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Autor Thema: Gulasado  (Gelesen 29327 mal)

Beschreibung: Episode 1.2

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Khenubaal

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Gulasado
« am: 06.12.2015, 17:52:31 »
GULASADO

Jaresh hatte nicht zu viel versprochen. Das Anwesen - Sanjan, Manik und Tarqetik kennen es bereits von ihrem ersten Besuch - ist ein wunderschönes, hölzernes Haus, mit schrägem Dach, zwei vollen Stockwerken, einem dritten als Dachgeschoss und einer weiten Veranda vor der Haupttür. Unweit steht ein Stall für die Pferde, die Gefährten können ihre Reittiere dort anbinden. Schräg dahinter erkennen sie auch das Dampfbad. Velon, der junge Stallbursche kümmert sich um die Pferde, während einige der Feldarbeiter herbeieilen, um die Neuankömmlinge zu begutachten oder zu begrüßen.
 
Pishu - der Arbeiter, den Sanjan vor dem Bären gerettet und anschließend behandelt hat - zieht seinen Hut und verbeugt sich vor dem Schamanen, doch auch Edgar und Balon sind da und jubeln den Gefährten zu. Plötzlich spürt Sanjan, wie etwas an seinem Ärmel zieht. Als er zur Seite schaut, erkennt er, dass es sich um Kirus handelt. "Kennst du die Frau da hinten?", fragt ihn den junge Dejy. "Sie schaut immerzu zu dir. Sie ist sehr hübsch."

Sanjan folgt dem Blick des Jungen und erblickt Siola, die ein Dutzend Schritte hinter den Feldarbeitern auf der Veranda des Hauses steht, an einen der äußeren Terassenpfosten angelehnt. Sie trägt ein einfaches Kleid - dennoch ist unübersehbar, dass sie sich für den Besuch umgezogen hat. Sonst hätte sie wohl Hosen und ein Hemd getragen, womit es sich auf dem Gut einfacher arbeiten lässt. Die Haare - dunkles Kupfer - sind streng nach hinten geführt und zu einem Zopf gebunden. Die blauen Augen mustern Sanjan, ein Lächeln liegt auf den Lippen. Dennoch hat der Schamane das deutliche Gefühl, dass die Freude gezwungen ist, als würde sie eigentlich von einer Trauer gequält werden. Und dieses Gefühl bleibt auch bestehen, als sie ihn zu Begrüßung kurz umarmt und Willkommen heißt.

Schließlich betritt die Gruppe die angenehme Kühle des Hauses. Zwei Hausmädchen begrüßen die Neuankömmlinge - dieselben, die bereits beim ersten Besuch der ursprünglichen Gefährten zugegen waren.    Der Eingangsbereich ist eine große Halle, die sich über die ersten zwei Stockwerke nach oben erstreckt. An der Wand entlang geht eine Treppe nach oben, die dann als Balustrade die Halle umrundet. Türen führen von der Balustrade in die Räume im Obergeschoss und eine weitere Treppe an ihrem Ende auf den Dachboden. In der Mitte der großen Halle steht ein an Gewicht und Bedeutung schwerer Eichentisch mit dazu passenden Stühlen. Hier wird allabendlich das Mahl eingenommen und auch Gäste werden hier bewirtet. Kerzenleuchter an den Wänden, sowie ein metallener Kronleuchter an der Decke tauchen den Raum in angenehmes Licht. An der Wand hängen Rehköpfe und auch zwei Ölgemälde.[1]

Auf dem Tisch erkennen die Gefährten ein reichhaltiges Abendbrot, dass aber anscheinend Tradition hat auf dem Gut, denn vieles ist Manik, Sanjan und Tarqetik bekannt - gebratene, saftige Rindersteaks, Ofenkartoffeln, frisches dunkles Brot und einige Platten mit Aufschnitt, Ziegenkäse und Gemüse zieren den schweren Eichentisch. Dazu stehen zwei Krüge auf dem Tisch - der eine ist gefüllt mit 'einem edlen Tropfen aus P'Bapar', wie Jaresh es ausdrückt, der andere mit Apfelsaft. Auch eine Keraffe mit kaltem, frischen Wasser aus dem guteigenen Brunnen steht auf dem Tisch.

Alle setzen sich hin und essen. Die Gefährten erzählen von ihren Reisen. Jaresh hört sehr interessiert zu.[2] Als über die Versammlung im Muog und die Zusammenarbeit mit den Kargi berichtet wird, nickt er. "Ich wusste, dass Gul hulad ein weiser Mann ist. Seine Söhne waren noch Heranwachsende - haben 'Bleichgesicht und Kargi' gespielt, als ich das letzte Mal da war. Es freut mich zu hören, dass sie so gute Männer geworden sind."

Auch Siola sitzt mit am Tisch. Nicht nur Sanjan, sondern auch den anderen fällt auf, dass Jareshs Nichte mit den Gedanken woanders zu sein scheint. Auch wenn die junge Frau ihr bestes gibt, eine gute Gastgeberin zu sein und auf jede Frage höflich und mit einem Lächeln antwortet, spricht sie nicht von selbst und führt die Unterhaltungen nur so lange es die Höflichkeit gebietet.

Der Gutsherr ist betrübt, als er von Ragnar hört. Er hofft inständich, dass der aufrechte Fhokki schnell genesen wird. Jaresh ist aber auch sehr beunruhigt, als er hört, was sonst bei den Elfen passiert ist, und wie gekonnt die Räuberbande Dorwida und Kezhdal gegeneinander aufhetzen wollte. Er schüttelt den Kopf. "Sie müssen einen Auftraggeber haben - aber wer könnte es sein?"

Jemma schnaubt laut und nimmt einen tiefen Schluck Wein - gänzlich ungraziös und doch unglaublich authentisch und daher charmant. "Pff! Wer wohl? Das wird Sulu sein - unser holder Bürgermeister, die alte Sau."

Jaresh schaut die Halblingsfrau fassunglos an. "Halt deine spitze Zunge im Zaum, Mädchen. Das ist absurd - ja, Hiram würde von einer Neufestlegung der Grenzen profitieren. Er hat Interessen im Grenzbereich. Aber er ist dem Amt verpflichtet. Ich kenne ihn schon lange. Er würde nie so weit gehen. Er ist ein Schlitzohr, aber nicht gewissenlos. Und für so etwas wäre er nicht mutig genug."

Jemma lehnt sich nach vorne. "Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich denke, deine lange Bekanntschaft mit ihm trübt deinen Blick in dieser Sache, alter Mann. Auf jeden Fall hat er das Motiv, die Mittel und die Gelegenheit. Wenn er es nicht ist, gibt es ein halbes Dutzend anderer Gutsherren, die in Frage kommen würden."

Schweigen legt sich über den Tisch. Die meisten Teller sind schon leer oder mit abgenagten Knochen beladen. Schließlich nickt Jaresh. "Ja - das stimmt mein Mädchen", sagt er schließlich. "Aber bevor wir weiter darüber spekulieren, will ich noch etwas anderes erledigen."

Mit diesen Worten verlässt der alte Mann die Halle durch eine Seitentür, um einige Augenblicke später mit einer klirrenden Lederbörse und einem in Tuch beschlagenen Bündel wieder zurückzukommen. Er legt beides vor den Mitgliedern der ursprünglichen Gruppe ab. Die Börse landet zwischen Sanjan und Manik. Das Bündel vor Tarqetik.

"Fünfzehnhundert p'baparische Löwen", sagt Jaresh. "Und: sechs Pfund lumerischer Stahl. Wie vereinbart - und ihr habt es euch wahrlich verdient." Der Gutsherr hält kurz inne, dann fährt er fort. "Ragnar ist nicht dabei heute an diesem Tisch. Dafür hat euch Basilio bei der Mission unterstützt. Meine Vereinbarung habe ich allerdings mit Ragnar, Sanjan, Manik und Tarqetik geschlossen. Ich schlage vor, dass ihr die Belohnung so aufteilt, wie ihr es für gerecht erachtet." Er schaut allen aus der ursprünglichen Gruppe, aber vor allem Sanjan in die Augen. "Ich habe vertrauen, dass ihr gerecht sein werdet."[3]
 1. Wer will, kann auf Knowledge (History) 12 und/oder Knowledge (local bzw. Ek'Gakel) 12 (auch untrained möglich). Bei erfolgreichen Würfen erschließt sich die Bedeutung der jeweils abgebildeten Szenen
 2. Ihr könnt selbst entscheiden, wie viel ihr erzählt - z.B. bzgl. des Aufenthalts bei den Elfen oder auch über die Vorgeschichte von Basilio. Ich nehme an, dass letztere keine große Erwähnung findet, während ihr ansonsten wahrheitsgemäß berichtet. Falls nicht, bitte lasst es mich wissen.
 3. Sanjan, Manik und Tarqetik können sich entscheiden, wie die Belohnung aufgeteilt werden soll. Ich als SL habe da zwar meine Meinung, was fair wäre, aber das ist eine Entscheidung der Spieler.
« Letzte Änderung: 06.12.2015, 20:32:50 von Khenubaal »

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #1 am: 06.12.2015, 21:27:44 »
Während des kurzen Rittes erzählt Basilio Flannait aber zumindest von ihrer Begegnung mit Torin, Fearchara, Aisling und "Onkel Liam". Alles, was sich bei den Elfen zugetragen hat, ist eh kein Geheimnis.

