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Autor Thema: Kapitel I: Wen die Muse küsst  (Gelesen 16832 mal)

Beschreibung: Ein Semesterstart mit neuen Perspektiven

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Ricky

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #15 am: 15.04.2016, 06:34:18 »
Rick ist froh, daß er doch nicht so spät wie gedacht da ist und noch einen Platz weiter hinten abbekommt.
Dort stellt er seinen Klarinettenkoffer unter den Stuhl und versucht eine bequeme Sitzhaltung zu finden.
Denn den Vortrag, der jetzt kommen wird, hat in ähnlicher Form schon die Jahre zuvor gehört.
Einer der Gründe weshalb er auch schon nach wenigen Minuten gar nicht mehr zuhört, sondern seine Gedanken schweifen läßt. Wieder ist er bei dem Stück, das er gleich spielen soll. Aber noch immer hat er sich nicht für eine Variante entschieden. Wieder und wieder geht er es im Kopf durch und entschließt sich dann für eine eigene Interpretation, die bestimmt einige überraschen wird.

Gerade ist er zu dem Entschluss gekommen, als auch schon die Rede des Rektors endet. Ricky kam sie gar nicht so lang vor, aber schliesslich hat er auch nicht zugehört.
Das Spiel seiner Mitschülerin genießt er. Zurückgelehnt und mit geschlossenen Augen lauscht er aufmerksam auf jede Nuance ihres Spiels. Nichts bleibt seinem Gehör verborgen, wie zum Beispiel der sanfte Anschlag während eines Teils, wo andere Künstler eher einen kraftvollen wählen. Oder die Achtelnoten, die im Original als Viertelnoten vorkommen und hier für ein wenig mehr Lebendigkeit im Stück sorgen.
Als sie geendet hat, öffnet er wieder die Augen. Und als er sieht, wie er nach vorne gewunken wird, erschrickt er kurz. Aber das kurze Lampenfieber ist er inzwischen gewohnt und wenn es nicht auftauchen würde, wäre er bestimmt erst recht verunsichert. Rick greift unter seinen Stuhl und holt den Koffer hervor, um sich dann auf den Weg zur Bühne zu machen.
Dort angekommen nimmt er fast zeremoniell die Klarinette heraus und macht sie spielbereit. Noten hat er keine dabei; er hat sie in seinem Kopf.
Noch einmal atmet er durch, während der Rektor seine Erklärung abschließt.
Kurz verbeugt er sich vor dem Plublikum und setzt dann das Instrument an die Lippen. Er schließt erneut die Augen, um sich der Musik hinzugeben.
Den Anfang spielt er langsam in Moll. Und so klingt es traurig, getragen. Rick hofft, so das Gefühl einzufangen, das die neuen Schüler wohl empfinden müssen, da sie ihr Heim, ihre Familien und viel Vertrautes hinter sich lassen.
Abschied!
Doch dann wird sein Spiel schneller und fröhlicher. Etwas anderes soll in die Herzen der Zuhörer fliessen. Das, was die Neuen ebenfalls fühlen sollten; was er jetzt verstärken möchte, um sie die Trauer vergessen zu lassen. Die Noten hüpfen fast aus dem Instrument.
Aufregung, Neugier über das Kommende!
Und dann läßt sich Ricky ganz in sein Spiel fallen. Wenig ist sein Spiel nun von den Vorgaben des Komponisten geprägt. Stattdessen läßt er einfach seine Finger die Klappen bewegen, wie es ihnen gefällt. Er weiß, daß sie schon die Richtigen Töne treffen werden.
Die Freude an der Musik!
Diese drei Gefühle soll sein Spiel vermitteln und in den Zuhörern wecken[1].
Er selbst sieht beim Spiel vor seinem inneren Auge die Szenen, wie sie sich in seinem Leben abgespielt haben und kann so die Gefühle auch noch einmal erfahren.
Als er dann geendet hat, öffnet er Augen und schaut leicht verträumt ins Publikum. Ob sie verstanden haben, was er erreichen wollte?
 
