandeln wie ein Priester die Beichte. "So lass mich dir versichern: Zum Denken gebrauche ich meinen Kopf und nichts anderes. Alles, was ich dir gerade erzählt habe, alle Meinungen, die ich vertreten habe, sind meinem Verstand entsprungen und reiflicher Überlegung. Nichts davon hat das geringste damit zu tun, dass ich mich Hals über Kopf in die Dariba der Ukhtark verliebt habe.

Und wer etwas anderes behauptet, der kennt mich schlecht"
, fügt er noch trotzig hinzu, bevor er die Flucht ergreift—oder es zumindest versucht.
 1. Diplomacy = 23
 2. Wille = 1; Reflex = 10; Zähigkeit = 16. Den +4 Bonus auf eine körperliche Aktivität schreibe ich mir nicht gut, den wird er noch vor dem Morgen ausgegeben haben.
 3. Basilios Rede komplett auf Kalamarisch. Es wurde mir nur zuviel, das alles zu übersetzen, trotz Googlator, weil ich mir das Nachbessern, egal wie dilettantisch, doch nie verkneifen kann...
 4. Hier, der 2. und 3. Absatz. Die Krone, von der die Rede ist, war ein Stirnreif, den Mago in dieser Schlacht erbeutet hat. Er gab ihn uns zu Verhandlung mit, weil er dachte, der Reif hätte für die Elfen eine Bedeutung, als Symbol für die Macht des Kronprinz oder so. Aisling fand die Geste lächerlich. (Im Meisterpost darüber sagt sie: "Sie [Die Ukhtark] schickten mir nutzlosen Tand - Haare und Schmuck - als könnte es meinen toten Bruder ersetzen.")
Zum Vergleich hier, was Mago wirklich gesagt hat: Absatz 10 bis Ende.
« Letzte Änderung: 15.12.2015, 18:43:55 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Tarqetik

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Gulasado
« Antwort #18 am: 15.12.2015, 08:40:03 »
Jaresh bringt einige Verdachtsmomente vor, als er von Land und Rechten jenseits der Grenze spricht. Tarqetik hört dem Mann still und aufmerksam zu. Seine Gedanken rufen ihm das Bild der Landstriche zu, über die sie ritten als sie vor einigen Tagen zu den Kargi aufbrachen.
„Dann scheint diese Land ja gebraucht zu werden. Mich wundert dabei aber, dass kaum alles Land diesseits der Grenze voll genutzt wird. Weite Weideflächen und brachliegende Felder. Es scheint doch eher um eine Art Prestigebesitz zu sein?“ spricht der Krieger seine Gedanken dann auch aus, nachdem Jaresh geendet hat.

Diesen Gedankenstrang nicht länger verfolgend, macht sich Tarqetik dann im Gänsemarsch auf den Weg dieses Bad, von dem der Hausherr sprach zu erkunden. Die Hitze setzt dem Brandobianer sichtlich etwas zu. Rasches Atmen und ein Strom an Schweißrinnsalen zieht sich über seinen Rücken. Das Kältebad ist da eine willkommene Abwechslung, doch auch nicht lange, da es eine sehr verkürzende Kälte ist.

Wieder aus dem Bad sieht Tarqetik wie der nette kleine Händler und die Elfin ihre Kleidung zum Waschen geben. Darauf zieht riecht er selbst an seiner Freizeitkleidung. Der Schmutz ist weniger so schlimm wie der Materialzustand. Löcher von Rissen und Nähten zeigen sich hier und da. Da wird ein Waschen nicht viel bringen, ein neues Überhemd wäre eher angebracht. Doch vor dem Kampf auf der Burg, wäre das reine Verschwendung. So wirft er sich sein Gewand über und trabt dem Schlaf der Seligen entgegen.


Die Verabschiedung am nächsten Morgen verschläft der Brandobianer beinahe. Als er noch mit unsicheren Schritten und einem Stiefel in der Hand in die Bibliothek kommt, ist Vieles schon abgetan. Tarqetik blickt aus dem Fenster. Ein Wetter wie es ihm gefällt.

Nachdem er auch seinen zweiten Fuß beschuht und sich das Gesicht gerieben hat, tritt er zu Jaresh hin und reicht ihm seine Hand: „Werter Herr. Ich danke Euch für die Gastfreundschaft und die Arbeit. Nicht oft erhält man in meinem Metier mit Reiten und Reden sein Geld zu verdienen, es war eine angenehme Abwechslung. Ihr habt ein renommiertes Gemüt und eine guten Charakter. Mögen Eure Bemühungen diese Land befriedet zu halten Erfolg haben. Aber nun muss ich mich verabschieden, Stahl und Blut warten auf darauf einander zu begegnen. Ein Burgangriff ist eine Herausforderung und wer weiß, eventuell gibt es dann sogar etwas zu Plündern.“

Den letzten Satz sagt Tarqetik mit einem hörbaren Unterton von Zynismus. Dann verbeugt er sich kurz und stellt sich zurück an die Wand und wartet noch etwas ab, bis die Verabschiedung ihre Endgültigkeit erlangt hat.

Flannait Adair

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Gulasado
« Antwort #19 am: 15.12.2015, 23:35:26 »
Flannait hört Basilios Erklärungen ruhig zu bis er auf ihren Vater zu sprechen kommt. Das er sich anmaßt zu wissen was Semias gewollt hätte treibt ihr eine leichte Zornesröte ins Gesicht und in den grünen Augen
brennt die Wut und sie balllt sogar die Fäuste,  aber sie hebt die plötzlich eisige Stimme nicht als sie den Koraker anfaucht:
"Come puoi ti osare spia così eccedenza? Non hai idea di quello che avrebbe voluto mio padre e quello che non è disponibile. Quanto bene? Fino a pochi giorni fa non sapeva nemmeno che il Adair. Non avete idea di quello che la sua morte mi ha fatto sì, o che ha consegnato la follia e la paranoia di Adair Declan perché Semias stato l'unico deve Declan ancora di tanto in tanto sentito. ha voluto che siamo in grado di vivere in sicurezza e libertà, e non credo che i vostri amici Kargi il sarà solo accettare. Se avessero la forza militare, che ci avrebbero lanciare con gioia dalla loro foresta!"[1]
Aber das ehrliche Erschrecken, das sie in Basilios Augen sieht als er mit erhobenen Händen einen Schritt zurückweicht, schließlich weiß er von ihrer gemeinsamen Zeit an der Front nur zu gut wie gefährlich sie werden kann und sie trägt Dolch und Elfenklinge, lässt die Wut fast so schnell abflauen wie sie aufgestiegen ist, anscheinend ist ihr Informationsbedürfnis stärker als die Wut die Basilio mit seinen unbedachten Worten entfacht hat und sie bringt das Gespräch zurück zu ihren Fragen, wieder mit deutlich weniger Kälte in der Stimme.
"Ma che cosa avete discusso con Aisling e che dire Nalo?"[2]
Auf Basilios Bericht über Magos Versöhnungsangebot reagiert sie nur mit einem schnauben. Es fällt ihr schwer zu glauben, dass der große General der Kargi, der Totfeind ihres Volkes und Mörder ihres Vaters ernsthaft an Versöhnung interessiert sein könnte und sie kann sich kann sich recht gut vorstellen, wie Aisling und Declan jeweils auf die Geste reagiert haben dürften, aber mit einem Nicken und den Worten.
"Dovresti conoscermi abbastanza bene. Ma va bene, mi riprometto insieme. E ora finalmente dire!"[3]
Auf Basilios Bericht reagier sie nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln. Nach wie vor will das Bild, das Basilio von Mago und seinen Motiven zeichnet nicht zu dem Bild passen, dass Flannait seit so vielen Jahren vom Serogul der Kargi hat. Aber im Gegensatz zu Basilio bist Du ihm nie begegnet. Ausser das er deinen Vater getötet hat und die Grünhäute von Kezhdal in der Schlacht führt und eines Tages ihr nächster Gul sein wird, wenn sie nicht vorher Rache für ihren Vater nimmt. Aber wenn Aisling bereit ist das Risiko einzugehen und sich dafür so gar offen gegen Declan zu stellen, ist vieleicht was drann. Könnte er recht haben, könnte es wirklich eine Chance auf Frieden geben? Könnten die Kargi bereit sein, Jaylins Existenz zu akzeptieren und den Elninawald, oder zumindest einen großen Teil davon an die Adair abzutreten?