"Also, wir wollten zum Elfenfürst, um mit ihm zu verhandeln, den Kargi, den sie gefangen hatten, freizulassen. Der war nämlich bloß in ihr Gebiet geraten, weil er vor Menschen fliehen musste, die ihn wiederum bloß angegriffen hatten, weil die Räuber beide Seiten so ausgetrickst hatten, dass jeder dachte, der eine greift den anderen an, dabei waren's beide Male die Räuber unter diesem Sildan... egal. Also, wenn die Elfen den Kargi umbrächten, hätte das dann nicht nur Krieg zwischen Kargi und Elfen bedeutet, sondern auch zwischen Kargi und Menschen, oder so befürchteten wir zumindest.

Und wie wir so gen Elfengebiet zogen, hörten wir plötzlich Kinder vor Angst schreien! Wir also nix wie hin und tatsächlich, zwei Elfenkinder wurden von einem ganzen Rudel Hyänen angefallen—dass es Hyänen waren, musste mir hinterher einer sagen, ich hatte sowas noch nie gesehen—jedenfalls war der Bub schon sicher auf dem Baum, aber das Mädchen kam nicht hoch und die Mistviecher schnappten schon nach ihr, drei Stück waren an ihr dran. Und deshalb bin ich—und das ist jetzt weder gelogen noch übertrieben noch lass ich mir von irgendjemandem nachsagen, ich täte mich hier zu unrecht aufplustern!—ich bin zwischen all den schnappenden Hyänen durch zum Baum hin und hab sie hochgeschubst und dann bin ich natürlich hinterher, was hätte ich anderes tun sollen! Es mit drei Hyänen aufnehmen und den zweien gleich da drüben auch noch? Und deshalb lautet eine Variante der Geschichte jetzt, dass Basilio während des Kampfes auf dem Baum saß und 'der Berg'"
—er nickt zu Tarqetik hinüber—"sieben Hyänen mit einem Streich erledigt hat. Sie waren wirklich größtenteils erledigt, bis ich endlich meine Armbrust draußen hatte. Einen Schuss habe ich losgebracht, da floh der klägliche Rest schon. Und dann haben das Mädchen und ich uns auf dem Baum ein wenig unterhalten und uns artig vorgestellt. Und wie du wohl schon ahntest hieß sie Fearchara und ihr Bruder Torin. Und kurz darauf kam schon ein Trupp aus fünf elfischen Kriegern und die waren mächtig nervös, die Kinder von menschlichen Bewaffneten umringt zu sehen—trotz all der Hyänenleichen, die ihnen die wahre Geschichte ja eigentlich hätten erzählen sollen, aber als sie sahen, dass Fearchara mir vom Baum runter in den Arm sprang, und ich sie dann zu ihnen rüberbrachte, nun, ich will nicht sagen, dass unser Verhältnis da schon herzlich wurde, aber es erreichte doch einstellige Minusgrade.

Und man brachte uns zur Mutter der Kinder. Und dann zum Fürsten. Der hat seine Sinne leider nicht mehr beisammen. Völlig einen an der Klatsche. Außerdem ist er am Dahinsiechen. Dämonenkrätze oder sowas, hab mir den Namen nicht gemerkt. Zwei Monate gibt man ihm noch, erfuhren wir später, und mir graust davor, was dieser giftige alte Kerl in der Zeit in seinem Wahn noch anrichten kann! Dass er uns angehört hat, war auch schon alles, und ich vermute, das tat er nur aus einer perversen Laune heraus. Und dann hat er uns, nur fürs mit ihm Redenwollen—und obwohl wir gerade seinen beiden Enkeln das Leben gerettet hatten—zum Tode verurteilt und einsperren lassen. Gleich in eine Zelle mit dem Kargi und diesem Elrynor, Hinrichtung am nächsten Tag, und fürs Volk gibt's ein Fest.

Aber deine kleine Fearchara, die hat mir echt gefallen. Als man uns abführte, kam sie uns noch nachgelaufen und rief: 'Keine Angst, Gryphius'—also, ich, äh, hatte mich als Gryphius vorgestellt, also wegen der Kargi, aber egal, das tut hier nichts zur Sache—'Keine Angst, Gryphius', rief sie also, 'ich werde nochmal mit Opa reden. Versprochen!' Aber ihre Mutter und Onkel Liam haben uns in der Nacht freigelassen, auch den Kargi, und die Schuld wollen sie Elrynor mit seinem Hexenwerk geben. Liam gab uns dann noch einen Tip vonwegen eines geplanten Raubüberfalls auf eine Karawane, von dem sie irgendwie Wind bekommen hatten, und ich hab' Fearchara durch ihn noch Tips ausrichten lassen, wie sie ihren Bruder vor seinem schlimmsten Dummheiten bewahren könnte, denn dass die beiden überhaupt in die Lage mit den Hyänen geraten waren, war die Schuld von diesem Lausekerl, aber so wie die Erwachsenen damit umgehen, werden sie ihn nur zu immer mehr Lausetaten anstiften. Da kann die Schwester mit etwas Schläue mehr erreichen, und schlau ist die Kleine ja. Nicht, dass sie bei seinem nächsten Streich draufgeht, ha, mich hättest du nicht auf einem Baum gesehen, bevor meine Schwester nicht sicher oben gewesen wäre! Ach, und was ich sonst noch mit Aisling bequatscht habe, besprechen wir lieber nach dem Essen. Ich bin irgendwie nie richtig zum Essen gekommen. Immer, wenn ich mich setzen und mir etwas nehmen wollte, drängten die anderen schon zum Aufbruch!"


