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Autor Thema: 1. Coup - Die Spule  (Gelesen 21915 mal)

Beschreibung: [Inplay]

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Thorgrimm

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1. Coup - Die Spule
« am: 22.11.2016, 00:13:51 »


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« Letzte Änderung: 21.12.2016, 04:48:09 von Thorgrimm »

Thorgrimm

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #1 am: 22.12.2016, 05:19:22 »
Mehrere Kilometer bohrten sich die deokischen Gipfel in den Himmel. Von ihnen wehte ein kalter Wind herab, der nur selten auf eine kleine Ansammlung von Gebäuden und dampfbetriebenen Maschinen traf, die sich immer weiter in die Seiten des Gebirges fraßen. Bergbaustädte, in denen nur ein paar dutzend Leute lebten. Nicht viele zog es hierher. Agetas war ein recht trostloses Gebiet und viele hielten es dort nur aus, weil sie auf den großen Gewinn und schnelles Geld in Form von wertvollen Metallen und Edelsteinen hofften. Kaum einer hatte dieses Glück und selbst wenn es doch einmal so weit kommen sollte - Eldos Creek und seine Söldner sorgten dafür, dass man das Herrschaftsgebiet mit leichtem Gepäck verließ.
Der Windstrom zog weiter und erreichte schließlich die Ausläufer des Gebirges, in das sich lediglich knorrige Pflanzen gebohrt hatten. Zwischen anspruchslosen Büschen und widerstandsfähigen Moosen gab es hier kaum etwas zu sehen. Dieser Teil Isygars war kaum bewohnt. Ganz anders sah es dagegen bei den steinigen, klippenartigen Küstenlandschaften aus, an denen sich tausende Menschen und Andersartige niedergelassen hatten, um Handel über das Meer zu treiben. So reihte sich hier Hafenstadt an Hafenstadt - eine schlimmer als die andere. Die größte und berüchtigtste Stadt von allen war Morgh. Ein Nest für Schmuggler, Piraten und Händler, das zwischen und auf zwei steilen Klippengebieten erbaut worden war.
Östlich des Gebirges befanden sich die Flusslande, die in die Herrschaftsgebiete Ethera, Andaran und Rhillat aufgeteilt worden waren. Von weiten, grasbewachsenen Ebenen, über feuchte Sümpfe, bishin zu dichten Wäldern fand man hier fast alles. Die südlichen Flusslande waren ein vergleichbar trockenes Gebiet aber dennoch fruchtbar und dadurch die Kornkammer des Landes. Hunderte Bauernhöfe und reihenweise Felder waren hier über Jahrzehnte nach dem Krieg entstanden. Ein Gebiet, in dem man gut leben konnte - solange man die heftigen Schutzgeldzahlungen an Abigale Hoos verrichtete. Andaran war das genaue Gegenteil von Ethera. Durch die zentrale Lage und die beiden Flüsse Tanradis und Virr war dies das Ballungsgebiet des Landes. So befand sich hier auch die Hauptstadt Natahi, die vom selbsternannten König Orville Torrob beherrscht wurde.
Nördlich von Andaran befand sich das unscheinbare Gebiet Rhillat. Dichte Laubwälder und einige Hügel, zwischen denen sich Flüsse wanden, beherrschten das Landschaftsbild. Nur wenige Personen traf man hier an, da dieser Landstrich kaum etwas zu bieten hatte. Einige wenige Dörfer und Holzfällerlager hatten sich dennoch gebildet. Zwischen ihnen gab es nur spärlich Kontakt. So wie die Bewohner dieses Herrschaftsgebietes recht verschlossen und eigenbrötlerisch waren, so waren es auch die Dörfer. Hier drehte jeder sein eigenes Ding und alle, die sich in Rhillat niedergelassen hatten, hatten dies wohl aus einem ganz bestimmten Grund getan. Ob sie Kriminelle auf der Flucht waren oder einfach nur ihre Ruhe haben und ein friedliches Leben führen wollten, war nicht ersichtlich. Selbst die Favilla Siroki, die dieses Gebiet beherrschte, ließ sich nur selten blicken.

Und trotzdem hatte es einige weitere Personen hierhergeführt. In diesen abgeschiedenen Landstrich, der auf den ersten Blick nicht viel zu bieten hatte. Doch sie waren sich sicher, dass sich der Ausflug nach Rhillat lohnen wird, denn ihnen allen wurden ein lohnendes Geschäft und eine üppige Belohnung versprochen. So zog es einen jeden, ob nun Ambacti, Mensch, Favilla oder Gezeichneter, in ein verschlafenes Dörfchen namens Sepo, welches an die Ufer eines kleinen Flusses gebaut worden war.

Noch nicht einmal 100 Bewohner fasste das Dorf. Es war so unscheinbar und unwichtig wie der Rest des Landes. Der technische Fortschritt hatte hier kaum einen Fuß gefasst. Die dampfbetriebenen Maschinen, die Magnetbahn oder Luftschiffe aus den Großstädten fand man hier genauso wenig, wie große Fabrikhallen und Forschungsanlagen. Handarbeit und Muskelkraft waren hier noch wichtigere Faktoren als das Wissen um den Umgang mit Maschinen.
Ob man nun den beschwerlichen Weg über den Rücken eines Lacretas, die hölzernen Sitze einer Kutsche oder doch das Deck eines kleines Handelsschiffchens hierhergefunden hatte: Der Anblick, der sich ein jeder Person zeigte, war immer der gleiche. Ungefähr zwei Dutzend Gebäude standen hier in gebührlichem Abstand zueinander - der Großteil davon direkt an den Fluss gebaut. Es waren vor allem Fischer und Holzfäller, die sich in diesem Dorf niedergelassen hatten. Einen Bootsbauer und Schreiner sollte es auch geben. Der ein oder andere Händler und ein Wirt mit seinem Gasthaus fehlten natürlich auch nicht. Die wenigen Schiffe, die an dem Dorf vorbeikamen, versorgten die Bewohner mit allem, was sie brauchten.
Hier sollten Guillaume, Orville, Hariq, Voris und Bhekk auf eine Person treffen, die ihnen weitere Informationen und eine erste Bezahlung lieferte. Jedem von ihnen wurde einige Tage zuvor die Eckdaten über den Auftrag erzählt und eine saftige Belohnung versprochen, falls sie diesen annehmen sollten. Gleichzeitig gab es einigen von ihnen die Möglichkeit, ihren eigenen Zielen und Ambitionen zu folgen - wie diese auch immer aussehen mochten.

