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Autor Thema: Córrea  (Gelesen 17387 mal)

Beschreibung: Episode 2.1

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Khenubaal

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Córrea
« am: 17.11.2016, 22:49:27 »
CÓRREA



Anderthalb Monde sind vergangen - wie vereinbart. Und die Gefährten finden wieder zusammen bei Jaresh, auf dem Gut des ehemaligen Bürgermeisters von Dorwida.

Es ist Mittag, ein warmer Sommertag - einer der letzten dieses Jahres, das spürt Sanjan in den Knochen. Er nimmt auf seinem Rappen die letzten vertrauten Meilen entlang des Konandor, nähert sich dem Gut des alten Freundes.

Ein gutes Gefühl, als das hölzerne Tor aufgesperrt wird und er hindurchreiten kann. Gebell - die Hunde auf der Hut vor Grimnir. Doch der Wolf kennt es bereits, bleibt ruhig an seiner Seite. In der Ferne blitzt etwas auf - eine Rüstung. Die von Tarqetik. Auch der Brandobiner ist also schon da. Sanjan erspäht ihn an einem Tisch auf der Terasse vor dem Gutsanwesen. Freudig hebt der Kempe seinen Humpen, als er ihn erkennt.

Etwas weiter entfernt stehen weitere Pferde am Stall angebunden. Sanjan erkennt die Rappen von Basilio und Flannait und etwas später auch die beiden, wie sie neben einander stehen und sich unterhalten.

Pishu winkt ihm zu, auch Edgar ist zu sehen. Viele der Gutsarbeiter erkennen den Bahir und winken ihm fröhlich zu, oder grüßen ihn. Für einen Augenblick sucht sein Auge Manik, doch eugentlich hat er keine Hoffnung, den Fhokki hier anzutreffen. Er hatte klar geäußert, dass er Helga wieder in die heimat begleiten will, und das ist eine Reise von vielen Monden.

Schließlich steigt er am Stall ab und wirft die Zügel einem der Burschen zu. Ein Paar Schritte und er ist auch schon bei Basilio und Flannait angekommen. Er will die beiden gerade ansprechen, als eine kleine Gestalt dazwischen huscht und ihn dabei anrempelt.

* * *

"Basilio!", ruft eine laute, helle Stimme. Wie aus dem nichts ist sie neben dem Koraker und Flannait aufgetaucht - und neben Sanjan, der ja eben angekommen ist und den sie begrüßen wollten. Basilio ist zunächst überrascht - er und die Halbelfe sind selbst kaum seit einer Stunde auf dem Gut. Dann erkennt er das breite Lächeln, die vollen Lippen und den großzügigen Ausschnitt wieder. Mirtel schaut ihn voller Herzensgüte und mit einem frechen Grinsen an. "Schön, dass du wieder bei uns bist!"

* * *

Tarqetik beobachtet die Szene nicht ohne Belustigung von der Bank am Terassentisch. In Dorwida konnte man verdammt gutes Bier brauen, das musste er Jaresh lassen. Keine Überraschung bei all den Weizenfeldern. Der Recke war bereits seit zwei Tagen auf dem Gut und hatte einige redselige Abende mit dem Mann, aber auch der Arbeitern verbringen können. Siola, die Herrin des Hauses und Jareshs Nichte, hielt sich dagegen auffällig zurück. Zunächst hatte Tarqetik angenommen, das liege an ihm, doch dann bemerkte er, dass die junge Frau auch mit Jaresh selbst kaum ein Wort wechselte und ganz allgemein in sich gekehrt war. Frauen eben...

Die Tür zur Terasse geht auf und Amaara kommt heraus. Die Elfe sieht gut aus, das muss Tarqetik ihr lassen. Blondes Haar, helle und doch getönte Haut. Und ein Körper, der passend gekleidet ist und sich zu bewegen weiß. Er ist noch nicht schlau geworden aus der Frau. Warum ist sie hier?

Jaresh hat sich mehrmals in den beiden Tagen mit ihr zurückgezogen, aber der Alte macht nicht den Eindruck, sich Mätressen zu halten. Anscheinend wollte er etwas mit ihr bereden. Nun setzt sich Amaare neben ihn und beobachtete ebenfalls die Neuankömmlinge.

* * *

Amaara grübelt zum hundertsten Mal über das, was ihr Efet in Prompeldia mit auf den Weg gegeben hat. Noch kann sie die Bruchstücke nicht richtig zusammensetzen. Weder Efet in der Wüstenstadt, noch Jaresh hier, haben ihr alles offenbart. Doch die zwei Männer sind beide besorgt genug gewesen, um auch ihr Gemüt in Wallung zu versetzen. Hoffentlich macht Jaresh bald reinen Tisch und klärte die Sache auf.[1]

* * *

El'ssa jagt wieder einmal auf ihrem Rappen durch die Landschaft. Das Gutstor ist noch offen, und so verlangsamt sie den Galopp nicht und gleitet durch den Durchgang. Hier und da stieben Vögel aus dem Gras auf. Einige Rinder im Gehege beschweren sich lautstark, als sie dicht an der Begrenzung vorbeirast. Dann kommt auch sie am Gutshaus an und springt - noch etwas vom Stall entfernt - vom Pferderücken.

Viele Köpfe drehen sich nach ihr um. Dann wirft sie die Kapuze zurück und erntet überraschte Rufe und Seufzer. Das ist sie gewohnt. Ihr Blick trifft den Stallburschen - der kennt sie schon von dem Besuch vor anderthalb Monden. Aber er hat immer noch Angst. Als er ihren Blick bemerkt, schluckt er und kommt langsam ihr entgegen, um die Zügel aufzunehmen.

Dann geht die Tür des Gutshauses noch einmal auf und Jaresh erscheint im Rahmen. "Ah!", ruft er. "Sanjan, El'ssa! Schön, dass ihr auch da seid. Kommt doch alle herein! Die Mädchen haben schon den Tisch gedeckt!"
 1. PM kommt in Kürze
« Letzte Änderung: 17.11.2016, 22:52:05 von Khenubaal »

Basilio Aristide

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Córrea
« Antwort #1 am: 18.11.2016, 20:40:58 »
Dass Sanjan sich so hoffnungsvoll nach Manik umblickt, mag ein wenig auch an Basilios unerwartetem Erscheinen liegen. Der hatte sich nämlich mit ähnlich endgültigen Worten wie der junge Fhokki verabschiedet. 'Ich werde leider nicht ein zweites Mal von der Partie sein können', hat er Jareshs Bitte rundheraus abgelehnt. 'Meine freien Tage dies Jahr werde ich mit meiner Einkaufsreise und der Hochzeit selbst mehr als aufgebraucht haben, da komme ich daheim nicht los. Aber aufregend war's mit euch'—dies bereits an die Kameraden gerichtet—'und viel gelernt hab' ich auch. Ich wünsche euch viel Erfolg. So Delneb will, laufen wir uns ja vielleicht irgendwann doch noch einmal über den Weg.'

Trotz dieser Worte also steht Basilio jetzt hier und begrüßt Sanjan überschwenglich.

"So, da wären wir also beisammen", sagt er mit einem erleichterten Seufzer, als hätte er alle hier ganz schrecklich vermisst. "Wie ist's dir derweil ergangen? Gibt's was Neues?"

Ein wenig verändert hat sich der korakische Feldwebel aber doch. Er trägt jetzt ein leichtes Kettenhemd—von höherer Handwerkskunst, wie das Kennerauge sofort bemerkt—und neben dem Rapier, jetzt rechts am Gürtel, führt er links ein Kurzschwert. Etwas ernster die Miene, etwas würdevoller die Haltung... nein, Moment, das bildet er sich allerhöchstens ein. Tatsächlich hat er noch immer dasselbe verschmitzte Jungengesicht wie vor sechs Wochen: nichts außer weichen Linien, kein einziger harter Zug, die langen Brauen sanft geschwungen, das Kinn gar mit Grübchen, natürlich glattrasiert, dazu die vollen Lippen und der etwas zu breite Mund—gleich erwartet man ein Grinsen oder auch ein Schmollen—während die wachen Augen vermutlich im Dunklen noch vor lauter Tatendrang leuchten würden. Als wolle er alles gleichzeitig damit erfassen, so unstet streift sein Blick umher. Das ganze wird umrahmt von lockigem sommerhellen braunen Haar, das Basilio hinten zu einem dünnen Zopf gebunden trägt. Dass es seidigweich ist weiß jeder, der schon einmal mit beiden Händen darin gewuschelt hat, von den Anwesenden also bloß Mirtel und Basilio selbst; der Rest mag es sich denken, weil es einfach nicht anders sein kann. Sein liebstes Mienenspiel aber—zum Beispiel auch jetzt, da die junge Magd mit der vollen Oberweite und knappen Verhüllung selbiger ihn so keck begrüßt—ist ein Augenaufschlag voll erstaunter Unschuld.

Ja, er hatte sich zweimal mit ihr im Heu gewälzt, zu beidseitigem Entzücken und Zufriedenheit. Mehr noch: sie war seine erste gewesen. So ausdrücklich hat er ihr es nicht gestanden, aber sie wird es sich wohl gedacht haben. Vielleicht erklärt das ihre Keckheit? Ein wenig wundert er sich ja schon darüber, doch wird er von einem ganz anderen Gedanken abgelenkt.

Ha, sag bloß! Kann es sein? Dass ich endlich... dass ich nicht mehr ständig—bis an die Nasenspitze!—rot werde, sobald eine Maid auch nur in meiner Nähe kichert? Hab' ich das Mirtel und Lore zu verdanken? So vonwegen der Übung...? Das wär' ja mal was!

"Mirtel!" antwortet er höchsterfreut. "Ja, nicht wahr, das hätte ich auch nicht gedacht, dass wir uns so bald wiedersehen. Sag, wie geht's dir? Und was war hier bei euch inzwischen los? Im Dorf alles in Ordnung?"

Von dieser fröhlichen Rede ermuntert, drängt Mirtel noch einen Schritt heran und verschränkt dabei die Arme vor dem Bauch auf eine derart geschickte Weise, dass ihr eh schon sehr appetitlich hergerichteter Ausschnitt noch mehr zum Blickfang wird. Und es verfängt sich genau das darin, was sich der Intention nach darin hat verfangen sollen.

"Äh", sagt Basilio, ein wenig desorientiert—und errötet bis an die Haarwurzeln. Das wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein.

Aber was ich nicht verstehe, denkt er und vergisst darüber, den Blick abzuwenden: Eigentlich haben wir uns beide Male doch um Heimlichkeit bemüht. Warum flirtet sie jetzt so offen mit mir... so vielsagend... so eindeutig? Gut, beim zweiten Stelldichein, da war ich ja nicht mehr ganz so vorsichtig.[1]. Ein Eimer war meinem Fuß im Weg, ein Türrahmen meinem Kopf! Hat mich doch jemand aus ihrer Kammer rausschleichen sehen und es rumerzählt und jetzt weiß es jeder hier? Ach, hoffentlich gibt das keine unangenehmen Verwicklungen. Was wohl Jaresh dazu meint, dass einer seiner Gäste frech unter seiner Nase eine seiner Mägde beglückt hat?

Die Worte seines Vaters bezüglich Lore[2] klingen ihm noch im Ohr: 'Wir sind hier nicht in der kalamarischen Provinz, wo man mit seinen Bettgeschichten vor allen Leuten angibt. Das hier ist Korem und du bist mein Sohn. Wir stehen für Moral und Anstand ein. Falls du also nicht vorhast, das einfältige Mädchen zur Frau zu nehmen – was ich nicht glaube – sollte euer Balztanz ab jetzt diskret ablaufen.'

Oh je, am Ende ist Jaresh ganz seiner Meinung. Warum war ich nicht vorsichtiger? Ach, weil ich dachte, ich komm' hier eh' niemals wieder zurück. Aber da sieht man mal, dass sogar Artikel 48, Paragraph 2 der Korakischen Wehr- und Heeresordnung[3] seinen Sinn hat: Verwicklungen ebendieser Art soll das dem Außendienstmitarbeiter ersparen für den Fall, dass er doch unerwartet an den Ort seines letzten Auftrags zurückkehren muss. Was soll ich bloß tun?

Immerhin kommt er endlich auf die Idee, den Blick wieder zu heben. Mirtel grinst noch frecher als zuvor.

