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Autor Thema: Prolog: Extraktion  (Gelesen 14645 mal)

Beschreibung: Willkommen in den Schatten!

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Mondragor

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Prolog: Extraktion
« am: 11.09.2016, 20:55:19 »
Wir schreiben das Jahr 2070 ...

Längst hat sich die Metamenschheit mit den Umwälzungen des 21. Jahrhunderts arrangiert. Cybertechnologie, die wachsende Macht der Konzerne und des Konzerngerichthofes und selbst das Aufkommen der Magie sind zur Routine geworden. Elfen, Zwerge, Trolle, selbst Drachen sind zu, wenn auch teils angefeindeten und gefürchteten, letztlich doch anerkannten Mitgliedern der Gesellschaft geworden.

Doch der zweite Matrixcrash vor nun sechs Jahren hat das Leben von Millionen von Metamenschen erneut aus der Bahn geworfen. Die weltweite Wirtschaftskrise und die Umwälzungen in seiner Folge wirken sich noch bis heute aus, auch wenn längst eine neue, stabilere und bessere Version der Matrix den Dienst aufgenommen hat. Während die genauen Umstände des Crashes nie öffentlich bekannt wurden und offiziell von einem terroristischen Akt die Rede ist, ranken sich Dutzende Verschwörungstheorien um ihn. Einige vermuten Megakons als Strippenzieher hinter den Kulissen, konnten doch vor allem Saeder-Krupp und NeoNET wirtschaftlich durch den Aufbau der drahtlosen Matrix 2.0 profitieren. Andere sprechen im Verborgenen von künstlichen Intelligenzen, Otaku und noch abstruser klingenden Geschöpfen.

Mehr und mehr jedoch rücken die Ereignisse der Vergangenheit aus dem Fokus der Öffentlichkeit, während kaum noch jemand die Vorzüge der neuen, kabellosen Matrix missen möchte. Doch langsam, außerhalb des öffentlichen Fokus', tauchen Gerüchte auf über merkwürdige Phänomene in Zusammenhang mit der neuen Matrix ...



Seattle, 28.2.2070, 16:03h

Dr. Ronald Anderson stand erneut von seinem Bett auf, schritt die Länge des Schlafzimmers ab und checkte die Uhrzeit. Drei Minuten zu spät schon. War etwas dazwischengekommen? Nervös begann er erneut, an seinen von deutlichen Abnutzungsspuren gezeichneten Fingernägeln zu kauen. Was würde passieren, wenn seine Überführung verspätet war? Würde der gesamte Plan scheitern? Vielleicht wäre es das beste, denn noch immer war er sich nicht sicher, dass es die richtige Entscheidung war, den Schutz des Konzerns zu verlassen.

Was, wenn doch alles harmlos war, und er wirklich als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Dr. Shalbermat arbeiten sollte? Die Erklärung war einleuchtend gewesen. Dr. Shalbermat benötigte für seine medizinischen Forschungen in Hong Kong einen Mathematiker, der ihn bei Versuchsplanungen und -Auswertungen unterstützen sollte. Ron als Experte für Spieltheorie war ein logischer Kandidat. Doch als er bei seinen Recherchen auf die Sache mit AIPS stieß, klingelten die Alarmglocken. Konnte das Zufall sein? Oder sollte am Ende ER das Versuchskaninchen sein? War der Konzern seinem Geheimnis auf der Spur?

Die Kontaktaufnahme des Headhunters kam zum günstigen Zeitpunkt - fast ZU günstig, wie Ron in manchen Momenten dachte. Doch am Ende war die Entscheidung gefallen. Einige konspirative Treffen mit seinem Kontaktmann im öffentlichen Bereich der Arkologie genügten, um ihn dazu zu bringen, der Extraktion zuzustimmen. Während seines Transfers zur Dependance in Hong Kong würde eine Gruppe "Spezialagenten" (Ron war sich klar darüber, dass sie hier von Kriminellen sprachen) ihn entführen und zu seinem neuen Arbeitgeber überführen. Welcher Konzern dies sein würde, war ihm noch unbekannt - er würde eine angemessene Anstellung in verantwortlicher Position erhalten, mehr hatte sein Kontakt ihm nicht gesagt.

Und nun waren sie bereits fünf Minuten im Verzug. Was, wenn Mitsuhama Wind von der geplanten Extraktion bekommen hatte? War deshalb noch niemand gekommen, um ihn zu holen? Würde gleich einige Mitglieder der Konzernsicherheit vor der Tür stehen und ihn mitnehmen? Und was, wenn das Extraktionsteam die Sache wegen der Verspätung abblasen musste? Er spuckte ein Stück abgebissenen Fingernagel auf den Boden.