Es war früher Nachmittag und ein angenehm kühler Wind wurde von den Bergen in das Dorf getragen, sodass die Temperaturen gut auszuhalten waren. Einige Männer und Frauen - die meisten davon Menschen und Gezeichnete - wanderten geschäftig durch das Dorf, hackten Holz oder warfen ihre Netze in dem Fluss aus. Aus dem Bootshaus, welches durch einen morschen Steg mit dem Land verbunden war, erklang das geschäftige Kreischen einer Säge aber sonst wurde ruhig gearbeitet. Die Leute im Dorf waren nicht besonders gesprächig, was man schnell herausfand, sollte man sich mit ihnen unterhalten. Selbst zu dieser Zeit war das Gasthaus des Ortes gut besucht. Es war der Treffpunkt aller Dorfbewohner und Reisender. Ein gemütlicher, zweistöckiger, länglicher Holzbau in der Mitte des Dorfes. Dicke, leicht gelbliche Milchglasfenster verhinderten einen Blick ins Innere des Gebäudes. Doch man musste gar nicht hineinsehen, um zu erkennen, dass hier gute Laune herrschte. Lautes Lachen war bereits zu hören, bevor man überhaupt in den Schankraum eintrat. Vielleicht war dies der einzige Ort im Dorf, an dem es nicht so distanziert zu sich ging.
Ein jeder hatte sich hier eingefunden. Ob er gerade erst angekommen war oder schon seit Tagen auf diesen Moment wartete, wusste wohl nur der Wirt des Gasthauses selbst. Der schlaksige Gezeichnete mit den wirren, schulterlangen Haaren und der fleckigen Haut vermietete die Zimmer im zweiten Stock an jeden, der danach fragte. Sie waren recht spartanisch eingerichtet und beschränkten sich auf ein Bett, das eher einer Pritsche glich, einen schmalen Schrank und einen winzigen Tisch neben dem Bett. Nur wenige Quadratmeter groß aber es reichte aus. Dafür war der Schankraum viel gemütlicher eingerichtet. Der Großteil des Raumes wurde von abgenutzten, runden Holztischen eingenommen, an denen sich jeweils vier Stühle befanden. Eine lange Bar, an der der Gezeichnete mit seiner Favillagehilfin arbeitete, füllte den gesamten hinteren Teil des Raumes. In einer Ecke des Raumes befanden sich eine braune Couchgarnitur und einige Spielereien wie eine Dartscheibe und ein Billardtisch. Zwei runde, chemische Lampen verteilten künstliches Licht im Raum, was aber durch einen brennenden Kamin wieder ausgeglichen wurde. Um die zwanzig Leute mussten sich jetzt hier im Raum befinden - ein Teil davon war in Gespräche über die Götter und die Welt vertieft und wieder andere aßen einfach still ihren Fisch oder tranken Bier.
Schließlich traf die Kontaktperson ein. Ein Ambacti, der eine dicke Lederrüstung trug, welche mit weißen Knochenplatten verstärkt worden war. Sowohl ein Schwert, als auch ein Revolver hingen an seiner Hüfte und waren schnell einsatzbereit. Zielgerichtet lief er in die Mitte des Raumes und sah sich dann aufmerksam nach den Leuten um, die er hier treffen sollte. Anscheinend hatte auch er Beschreibungen bekommen, denn er erkannte alle Personen, die für den Auftrag ausgewählt worden waren. Möglichst unauffällig zeigte er mit dem Finger auf Guillaume, Orville, Hariq, Voris und Bhekk, woraufhin diese die geflüsterten Worte "Folgen sie mir bitte." vernehmen konnten und das, obwohl der Mann nicht in ihrer Nähe stand. Nachdem er ein letztes Mal seinen Blick durch den Raum glitten ließ, wandte er sich zur nicht besetzten Couchgarnitur und nahm etwas ungelenk platz.
« Letzte Änderung: 22.12.2016, 05:51:19 von Thorgrimm »

Orville Henry Hawkes

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #2 am: 23.12.2016, 00:41:12 »
Unbändige weiße, glatte Haare, welche nahtlos in den unbändigen, weißen, glatten Vollbart übergingen. Die Haare mehr oder weniger mit einem Kopftuch an den Kopf gebunden, damit sie ihm nicht über die buschigen Augenbrauen vor die Augen fielen, den Bart mit hölzernen Bundknöpfen versehen, welche jedoch im Dickicht des Bartes inzwischen untergingen. Ein alter Offiziersmantel eines der längst schon wieder verschwundenen Herrschaftsbereiche der Flussländer lag um seinen Schultern, etwas fusselig, aber doch noch von schneidigen Schnitt und in den Überresten der kräftigen, roten Farbe. Die Verzierungen waren mit goldfarbenen Fäden genäht. Es war möglicherweise, anhand des Aussehen des Mantels, kein unbedeutender Mann, der diesen Mantel einst trug. Doch nun war er nur noch ein Schatten einstmaligen Glanzes. Und das galt auch für seinen Träger, einen sehr großen, ehemals sicher bulligen Mann, der über zwei Meter groß war. Seine Schultern waren zwar vom hohen Alter etwas gedrückt, aber seine Statur zeigte noch die Überreste einer ehemals sehr formidablen, breitschultrigen Gestalt. In seinen besten Zeiten mochte der alte Mann vielleicht ein Kampfgewicht von um die 110 Kilogramm gehabt haben, doch das Alter zeigte sich eben nicht nur in der Form von Altersflecken.

Seine groben, fingerlos behandschuhten Hände griffen in den Mantel, als der Ambacti sie zur Sitzecke herbeiflüsterte, und fischten eine geschwärzte, verzierte Elfenbeinpfeife hervor. Mit einem Schnippen der Finger entstand eine violette Flamme zwischen seinem Zeigefinger und seinem knotigen Daumen[1], die er sorgsam in die Pfeife setzte. Die Flamme bildete derweil die sehr grobe Silhouette einer breithüftigen, lasziv tanzenden Frau, was den alten Mann mit einem kehligen Lachen erfüllte, während er sich unter den Personen, die ebenso herbeigeflüstert worden, umblickte. Bis auf den kleinen Favilla und den Mann mit den Fledermausohren waren es alles sehr kräftige oder sehr große Leute, was den alten Mann doch mit einigem Erstaunen beeindruckte. Er nickte allen zu, während er die weibliche Flamme mit dem gebärfreudigen Becken beobachtete, wie sie langsam in die Pfeife tanzte und diese sich mit dem Knistern eines entflammenden Holzscheites entzündete[2].

Der große, alte Mann deutete mit der nun dampfenden Pfeife auf einen Sitzplatz. "Ihr werdet einem Alten doch das Vergnügen eines breiten Kissens unter knorrigen Afterballen gönnen, ja?" und lachte dann kehlig, um die unangenehme Situation des Kennenlernens etwas entspannter zu gestalten. Die milchig-trüben, leicht tränigen Augen des Alten lagen einen Moment auf jedem dieser illustren Truppe. Dann nahm er einen tiefen Zug aus der Pfeife und ließ den schwerfälligen Rauch etwas in seinem Inneren verharren, und schob ihn dann durch die Nase hervor mit einem wohligen Stöhnen. Während der Rauch sich um sein Gesicht schmiegte für einen Moment, noch kurz die Form derselben stämmigen Frau annehmend, die eben noch die violette Flamme gewesen war. Sie schwebte hervor an sein Ohr und flüsterte ihm etwas, sich schüttelnd, als würde sie kichern. Auf einmal änderte sich etwas im Blick des Alten, das Tränen der stahlgrauen Augen hörte auf und eine neue Wachheit legte sich auf ihnen nieder. Um den Mann roch es nach starkem Tabak mit einer warmen Note von Vanille und Zimt. Auf seinen Klamotten hatte sich dieser Duft auf ewig niedergelegt, gepaart mit dem Geruch eines alten Mannes. Schweiß, Vanille, Zimt. Eine Spur Unsicherheit.

"Hawkes, mein Name. Orville Hawkes.", eröffnete er schließlich eine Vorstellungsrunde, die er für angebracht hielt. Ihm erschien es am sinnigsten, wenn er das Eis und Misstrauen in solch bunten Runden wohl nicht gleich brechen konnte, dieses Eis zumindest anzuwärmen und etwas zu tauen mit der Offenheit eines langen Lebens. Mit dem Knarren alten Knochen und dem klassischen Stöhnen altersgemäßer Anstrengung ließ sich Hawkes in den Sitz plumpsen und streckte dann die Beine, als müsste er sie ausstrecken.
"Was für eine illustre Congregatio. Was für eine - in der Tat - bunte Versammlung. Scheint ja eine sehr magnetische Sache zu sein, die uns hier von so frei und weit anzieht, nicht wahr?" Wieder dieses kehlige Lachen.
Es konnte kaum darüber hinwegtäuschen, dass der alte Mann tatsächlich einige Kilometer in den Beinen hatte. Der Staub sandiger Pfade lag noch auf seinem alten Offiziersmantel, der Matsch ausgetrampelter Wege haftete an dicksohligen, braunen Lederstiefeln und war erst auf dem Weg hierhin getrocknet. Der Matsch bröckelte so vor sich hin mit jeder abrupten Bewegung des alten Mannes. Etwas Schweiß stand noch immer auf seiner Stirn, da er erst vor wenigen Minuten angekommen war und noch nicht einmal dazu gekommen war, sich ein kühles Getränk und einen starken Schnaps zu ordern, ehe der Ambacti sie zu sich flüsterte. Er leckte über seine von der Reise spröden Lippen. Es war eine für sein Alter ungewöhnlich lange Reise gewesen, aber er hatte jetzt - so gerade in die Tür gefallen - noch kein inneres Interesse, über sie nachzudenken. Zu groß war der Durst und das Interesse, was sich aus diesem Gespräch wohl ergeben würde.

