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Autor Thema: 3. Zug - Rochade  (Gelesen 25837 mal)

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Threan

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3. Zug - Rochade
« Antwort #345 am: 15.05.2017, 12:55:23 »
Jedes weitere Worten seiner Freunde und Kameraden erfüllt den jungen Freiheitskämpfer mit Zuversicht und Bestimmtheit. Zulange hatten die Schatten die Zukunft Sembias besudelt und die Träume ihrer Bewohner und Kinder mit Füßen getreten. Die Stunde des Wandels dieses Zustandes würde dank ihnen allen kommen. Es würde ein harter und scheinbar aussichtsloser Kampf werden, aber tief im Herzen des Sturmmantels scheint nur reine Gewissheit und keine Angst. Sembia würde wieder sich selbst gehören.

Auch eine weitere Sache klärt sich für Threan als er seinen Freunden und ihren eigenen Zweifel und Bedürfnissen lauscht: Er selbst mag zwar nur ein Schwertmagier sein, doch er ist Magier genug um den Ruf von mehr Macht - das schiere Vermögen Änderungen herbei zu führen - nicht ausschlagen kann. Sie würden gegen Große kämpfen. Gegen uralte Üble aus anderen Dimensionen. Dabei würden sie jeden Vorteil benötigen dem sie habhaft werden konnten.

Und so spricht Threan, aus dem alten sembitischen Haus der Sturmmäntel, Witwer von Reya Sturmmantel, Freiheitskämpfer und Überlebender von Grennokah, Zeuge des Schattens der Tiefe und Entdecker der Gräber des Zwergenprinz Emerlin und seines Freundes Murin des Sängers: "Wenn ihr euer Wort halten könnt, so bin ich euer Mann. Lasst uns gemeinsam voran schreiten und unserer Bestimmung in diesem Krieg folgen."

Hespers tiefsitzendes Verlangen nach philosophischer und theologischer Klarheit nicht teilend, kennt der Rebell wenig Zurückhaltung in dieser Angelegenheit, einer Sache will er sich aber noch versichert haben, ehe er diesen Handel eingeht: "Doch versprecht mir eines: wenn der letzte Tag der Dunklen Schwestern und ihrer Erschaffer gekommen ist, so lasst es meine Hand sein die den finalen Streich führt."

Zerrabeu

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3. Zug - Rochade
« Antwort #346 am: 15.05.2017, 13:32:01 »
Man sieht Zerrabeu an, dass er hin und her gerissen ist. Das Versprechen von Macht und Langlebigkeit ist verlockend, gerade für ihn der sich so machtlos fühlte in den letzten Monaten. Und doch, er würde nicht wissen dass er für das Gute kämpfte, eine Figur im Krieg gegen die Herrin der Geheimnisse. Er wäre einer ihrer Anhänger, bis auf die Momente in denen Nebulo anwesend wäre. Dann würde er sich erinnern, warum er alles getan hatte was er tun würde. Aber konnte er das akzeptieren? Konnte er wissentlich seinen moralischen Kompass über Bord werfen, und sein Seelenheil dem größeren Wohl opfern?

Er war in den letzten Wochen öfter an dem Punkt gewesen. Alles hinschmeißen und fliehen oder doch weiter kämpfen. Er hatte Leute auf Attentats und Selbstmordkommandos geschickt. Das einzige, was ihn aufrecht hielt, war das Wissen es für den Widerstand zu tun. Für seine Heimat zu kämpfen. Und doch. Die Chance all dies zu vergessen. Aber hatten ihn die letzten Monate nicht geformt? Er war nicht mehr der weinerliche Junge, der auf dem Altarblock um sein Leben gekämpft hatte. Er war älter geworden und härter. Nein. Er würde diese Erfahrungen nicht einfach ausblenden wollen. Er hatte die Entscheidung frei getroffen. Und vielleicht würde seine Seele dies überleben. Vernarbt und geschunden vermutlich, mit einigen Flecken mehr. Doch Zerrabeu fühlt sich stark genug.
"Ich bin dabei. Lasst mich nur nicht zu lange alleine mit den Zweifeln die ich haben werde." murmelt er leise.
« Letzte Änderung: 15.05.2017, 13:32:16 von Zerrabeu »