Was, wenn sie eine Wiederholung erwartet? Ich hab' mir doch so vorgenommen—ich wollte wirklich!—die Regeln diesmal alle befolgen. Dreimal von vorne bis hinten hab' ich die Heeresordnung durchgelesen, alle 128 Artikel, das heißt also 1542 Paragraphen, und mich sogar von Flannait abfragen lassen, wann immer sie sich dazu erweichen ließ. Andererseits aber: was, eine plumpe Ablehnung? Das kann ich dem lieben Mädchen auch nicht antun! Huch, gerade einmal eine Stunde bin ich hier und schon in der Zwickmühle. Und wie immer sind's die Frauen schuld!

Hilfesuchend sieht er zu Flannait. Der hat er nämlich nach Amells Hochzeit hoch und heilig versprochen, dass er sich wieder im Griff habe. Dass er wieder zu seinem gewohnten Limit von einem Glas Wein, langsam über die Mahlzeit verteilt, am besten gar verdünnt, zurückkehren wolle. 'Ich kann das ja eigentlich gar nicht ausstehen', hat er ihr gestanden: 'die Kontrolle sogar über mich selbst zu verlieren!' Und, so versprach er weiter, er habe auch erst einmal genug Trost unter Röcken gesucht. 'Das bin ich nämlich auch nicht', echote er des Vaters Worte—unreflektiert.

Doch bevor die Halbelfe reagieren kann, sprengt eine grünhäutige Frau—zierlich und schwarzhaarig—auf einem Rappen durch das Tor, als seien ihr ein Dutzend Teufel auf den Fersen. Für einen Augenblick stockt Basilio der Atem. Kein Wunder, denn sein Herz sitzt ihm pochend in der Kehle und schnürt dort alles ab.

Doch es ist nicht Maru.
 1. Stealth = 15
 2. Eine Magd im Hause des Generals, mit der Basilio sich in den vergangenen Wochen über Maru hinweggetröstet hat—oder dies zumindest versucht hat.
 3. Zitat aus der Korakischen Wehr- und Heeresordnung, Artikel 48, §2: "Während einer verdeckten Operation sind intime Kontakte zu Mitgliedern der lokalen Bevölkerung untersagt. Ausnahme: der intime Kontakt dient unmittelbar der Erfüllung des Auftrags."
« Letzte Änderung: 18.11.2016, 22:50:22 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Amaara Firron

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Córrea
« Antwort #2 am: 18.11.2016, 21:36:52 »
Seit sie Efet verlassen hatte, waren Amaaras Gedanken nicht mehr zur Ruhe gekommen. Sie war sehr beunruhigt über das Verhalten ihres Gönners und hatte von Anfang an nicht verstehen können, worum genau es ihm eigentlich ging. Aber sie hatte dennoch seine Anweisungen befolgt, ohne irgend welche Fragen zu stellen. Sie hatte ihm so viel zu verdanken, dass es kaum etwas gäbe was sie nicht für ihn tun würde. "Es geht um das Auge des Gadir", sie formte die Worte mit den Lippen. Was sollte das überhaupt heißen? War dieser Gadir einer dieser Sklaven? Und was soll dann mit seinem Auge sein? Auch dieser Jaresh hatte ganz ähnlich aufgewühlt reagiert wie Efet zuvor, was ihre Besorgnis nur verstärkte.

Von all diesen Gedanken ließ sich die Elfe jedoch nichts anmerken. Für alle außer Jaresh war sie nur ein neues Dienstmädchen oder vielleicht auch eine Gesellschafterin. Äußerlich gelassen setzt sie sich auf die Terrasse neben den muskulösen Mann mit den kleinen Narben auf den Wangen, der schon einmal Tarqetik genannt wurde, die Knie artig aneinander gelegt und leicht zur Seite geneigt, wie es alle edlen Damen tun, die eigentlich nur Zierrat ihrer Herren sind. Sein Blick war ihr auch nicht entgangen, doch glaubte sie darin eher Verwirrung und vielleicht eine Spur Neugier zu entdecken. Trotz ihrer auf reizenden Kleidung schien sie niemand hier tatsächlich für eine Kurtisane zu halten. Aber für was man sie hielt, war ihr auch eigentlich egal. Wichtig war jetzt vor allem, dass man nicht ihre Sorge erkennen konnte.

Verstohlen musterte sie den Mann neben sich eine Weile. Mit seinen markanten Gesichts Zügen, seinem kräftigen Körperbau und den Bart Stoppeln, die sein Gesicht irgendwie kratzig wirken ließen, war er zweifellos attraktiv aber Amaara war nicht so dumm, sich davon beeinflussen zu lassen. Es gab nur zwei Männer, denen sie tatsächlich so weit vertraute, dass sie sie ihr wahres Gesicht hätte sehen lassen und einer davon war Efet.

Ihre Gedanken schweiften zurück zu dem Tag als sie ihn zuletzt gesehen hatte. Es war das erste mal gewesen dass er sie tatsächlich direkt darum gebeten hatte, etwas zu stehlen. Das allein hatte sie schon verunsichert, denn obgleich sie wusste dass er wusste dass sie ihren Lebensunterhalt nicht nur als Mätresse verdiente, war es doch bisher immer eine Art offenes Geheimnis zwischen ihnen beiden gewesen, das niemals direkt aus gesprochen wurde. Sie war aber einfach froh darüber gewesen, dass sie ihm hatte helfen können. Erst als er die Papiere dann gelesen und sie dabei seine Reaktion gesehen hatte, hatte sie es fast bereut, sie ihm überhaupt gebracht zu haben. Die Nacht hatten sie zwar gemeinsam verbracht, vor allem aber um sich gegen seitig zu beruhigen. Mit einem Kuss hatte sie sich früh am nächsten Morgen von ihm verabschiedet und seither gehofft, dass ihm nichts zu stoßen würde. Aber vielleicht würde heute endlich Jaresh ein wenig Klarheit in die Sache bringen. Wenn er wirklich ein Freund von Efet war, wie er behauptete, dann würde ihm auch an dessen Wohlergehen gelegen sein.

Plötzlich bemerkte Amaara, dass sie vor Nervosität an ihrem Armband zu spielen begonnen hatte. "Dummkopf!", in Gedanken ohrfeigte sie sich, "Du bist hier nur zur Zierde. Du weißt nichts über gar nichts." Und so riss sie sich schnell zusammen, warf Tarqetik kurz ein schüchternes Lächeln zu, um zu sehen ob er etwas bemerkt hatte. Dann begann sie ihren Blick über das restliche Anwesen gleiten zu lassen. Etwas besonderes ging heute tatsächlich vor sich. Nach und nach kamen sehr auf fällige Gestalten an, die sie zuvor noch nicht gesehen hatte: Ein in Fellen gekleideter Mann mit einem Wolf, ein scheinbar korakischer junger Mann der mit den Bediensteten flirtet, eine Kargi auf einem schwarzen Pferd...

"Was auch immer hier passiert... Dorguln hat diese Leute sicher hier her bestellt. Hoffentlich um Efets Problem zu lösen." In diesem Moment hörte sie auch schon hinter sich die Schritte ihres Gastgebers und so erhob sie sich schnell, um höflich vor ihm zu knicksen sobald er im Tür Rahmen erschien.
« Letzte Änderung: 01.12.2016, 01:35:49 von Amaara Firron »

El`ssa

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Córrea
« Antwort #3 am: 19.11.2016, 22:33:45 »
Bei den Heldenfeuern

Barkas Umarmung beantwortet die kleine Gestalt mit ihrer eigenen. Der Kraftunterschied ist gigantisch wie eh und je. "Nakumpirma at pasalamatan, Barkas, ako pabalik."[1], antwortet sie mit dunkler, tragender Stimme.

Der Name und seine Bestätigung lässt Unruhe unter den Kargi aufkommen. Einige spucken aus oder fluchen leise. "Pagtatalo tagapagtatag" oder "Akala ko siya ay patay."[2] sind noch die nettesten Worte, "Mga itlog ng isda satanas" oder "Dugo kahihiyan"[3] die anderen. Den Platz der Zeremonie will aber augenscheinlich keiner mit lautem Protest entweihen.

Nachdem die beiden sich getrennt haben, öffnet die kleinere ihren Mantel ein wenig, was eine Menge Metall und Ausrüstung sichtbar werden lässt. Sie neigt den Kopf kurz vor und schaut dann wieder auf: "Maru, Mago, ito ay magaling na makita kayong muli. Sigurado ang Gul at Dariba masyadong luma para sa isang kampanya?"[4] Schlagartig wird es still und das Knistern der Feuer wird vom Krächzen der fliegenden Krähe begleitet. El'ssa wirkt von der Wirkung ihrer Worte und den auf ihr ruhenden Blicken wenig beeindruckt.

Mago und Maru haben nicht gesprochen, als die Umstehenden ihre Verwünschungen ausgestoßen haben und sie bleiben auch nach El'ssas Aussage lange genug stumm, dass Barkas sich gezwungen sieht, die Stille mit einem Räusper zu brechen.

"Ang aming ama sa Muog at binabantayan Kezhdal. Mago magbabalik bilang Serogul aming mga hukbo. And Maru ay Ngayon ang aming Dariba - para sa halos 10 Winters", murmelt er.[5]

Als El'ssa den letzten Satz vernimmt, ändert sich plötzlich ihre Haltung. sie spürt einen Stich ob des Verlusts der alten Dariba, auch wenn sie die alte Frau über ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat. Kurz stockt sie, erwidert dann Marus harten Blick und verneigt sich kurz mit den Worten: "Ako ay pang-patuloy. Pagbati, Kapatid na babae sa pag-aaral, kung ang isang tao ay bagay at nararapat ito, at pagkatapos mo!"[6]

Maru wartet einen Augenblick, will dann etwas antworten, doch der Serogul kommt ihr zuvor. "At sa katunayan ito ay.", sagt er mit harter und beherrschter Stimme. "Matutupad nila ang kanilang mga gawain at ang kanilang mga tungkulin. Ang aking ama ang kanyang. Ibig sabihin ko na. Tulad ng bawat ng Ukhtark. Nakikita wala ay nagbago sa amin."[7] Dann macht der Serogul eine Pause. Erkaltende Knochen knistern in der Glut der Heldenfeuer, das Krächzen des Krähe ist zu hören. Ansonsten Stille. "At judging sa pamamagitan ng iyong walang galang dila, ikaw ay hindi"[8], fügt er schließlich mit einem Hauch von Verachtung hinzu. Dann dreht sich der Serogul um und entfernt sich. Ein kurzer Blick zu Barkas, begleitet von einem "Alagaan ang mga ito."[9] - dann verschwindet der Serogul inmitten seiner Hauptmänner, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

In der Zwischenzeit

El'ssa erinnert sich auf dem Weg zu den Menschen noch einmal an ihre Ankunft bei Gulasado. Sie ärgert und schämt sich zugleich für diesen ersten Eindruck, den sie hinterlassen hat. Entweder ist sie zu lange unter Fremden gewesen, dass sie die Tragweite ihrer Wortwahl erst nach dem Aussprechen erkennt, oder die Flüsterstimmen der anderen habe sie doch mehr angegriffen, als sie sich eingestehen will. So oder so ist die Aufnahme wenig herzlich gewesen. Barkas ist immer lieb gewesen und hat sich sehr um sie bemüht, aber viel zu viele im Dorf erinnern sich an ihre alte Person und sind befremdet. Sie muss ihnen recht geben, sie ist fremd geworden - ihr Wissen, ihre Geschichten von den Reisen und der Welt, allein ihre Ausrüstung. Unter vier Augen hat Maru sie auch viel deutlicher spüren lassen, wie verletzt sie ist von ihrem Handeln damals. Immerhin hat der alte Gul immer noch etwas für seine alte Übersetzerin, die er zu den Gefangenen oder zu den Verhandlungen mitgenommen hat, übrig. Aber auch er hat sie gedrängt, den Grund ihrer Abreise anzugeben. Schließlich hat sie sich nicht anders zu helfen gewusst, als das 'Upang manatiling tahimik'[10] in Anspruch zu nehmen. Da dies nur galt, wenn man die Ehre eines Nahestehenden anderen schützt (und dessen Unehre damit quasi auf sich nimmt), wissen alle Anwesenden im Grunde, worum es ging. Und auch, dass sie als 'Anghel ng paghihiganti'[11] dieselbe noch nicht wiederhergestellt hat. Den Grund für ihr Zurückkommen, die Sorge um den mitverhandelten Frieden, hat sie sofort zugegeben, wenn es auch nicht unbedingt auf Glauben stößt. Aber wenn sie eines verinnerlicht hat - sie erzählt keine Lügen. Im Laufe der Zeit erweist sich auch Mago als gereifter und ihre gegenseitige Feindseligkeit hat abgenommen. Insgesamt ist sie sich aber fremd vorgekommen und hat ihre Lebensaufgabe noch nicht erfüllt. So kommt Jaresh Einladung gerade recht.

