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Autor Thema: 3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz  (Gelesen 13105 mal)

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Fane

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #390 am: 16.03.2017, 19:41:15 »
Viel Ablenkung von den traurigen Umständen bekamen die Helden nicht. Es dauerte vielleicht eine halbe Stunde, bis ein atemloser Bursche von etwa vierzehn Sommern in die Halle gepoltert kam. Mit einer dreckverklebten Hand - der Wiederaufbau des Dorfes konnte nicht warten, kaum war die unmittelbare Bedrohung beseitigt - wischte er sich über die verschwitzte pickelige Stirn, während er mit der anderen gegen die kalte Steinmauer lehnte. Die großen haselnussbraunen Augen huschten über die Versammelten, die Pupillen geweitet, während sie sich an das dämmrige Licht gewöhnten und nach der geschrumpften Befreierschar suchten.
"Ähh... M-meister... Herren... Äh, Pater Eayadan schickt mich," rang der Junge nach Luft nach seinem offenbar sehr eiligen Lauf. Sein Blick sprang unstet von einem Helden zum anderen, Bewunderung gepaart mit purer Perplexheit, beides jedoch ein halbdurchsichtiger Schleier, der seine Erschütterung nicht verbergen konnte. "Sie haben f-für Fane," er schluckte und sah für einen Moment zu Boden, "äh... seine letzte Reise, gleich beim S-sonnenuntergang. Ich... ich sollte bescheid geben."
Der Bursche wirbelte herum, nicht länger fähig, den Kampfgefährten des Verstorbenen direkt in die Augen zu blicken, und im Begriff, sich schnellstens vom Acker zu machen. Kaum einen Herzschlag, nachdem seine blanken Fersen im Ausgang aufgeblitzt waren, tauchte - für ebenfalls gerade mal einen Herzschlag - seine puterrote Visage doch noch wieder auf.
"Drüben am T-tempel der Erdmutter!," warf der barfüßige Bote die ziemlich überflüssige Information hinterdrein und verschwand schließlich endgültig aus dem Saal. Leises, formloses Gemurmel der Alten, Kleinen und Verletzten echote wie ein gemeisamer Seufzer dem uneleganten Auftritt des Jungen nach.

Thamior Naïlo

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #391 am: 17.03.2017, 13:41:58 »
Thamior widmete sich dem Essen. Es machte wenig Sinn, sich ewig zu grämen. Sie würden Fane die letzten Ehren erweisen und sich seiner erinnern, auch wenn er ein Mensch war gehörte er zu den besseren dieses Volkes. Aber jetzt hatte er Hunger. Sie benötigen Kraft und Energie für die weiteren Aufgaben.

Zufrieden hörte er, dass der Zwerg wohl bei ihnen bleiben würde, bei Gannayev war er sich nicht sicher. Wenn er sich Ihnen nicht anschließen würde hätten sie schon zwei aus der Runde verloren. Das würde sie nicht stärken, zumal Gannayev besondere Fähigkeiten hatte, die ihnen fehlen würden. Er wollte gerade antworten als der Junge ankam und seine Nachricht überbrachte. Als der Junge dann wieder weg war, stand Thamior auf. Nun ist es also soweit.

"Also, ich werde auch mit Leosin gehen, was auf ihn zukommt wird gefährlich werden. Wir haben ihn nicht aus der Gefangenschaft befreit um ihm nun alleine in einen weit schwierigeren Kampf zu schicken. Aber das ist meine Aufgabe. Ich verstehe jeden, der einen anderen Weg geht. Aber nun ist erst einmal etwas anders zu tun. Lasst uns Fane würdig verabschieden." Damit nahm er sein Schwert, das Gepäck ließ er aber hier.

Er sah sich um und rief einen der Leute herbei, die sich um die verletzten kümmerten. "Ich lasse meine Sachen hier, habe bitte ein Auge darauf, solange ich fort bin."