Und dann taucht auch schon Jareshs Hof vor ihnen auf.

~~~

Bei Tisch ist Basilio dann tatsächlich eine geraume Weile lang vollkommen still. Einzig Kaugeräusche und ein Schmatzen dringen aus seiner Richtung, interpunktiert von gelegentlichen Seufzern wohligster Art. Als Jemma und Jaresh aber über Bürgermeister Sulu oder weitere grenznah wohnende Gutsbesitzer diskutieren, ruft er: "Ha! Nicht wahr? Es geht hier um Land. Nein, um Gier. Die mit dem vollen Rachen, die ihn einfach nicht voll genug kriegen können! Und Kezhdal kann seine Mäuler kaum stopfen. Wenn die Sache mit Gulasado ausgestanden ist, dann geht's an den Verhandlungstisch zurück! Ein Vertrag kann nur dann von Dauer sein, wenn beide Seiten damit leben können! Und Kezhdal kann es schier nicht. Wenn ihr wirklich Frieden hier haben wollt, dann solltet ihr das Land fair aufteilen. Und nicht bloß die paar Löwen hier!"

Er nickt geringschätzig auf das Gold. "Mit einem Pfund lumerischen Stahl halten wir Norga-Krangel auch nicht ab, uns nächstes Jahr zu überrollen, und Gold hätte Gryphius vielleicht annehmen dürfen, ich leider nicht. Ich bin kein Söldner."

Und dabei hätte er es belassen, wäre sein Blick nicht plötzlich auf Siola gefallen und ihm ein Gedanke gekommen: "Aber ein Hochzeitsgeschenk für meine Schwester, das bräuchte ich tatsächlich noch. Sie heiratet diesen Herbst und ich habe noch gar keinen Plan! Und wo ich außerdem jetzt so viel länger hier aufgehalten werde als gedacht! Was schenkt man einer Frau zu sowas bloß? Es soll etwas besonderes sein, was ihr Mann ihr nicht mal einfach so im Laden um die Ecke besorgen kann. Das mit dem Einfuhrstopp von Luxusgütern, das war übrigens nicht von mir erfunden, das hat Blim tatsächlich dieses Jahr durchgesetzt, der verrückte Geldsack! Kann mir eine der anwesenden Damen da helfen? Parfüm? Seidenschals? Oder vielleicht besonders zart-anschmiegende, ähm, Untergewänder? Über was würdet ihr euch freuen? Also etwas, das ich hier in der Gegend auch bekommen kann..."
« Letzte Änderung: 07.12.2015, 12:44:17 von Basilio Aristide »
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Manik

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Gulasado
« Antwort #2 am: 06.12.2015, 22:14:10 »
Auf dem Ritt zu Jareshs Gut steigt die Müdigkeit im Fhokki weiter auf. Mehrmals muss er lautstark gähnen und kann seinen offenen Mund dabei immer erst im letzten Moment mit der Hand bedecken.
So gut es geht, hört er Kirus und Jemma dabei bei ihren Erzählungen zu, doch das ein oder andere Mal schließt Manik einfach die Augen und gibt sich seinen Gedanken hin.

Veränderungen gegenüber ist der Wadläufer schon immer recht skeptisch gewesen. Und jetzt haben sie von jetzt auf gleich zwei komplett neue Gruppenmitglieder bekommen, die er noch nicht so recht einschätzen kann. Andererseits hat er am Anfang ihrer Reise Sanjan, Tarqetik, Ragnar und später Basilio auch nicht gekannt und sie alle haben sich als verlässliche Gefährten erwiesen, naja, letzterer mal mehr, mal weniger. Überhaupt scheint die Elfe sich ziemlich oft in der Nähe des Korakers aufzuhalten. Das fehlt grade noch, jemand der sich mit dem Gauner gut versteht.

Der Fhokki richtet seinen Blick wieder auf die Zwei, neben denen er reitet und erwidert Kirus‘ Blick seinerseits mit einem skeptischen Blick. Was will der Junge, fragt der Waldläufer sich. Habe ich was vergessen? Überlegt er, ob er gewisse Details rauslassen soll aus unserem Zusammentreffen mit der Karawane?
Herrin? Herrin der flinken Zunge oder was?“, platzt es Manik daraufhin kichernd bei Kirus‘ Antwort an Jemma hinaus.[1] Aber noch während der Fhokki über seinen eigenen Scherz lacht, kommen im Zweifel daran, ob der Spruch so angebracht war. Ein verlegenes Räuspern folgt. „Verzeihung. Sagt, Jemma, was hat euch eigentlich zu Jaresh geführt? Und ebenso interessant, was hat euch hiergehalten? Tarqetik hat irgendwann einmal beiläufig erwähnt, ihr seid hier Händler? Beeindruckende Fähigkeiten, die man sich so als Händler aneignet. Wahrscheinlich wegen dieser echt agressiven Diebe, was?“ Daraufhin grinst Manik die Halblingsdame mal wieder breit an.

Als die Gruppe an Jareshs Gehöft aufschlägt, erinnert Manik sich an die Ankunft auf dem Flecken Land vor ca. einer Woche und fühlt sich gleich behaglich. Endlich mal wieder ein Dach über dem Kopf. Ein Bad. Gutes Essen. Dass Jaresh ein guter Gastgeber ist, hatte er ja schon bewiesen.

An der Tafel sucht sich Manik einen Platz nahe Jemma. Die spitzen Kommentare der Halblingsdame will er auf keinen Fall verpassen. Das könnte amüsant werden. Erst als sich alle gesetzt haben, fällt ihm auf, dass jemand fehlt. „Wo ist denn eigentlich Elrynor?“ fragt er in die Runde. Wirklich verwundert, dass der Elf plötzlich fehlt, ist der Fhokki allerdings nicht. Hatte er doch des Öfteren seine Abscheu gegenüber niederen Völkern zum Ausdruck gebracht. Da ist es nur Konsequent, dass er sich aus dem Staub gemacht hat.
Kurz danach macht er sich allerdings auch schon über das gute Essen und Trinken her. Vor allem der Wein hat es ihm diesmal angetan. Den ersten Krug schüttet er bereits nach zwei Bissen Fleisch in sich hinein. Der Zweite nach dem Nachfüllen wird immerhin halb geleert. Um Manieren und Anstand schert der Fhokki sich wenig, so dreckig wie sie alle sind, wäre das sowieso fehl am Platz. So schmatzt er laut vor sich hin und schlingt das Essen gradezu hastig runter. Als er den Teller schließlich ein 2tes Mal geleert hat, ist ein zufriedener Rülpser aus seiner Richtung zu hören. Den Leuten, die daraufhin in seine Richtung schauen prostet er mit seinem Krug Wein zu und leert auch diesen.

Was ist denn mit diesem Knilch, der immer laut dazwischen geschrien‘ hat, dieser Hofbesitzer, wie hieß er noch?“, trägt er zur allgemeinen Diskussion bei. „Allerdings wäre das fast ein bisschen zu einfach. Und was hätte der davon zu gewinnen?
Was vom Rest der Müdigkeit noch nicht durch die Gesellschaft und das Mahl weggefegt wurde, beseitigt anschließend Jareshs Klimperbeutel. Kaum liegt liegt die Börse auf dem Tisch, krallt sie der Fhokki sich und schaut hinein. Manik lässt ein einfaches „Danke“ in Richtung Jaresh erklingen, während er die Münzen durch seine Finger gleiten lässt.

Was genau hast du erwartet? Freude? Gier? Klar, du hast dich anheuern lassen. Gegen Bezahlung. Jetzt hättest du genug Münzen, um erstmal eine Zeit für niemanden Arbeiten zu müssen, nachdem du Helga hast, natürlich. Aber ist es nicht auch mal schön? Sich nicht nur als Tagelöhner verdingen. Mal etwas tun, mit Sinn dahinter?

Manik schaut erst Jaresh in die Augen, dann Sanjan und Tarqetik.
Sollte niemand von euch jetzt sofort auf seinem Anteil bestehen, unser brandobianischer Hüne zum Beispiel, würde ich vorschlagen, dass wir die Verteilung Morgen ausgeruht vornehmen und nicht hier zu Tisch.“ Damit schiebt Manik den Beutel zu Sanjan hin. Es scheint eindeutig, dass der Fhokki den Dejy mit der Aufbewahrung der Güter betrauen möchte.

Als der Koraker wieder anfängt zu plappern, muss Manik leise kichern. „Dass du das schon dazu sagen musst, dass diesmal was nicht von dir erfunden war, ist ja schon eine Art Eingeständnis. Auch wenn ich mich jetzt eigentlich nicht angesprochen fühlen sollte, aber was Geschenke für Schwestern angeht kann ich dir nicht…“ mit Verlauf des Satzes wird Maniks Miene schlagartig wieder ernst und das Gesprochene immer langsamer, als ihm Wort für Wort aufgeht, was er da eigentlich grade im Begriff ist zu sagen. Gedankenverloren starrt er seinen letzten Gesprächspartner an. Es scheint, als würde er über was nachdenken, doch kurz darauf schüttelt er sich und grinst verlegen. Sein Griff geht zur Karaffe mit dem Wein. Seinen Krug füllt er ein drittes Mal nach.
 1. Da die drei zusammen reiten und Jemma die Antwort ja hören soll, bin ich jetzt mal davon ausgegangen, dass auch Manik sie hört. Bitte Bescheid geben, wenn das so nicht passt.
« Letzte Änderung: 13.12.2015, 10:53:45 von Manik »

Sanjan, von den Bahir

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Gulasado
« Antwort #3 am: 07.12.2015, 20:40:17 »
Erleichtert darüber, dass die passenden Kräuter für die Aktion besorgt werden konnten, eilte sich Sanjan. Trotzdem schafft er es nicht, die Anderen noch weit vor dem Hof einzuholen. Das einzig gutan dem Ritt bleibt damit, dass er nur wenige Mal kurz eingenickt war. So bleibt auch nur wenig Zeit, sich über die Anzahl der Reisenden zu wundern.
Auf dem Hof, nach Abgabe der Pferde, ist Sanjan froh darüber, Pishu wohl auf zu sehen. Nach der Behandlung, war sein Leben zwar außer gefahr gewesen, aber am Kargi und Basilio hatte jeder vor wenigen Stunden sehen können, wie Kranke auf den Rat ihrer Heiler hörten. Traurig, doch zur Not gab es ja Mittel und Wege ihnen Gutes zu tun, besonders wenn sie nicht hörten. Als Kirus ihn dann auf Siola aufmerksam machte, freut sich der Schamane sichtlich. Dass er sie mag, war offensichtlich, denn noch hielt er sich zurück als er merkte, dass etwas mit ihr nicht stimmte.

An der Tafel im Haus, setzte sich der Schamane neben Siola. Ihre Stimmung war ja offensichtlich und er machte sich Sorgen um sie. Was war passiert, dass eine muntere Frau wie Siola so in sich gekehrt wird? Immer Mal sucht er mit ihr das Gespräch, fragte wie es ihr ergangen war, ob es Probleme mit Pishu gab oder andere Dinge. Schenkt ihr gar Apfelsaft nach, wenn ihr Becher leer ist. Doch sein knurrender Magen, lassen die Versuche abebben. Denn noch bleibt er ihr gegenüber weiter Aufmerksam.