Es klopfte an der Tür.
"Dr. Anderson? Sind Sie startbereit?"
Er öffnete die Tür und sah eine zierliche Japanerin vor sich.
"Verzeihen Sie die Verspätung, ihr Shuttle wartet bereits. Bitte folgen Sie mir!"
« Letzte Änderung: 16.09.2016, 12:39:35 von Mondragor »

Mondragor

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Prolog: Extraktion
« Antwort #1 am: 18.09.2016, 14:40:26 »
Zwei Tage zuvor ...

Serrah Stone - oder Eve, wie sie sich jetzt nennt, sitzt einmal mehr in ihrem Loft am Lake Union und überlegt, ob es nicht doch ein Fehler gewesen ist, ihr altes Leben so einfach hinzuschmeißen, während sie gelangweilt zwischen den Hunderten von Tridshows hin- und herzappt, die auf ihrem zugegebenermaßen beeindruckenden Holoprojektor in einer makellosen Brillianz dargestellt werden, die jedoch über die flauen Inhalte ebensowenig hinwegtäuschen können wie die kosmetischen Eingriffe der Moderatoren.

Ein wenig anders hat sie sich ihr neues Leben schon vorgestellt - aufregender, voller Abenteuer. Doch die Seattler Schatten scheinen wohl nicht gerade auf die Elfin gewartet zu haben; bis auf einen wirklich unspektakulären Auftrag gab es in der Smaragdstadt bisher noch überhaupt keine Arbeit für sie. Vor allem ist es ihr bisher nicht gelungen, einen Fuß in ein festes Runnerteam zu bekommen, und wer engagiert schon eine einzelne Shadowrunnerin ohne Ruf für irgendetwas? Auch Cole, wegen dem sie ja erst in die Stadt gezogen ist, reagiert zunehmend genervt auf ihre Nachfragen, und so langsam keimt in Eve der Verdacht, er könne sie bald komplett im Regen stehen lassen.

Just in diesem Moment kündigt eine Einblendung auf ihrer Linse einen Anruf des Schiebers an. Aufgeregt aktiviert sie durch ein Blinzeln die Verbindung.
"Hallo, Eve Schatz, gute Nachrichten! Ich hab gesagt, ich verschaff dir einen Job, und wenn ich was sage, dann liefere ich auch. Also, komm um 18 Uhr ins Dead Man's End am Lake Washington Boulevard und meld dich beim Barkeeper. Es geht um eine kleine Sache, aber mein Kontakt sagt, wenn du dich gut anstellst, sind weitere Jobs drin. Also mach mir keine Schande, ich hab dich in den höchsten Tönen gelobt!
Was sagst du?"




In einem deutlich heruntergekommeneren Teil der Stadt ist Jinx' Laune zur gleichen Zeit alles andere als gut. Zum einen braucht sie dringend Geld; doch im Moment ist es vor allem der Lärm, der ihr zu schaffen macht. Gerade erst in ihr Apartment eingezogen hat sie zwar noch nicht persönlich die Bekanntschaft ihrer Nachbarn machen dürfen, aber seit einer Stunde schon hört sie durch die scheinbar papierdünnen Wände einen Mann und eine Frau miteinander streiten, während im Hintergrund mindestens zwei Kinder weinen. Mit jeder Minute, die sie dem Treiben unfreiwillig zuhört, fühlt sie sich mehr und mehr in ihre eigene Kindheit zurückversetzt, und mit jeder Sekunde brodelt es stärker in ihr.

Ein Blinken an ihrem Komlink bietet ihr Ablenkung - es ist eine Textnachricht von Chrome, ihrem Kontakt hier in Seattle, der ihr einen möglichen Auftrag anbietet.
"Hi Jinx,
hab vielleicht nen schnellen Job für dich. Keine große Sache, aber gibt gutes Geld. Das ganze soll schon übermorgen passieren. Wenn du Interesse hast, meld dich bei mir, dann kriegst du weitere Instruktionen.
Gruß, Chrome"


Im dem Moment, als sie die Unterschrift gelesen hat, hört sie einen Schmerzensschrei von der Frau in der Nachbarwohnung. "Halt einfach die Schnauze, sonst kriegst du noch eine!"