Dann ging er hinaus, zum Tempel der Erdmutter.
« Letzte Änderung: 17.03.2017, 13:42:31 von Thamior Naïlo »

Däny

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #392 am: 19.03.2017, 17:30:02 »
Vor einem leeren Teller sitzend, überlegt Däny gerade ob er ihn nicht noch ein weiteres mal füllen soll als der Junge seine Nachricht stückchenweise überbringt. Huldvoll nickend, versucht der Waldläufer einzuschätzen wie viel Zeit ihnen noch bis zum Sonnenuntergang bleibt und macht seine weiteren Pläne daran fest.

Wenn die Zeit gekommen ist, so achtet der Hin darauf das sein wirres Haar einigermaßen gebändigt ist und seine Kleidung ihm keine Schande macht. Dann gesellt er sich mit den anderen zum Tempel Yondal... Shaunteas um mit ihnen gemeinsam den tapferen Fane zu Grabe zu tragen. Der mutige Großfuß hatte es sich wahrlich verdient.

Gannayev Corma

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #393 am: 20.03.2017, 17:22:22 »
Gannayev nahm die Antworten seiner Gefährten auf und normalerweise hätte er wohl ohne zu zögern zu gestimmt, aber der Barde wusste nicht, ob dies wirklich sein Weg war. Anderseits hatte er auch viel zu viele mit einander ringende Gefühle, um wirklich Schlau aus sich selbst zu werden oder eine gute Antwort zu wissen, zumindest noch nicht. Wortlos aß er, als der Zeitpunkt gekommen war, den er gefürchtet hatte. Die Beerdigung von Fane schien schneller da zu sein, als ihm lieb war, und er erhob sich mit einem Seufzen.
“Er hat es verdient, wir sollten ihn ehren.“
Gannayev folgte den Anderen zu der Zeremonie und überlegte fieberhaft, wie er den armen verstorbenen Fane ehren sollte, aber sein Verstand bleibt wie leer geblasen, während sein Magen sich umdrehte und das Herz schmerzte.
Prinzessin, selbst wenn die Welt in diesem Augenblick enden würde, möchte ich der Mann sein, der sein eigenes Leben opfert, um dich zu beschützen.

Rurik Torun

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #394 am: 21.03.2017, 13:29:41 »
Rurik überlegte auf dem Weg zum Tempel, wie er Fane anständig ehren konnte. Er dachte eine Weile nach, doch hatte er den Recken viel zu kurz gekannt. Er wusste nur von ihm wie er gekämpft hatte, mehr nicht. Also beschloss er, nur nach Aufforderung etwas zu Fane sagen zu wollen. Er begab sich mit den anderen zum Tempel und suchte sich einen Platz, von dem er die kommenden Geschehnisse möglichst gut sehen konnte. Die Armbrust und der Schild waren in der Unterkunft geblieben, der Hammer hing gesichert an der Seite des gerüsteten Zwergs. Sobald sie den Tempel betraten, nahm er seinen Helm ab. Die feuerrote Haarpracht kam zum Vorschein und er klemmte seinen Helm unter den linken Arm, ehe er sich einen guten Standort suchte.

Fane

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #395 am: 23.03.2017, 23:36:28 »
Die Helden fanden auf dem Tempelgrund eine murmelnde und raunende Menschentraube vor, die sich um den niedrigen Scheiterhaufen versammelt hatte, auf dem ihr Kampfgefährte seine letzte Reise antreten sollte. Die Betrübnis in den Stimmen war nicht zu überhören, eine gehörige Prise Erstaunen aber auch nicht. Der Grund dafür offenbarte sich erst beim näheren Herantreten.
Der blasse Leichnam auf der etwa halblingshohen Konstruktion aus Holzscheiten und Reisig war eindeutig Fane - doch die Befreier von Grünnest mussten feststellen, dass sie eine Person verabschiedeten, die sie noch weniger kannten, als sie geglaubt hatten. Dort, unter dem weißen Leichentuch, lag nicht die sterbliche Hülle eines jungen Mannes. Sondern die einer jungen Frau. Schlank, kräftig, im Kampf gestählt - aber "sein" Geheimnis durfte der "Held in strahlender Rüstung" wohl nicht mit ins Grab nehmen.