Das Bild das Basilio von Nola zeichnet kann sie schon eher glauben. Sie hat den Hauptmann der Blutmäntel stets als den Loyalsten Gefolgsmann ihres Großvaters erlebt und entsprechend wenig Sympatie hat zwischen ihnen geherrscht. Aber sie erinnert sich was ihr Vater ihr einst über den Hauptmann der Blutmäntel gesagt hat:
"Die Loyalität des Klingenmeisters ist absolut. Aber leider sie gilt nicht in erster Linie Jaylin oder unserer Familie. Sie gilt einzig Declan! Zweifle niemals, das Nola jeden Befehl deines Großvaters ohne Zögern ausführen wird."  Sie weiß nicht, wie sich der von Basilio beschriebene Verfall Declans in den Wahnsinn auf Nolas Loyalität ausgewirkt haben mag, aber wenn er sich immernoch Großvaters Willen verpflichtet fühlt könnte das in seinen Augen wahrscheinlich sogar einen Coup gegen Aisling rechtfertigen.
"Liam non è Adair. Ma hai ragione, a patto che ha comandato la guardia, che è fedele a Aisling stare quando mio nonno morì. E quando le cose non sono cambiate molto, nessuno nella stazione di polizia è un amico del maestro lama e dei suoi cappotti sangue . Ma lama contro lama nessuno è cresciuto in Jaylin Nola, e senza Aisling avrebbe avuto il potere di assumere se stessi come Torin Reggente ".[4]
"und bei Albabrilia und Adrededar, wenn er Aisling ermordet werde ich ihn töten, auch wenn ich Jahre der Vorbereitung brauche ehe ich eine Chance gegen ihn habe."

Basilios Eingeständnis seiner Liebe zu der Dariba kommt als eine komplette Überraschung und Flannait ist alles andere als Überzeugt, dass er die Wahrheit sagt und nicht lediglich versucht sie zu manipulieren.[5]
Sie hat ihn zu oft als brillianten Lügner erlebt um die Möglichkeit der Täuschung auszuschließen. Ihr ist noch kein Mann begegnet, zumindest nicht unter Menschen, der nur mit dem Kopf denken würde. Das Herz und andere Körperteile hatten stets auch eine Rolle gespielt, erst recht bei Verliebten. Aber sie glaubt ihm, dass er zumindest überzeugt ist nur mit seinem Kopf zu denken. Als er versucht die Flucht zu ergreifen packt sie ihn daher am Arm und hält ihn zurück und sieht ihm direkt in die Augen: "Aspetta, ti credo! Non mi fido tuoi amici Kargi ancora. Ma: Ho preso El Gakels soldi, così ho intenzione di partecipare all'attacco su Gulasado. Con il Kargi quando sembrano.
Se il Mago e il vostro amato può convincermi che vogliono veramente la pace per il bene della pace, e la loro gente li seguirà, allora si potrebbe avere ragione, e forse vale la pena provare. Ma in caso contrario, se ci sarà la guerra, in ogni caso, io non mi permetta di prendere la mia vendetta! "[6]
  Basilio kennt die Halbelfe gut genug um zu wissen, dass dies bereits mehr ist, als sie noch vor ein paar Tagen bereit gewesen wäre anzubieten.

 1. Kalamarisch: "Wie kannst Du es wagen Du dahergelaufener Spion? Du hast keine Ahnung, was mein Vater gewollt hätte und was nicht. Woher auch? Bis vor ein paar Tagen hast Du ja nichtmal gewusst, wer die Adair sind. Du hast keine Ahnung was sein Tod für mich bedeutet hat, oder das er die Adair Declans Wahnsinn und Paranoia ausgeliefert hat, weil Semias der einzige war auf den Declan noch gelegentlich gehört hat. Er hätte gewollt das wir in Sicherheit und Freiheit leben können, und ich glaube nicht das deine Kargi-Freunde das einfach so akzeptieren werden. Hätten sie die militärische Stärke würden sie uns mit Freunden aus "ihrem Wald" werfen!"
 2. Kalamarisch: "Aber was hast Du mit Aisling besprochen und was über Nalo?"
 3. Kalamarisch: "Du solltest mich gut genug kennen. Aber in Ordnung, ich verspreche mich zusammenzureissen. Und nun erzähl endlich!"
 4. Kalamarisch: "Liam ist kein Adair.  Aber Du hast recht, solange er die Wache kommandiert, wird sie loyal zu Aisling stehen wenn mein Großvater stirbt. Und wenn sich die Dinge nicht sehr geändert haben, ist niemand in der Wache ein Freund des Klingenmeisters und seiner Blutmäntel. Aber Klinge gegen Klinge ist niemand in Jaylin Nola gewachsen, und ohne Aisling hätte er wohl die Autorität sich selbst als Torins Regent einzusetzen."
 5. Motiv erkennen: 6
 6. Kalamarisch: "Warte, ich glaube Dir! Ich vertraue deinen Kargi Freunden nach wie vor nicht. Aber: ich habe El Gakels Geld genommen, also werde ich an dem Angriff auf Gulasado teilnehmen. Mit den Kargi wenn sie den auftauchen.
Wenn Mago und deine Angebetete mich überzeugen können, dass sie wirklich Frieden um des Friedens willen wollen, und das ihr Volk ihnen folgen wird, dann hast Du vielleicht recht und es vielleicht den Versuch wert. Aber wenn nicht, wenn es ohnehin Krieg geben wird, dann werde ich mir meine Rache nicht nehmen lassen!"
« Letzte Änderung: 16.12.2015, 00:26:03 von Flannait Adair »
"Nur ein toter Kargi ist ein guter Kargi!"

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #20 am: 16.12.2015, 11:26:02 »
Als Flannait ihm so plötzlich den Buckel zeigt, rutscht Basilio, um aus der Reichweite ihrer Krallen zu gelangen, zwei Schritt an der Stallwand entlang, bis er bemerkt, dass sich dadurch der Knoten an seinem Handtuch löst. Er hält inne, um alles erst einmal wieder zu sortieren und zurechtzurücken und dann mit einem besseren Knoten zu versehen.

Als Flannait mit ihrer Rede dann fertig ist, sieht er sie lange an. Man kann schon Angst vor ihr kriegen, wenn sie so wird. Wenn man selbst derjenige ist, den sie so anschaut. Andererseits: das kann ich auch.

Und doch ist seine Stimme nicht ganz so kalt wie ihre—härter als zuvor, leiser, gefährlicher, aber nicht so kalt—als er sagt[1]:

"Amell und ich waren sechs, als unsere Eltern vor unseren Augen hingerichtet wurden—ohne Vorwarnung, daheim, in unserem eigenen Innenhof. Eine kurze Verlesung der Anklage, ein Wink mit der Hand, und das Schwert fiel. Und wer gab diesen Befehl? Wessen Handwink nahm uns alles? Der Mann, den wir jetzt Vater nennen und wie einen Vater lieben.

Glaubst du nicht, dass ich mir in den letzten achtzehn Jahren nicht sehr viele Gedanken darüber gemacht habe, wessen Schuld es nun tatsächlich war? Dass ich nicht am liebsten die eine Person gefunden hätte, die ich dafür hassen, an der ich mich rächen könnte? Dass es mich nicht lange Jahre zerrissen hat, die Wahrheit nicht zu kennen, bis ich sogar einsehen musste, dass—egal wie sehr ich nachforsche, egal wie viele Lügen ich dabei aufdecke—ich die Wahrheit in ihrer seelenbefreienden Ganzheit niemals in den Händen halten werde? Sei es, weil es sie nicht gibt oder weil man sich niemals sicher sein kann, sie gefunden zu haben, denn immer könnte man ein wichtiges Detail noch übersehen haben oder einer Lüge aufgesessen sein."
Oder weil die Wahrheit noch so einfach sein kann, man sie aber nicht sehen und schon gar nicht akzeptieren will.

Bei diesem letzten, unausgesprochenen Gedanken ist Basilio sich selbst nicht sicher, ob er damit mehr Flannaits Situation oder die eigene meint.

"Und ich habe nicht einmal wie du den Trost, dass mein Vater ein Held war oder dass er uns geliebt hat, denn hätte er uns geliebt, hätte er sich nicht feige auf seiner Festung verschanzt, als der Befehl kam, sich vor Gericht wegen Hochverrat zu verantworten—weswegen Amell und ich auch noch zwei unserer drei Halbbrüder verloren haben, die bei der Verteidigung fielen. Glaub nicht, dass ich nicht ganz genau weiß, was du verloren hast! Aber man kann sich selbst wahnsinnig machen auf der Suche nach dem einen Schuldigen, der einen Wahrheit—weil es beides nicht gibt.

Wenn dein Vater dich also mehr geliebt hat als der meine uns, dann würde er nicht wollen, dass du dein Leben damit vergeudest—es gar wegwirfst—um ihn zu rächen. 'Kümmer dich um die Lebenden, Flannait', hätte er dich mit seinem letzten Atemzug gebeten, 'und lass die Toten ruhen.'"


Nach dieser Seelenentblößung hat Basilio endgültig genug von dem Verhör. Leicht bissig fügt er deshalb hinzu: "Über die anderen Punkte weiß ich nicht mehr, als ich bereits gesagt habe. Wenn es dir also nichts ausmacht, würde ich mich jetzt gern auf die Suche nach meiner Wäsche begeben—und dann ins Bett."