Während er durch das vergitterte Fenster auf die Lichter Downtowns in der Ferne blickt, meldet sich Notchs Komlink. Die Einblendung zeigt einen unbekannten Anrufer, und neugierig öffnet der ehemalige Soldat den Kanal. Wer könnte etwas von ihm wollen?
Eine Einblendung zeigt eine gutaussehende Elfin mit auffallend hellen Haaren, aber Notch weiß, dass das nicht allzu viel besagt - mit der heutigen Technik könnte auch ein fetter Troll auf der anderen Seite der Leitung sitzen, und die Software würde den Rest erledigen.
"Mr. ... Notch?" erklingt die Stimme der Elfin nach einer minimalen Pause. "Sie sind mir wärmstens von Dr. Brown empfohlen worden; anscheinend haben Sie sie beeindruckt. Auf jeden Fall suche ich gerade nach jemandem mit Ihren Fähigkeiten, und wenn Sie Interesse an gelegentlichen Arbeiten auf Honorarbasis haben, würde ich das Ganze gerne von Angesicht zu Angesicht mit Ihnen besprechen..."



Auch in einem anderen Teil Seattles ertönt ein Anrufsignal eines Komlinks, als Blaze einen Anruf ihrer Schieberin Gin erhält.
"He Blaze, jemand sucht Feuerunterstützung für einen Zweistunden-Job. Keine große Sache, aber ich dachte, du hast ja gerade sonst nichts zu tun und könntest ein paar Nuyen gebrauchen. Soll ich dein Interesse mal weitergeben?"
« Letzte Änderung: 20.09.2016, 11:44:16 von Mondragor »

Noth

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« Antwort #2 am: 18.09.2016, 22:12:55 »
Getroffen vom Lob, kraulte sich Noch durch seine zottigen Haare. Ja wenn nur jedes Gespräch so anfangen würde und wenn jede Verpackung das hielt was es versprach. Er wollte jetzt aber gar nicht weiter über bild- und stimmmanipulierende Apparate nachdenken. Es war ein Auftrag und wenn die Elfe, im schlimmsten Fall wirklich der fetteste Troll der Welt war, es gab Geld. Wählerisch und ängstlich durfte er in seiner Lage nicht sein. Außerdem war Dr. Brown im Spiel. Sein Blick ging bei ihrem Namen die Straße hinunter. Schön zu hören, dass er sie beeindruckt hat. Vielleicht war dies der erste Schritt zu einer regelmäßigeren Einnahmequelle. Wenn ja musste er ihr unbedingt danken.
„Ja, gelegentlich auf Honorarbasis zu arbeiten hört sich doch gut an, Miss?“ Eine sehr nette Umschreibung für die Jobs die er machen musste um sich über Wasser zu halten. Gelegentliche Jobs auf Honorarbasis. „Je nach Dringlichkeit ihres Anliegens können wir uns jetzt oder auch später treffen. Hier richte ich mich ganz nach Ihnen. Sagen sie mir den Ort und die Zeit, und ich werde da sein.“ Er wendete sich vom Fenster ab und blickte in sein Zimmer. Viel vor hatte er heute nicht mehr und eine unbekannte Person zu treffen hatte etwas. „Ah und ich müsste natürlich auch wissen ob ich in Ausrüstung oder leger erscheinen soll.“

Mondragor

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Prolog: Extraktion
« Antwort #3 am: 19.09.2016, 01:05:42 »
Sein Gegenüber lächelt ihn in einer Art und Weise an, die seine Beine beinahe ein wenig weich werden lässt. "Aber Mr. Notch, wir treffen uns zu einem zwanglosen Gespräch in einer netten Bar - ich bin mir sicher, Sie werden sich angemessen kleiden. Ich freue mich auf jeden Fall schon, Ihre Bekanntschaft zu machen. Seien Sie um 18 Uhr im Dead Man's Hand in Downtown. Dann können wir alles weitere bei einem Drink besprechen."

Eine schnelle Suche ergibt die Adresse der Bar auf dem Lake Washington Boulevard; es scheint sich um eine Western-Kneipe zu handeln, eine ungewöhnliche Wahl. Allerdings scheint auch Miss Johnson, wie er die Elfin automatisch betitelt, eine eher ungewöhnliche Auftraggeberin zu sein. Will er den Termin schaffen, muss er sich auf jeden Fall bald auf den Weg machen - einen eigenen fahrbaren Untersatz besitzt er nicht, und die öffentlichen Verkehrsmittel in Redmond, so viel hat er bereits bemerkt, machen dem Stadtteil alle Ehre.