Wohlig stöhnend atmete er aus der Pfeife ein und ließ den weiblichen Dampf wieder sein Gesicht streicheln. Wie gerne hätte er die Reisestiefel ausgezogen und seine Füße geräkelt. Aber der Anstand verbot dies. Er grinste bei dem Gedanken daran, wie seine neuen Bekanntschaften dann in tiefster Agonie zu Boden sinken würden, und schaute dann ob und wie die anderen sich wohl vorstellen mochten.
 1. Zauber: Prestidigation
 2. Zauber von Wand: Heightened Awareness
"Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will, // Bedarf der höchsten Kunst: Magie der Weisen." - Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 6315 f. / Mephistopheles

Guillaume Lagrange

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #3 am: 25.12.2016, 17:22:50 »
"Einem Alten."
Ob dem Mann wohl bewusst war, dass Guillaume mindestens fünfzig oder sechzig Jahr älter war als er selbst? Aber natürlich merkte man ihm das nicht an - was immer seine "Schöpfer" damals in die Rezeptur gemischt hatten, eine Alterung war wohl nicht vorgesehen. Zumindest war sie dermaßen verlangsamt, dass es normalen Menschen so scheinen musste, als ob die Ambacti unsterblich seien. Nach weit mehr als hundert Jahren wusste Guillaume jedoch nicht, ob das lange Leben Fluch oder Segen war. "Fluch" kam es ihm in den Sinn, als Erinnerungen an Alice in ihm emporstiegen.

Er schüttelte die Gedanken ab und sah sich in der "illustren" Runde um, die Orville Hawkes gerade eröffnet hatte. Den Favilla kannte er tatsächlich bereits, wenn auch nicht persönlich. Doch es handelte sich um den Besitzer einer Bar, in die sich Guillaume regelmäßig begab, um sich ein Wissensquiz anzusehen, das Herausforderer gegen eben diesen Favilla bestreiten konnten. Zumindest war damit sichergestellt, dass jemand mit einem guten Allgemeinwissen in der Gruppe vertreten war.
Der Alte war Guillaume ein wenig suspekt. Er verhielt sich ausgesprochen albern, was der Ambacti bei Menschen hohen Alters eigentlich nicht gewohnt war, und Guillaume hegte den Verdacht, dass er seine Schwierigkeiten haben würde, mit ihm zurechtzukommen. Offenbar konnte der Mann Magie beherrschen, was sein Spiel mit der Flamme nahelegte. Das war wohl auch der Grund, weshalb jemand, der sie vermutlich eher aufhalten würde, zugegen war.
Die anderen beiden konnte Guillaume noch nicht einschätzen; stattdessen stellte auch er sich mit einem Nicken vor.
"Guillaume Lagrange."
Mehr sagte er nicht, sondern wartete erst einmal ab, was ihr möglicher Auftraggeber von ihnen genau erwartete. Er musste jedoch mit seiner ausufernd bestückten Brille, die er auf seiner weißen Stirn trug, und die sein Mal verdeckte, ebenfalls einen merkwürdigen Eindruck auf die anderen machen. Ansonsten trug er keinerlei Schmuck, was ihm mit seiner weißen Haut und der kompletten Haarlosigkeit für die Menschen immer noch fremdartig und etwas künstlich wirken ließ.

Er war am Tag zuvor bereits angereist, nachdem er eine Nachricht erhalten hatte, die ihm die Suche nach einem außergewöhnlichen mechanischem Artefakt versprach, und dazu noch eine stattliche Summe Geld als Belohnung in Aussicht stellte. Guillaume musste keine zwei Sekunden zögern, bevor er sich auf den Weg hierher nach Sepo machte, wo er weitere Informationen erhalten sollte.
Nun war es also soweit, und der Ambacti wartete gespannt, was sie hier erwarten sollte.
« Letzte Änderung: 30.12.2016, 14:46:13 von Guillaume Lagrange »

Voris Shark'kan

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #4 am: 28.12.2016, 10:57:33 »
Voris, der von Haus aus ein sehr gemütlicher Zeitgenosse war, musterte die kleine Gruppe mit einem Lächeln auf den Lippen. Dies hatte auch den angenehmen Nebeneffekt, dass seine natürlichen spitzen Gesichtszüge etwas runder wirkten. Dazu trug auch bereits seine äußere Erscheinung bei, da sein Bauchansatz nicht zu übersehen war. Er war ein Genussmensch, der zu einer guten Hammelkeule oder einem Schweinebraten einfach nicht nein sagen konnte. Auch das Bier schmeckte ihm recht gut und wovon er reichlich vertragen konnte. Die Gaststätte war meist einer der ersten Orte, welcher er in einer neuen Stadt oder einem Dorf aufsuchte. Nicht nur der Gaumenfreuden wegen, sondern dies war auch der Ort, wo man am schnellsten an Informationen kam und wo man die besten Kontakte knüpfen konnte. War die Zunge erst mit ein paar Freibier gelockert, sprudelten die Geschichten seiner neuen Freunde nur so heraus. Er hatte Übung darin und er lebte davon die kleinen Geheimnisse zu kennen und sie an der ein oder anderen Stelle gekonnt einzusetzen, um ein paar unbequeme Hindernisse aus dem Weg zu räumen, wenn er seine Ware vorbei schmuggeln wollte.

Aber es hatte Probleme gegeben und er musste für eine Zeit untertauchen - zumindest in seiner gewohnten Umgebung. Woher der Fremde wusste, dass er in Schwierigkeiten war, wusste er nicht, aber das Angebot kam gerade zur rechten Zeit. So konnte Gras über die Sache wachsen und nebenbei konnte er noch ein nettes Sümmchen verdienen. Aber jetzt war er gespannt, auf was er sich da eingelassen hatte.

Die Gruppe war auf jeden Fall bunt gemischt. Der Alte mit den weißen Haaren und dem üppigen Vollbart schien auf jeden Fall etwas von Magie zu verstehen, denn die kleine Geste  zum Anzünden seiner Pfeife war dem Gezeichneten nicht entgangen. Der Hüne ohne Haare war unverkennbar ein Ambacti. Nur ein Soldat hatte eine solche Statur. Dies war gar nicht einmal so schlecht, wenn es zu einem Angriff kam. Der Ambacti würde sicher ordentlich zuschlagen können. Der behaarte neben ihm war auch nicht von kleiner Statur. Aber ebenso wie bei Voris handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Gezeichneten. Voris wusste wovon er  sprach. Seine Fledermausohren und seine spitze Nase waren unverkennbar. Zwar verdeckte er sie gerne mit seinen langen Haaren und seinem Hut, aber hier in der Gaststätte hatte er ihn abgesetzt, um nicht noch mehr Misstrauen zu erregen. Die anderen würden früher oder später eh erfahren, dass er ein Gezeichneter war. Fehlte noch der kleine Dunkelhäutige. Der hatte noch nichts von sich gegeben, so dass er erst einmal begann sich selbst vorzustellen.

"Voris ist mein Name. Voris Shark'kan, wie er leibt und lebt." Und gleichzeitig beugte er sich ein klein wenig nach vorne und vollführte eine ausladende Bewegung mit seiner rechten Hand. Danach wurde sein Grinsen noch breiter und er blickte schnell von einem zum anderen. Vertrauen erwecken war der erste Schritt, den er stets vollführte. Aber diese Runde war sehr unterschiedlich und es würde sicherlich ein hartes Stück Arbeit werden, zu den Anwesenden vorzudringen.

