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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 127336 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #750 am: 27.02.2020, 19:47:28 »
Aeryn blickt etwas erschrocken zu Lîf und meint: "Also, das kommt doch wohl nicht in Frage. Natürlich nehmen wir sie im Zweifel mit. Bestimmt könnte man sie in den nahegelegenen Dörfern in geeignete Hände geben. Aber lasst uns erstmal hier nach dem Rechten sehen. Vielleicht klärt sich ja alles auf."

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #751 am: 29.02.2020, 19:18:56 »
Als Abdo Kjartans Geschenk annimmt, strahlt dieser glücklich und marschiert voller Tatendrang den Frauen hinterher, die am anderen Ende der Eingangshalle offenbar etwas Interessantes entdeckt haben.

Rogar stiefelt hinterdrein, in Gedanken noch bei dem, was Kjartan so nebenher zu den Anfängen des Kampfes gegen die Dämonen ansprach. Von Javrud, dem "Propheten" der Menschen hat er sehr wohl gehört. Es wäre kaum möglich, noch nicht von ihm gehört zu haben, denn tatsächlich führte dieser Mann gut neunzig Jahre lang die Menschen (und immer wieder auch andere Völker) in den Kampf gegen den neuen, schrecklichen Feind, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Genau wie er. Der einzige Überlebende einer Seeschlacht[1] sei er, die weit dort draußen vor Dalarans Küsten stattgefunden habe, oder jedenfalls der einzige der Seinen, der auf Dalaran strandete, ganz in der Nähe von Ansdag. (Deswegen ist Rogar ja mit seinen beiden Gefährten Maduk und Baldur nach Ansdag geschickt worden in der Hoffnung, dass es hier—wie damals—Menschen gäbe, die sich im Zentrum des Widerstandes gegen die Horden befänden.) Skoll-Hati nannte Javrud die Dämonen und sie kämen von sehr weit her, ebenso wie sein Volk, die Luonnatar, welches sich seit langer Zeit im Krieg mit ihnen befände. Er war kein Mensch, dieser Prophet der Menschen, Javrud von den Luonnatar (so nennen ihn die Dain, wie immer korrekt). Soviel ist klar, wenn man um seine lange Lebenszeit weiß. Außerdem stehen in mehreren Städten der Dain, Rogars Heimatstadt darunter, Statuen von ihm – eine Ehre, die nur wenigen Nicht-Dain jemals zuteil wurde (Javrud teilt sie sich mit zwei Riesen, drei Hakadi und einem Elb).[2]

Die Erzählung Kjartans stimmt also halbwegs mit dem überein, was Rogar über die Zeit weiß. Ein wenig frivol geht der Junge mit der Sache um, die doch von solch historischer Wichtigkeit ist. Ja, es stimmt, dass Javrud alle fünf Völker in den Kampf gegen die Dämonen führte, auch wenn einige zwergische Historiker die Kolkar gerne unterschlagen oder sich herauszureden versuchen, dass sei schon möglich, dass die Menschen sich nicht zu schade seien, mit Kolkar Seite an Seite zu kämpfen—das sähe man ja heute wieder, dieser Gelspad-König!—aber gewiss muss das zu einer anderen Zeit gewesen sein, als die Dain noch nicht (oder nicht mehr) dabei waren. Nur einige wenige, wagemutige von ihnen erklärten: nein, es war zurselben Zeit, eben das war Javruds Verdienst! Und schließlich bedrohen die Dämonen uns alle. (Zu entscheiden, welche Seite nun recht hat, dazu hat Rogar sich bisher nicht in der Lage gesehen.) Und jetzt kommt Kjartan daher und behauptet so einfach, die Ninae sei dabei gewesen und es sei so gewesen, dass sechs Völker sich unter Javruds Banner vereint hätten: Mensch, Dain, Elb, Kolkar, Riese[3] und sogar die Feen, die von keinem dainschen Historiker in diesem Zusammenhang je erwähnt wurden! Hm.

~~~

Nicht ahnend, dass die Zweibeinerin, die sich ihrer so fürsorglich annimmt und sie mit Wasser, vorgekautem Fleisch und Streicheleinheiten versorgt, gerade die neunfache Gnadentötung an ihnen als eine von drei möglichen Ausgängen erwägt, drängen die Welpen sich um Lîf (wenn sie nicht gierig von der Wasserschale schlürfen) und werden immer wagemutiger; der wagemutigste unter ihnen klettert auf ihren Schoß und kuschelt sich an sie.

"Wenn Du sagst, dass Gaja es so befiehlt," erwidert Tristan, doch klingt so zögerlich dabei wie zuvor in Reaktion auf ihren ersten Vorschlag. "Bei den ganz jungen tut's mir halt leid. Die hab' ich noch immer vor den Klingen der Fahrtenbrüder zu bewahren versucht oder auch dem Flammentod. Wenn sich hinterher niemand in der Gegend gefunden haben sollte, der die Waisen aufnimmt, so sei dies deren Schande, nicht die meine." Abermals stellt Tristan fest, dass er mit der Elbin einer Meinung ist. Andererseits... "Men selvfølgelig er du drudkvinden."[4] Ärger mit seinem Weib wegen ein paar Welpen will er dann doch nicht riskieren.