Eve

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« Antwort #4 am: 19.09.2016, 06:53:29 »
Instinktiv wollte Eve ja antworten, "Naja, ich weiß nicht, ob das in meinen vollen Terminkalender passt." aber weder würde Cole ihr das abnehmen, noch wusste sie, wie genau er darauf reagieren würde, und sie wollte ihre Geschäftsbeziehung zu dem Schieber nicht gefährden. Einerseits war er ihr wichtigster und nebenbei auch der einzig ernstzunehmende Kontakt in der Stadt. Und abgesehen davon war Cole einer derjenigen, die ihren Hintergrund recht genau kannten. Deswegen überhört sie auch das "Schatz", ähnliche Floskeln ebenso wie die recht zwanglose Unterhaltungsart waren ihr schließlich nicht unbekannt.

"Cole! Schön von Dir zu hören. Ich hatte keine Zweifel daran, dass Du liefern würdest, ich bin vielleicht manchmal nur ein wenig ungeduldig." Sie lacht kurz. "Das dürfte doch mehr als verständlich sein."

Sie macht sich eine mentale Notiz, weniger bei Cole nachzufragen.

"Das Dead Man's End also. Selbstverständlich werde ich mich von meiner besten Seite zeigen! Keine Sorge, ich werde Dich schon nicht enttäuschen. Schließlich wollen wir ja beide noch Anschlussaufträge erhalten, richtig? Du bist ein Schatz, danke!"

Wahrscheinlich würde er die kleine Anspielung auf seine Anrede nichtmals als solche wahrnehmen...

Die leichte Aufregung in ihrer Stimme hingegen womöglich schon. Normalerweise war sie durchaus in der Lage, ihre Emotionen zu verbergen, aber dies war ihr erster "richtiger" Job, seit sie ihr altes Leben verlassen hat, und da hatte sie doch eine gewisse Mühe damit.

In Gedanken überlegt sie bereits, was sie über den Schuppen weiß[1], und schielt mit einem Auge in Richtung Uhr. Wieviel Zeit hatte sie noch, um sich fertig zu machen.
 1. Wissen: Nachtclubs mit 2 Erfolgen

Mondragor

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« Antwort #5 am: 19.09.2016, 12:08:30 »
"Gut, dann melde ich zurück, dass du interessiert bist. Ich muss dann auch wieder Schluss machen, viel Erfolg!"

Eve hat tatsächlich schon einmal von der Bar gehört - ein Schuppen im Stil alter Wild-West-Saloons, Schwingtür inklusive. Die Adresse und sonstige Infos holt sie schnell aus der Matrix; sie hat sicherlich noch eine gute Stunde Zeit zum Fertigmachen, um selbst in der Rush Hour noch rechtzeitig anzukommen.
« Letzte Änderung: 19.09.2016, 12:10:22 von Mondragor »

Noth

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« Antwort #6 am: 19.09.2016, 14:06:01 »
Bei den ersten Worten ihrer Antwort hob Notch eine Augenbraue, dann lächelte er verlegen. Innerlich war er gerade hin und her gerissen. Zwischen ihrem sehr hübschen Äußeren mit dieser süßen Stimme und dem Gedanken, dass sie ein Auftraggeber ist … oder vielleicht auch nur für ihn spricht. „Sicher doch, ich werde da sein.“ Bestätigte er den Termin mit einem Lächeln und dann war sie schon verschwunden.

Während er den Standort prüfte, fragte er sich welche Fähigkeiten sie wohl benötigte. Die Verbindung zu Dr. Brown legte für ihn wenigstens nahe, dass es um seine medizinischen Fähigkeiten ging. Viel länger konnte er aber nicht darüber nachdenken. Das Display zeigte den Standort der Bar und seine hellbraunen Augen weiteten sich. Rasch suchte er die nächste Verbindung und ihm wurde noch übler. „Scheißdreck.“ fluchte er und eilte ins Bad.