Hesper

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3. Zug - Rochade
« Antwort #347 am: 15.05.2017, 13:52:43 »

Inspiriert von den Worten seiner Gefährten und mit der einen oder anderen neuen Erkenntnis ausgestattet, befindet es auch Hesper noch einmal für nötig, seine Position klarzustellen. Sicher, der Plan "Nebulos" war in mancherlei Hinsicht verlockend, ihre Argumentation schien zum Teil zwingend. Und tatsächlich waren einige Grundfesten in Hespers Leben seit der Ankunft der Umbravar in Sembia und vor allem seit seiner Ankunft in Grennokah erschüttert worden, zum Teil hatten die Erlebnisse ihn sogar an den Rand seines Grundvertrauens gebracht - das Opfer und dann der Wiedergang Sergors etwa, das Schicksal von Threans Frau und vor allem das seines lieben Freundes Evendur. Viel eher verantwortlich für diese Krise waren aber letztlich nicht die Erlebnisse gewesen, sondern vor allem Hespers eigene Bereitschaft, opportunistisch den Zweck die Mittel heiligen zu lassen und Dinge zu dulden, die er früher weit von sich gewiesen hätte. Tatsächlich war diese Entwicklung schon mit seinem Leben im Untergrund, das ihn nach Grennokah geführt hatte, eingetreten, und hatte sich seither zugespitzt.

Jedoch, das kann der Priester spätestens jetzt in der Rückschau sagen, war diese Krise keine echte Krise des Glaubens gewesen.

So verkündet er schließlich: "Wie schon gesagt möchte ich weiter an Deiner Seite -" wenn er sich nicht irrte, waren sie schließlich schon einmal bei der informellen Anrede gewesen - "gegen die Dunkelheit streiten. Sie zu vertreiben ist mir tiefer Wunsch. Doch sollte einst die Entscheidung auch für mich anstehen, mein Wesen von der Essenz des Schattens durchdringen zu lassen, so werde ich diesen Weg dann nicht weitergehen können. Auch, falls die Veränderung meines Geistes, von der Du gesprochen hast, ausschließen sollte, meiner Göttin zu jeder Zeit als Priester dienen zu können, ist dieser Pfad nicht für mich. Dies ist mit meinem eigenen Verständnis vom Dienst an der Göttin unvereinbar, und dieser Dienst - er ist mein Leben. Ich bin ohne Eltern in der Kirche Selûnes aufgewachsen, sie ist meine Familie." Mit einem Kopfschütteln leitet er den finalen Gedanken ein. "Ich wäre so auch kein guter Diener - oder, wenn Du es so nennen willst, kein gutes Werkzeug," begründet Hesper seine Entscheidung.

Dawn

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3. Zug - Rochade
« Antwort #348 am: 15.05.2017, 15:50:41 »
Dawns Ansicht hat sich auch im weiteren Gesprächsverlauf nicht geändert. Für sie war, ähnlich wie für Hesper auch, eine klare Grenze erkennbar, die sie nicht überschreiten würde. Diese Grenzen auszudehnen, das hatten sie in den vergangenen Wochen und Monaten sicherlich machen müssen, aber das was Nebulo nun von ihnen verlangte, oder ihnen anbot, war ein weit größerer Schritt. Ein Schritt über die Grenzen hinaus. Sie würde ihre Güte aufgeben müssen und darüber hinaus vermutlich noch einiges mehr. Etwas, das ihr Wesen seit jeher definiert hat.