 1.  2 Erfolge gg. 7

Dieter von Stein

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #16 am: 16.04.2016, 10:16:24 »
Dieter langweilt sich. Der selbe sinnfreie Sermont, die selben sinnfreien Lieder in erbärmlicher Ausführung, der selbe Höflichkeitsapplaus wie jedes Jahr. Das hier ist nicht nur eine Farce. Dass hier ist eine verdammte Beleidigung guten Geschmacks. Nur mühsam kann er ein Lächeln aufrechterhalten. Nur mit Anstrengung seine Hände zu höflichem Beifall animieren. Eigentlich wartet er nur darauf, diesen Zirkus wieder verlassen zu können- aber wie immer würde es noch Stunden dauern bis er entlassen wird. Gerade tritt wieder ein Junge auf die Bühne- mit einer dieser geckenhaft- gewöhlichen Tollen, die heute jeder selbsternannte Stern am Himmel zu tragen schien. Ein weiterer lächerlicher Freund der modernen Verirrungen der Musik. Eigentlich erwartet der Deutsche nur einen weiteren, auf kalte Perfektion getrimmten, herzlosen Vortrag. Dreht sich schon halb interessiert weg- und stutzt dann doch. Das, was dieser dreiste Kerl da vorne spielt ist eindeutig nicht, wie das Stück gespielt werden sollte. Er tut etwas, was heute kaum jemand wagt- seine eigene Note in das Stück einfügen. Und das nichtmal schlecht (wenn auch weit davon entfernt, wirklich gut zu sein). Er bringt ihn tatsächlich dazu zuzuhören. Am Ende weicht der Spieler tatsächlich vollends von dem Muster der Komposition ab. Gegen seinen Willen ist Dieter beeindruckt. Für so ein Brechen aller Konventionen muss man Arsch in der Hose haben- und dieses Mal spendet er, widerwillig, tatsächlich echten Applaus. Nicht weil der Kerl davorne wirklich gutes Spiel drauf hätte- sondern weil er Mut beweist, der den meisten Yankees fehlt. Sollte dieser Kerl da vorne tatsächlich weniger ein Feigling als die anderen Yankees sein?

Aber eigentlich ist es egal. Da vorne steht trotzdem nur ein Yankee, wenn auch ein mutiger Yankee- und vermutlich noch ein Yankee mit erbärmlichem Geschmack der Musik. Ein Freund des Lärms, der heute als Musik gilt. Ein Arschloch wie alle Anderen, der keine Vorstellung von Manieren und Anstand hat. Eigentlich ist es traurig. Heute scheint die ganze Welt den Verstand verloren zu haben...

"Ein weiteres Lied das beweist dass heutzutage das Publikum eher das Neue als das Gute schätzt..." knurrt er halblaut auf Deutsch. Wendet sich ab, beschämt, dass ihm das Geflöte auch noch gefallen hat...

Changeling

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #17 am: 16.04.2016, 20:00:08 »
Das Spiel Rickys scheint Eindruck zu machen: Die Ruhe des Publikums während seines Vortrags wie auch der darauf einsetzende Applaus sind merklich mehr, als die reine Höflichkeit erfordert[1]. Lediglich einige der Pädagogen machen irritierte bis leicht ärgerliche Mienen. Der konservativere Teil des Lehrkörpers wirkt nicht recht einverstanden mit seinem zwar flüssigen und technisch gefälligen, aber so ganz und gar nicht dem Vorbild folgenden Spiel. Lediglich Miss Douglas[2] nickt ihm mit einem kaum merklichen Lächeln zu, das sie verbirgt, indem sie sich vorbeugt, um an ihrem Rocksaum zu zupfen. Morten hingegen wirkt kurz irritiert, lächelt aber breit, als er den Applaus vernimmt, und entlässt Ricky mit einem kurzen Nicken. Darauf beeilt er sich, die stilistische Vielfalt hervorzuheben, die bei allem notwendigen Pochen auf Grundlagen und Form am Konservatorium ebenfalls nicht zu kurz kommen darf.