Damit lässt er sie stehen.

~~~

Vom Stall aus begibt sich Basilio auf leisen Sohlen, um die Bewohner des schlafenden Hauses nicht zu stören, zu der Kammer, die Mirtel ihm bedeutet hat. Das mit Flannait hat jetzt länger gedauert als erwartet und halb befürchtet er, die Magd schliefe bereits, doch auf sein zaghaftes Klopfen öffnet sich die Tür sogleich.

"Oh, verzeih, Du warst gerade selbst noch beim Bad", wispert Basilio erschrocken, als er Mirtel erblickt, auch sie nur mit Handtuch bekleidet. Nicht einmal die Zeit, sich den Schal um die Schultern zu wickeln, der dort überm Stuhl hängt, hat das brave Mädchen sich genommen vor lauter beflissenem Eifer. "Wenn ich kurz noch draußen warten soll, sag's."

Im Nachhinein scheint es ihm einleuchtend: sobald der Hausherr und die Gäste fertig sind, warum soll da nicht das Gesinde die Restwärme nutzen, wenn der Ofen und alles schon einmal eingeheizt ist? Einfacher kann man seine Leute nicht zufrieden halten.

"Ach geh, jetzt komm schon 'rein", wispert Mirtel ungeduldig zurück und zieht ihn dabei bereits ins Zimmer, was Basilio (gedanklich noch mit dem für ihn unauflösbaren Konflikt zwischen ihren Anweisungen 'geh' und 'komm' beschäftigt) verdutzt mit sich geschehen lässt. Noch mehr verdutzt es ihn, als Mirtel, kaum ist die Tür im Schloss, ihr Handtuch fallen lässt und dann flinker, als er begreift, was hier vor sich geht, den Knoten gelöst hat, mit dem er sich das seine um die Lenden gebunden hat. Sein Protest, aus dem ersten Schock geboren, geht in Mirtels Mund unter, mit dem sie gleich darauf den seinen bedeckt, wobei sie ihren ganzen Leib—ihren weichen, warmen, herrlichen Leib!—an den seinen drückt. Seine Hände begreifen, was sie zu tun haben, lange bevor sein Verstand es tut.

So plötzlich geschieht das alles, dass Basilio gar keine Zeit hat, aufgeregt zu sein oder sich Sorgen zu machen, er könne sich ungeschickt anstellen. Überhaupt macht Mirtel ihm alles so einfach. Zunächst lenkt sie ihn sicher zum Bett hinüber (er schwankt ein wenig), auf welches sie ihm voraussinkt, nur um ihn sogleich bei der Hand zu fassen und auf sich hinabzuziehen, sodann hat sie sehr genaue Vorstellungen, was er mit ihr anstellen soll, und gibt ihm wunderbar klare Anweisungen, die er mit einem Diensteifer befolgt, der jedem seiner bisherigen Befehlshaber noch entzücktere Seufzer entlockt hätte als er Mirtel entlockt, drittens lässt all ihr Seufzen und freudiges Schluchzen von Anfang keinen Zweifel aufkommen, wie sehr ihr alles gefällt, oh, und das hier noch mehr, und letztens ist die Sache eigentlich auch gar nicht so kompliziert, wie man sich das in seinem Unwissen zuvor vielleicht ausgemalt hat.

"Bleib", flüstert sie danach, als er sich schon erheben will. "Bleib die ganze Nacht."

Und Basilio bleibt. Und folgt ihren Anweisungen ein zweites Mal. Und noch einmal. Und... aber wer zählt sowas schon? Jedenfalls bringt ihm Mirtel noch so einiges bei, was ihm später im Leben sicher einmal nützen wird.[2]

So ist es kein Wunder, dass die weckende Hand viel zu früh an ihm rüttelt. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber der Horizont bereits in zartes Rot getaucht. Basilio zieht sich rasch an. Währenddessen steckt Mirtel schon den Kopf zur Tür hinaus, ob die Luft rein ist. Nach einem Abschiedskuss schlüpft Basilio hinaus[3], die zweite Garnitur—herrlich duftend sauber!—unterm Arm, und macht sich auf die Suche nach seinem Gepäck, und dann den anderen.

~~~

Frisch gewaschen und frisch entjungfert, mit beschwingtem Schritt und gut gelaunt tritt Basilio in die Bibliothek, in der er seine Kameraden versammelt vorfindet. Er wirft einen strahlenden Blick in die Runde, grüßt alle mit einem fast gesungenem: "Einen wunderschönen guten Morgen, meine lieben Weggefährten, Kameraden, Freunde!" und lässt daraufhin zuerst Flannaits ebenso saubere wie sauber gefaltete Wäsche in ihren Schoß (oder Arm, sollte sie stehen) fallen, danach sich selbst auf die nächste Sitzgelegenheit, wo er herzzerreißend gähnt. Nicht einmal die Kraft, die Hand dabei vor den Mund zu heben, scheint er aufbringen zu können.
 1. Natürlich auf Kalamarisch
 2. Und damit ist Basilios +4 Bonus vom Bad aufgebraucht.
 3. Stealth = 22
« Letzte Änderung: 17.12.2015, 13:45:58 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Sanjan, von den Bahir

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Gulasado
« Antwort #21 am: 16.12.2015, 23:42:41 »
Sanjan hat am Tisch den Kopf gesenkt, nachdem Siola den Raum verlassen hat. Er überlegt und überlegt, was sie so verstören könnte. Doch mindestens aus Müdigkeit fällt ihm nichts ein. Das ihr Onkel und alle anderen ruhig bleiben, lässt ihn zumindest auch am Tisch bleiben. Schließlich, wenn es etwas ernstes wäre, würde keiner sie alleine lassen.
Den Gesprächen folgt er nur beiläufig. Irgendein Gerede um Stoffe oder ähnliches interessieren ihn kaum. Erst als Manik zu sprechen beginnt, blickt er kurz auf. Ihn interessiert es schon, was der Nordmann mit der Frau und den Banditen zu tun hat. Irgendwie ist ihm aber auch so, dass der ehemalige Gefangene meinte es sei sein Mädchen. Also von einer Gefangenen die befreit werden musste war wenig gesprochen worden. Aber gut, so wissen nun alle, dass Manik noch andere Pläne hat.

Nach dem Essen geht es dann auch schon zur Sauna. Sanjan verschwindet für eine Weile und betritt mit einem Hornbecher und einem großen Krug den heißen Raum als letzter. Sein Handtuch ist nichts mehr als ein einfaches Tuch. Genug um seine Länden zu bedecken. Für die meisten Anwesenden ist neben der schlanken elfischen Gestalt, nun auch die über den ganzen Körper verteilten Linien und Symbole sichtbar. Normaler weise trägt er ja reichlich Fell und Rüstung.
Als ihn Flannait auf elfisch grüßt und anspricht, er schenkt gerade den Becher ein, hält er kurz inne. Dann grüßt er zurück, indem er die Hand mit dem Becher vor seine Brust bewegt und schüttelt den Kopf. „Die Zunge meines Vaters ist mir fremd.“ erwidert er und macht weiter. Als ersten recht er Jaresh den Milchtrunk. Wärend der Becher wandert, sorgt er dafür, dass er nicht leer wird und nimmt dabei selbst verfreilich auch einige Züge. Das warme Getränk schmeckt deutlich nach Pferdemilch. Doch nicht wie erwartet einfach nur cremig und alkoholisch, sondern die Zunge fängt sofort an zu kribbeln und eine deutliche Schärfe steigt auf. Er selbst behauptet, dass ihn der Trunk gut gelungen war.
Je mehr der Schamane selber trinkt, desto lockerer wurde er. Die Behandlung mit den Birkenzeigen nimmt er gerne an und lässt dem Mann auch Brust, Arme und Beine behandeln. Dabei erzählt er, dass in seinem Stamm Erdsaunen beliebt sind. Sie auch oft die Birkenmassage nutzen und amliebsten das ganze im Winter machen. Irgendwann beginnt er Kirus auszufragen. Was wohl bei seinem Stamm an Sauner üblich sei. Ab und zu sagt er auch einige Worte in Deji. Hier meint er, dass Trinken und die Birkenmassage grenzen an die Altersprüfung. Dann fragt er den Deji was dieser machen musste, und erzählt von seiner ersten Jagt. Wie er als erstes einen Hasen erlegt hatte und dann damit einen Wolf anlockte, welchen er als Beute ins Dorf bringen konnte.
Im Lauf des Gespräches, fragt er Kirus, ob dieser wieder zu seinem Stamm zurück wolle und ob es in der Armee noch mehr Deji gab. Ihm interessierte der Weg des Jungen offensichtlich.
Als es dann zusammen mit dem alten Bürgermeister in den Kälteraum ging, freute sich der Schamane riesig. „Fasst so gut wie Schnee.“ meinte er und stieg ins Wasser. Sonderlich lange hält er es aber nicht im Wasser aus, doch es ist kaum weniger als das was die Anderen abkönnen. Am Ende sitzt er an einer Wand des Raumes und schaut zu wie die Anderen das Wasser probieren.

Nach der Sauna, vor dem schlafen gehen, schaut er noch einmal nach seinem Wolf. Fast den ganzen Abend war das Tier kaum zusehen. Er hatte sich seinen Teil vom Essen geholt und war verschwunden. Das Tier hatte hart gekämpft und wollte sich nur noch ausruhen. Vorsichtig, ohne den Wolf zu wecken, streichelte der Schamane über das Fell des Tieres. Die Pfoten sahen gut aus und mit genug Essen wird Grimnir sich bald erholt haben.