Hariq Jaraˈqan

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #5 am: 30.12.2016, 12:39:24 »
Hariq war schon seit einigen Tagen in Rhillat. Wie immer, wenn er sein angestammtes Gebiet verließ, versuchte er sich ein möglichst genaues Bild von den Gegebenheiten vor Ort zu machen. Er glaubte zwar nicht, dass etwas schief gehen würde, aber einen Plan für einen eventuellen schnellen Rückzug konnte nie schaden. Etwas verwunderte es ihn als ihm Guillaume in der Stadt auffiel. Ein Zufall konnte dies nicht sein und Hariq sollte Recht behalten als er und einige andere zu dem Treffen abgeholt wurden.

In dem Raum angekommen suchte er sich einen Stuhl etwas abseits und an einer Wand. Als der Alte seine Pfeife rauskramte zündete sich Hariq eine Zigarre an. In seinen kleinen, verbrannten Händen sah die Zigarre ungewöhnlich groß aus. Sorgsam versuchte er die Gruppe einzuschätzen. Immerhin schienen einige für harte Muskelarbeit gut zu sein, beruhigend da Hariq dafür nicht gemacht war.

"Hariq Jara'qan zu diensten." stellte er sich vor und nickte leicht in die Runde. Mehr als ersteinmal in Ruhe zu Ende zu rauchen gab es nicht zu tun. Da keiner genau zu wissen schien worum es ging, machte es keinen Sinn irgendwelche Pläne zu schmieden oder Informationen auszutauschen.

Thorgrimm

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #6 am: 31.12.2016, 05:10:47 »
Ein breites Grinsen machte sich auf dem Gesicht des Ambacti breit, als Orville von seinen knorrigen Afterballen sprach. "Natürlich, setzen sie sich. Sie müssen eine lange Reise hinter sich haben." bemerkte er mit einem, den alten Mann musternden, Blick. Es lag keine Kritik oder Wertung in den Worten - es schien lediglich eine neutrale Feststellung und Reaktion auf die dreckige Kleidung des Alten zu sein.
Einen kurzen Augenblick hing der Blick des Ambacti noch an der tanzenden Flamme fest, bevor sich auch der Rest der Gruppe zu ihm und Orville gesellte. Er begrüßte jeden Einzelnen mit einem anerkennenden Nicken und stellte sich schließlich selbst vor.
"Sie können mich Morgan nennen. Oder Mr. Wright - wie es ihnen beliebt. Wie ihnen sicherlich bewusst ist, bin ich im Auftrag von Siroki hier, um ihnen ihre Aufgabe näher zu bringen." Er rutschte etwas auf der Couch hin und her, um sich in eine gemütlichere Position zu bringen, griff in eine Gürteltasche und zündete sich schließlich die herausgefischte Zigarette an. Nachdem er den Rauch tief ein- und schließlich wieder ausgeatmet hatte, fuhr er fort. "Wie Mr. Hawkes bereits gut erkannt hat, ist dies hier eine recht bunte Versammlung. Seien sie versichert, dass ein jeder von ihnen, eine Rolle in dieser Aufgabe zu spielen hat und ihre Talente und Fähigkeiten sich ergänzen werden. Siroki hat sie selbst ausgesucht und aufgetragen, sie anzuwerben. Sie hat sich bisher sehr selten geirrt und ich bezweifle, dass sie es bei einer so wichtigen Angelegenheit tut."

Der Ambacti zeigte mit seinem fast weißen Finger auf die Favilla, die hinter der Theke beschäftigt war. Er nickte und lächelte ihr zu, als sie sich ihm zuwandte und dann weiterarbeitete. Mr. Wright war ein Ambacti, wie er im Bilderbuch stand. Fast zwei Meter groß, über und über mit Muskeln besetzt, die die Lederrüstung fast zum Bersten brachten. Seine weiße Haut war, bis auf einige Narben, makellos. Seine Ausrüstung schien sauber und gut gepflegt zu sein - so wie auch er selbst. Ein genauerer Blick offenbarte, dass sich selbst unter seinen Fingernägeln kaum Dreck befand. Entweder machte er sich selbst nicht die Finger schmutzig und die Waffen waren einfach nur zur Show oder er achtete sehr auf sein Aussehen.

"Ich hoffe, sie mögen Bier. Ich habe gerade für jeden einen Krug bestellt."
Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, während er an der Zigarette zog. Doch das verschwand schnell wieder und der Ambacti wurde ernst. "Kommen wir für den Moment zum Thema zurück. Der Auftrag, für den sie angeworben wurden, ist von größter Wichtigkeit. Es geht hier nicht nur um ein persönliches Interesse Sirokis. Es geht nicht um die Zukunft Rhillats oder Rashs. Hier geht es um Angelegenheiten, die das Angesicht dieses Kontinentes verändern können und Siroki braucht ihre Hilfe, um zu verhindern, dass dies zugunsten der Qua'kal geschieht."
Die Qua'kal. Ein ebenso mächtiges, wie gehasstes Volk. Die heute lebenden Qua'kal-Fürsten waren die Nachkommen der Menschen, die den Krieg gewonnen oder zumindest einen Vorteil daraus gewonnen hatten. Sie zogen die Stränge hinter vielen großen Konzernen, Firmen und politischen Gruppen. Immer wieder schafften sie es durch das Ausnutzen der Erdbewohner, ihre Machtstellung weiter auszubauen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie es schafften, den ganzen Kontinent zu kontrollieren und jeden, der kein Qua'kal war, zu versklaven.
"Vielleicht haben sie die Gerüchte schon gehört. Die Qua'kal haben Informationen über eine Massenvernichtungswaffe gesammelt, die vor dem Krieg entwickelt aber nie fertiggestellt wurde. In diesem Augenblick sind ihre Wissenschaftler und Mechaniker damit beschäftigt, die Teile dieser Maschine zu bauen oder zu reparieren. Sollten sie das schaffen, wird man sie nicht mehr aufhalten können."

Mr. Wright verstummte, als die Favillakellnerin sich mit schnellen Schritten näherte. In ihren Händen hielt sie einige Bierkrüge, die sie mit einem freundlichen Lächeln auf den Tisch stellte und sich augenblicklich wieder entfernte. Der Ambacti griff nach seinem Krug, rief ein "Prost!" und gönnte sich einen ausgiebigen Schluck, bevor er fortfuhr.

"Ihre Aufgabe wird es sein, eines der Maschinenteile zu besorgen. Natürlich ist das offiziell illegal und mit einigen Risiken verbunden aber zumindest ein oder zwei von ihnen sind ja Spezialisten in dem Gebiet." Er sah ganz bewusst niemanden direkt an, sondern betrachtete interessiert den Gerstensaft vor sich. "Ich bin im Besitz einiger Informationen über die Wissenschaftler, die in der Anlage arbeiten, die eine Spule für die Maschine herstellt. Wie sie es anstellen ist Siroki egal aber sie müssen diese Spule besorgen. Einen der Wissenschaftler um Informationen über die Anlage zu erleichtern wäre ein Anfang. Wie sie das anstellen: Ob sie ihn belauschen, ihn überreden, bestechen oder zusammenschlagen, ist Siroki egal. Es geht hier um die Zukunft des Kontinentes und da darf man nicht kleinlich sein." Er gönnte sich einen weiteren Schluck Bier und wartete schließlich, Zigarette rauchend, auf etwaige Fragen oder Reaktionen.

Bhekk

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #7 am: 31.12.2016, 18:36:54 »
Es war wahrlich eine seltsame Gruppe, die hier zusammen gekommen war. Bhekk fiel schnell auf, dass er, anders als unter seinem Volk, hier nicht zu den groß gewachsenen zählte, eine für ihn ungewohnte Situation. Er war mit breit gebaut und in seinem Gesicht wuchs ein dichter Bart. Außerdem drängten sich Haare am Hals unter einer derben Lederrüstung hervor, sein Haar war lang und sogar seine Handrücken waren behaart. Die haut war gebräunt und die Kleidung verriet, das er sich viel draußen aufhielt.

Er hatte sich bisher im Hintergrund gehalten, war ohne zu sprechen als letzter zur der Gruppe getreten und hatte nur leise "Grizzly" gebrummt, als die anderen sich vorgestellten. Er war bei ihnen stehen geblieben, hatte dabei aber einen Platz gewählt, der niemand störte, also nicht direkt hinter einem der anderen, sondern etwas abseits.