Zwei Schülervorträge und eine kurze Vorstellung der wichtigsten Kollegiumsmitglieder später beendet der Rektor die Veranstaltung, worauf sich Schüler, Neulinge und Eltern erheben und die Aula wieder von einem allgemeinen Stimmengewirr erfüllt wird. Bei Ayleen stehen auch Laura Ann und Tiffany auf, worauf die erstere die beiden anderen an den Ärmeln mit sich zur Seite zieht und tuschelt: "Na endlich..! Also, passt auf: Ich habe da kürzlich was entdeckt, das euch aus den Socken hauen wird! 'ne alte Partitur... von 'nem Pauker, den sie hier rausgeschmissen haben – muss so vor zehn Jahren gewesen sein. Wie's aussieht, kurz nachdem er das Stück mit 'ner Gruppe von Schülern geprobt hatte. Und jetzt haltet euch fest: Von den Schülern ist nach der Probe auch keiner mehr am Konservatorium geblieben! Alle ganz plötzlich weg – rausgeworfen oder freiwillig, keine Ahnung." Sie sieht sich um und grinst dann verschwörerisch. "Ist ja auch egal – auf jeden Fall hab' ich mir gedacht, das Ding spielen wir auch. Das bringt todsicher 'n bisschen Schwung in die Langeweile hier! Ich brauche nur noch'n paar Leute, die sich trauen, mitzumachen." Wie sie an ihr Wissen gelangt ist, davon erwähnt sie keine Silbe.

Dieter ist gerade auf dem Weg nach draußen, als er stutzt. Denn an sein Ohr dringt eine aufgeregt tuschelnde weibliche Stimme, die gerade vergeblich versucht, ein deutsch klingendes Wort herauszubringen, ohne über ihre eigene Zunge zu stolpern. "Er hat das Teil Oun-aint-leech-kayz-Concert genannt oder so ähnlich. Ich hab's mir von 'nem Bekannten übersetzen lassen: Das heißt soviel wie Infinity Concert. Der Name klingt doch nach was, oder, Mädels?" Derweil kommt auch Ricky seines Weges. Er entdeckt seinerseits Eddy, der mit reichlich finsterem Blick aus einiger Entfernung abwechselnd Dieter und eine Gruppe von drei Schülerinnen mustert, während an ihm vorüber Menschen dem Ausgang zuströmen. Seine Hände hat er tief in den Hosentaschen vergraben, doch seine Haltung wirkt, als seien sie zu Fäusten geballt.
 1. 1 Erfolg gegen 7: Der Vortrag ist mitsamt den improvisierten Teilen fehlerlos gelungen
 2. Siehe Dramatis Personae

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #18 am: 18.04.2016, 22:51:09 »
Weiterhin still, in perfekter Haltung und höflich lächelnd lässt Ayleen die Rede und die erste Darbietung über sich ergehen. "So weit, so wenig Neues...", denkt sie, während sie in höflicher Art Beifall klatscht. Erst Rickys Darbietung gewinnt ihre Aufmerksamkeit: "Eigentlich schon kein leichtes Stück und dann nimmt er keine der gängigen Interpretationen? Versehen oder Eigensinn oder abgesprochen?", überlegt sie und belässt es bei der höflichen Menge Beifall. Die anschließenden Worte des Rektors amüsieren sie ein wenig, ihm scheint es nicht so recht gepasst zu haben. Den Rest der Veranstaltung lässt sie wieder an sich vorüberplätschern. Es war weder neu noch informativ für sie. Aber immerhin wirkte es am Ende kürzer als sonst.
Als sie sich gemeinsam mit dem Großteil aufmachen möchte zu den Vorstellungen der Klubs und andern außerschulischen Aktivitäten, hält Laura sie auf. Ohne viel Reaktion hört sie ihren Ausführungen zu, grübelt aber sofort fieberhaft: "Etwas, das geeignet war, Leute von der Schule zu werfen? Und da soll ich mich beteiligen, wo ich so schon einen schwierigen Stand habe? Kann sie vergessen, zumal sie im Zweifel wieder alle Schuld auf andere schiebt, und es gibt genug, die mich nur zu gerne einen Fehltritt machen sehen, um ihre Vorurteile bestätigt zu sehen und mich loszuwerden." Aber ein grundsätzliches Interesse hat sie schon und Laura will sie nicht gehen lassen, daher antwortet sie nicht direkt auf die Frage, sondern stellt eigene: "Wo kommt die denn her und woher kennst du die Geschichte? Die ist spannend, wer waren denn die Armen und wann war das passiert?"