Nach der kurzen Nacht, gesellte sich der Schamane zu den anderen. Seine Sachen hatte er vor der Sauna zum Lüften auf gehongen und nun waren sie wieder deutlich frischer. Über die Tage hatte er sicher genug Zeit um die Kleidung zuflicken und einzelne Stücke zu waschen.
Als Siola ihn bei Seite nimmt, folgt er ihr. Ruhig und mit gesenkten Blick hörte er zu. Warum war ihm dies letzte Nacht nicht eingefallen? „Mach dir keinen Kopf. Ich verstehe. Trauer ist Trauer.“ Kurz, um sie aufzumuntern, lächelt er und berührt sie am Arm. Dabei wird er leicht rot. Die nächsten Worte die er sprechen will, kommen nicht über seine Lippen. Still steht er einfach da. Ist hier und wenn sie wollte auch ein Halt. Denn es gab keine Worte die wirklich Trost sprechen konnten. Es war an Siola, die Trauer nieder zu legen und sich an ihren Bruder so zu erinnern wie er war. Diesen Schritt konnte sie aber nur alleine Unternehmen.

Jamir Masaad

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Gulasado
« Antwort #22 am: 17.12.2015, 11:11:09 »
Jamir erhob sich nach dem reichlichen Mahl von der Tafel und spricht zu Jaresh: „Ich danke Euch für eure Gastfreundschaft und dieses vorzügliche Mahl. Es war mir eine Ehre teilhaben zu dürfen.“ Danach sah er an sich herunter und sprach abermals in die Runde: „Wenn Ihr mich für einige Momente entschuldigt, ich muss mich meiner Rüstung entledigen bevor wir das Dampfbad aufsuchen. Ich werde Euch dort treffen, sofern Ihr nicht mehr hier seid wenn ich wiederkehre.“ Mit diesen Worten verschwand der kleine Mann.

Auf dem Zimmer angekommen verstaute Jamir seine Waffen in der Truhe vor dem Bette. Danach schnürrte er den Bänderpanzer auf, zog ihn aus und verstaute ihn ebenfalls in der Truhe, die genügend Platz für die kleineren Ausgaben seiner Ausrüstung bieten sollte. Und so ging er gekleidet in etwas ausgetretenen Lederstiefeln, einer Leinenhose samt einfachem Hemd und Wollweste wieder zur Tafel im Haupthaus. Jeder konnte sehen, dass Jamirs Kleidung nicht mehr die Neuste war, dafür aber tadellos sauber. Über allem prangte des hölzerne Symbols Ranas an einem Lederband.

Im Dampfbad konnten die Gefährten nun auch einen Blick auf den Halbling ohne seine schwere Rüstung werfen. Er hatte dünne Ärmchen und Beine und weder eine breite Schulter noch Brust. Der geneigte Beobachter fragte sich vielleicht, wie der kleine Bursche all das ganze Geraffel, vor allem die schwere Rüstung, mit sich herumschleppen konnte. Ganz offenbar war er zäh wie nichts Gutes, anders ließ es sich nicht erklären. So saß der Kurze schweigend in der Sauna und genoss sichtlich die Hitze. Zwar rann ihm auch der Schweiß in Strömen über die Haut, dennoch murrte er nicht ein einziges Mal. Die vergorene Pferdemilch kostete er, doch bei der zweiten Runde reichte er sie weiter ohne erneut davon zu trinken. Als die Birkenzweige angeboten wurden, lehnte er dankbar ab. Soweit kommt es noch…

Jedoch der Besuch im kühlen Nachbarraum war mehr nach seinen Vorlieben. Er ließ sich auch nicht lange bitten und stieg schnurstracks in das Becken mit dem eisig kalten Wasser. Außer einem wohligen Aah entfuhr ihm auch hier kein Laut, nicht so wie dem verweichlichten Basilio. Jamir sah mit seinem ernsten Gesicht in die Runde und stieg erst nach einer beachtlichen Weile wieder aus dem Wasserbad und sprach zu Jaresh. „Immer wieder eine Wohltat für Körper und Geist, eine solche Behandlung. Auf Reisen komme ich zu selten in derlei Genuss.“

Wieder auf dem Zimmer mit dem Waldburschen und dem Hünen zog er sich auf sein Bett zurück und begann ein kurzes Gebet in der Zunge der Halblinge. Um die Kameraden nicht zu stören murmelte er leise aber dennoch hörbar vor sich hin. Dann löschte er seine Kerze, zog sich bis auf Unterkleidung aus und begab sich zur Nachtruhe.

Am nächsten Morgen war Jamir mit den ersten Sonnenstrahlen bereits auf den Beinen. Er legte seine Rüstung und andere Habseligkeiten an und begab sich für ein ausdauerndes Gebet in die Frische des Morgens. Auf dem Gelände des Herrenhauses suchte er sich eine ruhige Ecke unter freiem Himmel und vertiefte sich ein Gebet an seinen Herren. Nach diesem täglichen Ritual ging er zur Speisetafel und kam wohl gerade noch vor Basilio an, um dessen freudigen Morgengruß mit seiner ihm typischen Ernsthaftigkeit zu erwidern. „Einen guten Morgen im Namen des Friedens.“