Derweil marschiert Abdo, gefolgt von Rogar, Aeryn und Freydis, welche ihren leuchtenden Streitkolben hochhält, bereits zur nächsten Tür und stößt sie beherzt auf.

In der recht großen Kammer dahinter herrscht ein ziemliches Durcheinander, sodass er auf den ersten Blick nicht gleich erkennt, welchem Zweck sie dient. Menschenleer ist der Raum, das ist wohl sofort klar. Auch keine Hundemutter versteckt sich hier. Es riecht feucht und metallisch.

Zwei Fenster hat's—klein und halb unter dem Erdlevel, wie schon gewohnt—durch die ein wenig Tageslicht fällt. Schmale Tische stehen entlang der Außenwand und jeweils links und rechts, ein breiterer Tisch in der Mitte. Eimer und Zuber in großer Zahl stehen im ganzen Zimmer verteilt, Töpfe und Körbe reihen sich unter den Tischen entlang der Wände aneinander, etliches Gerät liegt rechterhand achtlos in der Ecke. Bretter und dicke Holzstangen sind darunter, Holzlöffel und Holzzangen. Nicht weit davon entdeckt er ein dreckiges Schaffell. Auf dem rechten Tisch liegt eine einzelne, ebenfalls recht dreckige Schürze.

Auf dem breiten Tisch in der Mitte liegt dagegen Werkzeug ganz anderer Art. Verschiedene Messer finden sich hier, wohl sortiert, sowie ein Kästchen mit Nadel und Faden und eines mit einem halben Dutzend tönernen Fläschchen. Die Tischplatte ist fleckig und zerkratzt. Gurte wurden um sie herum gespannt, auch diese sind dreckig. Eine Rinne wurde in den Tisch gekerbt, einmal komplett außen herum, mit einem Durchbruch am Fuß des Tisches, worunter ein Eimer zum Auffangen steht.

Der Boden des Raumes ist fast vollständig gefliest (will heißen, die alten, akadischen Fliesen sind hier halbwegs intakt oder wurden zusammengetragen, als das Haus drumherum gebaut wurde), doch die Wände sind aus Holz mit Ausnahme der linken, inneren Ecke, welche von der Rückwand der Kellertreppe gebildet wird. Hier befindet sich ein Loch in der Wand, darüber an einer Öse aus Eisen ein Seil hängt, welches mit einem Ende in der Wand verschwindet, während das andere durch einen dicken Knoten daran gehindert wird, durch die Öse zu rutschen und ebenfalls in dem Schacht dahinter zu verschwinden.

Nahrung für die Welpen gibt es hier nicht.
 1. Edit Gaja: unklare Formulierung verbessert
 2. Bild per PM.
 3. Sorry, ich hatte im vorigen Post die Riesen unterschlagen; Kjartan hat sie nicht vergessen, ich hab's nachgetragen.
 4. Värangsk: "Aber natürlich bist du die Druidin/Weise Frau."
« Letzte Änderung: 15.03.2020, 11:37:05 von Gaja »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #752 am: 29.02.2020, 20:16:06 »
Das Verhalten der jungen drudkvinde scheint nicht zu ihren harten Worten zu passen, liebkost sie doch während des Sprechens die Welpen und bereitet ihnen gar mit ihrer Schürze eine kuschelige Unterlage auf ihrem Schoss. Sie sieht zu Tristan auf und meint nach einem Seitenblick in Aeryns Richtung: "Gaya befiehlt uns, alle ihre Kinder zu lieben - aber wenn ich sie nicht retten kann, mag Liebe auch bedeuten, ihre Leiden zu verkürzen... Glaubt nicht, dass es mir nicht wehtun würde" wirft sie dann noch deutlich leiser in die Runde. Zu dem Vorschlag, vorerst einmal weiter nachzuforschen, nickt sie nach einigem Nachdenken. Vorsichtig nimmt sie die kühnsten Ausreißer auf und sammelt sie auf ihrem Schoss. "Ich kümmere mich einstweilen um die Kleinen. Ruft mich, wenn ich euch helfen kann. Beim Schleichen und Durchsuchen enger Winkel bin ich fürchte ich im Moment nicht zu viel nutze" seufzt sie. Es scheint ihr gegen den Strich zu gehen, die anderen nach vorn zu lassen und ihre Neugier zu bezähmen, doch trotzdem sie so harte Schritte ins Auge fasst, verweigert sie sich nicht ihrer Pflicht den hilflosen Welpen gegenüber.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #753 am: 29.02.2020, 23:26:15 »
Erst jetzt kommt das Geplapper des jungen Kjartan, das er so gerne überhört, in Abdos Verstand an und plötzlich wird er durch das Schlüsselwort "Dämonen" hellhörig. Die Geschichte des jungen Mannes ist wie so oft für ihn nicht verständlich, doch soviel nimmt er mit: Dieser Javrud, wenn es ihn denn gab, versammelte alle Völker, von denen es hier erstaunlich viele zu geben scheint, hinter dem Kampf gegen die Shetani - etwas, das in seiner Heimat nicht geschehen ist, wofür aber auch überhaupt keine Zeit blieb angesichts eines Blitzangriffes. Mit einem Mal sieht er Kjartan mit anderen Augen - womöglich ist der Mann doch zu etwas nutze.