Ankunft

Nun reitet sie in strammem Tempo durch die reichen Felder der Menschen und sieht bald den Hof. Und vor allem das gerade noch offene Gatter. Sofort treibt sie ihren Schecken zum Galopp an, um noch hindurchzukommen, bevor es wieder geschlossen wird. Erst vor dem Burschen kommt sie zum Halt. Die Wirkung, die sie trotz ihrer geringen Größe hat, nimmt sie zwar wahr, kümmert sich aber nicht weiter. Zu viel Mühe und nicht erfolgsversprechend, findet sie, und um Agnes wird sich so umso besser gekümmert. Jezebel, die Krähe, springt krächzend auf ihre Schulter, die Hunde und der Wolf vermiesen ihr sichtlich die Laune. Amüsiert stupst sie das Tier an, woraufhin es fast den Halt verliert und nach ihrem Handschuh pickt.

Erst jetzt sieht die kleine Frau sich ordentlich um. Sie grüßt mit einem Nicken und Heben der Hand einmal in Richtung Basilio, Flannait und Sanjan, dann in Richtung Tarquetik und der fremden Elfe. Bei letzterer denkt sie: "Kaya raises ang karaniwan Kargi isang elves nakalipas - ornament, pabagu-bago, walang silbi - medyo naiiba mula sa mga mandirigma babae na nakatagpo ang mga ito."[12] Bevor sie ihr Studium der Helden, von denen ihr ihr Stamm berichtet hat, fortsetzen kann, tritt der Gastgeber auf.

Prompt marschiert sie los und beachtet die anderen nicht weiter. Sie bleibt vor Jaresh stehen und öffnet ihren wetterfesten, feingewebten grauen Poncho. Eine behandschuhte Hand kommt zum Vorschein, die eine Phiole mit schwarzer Tinktur enthält. Mit dunkler, aber tragfähiger Stimme hebt sie an zu sprechen. Ihr Handelssprech ist zwar mit leichtem Akzent, aber offensichtlich sehr vertraut: "Ehrenwerter Dorguln, habt vielen Dank für eure freundliche Einladung. Auch wenn es dies nicht aufwiegt, nehmt diese Tinktur. Mit ihr könnt ihr eure Pferde tätowieren lassen, um euren Besitz und eure Sorge um diese sichtbar werden zu lassen." Ihr Lächeln wirkt ehrlich, als sie eine Pause macht, um ihn das Gastgeschenk annehmen zu lassen und seine Reaktion anzunehmen, bevor sie eintritt. Kaum drinnen, entledigt sie sich ihres Ponchos, womit endgültig ihre Ausrüstung sichtbar wird: feingewebte, feste Kleidung in gedeckten Farben, eine Brustplatte mit Kette und Schützern an allen Extremitäten, verziert mit eckigen Mustern und ein Gürtel mit einer brutalen, eisenverstärkten Peitsche, einem Hammer und diversen Taschen und Beuteln. Dies lässt sie an, ablegen tut sie nur einen großen Holzschild, einen Rucksack und eine in Leder eingepackte schmale Armbrust. Anschließend stiefelt sie zielgerichtet in den Essraum, eine Hilfe bei der Orientierung braucht sie offensichtlich nicht.
 1. Kargi: Bestätigt und danke, Barkas, ich bin zurück.
 2. Kargi: Streitstifterin oder Ich dachte, die wäre tot.
 3. Kargi: Dämonenbrut oder Blutschande
 4. Kargi: Maru, Mago, es freut mich, euch zu sehen. Sind der Gul und die Dariba zu alt für einen Kriegszug?
 5. Kargi: Unser Vater ist im Muog und wacht über Kezhdal. Mago leitet als Serogul unsere Truppen. Und Maru ist nun unsere Dariba - seit bald 10 Wintern.
 6. Kargi: Ich bin lange fort gewesen. Herzlichen Glückwunsch, Studienschwester. Wenn jemand geeignet ist für die Nachfolge, dann sicher Du.
 7. Kargi: Das ist sie tatsächlich. Sie erfüllt ihre Aufgabe und ihre Pflicht. Mein Vater die seine. Ich die meine. Wie jeder der Ukhtark. So gesehen hat sich bei uns nichts verändert.
 8. Kargi: Und wenn man nach deiner frechen Zunge geht, du dich auch nicht.
 9. Kargi: Kümmer dich um sie.
 10. Kargi: Recht des Schweigens
 11. Racheengel
 12. Kargi: So stellt sich der normale Kargi eine Elfe vor - Zierde, flatterhaft, unnütz - ganz anders als die Kriegerinnen, die sie kennenlernten.
« Letzte Änderung: 03.12.2016, 09:05:25 von El`ssa »

Sanjan, von den Bahir

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Córrea
« Antwort #4 am: 21.11.2016, 23:39:15 »
Auch der Schamane hat sich verändert. Die einst graue Fellrüstung mit dem Wolfskopf als Helm ist nun von schwarzen Fell. Finster blickt der Wolfshelm mit seinen goldenen Ohringen drein. Auch im Haar des Wolfs, oder auch Sanjans Haaren, waren goldene Haaringe eingeflochten.  Hatte Sanjan eigendlich Zöpfe gehabt oder ist es das Fell des Wolfes. Durch seine eigene dunkle Haarfarbe ist nun kaum mehr zu erkennen wo die Rüstung ins Haar übergeht. Mal abgesehen, dass das Fell auch deutlich dichter wirkt und es wohl auch ist, sieht die ganze Fellrüstung deutlich besser gearbeitet aus. Etwas mit dem Sajnjan vorher nicht aufgewartet hat. Vielleicht ist ja genau das im den Bündel, welches ihm der Feldscher am Morgen nach dem Heldenfeuer gebracht hatte, gewesen? Jedenfalls da war doch damals was mit dunklen Stoff oder so dabei gewesen. Ansonsten hat er sich in den Wochen kaum verändert, auch der Knochenspeer ist immer noch der selbe.

Das Hauptgebäude erreichend begrüßt Sanjan die Gesichter, die er kennt. Sein Blick geht aber immer wieder umher. Für die die ihn kennen ist es klar, dass er wohl die Hausherrin sucht. Doch wird er von den einem der neuen Gesichter abgelenk. Das Auftreten dieser gerade ankommenden Kargi ist ja ziehmlich wild. Ihm stockt kurz der Atem aber  eher vor Überraschung. Dann stützt er sich auf seinen Speer ab und harrt der Dinge aus.
Sein Wolf unterdes, der vollkommen von den Wunden aus der Schlacht genesen scheint, hat es sich vor der Veranda gemüdlich gemacht. Voller trotz hat er zu den aufjaulenden Hunden geblickt und zeigt ihnen so wo sein Platz und ihr Platz war. Schließlich waren es ja eh nur Hunde mit viel zu kurzen Zähnen.

Flannait Adair

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Córrea
« Antwort #5 am: 23.11.2016, 21:43:51 »
Flannait hat sich in den sechs Wochen vielleicht mehr verändert als jedes andre Mitglied der Gruppe. Nicht so sehr was die Ausrüstung anbelangt. Sie trägt noch immer das gewohnte kompfortable und gut eingetragenen Elfenleder, das erstaunlich leichte Kettenhemd aus lumerischem Stahl das ihr Meister Kelgrim in Korem so meisterlich gefertigt hat ist sorgfältig in ihrem Rucksack verpackt, den sie nach ihrer Ankunft in dem Gästezimmer untergebracht hat das ihr Jaresh zugewiesen hat,  und nur einem aufmerksamen Beobachter könnte auffallen das sich das Heft der Waffe auf ihrem Rücken leicht verändert hat.
Nein, die Veränderung ist subtiler. Die enorme Anspannung, die Flannait so auszeichnete hat erheblich nachgelassen, sie wirkt gelassener, selbstbewusster und gelöster, weniger abweisend.
Seit Semias Tod war ihr ganzes Leben nur auf ein Ziel ausgerichtet: Rache an Mago. Jetzt wo dieses Ziel vorläufig auf Eis gelegt ist, erlaubt sie sich selbst zum ersten mal seit sehr langer Zeit so etwas wie Entspannung und Vergnügen. Dinge zu tun einfach weil sie Lust dazu hat und nicht, weil sie sie ihrem Ziel näher bringen. Eigentlich war Flannait nur mit nach Korem gekommen, weil sie zumindest bis zu Declans Tod nichts besseres zu tun hatte und ein wenig neugierig auf Amell gewesen war. Basilios Zwillingsschwester teilt die entwaffnende Kombination aus Charme, Dreistigkeit und guten Argumenten mit der auch schon Basilio durch Flannaits Abwehr gedrungen ist. Die Entäuschung, das Flannait tatsächlich keine Schwägerin in spe sondern nur eine Freunding und Kameradin ihres Bruder ist war schnell vergessen und ein paar  Tage hartnäckiger Versuche später hatte sie Flannait soweit, dass die sich zumindest  ein Stück weit auf diese neue Freundschaft und Freiheit, die sie absolut nicht gewohnt ist einlies und sie zu ihrem größten Erstaunen zu Geniesen begann. Mit Amell als Führerin erkundete Flannait Korem, wobei sie sich des öfteren in Läden wiederfand, die sie von sich aus nicht betreten hätte.
Die Hochzeit war ein Höhepunkt gewesen, zum ersten mal seit ihrer Kindheit hat die Halbelfe tatsächlich wieder ein Kleid getragen, ein einfaches aber elegantes Abendkleid aus Amells Gaderobe das die Gastgeberin und Braut für ihre neue Freundin ändern lies. Allerdings hat sie es mit ihrem eleganten elfischen Dolch kombiniert, denn gänzlich ohne Waffe fühlt sich Flannait schon lange unwohl und im militärisch geprägtem Korak fiehl die Waffe nichtmal weiter auf. Zumindest solange Flannait nicht auf die Idee kam sie in Gegenwart von Basilios Stiefvater zu ziehen.
In den sechs Wochen hat Basilio sie wahrscheinlich häufiger Lächeln sehen als in all den Jahren an der Front. Einmal sind sie und Amell sogar bei Basilios Anblick in wildes Gekicher ausgebrochen, woraus der Koraker nur schließen konnte, dass seine Schwester mal wieder eine der weniger schmeichelhaftern Familienanektoten über ihn zum besten gegeben hatte.
Auf der Hochzeit hat sie auch Kelgrim Sohn des Hilgrim getroffen, einen zwergischen Meisterschmied und alten Freund der Familie. Über den Dolch an ihrer Hüfte war das Gespräch bald auf ihre Elfenklinge gekommen und der alte Zwerg war faziniert gewesen. Faziniert genug um ihr einen Handel anzubieten, für die Gelegenheit die seltene Klinge studieren zu dürfen würde er ihr eine meisterhafte Version der selben anfertigen, zum vergünstigten Preis. Flannait hatte zunächst freundlich aber bestimmt abgelehnt. In den folgenden Tagen hat sie aber die im Haus des Generals vorhandenen Meisterwerke Kelgrims besichtigt, inklusive Basilios neuem Kurzschwert und hatte dann der Versuchung nicht wiederstehen können. Allerdings nahm sie dem Zwerg noch den Schwur ab, Klingen dieser Art auch in Zukunft nur für Personen mit elfischen Blut zu fertigen.
Es dauerte drei Wochen und Kelgrim vertröstete diverse verärgerte Kunden, aber schließlich gelang es ihm eine meisterhafte Waffe nach dem Vorbild zu schaffen. Auch wenn er über das einfache unverzierte Heft auf dem Flannait bestand nicht glücklich war. Die Kundschafterin bestand aber die weder im dunkeln glitzern noch leicht an irgent etwas hängen bleiben würde. Beim ersten Trainingskampf gegen Basilio verflog auch das letzte bischen Skepsis. Die Klinge ist perfekt balanciert und führt sich fast wie eine natürliche Verlängerung ihrer Arme an. Sie erlaubt noch größere Präzision und schnellere Reaktionen als das Vorbild. 
Trotz des Pfeils in Gulasado hatte Flannait sich eigentlich keine neue Rüstung zulegen wollen, sie verabscheut alles was ihre Beweglichkeit einschränkt. Aber das Training mit Basilio, bei dem dieser sein neues Kettenhemd, ein Geschenk seines Schwagers, trug hat sie schließlich von den vorzügen lumerischen Stahls überzeugt und so hat sie einen Gutteil ihrer Ersparnisse investiert um in künftigen Gefechten besser geschützt zu sein, auch wenn sie im Alltag nach wie vor das elfische Leder bevorzugt.