"Wie ich bereits sagte, kann ich nicht so weit gehen, Eins mit den Schatten zu werden, wie Ihr es jetzt getan habt. Ich glaube auch nicht, dass ich dann noch eine große Hilfe wäre. Für mich muss der Weg daher ein anderer sein. Ich hoffe natürlich darauf, dass Ihr die Schatten am Ende ein für allemal aus Sembia vertreiben könnt, und ich wünsche Euch alles Gute auf diesem Weg. Natürlich werde ich Eure Geheimnisse bewahren und wenn dazu weitere Schritte notwendig sind, dann habt Ihr mein Einverständnis dazu."

Idunivor

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3. Zug - Rochade
« Antwort #349 am: 17.05.2017, 13:49:42 »
Nebulo lauscht den Entscheidungen der fünf Rebellen ruhig und sieht sie am Ende jeden einzeln an. Darmon hatte als erster gesprochen und so bekommt er auch als erster seine Antwort: "Ihr seid einen kurzen Weg an meiner Seite gegangen und das soll genügen. Die Rote Ritterin braucht Diener auf ganz Toril und Sembia hat seinen Strategen schon gefunden. Ihr sagt ich soll verfügen und ich werde es tun. Ich wünsche dieses Schicksal niemandem und ich bin mir sicher, dass ihr noch vieles im Namen eurer Göttin bewirken werdet, fern von diesem Ort." Von dem Paladin blickte er nun hinüber zu Hesper und Dawn: "Dasselbe gilt für euch. Ich respektiere eure Wahl, verstehe sie sogar, nicht in die Tiefe des Schattens stürzen zu wollen und ich bin mir sicher, dass auch ihr euren Beitrag für den Kampf gegen das Böse in dieser Welt leisten werdet. Es reicht nicht nur, die Finsternis zu zerstören, man muss auch neues Licht schafft. Tut ihr dies, wir werden hier das andere tun."
Beim "wir" erhob sich Nebulo und wandte sich jetzt an Zerrabeu und Threan: "Es wird gut sein, euch an meiner Seite zu wissen für diesen Kampf. Es wird ein harter, schwerer und langer Krieg, aber wir werden letztlich triumphieren." Direkt an Threand gewandt kommentierte der Mann nun auch noch dessen Bedingung: "Viele Hände haben mitgewirkt bei diesen Ereginissen und ich werde euch nicht eine einzelne Kehle darbieten können, die ihr durchschneiden müsst. Doch seid euch gewiss, genug Verantwortliche werde eure Klinge zu spüren bekommen."
Gemächlich ging der Umbrant jetzt an den übrigen Rebellen vorbei zu seinem alten Körper. Er beugte sich nieder, hielt für einen Augenblick mit ausgestreckter Hand inne und schlug dann den Umhang zurück, den Zerrabeu darüber gelegt hatte. Anschließend löste er die Maske vom Gesicht, sodass zum ersten Mal die Züge des Mädchens, das er bis vor kurzem gewesen war zu erkennen waren. Der Ausdruck auf dem Gesicht war voll von Überraschung und Schmerzen, doch ob es Schmerzen Nebulos oder die des Hulorn waren, der mit ihm den Platz getauscht hatte, vermochte niemand außer ihm selbst zu sagen. Und er schwieg während er für einen Augenblick den Körper betrachtete. Dann murmelte er arkane Formeln, vollführte komplexe Gesten und ein Strahl aus grüner Energie schoss aus seinem Finger, der den Körper traf und zu feinem Staub zerfallen ließ.
Das einzige verbliebene Zeugnis von Lina, dem Mädchen, dass von der Mondgöttin geschickt worden war, um ihre dunkle Schwester zu bekämpfen war jetzt in den Geistern der übrigen Anwesenden.
Und diesem rückte Nebulo als nächstes zu Leibe. Mit der Maske in der Hand kehrte er in den Kreis der Rebellen zurück und sprach ein letztes Mal: "Ich werde die Magie der Maske jetzt so verändern, dass sie euren Geist so anpasst, wie es geschehen muss. Entweder werdet ihr morgen in einem Gasthaus an der Grenze des Landes erwachen, euch nicht entsinnen wie ihr hierher gekommen seid und das tiefe Verlangen verspüren dieses Land zu verlassen und nie wieder zurückzublicken, geschweige denn zurückzukehren.
Oder ihr werdet hier erwachen in der Bibliothek, im Gesite verändert, um für den Kampf gewappnet zu sein und dann werden wir den Krieg zu einem neuen Feind tragen."