Das Essen selbst, ist nach der langen Zeit eine Wohltat. Zuletzt hatten sie so bei den Kargi gespeist und dann kam die Tage fast ohne etwas zu essen. Als das Tischgespräch sich zum Erlebten wandelte, berichtet er davon, dass der Sohn des Gul, sie an der Grenze aufgegriffen hatten aber mit Jaresh Namen und dem Dolch es kein Problem war zum Gul selbst vorgelassen zu werden. Selbst bei dieser angespannten Situation. Das Gespräch vor dem Gul fasst er dann so zusammen, dass dieser trotz seinem Alter noch eindeutig das Zepter in der Hand hielt. Es aber kurz vor dem Ausbruch eines Krieges stand. Nur durch den Sohn des Gul und dessen Vertrauen war es möglich den Frieden zu wahren. Dass dann auch noch die Elfen ins Spiel kamen, war mehr Glück als Verstand. Ihre blutige Botschaft und der Vorschlag in dem Fall zu vermitteln brachte ihnen nicht nur mehr Erkenntnisse über die Angreifer sondern auch ein gewissen Ansehen bei den Kargi. Aber auch hier wäre es nicht ohne den Sohn des Guls möglich gewesen. Sanjan meint, dass dieser wohl eines Tages ein sehr schlauer Anführer werden würde, und genau er für neue Verhandlungen der Ansprechpartner sein würde.
An dieser Stelle ließ er nicht aus, dass ein Händler namens Gyphus oder so, zu ihnen stieß. Dieser stellte sich später als ihr neuer Reisegefährte her aus. Hier deutete er auf Basilio. Seine Schlangenzunge war bei den Elfen auch arg von Nöten. Ihr Herr, so seine Meinung, war blind geworden vor Verlust und dem nahen Tod. Doch auch hier waren es die Kinder die viel Weisheit bewiesen. Die Elfenprinzessin befreite sie schlussendlich aus dem Gefängnis, und vom sicheren nahen Tod. Auch sie würde wohl ihr Volk bald wiese führen. Über das wohl wie ließ er sich hier nicht aus.
Die Erzählungen vom Kampf gegen die Bandieten überließ er dann einem seiner Kamerarden. Er selbst kümmerte sich wieder um Siola.

Wohl auch wegen des guten Essens wird der Schamane träge. Er blieb lange wieder ruhig und das Klimpern auf dem Tisch ließ ihn aufblicken. Langsam sickert die Erinnerung durch. Da war ja noch etwas wegen der Bezahlung. Was hatten die Sesshaften nur mit diesem Gold? Über die Worte von Manik, der den Beute prüfte, ist er froh. Ja morgen früh würde noch genug Zeit sein. Außerdem wollten siche noch Baden, in die Sauna und etwas trinken. Mit einem Nicken, verstaut er also den Geldsack. Kurz darauf wandert sein Blick zu seiner Nachbarin. Die Frage von Basilio interessierte ihn. Wurde sie etwa in seiner Abwesenheit jemanden versprochen?

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #4 am: 07.12.2015, 21:09:18 »
"Ach herrje, ihr beide!" ruft Basilio aus. "Wann werdet ihr aufhören, mich wie einen Schwerverbrecher anzugucken, bloß weil ich den Kargi nicht gleich zur Begrüßung unter die Nase gerieben habe, dass ich General Garnaks Adoptivsohn bin! Ha, es gibt da eine Grenze zwischen Ehrlichkeit und Dummheit, die einen sechs Fuß unter die Erde bringt. Habe ich nicht inzwischen zur Genüge bewiesen, dass mir ein Wort, das ich den Kameraden gab, so viel gilt wie euch? Und wenn ich betone, die Sache mit Blims Einfall sei nicht von mir erfunden, dann weil es so schwer zu glauben ist, dass wir in Korak momentan mit derlei Lappalien Zeit und Geld verschwenden, wo wir reichlich wichtigeres zu tun hätten! Und überhaupt, wie hat Tarqetik uns vorhin beim Wachposten vorgestellt? Als Händler! Zweierlei Maß, meine Herren, zweierlei Maß legt ihr an, wie's euch gerade passt!"

Die Empörung hat seine Stimme lauter werden lassen und aufgesprungen war er während seiner Rede auch, ohne sich dessen bewusst zu sein. Mit heißem Kopf setzt er sich wieder.

"Aber die anwesenden Damen wollten mir gerade aushelfen. Und Manik wollte uns auch noch etwas über seine Helga erzählen, das ihn schon die ganze Zeit drückt und plagt und das endlich mal auf den Tisch gehört, bevor er an all den verschluckten Worten erstickt!"
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Khenubaal

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Gulasado
« Antwort #5 am: 09.12.2015, 15:31:52 »
Als Manik auf dem Weg zum Gehöft bei Jemma noch einmal nachhakt, woher sie stammt, lächelt sie. "Das ist eine lange Geschichte und sie hat mit einer überstürzten Flucht aus Basir zu tun, Fhokki. Aber du hast Recht - das Leben lehrt einen Vieles; wenn zum Beispiel bei einer Überfahrt über den Ozean plötzlich Matrosen meinen, sich etwas nehmen zu wollen, was ihnen nicht gehört, sollte man auch als kleine Händlerin sich zu wehren wissen."[1]

Zu weiteren Fragen kommt Manik nicht sofort, da die Gruppe bereits auf das Gutsgelände einreitet.

* * *

Bei Basilios Monolog bezüglich eines neuen Vertrags zwischen Kezhdal und Dorwida nickt Jaresh mehrmals. "Ein neuer Vertrag wäre angemessen - ja. Wir sollten das brachliegende Land in der neutralen Zone zu Bebauung freigeben. Ich will mich dafür einsetzen, wenn Sildan und seine Bande vertrieben sind. Und wir brauchen einen neuen Unterhändler, der meine und die Arbeit von Gul Hulad fortführt." Jaresh blickt auf und lächelt. Falten legen sich um die Mundwinkel; ziehen sich über die ledrige Haut. "Wir sind beide alte Männer und wir haben es seinerzeit ganz gut gemacht. Aber es braucht jemanden auf Seiten von Dorwida, der das Zepter aufnimmt - die Sache fortführt - zusammen mit dem Serogul."

Mit diesen Worten hebt Jaresh seinen Weinbecher. "Auf Gul Hulad", sagt er und setzt das Gefäß nach diesem kurzen Toast an die Lippen.

Während er trinkt, fragt Manik in seiner gewohnt ungezwungenen Art nach dem jungen Ratsherrn. Jaresh setzt den Becher ab - seine Miene hat sich verhärtet. "Das ist mein Neffe", sagt er trocken. "Sindal Darren - er prischt zu schnell vor, urteilt zu schnell."

"Du meinst wohl eher, er ist ehrgeizig und dumm. Eine ziemlich schlechte Kombination, wenn du mich fragst", wirft Jemma ein. Als Jaresh sie mit wütendem Blick fixiert, hebt sie entschuldigend die Hände. "Ich weiß, ich weiß: Ich soll meine Zunge hüten. Ich entschuldige mich, alter Mann."

Daraufhin seuft der Dorguln wieder und die Züge zeigen ein resigniertes Lächeln. Er sieht wieder zu Manik und den anderen. "Jemma hat recht - leider."

Flannait bekommt die letzten Worte des ehemaligen Bürgermeisters gar nicht mit. Sie konzentriert sich auf die beiden Ölgemälde, die die Wände der Eingangshalle zieren. Beide sind groß, die Farben unter dem Sog der Zeit leicht verblasst - doch beide sind immer noch wunderschön und beeindruckend. Massive Holzrahmen - schlicht und doch edel - umranden die Bilder. Auf einem der beiden ist die Szenerie eines Schlachtfelds nach geschlagener Schlacht abgebildet. Leichen von Menschen säumen das Grün bis hin zum hügeligen Horizont. Einige Krieger in bronzenen Panzern und mit den charakteristischen, rubinroten Schulterumhängen der offiziere des kalamarischen Heeres stehen um einen in ihrer Mitte herum. Dieser ist etwas größer, hat feuerrotes Haar und sauber gestutzten Vollbart, hohe Wangenknochen und blaue Augen. Seine ganze Gestalt strahlt Autorität und Macht aus. Kalamars Banner - in antiker Gestalt - weht über dem nahen Zelt. In der Ferne sinken Banner des längst untergegangenen Ostbrandobischen Reiches in den Staub. Plötzlich erkennt Flannait die Szenerie - es sind die weiten Felder in der Nähe von Sisalasido, wo im Jahre 41 der Imperialen Zeitrechnung - vor mehr als 500 Jahren - die entscheidende Schlacht der beiden Großmächte stattfand. Dort, in dieser Schlacht, wurde der Untergang des einst mächtigen und da bereits maroden Ostbrandobischen Reiches besiegelt. Dort ging der Stern des jungen Kaisers Fulakar noch höher auf, als ohnehin schon vorher. Und das musste er sein - Fulakar; da, inmitten seiner Offiziere. Es ist die Szene des größten Triumphs des Kalamarischen Reiches im Osten von Tellene. Aber warum hängt dieses Bild, das ein Dorn im Auge der meisten Bürger der Jungen Königreiche sein musste, bei Jaresh Dorguln in der Eingangshalle? Das zweite Bild kann Flannait nicht so genau deuten, wie das erste. Es zeigt eine wunderschöne Landschaft, hügelig, von saftigem Grün, prallen Wäldern und einem azurblauen Fluss durchzogen. Am blauen Himmel zeichnen zwei Adler majästetisch ihre Kreise um die seltenen Wolken. Auf einer Anhöhe steht trotzig und anmutig eine solide Festung. Sie scheint nicht sehr groß, doch dafür umso wehrhafter zu sein. Flannait kennt weder die Landschaft, noch die Burg selbst, und kann nicht sagen, ob das Bild ein Phantasiekonstrukt zeigt, oder ob die Festung irgendwo tatsächlich existiert. Es sind auch keinerlei Wappen oder Flaggen auszumachen, die aufzeigen könnten, wem die Burg gehört. Nur die pralle Natur deutet auf südlichere, subtropische Gebiete hin.

Die Halbelfe ist so sehr in die Betrachtung der Bilder vertieft, dass Siolas Stimme sie wie aus dem Halbschlaf zu reißen scheint. Den ganzen Abend schon ist die Herrin des Hauses zurückhaltend. Sanjan hat das während der kurzen Gespräche immer wieder gemerkt. Siola lächelt ihn zwar immer an, doch es scheint, als würde sie Tränen zurückhalten. Schließlich - als sie bemerkt, dass dem Dejy ihr Gemütszustand nicht verborgen bleibt, flüstert sie ihm zu: "Bitte entschuldige Sanjan. Der heutige Tag - er ist ein schwerer für mich. Es ist ein unschöner Jahrestag. Es tut mir Leid, dass ich euch die Stimmung verhagle."

Als schließlich dann Basilio sich mit der Frage an die Frauen im Raum wendet, lächelt Siola den Koraker verlegen an. Jemma lacht auf, vor allem auch belustigt durch Basilios theatralischen Gefühlsausbruch. "Ein lustiger Kerl, euer neuer Gefährte", flüstert sie Manik zu.

Siola dagegen sammelt sich und beginnt zu sprechen: "Da gibt es wohl viele Möglichkeiten. Ein silbernes Armband, mit Saphiren oder Amethysten ist angebracht bei einer Hochzeit - keinesfalls Rubine; so ein Geschenk an die Braut steht nur dem Bräutigam zu.[2] Ein Schal aus Quiki-Seide[3] wäre auch angemessen. Aber zerbrecht euch nicht zu sehr den Kopf - eine Schwester freut sich immer über das Geschenk ihres Bruders, unabhängig davon, was..." Plötzlich schluchzt Siola auf und muss abbrechen. "Was...", setzt sie nochmals an, doch wieder muss sie aufschluchzen. Tränen laufen ihr über die Wangen.