Wenn er eines gelernt hatte war es Pünktlichkeit. Um pünktlich ankommen zu können, sollte er in fünf Minuten seine Wohnung verlassen. Noch mit der Zahnbürste im Mund kam er wieder heraus. Das Shirt hatte er schon ausgezogen, so brauchte er das Zähneputzen kaum zu unterbrechen während er sich eines seiner beiden einzigen Hemden zuknöpfte. So hetzte er zwischen Bad und Zimmer hin und her, bis er vollkommen angezogen und wenigstens das Gesicht frisch war. Am Ende räumte er noch seine beiden Schusswaffen unters Bett und befestigte sein Messer am Gürtel. Ganz ohne Waffe wollte er nicht hinaus in die Stadt. Ein Blick auf die Zeitanzeige ließ ihn noch einen Zacken zulegen. Er schnappte seinen Kurzmantel und schloss die Tür hinter sich ab. Seine schweren Militärboots donnerten regelrecht über die Treppenstufen, wo er zwei bis drei auf einmal nahm. Dann war er schon draußen und musste zur nächsten Busstation wetzen.
« Letzte Änderung: 19.09.2016, 14:10:34 von Notch »

Eve

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« Antwort #7 am: 19.09.2016, 21:24:24 »
Viel Zeit blieb Eve nicht gerade, aber zumindest genug für das Nötigste.

Nach kurzer Durchsicht ihres Kleiderschranks entscheidet sie sich für ein Paar ausgewaschene Jeans, eine braune Lederweste, die sie direkt über den schwarzen BH zieht, sowie schwarze Stiefel mit breitem Absatz. Ein kurzer, grauer Wollmantel schützt sie vor der Kälte draußen.

Dazu packt sie noch rasch eine Tasche, in der ihr Zoé Ensemble nebst diversen Panzerungsaccessories verschwindet. Die Tasche landet im Kofferraum ihres Rovers, während sie ihre Pistole im Handschuhfach deponiert. Zumindest für die eine oder andere Eventualität sollte sie so gerüstet sein.

Dann schwingt sie sich in den Fahrersitz ihres schneeweißen Geländewagens und düst los.

Jinx

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« Antwort #8 am: 20.09.2016, 07:14:11 »
Nett von Chrome ihr diese Bleibe besorgt zu haben, aber wenn die letzten Stunden typisch waren definitv nichts dauerhaftes und auch wenn sie sie schmerzhaft vermisste, die Materialen für ihre neue Lodge waren vorläufig im Miss Benitez Schliessfach bei der North Western Indipendend Bank gut aufgehoben. Ihr "Vermieter" wusste nichts von ihrer magischen Gabe - er hielt sie wahrscheinlich für eine Prostituiere oder dergleichen- und Jinx hatte nicht vor das zu ändern wenn es nicht sein musste.
Ausserdem war es schlicht unmöglich ein Loch wie dieses zu sichern, magisch oder weltlich ohne dem Abschaum der Gegend zu signalisieren das es hier neuerdings was zu hohlen gab.

Je länger der Streit nebenan andauerte desto mehr wuchs die Versuchung einen Stillezauber auf die Bruchbude zu legen um sich den Lärm nicht länger anhören zu müssen. 
Aber das hätte auch bedeutet niemanden kommen zu hören und in dieser ihr unbekannten Umgebung und solange die Da Silvas ihr Blut wollten konnte sie das nicht riskieren. "Aber Katze steh mir bei, wenn die nicht bald Ruhe geben...".
So kam ihr Chromes Nachricht gerade recht. "Hola Chrome. Du weist doch das ich das Geld und die Rep dringend brauche und es ist ja nicht so als ob ich hier so viel zu tun hätte also schick mir die Info und ich seh was sich machen lässt. Gruß Jinx" anwortete sie sofort.
In dem moment registrierte sie den Schrei aus der Nachbarswohnung. "Hijo de Puta!" fluchte die Schamanin. Normalerweise hielt sie sich aus solchen Angelegenheiten raus, aber für Vergewaltiger und Typen die Frauen schlugen machte sie Ausnahmen. Jinx schloss die Augen und trat in den Astralraum über. Es kostete sie so gut wie keine Mühe einen Watcher zu beschwören und ihm seine Anweisungen zu geben.[1]
Als Chromes Antwort auf ihrem Com eintraf grinste die Katzenschamanin von einem Ohr zum anderen als aus der Nachbarwohnung ein schrilles Kreischen drang. "DU SOLLST KEINE FRAUEN SCHLAGEN!".
Watcher hatten in etwa den IQ einer Toastbrotscheibe, aber sie konnten erstaunlich laut werden. Für die nächsten paar Stunden würde sich der kleine Geist jedesmal materialisieren wenn der Typ Anstalten machte seine Frau zu schlagen und ohne die Hilfe eines Erwachten hatte er keine Möglichkeit den Beschwörer des Geistes zu finden.
Jinxs Stimmung war deutlich gestiegen als sich daran machte Chromes Instruktionen zu lesen.