Doch den Gedanken schüttelt er erst einmal ab, denn eine ausführliche Diskussion zu den Shetani kommt hier gerade zur Unzeit; noch immer haben sie, abgesehen von den Hunden, in diesem Haus keine lebende Seele getroffen - etwas ist definitiv im Argen hier.

Als Abdo die Tür öffnet (und zwischen der Konzentration auf die Aufgabe und den Gedanken an die Shetani die hinter ihm aufkommende Diskussion um das Schicksal der Welpen dankenswerterweise überhaupt nicht mitbekommt), stutzt er zunächst über das, was hier zu sehen ist. Auf den ersten Blick wirkt es wie die Küche, doch schnell ist klar, dass dem nicht so ist. Stattdessen sieht es eher wie ein Operationszimmer aus, das er in seiner Kindheit einmal in der großen Klinik in der Heimat gesehen hat - wenn auch etwas primitiver. Auf den dritten Blick jedoch kommt ihm ein neuer Gedanke, der ihm so unvorstellbar vorkommt, dass er kurz ins Wanken gerät. Die Riemen, die Rinne: Ist das hier ein Ort, an dem Menschenopfer erbracht wurden?

Der Ya'Keheter geht zum Tisch, um ihn nach Blutspuren und sonstigen Resten zu untersuchen, die seinen grausamen Verdacht bestätigen könnten.[1] Erst danach sieht er sich das Seil an, das an einer Seite des Raumes durch die Wand geführt wird.[2]
 1. Perception: 26
 2. Perception: 19 (Skill passt vielleicht nicht)

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #754 am: 02.03.2020, 06:43:07 »
Mit ein wenig Zögern nimmt Rogar Kjartans Faden auf und bestätigt: "Ninaes Darstellung der Geschichte Javruds ist interessant, deckt sie sich doch - obwohl nur mündlich und nicht schriftlich festgehalten - mehr mit dem historischen Geschehen als es die der Klosterbewohner getan hat. Einen Streitwert aus einem Streit zu entfernen, bevor dieser gerichtlich geregelt worden ist, ist trotzdem nicht ehrenvoll. Wobei mir hier bisher keine Gerichtsbarkeit untergekommen ist, die unvoreingenommen und gerecht geurteilt hätte. Mit dem Verfall des Klosters und dem Verlust seiner Bewohner ist es eh müßig geworden, darüber zu streiten." Bei seinen eigenen Fläschchen Heilwasser macht er sich nur wenig Gedanken.

Bei dem Hin und Her was die Zukunft der Welpen angeht mischt er sich nicht ein, zuwenig ist er mit der Thematik vertraut. So sehr die Dain das Geschenk des Lebens schätzen, ist ihnen bewusst, dass das Durchfüttern nutzloser Mäuler einer Orgsnisation immensen Schaden zufügen kann. Die schwangere Menschenfrau bei den Tieren zu lassen nimmt er fürs erste hin, vor dem Weg nach unten würde er aber schon Einwände gegen die Trennung erheben.

Beim Anblick des nächsten Raumes bleibt der Apothekarius ruhig, sein Verdacht geht eher in Richtung Werkraum eines Heilers. Entsprechend unterzieht er die Tongefäße und das Werkzeug einer flüchtigen Untersuchung[1], sein Augenmerk geht schnell dazu über, verborgene Nischen, Kammern oder Zugänge zu suchen[2]. Als Abdo sich dem Seil nähert, schaut Rogar kurz rüber, ob das Loch groß genug für das Durchreichen von einem Gefäß an dem Seil ist und warnt dann: "Falls an dem Seil etwas hängt, sollten wir uns vor dem Betätigen im Klaren sein, ob wir unsere Anwesenheit immer noch ankündigen wollen."
 1. falls notwendig: Heilkunde 5 oder Alchemie 6
 2. Wahrnehmung 15/17

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #755 am: 15.03.2020, 19:09:05 »
Wahrscheinlich ist es gut, dass Abdo die Welpen-Diskussion gar nicht mitbekommt. Sonst hätte er sich womöglich abermals über sein Gastland wundern müssen: wie selbstverständlich da einer über die reihenweise Ermordung von Menschenkindern sprechen konnte—auch wenn der Sprecher selbst die jüngsten davon stets zu retten versuchte—ohne dass einer der Anwesenden sich darüber empörte. Oder ist Lîf die einzige, die begreift, von was ihr Gatte da spricht? Vielleicht muss man Feenblut in den Adern haben, um von Menschenkindern nicht anders als von Welpen zu reden, denn der Feen- wie auch Gajas Blick unterscheidet zwischen diesen zwei Geschöpfen nicht.