Sie bedeckt schnell die Augen und steht hastig auf. "Bitte entschuldigt, ich muss mich kurz zurückziehen", murmelt sie und verlässt schnell den Raum durch die Seitentür zur Bibliothek.
 1. Jemma hat bei eurem ersten Besuch bei Jaresh schon kurz etwas dazu gesagt, erinnert sich aber genau wie Manik nicht mehr daran. Zu viel ist in der Zwischenzeit passiert. Damals erzählte sie folgendes: "Ich stamme ursprünglich aus Basir, aus dem Ubikakeli Hochland. Es hätte wahrscheinlich ein ruhiges Leben dort an der Küste werden können, allerdings hatte mein Vater einen Zwerg als seinen besten Freund. Als wieder einmal eine neue Welle der Versklavung der Zwerge begann, versteckte er diesen bei uns zu Hause vor den Truppen. Zum Glück hatte er viele Freunde und erfuhr recht früh, dass einer unserer Nachbarn uns gemeldet hatte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Soldaten bei uns aufgetaucht wären. Selbst wenn wir seinen Freund nicht mehr bei uns gehabt hätten, unter Beobachtung würden wir dann jahrelang stehen. Und es kam nicht in Frage, seinen Freund auszuweisen. Also packten wir unsere sieben Sachen und nahmen das erste Schiff aus Bet Urala in die Jungen Königreiche, das wir kriegen konnten. Wir wurden zu fahrenden Händlern. Mein Vater war ein guter Geschäftsmann. Sieben Jahre auf Karawanenfahrt reichten aus, um sich schließlich in Ek'Gakel niederzulassen. Ich fahre immer noch jedes Jahr mit der Karawane hinaus - dafür ist mein Vater inzwischen zu alt. Ansonsten haben wir unseren Laden im Dorf."
 2. Wer will, kann einen Knowledge: culture check ablegen, DC 16, falls untrained, mit Malus -3
 3. Wer will, mag einen Skill-Check auf Knowledge: nature DC 16 ablegen, um die Herkunft des Wortes zu entschlüsseln.
« Letzte Änderung: 09.12.2015, 18:44:38 von Khenubaal »

Tarqetik

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Gulasado
« Antwort #6 am: 10.12.2015, 22:03:26 »
Wenig lässt die Augen des Krieges so aufleuchten, wie eine Tafel, die sich unter Essen biegt. Das Aroma, zusammengestellt aus heißem Braten, Bier und Beilagen lassen die Nasenflügel Tarqetiks sich blähen wie die Nüstern seines Pferdes.

Rasch sitzt er am Tisch und bemüht sich nicht die Gabel mit zu verschlingen als das erste Stück Fleisch, mehr gerissen als geschnitten, mit einem schlürfenden Geräusch über seine Lippen saust und auf niemehr wieder verschwindet.

Sein Kauen und Schlucken halt in seinen eigenen Ohren so laut, dass er kaum noch bemerkt, dass andere am Tisch sind. Auch schenkt er ihren Geschichten wenige Gehör, da das Grummeln in seinem Magen noch immer seine absolute Geräuschkulisse ist. Ab und an muss er bei dem Geschrei am Tische doch mal aufblicken und den einen oder anderen zynischen Blick dem Redner zuwerfen, während er einen abgenagten Knochen auf den Teller fallen lässt. Zum Toast des Hausherrn kann der Krieger noch gerade so den Becher heben und muss dann enttäuscht feststellen, dass dieser ihm beim Trinken den leeren Grund entgegenbringt.
Aber als ein bestimmtes Geräusch an seine Hörgänge dringt, bleibt Tarqetik mit offenem Mund gebannt sitzen. Gerade noch kann er den Schluck Bier mit seiner Zunge auffangen und zurück in seinen Rachen werfen.
Tarqetik zählt die Münzen, seinen Anteil von der Gesamtmenge ab und packt den Klumpen Stahl in ein ölgetränktes Tuch. Das ganze lässt er in einen Beutel fallen, lehnt sich zurück auf dem Stuhl und zieht an seinem Gürtel, so dass dieser sich öffnet, was der Krieger mit einem erleichterten Seufzer quittiert. Dann wendet er sich an den Hausherr: „Selten so gut gegessen und getrunken. Gerade davon beschienen, fast golden beschienen, dass der Sold so gut als Dessert dazu geeignet hat. Es hätte mich doch sehr gestört, wenn die grünen Horden oder Plünderer der“ er wedelt mit einem Finger in Richtung des Dorfes „soundovielten Garde, das hier alles für sich beanstandet hätten.

Der Krieger deutet auf den Restbestand der Belohnung. „Was mich zum Thema Gerechtigkeit bringt. Eure netten Ratsherren und Soldatenfrauen haben die Idee eine Burg zu stürmen um etwaige Erkenntnisse aus dem Herrn Räuberhauptmann herrauszufoltern. Nun, von mir aus. Aber nun kommt dieser Bürgermeister ins Spiel und wir erfahren von Grenzverläufen, Zuweisungen und Pfründen bei der Landvergabe und so weiter. Und auch die Rolle des schnell pirschenden Ratsneffen. Was ist Eure persönliche Meinung Herr Jaresh, was für Kreise zieht diese Kriegstreiberei?
Der Krieger putzt seine Hände an seinem Hosenlatz ab. "Nicht das es mich sonderlich juckt, immerhin verdiene ich so mein Geld, aber es wäre doch sicherer, wenn man den Übeltäter fangen könnte ohne diese Burg angreifen zu müssen."

Tarqetik hat gerade geendet, als eine Tür ins Schloss fällt. Zurückbleibt nur der süßliche Duft einer jungen Frau, der in der Fahne des Bäuerchens des Krieges sich schnell verflüchtigt.

Flannait Adair

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Gulasado
« Antwort #7 am: 12.12.2015, 23:05:00 »
Basilios Erzählung erweckt eine Menge Erinnerung in Flannait.
Als der Koraker von dem Kampf gegen die Hyänen berichtet muss die Halbelfe unwillkürlich lächeln. Augenscheinlich hatte Torin neben dem Aussehen auch den Hang zu waghalsigen Abenteuern mit seinem
Onkel Semias gemein, wärend Fearchara den wachen und kühlen Verstand ihrer Mutter teilte.
Declan Adair war bereits verbittert und paranoid gewesen als er seine Enkelin vor fünf Jahren aus Jaylin verbannte und so ist es für Flannait keine Überraschung, dass es mit seiner geistigen Gesundheit seitdem noch mehr bergab gegangen ist. Aber die Nachricht von seinem bald bevorstehenden Tod kommt als eine Überraschung. Da Elfen lange leben hatte Sie sich mehr oder minder damit abgefunden auf absehbare Zeit nie wieder nach Hause zurückkehren zu können. Auch wenn es nicht allzuviele Elfen in Jaylin gab die sie vermisste, so war die Elfensiedlung doch ihre Heimat und die Aussicht ihre Tante und deren Kinder wiedersehen zu können freute sie. und wenn er so bald stirbt werden sein Hass und seine Bitterkeit wenigstens Fearchara, Torin nicht mehr vergiften können und Aisling hat sich offensichtlich ihren gesunden Verstand bewahrt. Sie wird die Adair weit weiser führen, als Großvater es je getan hat, wenn sie die Gelegenheit bekommt. Die Halbelfe erinnert sich gut genug an ihre alte Heimat um zu wissen das bei Leibe nicht alle Elfen Aislings Wunsch nach Frieden teilen werden. und es ist nicht so lange her, dass Du auch nach Krieg geschrien hättest, aber Du bist im schatten eines bitteren Krieges aufgewachsen, willst Du das gleiche für Fearchara und Torin? Aber ist ein dauerhafter Frieden mit den Kargi wirklich möglich? Deren nächste Generation wird wieder nach Blut und nach Ruhm in der Schlacht lechzen! Für Kargi ist Frieden nichts als eine Pause zwischen zwei Kriegen.
Alles in allem gibt ihr Basilios bericht eine Menge zu denken und so ist Flannait schweigsam als sie Jaresh Hof erreichen.

Das Essen ist vorzuglich, zumal Flannait auf dem Weg von Korak nach Dorwida nur von Armeerationen und
einem gelegentlich erlegten Kaninchen gelebt hat. Und Korak erfüllt das alte kalamarische Sprichwort, wonach eine Armee um so besser sei, je schlechter ihre Rationen schmecken voll und ganz.
Den Toast auf Hulad akzeptiert die Halbelfe mit steinernem Gesichtsausdruck nur aus Höflichkeit gegenüber ihrem Gastgeber.  Der gleichen Höflichkeit ist es geschuldet, dass sie ihre höchgeradig skeptischen Gedanken nicht ausspricht. "Selbst wenn Hulad Frieden will, weil er alt ist und seinen Ruhm auf dem Schlachtfeld hatte, die nächste Generation wird es anders sehen und wenn ihr Serogul sich weigert sie zu führen werden sie ihn schlicht durch jemanden ersetzen der es tut."
Die Gemälde sind eine echte Überraschung, selbst bevor ihr das Motiv klar wird. So etwas sieht man eher selten auf einem Hof auf dem flachen Land, zumindest hier in den neuen Königreichen. Unwillkürlich drängt sich ihr die Frage auf, ob Jaresh bewusst ist, was die Bilder zeigen. Aber auch in antiker Gestalt sollten die meisten Gakeliter das Banner Kalamars erkennen ebenso wie die Uniformen der Offiziere und das Imperium hat seinen Anspruch auf El Gakel und die anderen neuen Königreiche nie aufgegeben. Andererseits sind die beiden Gemälde unabhängig vom Motiv wertvoll und schön anzusehen und vielleicht hatte ja ein Vorfahr von Jaresh in der Schlacht gekämpft und vieleicht hat seine Familie in diesen vierhundert Jahren einmal mehr als nur einen Gutshof besessen. In jedem Fall wäre es taktlos die Sache anzusprechen.

Flannait taucht aus ihren Überlegungen gerade rechtzeitig auf um Siolas Bemerkung über Schmuck und Quiki-Seide zu hören und so ist sie völlig überascht als die Gastgeberin so überstürzt den Raum verlässt.
Das Basilio offenbar wirklich ein Geschenk für seine Schwester sucht überrascht sie. Natürlich hatte sie in Korak die Gerüchte von der bevorstehenden Heirat der Tochter des Generals gehört, aber sie war davon ausgegangen, dass die Heirat seiner Schwester Basilio nur als willkommene und glaubwürdige Ausrede gedient hatte.
Ihre Mutter, die Kalamari Lisanara hatte ein tiefblaues Kleid besessen, das perfekt zu ihrer weißen Haut dem schlanken Körper und besonders den feuerroten Haaren gepasst hatte und dessen Rock und Ärmel aus Quaki- Seide gewesen waren. Als sie klein gewesen war hatte Flannait es geliebt ihre Hände über die Seide gleiten zu lassen, denn das Gefühl war mit nichts zu vergleichen gewesen, so fein, glatt, kühl und anschmiegsam. Ihre Mutter war es auch gewesen, die ihr erklärt hatte, wo und wie die Seide gewonnen wurde, warum sie so selten und kostbar war und warum sie, Flannait, das Kleid nur mit frisch gewaschenen Händen berühren durfte.