Er hatte die anderen gemustert und gehofft, mehr über sie zu erfahren - woher kamen sie, wie lange lebten sie schon hier und was hatten sie erlebt. Aber natürlich wurden bei dieser Zusammenkunft keine Lebensgeschichten erzählt, er hatte auch nicht vor, dies zu tun. Er war nicht hier, um Freunde zu finden, sondern um Geld zu verdienen. Er musste leben und dieser Auftrag konnte ihn für eine Weile von uninteressanten oder gar ihm widerstrebenden Arbeiten befreien. Dafür war er hier, für nichts anderes. Also, zum Geschäft.

Was der Mann über die Gerüchte erzählte, war ihm nicht neu, aber er hatte sich bislang nicht darum geschert. Diese Ganze Sache mit dem Krieg, den Qua'kal und der sogar der Welt selbst war ihm eigentlich egal. Sie waren hier so weit ab von der Welt, dass das alles wenig Bedeutung in seinem Leben hatte - und genau das war das Gute an dieser Ecke ihrer Welt. Aber nun musste er sich soweit damit befassen, wie es für den Auftrag nötig war, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Wissenschaftler, Maschinen, Spulen, all diese Dinge kannte er erst seit kurzem. Und überall bedeuteten diese Worte etwas anderes: Gefahr, Segen, Zukunft, Weltuntergang. Für ihn waren sie einfach da. Und manchmal erleichterten sie das Leben, dann waren sie gut. Manchmal bedrohten sie das Leben, dann waren sie schlecht und in allen anderen Fällen waren sie ihm egal. Aber diese Spule, die war nicht egal, sie war wichtig, denn sie war der Auftrag.

Er nahm den Krug Bier und trank einen kräftigen Schluck, er hörte dem Mann zu, bis er geendet hatte. Dann näherte er sich der Stimme des Auftraggebers etwas und fragte, immernoch stehend: "Wo hocken sie denn, eure Wissenschaftler und wie viele andere Leute gibt es da noch, Mechaniker, sicher auch Wachleute, vielleicht sogar Hunde?[1]"
 1. ggf. bitte ersetzen mit einer entsprechenden Tierart deiner Welt
« Letzte Änderung: 01.01.2017, 00:45:08 von Bhekk »

Guillaume Lagrange

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #8 am: 01.01.2017, 17:00:14 »
Guillaume nahm die Beschreibung des Auftrags mit eher zurückhaltender Euphorie zur Kenntnis. Der Einbruch in eine vermutlich schwer bewachte Anlage war nun nicht unbedingt seine Kragenweite, und normalerweise hätte er sich in Hinblick auf das Risiko an dieser Stelle verabschiedet und den Auftrag abgelehnt. Doch er konnte unmöglich zulassen, dass die Qua'kal in den Besitz einer solchen Waffe gelangten, und so blieb er zumindest einmal da, um sich die genaueren Details des Auftrags anzuhören. Eine Sache jedoch ließ ihm von Beginn an keine Ruhe.

"Entschuldigen Sie die Frage, aber wenn wir diese Spule entwenden können: Was hindert die Qua'kal daran, in der Anlage einfach eine weitere bauen zu lassen?

Und wie groß ist diese Spule eigentlich?"

Orville Henry Hawkes

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #9 am: 03.01.2017, 12:10:23 »
Orville hatte Morgan zugenickt, als dieser seine lange Reise feststellte. Für einen Moment war der Alte ins Schweigen verfallen, als zuerst niemand so wirkte, als wolle er ein Gespräch beginnen oder mehr als seinen Namen flüstern. Der Alte sah Verstocktheit. Er hörte die Worte des Grizzlys und von Guillaume, wie sie knöchern auf das Thema lenkten und alles darum ausblendeten. Verstocktheit, welche positiv formuliert Professionalität heißen könnte oder eben als solche missgedeutet würden könnte. War es die Erwähnung der Qua'kal oder vorher schon die Erwartung der Erwähnung, welche alle etwas stocksteif darstehen ließ. War hinter dieser Fassade von Professionalität wirkliche verborgen oder sollte sie nur den Geruch von Furcht überdecken, ausgelöst durch das ungute Gefühl, welche dieses und jenes Gerücht über die Qua'kal beschwor: jene Gerüchte, die besagten, dass die Qua'kal allerlei Widerstand in diverse Fallen lockten, um sie dann auszulöschen, zum Schweigen zu bringen und dergleichen. Und wo würde man solch einem Komplott mehr Plausibilität als in einer abgelegenen Gegend, wo man eine Rotte Fremder aneinander bindet und sie scheinbar oder wirklich auf die Spur der Qua'kal selbst setzt, ausgerechnet durch ein Wesen, welches das Fühlen erst noch erlernen musste oder gar muss[1].
 
Hawkes grinste bei diesen, ihm so eigenen, konspirativen Gedanken willkürlich und nahm dabei das Bier an, welches ihm die Favilla kredenzte. Die breit gebaute Dame aus Rauch, ließ vom rauen, bärtigen Gesicht des alten Mannes ab und ließ sich bis Brust hinab in das gold-perlige Gesöff und räkelte sich lasziv darin, was der alte Mann mit einem funkelnden, doch stillen Lachen quittierten. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder den Gesprächen, die sich sofort um den Auftrag drehten. Professionell eben. Es hatte seine Vor- und Nachteil, und für den Moment war diese berufsbedingte Unterkühltheit vielleicht sogar eher vorteilhaft. Wer konnte das schon sagen?

"Die Herren haben gute und wichtige Fragen gestellt. Ich kann mich diesen nur anschließen, auch wenn ich ein Teil der Antworten zu antizipieren glaube.", äußerte er schließlich und rieb sich die markante Nase in seinem Gesicht, die in ihrer kartoffelförmigen Gnubbeligkeit das ernste und wettergegerbte, faltige Antlitz beherrschte, wie ein Tafelberg eine schroffe Ebene zu beherrschen wusste.
"Darüber hinaus sind wir freilich willens, uns die Informationen anzuhören, anzulesen, anzusehen oder in welcher Form Sie diese auch immer aufzubereiten und vorzulegen bereit sind."
Irgendwie war es schon verwunderlich, dass Morgan Wright die moralische Angelegenheit dieser Tat insofern bewertete, dass er sie zu einer Kleinigkeit oder gar Nichtigkeit herabstufte. Irgendwas an dieser Aussage sagte Orville, dass die Implikationen dieser scheinbar peripheren Tat - Wissenschaftler ausquetschen, Anlage infiltrieren, Spule stehlen, «Lauf der Zukunft ändern» - viel größer waren. Wie Mr. Wright davon sprach, als sei es gleichzeitig etwas äußerst bedeutendes und doch wieder nicht mehr als Lappalie, für die ein paar getauschte Worte und ein ausgetauschter Goldsack reichte, das hatte seinen eigenen Reiz und regte doch den alten Mann zu seiner Lieblingsbeschäftigung an; konspirative Gedanken.