Changeling

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #19 am: 19.04.2016, 12:02:04 »
Tiffany macht den Eindruck, als fühle sie sich ebenfalls leicht unbehaglich, doch wie kaum anders zu erwarten, bleibt die Schülerin stumm und hört Laura Ann zu. Diese grinst bei Ayleens Fragen. "Wie gesagt, das ist rund zehn Jahre her. Müssen Leute kurz vorm Abschluss gewesen sein, zwei Mädels und drei Jungs. Sie haben das Stück wohl für die Abschlussfeier geprobt, und die Partitur, die hat dieser Lehrer besorgt, glaube ich. Von wo... keine Ahnung." Sie sieht sich um und beugt sich vor, um zu wispern: "War gar nicht mal so schwer, an die Infos ranzukommen. Ich habe mich schon immer gewundert, warum es in der Vorhalle bei den Fotos von den Abschlussjahrgängen ein Bild mit einem Kurs ohne Lehrer und mit ganz schön wenigen Schülern gibt. Da hab' ich eben ein bisschen nachgeforscht... ist alles in den Schulakten. Na ja, jedenfalls die offizielle Version" meint sie dann mit einer abwinkenden Geste, als sei es ganz alltäglich, dass Schüler Einsicht in die Verwaltungsakten haben. "Jedenfalls gab's bei einer Probeaufführung irgendeinen Vorfall. Da ist wohl 'ne Schülerin verschwunden, und deswegen haben sie angeblich den Pauker rausgeworfen und den Kurs fast halbiert. Ehrlich gesagt, das passt alles nicht so recht zusammen. Wer weiß, was die da vertuscht haben... Aber was das wichtigste ist: Die Partitur, die gibt es noch." Sie zeigt wieder ein breites Grinsen, als sie Tiffany und Ayleen mit sich zu ziehen versucht, in Richtung Ausgang, wohin jetzt fast alle streben.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #20 am: 20.04.2016, 17:50:37 »
Ayleen nimmt die Informationen aufmerksam auf und denkt über sie nach: "Vor zehn Jahren heißt, ich weiß nichts davon, aber mein Vater könnte unter Umständen. An die Lehrer und Angestellten, die damals schon da waren, komme ich nicht heran und wie die an die Akten rangekommen ist, ist mir ein Rätsel. Das Foto sollte ich mir anschauen. Das Ganze könnte man fast für eine Gruselgeschichte halten." Tiffanys Unruhe kann sie nachvollziehen, geht aber nicht darauf ein.
Ihr höflich-freundliches Gesicht ist einem ernsten gewichen, als Laura beginnt, beide mitzuziehen. Die Cherokee geht geistig kurz ihre Termine durch, ob sie jetzt gleich noch etwas zu erledigen hat. Aber ihre wenigen Klubs hatten sie wie immer nicht Werberin eingeteilt, sondern nur als Aufbau- und Aufräumhilfe, wie immer. Nur die MESoftuG erwartete sie am späteren Nachmittag. Von daher ließ sie sich mitziehen.
Mit einem eher gekünstelten Lachen fragt sie verschwörerisch: "Nun lass' dir doch nicht alles einzeln aus der Nase ziehen! Wer war der Lehrer, wer die Schüler, was wren deren Geschichten? Komm schon, erzähl'!" Sie entwindet sich zwar dem Griff, hält dann aber Schritt mit den anderen und benimmt sich, als würden sie oberflächlich plaudern beziehungsweise sich wahrscheinlich über Jungs austauschen.

Changeling

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #21 am: 21.04.2016, 14:42:45 »
Die Dreiergruppe der Mädchen treibt im Strom der Menschen mit, die die Aula verlassen. Tiffany folgt zwar Laura Ann, die sie am Arm zieht, widerstandslos, aber sie wispert mit besorgter Miene: "Ich weiß nicht, das klingt alles so, als ob man sich da ziemlichen Ärger einhandeln könnte..." Die andere Schülerin kichert. "Du bist ein solcher Hasenfuß..! Was soll denn bitte passieren? Der ganze Aufruhr damals war doch bloß wegen des verschwundenen Mädchens. Wer sollte was dagegen haben, wenn wir das Stück spielen, hm?" Sie wendet sich an Ayleen, ohne ihre Mitschülerin loszulassen, die sie mittlerweile wie ein widerstrebendes Kleinkind an der Hand mit sich zieht.

"Also: Der Lehrer hieß Burton – so'n ziemlich sportlicher, junger, echt süß, wenn du mich fragst! War wohl noch nicht lange an der Schule. Kam über den großen Teich, aus England, glaub' ich. Keiner von hier. Die Namen der Schüler haben mir nichts gesagt. Wieso? Glaubst du, die sind irgendwie wichtig?" plappert sie munter vor sich hin. "Ich dachte, das wichtigste ist das Stück. Hab' sogar schon versucht, ein paar Passagen zu spielen. Es ist irgendwie... ah, das lässt sich schwer beschreiben. Aber wartet's ab, ihr werdet es schon selbst spüren." Das sagt sie mit solcher Überzeugung und so ungewohnt ernst, dass Ayleens und Tiffanys Blicke sich unwillkürlich treffen.