Einer nach dem anderen setzen die Rebellen die Maske auf und mit der Finsternis, die sie ihren Augenbrachte, zog auch die Dunkelheit des Vergessens in ihren Geist ein oder eine tiefere Finsternis, die sich einnistete, um sie für den Kampf gegen die mächtigsten Diener Shars bereit zu machen.
The only ones who should kill are those prepared to be killed.

Dawn

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3. Zug - Rochade
« Antwort #350 am: 18.05.2017, 14:09:28 »
Am nächsten Morgen erwacht Dawn, wie es vorhergesagt wurde, in einem kleinen Gasthaus am nördlichen Rand des Archwood, etwas östlich von Highmoon. Ein frischer Geruch steigt in die Nase der Druidin, eine Mischung aus Wald und Frühstück. Nachdem sie ihre Siebensachen gepackt hat, macht sich die junge Frau dann auch auf in die Schankstube, um sich für die weitere Reise zu stärken. Rastlosigkeit und Reiselust steigen in ihr auf. Es geht nach Norden, da ist sie sich sicher. Ein wirkliches Ziel hat sie nicht vor Augen, sie will eher etwas hinter sich lassen. Es ist mehr ein Gefühl als etwas Greifbares, wie ein Schatten liegt es über ihren Erinnerungen, vage, unbestimmt. Nur eines weiß sie genau, hier gibt es nichts mehr für sie. Sie konzentriert sich daher auch lieber auf das, was vor ihr liegt. Vorfreude auf die majestätischen Wälder von Semberholm und Cormanthor. Die Schätze der Natur und der Elfen.

Etwas später durchstreift sie die nahegelegenen Wälder, bis sie gefunden hat, was sie sucht. Ein Band, unsichtbar und nur in ihren Gedanken vorhanden, doch dort so fest als wäre es wirklich da. Es dauert auch nicht lange, bis sie das andere Ende erreicht hat. An einem kleinen Teich hat sich Nita niedergelassen und verspeist gerade einige Fische, die die Bärin zuvor gefangen hatte. Als Dawn sich nähert hebt sie den Kopf und blickt in Richtung der Druidin. In ihren Augen spiegelt sich die gleiche Freude wider. Es geht los!

Hesper

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3. Zug - Rochade
« Antwort #351 am: 18.05.2017, 22:58:51 »

Kurz vor dem Aufsetzen der Maske

Als Nebulo zu ihrem alten Körper schritt – als sie kurz darauf ihre Maske von Linas Leichnam zog, hatte Hesper die Gewißheit, daß seine Vermutung richtig gewesen war –, fiel dem Kleriker ein winziger Gegenstand vor seinen Füßen auf, den er aufhob und wieder in eine seiner Gürteltaschen steckte.