"Sie hat recht. Quaki-Seide wäre ein passendes Geschenk über das sich jede Frau freuen würde. Aber die wirst Du hier in El Gakel kaum finden und wenn doch dann nur zu astronomischen Preisen." bemerkt sie in die Stille nach Siolas Abgang. Dabei fällt ihr Blick auf Jemma und sie zieht eine fragende Augenbraue hoch. "aber vielleicht kann Jenna Dir ein wenig Quaki-Seide zu besseren Preisen besorgen, falls ihre Familie Handelsverbindungen nach Kalamar unterhält."

Später, nachdem das Essen beendet ist entschuldigt die Halbelfe sich und Basilio und führt den Koraker unter dem Vorwand nach den Pferden sehen zu wollen hinaus zu den Ställen. Da die Stallburschen inzwischen schlafen gegangen sind sind die beiden unter sich,  trotzdem bedient sich Flannait des kalamarischen für den Fall das sie belauscht werden.
Dann bestürmt sie Basilio mit Fragen. Ihr bislang so einfaches Weltbild ist massiv in Frage gestellt und zwischen der Hoffung, dass es für Torin und Fearchara ein Aufwachsen ohne Krieg und Blutvergießen geben könnte, der Notwendigkeit für diesen Frieden die Rache für ihren Vater aufzugeben, dem Gedanken das die Adair freier und weniger fanatische werden könnten wenn sie endlich von Declans bedrückender Herrschaft befreit wären, und der nahezu utopischen Vorstellung die Kargi von Khezdal könnten tatsächlich einen langfristigen Frieden wollen, etwas das niemand der noch bei Verstand war je von ihren Vettern in Norga-Krangel glauben würde,  klingt in ihrer Stimme mehr Unsicherheit mit, als sie sich eigentlich anmerken lassen will:
"Così, sono venuto qui perché il Kargi è stato segnalato in Korak quassù carovane avrebbero invaso e condurre incursioni. E poi devo vedere come dire due di loro innocenti, guarito e si alleò con loro contro i banditi che si suppone siano veramente da biasimare. Lei onestamente credere che il Kargi vuole la pace, o almeno un cessate il fuoco sono solo per farli pronto per la prossima guerra?
E cosa hai e Aisling discusso? Si vuole veramente la pace, per via dei bambini, ma sono Nola e gli altri la seguono? O saranno anche prima Declan muore contro il Kargi disegnare proprio così dannatamente vecchio fanatico né un bagno di sangue arriva prima di morire?"[1]



 1. Also, Ich kam her weil in Korak gemeldet wurde die Kargi hier oben würden Karawanen überfallen und Raubzüge durchführen. Und dann muss ich mit ansehen wie man zwei von ihnen für unschuldig erklärt, zusammenflickt und sich mit ihnen gegen die Banditen, die angeblich wirklich schuld sind verbündet. Glaubst Du wirklich, dass die Kargi Frieden wollen, oder doch blos einen Waffenstillstand bis sie bereit für den nächsten Krieg sind?
Und was haben Du und Aisling besprochen? Sie wird wirklich Frieden wollen, wegen der Kinder aber werden Nola und die anderen ihr folgen? Oder werden sie noch ehe Declan stirbt gegen die Kargi ziehen nur damit der verdammte alte Fanatiker noch ein Blutbad bekommt bevor er stirbt?
« Letzte Änderung: 13.12.2015, 14:12:12 von Flannait Adair »
"Nur ein toter Kargi ist ein guter Kargi!"

Manik

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Gulasado
« Antwort #8 am: 13.12.2015, 13:00:05 »
Als Basilio ihren Namen erwähnt, zuckt Manik zusammen. Ein eiskalter Schauer läuft dem Fhokki über den Rücken, während sein Kopf in dem Moment feuerrot anlaufen muss. Nahezu paralysiert schaut er starr gradeaus. Eine Zeit - Sekunden oder doch nur ein Bruchteil? – rührt er sich nicht. Nur seine Hand wandert unterbewusst in seine Hosentasche und fängt an, ein Stück Stoff zu kneten. Er fühlt sich ertappt. Überrumpelt. Er wollte doch kontrollieren, wann er von Helga erzählt. Am besten gar nicht. Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt. Und dann mal zumindest im kleinen Kreis und nicht gleich in großer Runde. Maniks Blick wandert langsam zu Basilio.

Ich…“, beginnt er loszustammeln. „Es… Woher….?“ Dem Fhokki ist deutlich anzusehen, dass er sich nicht wohl fühlt in seiner Haut. Warum muss sich dieser vermaledeite Winzling auch überall einmischen? Entgeistert starrt er den Koraker an und schluckt trocken herunter. Dann greift er nach dem eben neu befüllten Becher und leert ihn in einem Zug. Dabei schüttet er vor lauter Hast einen Teil des Inhalts auf sein Hemd, statt in seinen Mund. Er lässt den letzten Schluck die Kehle hinunterfließen und wischt sich mit dem Ärmel den Mund ab. Dann schaut er wieder Basilio an. „Woher… woher weißt du davon, verdammt nochmal?“ Nervös schaut Manik in die Runde, ob noch jemand Basilios Einwurf mitbekommen haben könnte, doch obgleich er sich einer Antwort nicht sicher sein kann, würde es ihn wundern, wenn nicht zumindest alle in unmittelbarer Nähe davon Wind bekommen haben. Einen kurzen, verlegenen Seitenblick widmet er daher auch Jemma. Am liebsten würde er jetzt schweigen, doch die Erwartungsvollen Blicke ruhen noch immer auf ihm und nachhaken würden sie jetzt sowieso.
Da gibt es gar nichts weiter zu erzählen! Es ist nichts… Nur jemand den ich… kenne. Entfernt. Also… Er… ähm, Sie! Wartet zuhau…“.
Manik stoppt abruppt und schluckt dann hinunter, Basilio eindringlich anstarrend. Sollte er ihm nicht sogar dankbar sein für die Frage, für die Gelegenheit? Wann hätte er selbst denn sonst davon erzählt? Wenn Helgas Leiche auch noch in seinen Händen gelegen hätte, weil er WIEDER nur auf eigene Faust gehandelt hat? Weil er WIEDER keine Hilfe annehmen wollte und alles besser wusste als der Rest?
Ach was solls, da bist du sowieso besser drin als ich. Also… Sie ist... sie... hält sich womöglich…, die Chance ist ganz gut, dass… nunja, auf Burg… Burg… wie hieß sie noch gleich? … VERDAMMT NOCHMAL! “ Der Fhokki fährt aus der Haut und seine flache Hand wandert mit Schmackes auf den Tisch, ohne sich dessen gewahr zu sein, dass er damit nur noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Genervt über sich selbst, rollt er mit den Augen und presst die Zähne zusammen, fährt dann aber nach kurzer Pause doch fort.
Auf Burg DINGENS. Das weiß ich von BOSOL. Der hats mir erzählt. Darum war ich auch froh, dass die rothaarige TANTE von ihrem Frontalangriffplan abgewichen ist. Sie wird DA wahrscheinlich gefangen gehalten. Also Helga. Ich will… ich WERDE versuchen sie zu befreien. Das... das war’s. Die Kurzform. Bist du jetzt zufrieden, Händler?“.

Erleichtert atmet der Fhokki tief durch. Er spürt wie ihm der Schweiß auf der Stirn steht, doch ebenso wie die Anspannung langsam von ihm weicht. Vielleicht war es ganz gut so und Basilio hat ihm sogar einen Gefallen getan. Langsam zieht er die Hand aus der Tasche, mit der er die ganze Zeit auf dem Haarband rumgeknetet hat und bewegt die Finger, um die Verkrampfung zu lösen. Verlegen senkt er noch vor Basilios Antwort den Blick und fängt an, an seinem leeren Becher zu spielen.

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #9 am: 13.12.2015, 14:12:29 »
Basilio starrt Siola mit offenem Mund hinterher. Sein Lebtag hat er noch keine Frau zum Weinen gebracht. Nun ja, seine Schwester, einmal. Ein einziges Mal, als er ihr nämlich sagte, dass er zur Armee wolle. Aber da war ihm völlig klar, warum, oder zumindest in etwa, und den Rest hat sie ihm gleich erklärt. Hat ihm die Namen der Onkel, Vettern und sämtlicher den beiden namentlich bekannter Verwandter und Familienfreunde heruntergesagt—und an den Fingern abgezählt—die auf dem Feld der Ehre gefallen waren. "Ich kann nicht auch dich verlieren!" hat sie gejammert. "Ich habe doch nur noch dich!"

"Ich, äh, was", stammelt Basilio ebenso eloquent wie seinerzeit, nur deutlich verwirrter. "Das ist mir jetzt noch nie... Ähm, also normalerweise, wenn ich Frauen anspreche... wie soll ich sagen, geweint hat da noch keine... kichern und tuscheln und dabei die Köpfe zusammenstecken, so kenn' ich das... Habe ich was falsches gesagt?"

Sein Blick ist ehrlich betroffen.

Kurz darauf aber überrascht Flannait ihn mit ihrem gänzlich unerwarteten Beitrag zum Thema Hochzeitsgeschenk, und er im Gegenzug sie durch den verträumt-verzückten Ausdruck, der sich auf seinem Gesicht ausbreitet. Ein Kleid aus Seide! Nicht bloß ein Schal, ein ganzes Kleid. Ha! Da würde Luis Labat[1] nicht mithalten können! Ja, ja, ja, genau das soll es werden! Dummerweise ist sein Beutel leer. Das Strahlen erlischt.

"Hm", murmelt er bei sich. "Dann muss ich mich wohl doch den Räubern anschließen."

Dann läd er sich erst einmal, trostsuchend, den Teller mit allen Speisen, die er selbst oder durch Helfershelfer erreichen kann, ein zweites Mal reichlich voll, bis die aufgetürmten Erbsen bereits wieder hinabkullern, und haut rein.

So lange braucht Manik denn auch, um sich zu dem Entschluss aufzuraffen, Basilios Frage zu beantworten. Basilio lauscht den gestammelten Erklärungen und erwidert, nachdem er seinen Gürtel eins weiter gemacht hat: "Äh, du weißt, dass du und Bosol geschrieen habt, als ihr euch über Helga unterhalten habt? Ein Händler wie ich kann nämlich gleichzeitig reden und zuhören, deshalb weiß ich das alles."

Unter Anleitung Hauptmann Kolyaks hat Basilio außerdem Techniken erlernt, wie man aus mehreren gleichzeitig laufenden Gesprächen jeweils das wichtigste herausfiltert.

"Und derlei geplante Überraschungen während einer militärischen Aktion sollte man doch zumindest mit seinen Kameraden absprechen, da diese dabei draufgehen könnten, ganz zu schweigen von den sonstigen Folgen, falls wir bei der ganzen Aktion scheitern sollten."

Basilio spart sich, darauf hinzuweisen, dass Verschweigen auch eine Form der Lüge ist, dazu in diesem konkreten Fall eine, die wesentlich mehr Unheil hätte anrichten können als Basilios völlig harmlose Behauptung, ein Händler zu sein: zur Überwindung eines jeden Streites muss sich halt einer als der größere Mann erweisen.

"Auf die Idee, dass du mit unserer Hilfe eine größere Chance hättest, bist du auch noch nicht gekommen, oder?"

Nicht, dass Basilio begeistert über die weitere Komplikation ist. Das Gegenteil ist der Fall. Aber in dieser Situation, das sieht er sofort, wäre jeder Versuch, dem Burschen die Aktion ausreden zu wollen, zwecklos.

"Ist sie dein Mädchen?"