Dieter von Stein

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« Antwort #22 am: 23.04.2016, 09:25:18 »
Leise knirscht Dieter mit den Zähnen, versucht sich den Kommentar zu verkneifen, über die Vergewaltigung der Sprache, mit der er groß geworden ist den Mund zu halten- aber schließlich scheitert er. "Unendlichkeitskonzert. Man spricht es Unendlichkeitskonzert aus. Du schändest es mit deiner Aussprache, Yankee... " Dieter hat sich, die finsteren Blicke Eddies auf sich ruhend, der Gruppe genähert. Hofft, dass Eddy von der Präsenz des weiblichen Geschlechtes soweit abgeschreckt wird, dass er ihm zumindest jetzt noch nicht wieder demonstriert, dass die amerikanische Kultur auf Gewalt und Unterdrückung ausgelegt ist. Er muss sich interessant machen. "Ihr könnt kein Deutsch, und vermutlich versteht ihr den Großteil der Anmerkungen nicht. Und..." Er stockt. Sollte er die nächsten Worte wirklich aussprechen? Natürlich ist die Aussicht, ein deutsches Meisterwerk in diesem Hort der Unkultiviertheit zu finden verlockend- vor Allem ein offenbar vergessenes Meisterstück. Aber dazu einfach sich fremden Frauen anschließen? Noch dazu erstaunlich ansprechenden? Tiffany ist ihm schon öfter aufgefallen- aber bislang hat er sich nicht dazu herabgelassen, sie anzusprechen. Vielleicht würde sich ja eine Chance ergeben, sie hier besser kennen zu lernen...?

"Außerdem klingen verschwundene Schüler und verbannte Lehrer nach etwas Abwechslung. Ich sollte euch helfen, mal abgesehen davon, dass klassische Stücke ohne Klavierbegleitung meist nicht ihr volles Potential. Und unter den anderen Schülern einen annehmbaren Spieler zu finden wird schwer."

Äußerlich wirkt er ruhig- aber innerlich klopft sein Herz, vor Allem, als sich Tiffanies Blick und der Seine kurz kreuzen. Mit aller Macht versucht er sich vom Erröten abzuhalten- mit mäßigem Erfolg.

Changeling

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« Antwort #23 am: 23.04.2016, 14:20:46 »
Die Reaktionen auf Dieters Einmischung sind sehr unterschiedlich. Laura Ann dreht sich zu ihm herum, stemmt die Hände in die Hüften und grinst ihn mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Amüsement an. Sie mustert ihn von oben bis unten, pustet sich eine Haarsträhne aus der Stirn und meint, gar nicht einmal unfreundlich: "Na sieh mal an, da hat aber einer gute Ohren..." Indem sie sich an Tiffany und Ayleen wendet, fragt sie: "Was meint ihr dazu, Mädels? Lassen wir ihn mitmachen?" Ganz so, als sei alles bereits beschlossene Sache.

Tiffany dagegen scheint regelrecht erschrocken zusammenzuzucken, als die Stimme des Schülers die Mädchen unterbricht. Sie reibt unbehaglich die Flächen ihrer gefalteten Hände aneinander und scheint nicht recht zu wissen, wie sie auf seine Worte und die lässige Entgegnung ihrer Mitschülerin reagieren soll. Als sie ihn anschaut und seinem Blick direkt begegnet, wirkt sie zunächst überrascht und wendet ihre Augen rasch wieder ab. Dann scheint sie sich erst zu fragen, ob sein Blick wirklich ihr gegolten hat: Sie späht vorsichtig über ihre Schulter. Da hinter ihr jedoch niemand zu entdecken ist, der in Richtung des kleinen Schülergrüppchens schaut, schluckt sie, schielt kurz in seine Richtung und lächelt schließlich unsicher, wobei sie selbst rot anläuft.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #24 am: 23.04.2016, 17:42:32 »
Ayleen kann Tiffanys Besorgnis gut und Lauras Sorglosigkeit nicht verstehen, bewegt sich aber weiter in höflicher Unverbindlichkeit. Sie hört sich die weiteren Informationen an und erklärt sich: "Tatsächlich finde ich die beteiligten Parsonen interessant, zum einen gibt es mehr Aufschluss auf die Interpretation und den Inhalt des Stückes, zum anderen klingt das wie ein Kriminalfall. Wenn wir mehr wissen darüber, was passiert ist, können wir besser einschätzen, was warum passiert ist und ob wir Schwierigkeiten kriegen können." Ihre nächste Aussage kann Ayleen nicht einsortieren: "Ein komisches Gefühl? Na, dann wird es von Person zu Person und Laune unterschiedlich sein." Als sich ihr Blick mit Tiffanys kreuzt, lächelt sie ihr beruhigend zu und entschließt sich, etwas deutlicher in ihrer Einordnung zu werden: "Ich bin bereit, mir die Noten anzusehen und zu helfen, sie zu interpretieren. Aber mehr ist nicht versprochen!"