Für den Moment schluckte er sie hinunter, zusammen mit einem Schluck Bier. Er breitete die Hände aus und zeigte offene Handflächen. Offenhändigkeit, eine seltene Tugend unter metaphorischen Kartenspielern; und meist untugendhaft nur dann genutzt, wenn die Hand derartig überragend ist, dass ein Verlieren ausgeschlossen scheint. Hawkes wusste selbst noch nicht, was diese Offenheit ihn kosten könnte, sah aber einen Gegenwert gegeben, in der Hoffnung, dass seine Geste mit den erläuternden Worten verstanden würden. "Mr. Wright. Sie haben angedeutet, dass jener dieses könnte und dieser jenes, doch Sie haben einen ungemeinen Informationsvorteil, den wir zumindest in dieser Hinsicht - die uns betrifft - auflösen sollten, ehe wir uns irgendwelchen Dinge frei heraus und überstürzt verpflichten." Wieder dieses Lächeln, wobei die Augen eher von der Müdigkeit der Reise sprachen denn von ehrlicher Freundlichkeit. Er wandte sich den anderen Gestalten zu, die fortan seine Gruppe bilden könnten oder würden. "Insofern steht es uns wohl zu, dass wir - so schwer das ist - zumindest einen groben Bereich der Expertise offenbaren. Deswegen will ich auch den Anfang machen. Ich bin Alchemist und forschender Arkanist; vor allem interessiert in der Veränderung von Aggregatszuständen, Geisteszuständen und Seinszuständen. Ich würde das gerne ausführlicher erklären, aber ich möchte auch niemanden langweilen mit den Elementen, Fragmenten und Segmenten meines Denkens und meiner Forschung, aber Sie alle verstehen, warum es naheliegend sein kann, einen schrumpeligen Alten mitzunehmen." Bei seiner letzten Bemerkung lachte er freundlich. "Und Sie? Was können Sie beitragen?" Er sprach seine Gefährten an. "Verschießen Sie Blitze aus ihrem Rektum? Erwürgen Sie Monstren einhändig? Jagen Sie vor Stille selbst Schatten Angst ein? Stellen Sie einen Qua'kal in Rätselduellen?" Er zwinkerte und lehnte sich wieder zurück, für einen Moment die durch den Bierkrug schwimmende Dame aus Rauch und Geist beobachtend.
 1. Hunch-Wurf gegenüber Mr. Wright: Sense Motive 19
« Letzte Änderung: 03.01.2017, 12:10:34 von Orville Henry Hawkes »
"Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will, // Bedarf der höchsten Kunst: Magie der Weisen." - Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 6315 f. / Mephistopheles

Thorgrimm

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #10 am: 04.01.2017, 02:26:52 »
Geduldig hörte sich Morgan Wright die Fragen der versammelten Mannschaft an und gönnte sich zwischendurch den einen oder anderen Schluck Bier. Erst als Orville mehr über die Fähigkeiten der einzelnen Personen wissen wollte, mischte er sich freundlich aber durchaus bestimmt ein.
"Entschuldigen sie die Unterbrechung aber ich möchte kurz auf die Fragen eingehen, bevor sie alle sich und die Fertigkeiten vorstellen, die sie mitbringen." Trotz seiner hintergründigen Gedanken musste Orville zugestehen, dass der Mann zumindest momentan vertrauenswürdig wirkte. Er schien völlig ruhig zu sein - seine Mimik und Gestik war nicht auffällig. Es gab keine plötzlichen Veränderungen und auch keine besondere Reaktion, als er das Thema auf die Qua'kal lenkte. Der Ambacti wandte sich an Bhekk.

"Über die genaue Anzahl und Größe der Anlage kann ich genauso wenig sagen, wie über die Lage. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Qua'kal sich nur auf das nötigste konzentriert haben. Es gab keine Berichte über größere Truppentransporte. Im Moment setzen die Qua'kal trotz der Gerüchte auf Geheimhaltung und hoffen darauf, dass ihre Anlagen nicht entdeckt werden. Regelmäßige Transporte von Wachleuten oder Lebensmittel, um diese zu ernähren, würde nur unnötig Aufmerksamkeit erregen." Der Ambacti gönnte sich noch einen Schluck Bier, bevor er fortfuhr.
"Ich schätze ein Dutzend Wissenschaftler, Mechaniker, Magier und Mechomaniker werden für den Bau, beziehungsweise die Reparatur der Spule verantwortlich sein. Mit etwa der gleichen Anzahl Wachen müssen sie rechnen. Dazu kommen etwaige Verteidigungsanlagen. Wachtiere sind möglich - vielleicht haben sie Uomos[1] zur Anlage gebracht." Wright lächelte etwas verschmitzt.
"Alles, was wir über die Wissenschaftler und Mechaniker herausfinden konnten, werde ich ihnen mitteilen, wenn sie den Auftrag annehmen. Sie bekommen außerdem eine Art Steckbrief der einzelnen Personen - in schriftlicher Form." Schließlich wandte er sich Guillaume zu.

"Die Spule ist Teil einer Waffe, die vor dem Krieg gebaut wurde. Natürlich geschah das im geheimen, so wie die Reparatur und der Bau nun ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen. Das bedeutet aber auch, dass selbst die Qua'kal kaum an Informationen über diese Waffe gekommen sind - geschweige denn an vollständige Baupläne. Ein Großteil der Waffenteile wird lediglich repariert, aufbereitet und instand gesetzt. Siroki geht davon aus, dass selbst die Qua'kal nicht wissen, was genau sie tun. Ein Teil zu entwenden wird sie mehrere Jahre - vielleicht sogar Jahrzehnte - in ihrem Vorhaben zurückwerfen. Sie müssten wieder irgendwo am Anfang beginnen." Er seufzte schließlich und schien zum ersten Mal wirklich besorgt zu sein.
"Die Qua'kal ganz an dem Bau zu hindern, wird vermutlich nicht möglich sein. Die Materialien und vor allem die magischen Energien, die für den Bau nötig sind, werden die Qua'kal lange aufhalten, doch irgendwann werden sie es schaffen, auch diesen Teil - oder andere - selbst zu bauen. Doch wenn sie, Mr. Lagrange und alle anderen, die hier am Tisch sitzen und stehen, es schaffen, die Spule zu entwenden, dann gibt das Siroki und ihren Verbündeten - und allen anderen Gegnern der Qua'kal - genügend Zeit, sich auf das Unvermeidliche vorzubereiten. Wenn man es also auf den Punkt bringt, legen sie den Qua'kal damit einen ziemlich großen Felsen in ihren Weg." Der Ambacti atmete Tabakrauch aus und verfolgte, wie dieser sich in der Luft verteilte.
"Unser Wissen ist leider begrenzt und es ist mir unangenehm, zugeben zu müssen, dass weder Siroki, noch ich die Ausmaße der Spule kennen. Die Waffe, die daraus entsteht, soll ganze Landstriche verwüsten können. Sie können also davon ausgehen, dass die Spule sehr groß sein wird, um solche Kräfte fokussieren und richten zu können. Doch auch was dieses Thema angeht, werden sie entsprechende Unterstützung bekommen. Siroki wird sich persönlich darum kümmern, den Transport der Spule möglich zu machen."
Morgan Wright entspannte sich wieder etwas und lehnte sich in der Couch zurück. Er hob auffordernd die Hände.
"Nun... dann stellen sie sich doch bitte kurz vor, bevor wir uns wieder etwaigen Fragen zuwenden."
 1. 
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« Letzte Änderung: 04.01.2017, 02:33:50 von Thorgrimm »

Guillaume Lagrange

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #11 am: 04.01.2017, 13:04:57 »
Der Alte begann, Guillaume langsam auf die Nerven zu gehen. Nicht nur verhielt er sich, als hätte er alle Weisheit mit Löffeln gefressen (vielleicht hatte er dies ja tatsächlich, aber auch in diesem Fall könnte man dies etwas dezenter vorbringen), sondern auch die Art und Weise, wie er für die restlichen Mitglieder der Gruppe sprach, und nicht zuletzt der für Guillaumes Geschmack eher peinliche Sinn für Humor machten ihm den Mann mehr und mehr unsympathisch. Bevor er sich jedoch eine passende Antwort überlegen konnte, die seine Missbilligung ausdrücken würde, ohne gleichzeitig allzu unprofessionell zu wirken, übernahm ihr möglicher Auftraggeber wieder das Wort.