Am übernächsten Morgen, Mitte Nachtal im Jahr des Aufstiegs des Elfenvolkes (1375 TZ)

Hesper saß nachdenklich über einer Frühstückspfanne mit Rühreiern und Speck in der Taverne „Schild und Feste“ im Städtchen Hochburg im Hochtal.[1] Er nahm einen guten Schluck aus einem Becher mit dampfender Milch und biß herzhaft in eine Scheibe Schmalzbrot. Sein Bärenhunger hielt immer noch an, seit er am vorigen Morgen im Schlafsaal eines götterverlassenen Dorfgasthauses in den südöstlichen Ausläufern der Donnergipfel einige Meilen westlich von Saerb aufgewacht war.
Der hauptsächliche Grund für seine Nachdenklichkeit war die Tatsache, daß er sich so gut wie gar nicht mehr an die letzten Monde erinnern konnte – der Kleriker war schockiert gewesen, als er gemerkt hatte, daß es Winter und nicht mehr Sommer war! Er hatte nämlich noch eine klare, schmerzhafte Erinnerung an seine Gefangennahme im Mond Eleint durch die Schergen der Umbravar nach seiner letzten, törichten Aktion als Teil des Untergrunds, aber über die Zeit seitdem schien sich ein Schatten gelegt zu haben. Hesper konnte es sich nur so erklären, daß er in der Gefangenschaft schwer mißhandelt worden war, vielleicht war sein Geist auch durch die Magie der Umbravar gefoltert und in Mitleidenschaft gezogen worden, er hatte von solchen Fällen schon im Untergrund gehört.
Offensichtlich war es ihm aber schließlich gelungen, zu fliehen, und war nun sogar bis an die Grenze Sembias gelangt. Daß er nicht nur alle seine vertrauten Besitztümer noch hatte – wenn auch zum Teil etwas arg abgenutzt –, sondern in seinem magischen Rucksack noch dazu einen prallen Beutel mit Gold- und Silbermünzen fand, erklärte er sich damit, daß er bei der Flucht Hilfe gehabt haben mußte. Nach einer langen Gebetsmeditation war er sich zudem zweier wichtiger Dinge bewußt geworden: Die egoistische Zeit der Verzweiflung, die ihn schließlich zu einem Gefangenen gemacht hatte, war vorbei – mit seinem verfrühten Tod konnte er Selûne nicht dienen –, und das einzige, das ihn nach seiner Flucht wirklich noch in Sembia hätte halten können, die Suche nach seinem verschollenen Freund Evendur, war vergebens – tief im Inneren spürte er, war er irgendwie überzeugt, daß der Deneirpriester nicht mehr lebte.
Davon betrübt, aber dennoch merkwürdig befreit hatte Hesper das Dorf und damit Sembia Richtung Westen verlassen, auf dem Donnerweg, der Straße nach Cormyr, die über den Hochtalpaß führte. Sein heiliges Symbol – die silberne Scheibe, in die das Symbol Selûnes eingraviert war – trug er nun offen; es gab keinen Grund mehr, sich zu verstecken. Er hatte Glück, denn der Winter war noch mild, und erst nach einigen Stunden hatte er eine Höhe erreicht, auf der Schnee lag. Hier erwies sich die Magie, die er zuvor schon gewirkt hatte, um seine Schritte zu beschleunigen, als besonders hilfreich, und so konnte er, auch mit Hilfe eines Flugzaubers, gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit Hochburg erreichen, wo er im Gasthof „Adlerhorst“ (leider der einzigen Übernachtungsmöglichkeit zu dieser Jahreszeit, wie er im „Schild und Feste“ erfuhr, wo er sich wenigstens zwei Portionen Lammeintopf und das hervorragende selbstgebraute Ale schmecken ließ), ein Bett in einem kalten, schmutzigen Mehrbettzimmer fand. Das Frühstück ausschlagend wechselte er am Morgen sofort wieder in die Taverne, wo er jetzt saß, schlemmte und sich aufwärmte, was seine Stimmung nach und nach aufhellte.