 1. wenn ich dafür extra würfeln soll sag Bescheid, aber da es ja "nur" um Fluff geht und keine erschwerenden Bedingungen vorliegen...
« Letzte Änderung: 20.09.2016, 07:16:17 von Jinx »
"by my reconing, the scariest words around are "it`ll be easy."

Mondragor

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« Antwort #9 am: 20.09.2016, 11:31:34 »
Die unmittelbare Reaktion auf das Erscheinen des Geistes in der Nachbarwohnung sind panische Schreie und ein absolutes Durcheinander, als anscheinend jeder im Raum beim Versuch, vor der Erscheinung zu fliehen, über irgendetwas stolpert. Jinx befürchtet für einen Moment, sie habe es etwas übertrieben mit ihrer Aktion, doch schon wenige Augenblicke später kehrt eine fast gespenstisch wirkende Ruhe ein - gespenstisch im wahrsten Sinne des Wortes, denkt Jinx mit einem Lächeln - doch gleich darauf ertönt ein hysterisches Lachen der Frau, gefolgt von einer Tirade: "Ha, jetzt reißt du deine Klappe nicht mehr auf, was? Ja, ich habe mächtige Freunde, und wehe dir, du rührst mich nochmal an, dann sag ich ihnen, sie sollen dich in einen Frosch verwandeln!"

Die Frau fährt zu Jinx' Unmut noch fort - soviel dazu, dass jetzt Ruhe einkehrt; doch ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf ihr Komlink, auf dem gerade Chromes Antwort eintrifft:
"Sei um 18:00 Im Dead Man's End in Downtown für ein Treffen mit der Auftraggeberin. Legere Kleidung. Gruß Chrome"

Eine kurze Matrixrecherche später kennt Jinx die Adresse und grobe Beschreibung des Ladens; viel Zeit bleibt ihr nicht, um sich auf den Weg zu machen, zumal sie wohl oder übel auf Busse zurückgreifen muss, will sie nicht ihren Rest an Kröten noch weiter reduzieren durch ein Taxi. Leise verflucht sie den Umstand, dass sie ihre geliebte Countess verkaufen musste, aber was blieb ihr anderes übrig? Grund genug, pünktlich zum Treffen zu erscheinen - jede Einnahme kann sie gerade gut gebrauchen.

Blaze

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« Antwort #10 am: 21.09.2016, 13:03:23 »
In Unterwäsche lümmelt die zerzauste Asiatin auf ihrem Sofa herum und streckt umständlich die Hand nach ihrem Kommlink aus, wobei sie fast herunterfällt. Ihre Augen werden groß, als sie den Anrufer feststellt. Gin? Schlagartig wird sie wach, fährt sich kurz über das Gesicht und geht ran. So zuvorkommend die Frau sich auch gibt, ein wenig Respekt hat sie schon vor ihr. Ihre Beziehung ist fluid, wankelmütig - in etwa so, als stünde man auf einem Schiff bei Wellengang. Mal macht es einem nichts aus, mal wird man ins eiskalte Wasser geworfen. Sie sieht sich mehr oder weniger als Freunde, aber eine dicke Lippe riskiert sie lieber nicht, nicht einmal im Scherz.   

Kaum ist sie rangegangen, da erfolgt auch schon der erste Seitenhieb. Heute hat sie tatsächlich nichts weiter gemacht, als den Tag zu vergammeln. Ein wenig Trid geschaut, ein paar Seiten angesurft...Seit sie ihr eigener Mensch ist, hat sie ein gewisses Lotterleben durchaus zu schätzen gelernt. Immerhin hat sie heute geduscht. Sport hat sie allerdings ausfallen lassen. Das sollte sie vor ihrer Schieberin lieber nicht erwähnen. Beim letzten Mal hatte sie freundlich darauf hingewiesen, das sie langsam pummelig wird. Und sie langsam aufpassen sollte, denn eine Tonne bringt keine Nuyen ein. Das nagt noch immer an ihr...

 "Öhm, hey! Nett, schon wieder von dir zu hören. Klar, meld mich mal an! Kann ja den alten Wilson nicht zu lange auf seine Miete warten lassen. Schon irgendwelche Details?" 
Erkundigt sie sich nach einem kurzen Räuspern. Keine große Sache und 'Jemand' ist da ein wenig schwammig.
 