Während Guillaume dessen Worten lauschte, stellte sich bei ihm ein immer stärker werdendes Gefühl ein, dass Morgan Wright ihnen nicht die ganze Wahrheit erzählte. Etwas sagte ihm, dass "Zeit geben, sich vorzubereiten" in Wirklichkeit bedeutete, dass Siroki die Waffe selbst bauen wollte, und er wusste nicht wirklich, was er davon halten sollte.
Auf der einen Seite wäre es aus seiner Sicht eine Katastrophe für Prim Ultem, wenn die Qua'kal bei ihrer ohnehin schon gegebenen Dominanz nun auch noch eine Waffe derartiger Zerstörungskraft in die Finger bekommen würden. Er hasste die Qua'kal aus vollem Herzen für das, was sie der Welt angetan hatten, wozu letztendlich auch seine eigene Erschaffung gehörte, und würde alles dafür tun, um zu verhindern, dass sie erneut eine solche Macht erlangten; auf der anderen Seite jedoch traute er auch der Herrscherin von Rhillat nicht im Geringsten über den Weg. Was würde passieren, wenn eine Macht hier am Boden in den Besitz einer solchen Waffe gelangen sollte? Würden sie die Qua'kal herausfordern und dadurch einen erneuten Krieg in Gang setzen, der ähnlich zerstörerisch werden könnte wie der letzte? Guillaume hielt es zumindest nicht für ausgeschlossen, dass genau das passieren könnte.

Was also war zu tun? Der einzige Weg, um einschreiten zu können, bevor etwas derartiges geschehen konnte, war offenbar, selbst an der Bergung dieser Spule beteiligt zu sein. So hätte er womöglich sogar die Möglichkeit, das Teil zu zerstören und somit sowohl die Qua'kal in ihren Plänen zurückzuwerfen, als auch zu verhindern, dass Siroki eine Massenvernichtungswaffe in die Hände bekam.
Also war es entschieden, er würde mitmachen.

Die Spule selbst erinnerte ihn an "Echo", seinen bislang spektakulärsten Fund, der, so vermutete er, auch dazu geführt hatte, dass er hierfür kontaktiert worden war. Vor einigen Monaten erst hatte er eher zufällig die Energiezelle gefunden, die diese Kriegsmaschine einst angetrieben hatte. Die Maschine selbst hatte den Krieg glücklicherweise nicht erlebt, aber mit Hilfe des Energiekerns waren Forscher schließlich in der Lage, die Wirkweise zu enträtseln. Die Ähnlichkeiten waren unübersehbar, und Guillaume nahm an, dass der bescheidene Ruhm, den ihm der Fund in der Archäologengemeinschaft gebracht hatte, über irgendwelche Umwege Siroki zu Ohren gekommen war.

Die Gründe für seine Anwerbung waren letztendlich egal - er war hier, und das war, was zählte. Auch wenn er noch keine Ahnung hatte, was genau sie erwartete: Es führte kein Weg daran vorbei, diesen Auftrag anzunehmen.
"Gut, ich nehme an!"" verkündete er daher, ohne dass die Frage bisher gestellt worden wäre, und wendete sich dann Orville zu. "Was ich beitragen kann? Alles, was Sie aufgelistet haben, und noch einiges mehr. Ich komme ungesehen in verschlossene Gebäude und wieder hinaus, auch wenn man das aufgrund meiner Statur anzweifeln mag. Ich kenne mich ganz gut mit mechanischen Gerätschaften aus. Und im Notfall kann ich mich einigermaßen zur Wehr setzen."
Diese kurze Auflistung sollte für den Moment genügen; solange sie nicht offiziell zusammenarbeiteten, sah Guillaume zumindest keinen Grund, ausführlicher zu werden, und so lehnte er sich wieder zurück und wartete auf die Ausführungen der anderen.

Bhekk

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #12 am: 05.01.2017, 18:51:22 »
Bhekk war hier, weil es einen Auftrag gab. Er verstand nicht Recht, warum der Gelehrte sich aufführte, als wären Sie ehemalige Dorfnachbarn, die lange fort gewesen waren und nun wieder zusammen kamen und versuchten, den anderen mit ihren Fähigkeiten zu übertrumpfen. Er wollte den Auftrag erledigen, die Belohnung einsammeln und dann seine Ruhe haben. Er würde mit dem komischen Kauz danach nicht mehr zu tun haben, warum sollten sie also Freunde werden. Außerdem würde der Alte sowieso nur Scherze auf seine Kosten machen, natürlich war Bhekk nicht ansatzweise so klug wie dieser Mann, er hatte kaum Bücher gelesen, sein Wissen hatte er durch zuschauen, zuhören und ausprobieren gelernt. Das war nicht weniger wert als das Bücherwissen. Aber jeder war wie er war und nach allem, was Bhekk bisher über den Auftrag erfahren hatte, war jemand wie der Gelehrte wichtig, wahrscheinlich sogar nötig, um ihn zu überleben. Also würde er auf ihn ebenso gut aufpassen wie auch die anderen und er würde auch ein Bier mit ihm trinken, ebenso wie mit den Anderen, solange der Auftrag dauerte. Danach würde jeder seiner Wege gehen.

Also, der Auftrag. Daher antwortete er dem Gelehrten nur knapp. "Das Geplauder können wir doch auf später verschieben, wie es aussieht werden wir eine ganze Weile zusammen rumlaufen und viele langweilige Abende an mickrigen Lagerfeuern sitzen. Dann haben wir Zeit genug für die Lebensgeschichte. Also, das ist nicht böse gemeint. Aber im Moment interessiert mich etwas anderes mehr. Herr Wright, habe ich das richtig verstanden, sie wissen zwar, wen wir suchen, aber nicht wo sie stecken? Wir müssen also nicht nur einen Weg finden, die Kerle zum Reden zu bringen, sondern vorher ihre Frauen zum Reden bringen, um sie zu finden? Das klingt nicht gerade sehr unauffällig." Er schaute Morgan Wright ziemlich zweifelnd an.

Voris Shark'kan

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #13 am: 05.01.2017, 20:25:03 »
Die Fragen, welche der Bärrtige und der Ambacti stellten, lagen Voris ebenfalls auf der Zunge - und noch einige andere. Die Antworten, welche ihnen Mr. Wright gab, waren allerdings alles andere als zufriedenstellend.

Dies erinnerte ihn an sein letztes Abenteuer, als sie wie gewöhnlich versuchten einige Zubehörteile einer Dampfmaschine zu schmuggeln. Wie konnten seine Kumpanen nur so planlos an die Sache herangehen. Voris arbeitet lieber vor, um das Risiko zu minimieren. Aber diese Tölpel trotteten einfach drauf los und bekamen sofort die Quittung, als ein neuer Zöllner aufgetaucht war. Stümperhaft!

Und wie es sich hier anhörte, waren sie auf dem besten Weg genauso ahnungslos in die nächste Falle zu tappen. Hatte Mr. Wright nicht gesagt, dass Siroki sie alle wegen ihrer Fähigkeiten ausgesucht hatte. Dann sollte sie aber wissen, dass er sich damit nicht zufrieden geben würde.

"Auf dieses köstliche Gebräu musste ich inzwischen schon ein paar Tage verzichten. Umso besser schmeckt es jetzt. Protst!" In seiner geselligen Art prostete er Mr. Wright und den anderen erst einmal zu.
"Bah! Daran könnte ich micht gewöhnen." Wie hatte er ein kühles Bier auf der Reise hierher vermisst. Er hatte sich auf Umwegen durchgeschlagen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Er machte eine kurze Pause, stellte den Krug ab und wandte sich dann an Mr. Wright.
"Von Haus aus bin ich Seemann und schon viel in dieser Welt herumgekommen. Und sagen wir es einmal so: Viele machanische und technologische Gerätschaften sind mir auch nicht ganz fremd. Man lernt viele Leute kennen und bekommt so einiges mit.

Wenn ich aber die Antworten höre, so kann ich ebenso wie unser Freund Grizzly hier, den ein oder anderen Zweifel nicht ganz abschütteln. Wir kennen die Gegebenheiten des Ortes und der Bewachung nicht. Wir wissen nicht wie das Artefakt aussieht und demzufolge auch nicht, wie wir es abtransportieren können.  Ihre Annahmen sind nichts weiter als Vermutungen, welche sie aus ein paar Beobachtungen ziehen. Selbstverständlich ist alles illegal und wir sind für uns verantwortlich.

Niemand hier ist daran interessiert, dass die Qua'kal eine neue Kriegswaffe bauen. Aber die Chancen diesen Auftrag auszuführen sind gleich null. Wo ist der Plan für die Durchführung eines solchen Manövers? So eine Angelegenheit bedarf Vorbereitung. Und mit der Aussage, dass die Informationen schon noch irgendwie kommen werden, kann ich mich nicht so ganz anfreunden."