Die Stimmung in Hochburg schien jedoch angespannt – seit Beginn des Bürgerkriegs und der Ankunft der Umbravar in Sembia hatte Cormyr seine Grenzen verstärkt, und laut den Gesprächen der Tavernengäste, die er von seiner gemütlichen, mit einem eigenen Kamin ausgestatteten Nische aus mitbekam, trieben sich in Hochtal, auf einem Paß zwischen den beiden Reichen gelegen, noch mehr Spione verschiedenster Mächte als früher herum – auch Hesper zog als Ortsfremder einige mißtrauische Blicke auf sich, wie er bald bemerkte.
So verging der Vormittag, und nachdem Hesper ein frühes Mittagessen verspeist hatte, gesellte sich der dicke Wirt zu ihm, mit dem er zuvor schon das eine oder andere Wort gewechselt hatte. „Ihr seid sicher einer der Sanften, mein Lieber? Durch welche Teile Faerûns hat Euch Euer Pilgerweg geführt?“ fragte der Mann mit freundlicher Neugier. Schnell klärten sich seine rätselhaften Worte auf, da Hesper sich nun auch erinnerte, in welchem Zusammenhang er Hochtal kannte: Dort gab es ein abgelegenes kleines Tal, das bestimmten menschlichen und elfischen Gottheiten des Guten und der Natur geweiht war, und in dem sich eine heilige Stätte, Tanzplatz genannt, befand. Dorthin pilgernde Anhänger dieser Gottheiten, zu denen auch Selûne gehörte, wurden „die Sanften“ genannt. Hesper hatte noch zu seiner Novizenzeit einen Glaubensbruder getroffen, der den Ort besucht und sehr von seiner Schönheit und besonderen Aura geschwärmt hatte.
Beschwingt machte der Priester der Mondmaid sich dorthin auf – der Wirt konnte ihm den Weg zum Anfang des Pfades, der in das Tal führte, beschreiben –, und tatsächlich waren das Tal und der Tanzplatz selbst unvergleichliche Orte der natürlichen Schönheit und der Spiritualität. Von den Klerikern, die dort lebten, wurde er sehr freundlich empfangen, und er führte tagelang viele erfüllte Gespräche mit ihnen. Sie rieten ihm, eine Nacht im Freien auf dem Moos, das auf dem Tanzplatz, einer unbewaldeten Hügelkuppe, wuchs, zu verbringen, da dies die von den hier vertretenen Gottheiten gespendete Kraft hätte, Anhänger dieser nicht nur körperlich zu heilen, sondern sie auch von allen Verzauberungen zu befreien, die den Geist vernebeln. Vielleicht könne Hesper so sein Gedächtnis wiederherstellen? Nun, dies war am Morgen danach nicht der Fall, aber, wie es der zugehörige Brauch war, hatte Selûne ihrem Diener in einer nächtlichen Vision eine Aufgabe gestellt: Passend zu diesem Ort, der eine wichtige Rolle bei der Gründung der Harfner gespielt hatte, sollte er ausziehen, um diesem Bund beizutreten und auf diese Weise Selûnes Licht in der Welt zu verbreiten.
Zusammen mit einem jungen Priester des Deneir, der ebenfalls von seinem Gott mit einer Aufgabe betraut worden und dafür von seinem Zittern geheilt worden war, machte er sich Richtung Cormyr auf.
Als er bei der ersten Rast eine Nähnadel aus einer seiner Gürteltaschen holen wollte, um einen seiner Stiefel zu flicken, fand er dort zu seiner Überraschung einen ihm unbekannten Gegenstand: einen sechsseitigen Würfel. Wo der herkommen mochte? Hesper würde es bis kurz vor seinem Tod nie erfahren.
 1. Zu Hochtal/High Dale, Hochburg/Highcastle und den dortigen Wirtshäusern und vor allem dem Tanzplatz/Dancing Place, s. Volo’s Guide to the Dalelands (1996), 155-171.