Zu seiner Überraschung bekommt Sanjan zur Begrüßung die Anspielung eines Lächelns und ein Kopfnicken, aber Mirtel kommt dazwischen ehe Flannait etwas sagen kann und danach überlässt sie Basilio das Feld. Allerdings nicht ohne abschätzig den Mund zu verziehen als sich schon wieder ein Magd dem Feldwebel buchstäblich an den Hals wirft.
Allerdings wird sie ohnehin von der in wilder Jagd ankommenden Gestalt abgelenkt. Eine steile Falte erscheint zwischen den schlanken roten Augenbrauen und im nächsten Moment hat sie beim Anblick der grünen Haut die Waffe gezogen. Fast lautlos gleitet Kelgrims Meisterwerk aus der Scheide.  Aber sie erkennt die Frau, die die Uthark als Teufelsbrut beschrieben haben noch rechtzeitig. Das missbilligende Stirnrunzeln bleibt, aber die Elfenklinge verschwindet fast so schnell wieder wie sie erschienen ist.
"Was zur Hölle macht die hier? Sie weiß kaum mehr als den Namen mit dem Barkas El'ssa begrüßt hat. Nur das sie für eine Kargi aussergwöhnlich klein ist, anscheinend einen zahmen Vogel besitzt und das weder Mago noch Maru noch die anderen Uthark sonderlich begeistert gewesen waren sie zu sehen. "umgefähr so willkommen wie Du - und wer ist ihr auf den Fersen dass sie ihr Pferd dermaßen hetzt?". Auf jedenfall ist ihre Neugier geweckt. Jetzt da auch Sanjan eingetroffen ist sind sie hoffentlich vollständig und der alte Mann wird endlich damit herausrücken warum er sie alle hierher bestellt hat.
"Nur ein toter Kargi ist ein guter Kargi!"

Tarqetik

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Córrea
« Antwort #6 am: 24.11.2016, 19:27:31 »
Etwas lustlos sitzt Tarqetik auf der Terrasse von Jaresh´s Anwesen. Bieder gekleidet, das helle Wams am Hals offenstehend und die gestärkte dunkle Hose zeigt immer noch, auch wenn leicht ausgeblichen die Flecken von der Nacht am Heldenfeuer. Einzig die Stiefel muten mondän an. Braunes, glattes Leder mit genagelter Sohle. Frisch geputzt und ohne ein Körnchen Staub, wirken sie ein wenig unpassend an dem grobschlächtigem Rest.
Er hat seine Füße an der Tischkante aufgesetzt und wippt mit dem Stuhl gemütlich vor und zurück. Auf seinen Oberschenkel hat er einen halbleeren Krug Bier gestellt von dem er immer wieder mal einen kleinen Schluck nimmt. Die Luft ist erfüllt vom Duft frisch geschnittenem Gras, polierten Holz und Herbstobst. Übertön, fast verbannt werden alle diese Gerüche, von der leichten Parfumnote der blassschönen Elfin. Eine Frau, die mit all ihrer Einfachheit und Schlichtheit, ohne einen Ton zu sagen, die gesamte Aufmerksamkeit eines Raumes auf sich binden kann. Eine Gesellschaft, die ein Vorteil des hohen Alters sein kann, sofern man schlau genug gewesen ist, das Alter mit genügend Geld zu erreichen. So soll der alte Mann doch seine Freude habe, aber neidisch ist ihm Tarqetik diese Gesellschaft schon.

Gesellschaft. Das war das einzige war Tarqetik in den letzten Wochen ausreichend hatte. Dies und Gastfreundschaft. Nachdem er mit Marius, dem Gefangenen aus der Burg, hier angekommen war, hatte ihn Jaresh ohne ein Wort der Zeit und Absicht bei sich aufgenommen. Während er in der  Schmiede und dem Kürschner der Stadt Aufträge und Geld brachte, hatte Marius mit Jaresh hinter verschlossenen Türen geplaudert. Nicht dass es den Söldner gestört hätte, er war mit sich selbst als Gesellschafter ganz zufrieden. Zudem folgerte Tarqetik aus den kryptischen Texten, die er aufschnappen konnte, dass hier an diesem Ort schon bald wieder Arbeit für Schwerter anfallen würden.
Als er dann eines Abends, nachdem er beim Schmied sein ausgebessertes Schwert abgeholt hatte und grummelnd über den Preis, diesem fast die Nase ins Gehirn gedrückt hätte – doch da er auf seine Rüstung noch wartete, dies unterlassen hatte – zu Jaresh zurück gekommen war, hatte er sofort die neue Anwesenheit gespürt. Der süße Duft, der in der Luft lag, etwas Schönes und Weibisches, hatte Einzug gehalten. Erst spät am Abend war ihm die Elfe dann vorgestellt worden, die er mit einem eindeutigen Grinsen zu Jaresh entgegen genommen hatte. Anscheinend hatte Marius ausgesprochen und die neue Gesellschafterin sollte die kommende Zeit nun versüßen. Doch nie ein Abend mit mehr Haut als Stoff oder dem Rezitieren von Reimen, dem Erzählen von Geschichten, ja nicht einmal ein Musikstück hatte die weißhäutige Schönheit beigesteuert. Wohl ein Zeichen für etwas. Doch Tarqetik konnte es sich nicht zusammen reimen für was.

Keine Gedanken an Arbeit und fremde Angelegenheiten verschwendend, spült er das herbe Bier über den Gaumen und quittiert das Erreichen der Flüssigkeit in seinem Magen mit einem ausgiebigen „Mmaaaaah.“

Da ein ferner Ruf. Eine Stimme als könnte sie zu einem kleinen quirligen Mann gehören, reist Tarqetik aus seinen Träumen. Nur widerwillig öffnet er die Augen, weiß er doch was und wen er sehen wird. Doch weniger die Person, vielmehr das Vorzeichen von Arbeit, Mühe und Schweiß gären in ihm auf.
Er gibt Basilio mit der freien Hand gerade ein Grußzeichen, wobei er versucht seine Ahnung nicht in seinem Gesicht sich spiegeln zu lassen. „Irgendwie war es doch gerade so schön ruhig“, bringt Tarqetik noch leise über die Lippen als auch schon weiteres Hufgetrippel zu hören ist. Störer des Friedens nähern sich wie schlechte Nachrichten, denkt er sich weiter. Aber nun soll man eben die bittere Medizin auf einem Schluck nehmen und nicht lange drum herum drucksen.
Nach Basilio werden die Besucher erst einmal kleiner und grüner. Eine Farbe, die Tarqetik immer noch nicht ganz einen mundenden Geschmack im Mund verleiht. Wenigstens sind dann auch schon die spitzen Ohren von Sanjans Wolfsmütze am Torgatter zu erblicken und fast zeitgleich damit erreicht die Terrasse der brüske Geruch von einem Hund, dem sich selbst der süße Duft der Elfe unterordnen muss.

Tarqetik steht nur mit Mühe auf.

Khenubaal

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Córrea
« Antwort #7 am: 26.11.2016, 12:01:23 »
Als El'ssa Jaresh die Tinktur überreicht, lächelt der alte Mann und nimmt den Behälter entgegen. "Habe vielen Dank, El'ssa", sagt er mit einem Nicken. Der Brauch des Gastgeschenks ist wohl etwas, was sowohl die Stämme der Dejy, als auch die Ukhtark gemeinsam haben, geht es Sanjan durch den Kopf. Der Bahir beobachtet die Szene ebenfalls. Ob es andere Kargi- oder Krangi-Stämme ebenso halten? Ein Gedanke, der Flannait kommt und der wohl auch Basilio kommen könnte, würde ihn Mirtel nicht so bedrängen.

Die Magd lächelt den Koraker wieder breit an und beginnt, Neues aus dem Dorf zu erzählen. Nichts Weltbewegendes, zum Beispiel, dass der Bär, den Sanjan verscheucht hat, vor wenigen Wochen auf einer Lichtung Richtung Sissalasido gesehen worden ist. Nach wenigen Sätzen unterbricht aber Jaresh mit seiner Einladung die Unterhaltung und Mirtel verstummt.

Die Gefährten begeben sich ins Innere des inzwischen gut bekannten Gutshauses. Der schwere Eichentisch ist weiter an Ort und Stelle. Die bekannte Treppe führt zur Balustrade, der schwere Kronleuchter hängt an der Kette hinab. Rechts geht die Tür zur Bibliothek ab. Alles, wie gehabt. Basilio, Sanjan, Flannait und Tarqetik kennen das Haus gut von ihren letzten Besuchen. El'ssa hatte es nicht vergessen und die Erinnerungen bei der kürzlichen Einkehr aufgefrischt, bevor sie nach Gulasado aufbrach. Und Amaara durfte sich in den letzten Tagen damit bekannt machen.

Wieder wird Rinderbraten, Ofenkartoffeln und frisches Brot gereicht. Dazu Brathähnchen und Würste. An Pfeffer, Salz, Ölen und Kräutern wurde nicht gespart. Dazu säumt frischer Schnittlauch das Fleisch und die Kartoffeln. Örtliches Bier - Tarqetik kennt es bereits; gar nicht so schlecht - und Shyta-na-Dobier Wein stehen bereit. Dazu eine Keraffe mit frischem Wasser, eingewickelt in nasse, kalte Tücher, um den Inhalt kühl zu halten. Wer mag, darf Wasser und Wein nach belieben mischen.

Es wird ein schönes Essen. Halb hatten die Gefährten erwartet, Malcus wiederzusehen, doch der Chevallier ist nicht da. Und Sanjan kann auch Siola, Jareshs Nichte nicht erspähen. Ein Knarren oben auf der Balustrade, als sie eintraten, hatte seinen Blick nach oben gelenkt. Er sah einen Schatten und hörte dann die Tür zu einem der Zimmer im Obergeschoss zufallen. Als wäre jemand vom Geländer weg- und in ein Zimmer getreten, als die Gefährten das Haus betraten.

Jaresh fragt nach den Erlebnissen der Gefährten in den letzten Monaten, ist von manchen Geschichten amüsiert, von anderen ergriffen. Seinerseits erzählt er die letzten Neuigkeiten. Tatsächlich hätte es ein weiteres Treffen zwischen den Ukhtark und den Menschen aus Dorwida gegeben. Ejdarn hätte darauf bestanden, hieß es und die Ratsherren haben - zum Teil sehr widerwillig - zugestimmt. Man konnte sich lange nicht darauf einigen, wo es stattfinden sollte. Letztendlich traf man sich bei Gulasado. Die Burg war zu einem Symbol der Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden geworden. Und wie Jemma, die dabei gewesen war, berichtet hatte, gab es viele Pläne. Die neutrale Zone sollte um viele Meilen schmaler werden. Das würde fruchtbares Ackerland für beide Gemeinden freigeben; mit dem Ziel, irgendwann den unbebauten Streifen kommplett nutzbar zu machen, wenn das Vertrauen weiter gewachsen war. Und: Ejdarn und Mago hatten auch eine militärische Zusammenarbeit bei Bedrohungen rund um Dorwida und Kezhdal besprochen, allerdings noch ohne konkrete Ergebnisse. "Es geht voran", sagt der alte Mann.

Auch etwas anderes war geschehen. Sindal Darren war in Ketten gelegt worden. Richter Anis hatte ihn zu Zwangsarbeit bei der Trockenlegung der Ausäufer des DuKemp-Moores verurteilt, für sieben Jahre. Seinen Besitz musste er abgeben. Drei Zehntel gingen an das Dorf, um die Kosten für die Kriegsanstrengungen aufzuwiegen. Sieben Zehntel bekam seine jüngere Schwester zugeschlagen. Und wie der letzte Bote aus Betasa verkündet hatte, war Dario Andor, einer der Stadträte in Betasa von seinem Amt zurückgetreten und hatte eine Spende von 50.000 P'Baparischen Löwen an die Stadtkasse geleistet. Er wolle sich mehr um seine Pferdezucht und die Güter östlich von Betasa kümmern und die Politik weiseren Männern überlassen. Außerdem halte er es für notwendig, seinen Reichtum mit der Gesellschaft zu teilen. "Die Schlange hat sich freigekauft", schließt Jaresh ab. "Ejdarn soll ihr Kommandozelt vor Wut fast abgerissen haben, als sie es hörte, hat man mir gesagt. Zumindest wurde Sildan hingerichtet. Tod an der Guilletine - einen halben Mond ist es her."