Während Lîf und Tristan also bei den Tieren zurückbleiben—letzterer sichert mit gezogener Klinge Richtung Kellertreppe und Eingangshalle—sehen Abdo und Rogar sich in der großen Kammer genauer um.

Abdo untersucht den Tisch in der Mitte. Sein erster Eindruck, dass es sich hierbei wohl um einen Operationstisch handelt, verfestigt sich, doch zwei Auffälligkeiten beunruhigen ihn. Ja, Tisch, Raum und das meiste Gerät sind wesentlich primitiver als die Einrichtung des Sinai-Spitals zu Surail (benannt nach dem Propheten seiner Heimat, der als Gründer galt)—vor allem fehlt das Waschbecken mit fließend Wasser—doch die verschiedenen Messer in dem Ledermäppchen sind hervorragend gearbeitet. Fast hätten sie einem der Heiler seines Ordens gehören können. Fast soll heißen: wenn sie nicht so dreckig wären. Im Orden von Ekdal hielten die Heiler ihre Instrumente peinlich sauber, denn wie ihre Zunft lehrt: durch Unreinlichkeit verbreitet sich Krankheit. Abgesehen davon aber scheint Abdo die Qualität der Klingen, sowie ihre Vielzahl—auch eine Knochensäge ist dabei—ganz und gar erstaunlich.

Die zweite Auffälligkeit lässt sich schwerer erfassen. Zunächst eine Entwarnung: sicherlich, wenn hier ein Opfer stattgefunden hätte, gäbe es irgendwelche rituellen Gegenstände, Ornamente oder Symbole, doch er entdeckt nichts dergleichen. Während seines ersten Winters hierzulande, den er auf Albion verbrachte, hatte er so ein Opferfest—also mit Tieropfern—miterlebt. Diseblót nennen die Einheimischen das Fest, welches gegen Ende des Winters stattfindet und dazu dient, die Wintergeister, auch Disen genannt, auszutreiben. Das ginge eben nur mithilfe von Tieropfern, erklärte Hilda ihm bereitwillig und fügte mit wohligem Schauer hinzu: aber auf den Rûngard-Inseln, da opfern sie Menschen! Nun. Jedenfalls wurde das Disenspektakel mit einer Vielzahl an rituellen Handlungen und religiösen Paraphernalia begleitet, von denen hier im Raum jegliche Spur fehlt. Die Riemen da wären sicherlich auch notwendig, wenn man einen Patienten mit der Knochensäge bearbeitet, und eine Blutrinne wäre dabei auch nicht verkehrt.

Was Abdo nun aber beunruhigt: dass er nicht sagen kann, ob hier ein Mensch oder ein Tier behandelt wurde. Oder gar beides? Die Riemen da jedenfalls waren wohl um Hand- und Fußgelenke geschlungen, der breite um die Körpermitte, doch das, was er zunächst für Haare hielt, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung um Tierfell. Schwarz und weiß, wie das der Welpen. Ihm schwant nichts gutes.

Rogar, der sich in Abdos Nähe hält, kommt zu ähnliches Erkenntnissen bezüglich des chirurgischen Bestecks. Ha, Zwergenqualität! Kein menschlicher Handwerker brächte so etwas zustande, das ist mal gewiss. Worauf er sich in Spekulationen verliert, wie das Werkzeug hierher, in menschliche Hände, gelangt sein könnte. Solchermaßen abgelenkt, kann er sich kaum auf eine Untersuchung des weiteren Materials konzentrieren, die Töpfe und Tiegel. Einer davon enthält wohl starken Alkohol, ein anderer irgendwelche Kräuter, ein dritter ist randvoll mit einem kristallinen Pulver.

Mehr fällt dem Dain dazu nicht ein, als Abdo sich bereits vom Operationstisch ab- und dem primitiven Seilzug zuwendet. Diesen an sich findet der Zwerg nun weniger interessant—neben der Feststellung, das Menschen offenbar auch von Seilzügen wenig Ahnung haben—und so sucht Rogar lieber Fliesen, Mauerwerk wie auch die Holzwände nach Verborgenem ab.

Verborgenes im eigentlichen Sinne findet er dabei nicht, aber dennoch gelangt er zu mehreren Erkenntnissen. Erstens führt der Seilzug offenbar zwischen Wand und Treppe in den Keller. Zweitens befindet man sich etwa in Höhe des Brunnens. Drittens ist das Loch in der Wand groß genug zum Hindurchheben eines Eimers. Viertens riecht es hier, wenn auch schwach, nach Seife. Rogars Blick wandert zu den Eimern und Zubern hinüber, die er beim Betreten des Raumes flüchtig zur Kenntnis genommen hat. Dazu die beiden Bretter mit den gewellten Kerben, die dicken Holzstangen... braucht man das nicht zum Wäsche waschen? Das alles lässt, fünftens, Zweifel in ihm aufsteigen, ob es sich bei dieser Kammer, jedenfalls in ihrer primären Funktion, um den Werkraum eines Heilers handelt. Ein weiterer Rundblick verstärkt den Eindruck, dass hier offenbar eine Zweckentfremdung stattgefunden hat.