Mondragor

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« Antwort #11 am: 23.09.2016, 00:32:09 »
"Details ... nicht wirklich, aber ich soll dich zu einem Briefing schicken, bei dem alles geklärt werden soll. Das muss eine ziemlich kurzfristige Sache sein, das findet schon um 6 statt - also solltest du dich beeilen, damit du nicht zu spät kommst. Warte, ich schick dir die Adresse auf dein Komlink."
Einige Augenblicke später trifft eine Nachricht mit den versprochenen Informationen ein, und Blaze erkennt sofort, dass Gin recht hat: Will sie es rechtzeitig zu dem Treffpunkt schaffen, hat sie gerade noch Zeit, um sich umzuziehen und ein wenig frisch zu machen.

Hastig verabschiedet sie sich von ihrer Freundin, und schon wenig später ist sie auf dem Weg zur U-Bahn. Zum Glück wohnt sie nicht allzu weit entfernt, so dass sie trotz der knappen Zeit sogar ein paar Minuten vor sechs am Dead Man's Hand ankommt. Als sie sich zu Fuß der Bar nähert, fällt ihr Blick auf einen auffällig weißen Geländewagen, der gerade auf den Parkplatz einbiegt - interessanter als der Wagen findet sie jedoch die ziemlich attraktive Elfe in einem grauen Mantel, die kurz darauf aussteigt und sich ebenso wie Blaze in Richtung Eingang begibt.



Nachdem Eve einen Parkplatz direkt vor der Bar erwischt hat, überlegt sie kurz, ob sie den Mantel im Auto lassen soll, entscheidet sich dann aber doch dagegen. Aus dem Augenwinkel bemerkt sie beim Aussteigen eine  Asiatin, die sie ziemlich unverhohlen ansieht, und ihr kommt der Gedanke, dass sie beobachtet werden könnte. Überhaupt, vielleicht ist das ganze eine Falle?
Sie schüttelt den Gedanken ab und erreicht fast zeitgleich mit der anderen Frau den Eingang des Dead Man's Hand, vor dem in imposanter Manier ein riesiger Troll posiert, der offenbar die Einlasskontrolle vornimmt. Die bedrohliche Gestalt des Türstehers wird jedoch konterkariert von dem etwas zu kleinen Cowboykostüm, in das er sich gezwängt hat, komplett mit Hut, Halstuch und roten Cowboystiefeln. Obwohl der Gesamteindruck aus modischer Sicht natürlich ein absolutes No-Go für Eve ist, muss sie insgeheim jedoch zugeben, dass er sich in diesem Aufzug auf einer typischen Hollywood-Party perfekt in das Gesamtbild einfügen würde.

Der Troll mustert die beiden Frauen und knurrt ihnen ein fragendes "Irgendwelche Waffen?" entgegen, während er zunächst keine Anstalten macht, den Eingang freizugeben.



Jinx hat die Strecke mit mehreren Umstiegen nun beinahe hinter sich gebracht und ihr Komlink zeigt ihr an, dass sie an der nächsten Station aussteigen muss. Die Uhr zeigt fast sechs an, und so ist sie froh, dass die Haltestelle sich scheinbar direkt vor der Bar befindet. Als der Bus hält, steigt sie zügig aus und bewegt sich schnurstracks, aber ohne zu rennen, auf den Eingang zu. Mit ihr zusammen steigt ein Norm aus, den sie bereits gemustert hat, als er vor ein paar Stationen eingestiegen ist. Mit seinem vernarbten Gesicht ist er ihr sofort aufgefallen, und auch jetzt überlegt sie, weshalb sein Äußeres irgendwie Militär schreit.



Es scheint, als sei Notch nicht die einzige Person, die an einem Mittwoch Abend im Februar mit dem Bus zu einer Westernkneipe fahren. Als ihm dieser Gedanke in den Sinn kommt, während er hinter der Elfe mit dem Latino-Einschlag zum Eingang des Dead Man's Hand geht, muss er beinahe laut auflachen, so absurd klingt der Satz.
Beim Näherkommen mustert er die Bar etwas genauer und nun fällt der Groschen bei ihm, um welche Hand es sich beim Namen der Bar eigentlich handelt: Das Logo zeigt eine Hand von Spielkarten - Karo 5, Pik 8, Kreuz 8, Pik Ass und Kreuz Ass, wie er feststellt. Merkwürdig findet er die Namenswahl dennoch. Ansonsten sieht man von außen recht wenig von der angeblichen Wild-West-Atmosphäre des Ladens; vermutlich würde das innen anders aussehen. Bevor er sich dort jedoch umsehen kann, muss er noch an dem Troll in dem lächerlichen Cowboykostüm vorbei, der hier offenbar den Türsteher gibt und das auch gleich heraushängen lässt, indem er sich breitbeinig vor den Eingang stellt und sowohl ihm als auch der Elfe den Weg versperrt.
"Irgendwelche Waffen?"