Es sind lange Gespräche, doch der Gutsherr scheint stets nicht völlig bei der Sache. Nicht völlig frei. Als würde er auf etwas warten. Es gibt wohl ein anderes Thema, aber es eignet sich anscheinend nicht für ein Gespräch bei Tisch. Und die Bräuche und Manieren der Dorguln erlauben es wohl nicht, die Gäste ohne ein vorheriges Gelage aufzunehmen. So ist dieses Abendmahl weniger gelöst und aus ungreifbarem Grund formeller, als die beiden vor zwei Monden.

Irgendwann sind die Gespräche verstummt, ist der Wein getrunken, der Form Genüge getan. Jaresh erhebt sich vom Stuhl und bittet die Gefährten in die Bibliothek. "Es gibt etwas, was ich mit euch besprechen möchte."

* * *

Als die Gefährten es sich in den Sesseln und auf den beiden Sofas der Bibliothek bequem gemacht haben, bittet Jaresh eine der beiden Mägde, die neuerlich Erfrischungen anbieten, seine Nichte zu rufen. Das Mädchen zögert, nickt dann aber und eilt davon.

Jaresh wartet noch ab, eine Pause entsteht, die mit verlegenen Floskeln gefüllt wird. Doch schon bald geht die Tür wieder auf und Siola tritt ein. Sie nickt den Anwesenden zu und begrüßt alle, lächelt Sanjan und Basilio sogar an, doch damit kann sie die beiden und Tarqetik nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Augen von Ringen gezeichnet sind und das Gesicht nun härter und müder wirkt, als wären nicht sechs Wochen, sondern einige schwere Jahre vergangen seit ihrem letzten Treffen. Jaresh würdigt sie keines Blickes und setzt sich stumm in einen der Sessel.

"Nun ja", fängt der Gutsherr an, als alle bereit sind. "Ich habe euch alle noch einmal zu mir gebeten, weil ich euch vertraue. Es mag sein, dass wir uns - mit Ausnahme von El'ssa - nicht lange kennen, aber es kommt nicht immer darauf an, wie lange man jemanden kennt, wenn es um Vertrauen geht."

"Fürwahr", wirft Siola spöttisch ein.

Jaresh hält kurz inne und schaut zu ihr, fährt dann aber fort. "Ihr habt euch bewiesen. Als ehrbare Männer und Frauen. Ihr stammt vielleicht aus aller Herren Länder, aber ich glaube, dass ich mit dem, was ich jetzt sage, euch vertrauen kann. Und ich kann heute die Menschen, die nicht in diesem Raum sind, und denen ich in dieser Angelegenheit vertrauen kann, an den Fingern einer Hand abzählen. Es ist kompliziert und heikel. Und das Wissen an sich kann gefährlich sein. Aber ich habe keine andere Wahl und muss euch darum bitten."

Der Gutsherr macht eine Pause und nimmt einen Schluck, als wolle er den Anwesenden die Möglichkeit geben, schon an dieser Stelle abzulehnen. Als sich jedoch keiner meldet, fährt er fort. "Vor 19 Jahren, im Jahre 544 nach der Imperialen Zeitrechnung von Kalamar - oder bei uns nach dem brandobischen Kalender im Jahre 1025 - bestieg der heutige Imperator Kabori Bakar den Thron des Kaiserreichs von Kalamar. Er tat es unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Eine Gruppe von Fürsten hatte sich gegen das schwache und korrupte Herrscherhaus gestellt und das Ziel ausgerufen, die Tradition des alten Herrscherfamilie Inakas wiederherzustellen, auch wenn die Bakar alle Nachkommen derselben bei ihrer Thronbesteigung vor drei Jahrhunderten ausgelöscht haben. Angeführt wurden diese Fürsten von Herzog Mattéo Rúben, seines Zeichens Herr über die Mark Salireta und einer der edelsten und einflussreichsten Adelsmänner des Landes. Doch der Widerstand hatte Kabori Bakar falsch eingeschätzt. Der neue Imperator war viel ruchloser und fähiger, als seine nichtsnützigen Ahnen - und er verfügte über ein militärisches Genie, dass es mit dem von Herzog Rúben aufnehmen konnte. Der Widerstand wurde niedergerungen, Herzog Rúben und seine Truppen bei der Schlacht bei Togeseta endgültig geschlagen, er selbst gefangengenommen."

Wieder eine kleine Pause. Wieder ein Schluck. Siola gießt sich reinen Wein aus der Keraffe ein. Sanjan muss staunen - Jareshs Nichte hat er nie zuvor dem Alkohol zusprechen sehen. Bestenfalls hätte sie ein Glas Wasser mit einem Spritzer Wein veredelt. Sie setzt den Becher an die Lippen und leert ihn zu Hälfte in einem Zug.

"Mattéo Rúben wurde wenige Tage später hingerichtet - zusammen mit allen anderen aufständischen Adelsmänner und tausenden von Soldaten und Bauern, die ihnen gefolgt waren", fährt derweil Jaresh fort. "Bakar schickte auch seine Häscher aus, um die Familien der aufständischen Lords zu meucheln und ihren Besitz zu konfiszieren. Er hat es geschafft und seine Macht zementiert. Niemand wagt es heute noch, gegen das Haus Bakar und den Imperator aufzubegehren. Der Name Rúben wird nur noch geflüstert und die Namen der anderen Aufständischen sind fast vergessen.

Aber Mattéo Rúben war ein kluger Mann - und er ließ sich von seinen Zielen und Wünschen nicht blenden. Als sich die Niederlage abzeichnete, hatte er Pläne gemacht und alte Freunde kontaktiert. Freunde außerhalb des Kaiserreichs. Freunde, von denen Kabori nicht wissen konnte. Und er hatte dafür gesorgt, dass seine Kinder überleben. Die beiden - Zwillinge, kaum vier Jahre alt damals - wurden über den Seeweg von Torisato aus nach Pekal gebracht und von dort weiter ins Landesinnere. Einer wuchs in Pekal in der Hauptstadt im Hause eines Fernhändlers auf. Die andere in Ek'Gakel im Haus eines Gutsbesitzers.
"

Siola knallt ihren Becher so stark auf den Tisch, dass einige Tropfen rausschwappen. "Bei den Göttern, Onkel - nun sag' es endlich."

Jaresh zögert kurz, nickt dann aber. "Die andere, die Tochter, ist Siola. Siola Melanie Rúben, um genau zu sein. Tochter des Herzogs von Mark Salireta. Und seit ihrem vierten Lebensjahr mein Mündel und für mich wie eine Tochter. Ich kannte den Herzog - zunächst von einer gemeinsamen Schiffsreise nach Sivmohzia und danach haben wir uns immer wieder getroffen, aber nie im Kaiserreich, so dass sie bei mir sicher ist. Er war mein Freund. Der beste Mann, den ich je kannte."

Nun ist es an Jaresh, innezuhalten. Kurz werden die Augen trüb, als würde er nach innen Blicken, wäre wieder bei einem der Treffen mit Herzog Rúben. Damit gibt er seinen Gästen auch die Gelegenheit, die Information zu verarbeiten. Vor allem der Schamane kennt Siola schon sehr lange. Dann räuspert Jaresh sich und fährt fort. "Das war vor 19 Jahren. Sieben Jahre später, also vor 12 Jahren, im Jahre 1032 des brandobischen Kalenders, erreichte mich eine Nachricht, dass das Haus eines wohlhabenden Fernhändlers aus Bet Rogala, der Hauptstand von Pekal, in der Nacht angegriffen und verwüstet worden war. Das Haus selbst hatte man bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Alle Bewohner, sowohl die Herrenfamilie, als auch alle Bediensteten waren gemeuchelt worden, hieß es. Es war das Haus von Marvin Hud, einem Freund von mir. Und einem Freund des Herzogs. Siolas Bruder war bei ihm untergebracht worden, zeitgleich mit ihrer Unterbringung bei mir. Der Herzog hatte gewollt, dass sie getrennt aufwachsen, damit niemand gezielt nach einem Zwillingspaar suchend, sie finden konnte. Sie sollten sich das erste mal wieder treffen, wenn sie achtzehn geworden waren, doch zum Zeitpunkt des Überfalls waren die beiden erst elf.

Mir war klar, dass es nur Kaboris Männer gewesen sein konnten, die den Angriff geführt hatten. Dass sie nur angegriffen hatten, um Mattéos Erben zu töten. Ich hatte auf eine Nachricht gehofft. Auf einen Hinweis, dass es gelungen war, zu entkommen. Doch es kam nichts. Nichts. Ich musste annehmen, dass alle tot waren.
"

"Mir hast du was anderes erzählt, Onkel", gibt Siola zurück. "Mir hast du gesagt, dass dir berichtet worden wäre, man hätte seine Leiche gefunden."

"Es waren Jungenleichen gefunden worden, Siola. Nur konnte man sie nicht mehr zuordnen. Zu stark hatte das Feuer gewütet. Ich wollte dich nicht mit einer ewig währenden, sinnlosen Hoffnung belasten."

"Also sagst du einfach, er sei tot? Schönen Dank aber auch."

Jaresh schüttelt den Kopf und fährt dann fort. "Hud - der Händler - hatte einen Brief geschickt. Einen Boten. Doch der Mann ist nie bei mir angekommen. Er muss unterwegs überfallen worden sein. Seine Gebeine, seine Tasche und der Brief lagen mehr als ein Jahrzehnt lang in einer Höhle. Es ist ein Zeichen der Götter, das gerade Malcus, einer von vielleicht einem halben Dutzend Menschen auf ganz Tellene, dem ich von unseren Rufnamen aus der Jugend erzählt hatte und der diese in der verschlüsselten Sprache des Briefes wiedererkennen konnte, die Gebeine bei einer seiner Reisen gesehen und den Brief gefunden hat. Diesen Brief hat er mir gebracht. Mehr als zehn Jahre, nachdem ihn Hud abgeschickt hat."

Jaresh greift in die Tasche seiner Weste, holt einen zerknitterten, vergilbten Bogen heraus, und legt diesen auf den Beistelltisch vor sich. "Darin heißt es, dass Siolas Bruder vor dem Überfall aus dem Anwesen geschafft wurde. Dass er den Angriff überlebt hat. Und das bedeutet, dass er vielleicht immer noch lebt."

Siola prustet sarkastisch. "Ja - vielleicht - sind ja nur elf Jahre vergangen, in denen wir untätig dagesessen sind, anstatt nachzuforschen. Da kann ihm ja nicht viel zugestoßen sein."

Jaresh sieht die junge Frau traurig an, dann geht sein Blick wieder zu den Gefährten. "Ich will euch anheuern, euch bitten, Siolas Bruder zu finden. Doch bevor ich näheres zu den Informationen in diesem Brief sage, zu seinem möglichen Aufenthaltsort, will ich euch die Möglichkeit geben, schon jetzt abzulehnen, oder - wenn ihr das nicht tut - anzunehmen. Das Wissen in diesem Bogen ist gefährlich - für euch, und für uns alle, wenn ihr darüber mit Dritten sprecht. Ich will es mit niemandem teilen, so lange es nicht für diesen Auftrag notwendig ist. Und ich will euch die Möglichkeit geben, hier und jetzt auszusteigen, falls es für euch zu heikel ist."
« Letzte Änderung: 26.11.2016, 12:52:56 von Khenubaal »

Basilio Aristide

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Córrea
« Antwort #8 am: 26.11.2016, 21:43:00 »
So banal Mirtels Erzählung auch ist, so hingebungsvoll widmet Basilio ihr seine ganze Aufmerksamkeit. Die Erfahrung mit Lore hat ihn gelehrt: kaum etwas lässt die Augen eines Mädchens, auf dessen Meinung sonst niemand etwas gibt, heller und dankbarer strahlen als ein Zuhörer, der ihr durch seinen aufmerksamen Blick und gelegentlichen Zuspruch das Gefühl gibt, was sie sagt sei wichtig und interessant. Außerdem ist ihm bei Lore aufgefallen—etwas, von dem Mirtel nun eigentlich schon genug besitzt—wieviel Selbstsicherheit sie allein durch sein wohlwollendes Zuhören gewann, wieviel beherzter sie des nächtens ans Werk ging, wie resolut, fast schon kühn sie wurde, wieviel sie sich bald, ganz ohne scheues Fragen, im Bett ihres hohen Herrn herausnahm.