« Letzte Änderung: 15.03.2020, 20:42:20 von Gaja »

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #756 am: 15.03.2020, 19:30:55 »
Aeryn steht noch außerhalb des Raums in der Nähe des Eingangs. Sie beobachtet den Raum und die Durchsuchung desselbigen von dort aus. Eine Mischung aus Heiler- und Folterkammer. So weit auseinander lagen diese beiden Tätigkeiten wohl auch nicht, wenn man so darüber nachdachte, wovon die Elbin schnell wieder Abstand nahm, da ihre Gedanken sie nur unnötig beunruhigten.

"Irgendetwas Interessantes gefunden?" fragt sie nach einer Weile in den Raum hinein.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #757 am: 20.03.2020, 08:35:17 »
Kjartan, der seinem Idol in die große Kammer gefolgt war, verliert bereits wieder das Interesse, als dieser zu lange den Tisch untersucht. Ziellos wandert er umher und schließlich wieder zur Tür hinaus, um sich zu Lîf und den Welpen zu gesellen. Dort geht er in die Hocke und streichelt die Tiere mit beiden Händen, ein wenig ruppig vielleicht, aber das scheint ihnen nichts auszumachen. Sie umdrängen ihn eifrig.

"Wie putzig sie doch sind", sinniert er verträumt. "Und so zutraulich. Nichts Böses ahnen oder haben sie im Sinn. Schade wäre es doch arg, wenn ihnen etwas geschähe. Aber so ist es nun einmal auf dieser Welt: die jungen, arglosen, wehrlosen sterben so leicht, wie der Kämpfer auf dem Schlachtfeld, wenn nicht gar leichter. Man kann sie nicht alle schützen. Man kann einfach nicht alle retten, die man gerne retten würde."

Er schweigt eine Weile, während er mit abwesendem Blick weiterhin seine Streicheleinheiten unter den Welpen verteilt. Am Ende seines Gedankenganges angelangt, überkommt ihn ein sichtlicher Schauer.

"Das versteht Ninae so gar nicht", sagt er. "Die Sache mit dem Sterben, weißt du? Deswegen hat sie auch nicht viel Mitleid mit uns. Sie versteht es einfach nicht. Ich habe einmal versucht, mit ihr über den Tod zu reden – sie versteht einfach nicht, was daran schlimm sein soll. 'Der Lauf der Natur', und so weiter. Aber weißt du, was sie sagt? Es geht niemand verloren. Jede Stimme lebt weiter in Gaja. Das klingt doch irgendwie schön, nicht wahr? Es geht niemand verloren. An diesen Gedanken kann man sich klammern."

Doch dann verdüstert sich sein Blick und ohne Vorwarnung stößt er die Welpen von sich.

"Außer, es sind Dämonen im Spiel. Alles, was sie berühren, geht verloren."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #758 am: 22.03.2020, 14:21:12 »
Überrascht sieht Lîf auf, als Kjartan sich zu ihr hockt. Seine etwas unbeholfenen Versuche, die Welpen zu streicheln, entlocken der jungen drudkvinde allerdings ein Lächeln. "Das sind sie, wie fast alle jungen Tiere" stimmt sie zu, während sie selbst von den kleinen Fellbündeln als Klettergelegenheit, Schlafhöhle und Mutterersatz eifrig genutzt wird. Der Rotschopf seufzt leise. "Nein, alle retten kann man nicht, und es wäre auch nicht sinnvoll. Nur jene, die gute Überlebenschancen haben, rettet auch ein Muttertier, wenn das Futter zu knapp wird oder Beutegreifer sie bedrohen und sie nicht alle schützen kann. Die Große Mutter gibt in Ihrer Güte, aber Sie gibt nicht endlos. Manchmal kann es weh tun, sich entscheiden zu müssen..." Ihre Augen verschleiern sich für einige Momente, ehe sie tief durchatmet:

Wie ein schlanker, junger Baum, dessen Äste mit den dürren Blättern im Herbst in einem Windzug rascheln, wenn er von einer heftigen Böe gebeugt wird, scheint sie ein Stück in sich zusammenzusinken, wirkt irgendwie älter, melancholischer – ehe sie sich wieder aufrichtet gleich dem besagten Baum, dessen saftiger, biegsamer Stamm vom Sturm nicht gebrochen wurde. Ihr Gesicht, von den roten Locken umrahmt, macht nun mehr den Eindruck eines jungen Mädchens, als sie fortfährt: "Aber wenn auch nicht alle, so kann man doch so manche retten. Und das ist, was uns die Herrin gebietet: Unsere Kraft nicht zu verschwenden an Kämpfe, in denen wir unterliegen müssen, um desto heftiger in den anderen zu streiten!" In den grünen Augen scheinen winzige Perlen oder Blitze zu funkeln, und womöglich lässt sich aus dem Vibrieren in ihrer Stimme erahnen, warum Tristan so manches Mal nur seufzend die Augen verdreht, statt ihrem Eifer Einhalt zu gebieten.