Darmon

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3. Zug - Rochade
« Antwort #352 am: 23.05.2017, 21:37:49 »
Darmon fühlte sich zunächst zurückgestoßen, als er die Worte hörte. War er es etwa nicht wert, einen so wichtigen Auftrag zu erfüllen? Aber es dauerte nicht lange, da erkannte er, dass es so am besten war. Vielleicht war es eine Prüfung der Ritterin gewesen, um zu sehen, wie weit er gehen würde – allerdings erschien ihm dies sofort recht unwahrscheinlich. So wichtig war er nun auch nicht. Nein, es war wohl einfach nicht der richtige Weg für ihn. Also nickte er und wünschte Threan alles Gute.
"Ich wünsche dir Erfolg, lange sind wir nicht zusammen gereist, aber ich würde dich nie vergessen, wenn die Umstände anders wären."
Dann grüßte er die anderen ebenfalls ein letztes Mal und bereitete er sich darauf vor zu vergessen.


Als Darmon erwachte schmerzte sein Kopf. Instinktiv glitt seine Hand an die Stelle der Schmerzen, in der Erwartung einer Wunde. Aber dort war weder eine Wunde noch eine Beule. Dafür standen und lagen einige Bierkrüge verstreut um ihn herum. Er lag auf einem einfachen Bett in einer kleinen Kammer. Es musste ein sehr fröhlicher Abend gewesen sein, aber er hatte keine Erinnerung daran.  Er überlegte, wo er hier war, aber das letzte, an das er sich erinnern konnte, war seine Flucht aus dem Versteck der Widerstandskämpfer in die Kanalisation Selgaunts. Was war seit dem passiert? Die Kammer sah nicht wie eine Zelle aus. Er überlegte, aber es fiel ihm nichts weiter ein. Also stand er langsam auf, ging zu einem kleinen Guckloch, ein Fenster konnte man es nicht nennen, und schaute hinaus. Es war noch dunkel, alles war still, aber er war sicher nicht in Selgaunt. Leise schlich er zur Tür, öffnete sie, selbst überrascht darüber, dass sie nicht verschlossen war, und glitt leise in den Gang. Niemand war zu sehen. Leise ging er weiter und erkannte schnell die einfachen Gänge eines Tempels. Er schlich voran und es dauerte nicht lange, da kam er in eine kleine Eingangshalle. In den Boden eingelassen war ein Mosaik mit dem Zeichen von Tempus und gegenüber, in einer Ecke, war ein kleiner Altar der Roten Ritterin, seiner Herrin. Er war also nicht mehr unter Feinden. Er hatte den Weg aus den Tunneln heil zurück gefunden, wo auch immer er genau gelandet war, er hatte überlebt. Als einziger der Gruppe. Aber so würde er neue Aufgaben erledigen können. Ja, hier gehörte er her, egal wo genau es war. Irgendwann würde die Erinnerung schon zurückkehren und bis dahin würde er das tun, was er am besten konnte. Zu Ehren der roten Ritterin und zum Schutz des Landes.