Also hängt Basilio auch jetzt wie gebannt an Mirtels Lippen; einzig ihr Ausschnitt lenkt seinen Blick gelegentlich ab. Insgeheim aber ist er heilfroh, als der Gutsherr sie hineinruft. Tatsächlich könnte man es fast als Flucht deuten, so hastig verabschiedet er sich von der Magd—wie von selbst allerdings legt sich seine Rechte kurz auf ihren Oberarm, während das linke Auge ihr ebenso eigenmächtig zuzwinkert—bevor er zum Gutshaus eilt.

Oh weh, so uneinig wie bei Mirtel waren sich mein Kopf und mein Körper ja noch nie. Mein Kopf sagt deutlich: Nein, das lässt du schön bleiben! Und ach, was für Ermahnungen und gute Argumente hält er sonst noch bereit. Aber mein Körper schreit mit jeder Geste: Ja, ja, ja, das Festmahl, das du mir da unter die Nase hältst, ich will es kosten!

Da Basilio es bis vor kurzem gewohnt war, überall—und erst recht gegenüber sich selbst—seinen Kopf durchzusetzen, mit Ehrgeiz und zähem Willen allein, ist er von diesem Dilemma ehrlich überrascht.

Beim Mahl dagegen vergisst Basilio nach dem ersten Bissen alle Hemmungen. Aus dem Hause des Generals ist er spartanische Küche gewohnt, kaum dass er in seinem guten Jahr an der Front etwas vermisst hätte. Das hier dagegen war... Dekadenz! schreit eine Stimme in seinem Kopf empört. Ha, fast glaubt man sich in Kalamar! Kein Wunder sind die Adligen da unten total verweichlicht: ein paar Wochen bei solchem Essen und ich wär' es auch! Aber schmecken lässt er's sich ganz ungeniert. Na ja, nicht ganz ungeniert. Erstens trinkt er seinen Wein verdünnt mit ebenso viel Wasser und auch nur ein Glas davon; zweitens lässt er die Idee mit dem dritten Teller sofort wieder fallen, da er seine Beweglichkeit schon nach dem zweiten auf unangehme Weise eingeschränkt fühlt.

Den Erzählungen der anderen lauscht er aufmerksam—besonders als der Gastgeber von den Fortschritten in den Beziehungen zwischen Kezhdal und Dorwida erzählt, auch wenn Basilio selbst zu dem Zeitpunkt noch zu sehr mit seinem Teller beschäftigt ist, um zu kommentieren. Später steuert er einige Anekdoten von Amells Hochzeit bei. Ausführlich zum Beispiel beschreibt er—nein, nicht Flannaits Erscheinung in einem Abendkleid, sondern vielmehr seine Reaktion darauf, als er sie das erste Mal darin erblickte. Wie lange es gedauert hat, bis er überhaupt begriff, was sie da trug, bis sich seine Sinne—die ihm hartnäckig vorgaukeln wollten, es sei alles wie gewohnt, sie sähe aus wie immer—klärten und das Trugbild von der Realität verdrängt wurde. Und wie sie später gar geflirtet hat!