Noth

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« Antwort #12 am: 23.09.2016, 02:16:16 »
Irgendwie Militär schreit ist gut, am grauen Mantel fehlen im Prinzip nur die Rangabzeichen und das Logo der Organisation und schon wäre der Mann ein Soldat. Selbst die olivfarbende Hose und das Hemd sehen eindeutig militärisch aus. Sind das nicht sogar Soldatenstiefel? Jedenfalls nach einem Cowboy sieht er nicht gerade aus und Notch ist das auch sehr bewusst. Als er den Troll sieht, in seinen roten Stiefel, fühlt er ein Unbehagen in sich aufsteigen. Er schließt halb die Augen und hofft, dass nicht alle in der Bar so etwas anhaben. Noch schlimmer wäre, wenn der Troll ihn nur in einem ähnlichen Aufzug durch ließe.

Aber es gibt ja gerade zwei andere Dinge, die mehr Aufmerksamkeit einfordern. Zum einen die Elfe, welche tatsächlich das gleiche Ziel hatte und zum anderen die Aufforderung des Trolls. Kurz geht sein Blick zur Elfe, welche immer noch vor ihm steht, was wird sie wohl machen? Dann blickt er den Troll an und stellt sich vor ihn. Langsam hebt er eine Hand und öffnet mit der anderen den grauen Kurzmantel. „Hey, da meinst doch sicher mich mit.“ Notch dreht seine Hüfte so, dass der Troll das Messer im Halfter sehen kann. „Ich hab nur das Messer bei. Kann ich damit rein oder willst es haben?“ Wirklich gerne würde er dem Troll das Messer nicht hergeben, aber wenn es sein muss. Schließlich wollte er so schnell es ging rein und ein Messer stand da weniger im Weg als die roten Stiefel des Trolls.

Eve

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« Antwort #13 am: 23.09.2016, 16:55:19 »
"Waffen? Mit so einem starken Mann, der uns beschützt, brauchen wir doch keine Waffen, oder?" fragt Eve zurück und zieht dabei schonmal ihren Mantel aus, um ihn leger über die Schulter zu werfen während sie ihn mit zwei Fingern festhält. Damit dürfte die Frage dann auch beantwortet sein, denn wirklich viele Möglichkeiten zum Verstecken von Waffen blieben ihr bei ihrer Kleiderwahl sicherlich nicht.

"Zufrieden?" fragt sie nochmal in Richtung des Türstehers und macht dann Anstalten, hineinzugehen.

"Achja... wo ist denn die Garderobe?"

Mondragor

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« Antwort #14 am: 23.09.2016, 17:34:40 »
Der Troll mustert Eve mit einem scheinbar unbeeindruckten Blick und nickt nach kurzem Zögern in Richtung der Tür, die er ein Stück öffnet, um die Elfin hineinzulassen. "Siehst du dann schon" knurrt er ihr im Vorbeigehen noch zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder der zweiten Person widmet.

Eve hingegen findet sich vor einem zweiten Eingang in Gestalt einer Schwingtür im Saloon-Stil wieder, hinter der sie das eigentliche Innere der Kneipe erblickt. In dem Moment, in dem sie die Pforte überschreitet, wird die AR des Lokals aktiv und eine Plethora von Informationen legt sich als Projektion auf ihre Kontaktlinsen. Virtuelle Pfeile weisen den Weg zu Theke und Toilette, neben ersterer entfaltet sich die Getränkekarte, und am Rande ihres Sichtfeldes wartet ein Link zur Geschichte des Namens des Dead Man's Hand auf seine Aktivierung.
Die Kneipe selbst dagegen ist in einer Einfachheit gehalten, die den gängigen Klischees über den Wilden Westen entspricht. Jeweils vier brüchig aussehende Holzstühle (oder vermutlich eher Imitate aus Plastik) stehen um kleine runde Tische und in einer Ecke befindet sich ein mechanisches Klavier, aus dessen Inneren stilechte Melodien dringen, ohne dass ein Pianist zu sehen wäre. Der Laden ist zu dieser Zeit eher spärlich besucht; immerhin ein paar Gäste sitzen einzeln oder zu zweit an ein paar wenigen Tischen.
Eine Treppe führt nach oben, wo sich eine Balustrade einmal um die halbe Bar zieht. An den Wänden dahinter sind eine Reihe von Türen zu sehen, die wohl in privatere Räumlichkeiten führen. 

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