Dieses Glitzern bleibt, in einer sanfteren Form, auch weiterhin sichtbar, während sie Kjartan mit leicht geneigtem Kopf zuhört. "Tja..." meint sie schließlich, "ich glaube, sie kann es auch gar nicht verstehen, weil es für sie kein Sterben gibt, wie wir es kennen. Es liegt nicht in ihrer Natur." Sinnierend blickt sie an die Decke, während ihre Hände gedankenverloren die unternehmenden Welpen zusammenzuhalten versuchen. "Aber ich spüre, dass eine tiefe Wahrheit in ihren Worten liegt. Die Mutter gebiert uns alle, und zu ihr kehren wir auch wieder zurück, wenn wir unsere Reise in dieser Welt beenden. Denn die Mutter ist der Ursprung und die Bestimmung." Eine schlanke Hand sammelt die von ihm verstoßenen Welpen ein, ehe sie sich leicht auf seinen Unterarm legt. "Nein. Sie mögen besudeln, was immer sie berühren, doch die Natur der Dinge vermögen sie nicht zu ändern. Das kann nur Sie!" Ihre Stimme wird eindringlich: "Du musst fest daran glauben, dass wir alle einst wieder im Schoss der Mutter geborgen sein werden. Zweifel und Angst sind die größten Waffen Ihrer Feinde – lass nicht zu, dass sie Zweifel in dein Herz säen!"

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #759 am: 27.03.2020, 18:13:19 »
Sich des steigenden Eifers ihrer Rede bewusst wird, wirft Lîf einen Seitenblick in Richtung des Gatten. Dass er seufzend die Augen verdreht, hätte sie erwartet; statt dessen blickt er finster. Immer wieder geht sein Blick, der ja eigentlich der Kellertreppe gilt, misstrauisch über die Schulter, und zwar nicht zu seinem Weib hinüber, sondern zu dem frechen Kerl neben ihr, der da so eng neben ihr hockt, so vertraulich mit ihr spricht. Jetzt werden gar Berührungen ausgetauscht!

Nicht weniger ahnungslos als die Welpen ob der unterschwelligen Gefahr, in der er schwebt, plappert Kjartan munter weiter.

"Doch" widerspricht er der drudkvinde. "Eben das können, das tun die Dämonen: die Natur der Dinge ändern. Das macht sie ja so gefährlich. Was glaubst du denn, warum die Feen sich uns Kurzlebigen im Kampf gegen sie angeschlossen haben? Warum sie uns sogar, damals zu Javruds Zeiten, in ihre Geheimnisse wie die Heilkraft des Quellwassers einweihten, welche vorher so streng gehütet waren? Wenn es bloß um einen Feind ginge, der uns alle umbrächte, würden sie da eingreifen? Wenn die Kolkar etwa oder vielleicht die Franken bei uns einfielen und uns alle erschlügen, würden die Feen uns da beistehen? Wenn es bloß eine schreckliche Pest wäre, die unter uns wüten täte und jeden zweiten von uns dahinraffte oder auch alle, würden sie uns da zu ihrer Quelle führen und von ihrem Wasser geben? Du kennst die Antwort so gut wie ich: niemals. 'Das ist der Lauf der Natur' hätten sie gesagt. Aber eben den zerstören die Dämonen. Und nur deshalb kämpfen auch die Feen gegen sie, sogar Seite an Seite mit uns Kurzlebigen, wenn's sein muss."[1]

Gegen Ende seiner Rede blickt Kjartan sich mehrmals um. Hat er nun doch Tristans böse Blicke bemerkt? Jedenfalls springt er auf und wendet sich Lîfs Gatten zu.

"Jetzt sag' mir mal einer: was ist denn da so interessant an der Kellertreppe? Warum schaut nicht einfach mal wer nach, was es da unten gibt?"

Und schon prescht er, mit gezücktem Sax, die Stufen der Wendeltreppe hinunter.
 1. Nochmals der Hinweis: wenn die Gruppe etwas weiter verteilt ist (aber nicht wirklich getrennt), entscheidet jeder Spieler selbst, ob und wieviel er von dem mitbekommt, was die etwas weiter Entfernten sagen oder tun. Hier also: wer will, hört das Gespräch zwischen Kjartan und Lîf, oder zumindest die Teile, die ihn oder sie aufhorchen lassen.