Celebren Anga

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #396 am: 24.03.2017, 16:17:13 »
Bis zur Beerdigung sprach der Elfenmagier kein Wort. Zwar brummte er hier und dort grummlig vor sich hin. Er hatte eine Entscheidung getroffen. Lieber versuchte er sein Glück in Tiefenwasser als hier hinter einem Kult herzulaufen, der augenscheinlich von einem verdammten Drachen angeführt wurde. Wie blöd konnte man sein? Sein Leben war Celebren viel zu wertvoll um sie für einen Haufen ungebildeter Dörfler aufs Spiel zu setzten. Zur Beerdigung von Fane würde er gehen, immerhin hatte er sich, zwar aus eigener Dummheit, aber doch für die Gruppe geopfert. Wenigstens da sein, das würde Celebren noch tun bevor er abreiste.

Thamior Naïlo

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #397 am: 24.03.2017, 18:48:41 »
Thamior war sehr verwundert, als er erkannte, dass Fane eine Frau war. Nicht weil sie eine Frau war, in seinem Volk gab es viele große Kriegerinnen und es war, anders als bei den Menschen, normal, dass auch Frauen stark und mutig in den Kampf ziehen. Nein, was ihn wunderte war die Tatsache, dass er, und wohl auch die anderen, es nicht bemerkt hatten. Aber es änderte nicht. Er bzw. sie hatte Ehre für ihre Taten verdient. Thamior wartete erst einmal ab, er wollte nicht derjenige sein, der die letzten Worte sprach. Das überließ er den Menschen.

Gannayev Corma

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #398 am: 26.03.2017, 09:44:02 »
Gannayev verstand im ersten Moment nicht was los war, als er Fane sah. Er nein sie sah etwas anderes aus. War das überhaupt Fane? War Fane nicht ein Mann? Der Barde war völlig verwirrt für einen Moment und er fasste sich an den Kopf, der im ersten Moment nicht verstehen wollte. Doch im selben Zuge kamen auch all die Emotionen nach oben, die er nicht richtig verstanden oder eingeordnet hatte, viel eher wurde im bewusst er wollte die Gefühle nicht verstehen, aus Scham. Diese Scham wurde weggespült und drückte alles nach oben. Dem Barde wurde der Hals zu geschnürt und sein Magen drehte sich um, während sein Herz ein zweites Mal brach. Eiswasser raste durch seinen Venen und er kämpfte stark darum seinen Tränen zurückzuhalten, während die Erkenntnis was er wirklich verloren hatte, tief in ihn einsank.
“Fane...warum?“
Brachte Gannayev kurz bevor die Tränen kamen hervor. Er versenkte sein Gesicht um Ärmel, um es zu verbergen und stand einfach nur schluchzend da.
Prinzessin, selbst wenn die Welt in diesem Augenblick enden würde, möchte ich der Mann sein, der sein eigenes Leben opfert, um dich zu beschützen.

Däny

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #399 am: 26.03.2017, 12:44:53 »
Überrascht eine Augenbraue hebend, schüttelt Däny leicht ungläubig seinen Kopf. Wer hatte das kommen sehen? Da zieht man mit jemanden Seite an Seite gegen widerliche Drachen in den Kampf, vergisst Blut in rauen Mengen - vor allem das von Fane bei genauerer Betrachtung - und dann so etwas?

Doch was soll es? Das Leben geht weiter und Fane ist oder eben war Fane ob nun als Mann oder Frau. Gutherzig, zwar etwas tolpatschig mit dem Bogen aber das Herzen am rechten Fleck und stets bereit zu helfen. Und das ist mehr als man von vielen anderen sagen konnte.

An die kurze Zeit mit dem Krieger stolz zurück denkend wartet Däny still bis es los geht.