Als der blonde Junge die Aussprache der einen Gruppe korrigiert, bekommt sie ihn kaum mit. Erst als er sich dann bei ihnen einmischt und völlig von seiner Unentbehrlichkeit überzeugt 'großzügig' seine Hilfe anbietet, reagiert sie. Innerlich will sie sich nicht eingestehen, dass er ganz hübsch aussieht und nicht unlogisch argumentiert.,Sein Auftreten ärgert sie sehr. Beides lässt sie jedoch nicht nach außen, sondern sieht ihn mit neutral-abweisenden Blick an. "Hallo.", begrüßt sie ihn einfach und antwortet Laura, statt sich direkt an ihn zu wenden: "Grundsätzlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, wenn weitere dabei sind. Klavierspielen können wir zwar auch, aber es wird sich schon etwas finden. Solange er sich benehmen kann." Dann wendet sie sich wieder an ihn und lächelt übertrieben freundlich: "Es ist eine große Freude, die Gelegenheit zu bekommen, dich kennen zu lernen." Dann fällt ihr der Blickwechsel zwischen ihm und Tiffany auf, gepaart mit ihrer Unbehaglichkeit. Sofort macht sie einen halben Schritt schräg vor sie, ihr demonstrativ Deckung gebend. Hatte der Kerl nicht einen gewissen Ruf?

Ricky

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« Antwort #25 am: 24.04.2016, 23:00:59 »
Als auch Rick auf den Ausgang zugeht und Eddie so angespannt sieht, entscheidet er sich ein wenig nachzuhaken. Sollte der etwa ein Auge auf Laura Ann geworfen haben?
Rick hat nämlich die Mädchen schnell erkannt. Laura Ann ist einfach unverwechselbar. Aber das gilt auch für das Indianermädchen Ayleen. Und Tiffany hat er auch schon öfters gesehen, wenn sie etwas allein und verloren über den Campus wanderte. Es freut ihn, daß die zwei Außenseiterinnen sich anscheinend entschlossen hatten, etwas für ihr Sozialleben zu tun und sich mit Laura Ann anfreundeten. Denn wie konnte man sonst ihr Getuschel deuten.
Als er dann bei Eddie ankommt, spricht er ihn unverbindlich an.
"Hallo, Eddie. War ja mal wieder der übliche Vortrag wie jedes Jahr. Langsam sollte der Rex sich mal was Neues einfallen lassen, meinst du nicht?"
Unbewußt versucht er dabei die Gefühle des Gegenübers zu erfühlen.[1]
 1. Vllt. mit Empathie?

Changeling

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« Antwort #26 am: 25.04.2016, 15:25:12 »
Während Tiffany nach wie vor keinen Mucks von sich gibt und recht verunsichert wirkt, grinst Laura Ann immer breiter. "Schätze, wir kriegen so langsam die Leute zusammen, die wir brauchen" meint sie unbekümmert. Dann hält sie kurz inne und überlegt laut: "Ich hatte eigentlich vor, auf unser Zimmer zu gehen, aber Jungs dürfen ja eigentlich nicht in den Mädchenflügel. Hmmm... andererseits, uns wird schon keiner verraten, was meint ihr? Auf unserer Bude lauscht wenigstens keiner." In der Tat kommt es vor, dass Schülerinnen sich in den Jungenflügel stehlen und umgekehrt. Manche der jüngeren Lehrer übersehen diese kleine Regelwidrigkeit geflissentlich, solange das tagsüber passiert und die Türen der Zimmer offen bleiben. Tiffany nickt nach kurzem Zögern, bis ihr Blick auf Dieter fällt und sie derart tiefrot anläuft, dass sie sich ganz plötzlich intensiv für die Spitzen ihrer Schuhe zu interessieren scheint.