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #760 am: 29.03.2020, 13:12:21 »
Das Verhalten Kjartans lässt Lîf unwillkürlich ein wenig schmunzeln. Für ihre Begriffe hat er viel von einem kleinen Jungen an sich, der mehr kühn als überlegt die Welt mit neugierigen Augen durchwandert. Als drudkvinde wärmt der Gedanke ihr Herz, dass es Menschen gibt, welche die Gaben und Geschenke der Großen Mutter noch so einfach und ehrlich bewundern können. Daher zieht auch ein weiteres Lächeln über ihre Lippen, als er so vehement widerspricht und seine Meinung darzulegen versucht. Tristan streift ein Blick, in den sie zwei Botschaften zugleich zu legen fertigbringt: Einerseits die Bitte, dem offenbar so Unbedarften seine unschuldige Nähe zu ihr nicht übelzunehmen (wobei ihr die Eifersucht ihres Gatten natürlich insgeheim schmeichelt – wenn sie nur nicht so offenkundig zutage träte..!), andererseits einen stummen Tadel. Immerhin ist sie trotz ihrer Schwangerschaft kein völlig wehrloses Kind, und zu helfen weiß sie sich durchaus. Daher unterdrückt sie auch ein leicht genervtes Schnauben. Denn auch der Zwerg, den man wie sie nun weiß keinesfalls als solchen ansprechen sollte, sucht sie offenbar in Watte zu packen. Was der temperamentvollen jungen Frau nicht sonderlich zusagt.

Sie wendet sich wieder an Kjartan, lässt die Hand behutsam auf seinem Unterarm ruhen, um ihm ein wenig von seinen Sorgen zu nehmen (und womöglich auch ihrem Tristan zu zeigen, dass sie ihren eigenen Willen hat). "Sicherlich haben die Feen einen anderen Blick auf die Dinge als wir" gibt sie zu. "Was für uns unendlich wichtig ist, berührt sie nicht, aber sie sorgen sich um das, was uns kaum belastet. Wenn sie die Dämonen als eine Gefahr einschätzen, der es zu begegnen gilt, dann ist das gut. Aber es heißt nicht unbedingt, dass diese Gefahr machtvoller ist als-" Hier bricht sie ab, weil er so unvermittelt aufspringt, wie es eben ein kleiner Junge täte. Ihr Blick folgt seinem, geht zwischen Tristan und ihm hin und her, mit einem kleinen Seufzer. Und noch ehe sie etwas sagen kann, ist Kjartan auch schon auf dem Weg die Treppe hinab. Sie seufzt nochmals, sendet ihrem Mann einen weiteren Blick, der diesmal eindringlich darum bittet, sich nicht über Dinge wie eine harmlose Berührung zu streiten. Denn wenn Kjartan in einem recht hatte, dann darin: Sie haben es mit einem Übel zu tun, das dringend beseitigt werden muss, und dafür sollten sie alle zusammenhalten.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #761 am: 29.03.2020, 13:58:19 »
Abdos Blicke bleiben lange an dem Operationstisch - denn das muss er gewesen sein - und dem zugehörigen Utensil hängen, und nach einer Weile des Zögerns entschließt er sich, das Ledermäppchen mit den Messern und der Säge an sich zu nehmen. Ihm scheinen sie nicht recht in diese Umgebung zu passen, so gut sind sie gearbeitet, und wem immer sie gehört haben, würde sich sicherlich freuen, sie wieder zurückzuerhalten. Doch reinigen wird er sie später noch müssen.

Während der Untersuchung des Tisches jedoch weicht das Blut mehr und mehr aus Abdos Kopf, und selbst für die weißgesichtigen Einheimischen ist bei genauem Hinsehen zu erkennen, wie blass der Ya'Keheter geworden ist. Er wirft nur einige flüchtige Blicke auf das Loch in der Wand, dann zieht es ihn zu Lîf, und er bedeutet den übrigen, es ihm gleich zu tun.
"Erinnert ihr euch an die Seuche, als wir zum ersten Mal nach Ansdag kamen?" Natürlich erinnern sie sich, es ist ja erst wenige Tage her.
"Es hieß, die Kranken würden sich in Monster verwandeln. Ich habe es selbst nicht gehört, aber hat Solveig nicht von Krallen gesprochen? Auf dem Tisch dort drin wurde etwas festgezurrt. Ein Mensch, hatte ich zuerst gedacht. Aber es waren überall Spuren von Tierfell zu sehen. Ein großer Hund, oder ein Wolf? Nein, dazu passten die Riemen nicht. Vielleicht ein Mensch, der sich in irgendetwas verwandelt hat? Das könnte sein.

Doch das ist nicht alles: Hier, das ist ein Stück des Fells, das ich gefunden habe. Kommt es euch bekannt vor?"
endete er mit einem bedeutungsschwangeren Blick auf die Welpen. Er wagt nicht, das auszusprechen, was er befürchtete: Dass diese Welpen die Abkömmlinge eines Monsters - halb Mensch, halb Tier - sein könnten. Und schon gar nicht will er über die Konsequenzen nachdenken, wenn es so sein sollte: Was sie mit den Tieren tun müssten.

Erst jetzt fällt ihm auf, dass Kjartan schon wieder fehlt, und Lîfs Blick immer wieder in Richtung der Treppe geht.
"Oh nein!" entfährt es ihm, als er auch schon die Beine in die Hand nimmt und dem jungen Mann die Treppe hinunter folgt, hoffend, dass es noch nicht zu spät ist.