Manik

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Gulasado
« Antwort #23 am: 17.12.2015, 19:02:02 »
Ein Pfeil zischt nur knapp an seinem Kopf vorbei, bevor er den Schützen ins Visier nimmt und ihm seinerseits mit einem gezielten Schuss das Leben nimmt. Der Körper des Leblosen fällt noch ein paar Meter in die Tiefe, bevor er mit einem dumpfen Geräusch auf der staubtrockenen Erde aufkommt. Hastig hechtet er als letzter durch den steinernen Durchgang und zieht die schwere Holztür hinter ihnen zu. Zwei sofortige Einschläge verraten ihm, dass er bereits von anderer Stelle ins Visier genommen wurde. Erschöpft sinkt er zu Boden.
Der Raum in den sich die Gruppe zurückgezogen hat ist ca. 15 Fuß lang und breit und bietet keine weiteren Ausgänge. Rechts und links neben der Tür sind zwei kleine Öffnungen, Fenster, verschlossen. In der Mitte steht ein schwerer Eichentisch mit einem Kerzenständer, möglicherweise aus Messing, der ein unruhiges, flackerndes Licht in den Raum trägt. Der Waldläufer blickt in die Augen seiner Kameraden. Teils wirken sie gefasst, teils ängstlich, teils wütend.
Scheiße!“, flucht der Fhokki lautstark. Von draußen sind weitere Schreie zu vernehmen. Befehle. „Du Idiot!“. Sanjans Stimme. „Was hast du vorhin an ‚leise ausschalten‘ nicht verstanden?“ Die Hand des Schamanen ist von einem blutigen Fleck umgeben, die der Dejy auf eine Wunde presst. Zwischen zwei Fingern lugt der Schaft eines Pfeiles hervor. In seinen Augen liegt Wut. „Ich werde ihn nicht retten können, die Wunde ist zu schwer.“, blafft er. „Weil Mr. Clever sich gedacht hat, ‚hey, weiche ich mal vom Plan ab‘ und sich dabei noch so unglaublich blöd angestellt hat, gut gemacht! Wie wäre es damit, das nächste Mal nicht daneben zu schießen? Sofern es ein nächstes Mal gibt.“.
Ich… aber… Helga…“ beginnt Manik zu stammeln, ehe Sanjan ihm ins Wort fällt. „SCHEISS DRAUF! Hättest uns eben mal früher von ihr erzählt, Trottel.“. Panik macht sich im Gesicht des Fhokki breit, man sieht ihm an, dass er nicht weiß, wie er darauf reagieren soll. In dem Moment erklingt eine Stimme von draussen. Eine Männerstimme, kräftig und laut. Im Raum wird es schlagartig stiller, alle wollen wissen, was es zu hören gibt.
KÄMPFER. Ihr sitzt in der Falle. Euer Plan ist gescheitert. Aber ich bin gütig. Schickt mir den Bogenschützen raus, den Fhokki und ich lasse den Rest gehen.
Maniks Augen weiten sich, doch noch ehe der erste Gedankengang dazu, seinen Mund verlässt, packt ihn schon jemand kräftiges am Kragen und zieht ihn mühelos auf die Beine. Bevor er sich versieht, wird er durch die offene Tür nach draussen gestoßen und fällt dort zu Boden. Eine kräftige, bekannte Stimme brüllt von hinten: „DA HABT IHR IHN. LASST UNS GEHEN.
Draussen bietet sich dem Fhokki ein Anblick des Grauens. Auf dem Hof stehen einige Soldaten mit blank gezogenen Schwertern. Oben auf den Wehrgängen haben sich Bogenschützen versammelt, einen Pfeil eingelegt. Das alles wird umrahmt vom Morgenrot der grade aufgehenden Sonne. Doch am meisten schockiert ihn der Anblick des Mannes in der Mitte des Platzes. Hochgewachsen, nein das ist untertrieben, riesig und muskulös, vermutlich der Anführer. In einer Hand ein Schwert, welches auf die Kehle eines blonden Mädchens zeigt. „Komm näher!“, befiehlt der Mann. Es ist die Stimme von eben. Mühselig rappelt der Fhokki sich auf und schlurft auf den Mann zu, bis der ihm wieder befiehlt zu halten. Verzweiflung macht sich in ihm breit, als sich die Tragweite der Szenerie in ihm ausbreitet. Er blickt Helga in die Augen und sieht nichts als Todesangst. Tränen rinnen dem Mädchen die Wange herunter.
Na dann.“, beginnt der Anführer wieder zu sprechen. In seiner Stimme liegt was Bedrohliches, was Wahnsinniges. Eine kurzgeschnittene Frisur, ziert einen markanten, eckigen Kopf. Die gelben Augen blicken auf Manik herab, wie die einer Schlange, kurz vorm zuschnappen.
Ich wollte eigentlich nur einen von euch haben, um Spaß mit ihm zu haben. Ihr habt versagt. DU hast versagt und ihr werdet alle sterben. Manche später. Manche früher.“. Maniks Augen weiten sich. Mit den letzten Worten zieht der Mann sein Schwert über den Hals des Mädchens. Blut quillt hervor und besudelt sofort Kleidung und Haut. Leblos sinkt sie zu Boden. Direkt danach wird der Fhokki von was hartem, stumpfen am Hinterkopf getroffen und fällt ausgeknockt voraus in den Staub.


~~~


Du hast versagt. Versagt!

Erschrocken wacht er auf, sitzt senkrecht im Bett. Die Atmung geht schnell, sein Puls rast. Als er mit der Hand über seine Stirn fährt, spürt er kalten, nassen Schweiß an seinen Fingern. Bevor er sich die Augen reibt, wischt er den Schweiß an der Decke ab. Sein Kopf schmerzt. Langsam öffnet er die Augen und wartet, bis er um sich rum etwas erkennen kann.
Dann erinnert er sich an das Ende des Traums. Helga! Erschrocken schüttelt er sich im Bett, wirft die Decke zur Seite weg und setzt die Füße auf dem kalten Boden ab.
Manik atmet mehrmals tief ein und aus und versucht so, sich zu beruhigen. Sein Kopf schmerzt sehr. Hat er gestern etwas über die Stränge geschlagen?
Auch die Bilder an den Abend davor sind trübe, aber doch noch erkennbar. Viel ist doch nach Basilios Konfrontation im Speisesaal nicht mehr geschehen. Er ist mit Baden gegangen. Hat jemanden der ihm seine Kleidung reinigt gefunden. Hat den Mann mit den Birkenzweigen grimmig angeguckt und die Hitze genossen. Anschließend ist er mit in das kalte Wasser, was ihm etwas Leben eingehaucht hat. Was hat nur diese verfluchten Kopfschmerzen verursacht? Dann fällt es ihm wieder ein. Mittendrin hat Sanjan noch seinen Trunk rumgereicht. Ist das die Ursache? Verdammte Kopfschmerzen!
Verdammter Traum! Auch erhält Flannaits Bemerkung vom Abend deswegen wieder Einzug in Maniks Kopf. Mit ihren Gedanken Helga zu benutzen. Niemals würde er zulassen, dass jemand Helga zusätzlichen Gefahren aussetzt. Er muss alles tun, um sie zu beschützen. Er darf nicht versagen.
Erst jetzt bemerkt Manik, dass es abgesehen von seinen Atemzügen still ist in dem Raum. Ganz still. Er will und kann jetzt aber nicht darüber nachdenken, warum Basilio nicht hier ist. Diese Kopfschmerzen! Frische Luft wird bestimmt helfen.
Leise zieht der Fhokki sich ein dünnes Gewand über und will schon zur Tür hinaus schleichen, als er nochmal umdreht und sich seinen Köcher umhängt und seinen an die Wand gelehnten Bogen mitnimmt. Dann öffnet er vorsichtig die Tür zu dem Schlafgemach, schließt sie hinter sich wieder und geht leise den Gang entlang.[1] Manik fühlt sich müde und durcheinander, als er durch den dunklen Gang schleicht und gähnt herzhaft in seine Hand. Lediglich unter einer Tür ist wage flackernder Kerzenschein zu erkennen.
Unten angekommen schaut er, ob auf dem Tisch noch irgendwas Essbares liegt, doch anscheinend sind die Speisen vom Abendmahl weggeräumt worden. Leise schlüpft er auch durch die Haustür und schaut nach, ob diese von außen problemlos aufgemacht werden kann. Falls nicht, muss er nach etwas zum dazwischen legen suchen. Erleichtert atmet er ein paar Mal tief ein und aus, als er die kalte Nachtluft an seinen Armen spürt. Es ist kälter, als er gedacht hat, deswegen geht er sofort los.

Verdammt! Was mache ich hier eigentlich. Mitten in der Nacht draußen rumrennen. Nicht, dass mich noch jemand sieht und für einen Dieb hält. Hm. Da hinten sieht es so aus, als wäre man dort halbwegs vor neugierigen Blicken aus dem Haus geschützt, sollte es welche geben.
Wenn Helga irgendwas passiert, werde ich mir das nie verzeihen. Scheiße! Ich hätte die Leute früher in Kenntnis setzen müssen. Wie konnte ich nur so blöd sein? Aber was soll ich jetzt daran ändern? Die Verbrecher auf der Burg müssen auf jeden Fall bestraft werden für ihre Taten, müssen leiden! Auch Bosol muss das, trotz seiner Hilfe. Er war bei der Entführung beteiligt!


Als Manik wieder zu sich kommt, hält er seinen Bogen gespannt in der Hand und sieht sich auf einen Heuballen zielen. Ein Pfeil steckt bereits. Er lässt die Sehne los und der zweite Pfeil schlägt nur Zentimeter neben dem Ersten ein. Erleichtert atmet Manik aus und nimmt einen weiteren Pfeil aus dem Köcher. Er spürt wie ihm das Schießen gut tut und ihn entspannt. Dritter Schuss. Wieder ein guter. Der Hauch eines Lächelns zeichnet sich auf den Gesichtszügen des Fhokki ab.