Eddy, der die Gruppe der drei Mädchen und Dieter im Auge hat, scheint Ricky erst verspätet zu bemerken. Mit einem "Hä, was..?!" dreht er sich um, als er angesprochen wird. Dann winkt er lässig ab und meint: "Der Alte redet doch eh nicht selbst. Ich gehe jede Wette ein, der lässt jedes Jahr 'ne Schallplatte ablaufen und bewegt nur die Lippen dazu." Dann mustert er Ricky, runzelt die Stirn und wirft wieder einen kurzen Blick zu den Mädchen hinüber und fährt sich mit einer Hand durch sein verdächtig im Lampenlicht schimmerndes Haar. "Na ja, muss langsam los, meinen Kram auspacken. Bis später dann..." meint er relativ abrupt und setzt sich in Bewegung Richtung Ausgang – nicht ohne von den Blicken einiger kichernder Schülerinnen jüngerer Jahrgänge verfolgt zu werden.
« Letzte Änderung: 25.04.2016, 15:26:33 von Changeling »

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #27 am: 28.04.2016, 22:31:21 »
Ayleen sieht Laura kurz irritiert an, bevor sie ihren Blick zurück auf Dieter richtet. "Die bringt uns noch in echte Schwierigkeiten. Sowas können wir uns nicht leisten. Es gibt genug, die, wenn sie Jungs bei uns entdecken, es sofort gegen uns verwenden." "Also wirklich, das geht doch nicht. Selbst wenn es nicht bemerkt würde, ist es immer noch untersagt. Außerdem, kaum eingezogen schon schleppst du einen Gast an, den du kaum kennst? Zumal Dorothy auch noch ein Wort mitzureden hätte. Wir brauchen einen anderen Treffpunkt." Sie überlegte einen Augenblick, dann schlägt sie innerlich seufzend vor: "Was wäre mit dem Probenraum im alten Flügel? Meistens nutzen MeSoftuG-Mitglieder den für Versammlungen, Proben und Auftritte vor kleinen Gastgruppen. Ein paar Instrumente stehen dort auch, eigentlich für die Schützlinge gedacht. Im Moment ist nichts geplant und als Mitglied kommt man leicht an den Schlüssel." "Das werde ich noch bereuen...", denkt die Rothaut für sich.

Changeling

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« Antwort #28 am: 30.04.2016, 14:21:38 »
Ein wenig theatralisch verdreht Laura Ann die Augen. "Ach Mädels, ihr seid solche Angsthasen..!" meint sie, nickt dann aber mit einem Seufzer. "Also gut, das hört sich brauchbar an. Dann muss ich aber die Partitur aus unserem Zimmer holen, die ich euch zeigen wollte." Tiffany nickt auch, sichtlich erleichtert. "Ja, das klingt viel sicherer" bestätigt sie und wirft Dieter nochmals einen kurzen Blick zu. Keines der beiden Mädchen sieht, wie in einiger Entfernung Eddie an dem Grüppchen vorüberschlendert und Dieter einen ziemlich bösen Blick dabei zuwirft[1].
 1. Dieter selbst und Ayleen können das mit einem Erfolg auf Perception + Alertness gegen 7 bemerken

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel I: Wen die Muse küsst
« Antwort #29 am: 01.05.2016, 09:53:35 »
Ayleen bleibt weiter so stehen, dass sie Tiffany ein wenig gegen Dieter abschirmt. Die Bemerkung Lauras über ihre Angst ignoriert sie einfach und fragt den Blondschopf: "Du weißt, wo der Raum zu finden ist?" Dabei fällt ihr auf, dass ihm ein ziemlich eindeutiger Blick zugeworfen wird von einem der anderen Jungen. "Was hat der denn? Oder besser, was hat dieser Kerl hier angestellt, um das zu verdienen? Bisher scheinen wir zwei ordentliche und zwei Chaoten in diesre Gruppe. Das ist nicht gut, gar nicht gut..." Kurz ziehen sich ihre Augen zu Schlitzen zusammen, dann kehrt ihr normales unechtes Lächeln zurück. Sie wartet, bis sich die Gruppe aufspaltet, bevor sie sich in Bewegung setzt, die Schlüssel zu besorgen.

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