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #762 am: 12.04.2020, 19:16:34 »
Aeryn lauscht Abdos Worten und zieht eine Augenbraue hoch, als er seine Vermutungen äußert und sein Fundstück vorzeigt.

"Das passt in der Tat gut zu den Welpen. Du meinst also, so eine Art Werwesen wurde hier behandelt und die Mutter der Welpen spielte dabei auch eine Rolle? Was meinst Du dazu, Rogar? Vielleicht sollten wir auch Lîf einmal hierzu befragen. Als Heilerin mag sie dies etwas besser einschätzen können."

Die Elbin zuckt mit den Schultern.

"Für mich könnte das hier genausogut der Opferraum irgendeines verrückten Kults sein."

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #763 am: 14.04.2020, 14:42:15 »
Rogar hebt gerade an, auf Aeryns Frage nach seinen Entdeckungen zu antworten, da kommt Abdo ihm zuvor. (Außerdem scheint er sich das Mäppchen mit dem zwergischen Chirurgen-Besteck geschnappt zu haben, jedenfalls liegt es nicht mehr auf dem Operationstisch.) Und dann rennt der Mensch auch noch ohne Erklärung aus dem Raum, nicht weniger panisch, als hätte er einen Grubenvogel tot in seinem Käfig entdeckt.

Der Zwerg ist nicht der einzige, den die Ereignisse überrumpeln. Während Aeryn noch per fragendem Blick Lîf zur Beteiligung an dem Gespräch einläd, stürmt ihr bisheriger Gesprächspartner plötzlich mit einem Schreckensausruf davon. Auch Freydis reagiert nicht schnell genug; der warnende Hinweis liegt ihr wohl auf der Zunge, es zuckt der Arm, der den leuchtenden Streitkolben hält, in die richtige Richtung, aber da sind die beiden Männer schon die Kellertreppe hinab verschwunden. Tristan steht unschlüssig vor der ersten Stufe und lauscht, bereit, ihnen nachzusprinten, falls sein Schwertarm gebraucht würde.

Aus der Tiefe—Abdo ist noch auf halber Treppe—tönt ein Poltern, ein Kullern, darauf ein Fluch.

"Huch, ist das hier dunkel!" ruft Kjartan verdutzt.

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #764 am: 16.04.2020, 18:31:44 »
Rogar hat in Ruhe die Dinge studiert, die ihn interessierten, was so mit Waffen und Schild in Hand und Arm nicht gerade einfach fiel. Nebenbei versuchte er höflich den Gesprächen zu folgen und sich unfreundliche Kommentare zu verkneifen. Erneut stellt er fest, dass Aeryns Blick seinem am meisten ähnelte, die Menschen maßen den Dingen noch ganz andere Bedeutungen bei.

Die mehr in seine Richtung gehenden Fragen beantwortet er sorgfältig: "Die Ausstattung des Raumes eignet sich für einen Apothekarius, sowohl zur Heilung als auch zur Chirurgie. Das muss nicht auf Menschen beschränkt sein, Haustiere könnten ebenfalls behandelt werden. Gerade die Seife und die Gerätschaften da drüben" - er weist auf Zuber, Holzwalzen und ähnliches - "weisen auf einen Missbrauch als Waschraum hin. Zur Verarbeitung von Schlacht- oder Jagdvieh könnte der Raum auch verwendet worden sein." Die Anspielung auf Werwesen lässt den Dain seinen Kopf schütteln: "Bisher haben alle Opfer dieses Fluches eher wenig Verwandlung ihres Äußeren aufgewiesen, und wenn - man denke an den Abt - eher in pflanzliche Richtung."

Abdos Griff nach dem Chirurgenbesteck entlockt ihm ein Schmunzeln - Wertarbeit scheint geschätzt zu werden - dann verursacht Kjartan einen Tumult. Eben hat Rogar Abdo ein paar Worte mitgeben wollen, da rennt er auch schon hinterher. "Gyda'r hynafiaid!"[1], entfährt es dem Dain verärgert. Er verschafft sich kurz den Überblick und wirft Freydis einen auffordernden Blick zu, ob sie folgen will. Sowohl an Aeryn als auch Tristan gewendet schlägt er vor: "Bis unsere Heilerin soweit ist, bleibt bitte in Rufweite oder wartet auf unsere Rückkehr. Ich beschütze unsere 'Vorhut', da unten bin ich mehr in meinem Element."

Er lässt sich ein wenig Zeit, Abdo und Kjartan nachzukommen, um die Antworten und Reaktionen der oben gebliebenen nicht zu verpassen. Auf der Treppe nach unten bleibt er am Übergang zur Dunkelheit stehen, schließt die Augen und schlägt mit der flachen Seite der Axt gegen den Schild. Dann öffnet er die Augen und taucht zielgerichtet mit grimmigem Gesichtsausdruck in die Dunkelheit.
 1. 
Dain (Anzeigen)

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