Eine halbe Stunde später hat Manik den ganzen Köcher leergeschossen und seine Kopfschmerzen sind verschwunden. Nur die Müdigkeit ist noch da. Nachdem er die Pfeile eingesammelt hat, tapst er zurück ins Haus, um sich wieder schlafen zu legen. Auf dem Rückweg in das Zimmer, fällt ihm wieder das Zimmer auf, in dem noch jemand wach zu sein scheint. Schlagartig bleibt Manik stehen, weil er denkt ein Geräusch aus dem Zimmer gehört zu haben, doch jetzt scheint es wieder verschwunden.[2] So geht er schnurstracks zurück ins Zimmer, lehnt seinen Bogen an die selbe Stelle wie vorhin und geht wieder schlafen. Basilios Bett ist nach wie vor leer.

Am nächsten Morgen betritt der Waldläufer als einer der letzten die Bibliothek. Lediglich die zwei Winzlinge erscheinen noch nach ihm und der Eine scheint ebenso müde zu sein, wie er selbst. Als der Koraker herzhaft gähnt, kann sich Manik seinerseits ein Gähnen auch nicht verkneifen. Der kleine Ausflug in der Nacht, war doch noch deutlich zu spüren. Schlagartig erinnert der Fhokki sich wieder an den flackernden Kerzenschein unter der Zimmertür und Basilios leeres Bettchen.
Na, wo waren wir denn die Nacht?“, wirft er ihm zwinkernd zu, ohne freilich eine Antwort zu erwarten. Stattdessen schlurft er direkt zu Jemma und lächelt ungewohnt freundlich und aufrichtig. „Was trinkst du da? Kräutertee? Pass auf, dass du dich nicht noch zu gesund ernährst. Und pass mir mal gut auf Jaresh und natürlich auch dich selbst auf. Wenn hier irgendwas im Gange ist, werden gewisse Personen nicht allzu erfreut über die letzten Ereignisse sein.
 1. Heimlichkeit: 16
 2. Wahrnehmung: 27

Flannait Adair

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Gulasado
« Antwort #24 am: 18.12.2015, 23:39:51 »
Für jene die vor dem Frühstück den Hof überqueren mag sich ein seltener Anblick bieten. Bevor sie sich zum Frühstück in der Bibliothek einfindet, trainiert Flannait, wie jeden Morgen mit ihrer Elfenklinge.
Jedem der fließenden, elganten Bewegungsabläufe, unterbrochen von schnellen präzisen Stößen beobachtet wird klar werden, warum die Elfen diese Form des Trainings Claimthe rince, den Schwertertanz nennen.
Tarquetiks von der Arena geschultem Auge dürfte auffallen, das der Stil der Halbelfe offenbar niemals Kraft gegen Kraft stellt sondern stattdessen auf Gewandheit und Reaktion setzt, sie wird gegnerische Schläge nicht blocken sondern sie ableiten oder ihnen ganz gleich ausweichen.
Nur Basilio hat Flannait schon trainieren sehen, was das anbelangt, er hat sie kämpfen sehen mit der selben präziesen und  tödlichen Eleganz mit der sie hier über den Hof tanzt.
Heute verpasst er sie aber, da er als letzter kommt, zu einer Zeit da Flannait nicht nur ihr Training längst beendet hat, sonder sich auch schon in der Bibliothek eingefunden und sich zu dem herzhaften Frühstück einen Becher von Jemmas ausgezeichnetem Tee erbeten hat.
« Letzte Änderung: 26.04.2016, 19:34:01 von Flannait Adair »
"Nur ein toter Kargi ist ein guter Kargi!"

Khenubaal

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Gulasado
« Antwort #25 am: 22.12.2015, 12:33:15 »
Als alle Gefährten sich schließlich versammelt haben, lässt Jaresh noch ein reichhaltiges Frühstück auftischen. Inga und Mirtel sind die beiden Mägde, die frisches Brot, sowie Schinken, deftigen Käse, aber auch Reste vom gestrigen Abendmahl hereintragen und den Gästen schließlich Tee oder Fruchtsaft anbieten. Als Mirtel an Basilio vorbeikommt, lächelt sie ihn schelmisch an und zwinkert ihm kurz zu.

Schließlich verlassen die beiden Frauen den Raum wieder. Der Gutsherr wendet sich seinen Gästen zu und die Gespräche rund um die niedrigen Beistelltische in der Bibliothek beginnen.[1]

Bei Maniks Worten an Jemma, kichert der Halbling zunächst, nickt aber dann ernst, als Manik seine Warnung ausspricht. "Ja, du hast recht, Nordmann. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich aus dem Süden komme, aber irgendwie reicht mein Vertrauen in die Leute hier nicht so weit, wie das von Jaresh." Sie schaut kurz hinüber zu dem Gutsherren, der eben in ein Gespräch mit Tarqetik vertieft ist. "Zumindest nicht bei allen", fügt sie etwas gedankenverloren hinzu.

Dann blickt Jemma wieder zu Manik und ihr typisches Lächeln ersetzt die trübsinnige Miene von einem Augenblick auf den anderen. "Aber du pass mir auch auf dich auf, ja? Du warst ja auch sonst nicht der Hellste, und seit du von dieser Helga gehört hast, scheint dein Kopf noch windiger geworden zu sein, als er ohnehin schon war." Der Halbling gießt Manik noch ein wenig Kräutertee in dessen Tasse nach. Auch wenn sie aus allem einen Witz zu machen versucht, merkt der Fhokki, dass es Jemma ernst und ehrlich meint. "Versprich mir, dass du dich nicht heldenhaft abstechen lässt, in Ordnung? Ich habe lieber einen Feigling, der feige und spitzfindig die Braut rettet und mit ihr wieder hierher zurückkommt, als einen Helden, der ehrenvoll bis zum Tod ihre Leiche verteidigt."

Derweil hört Jaresh Tarqetiks Ausführungen zu und nickt schließlich. "Ich habe zu danken, Recke. Ihr seid ein vielschichtiger Mann, Tarqetik. Ihr standet auf dem Sand der Arena, aber man hört heraus, dass ihr auch die schönen Dinge im Leben zu erkennen vermögt. Das ist eine seltene Gabe. Die meisten, die gut sind im Krieg, können mit dem Frieden wenig anfangen. Das ist ein grundsätzliches Problem unserer Welt. Ihr seid da eine Ausnahme. Mehr Männer dieser Sorte täten jedem Landstrich gut - auch wenn ihr euch selbst dadurch arbeitslos machen würdet. Ich hoffe, ihr habt Erfolg und wir sehen uns in Kürze hier zu einer weiteren feier wieder."

Danach verabschieden sich die Gefährten von Jaresh, Jemma, Siola und den anderen Bewohnern des Gutes. Als sie bereits aufsitzen wollen, stellt Sanjan fest, dass Kirus seinen Rappen nicht losgebunden hat. Der junge Dejy kommt rüber zum Schamanen.

"Jemma on keelatud mul minna koos teiega piiramisrõngas. Aga ma loodan, et sa tuled hiljem taas pärast Dorwida."[2] Der junge hält kurz inne und schaut zu Boden. Er ist offensichtlich verlegen. Schließlich fügt er noch hinzu: "Ma oleks siis küsida teie nõu, šamaan."[3]

Danach reitet die Gruppe davon, verlässt das inzwischen vertraut gewordene Gut und macht sich abermals auf den Weg nach Dorwida. Mit frischen Kräften ausgestattet und ausgeruht fühlen sich die Gefährten beschwingt. Die Entbehrungen der letzten Tage sind nicht vergessen - zu frisch sind die Narben, zu frisch die Verbände um die Verwundungen - doch sie sind ein wenig weiter hinter den Dunstschleier der Erinnerung entrückt.

Die Gefährten kommen zum vereinbarten Zeitpunkt im Dorfzentrum von Dorwida an. Schon während sie sich dem Platz nähern, ist das Gemurmel aus Dutzenden von Kehlen und das Scharren vieler Hufen zu vernehmen. Offensichtlich herrscht auf dem Platz geschäftige Betriebsamkeit.

Als sie schließlich über eine der Dorfstraßen auf den Platz einbiegen, ist dieser bereits übervoll von der zusammengezogenen Garnison. Knapp fünfzig Mann - ein Dutzend davon zu Pferd - in den Uniformen des gakelitischen Heeres haben sich auf der braunen Asche zusammengefunden. Noch stehen sie locker in kleineren gruppen un unterhalten sich. Mehrere Proviantwagen stehen an einer Seite des Platzes bereit und werden den Tross wohl begleiten. Die Gefährten erkennen neben der Verpflegung auch Zelte, Brennholz und Werkzeug auf den Trageflächen. Einer der Wagen gehört offensichtlich dem Feldscher - als dieser Sanjan erkennt, lächelt er und winkt dem Schamanen zu.

Ringsum in den Gassen haben sich abermals die Bewohner Dorwidas versammelt und beobachten die Prozession voller Neugier. Einige erkennen die Gefährten als die Boten aus Kezhdal, die gestern der Verhandlung eine so große Wendung gaben. Manche von Ihnen Buhen, andere beklatschen die Gruppe.

Schließlich treffen die Gefährten auf Ejdarn, die gerade mit einigen Feldwebeln die letzten Details vor dem Aufbruch bespricht. Die Kommandantin mit dem feuerroten Haar wendet sich der Gruppe zu, sobald sie diese bemerkt. Sie begrüßt sie knapp und militärisch streng, aber dennoch offenherzig. Offensichtlich ist die blinde Wut, die sie bei der Erwähnung von Sildans Namen am Vortag gepackt hatte, wieder der Kontrolle gewichen, die sie auch sonst immer auszeichnet. "Schön, dass ihr pünktlich da seid", sagt sie schließlich. "Der Tross bricht in Kürze auf. Ich habe mir Gedanken gemacht über unser Vorgehen und wir haben mit Bosol einen aktuellen Grundriss von Gulasado erstellt. Wenn wir heute Abend rasten, besprechen wir unser Vorgehen im Detail."
 1. Ihr habt ja OOC schon vereinbart, wie ihr die Belohnung aufteilen wollt (zumindest die Münzen). Sanjan kann das in seinen nächsten Beitrag einbauen (was macht ihr mit dem lumerischen Stahl?)
 2. Dejy: Jemma hat es mir verboten, mit euch zur Belagerung zu ziehen. Aber ich hoffe, ihr kommt nachher noch einmal nach Dorwida.