~~~

Am Abend lässt Basilio sich willig genug von Flannait abschleppen, auch wenn er dabei einen herzzerreißenden Seufzer tut.

"Kann ich nicht einmal im Leben etwas richtig machen? Jedem anderen Mann, der nächtens von einer hübschen jungen Frau mit solch erregtem Eifer in einen Stall gezerrt wird, schlüge wild das Herz im Hals in berechtigter Vorfreude auf den gemeinsamen Ritt im Heu! Und was blüht mir dagegen?"

Vor keiner anderen Frau würde Basilio so daherreden—eben diese Unfähigkeit hat ihn vor zwei Jahren disqualifiziert, als Kurier nach Kalamar geschickt zu werden—aber Flannait hat an der korakischen Südfront zehnmal derbere Sprüche mitangehört. Nicht nur das, sie war auch über Wochen mit Basilio und drei Kameraden tief im Feindesland unterwegs, währenddessen man sich notwendigerweise niemals aus den Augen lassen durfte, egal wie privat die Verrichtung, dass es zwischen ihnen also eigentlich nichts gibt, das ihr—oder ihm!—die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte. In Basilios Augen ist sie "einer von den Jungs."

Und doch weiß ich privat rein gar nichts über sie. Das ist irgendwie... verkehrt herum.

Während er nun ihrem Fragenschwall lauscht, fährt er sich mehrmals über das Kinn. Solchermaßen daran erinnert, dass er seit—wie vielen?—Tagen kein Rasiermesser mehr zur Hand hatte, kratzt Basilio sich in der folgenden Stille erst einmal gründlich die juckenden Bartstoppel.

"Queste sono un sacco di domande. Fammi vedere a quale posso rispondere."[2]

Gegen die Stallwand gelehnt, überlegt Basilio kurz, dann beginnt er zu erklären, wie er die Lage sieht. Er redet langsamer als vorhin bei Tisch, weniger aufgeregt, ernster.

"Essi non solo hanno dichiarati innocenti, sono innocenti, almeno nella cosa di che furono accusati. E i banditi non solo sono tenuti a dare la colpa, abbiamo colto sul fatto! Queste sono le due cose che so, Flannait. Inoltre, il seguente: quando ero in Kezhdal, non ho visto un solo segno di una mobilitazione o di altri accordi che avrebbe preso in previsione di una guerra imminente. Vogliono fare la pace con i umani? Se avessero voluto la guerra con noi, si potrebbe semplicemente tornare a Norga-Krangel. Sarebbero tra i propri simili, e potrebbe odiarci e fare la guerra a piacere. Vogliono fare la pace con gli elfi? Questo è più difficile. Come faccio a Barkas: detto ora sarebbe almeno avere l'opportunità di provarlo. Così, se il tuo nonno muore. Tale opportunità non arriverà presto di nuovo.[3]

Vogliono la pace? Li devono volere, altrimenti non avrebbero sopportato in silenzio così tanto negli ultimi venti anni. Orgoglio, Flannait, devono aver soppresso il loro orgoglio. Quello che ho detto prima non era avventato: possono in pochi paese povero che viene lasciato loro dal Trattato con Dorwida (e l'invasione degli elfi), in realtà sopravvivono a malapena. Pochi giorni fa sono stati brevemente abbandonano. Maru, la loro Dariba, ha detto che era meglio se tutti fossero a morire sul campo di battaglia, come così infelice continuare a vivere.

Pertanto, si può dare solo la pace, se si porta insieme. Perché la gente parla sempre tanto di pace, quando dipendeva solo da un lato?