"Nicht weniger als drei Herren sprachen mich in derselben Nacht noch an und fragten nach, woher ich sie denn kenne, was denn mein Interesse an ihr sei—nein, halt, das haben die Damen mich gefragt, die Herren baten vielmehr darum, ob ich nicht ein gutes Wort für sie bei meiner Kameradin einlegen könnte. Einer fand ein paar Tage später sogar einen Vorwand, der ihn ins Haus des Generals führte. Da war Flannait allerdings in der Stadt, um bei Meister Kelgrim was wegen einer neuen Waffe zu besprechen. Oh, habe ich dir gar nicht davon erzählt?" fragt er die Freundin in gespieltem Erschrecken. "Viktor Molina, falls es dich interessiert. Reiterführer beim Luis in der Schar, du erinnerst dich? Ich meine, Mut hat er ja, findest du nicht auch? Und stattlich ist er beinah so sehr wie der Luis selbst."

~~~

Als der Hausherr sie dann aber in die Bibliothek gebeten hat und endlich zur Sache kommt, wünscht Basilio sich schon bei den Worten "vor 19 Jahren... bestieg Kabori Bakar den Thron von Kalamar", er hätte weniger gegessen. Speiübel ist ihm auf einmal in hilflos-entsetzter Vorahnung. Wie jemand, der ein durchgegangenes Gespann auf eine Gruppe nichtsahnender Kinder zuschießen sieht und zu weit weg ist, um einzugreifen, um eine Warnung zu rufen, ohne aber auch den Blick abwenden zu können, lauscht er der Erzählung des Gutsherrn.

Vor 19 Jahren... vor 19 Jahren... und vor 18, vor 18 meine Eltern...

Äußerlich beherrscht er sich. Es kostet ihn seinen ganzen Willen, aber er bleibt gefasst.[1] Ein wenig Anspannung mag man ihm ansehen, die plötzliche Blässe in seinem Gesicht, die entsetzt aufgerissenen Augen, doch soviel Anteilnahme hätte die Geschichte auch bei einem völlig unbeteiligtem Menschen hervorgerufen. Doch die genannten Namen sagen ihm mehr als jedem unbeteiligten Menschen, so gelehrt der auch daher kommen mochte. Ja, über die Fakten des zum Scheitern verurteilten Aufstandes weiß er wahrscheinlich nicht mehr als Lore—zu oft hat er als Junge die Geschichtslektionen bei Bruder Rupert geschwänzt, sieht bis auf den heutigen Tag nicht ein, was man sich damit abmühen soll: vorbei ist vorbei!—aber der Name Rúben ist dafür auf ganz unerträgliche Weise mit dem eigenen verknüpft.[2]

Vor 19 Jahren hatte Kabori den Aufstand der von Mattéo Rúben angeführten Rebellen niedergeschlagen; vor 18 Jahren wurden in Korak ein Hauptmann der Ostfront und seine junge kalamarische Frau—vor ihrer Heirat eher niederer Adel, ihr Vater ein Vasall Mattéo Rúbens!—vor den Augen ihrer beiden sechsjährigen Kinder enthauptet. Wegen Hochverrat. 'Wir sehen es als gegen alle Zweifel erwiesen an', erinnert Basilio sich wortgetreu (so bildet er sich ein) an die Verlesung der Anklageschrift, 'und die Weigerung, vor Gericht zu erscheinen, ist ein deutliches Schuldgeständnis, dass die beiden als Spione und Unruhestifter im Dienst unseres Erzfeind, des kalamarischen Imperiums, gearbeitet und in dessen Namen versucht haben, Koraks hart errungene Unabhängigkeit zu untergraben, sie wieder gegen das Joch einer kalamarischen Herrschaft einzutauschen.'

Siolas Identität nimmt er ohne weitere Gefühlsregung zur Kenntnis; ihr Schicksal, vom Zwillingsbruder getrennt aufwachsen zu müssen, ihn gar seit zwölf Jahren ermordet zu wähnen, rührt ihn wohl dumpf in seinem Herzen. Eigentlich müsste es ihn mehr rühren. Was hätte er nur ohne seine Amell angefangen und sie ohne ihn! Aber derart überrumpelt von der Geschichte des Gutsherrn ist Basilio blind für den Schmerz eines anderen, zu sehr sticht der eigene. Und Siolas kindisches Beleidigtsein stößt ihm bald sauer auf.

Ha, was giftet die Gute hier so herum? Typisch kalamarischer Provinzadel, wie? Diese Anspruchshaltung: ich, ich, ich! Die Selbstverständlichkeit, mit der angenommen wird, alle Welt müsse sich um einen selbst bekümmern, müsse einem alles recht machen! Der Mann hat sie bei sich aufgenommen, hat sie beschützt, sein eigenes Leben dabei in Gefahr gebracht und das aller anderen bei ihm in Lohn und Brot stehender Menschen, für die er ebenso verantwortlich ist, und wie dankt sie es ihm? Was, beleidigt, seit sechs Wochen schon? Weil er ihr einen noch viel bösartigeren Schmerz ersparen wollte? Weil er sich um sie kümmert und sorgt, sie wie eine Tochter liebt? Deshalb muss sie ihn jetzt so verletzen? Was bin ich froh, dass wir bei uns in Korak keine adlige Sippschaft haben. Bei uns muss jeder durch Taten zeigen, wer er ist! Da bringt ein guter Name keine Privilegien, sondern vermehrte Pflichten mit sich! Da sieht man das einfache Volk nicht als Pöbel an, als Diener, die einem anzutragen und zu gehorchen haben, sondern als das höchste Gut unseres Landes, das es mit dem eigenen Leben zu beschützen gilt.

In seiner Aufgewühltheit steigert Basilio sich da ein wenig arg in die Schelte des armen Mädchens hinein, schießt über jedes sinnvolle Ziel hinaus. Das merkt er selbst und schließt den bereits geöffneten Mund erst einmal wieder, um sich zu beruhigen, um nachzudenken, um die Sache noch einmal neutraler zu betrachten. An Siola darf er seine Wut auf das Schicksal nicht auslassen! Selbst wenn ihr Vater seine Eltern da in was hineingezogen haben sollte, das sie das Leben gekostet und ihre Kinder um Familie, Ansehen, Freunde und eine normale Jugend gebracht hat: Siola trägt keine Schuld daran. Siola hat dasselbe Recht wie er, empört zu sein. Sie hat sogar das Recht, sich—ebenso wie er—im Ziel ihrer Empörung kurzzeitig zu irren.[3]

Vielleicht fällt einem seiner Kameraden das Zögern auf. Vielleicht auch nicht. Warum sollte nicht sogar Basilio erst einmal seine Gedanken sortieren müssen, bevor er den Mund aufmacht?
 1. Will save = 15 vs. 15
 2. knowledge (nobility & politics) = 14, noch ohne Malus; Antwort des Meisters, s. Link.
 3. Das Ergebnis des Diplomatie-Wurfes erfolgt in einem weiteren Beitrag. Heute schaffe ich das nicht mehr. Wird ja auch ein wenig zu viel...
« Letzte Änderung: 08.12.2016, 23:22:01 von Basilio Aristide »
"Call no man happy until he is dead."

"War," he sung, "is toil and trouble;
Honor, but an empty bubble."

Khenubaal

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Córrea
« Antwort #9 am: 27.11.2016, 10:21:35 »
In der kurzen Pause, die entstanden ist, schaut Jaresh von einem Anwesenden zum anderen. Schließlich bleibt sein Blick an Amaara hängen. Er lächelt der Silberelfe verhalten zu. "Du fragst dich vielleicht, warum ich dir vertraue, mein Kind. Efet vertraut dir - das ist mir genug. Er hat Unschätzbares geleistet, mit der Nachricht, die er durch dich überbracht hat. Auch wenn du dich heute nicht anschließen magst, so richte ihm nur meinen Dank aus, wenn du wieder zurück bist, ja? Sag' ihm, ich stehe auf ewig in seiner Schuld."

Dann wendet sich der Gutsherr wieder an die übrigen Gefährten, vor allem schaut er Tarqetik an. "Eines habe ich noch vergessen. Zwei Talente reinstes Silber aus den Elenon-Bergen - der Gegenwert von fast 10.000 P'Baparischen Löwen. Das kann ich euch gerne anbieten, wenn ihr ihn findet. Mehr habe ich nicht."

El`ssa

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Córrea
« Antwort #10 am: 28.11.2016, 06:01:14 »
Die kleingewachsene Grünhaut ist eine der ersten gewesen, die einen Sitzplatz einnahm. Ihre Rüstung und Bestückung des Gürtels lässt sie getragen. Mit dem Auftun wartet sie bis zur Eröffnung der Tafel. Dann nimmt sie allerdings reichlich und bedient sich ebenfalls großzügig beim Bier. Mit gesundem Appetit und sehr ordentlichen Tischmanien konsumiert sie mit zügigem Tempo ihre Portionen. Sie hält sich mit dem Reden zurück und beobachtet stattdessen alle am Tisch mit wachsam blitzenden Äuglein.

Ihre Krähe hoppelt neben ihr auf dem Tisch und bedient sich aus einer Schüssel, in die El'ssa ihr mundgerechte Happen wirft. Als sie sich an einer anderen Schüssel gütlich tun will, scheucht ihre Herrin sie auf. Protest krächzend flattert der Rabenvogel auf und lässt sich auf einem Wandschmuck unter der Decke nieder. Von dort schaut es auf die Gesellschaft hinunter und kommt erst wieder herunter, als alle in den Besprechungsraum wechseln. Dort setzt sie sich wieder still auf El'ssas Schulter.

Jaresh fragt sie am Esstisch nicht ausgiebig nach ihren Erlebnissen in der Zwischenzeit. Als das Gespräch auf die Verhandlungen der Ukhtark und Dorwida bei Gulasado kommt, wird klar, warum: Sie kannten sich schon weit länger und hatten sich offensichtlich auch dort getroffen. Etwas wie Zufriedenheit zeigt sich auf El'ssas Zügen, als von den Fortschritten berichtet wurde. Sie bestätigt, dass sich die Menschen ehrenhaft verhalten hatten. Eine sarkastische Bemerkung konnte sie sich allerdings nicht verkneifen, als es um die Aufteilung des fruchtbaren Landes ging: "Wen ich diesen Vorschlag nicht gemacht hätte, wären wir nicht weit gekommen mit euch. Dabei sind wir diejenigen, denen die Elfen die gutgefüllten Jagdgründe abgenommen haben, während Dorwida nichts von seiner damaligen Grenzziehung verloren hatte!" Zum Thema Bestrafung der Schuldigen schüttelt sie den Kopf, anscheinend vor Unverständnis, enthält sich diesmal aber eines Kommentars. Immerhin scheint ihr klar zu sein, dass Kargi-Ehr-Logik hier nicht funktionierte. Zu Ejdarns Reaktion lächelt sie verständnisvoll.

Zur Einladung in das Gespräch in die Bibliothek nickt sie nur und folgt strammen Schrittes. Im Raum nimmt sie sich einen Sessel, der eher weiter weg vom Licht steht, sodass das meiste ihres Oberkörpers und Gesicht im Schatten liegt. Ihre und die Äuglein ihrer Krähe glänzen im indirekten Licht. Sie schweigt während der Eingangsfloskeln und lässt sich ein Kristallglas reinen Wein einschenken. Mit gekonnten Bewegungen schwenkt sie es und nippt den Rest der Zeit immer wieder. Dies wirkt im Gegensatz zum Esstisch mit normalen Manieren regelrecht wie hohe Etikette. Das Glas und die rote Flüssigkeit brechen das schummrige Licht. Die Stille der ersten Pause, die Jaresh macht, durchbricht El'ssas dunkle Stimme. "Seid bedankt für das Vertrauen. Eines bin ich gezwungen, klarzustellen. Ich mag hier Ohr und Auge des Guls sein, doch irrt nicht, ich bin weder seine Stimme noch sein Arm." Nach dieser Feststellung verfällt sie wieder in grüblerisches Schweigen, wobei sie die anderen Gäste intensiv mustert.

Den weiteren Worten lauscht sie aufmerksam, erst bei der Aufdeckung von Siolas wahrer Abstammung zuckt ihr Blick zu ebendieser. Bei der weiteren Erzählung werden ihre Augen so schmal, dass sie kaum noch zu sehen sind. In ihr arbeitet es offensichtlich. Den Ärger der Tochter kann sie gut nachvollziehen, auch wenn ihr Benehmen dem nicht gerade erwachsenen Ausdruck gibt. Aber sie kennt wesentlich stärkere Ausbrüche, daher blitzen kurz ihre ebenmäßigen, kräftigen Zähne im Halbdunkeln, als sich ein Lächeln auf ihr gesicht stiehlt. Die Erwähnung des Hauses Rúben hat zur Folge, das ihre Augen eine Weile ernst auf Basilio ruhen, sie öffnet jedoch erneut nicht den Mund.

Erst ganz zum Schluss kommt ihre Stimme, dem Anschein nach wohlüberlegt, aus dem Halbdunkel: "Ich werde euch helfen. Ein wenig dieses Wissens werde ich allerdings Hulad weitergeben müssen, dafür habt Verständnis. Wir können später darüber reden, welches. Es wird den Muog jedoch nicht verlassen!" Sie atmet hörbar ein und richtet sich auf: "Ich habe Pekal und Kalamar betreten e può farmi capire. Posso vedere come alcuni rapitori Bakars un giovane inseguito e catturato, che si è descritto come proveniente dalla casa Inakas.[1] Das Unterfangen verlangt daher Vorsicht, es gibt Konkurrenz."

Die Worte an Aamara provozieren schmale, abschätzige Augen seitens der Sil-Kargi - ohne Kommentar. Das finanzielle Angebot löst einen traurigen Zug aus. El'ssa widerspricht nicht aus Respekt vor dem Gastgeber.
 1. Kalamarisch: und kann mich verständlich machen. Ich habe beobachten können, wie einige Häscher Bakars einen jungen Menschen jagten und fingen, der sich als aus dem Hause Inakas stammend bezeichnete.
« Letzte Änderung: 28.11.2016, 23:04:56 von El`ssa »

Tarqetik

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Córrea
« Antwort #11 am: 29.11.2016, 19:24:16 »
Tarqetik putzt sich seine verschmierten Hände in seinem Teil des Tischtuches ab. Die Reste von Fleischsauce, Bier färben es dunkel und lassen die Krümel von Brot und Obstkernen an sich kleben. Mit dem sauberen Handrücken - die Finger sollen sauber bleiben, damit das Geschirr nicht anfängt zu picken - wischt er sich dann die Lippen sauber und greift zu einen frisch gefüllten Becher Bier. Es mag der Alkohol von einem Dämon besessen sein, der dem guten Gerstengemisch heimlich einen Rausch hineinmischt, doch er lässt jedes Essen am Ende gleich gut schmecken; herb-würzig.
So mit halben Ohr und vollem Mund hat der Söldner der Geschichtsstunde des Gastgebers und der feindseligen Randbemerkungen der jungen Dame zugehört. Eine weiterführende Legend von Boten und Toten, Kaisern, Revolutionären, Genozid und irgendwelchen Kinder, die nun erwachsen und unausgeschlafen sind.

Tarqetik lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Mit dem Wippen startet er seine Gedanken in die Aufwärmphase. In diesem ersten Anlauf gibt er sich der Erfahrung älterer, schon lange zurückliegender Aufgaben hin. Egozentrische Eltern, mit Fürsorglichkeit zugedröhnte Kinder, ein ferner Bekannter und Verwandter, ein Geheimnis in gehobener Gesellschaft, verschwörerische Briefe - Ja das alles spielt Unparteiischen einen steten Geldfluss in die Hände; alles so lange bis man Mitwissen nicht braucht oder Loyalität teuer wird als eine Nacht mit Messern und dem Ende in einem tiefen Gewässer.
Dieser letzte Gedanken zieht einen dunklen Schatten über das Gesicht des Söldners. Seine Miene zeigt einen Anflug von Besorgnis. Dann heben sich seine Brauen. Ein neuer Gedanke wischt alle Sorge aus dem Gesicht und seine klaren Augen wandern zu dem vorlauten Schrattz mit dem permanenten Augenmakeup. Ein Mädel das nun durchaus langwierige Qualitäten hätte. Zum einen als Münde und als Ehefrau – wenn man den Ehrgeiz oder die Panik besitzt, sich in der hohen Politik breit zu machen und auf das vermeidliche Messer im Dunkeln zu warten. Doch auch als VonUndZuGelauchtigkeit wäre sie an der richtigen Stelle, um jemanden mit Schwerterfahrung in eine führende Position zu bringen, die auch sicher genug bis zum hohen Alter wäre. Vielleicht auch mit Reisetätigkeit, um Anordnungen stahlhaft zu untermauern.
An seine Schädelinnenseite zeichnet seine Idee eine Pro und Kontra Liste auf.
Pro: Zukunftsaussichten mit trockenen Schuhen, finanzielles Loch ohne Boden, Tod durch stramme Schenkel
Kontra: eindeutig zu viele Messer, ein Hang zur Unsicherheit, Politische Affären mit einem Hang zum Blutaufwischen, eine wirklich schlechte Postverbindung - Klammer auf: 10 Jahre warten Klammer zu.