 3. Dejy: Ich möchte dich danach um deinen Rat erbitten, Schamane.

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #26 am: 22.12.2015, 16:30:25 »
Dass Basilio ihr nicht beim Training zuschaut, kann Flannait gar nicht genug verwundern. Eigentlich hätte sie sogar erwartet, dass er sie zum Trainingskampf auffordert. In Korak seinerzeit hat er eine solche Gelegenheit selten verpasst und er war der einzige gewesen, der sich tatsächlich traute, mit der flachen Hand auf den Boden zu schlagen, wenn sie ihn mal im Schwitzkasten hatte – die meisten seiner Kameraden wären lieber erstickt, als aufzugeben – oder der bei einer Niederlage grinste und rief "Huch, wieder was gelernt!" Und genau deshalb hätte Flannait ihn eigentlich frühmorgens auf dem Hof erwartet: damit sie ihm all die Kniffe zeigen möge, die sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt hat. Die wird er sich wohl kaum entgehen lassen wollen! Ist er sauer auf sie wegen gestern im Stall? Oder bloß zu erschöpft? Sauer sieht er eigentlich nicht aus...

Beim Frühstück schlägt Basilio noch einmal ordentlich zu. Als Mirtel ihm zuzwinkert, zwinkert er zurück und stellt zu seinem Erstaunen fest, dass er dabei nicht einmal rot wird! Zumindest wird sein Gesicht nicht heiß, woraus er schließt, dass es auch nicht rot ist. Zumal er sich nicht ein bisschen schämt. Nicht einmal später, als er sich artig beim Hausherrn verabschiedet. Es ist ja schließlich nicht die Tochter, die er verführt hat. Und eigentlich hat Mirtel ihn verführt, nicht er sie, aber so braucht man die Geschichte ja weder zu erzählen noch selbst in Erinnerung zu behalten.

Sogar sein Pferd, das er sonst nur mit "Na, du widerborstiges Riesenbiest" anredet, begrüßt er heut morgen mit einem herzlichen: "Na, mein Herz, hast du auch gut geschlafen? Ist das nicht ein herrlicher Tag? Magst du ein Stück Apfel?"

Auf dem Ritt ins Dorf schweigt er dagegen. Spricht ihn jemand an, scheint sein Blick aus den tiefsten Gedanken zurückzukehren und sich nur mühsam auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Erst die aufgeregte Stimmung in Dorwida lässt ihn so richtig wach werden.

Wie schon am Vortag versucht er die Buhu-Rufer aus der Menge herauszupicken und sich deren Gesichter zu merken. Noch interessanter fände er es aber zu wissen, wer nicht laut schreit und dafür im Stillen grollt. Gibt es da Leute, die sich irgendwo im Hintergrund herumdrücken, die ihn und seine Gefährten besonders missmutig oder von der Seite her anschauen?[1]
 1. Perception = 11; Sense Motive = 21
« Letzte Änderung: 22.12.2015, 16:32:15 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Tarqetik

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Gulasado
« Antwort #27 am: 23.12.2015, 17:31:12 »
Der Mann Jaresh beschäftigt noch lange Tarqetiks Gedanken. Nachdem sie sich verabschiedet haben, die Pferde gesattelt und beladen wurden hängt er noch immer im Rückblick auf die letzten Worten des Haus- und Hofherrn. Erde und Holzbretter eines eigenen Heims und Feldes statt dem Rücken eines Pferdes und den Zelten bei Regenwetter. Das Eisen der Waffen geschmolzen und zu Hammer und Flug umgearbeitet. Das Leben als friedlicher Bürger, das könnte doch schön sein. Im Alter im Bett sein Leben zu beschließen.

Mit schwacher Hand greift Tarqetik den Stattelknauf und hebt sich hinauf. Die Zügel gegriffen, die Fersen aufgestellt und mit leichtem Druck setzt sich das Pferd in Gang. Die weiten grünen und dunklen Felder ziehen seinen Blick auf sich und führen die Gedanken fiktiv fort: „Mit Haus und Feld kommen Kinder und Familie, Freunde, Nachbar. Auf ewig.“  Der Krieger blickt auf seinen bewehrten Handschuh, ob diese Hand auch einen Pflug oder eine Sense richtig halten und führen könnte, Kinder streicheln und dann alt mit Runzeln versehen eine Pfeife stopfen. Dann öffnet der Krieger mit einem tiefen Seufzer seinen Geist, lässt die Gedanken hinaus und frische Luft in seinen Körper. „Wahre Freunde findet sich nicht nur im Haus sondern auch auf dem Feld. Dort vielleicht sogar etwas mehr.

Wieder in Dorwida sieht er die Gardesoldaten und schon ist seine Stimmung eine bessere. Bekannte Gerüche, Geräusche von Männern mit Freude, unbekümmert  und Heiterkeit in der Stimme. Noch keine Spur von Nervosität vor dem anstehenden Feldzug. So soll es sein, die Zukunft mit ihren Gefahren verleugnen, sich keine dunklen Wolken aufs Gemüt sich legen lassen, das schafft nur eine schlechte Grundhaltung und kann in Notsituationen in fehlender Entschlossenheit aufgehen.

Tarqetik schnalzt mit der Zunge vergnügt auf. Nicht nur wegen der Soldaten und der Heerschau, sondern auch wegen einer rothaarigen Kommandantin. „Um nichts was Dorwidas Umland zu bieten hat, würde ich mir das Vergnügen hier nehmen lassen. Ihr habt hier ja einen netten Haufen zusammengestellt.“ Beachtend blickt sich der Krieger nochmals um. „Ein Heer könnte man sagen. Könnte man. Wird sicher eine erwähnenswerte Tätigkeit. Da mischt sich wohlige Wärme ins Blut, bei so viel guter Moral. Wo, bei welcher Fahne und Abteilung werde beziehungsweise dürfen wird dann reiten?“ Die Frage ist da eher kumulativ an alle Offiziere gerichtet.

Als Tarqetik so auf seinem Pferd, die Beantwortung und Zuweisung abwartet, fesselt ihn seine eigene Aussage. Hat man ihm nicht einst etwas von Haufen erzählt. Ein Haufen Sand mit einem Korn zu wenig? Wie kommt er darauf? Sicher auf Grund des Mannes Qasaar und seine Arenaerzählungen.

Khenubaal

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Gulasado
« Antwort #28 am: 24.12.2015, 08:48:13 »
So sehr sich Basilio auch bemüht, kann er keine verdächtigen Gestalten in der Menge ausmachen. Zu diffus ist die Menschenansammlung, die meisten sind Frauen und Kinder, die wohl nur ihre Neugier befriedigen wollen. Und so gibt der Koraker seinen Versuch nach einiger Zeit wieder auf.

Als die Gruppe sich der Kommandantin nähert und Tarqetik sie inzwischen gewohnt spitzbübisch begrüßt, lächelt Ejdarn den Brandobiner an. "Na da bin ich ja froh, dass euch keine Früchte des Friedens von dem Dienst abhalten konnten", meint sie ebenfalls schelmisch. Anscheinend hat sie Gefallen an diesen Scheinwortgefechten gefunden. Wären die Umstände anders, würde sie das Gespräch vielleicht sogar im gleichen neckischen Ton weiterführen, doch das ist nicht der passende Ort dafür, so dass sie immer noch lächelnd aber ernster auf seine Fragen umschwenkt. "Ihr seid nicht Teil der regulären Truppen, daher könnt ihr euch frei im Tross einordnen, und nicht bei einem der vier Züge. Am besten wäre es, wenn ihr euch zwischen dem ersten und dem zweiten Zug einordnet und zusammen bleibt."

Der Tross braucht noch einige Minuten, doch dann brechen die gut fünfzig Soldaten des Heeres samt Versorgungsmannschaft nach Nordwesten auf. Die Gefährten sehen sich um und erkennen einige bekannte Gesichter. Da sind zum Beispiel Hauptmann Hrajr und seine Männer, die die Gruppe am Vortag auf dem Weg nach Dorwida getroffen haben. Sheriff Gelspad begleitet den Tross nicht - er ist mit einem Rumpftruppe in Dorwida geblieben. Bosol dagegen wird als Gefangener in einem der Wagen mitgeführt, wie Manik in Erfahrung bringen kann.

Nach und nach erfahren die Gefährten, dass ungefähr zwei Dutzend von Ejdarns Männern nicht an dem Angriff auf Gulasado teilnehmen. Sie sind dünn verteilt und bewachen Dorwida sowie einige Straßen in der Umgebung.

Der Tross - auch ob seiner Größe, aber auch vor allem aufgrund der Versorgungswagen - langsam und träge, braucht eine gefühle Ewigkeit, um die Häuser und Hütten und dann schließlich auch die Güter von Dorwida hinter sich zu lassen. Schließlich ist es aber so weit: sie erreichen die weiten Felder und halten - wieder einmal - auf die Ausläufer der neutralen Zone zu. Aber diesmal biegt die Prozession nach Norden ab. Weg von dem Weg nach Kezhdal. Weg von den Kargi und all dem, was als Grund für die Angriffe ausgemacht worden war, bevor die Geschichte immer komplizierter zu werden begann.

Ejdarn ist schweigsam auf dem Ritt. Immer wieder reitet sie die Linie ab, bespricht sich mit ihren Hauptmännern, weist Soldaten zurecht, schaut beim Versorgungstross, vor allem Feldscher und Koch, vorbei. Ein Paar mal macht sie auch bei den Gefährten halt, fragt ob sie etwas verdächtiges gesehen hätten.[1] Sie verweilt jedoch nie lange - sie hat keine Zeit für ausgedehnte Gespräche. Und auch die Gefährten sind mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Das monotone Klappern der vielen Hufe, das Knarren der Räder, das Raunen der unvermeidlichen Gespräche unter den Männern vermengen sich zu einem konstanten Rauschen, dass den Halbschlaf anzieht, wie Kerzenlicht bei Nacht die Motten.