Quindi la domanda è: Vogliamo la pace? Vogliono la pace gli elfi? Inoltre dovremmo essere d'accordo.
[4]

Basilio sieht Flannait ernst an. Nach einer geraumen Weile fragt er leise: "Vuoi la pace, Flannait?"[5]
 1. Amells Verlobter, der jüngere Bruder von Hauptmann Jerom Labat
 2. Kalamarisch für: "Das ist ja ein ganzer Sackvoll Fragen. Lass mich sehen, welche davon ich beantworten kann."
 3. "Man hat sie nicht nur für unschuldig erklärt, sie sind unschuldig, zumindest in der Angelegenheit, die man ihnen vorwarf. Und die Banditen sind nicht nur angeblich schuld, wir haben sie auf frischer Tat ertappt! Das sind die beiden Dinge, die ich weiß, Flannait. Außerdem folgendes: als ich in Kezhdal war, habe ich keinerlei Anzeichen für eine Mobilmachung oder sonstige Vorkehrungen, die man in Erwartung eines baldigen Krieges treffen würde, gesehen. Wollen sie Frieden mit den Menschen? Wenn sie Krieg mit uns wollten, könnten sie einfach heim nach Norga-Krangel. Sie wären unter ihresgleichen und könnten uns nach Herzenslust hassen und bekriegen. Wollen sie Frieden mit den Elfen? Das ist schon schwieriger. Wie ich Barkas sagte: Jetzt wäre zumindest die Gelegenheit, es zu versuchen. Also, wenn dein Großvater stirbt. Eine solche Gelegenheit wird so schnell nicht wiederkommen."
 4. "Wollen sie Frieden? Sie müssen ihn wollen, sonst hätten sie in den letzten zwanzig Jahren nicht so viel schweigend erduldet. Stolz, Flannait, sie müssen mächtig Stolz hinuntergeschluckt haben. Was ich vorhin sagte, war nicht unbedacht: sie können auf dem wenigen, schlechten Land, das ihnen durch den Vertrag mit Dorwida (und die Invasion der Elfen) geblieben ist, wirklich kaum überleben. Vor wenigen Tagen waren sie kurz davor aufzugeben. Maru, ihre Dariba, sagte, es sei besser, wenn sie alle auf dem Schlachtfeld stürben, als so elend weiterzuleben.
Deshalb kann es hier nur einen Frieden geben, wenn man ihn gemeinsam herbeiführt. Warum reden die Leute immer so über den Frieden, als hinge er nur von der einen Seite ab?
Die Frage ist also: Wollen wir Frieden? Wollen die Elfen Frieden? Darüber sollten wir uns halt einigen."
 5. "Willst du den Frieden, Flannait?"
« Letzte Änderung: 27.07.2016, 14:06:51 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Manik

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Gulasado
« Antwort #10 am: 13.12.2015, 19:18:28 »
Nein.“, antwortet Manik auf Basilios letzte Frage zuerst und muss unwillkürlich für eine Sekunde schief grinsen. „Im Gegenteil. Wir haben uns oft gegenseitig geärgert.“ Aber sie war die beste Freundin meiner Schwester und ist somit die engste Verbindung zu ihr, die ich noch habe. Dies fügt der Fhokki nur in Gedanken hinzu.
Und ich wusste doch nicht, ob ihr mir überhaupt helfen wollt!“, entgegnet Manik betreten.
Die Probleme eines einzelnen, gegen die Unwägbarkeiten volkweiter Auseinandersetzungen. Was hätte ich der Rothaarigen den sagen sollen? ‚Ach übrigens. Bei unserem Plan müssen wir drauf achten, dass wir noch jemanden retten?‘? Da hätte sie sicher positiv drauf reagiert. Und bei euch… aus dir wird keiner schlau. Unser symphatischer, köpfeaufsammelnder Brandobianer hat nur das Münzen sammeln im Sinn. Hätte vielleicht gegen ein paar derselben geholfen. Lediglich bei Sanjan hatte ich das Gefühl, dass der mir helfen würde. Ansonsten waren eure Reaktionen nicht vorhersehbar, daher habe ich es immer weiter aufgeschoben, immer weiter. Hätte ich auch weitergemacht mit. Bis es nicht mehr gegangen wäre. Das wichtige Zwischenziel, einen Frontalangriff verhindern, wurde ja erreicht.“ Inzwischen hat der Fhokki sich einen weiteren Becher Wein eingeschenkt. „Danke.“ Brabbelt er fast flüstern Richtung Basilio, bevor er den Becher halb hinunterstürzt. Ja. Er muss ihrem Winzling dankbar dafür sein, dass er das Thema zur Sprache gebracht hat.

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #11 am: 13.12.2015, 19:41:04 »
"Ich tue, was getan werden muss", sagt Basilio in einem Ton, den an diesem Tisch außer Flannait noch keiner gehört hat. "Das sollte reichen, um schlau aus mir zu werden."
« Letzte Änderung: 13.12.2015, 20:02:11 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Jamir Masaad

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Gulasado
« Antwort #12 am: 13.12.2015, 19:47:43 »
Jamir saß in seiner schweren Bänderrüstung am Tisch. Der Weg dorthin war recht beschwerlich. Es ging nicht um den Weg zu Jareshs Anwesen, sondern um das letzte Stück auf dem Stuhl an der Tafel. Wenigstens wurde dieser Teil der Reise gut entlohnt. Still und aufmerksam lauschte Jamir den wilden ständig wechselnden Gesprächen um sich herum. Hier fluchte die Halblingsfrau über den Bürgermeister Dorwidas, dann sprachen sie über Hochzeitsgeschenke bis eine der Damen peinlich berührt das Speisezimmer verlies. Irritiert sah er ihr nach.

Danach sprach der große Kämpfer über interessantere Themen. Zumindest einer der sich um die wichtigen Themen kümmerte. Also spitzte der Halbe die Ohren während er reichlich von den guten Speisen genoss und auch etwas vom Wein.

Wieso schrie Manik denn plötzlich Basilio an? Gut Basilio konnte mit seinem Gerede schon hin und wieder anstrengend werden, aber gleich so aus sich rauszugehen? Und wer war diese Helga? Und wieso dachte Manik, wir wären wegen ihr unterwegs? Oder hatte er das falsch mitbekommen?

Gerade Jamir nach dem Nachtisch griff, schaute er in die Runde. „Wie ist denn nun der Plan? Offenbar seid ihr euch noch nicht einmal einig darüber ob wir diese Burg mit den Banditen angreifen sollen. Das finde ich einen guten Ansatz. Um Frieden zu bringen, ist der Weg des Stahls in den seltensten Fällen der Beste. Mitunter kann ein Erkundungstrupp die Lage ausspähen und wir beschließen dann weitere Schritte, oder?“ Jamir lehnte sich im Stuhl zurück und leerte seinen Weinbecher, eher er sich dem Nachtisch widmete.

Tarqetik

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Gulasado
« Antwort #13 am: 13.12.2015, 20:45:43 »
Tarqetik blickt über den Tisch den kleinen Mann an, der im Ratsaal zu ihnen gestoßen war. Niedlich anzusehen aber genauso wenig zu unterschätzen. Der Krieger greift in einer Schüssel nach einem handlichen Essensbestandteil und  wirft es sich auf den Teller. Da der Gürtel bereits offen ist, ist ein kleiner Nachschlag sicher nicht auszuschlagen; wenn die Hoffnung auf ein Schläfchen dahinter ruht.

"Seit Ihr Euch da sicher", meint Tarqetik zu Jamir. "Stahl mag nicht der Beste Weg sein, Frieden zu bringen, aber er ist der praktischere und nicht so nervtötend wie der des Olivenzweiges und Zungenknoten."
Der Brandobianer lächelt kurz in sich hinein und setzt hinzu: "Aber ich bin voreingenommen, da mit nur eines davon den täglich Broterwerb garantiert. Und wenn ich an die Ratsversammlung denke, auch der weitaus ehrlichere."
« Letzte Änderung: 14.12.2015, 07:06:55 von Tarqetik »

Basilio Aristide

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Gulasado
« Antwort #14 am: 14.12.2015, 00:40:08 »
"Wir waren der Erkundungstrupp", sagt Basilio. "Eine ganze Woche lang haben wir nichts anderes getan als die Lage auszuspähen. Und was wir gefunden haben ist eine Bande, die ohne jeden Skrupel zwei oder gar drei Dörfer gegeneinander aufhetzen wollte, bis sich alle gegenseitig niedermetzeln. Und genau diese Situation kann noch eintreten, wenn wir nicht rasch und entschieden handeln. Dass wir ihm auf die Schliche gekommen sind, bringt diesen Sildan doch höchstens in Zugzwang; seinen Plan aufgeben wird er oder sein Auftraggeber deshalb noch lange nicht. Außerdem wurde der Sturm auf die Festung bereits beschlossen, von den Leuten, die dies zu entscheiden haben. Was immer wir unter uns für Zusatzaktionen beschließen, darf nicht dazu führen, dass wir unseren Beitrag am Gesamtunternehmen versäumen. Aber das alles können wir erst unterwegs besprechen, nachdem die Kommandantin uns über ihren Plan in all seinen Details und auch über das Gelände aufgeklärt hat."

Was hat der Halbling vorhin erzählt? Der Führer seines Ordens habe ihn in die Welt hinausgeschickt um zu sehen, wie er sich außerhalb der sicheren Klostermauern mache? Mehr weiß er noch nicht von der Welt? So ganz ohne, dass jemand zupackt und sich vielleicht sogar die Hände schmutzig macht, geht es doch nicht mit dem Frieden. Ha, was für eine Naivität! Den Kriegstreibern den Frieden bringen zu wollen!

Andererseits klang dein Auftrag ganz ähnlich, Basilio. In den Worten deines Vaters: 'Zeig uns erst einmal, wie du dich da draußen anstellst. Wenn du lebend zurückkommst, sehen wir weiter.'

Basilio leert seinen Weinkrug—es ist noch sein erster—und schenkt sich Wasser nach. Dies kippt er in einem Zug runter, blinzelt zweimal, gähnt dann, und wendet sich hoffnungsvoll an ihren Gastgeber: "Von einem Bad war noch die Rede? Ein richtiges Bad mit allem drum und dran: warmem Wasser, Seife, duftenden Rosenblütenblättern, sauberer Kleidung für die Nacht, die eigene wird derweil von der fleissigen Hand einer Magd gewaschen, die ich gerne hinterher mit Küssen bedecken werde... Also ich meine die Hand, nicht die Magd... äh..." endet er stotternd mit erhitztem Gesicht. Wie gut, dass die Tochter des Hauses sich bereits zurückgezogen hat!
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

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