Im lauten Rauschen dieses Gedanken verlieren sich alle anderen Texte am Tisch in der ewigen Dunkelheit des Aborts des Langzeitgedächtnisses.

Sanjan, von den Bahir

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Córrea
« Antwort #12 am: 30.11.2016, 07:45:18 »
Gastfreundschaft wird in diesem Haus groß geschrieben. Eine angenehme Konstante, auf welche sich immer gefreud werden kann. Leider bleibt die andere Konstante aus. Die Dame des Hauses zeigt sich nicht.
Am Tisch beteiligt sich der Schamane ab und zu an den Gesprächen. Bleibt jedoch ruhiger. Kurz nimmt seine Aufmerksamkeit der Raben ein. Als dieser am Ende auf den Schrank flattert, schmunzelt er breit. Die krächtzenden Worte des Raben sind offenbar sehr amüsant. Sein Wolf hat sich, ebenso wie das andere Tier im Raum, seinen Anteil genommen. In einer Ecke kaut er scheinbar unbeteiligt an einem fleischigen Knochen herum. Dabei achtete er mit den Ohren sehr aufmerksam auf den Raben. Ganz grün ist ihm der Futterkonkurent nicht.

Wie das Grundgefühl beim Essen war, nimmt das Gespräch in der Bibliothek eine arge Wendung. Der Schamane ist sichtlich verwirrt. Wohl aber am meisten über Sialas Verhalten. Mit der Zeit lüftet sich jedoch, warum sie in einer so schlechten Laune ist. Eine Wertung will er nicht vornehmen, von Adel und Königen versteht er so oder so nichts, aber es musste für sie schwer sein, zu hören, dass ihr Bruder noch leben könnte. Jedenfalls vor etlichen Jahren.
Grimnir zu seinen Füßen liegt ruhig da. Die Stimmungen der Zweibeiner verfolgt er mit seinen Ohren. Er sieht noch keine Not, die wallenden Stimmungen der Flachzähne zu brechen. In einem Rudel gab es schließlich auch mal Streit und wurde es zu arg, dann muss halt der Alpha eingreifen.

„Die Spur ist sehr kalt.“ entfernt am Ende dem Schamanen an Jaresh gerichtet. Mehr zu Siola gerichtet „Aber es ist eine Spur die wir verfolgen können. Vielleicht lebt dein Bruder tatsächlich noch.“ Er sog die Luft ein. Auch er spürt, dass es ein mehr als schweres Unterfangen war. Vielleicht gar gefährlicher als der Kampf gegen einen möglichen Krieg. Denn es hört sich nach Intrigen und Ränkespiel an. So blickt er zu den Anderen. Besonders zu Basilio der ungewöhnlicher weise still war. Er jedoch müsste sich ja mehr bei diesen Intrigen auskennen, selbst wenn in seinem Land das Wort Adelsstand gegen Militärrang ausgetauscht wurde.
« Letzte Änderung: 30.11.2016, 08:14:45 von Sanjan, von den Bahir »

Flannait Adair

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Córrea
« Antwort #13 am: 30.11.2016, 19:47:05 »
Wie Basilio ist auch Flannait eher an karge Kost gewöhnt und geniest daher den reich gedeckten Tisch auch wenn sie sich auf ein Glas verdünnten Wein beschränkt ehe sie auf reines Wasser umsteigt.
Sie beteiligt sich so gut wie gar nicht am Tischgespräch sondern nutzt die Gelegenheit die Anwesenden,
besonders El'ssa und ihren Vogel unauffällig zu studieren.
Mit Freude hört sie allerdings, dass ihr Vorschlag an Ejdarn bezüglich der Uthark anscheinend zu fruchten beginnt. "Sollen sich die verdammten Grünhäute ihren Ruhm und ihre Ehre wo anders als in Jaylin hohlen. Wenn Aisling es jetzt noch schafft den Waffenstilstand zu halten bis  das alte Scheusal hinüber ist, stehen die Chancen für den Frieden gut." Auch über Sildans verdiente Strafe empfindet sie nichts als Genugtuung, dass sich aber der Urheber des ganzen, wenn auch für eine beachtliche Summe, freikaufen konnte bestätigt einmal mehr den unzureichenden Sinn der meisten Menschen für Gerechtigkeit.
Tarquetiks benehmen entgeht ihr nicht und sie runzelt missbilligend die Stirn und Schüttelt innerlich den Kopf,
sie kann Jaresh Vertrauen in den Mann nicht nachvollziehen. "Keine Unze Ehre, käuflich für jeden der genug Geld auf den Tisch legt und seine Zuverlässigkeit ist im Eimer sobald im jemand ein Fass Bier oder einen Schlauch Wein anbietet." denkt sie verächtlich.
Das Benehmen der Krähe belustigt sie dagegen. Anders als viele Soldaten an Koraks Südfront, die in den ihnen nichts als Aasfresser und Unglücksboten sehen, hatte Flannait die schwarzen eleganten Vögel immer gemocht. Sie schätze ihre Intelligenz, für Vögel, und ihre Anpassungsfähigkeit. Ausserdem konnte ihre An- oder Abwesenheit einem aufmerksamen Kundschafter wichtige Informationen geben. Aber Koraks Krähen haben aus Erfahrung gelernt aussreichend Abstand zu Zweibeinern zu halten so dass Flannait dort nie so nahe an einen der Vögel herangekommen ist wie hier.
Jetzt wo sie Zeit hat El'ssa in Ruhe zu studieren fallen ihr auch gewisse Anzeichen auf. Die fehlenden Eckzähne, der kleine wenn auch kompakte Körperbau in Summe ist das menschliche Blut deutlich zu erahnen, auch wenn Flannait sich nicht erinnern kann je einem anderen Halbkargi begegnet zu sein. Prompt ist die chronische Neugierde der Halbelfe geweckt. Menschliches Blut würde auch die Reaktion der anderen Uthark bei El'ssas Auftauchen in Gulasado erklären. Den Effekt kennt Flannait aus eigener Erfahrung nur zu gut.

Aus Aamara wird sie hingegen nicht klug. Sie ist attraktiv, wie so ziemlich jede Elfe aber völlig anders als die Frauen der Adair. Sie wirkt weniger hart, weicher und die Art wie sie sich zur Schau zu stellen scheint weckt in Flannait misstrauen und beinahe so etwas wie Verachtung. So oft hat sie sich gewünscht eine echte Elfe zu sein, aber wenn, dann bestimmt nicht sowas.

Zufrieden nimmt sie zur Kenntnis, dass Basilio sein Wort und sich beim Wein zurück hält. Als er aber anfängt von ihrem Auftritt bei Amells Hochzeit geradezu zu schwärmen wird Flannait verlegen. Sie erötet sogar ein wenig, denn wie immer neigt der kleine Koraker zur Übertreibung.
Sie war nett und höflich gewesen und hatte ein paar von den Dingen ausprobiert die Amell ihr geraten hatte, was war daran nun so besonders? An Viktor Molina erinnert sie sich allerdings tatsächlich: gutaussehend, für einen Menschen, schlanker aber muskulöser Körperbau, großgewachsen, dunkle Haare, erstaunlich blaue Augen und, für die Halbelfe wesentlich wichtiger, ein wacher Verstand und die Bereitschaft ihn zu nutzen, eine in ihrer Erfahrung beklagenswert seltene Verbindung unter Korakischen Kavallerieoffizieren. Die Mehrheit davon waren arrogante Hohlköpfe mit mehr Mut als Verstand, die es für unter ihrer Würde ansahen, auf einen einfachen Kundschafter zu hören. Der junge Molina hingegen war trotz ihres Kleides nicht in das Vorurteil verfallen sie als ein hübsches Ornament, dass von militärischen Dingen selbstverständlich nichts versteht zu behandeln. Er hatte ernsthaft und auffmerksam zugehört und nachgedacht ehe er antwortete, so dass sie ihr Gespräch mit ihm tatsächlich genossen hatte. Sie hatte allerdings nicht erwartet, dass sein Intresse ernsthaft und stark genug sein könnte, sie wiedersehen zu wollen. Eine Halbelfische Söldnerkundschafterin war nicht gerade das was man in Koraks Militärdynastien als die richtige Ehefrau für einen jungen aufstrebenden Offizier ansah.
Basilios gespieltes Erschrecken nimmt sie ihm keinen Moment ab.
"Ist Dir einfach so entfallen?" fragt sie sarkastisch aber mit einem belustigten Funkeln in den grünen Augen, "war nicht wichtig genug um es weiter zu erwähnen? - und ja ich erinnere mich an die handvoll korakischer Kavallerieoffiziere die ihren Kopf tatsächlich zum denken verwenden." Sie nickt Basilio zu, wie um ihm zu bedeuten, dass sie auch ihn zu dieser illustren Schar zählt, "und er sieht tatsächlich recht gut aus, für einen Menschen, besonders die Augen. Was seinen Mut anbelangt: wieviel Mut braucht man um an der Ostfront unter dem aufmerksamen Schutz eines älteren Verwandten Karriere zu machen? Die reiten da doch blos friedliche Patroulien und jagen den gelegentlichen Banditen."

*** 

In der Bibliothek hört Flannait aufmerksam zu. Jetzt Jareshs Verbindung zum Haus Rúben zu tage tritt wird Flannait auch endlich klar warum ihr die Festung auf dem Gemälde in der Eingangshalle so bekannt vorkam, ohne dass sie sie einordnen konnte. Trotz Cilorealons Schönheit hatte Lisanara Vitiran nie aufgehört ihre kalamarische Heimat zu vermissen und hatte ihrer Tochter viel davon erzählt, hatte Landschaft und Architektur mit großer Liebe zum Detail beschrieben. Auch den Sitz der Rúben bei Salireta, als den sie die Burg nun erkennt. Klein, für den Sitz eines mächtigen und angesehenen Herzogs, aber wohl positioniert und noch besser gebaut, das umliegende Land dominierend. Gut möglich, das jemand nach der Aufstand vor neunzehn Jahren etwaige Fahnen und Wappen auf dem Gemälde hat übermalen lassen.
Aber trotz ihrer kalamarischen Mutter ist Flannait nicht umbedingt geneigt den Auftrag anzunehmen. Nicht mit einer Kargi der nicht mal ihre eigenes Volk zu vertrauen scheint, einem ungehobelten Saufkopf von Söldner und einer wenig vertrauenserweckenden Elfe, deren Hauptwaffen ihr Körper und ihr Augenaufschlag, nicht Klinge und Bogen zu sein scheinen.
Ausserdem missfällt ihr der Gedanke El'Gakel gerade jetzt zu verlassen, bis Declan das zeitliche segnet ist der Frieden nicht gesichert und wenn es doch noch Krieg zwischen Kezhdal und Jaylin kommt ist ihr Platz, ob es Declan passt oder nicht an der Seite der Adair.
Wenn Basilio und Sanjan mitmachen würden wäre dass vielleicht etwas anderes, der Schamane hat sich ihr Vertrauen und ihren Respekt verdient und jemand müsste dann auf den leichtsinnigen Koraker aufpassen. Amell nie verzeihen wenn sie Basilio alleine in die Gefahr und die Klingen etwaiger kalamarischer Häscher laufen lies - und zu ihrer eigenen Überraschung ist es Flannait wichtig, ihre neue Freundin nicht zu entäuschen. Die erwähnte Belohnung ist für ihre Entscheidung dagegen weit weniger wichtig, davon abgesehen, dass sie verdeutlicht wie wichtig dem alten Mann die Sache ist. Falls sie mitgeht und sie den jungen finden wird sie ihren Teil kassieren, aber Geld ist für Flannait nie etwas anderes als ein Mittel zum Zweck gewesen, nichts was man um seiner selbst willen anhäuft.
Also schweigt die Halbelfe vorerst und wartet die Reaktionen der anderen, besonders von Basilio und Sanjan ab.
"Nur ein toter Kargi ist ein guter Kargi!"

Amaara Firron

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Córrea
« Antwort #14 am: 01.12.2016, 02:13:47 »
Kaum hatte Amaara der Höflichkeit genüge getan und dem vor die Tür getretenen Hausherren ihre Ehrerbietung dar geboten, stellt sich auch schon die Kargi vor ihn, reicht ihm ein Gast Geschenk und bahnt sich weiter den Weg ins Innere des Hauses, ohne auch nur auf eine Aufforderung zu warten oder wenigstens so zu tun, als wolle sie ihre Waffen ab zu legen. Stattdessen lässt sie dadurch dass sie ihren Poncho öffnet, ihre bedrohliche Ausrüstung nur noch mehr in den Vordergrund treten. Die Elfe muss sich ein Lächeln verkneifen. "So stellt sich der normale Bürger eine Sil-Kargi vor - ungeduldig, flatterhaft, ungehobelt - vermutlich werden sie deshalb von den meisten als unzivilisiert betrachtet."

Beim Essen hält sich Amaara zurück. Wirklichen Appetit hat sie schon seit Tagen nicht mehr gehabt, lässt sich aber um den Schein zu wahren eine der Kartoffeln geben und nagt den Rest der Zeit immer hin an einem Stück Brot. Etwas Wasser schenkt sie sich auch ein, ignoriert aber sowohl den Wein als auch das Bier, obwohl letzteres einen nicht unangenehmen Duft verbreitet. Sie weiß dass die Vorurteile gegenüber Elfen ihr auch hier zu Gute kommen werden und dass man es auf ihre scheinbare Abstammung zurück führen wird dass sie die anderen Speisen verschmäht.

Sie vermeidet dabei direkten Augen Kontakt mit den anderen, ebenso wie sie nicht selbst das Wort ergreift. Da sie noch niemanden hier wirklich kennt, beschränkt sie sich zunächst lieber darauf, zu zu hören und zu beobachten, um sich einen Eindruck von den Anwesenden zu machen. Ihr Misstrauen gegenüber dem Wolf des von Fellen bedeckten Menschen hat sie schon ab gelegt als sie sieht, wie gut jener offen sichtlich erzogen ist. Die Krähe der Sil-Kargi amüsiert sie ebenso wie das gerade zu ungebührliche Verhalten Tarqetiks. Sie lässt sich jedoch nicht an merken, dass sie es überhaupt bemerkt hat. Die skeptischen Blicke der Halbelfe jedoch quittiert sie einfach mit einem freundlichen Lächeln.

***

Auch in der Bibliothek hält sich Amaara zurück. Als ihr ein Platz an gewiesen wird setzt sie sich brav gerade hin, wie es sich für ein gehorsames Mädchen gehört. Dann lauscht sie den Ausführungen Jareshs genau, doch wirkliches Verständnis will sich in ihrem Kopf noch nicht einstellen. Auch stört sie sich an Siolas ungeduldigen Zwischenrufen. Die scheinbare Undankbarkeit des Mädchens geht ihr gegen den Strich. "Was für eine Zicke...", schießt es ihr unwillkürlich durch den Kopf. Jedoch kann deren Verhalten ihre Entscheidung nicht beeinflussen. Nach und nach formt sich ein Bild dessen, was vor sich geht und Amaaras Neugier gewinnt die Oberhand.

Auf Jareshs Bemerkung dass er ihr nur vertraue einfach weil Efet ihr vertraut, nickt Amaara nur. Diese Tatsache beruhte auf Gegenseitigkeit. Nur zu gerne war sie bereit, zu glauben dass die Freundschaft zwischen den beiden Männern dafür sorgen würde dass ihre Interessen in diesem Fall die selben sind. Seine Frage jedoch, ob sie sich vielleicht doch nicht anschließen wolle lässt sie für eine Sekunde ihre höfische Haltung vergessen und ihn nur mit großen Augen an starren. Dass es überhaupt einen Zweifel daran geben könne dass sie sich anschließen will, war ihr gar nicht erst in den Sinn gekommen.

"Natürlich...", beginnt sie eine Antwort, verstummt aber sofort wieder da Jaresh nach seiner kurzen Pause doch noch weiter spricht und den Anwesenden seine Belohnung an bietet. Lange dauert es, bis sie die Stimme wieder findet, während seine Worte in ihrem Kopf wieder hallen. Vergeblich versucht sie sich eine so große Menge Geldes vor zu stellen. Sie wusste ja, dass er ein reicher Mann ist, aber mit einem so großen Angebot hätte sie nie gerechnet. Endlich räuspert sie sich leise, um sicher zu gehen dass ihre Stimme ihre innere Überraschung nicht verrät, bevor sie antwortet: "Natürlich werde ich alles in meinen Fähigkeiten liegende versuchen, um euch zu helfen, Herr Dorguln. Wie ihr wisst, habe ich meine Hilfe in dieser Sache bereits eurem Freund, dem ehrenwerten Herrn Qulaar versprochen. Und auch wenn ich nicht weiß, ob ich allein Erfolg haben kann", ihr Blick streift dabei alle Anwesenden kurz, als würde sie diese nun auch an sprechen, "so dürft ihr euch doch sicher sein, auf jede meiner Fähigkeiten zurück greifen zu können."
« Letzte Änderung: 03.12.2016, 20:15:28 von Amaara Firron »

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