Idunivor

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3. Zug - Rochade
« Antwort #353 am: 31.05.2017, 09:14:12 »
Während für die drei Rebellen die Sonne aufging, um sie auf dem Pfad in ein neues Leben zu begleiten, blickten auch die drei anderen Rebellen von einem Balkon in Selgaunt aus auf den Sonnenaufgang. Noch erinnerten Sie sich an alles, aber sobald Threan und Zerrabeu die Seite des Hulorns verließen würden sie vieles vergessen und dieser Dinge erst wieder gedenken, wenn sie das nächste Mal mit ihm sprachen. Auch wenn sie in Richtung der Sonne blickten, so waren sie doch in Finsternis gehüllt. Ein dunkler Pfad lag vor ihnen, den es zu beschreiten galt. Nebulo hatte seinen beiden Gefährten auf diesem Pfad etwas mitgebracht. Zuerst streckte er Zerrabeu sein Geschenk entgegen: es war eine weiß-goldene Gesichtsmaske, die allen dreien nur zu gut bekannt war: "Unser Kampf wird jetzt anders geführt, aber das heißt nicht, dass die Rebellion einfach endet. Sie werden nur nicht mehr gegen den Hulorn und seine Schergen kämpfen. Trotzdem sind sie noch immer Teil unseres Kampfes und das wird sich auch nicht ändern. Du wirst diese Rebellion aus dem Verborgenen führen und lernen, damit du eines Tages unter die Arkanisten aufsteigen kannst."
Dann wandte er sich zu Threan und hielt diesem ebenfalls eine Maske hin. Aber sie war nicht silbern und golden, sondern aus einfachem dunklen Stoff mit einem in rot aufgestickten Pferd und Anker - dem Wappen des Hauses Uskevren: "Es ist das Privileg des Hulorn einen Patrator zu benennen, seinen persönlichen Vollstrecker. Sein Gesicht bleibt verborgen und er ist allein mir Gehorsam schuldig. Das soll deine Rolle sein, du wirst das Schwert des Hulorn sein, das losschlägt gegen seine Feinde. Und so werden wir den Krieg zu unseren Gegnern tragen."
Alle drei Männer auf dem Balkon trugen nun Masken, zwei nur vor dem Gesicht und der dritte mit seinem ganzen Körper. Geheimnisse waren ihre Waffen und während die Sonnenstrahlen begannen Sembia zu erleuchten, wandten sie sich ab vom Licht und verschwanden in der Dunkelheit des Anwesens. Ein finsterer Pfad lag vor ihnen, aber sie würden ihn bis zum bitteren Ende gehen.
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Idunivor

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3. Zug - Rochade
« Antwort #354 am: 31.05.2017, 09:17:56 »
Es geschah an keinem sichtbaren Ort und doch ereignet es sich. Der Raum ist in Schatten gehüllt, nur vereinzelte Kerzen brennen und werfen ihr Licht auf die Wandteppiche. Silbrige Fäden schimmern im Kerzenlicht und schwarzer Brokat verschluckt das Licht. Ein laues Lüftchen weht durch den runden Raum und die kleinen Flämmchen tanzen umher. Das Kerzenlicht fällt auch auf den Tisch, der in der Mitte steht. Es beleuchtet, das Muster auf seiner Platte und die Figuren, die auf diesem Muster aufgestellt sind. Jede einzelne Figur ist kunstfertig geschnitzt. Die einen aus schwarzem Ebenholz die anderen aus glänzend-weißem Elfenbein. Sie tragen ganz unterschiedliche Gewänder und keine von ihnen gleicht der anderen. Da stehen Reiter auf Kriegsrossen und Männer in schweren Panzern, mysteriöse Gestalten in wallenden Gewändern und einfache Bauern mit Mistgabeln.
An diesem Schachbrett sitzen sich die beiden Gestalten gegenüber. Sie haben einander nie getroffen, sie können einander nicht sehen und nicht miteinander sprechen. Und doch sitzen sie sich in diesem Raum, der nirgends ist, gegenüber. Sie spielen ein Spiel, bei dem es um mehr als nur um den Sieg geht in einer Schachpartie. Beide Spieler haben aschfahle Haut, einer trägt einen Ring mit Anker und Pferd, der andere zahlreiche antiquierte Schmuckstücke und reich verzierte Roben. Ihre dunklen Augen treffen einander und sie funkeln sich an, beide Blicke voll von Entschlossenheit. Hunderte Figuren stehen auf jeder Seite auf dem Brett, das nicht nur ein Land, sondern die ganze Welt, ja sogar die Ebenen umspannt. Dies würde ein langwieriges und herausforderndes Spiel werden, aber beide Spieler waren mehr als entschlossen. Diese Entschlossenheit leitete die mit dem Pferdeanker gezierte Hand, als sie nach der ersten Figur griff und dabei murmelte: "Und so beginnt es erneut..."
The only ones who should kill are those prepared to be killed.

Idunivor

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3. Zug - Rochade
« Antwort #355 am: 31.05.2017, 09:18:21 »
---- Ende ----
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