So vergeht ein Reisetag, ohne dass sich viel tut. Immer wieder schickt die Kommandantin Reiter - immer jeweils zwei gemeinsam - die als Vorhut vorausreiten, oder die Flanken erkunden. Sie ist angespannt und will auf alles vorbereitet sein. Aber auch bei Beginn der Abenddämmerung melden die Männer immer nur reine Luft. Schließlich zügelt Ejdarn ihr Pferd. Der Tross hat ein weites Feld erreicht. Keine Wäldchen in der Nähe, keine Hügel, hinter denen sich Feinde versteckt anschleichen könnten. Auch kein Schutz, aber Ejdarn rechnet wohl nicht damit, einer Überzahl gegenüber zu stehen. Es ist ihr wichtiger, den Feind kommen zu sehen, als sich von ihm abzuschirmen.

"Also gut", ruft die Kommandantin. "Genug für heute. Lager aufschlagen! Wir machen hier halt."

Hrajr nickt und dreht sich um. "Lager aufschlagen!" gibt er den Befehl an seine Männer weiter. Drei weitere Hauptmänner aus Ejdarns Trupp folgen seinem Beispiel. Schon bald herrscht eifrige Geschäftigkeit.

Zelte werden von Pferderücken losgebunden, aufgerollt und aufgestellt. Angespitzte Pflöcke - viele der Fußsoldaten haben jeweils zwei auf ihren Rücken geschleppt - werden schräg in den Boden gerammt, um das Lager gegen Sturmangriffe notdürftig zu sichern. Andere Männer haben Feuerholz mitgeführt, das nun an Feuerstellen zusammengelegt wird. Die Hauptmänner schreiten immer wieder das Lager ab, geben Befehle und legen oft selbst Hand an, um etwas zu korrigieren. Sie achten darauf, dass die Zelte in Reihen aufgeschlagen werden und die Gassen zwischen Ihnen gerade und breit genug sind; darauf, dass die Feuerstellen weit genug von Zelten und anderem entflammbaren Material aufgebaut werden.

"Also los, Männer", hören die Gefährten Hrajr zu seinen Männern rufen. "Ich weiß, der Rücken schmerzt und morgen geht es weiter. Aber scheißen müssen wir trotzdem und ich habe keine Lust, dass ihr mich mit euren Darmwürmern ansteckt, geschweige denn, dass ich das ganze riechen kann. Armen, Povra,  Gavaro - schnappt euch noch drei Mann und auf! Latrinen graben. Fünfzig Fuß in Windrichtung, wenn ich bitten darf!"

Die Männer stöhnen auf, doch sie gehorchen aufs Wort. Basilio und Flannait, die ähnliches vom koraker Heer gewöhnt sind, können sich ein Lächeln nicht verkneifen. Und auch Tarqetik kommen Erinnerungen an den zottigen Umgang im Ludus - und auch an seinen toten Bruder.

Schließlich ist es so weit. Das Lager ist aufgeschlagen. Mittig aufgebaut steht das Zelt der Kommandantin. Es wird bereits dunkel - Lagerfeuer und in den Boden gerammte Stäbe mit Fackeln spenden Licht, als ein Bote die Gefährten in ihr Zelt ruft.

* * *

Als die Gefährten das Zelt betreten, sehen Sie Ejdarn, Hrajr und einen weiteren Hauptmann um einen viereckigen Tisch stehen. Die drei Offiziere beugen sich über ein Pergament und studieren den eingezeichneten Grundriss im flackernden Licht der Kerzen.

Die Kommandantin blickt auf und winkt die Gefährten näher heran. "Kommt rein", ruft sie. "Das ist Hauptmann Hrajr Kortika, das - Hauptmann Vedran Lugano", stellt sie die beiden Männer vor.

Als auch die Gefährten kurz vorgestellt worden sind, richten sich alle Blicke auf den Grundriss in der Tischmitte. Die Kommandantin ergreift das Wort. "Ich habe zusammen mit dem Gefangenen einen aktuellen Grundriss von Gulasado erstellen lassen"[2], sagt sie. "Bosol behauptet, Sildan hätte den Wassergraben wieder instand setzen lassen. Leider müssen wir ihm das glauben, weil wir vom Schlimmsten ausgehen müssen. Ansonsten hat sich in der Festung selbst nicht viel verändert, aber vieles wurde repariert. Der Bergfried im Nordwesten hat drei Stockwerke. Bosol behauptet, dass Sildan und seine Treuesten sich meistens dort aufhalten. Er sagt, sollte das Tor fallen, oder sollten die Männer meutern, würde sich Sildan dorthin zurückziehen, oder fliehen.

Die Wehrmauern sind drei Fuß breit und erlauben somit Wachen und Bogenschützen auf den Gängen, aber Sildan hat nur knapp drei Dutzend Mann - er kann die Mauern also nicht durchgängig besetzen. Die größte Konzentration gibt es auf den Dächern der Lagerhalle (III), des Bergfrieds (V) und des Turms (XI)[3]. Ansonsten sind nur wenige Männer dafür eingeteilt, die Wehrgänge abzulaufen.
"

Ejdarn schaut von der Karte auf und richtet ihren Blick auf Sanjan. "Die von dir vorgeschlagene Vergiftung des Wassers, um eine leichte Krankheit bei den Eingeschlossenen aufkommen zu lassen, ist eine gute Idee und leicht umzusetzen. Ich weiß aus meinem vorherigen Besuchen in Gulasado, dass der Brunnen sich aus derselben Quelle speist, wie auch eine unweit von der Burg befindliche Wasserstelle. Ich werde morgen meinen Feldscher zur Wasserstelle schicken und wir werden die Wasserader mit der Kräutermischung versetzen. Dann sollte die Wirkung innerhalb von einem Tag in Gulasado spürbar sein und die Moral der Besatzung senken." Mit diesen Worten richtet sich die Kommandantin ganz auf. "Und das bringt mich zu meinem Plan", sagt sie mit einem Lächeln.

"Es gibt etwas, was wir nicht auf der Karte eingezeichnet haben. Weder der Kartograph, noch Bosol, noch sonst jemand außerhalb dieses Zelts soll davon etwas wissen", sie legt den Finger an das kürzere Wandstück an der Nordseite der Festung, zwischen dem Bergfried (V) und den Bedienstetenräumen (VII). "Genau hier haben die Erbauer der Festung einen Geheimgang eingebaut, der es erlaubt, über eine Falltür und einen Stollen in die Festung zu gelangen. Die Falltür im Inneren öffnet sich in einer Nische in der Küche (VIII) - es ist ein Hohlraum zwischen zwei Wänden, aus dem man über eine seitliche Geheimtür in die Küche gelangen kann. So weit ich das sehe, weiß Bosol davon nichts - ich habe ihn mehrmals nach Geheimgängen gefragt. Die Söldner dürften diese auch nicht kennen, weil sie die Festung erst vor Kurzem besetzt haben.

Der Plan sieht so aus: In zwei Nächten haben wir Neumond. Die Nacht wird stockdunkel sein und so die Götter wollen, wird es wolkig und die Sicht noch schlechter. Die Nordostmauer wird nur spärlich bewacht. Wir starten mitten in der Nacht einen Scheinangriff auf das Tor, um die Aufmerksamkeit vollends von diesem Stück der Mauer abzuziehen. Ihr werdet gleichzeitig und im Schutze der Dunkelheit im Norden mit einem kleinen Boot über den Wassergraben setzen und durch die Falltür ins Innere der Festung gelangen.

Dort angekommen, müsst ihr euch trennen. Am besten wäre es, wenn ihr die Mannschaftsquartiere aufsuchen und die Männer zur Aufgabe oder zu Meuterei animieren könntet, so dass sie das Haupttor für uns öffnen und die Zugbrücke herunterlassen. Aber wenn das nicht funktioniert, würde man euch festsetzen und wir hätten nichts gewonnen. Deswegen muss die andere Hälfte von euch sich gleichzeitig unbemerkt zum Haupttor begeben und dort warten. Falls bis zum Beginn der Dämmerung die Besatzung nicht von selbst das Tor öffnen will, müsstet ihr das Tor sabotieren. Wir stehen dann bereit, um die Festung zu stürmen, sobald das Tor offen ist.
"
 1. Sense Motive Check liefert weitere Infos.
 2. Siehe den Grundriss von Gulasado im Upload-Thread
 3. Die römischen Zahlen entsprechen der Nummerierung auf der Karte im Upload-Thread

Jamir Masaad

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Gulasado
« Antwort #29 am: 24.12.2015, 09:39:39 »
Jamir ritt gern. Zwar erwartete man es nicht vom kleinen Mann, doch es war so. Schließlich war er ein Halbling und kein Zwerg, denen man eine Abneigung zu Pferden nachsagte. So glitten auch an ihm die Felder vorbei und er hing einigen Gedanken nach. Hauptsächlich wie man auf friedlichem Wege in diesen finsteren Zeiten voller Gewalt und Krieg am besten bestehen konnte. Ejdarns Auftauchen hin und wieder hin und wieder brachte in ihm nicht die Spur an Misstrauen hervor. Sie schien einfach besorgt um ihr Vorrücken.

***

Nach dem ausgiebigen Ritt und einem eher kargen Mahl zur Abendzeit am Feuer, machte sich der Halbling mit den Gefährten zum Zelt der Kommandantin auf. Er konnte so eben auf den Plan auf dem Tisch sehen und lauschte ihren Ausführungen konzentriert. Als sie endete, ergriff er das Wort. „Ein guter Plan, soweit ich das beurteilen kann. Wen habt ihr eigeplant für die beiden Gruppen? Und woher wollt ihr ein Boot für die Überfahrt nehmen?“ Nach einer kurzen Pause fährt Jamir fort: „Ich würde mich für das diplomatische Abteil in den Mannschaftsquartiere anbieten wollen. In meinen Händen ist ein Schwert weit weniger nützlich wie ein paar gut platzierte Sätze zur rechten Zeit.“

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