Fane

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #400 am: 28.03.2017, 00:03:05 »
Über den Schleier des Tränenschwalls hinweg bekam Gannayev kaum mit, wie sich jemand stumm zu ihm gesellte. Nur ein vages Gefühl des Nicht-Alleinseins in seiner Trauer hätte ihn veranlassen können, für einen Moment aufzublicken. Es war Ylora, eine der jungen Frauen des Dorfes, die der Barde vielleicht nicht einmal mit Namen kannte - die er aber gesehen hatte, wie sie Fane vor dem ersten Aufbruch ins Lager der Plünderer eine Lilie als Pfand gab. Genauso stumm und zurückhaltend, wie sie auch jetzt da stand. Die Lilie, nun matt und verwelkt, hielt sie mit beiden Händen umklammert und machte sich nicht die Mühe, die Tränen aus ihren Augen zu wischen.
Die Stimme Eayadans, der die Erdmutter um gnädigen Empfang der verblichenen Seele bat, war ruhig und monoton, aber nicht bar jeder Gefühlsregung. Das Knistern der Fackel, die er in einer Hand hielt, wurde kurz zu einem hungrigen Fauchen, als der Priester den Flammen endlich erlaubte, nach ihrem traurigen Mahl zu greifen. Fane - nein, Jade Summers, kehrte zu ihren Ahnen zurück.

Gannayev Corma

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3. Kapitel - Der Drachenbrutplatz
« Antwort #401 am: 31.03.2017, 13:05:17 »
Gannayev bekam in seiner Trauer nur am Rande mit, wie sich das Mädchen zu ihm gesellte. Verspürte sie denselben Schmerz? Dieselbe Überraschung? Oder war es in ihrem Fall ein anderer Grund? Der Halb-Elf wusste es nicht, aber durch den Tränenschleier konnte er ihre Anwesenheit jedoch bemerken, während die Feuerbestattung voranschritt. Er wusste nicht wirklich warum, aber er fühlte sich inmitten seiner Kameraden alleine. Niemand sonst schien der Tod von Fane so mitzunehmen, bis auf vielleicht das fremde Mädchen, Ylora. Gannayev fühlte sich in ihrer Nähe ein klein wenig weniger verlassen und folgte einem unerklärlichen Instinkt. Anstatt alleine zu trauern, umarmte er sie mit Tränen und hoffte seinen Schmerz teilen zu können, während Fanes Körper von den Flammen verschluckt wurde.
Er wartete auf das Ende der Bestattung und entfernte sich dann ohne ein Wort vom Rest der Gruppe. Gannayev brauchte etwas Zeit für sich alleine, er musste für sich realisieren wie es weiter gehen sollte und vor allem den gesamten Schmerz erfassen, der ihn plagte. Er hatte Fane, nein mehr, er hatte eine Liebe verloren. Der Barde hielt sich vom Rest fern, doch als der Aufbruch bevorstand, war Gannayev ebenfalls dort. Doch er wirkte im Gegensatz zum Rest alles andere als Aufbruch bereit. Ganz im Gegenteil. Seine Augen waren gerötet, sein Gesicht wirkte gezeichnet. Er schluckte schwer und zum ersten Mal musste der Barde Mut fassen, bevor er seinen Mund aufmachte.
“Ich...wünsche euch viel Glück auf der Reise. Ich hoffe ihr könnt diese Kultisten zur Strecken bringen. Ich würde euch begleiten, aber...ich kann nicht. Ich kann nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen...ich werde etwas hier bleiben, um klar zu kommen, den Leuten hier zu helfen.“
Erklärte er mit einem leichten Tränenschimmer in den Augen.
“Ich werde nachkommen, sobald ich kann, versprochen. Versprecht mir nur dort draußen nicht zu sterben und diesen Kultisten die gerechte Strafe zu zuführen.“
Verabschiedete er sich vom Rest mit dem Versuch eines aufmunternden Lächelns. Er blieb da bis sie abreisten und winkte ihnen nach.
« Letzte Änderung: 31.03.2017, 13:27:46 von Gannayev Corma »
Prinzessin, selbst wenn die Welt in diesem Augenblick enden würde, möchte ich der Mann sein, der sein eigenes Leben opfert, um dich zu beschützen.

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