Sein Ton hatte an Bissigkeit zugenommen. Doch nun wurde er wieder freundlicher. "Aber vielleicht sollten wir einfach abwarten, bis sie uns mit neuen Details versorgen. Ich könnte es hier schon noch ein paar Tage aushalten." Er nahm einen weiteren Schluck von dem süffigen Bier.

Er hatte schon abgesetzt, als er noch einmal das Wort ergriff. "Aber eins würde mich doch noch interessieren. Warum müssen wir die Spule unbedingt stehlen? Dies wird nicht unbemerkt bleiben. Genau so gut könnten wir die Spule ein für alle Mal vernichten, so dass wir sicher sind, dass sie niemand mehr benutzen kann. Eine kleine Explosion durch unseren Alchemisten und schon ist die Sache erledigt."
Fragend schaut er in Richtung von Mr. Wright. Was steckte tatsächlich hinter dem Diebstahl der Spule?
« Letzte Änderung: 05.01.2017, 20:29:46 von Voris Shark'kan »

Orville Henry Hawkes

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1. Coup - Die Spule
« Antwort #14 am: 09.01.2017, 11:19:43 »
Die badende Frau erhob sich aus den Resten langsam vergehenden Schaumes, ihr plumper Körper schüttelte sich kurz, der Rauch stob auseinander und verschwand. Der Alte blickte mit dem ihm seligen Lächeln dem Schauspiel hinterher und gönnte sich dann wieder einen Schluck Bier, gefolgt von einem Zug aus seiner Pfeife. Seine etwas tränigen Augen, von Wind und Wetter noch gereizt, blickten zwischen seinen Gefährten hin und her, die sich auf ihre jeweilige Art langsam aber sicher profilierten. So konnte er über Guillaumes Erwiderung herzlich lachen, wurde jedoch von Voris und des Grizzlys Zweifeln etwas ernster. Der Rauch der Pfeife tropfte jetzt schwer, harzig in den Bart des alten Vollbartträgers und schien diesen voller zu machen; verdeckte die Spuren des Alters, der dünn werdenden Haare aber nur unzureichend. Orville rieb sich müde die Augen, unterdrückte jedoch einen Gähner. Es wäre dem wichtigen Thema nicht angemessen und würde sicher falsch gedeutet werden, wie so vieles bei einem ersten Treffen.

"Wenn ein vollständiger Plan vorläge, wäre dieses Treffen und dieses Gespräch, in dieser geführten Art - zumindest höchstwahrscheinlich - nicht notwendig.", bemerkte Hawkes jetzt mit ernsthafteren, tieferen Ton in der Stimme. "Gleichzeitig ist Mr. Wrights abwartendes, noch nicht allzu viel offenbarendes Verhalten nachvollziehbar. Der arme Mann hat eine sicher auch nicht glückliche Aufgabe darin bekommen, fünf Personen, die sich weitestgehend fremd sind und nichts voneinander wissen, zusammenzubringen. Alle fünf haben zumindest den Geruch von Söldnertum oder Opportunismus an sich, müssen jedoch gegen die Qua'kal in einer geheimen Sache eingesetzt werden. Diesen Spagat zu schaffen, genügend zu verraten, um die Söldner nicht abspringen zu lassen, und zu wenig zu verraten, als dass die Informationen etwas nützten, wenn man sie an die Qua'kal und ihre Lakaien verkaufte, gelingt längst nicht jedem." Hawkes blickte Mr. Wright an und nickte ihm zu. "Zwar hat Siroki uns aus diversesten Gründen aufgelesen, gleichwohl ist klar, dass dieses grundsätzlichen Misstrauen auch uns durchlaufen muss. Bezüglich unseren Nächsten, uns selbst und dem Auftrag. Keine ganz leichte Ausgangssituation; einer der ich deswegen mit etwas Vertrauen zu begegnen versuchte. Insofern, werter Grizzly, erachte ich Einblick in die Fähigkeiten und Erfahrungen durchaus als Notwendigkeit, auch um selbst planend tätig werden zu können. Gleichwohl ich Ihnen recht gebe, dass die Lagerfeuergeschichte für ebenjenen Ort bestimmt sein sollten."

Orville konnte die Zweifel von Voris und Bhekk nur zu gut verstehen, er teilte sie eigentlich sogar. Aber seine Neugier, endlich mehr Hinweise auf die Taten und Werke der Qua'kal zu bekommen: es fixte ihn an. So sehr, dass er sich mühsam an das Einmaleins von Verhandlungen, Verträgen und Verhalten während Auftragsvergaben erinnern musste. Er musste sich zwingen, seine Gedanken nicht abdriften zu lassen. Wie die Qua'kal sich wohl das Leben erhielten? Waren die Sagen war, dass sie das Spiel mit Zeit und Tod verstanden? Orville rieb sich wieder die Augen. War diese Spule ein Schlüssel, um Todesmagie und Lebensmagie, wenn man Magie darin unterteilen wollte, zu kanalisieren? Konnte er damit sein Leben verlängern?
"Ich bin mir sicher, dass wir über diese Schlucht des Misstrauens und des Zweifels eine Brücke des Vertrauens schlagen können." Der alte Mann nahm noch einen Zug aus der Pfeife. Diesmal ließ er den Rauch einfach und ohne magische Verzierung, ohne Wirkung aus seiner Nase entweichen. Er hatte keinen Blick dafür, zu sehr musste er sich an die Verhandlung per se klammern. Die Qua'kal lauerten in seinem Kopf, hinter jeder Ecke vermutete sein müder Kopf Winkelzüge und Hinterhalte. "Freilich weiß ich nicht, wie diese Brücke zu bauen ist. Ich weiß nur, dass sie nicht das Werk des Einzelnen sein kann. Deswegen meinen Dank an alle, die Einblick in sich geben, damit wir die Sache besser zu bewerten wissen. Gleichwohl verstehe ich, dass gewisse Vertrauensverhältnisse aufgebaut sein müssen, um mehr Information zu erhalten. Die versprochene, erste Bezahlung, Mr. Wright, würde einige meiner Zweifel ganz sicher stillen. Wie sie sicher über mich erfahren haben, bin ich durchaus eine unstete Person, die selten lange an einem Orte leben kann oder in einem Gewerke ausdauern mag; aber ich kann mit einigem Stolz sagen, dass ich nie einen Kontrakt zwischen mir und einem Auftraggeber leichtfertig in den Wind geschlagen oder aufgegeben habe. Ich gedenke, so wir fair miteinander umgehen und in keine Fallen gelockt werden oder nur als Köder oder Ablenkung fungieren, die für eigentliche Ziele geopfert werden sollen, meinen Ruf nicht zu opfern."
Orville rümpfte die Nase. Guillaume hatte die Vorhut in dieser Verhandlung übernommen und damit ein gutes Zeichen gesetzt, dass es vorangehen sollte.
"Insofern bin ich bereit, dass Vorgeplänkel einzustellen, mich bereitzuerklären, am Auftrag mitzuwirken und in die Details zu gehen. Da ich davon ausgehe, dass die wirklichen Informationen einen Gutteil meiner jetzigen, möglichen Fragen beantworten, werde ich noch davon Abstand nehmen."

Er hatte es getan. Kurzentschlossen, müde von der langen Wanderung, war er bereit dazu, sich das genauer anzuhören. Eigentlich hatten die Worte Belohnung, Qua'kal und große, magische Energien, die kanalisiert werden können, gereicht, um sein Interesse zu wecken. Und jetzt wollte er die echten Details, und nicht abklopfen, in welche Richtung solche Details gehen könnten. Er war in gewisser Weise gierig nach dem, was da kommen mochte. Und seine Gedanken begannen sich sofort zu drehen, auf der Suche nach einer Lösung nach dem, was ihm mit jedem Tag wütender dräute: das natürliche Ende seines Lebens.
"Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will, // Bedarf der höchsten Kunst: Magie der Weisen." - Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 6315 f. / Mephistopheles

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