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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 82633 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #930 am: 22.04.2021, 11:46:05 »
"Uther!" Aeryn versucht weiter, die Aufmerksamkeit des Mannes auf das zu lenken, was wirklich wichtig ist. "Reißt euch zusammen! Es muss eine Entscheidung getroffen werden."

"Euer Vater ist nicht mehr in der Lage dazu, daher liegt es nun an Euch! Solange das Lebensband nicht durchtrennt wird, bleibt der Fluch über diesen Ländereien bestehen. Es muss sein. Wir müssen ihn erlösen. Wir sind bereit dies zu tun, aber wir brauchen Euer Einverständnis. Immerhin war er der Fürst dieser Region, genau wie Ihr es jetzt als sein Nachfolger seid."

"Ich kann lesen. Was ihre Beweggründe waren spielt nun keine Rolle mehr, aber wir können gerne versuchen, mehr darüber in ihren Schriften zu finden, wenn das hier vorbei ist."
« Letzte Änderung: 29.04.2021, 17:27:12 von Aeryn »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #931 am: 22.04.2021, 16:08:34 »
Tristans Worte treffen Lîf sichtlich. Ihr Blick huscht zu dem bedauernswerten Wrack, das womöglich einmal ein Mensch gewesen ist, und sie starrt es mit brennenden Augen an. Doch schließlich nickt sie ihrem Mann zu und steht wieder auf, langsam, als ob sie gegen schwere Gewichte ankämpfen müsste. Freydis erwidert sie, ohne die Berührte anzublicken: "Erzähl alles, was du weißt – sobald getan ist, was... getan werden muss." Ihre Stimme bricht für einen Moment, doch sie geht entschlossen auf ihr Ziel los, bis sie dicht vor Uther steht.

"Sie hat recht" kommentiert die drudkvinde Aeryns Worte. "Es wird eine Erlösung für ihn und für das Land sein." Sie hebt das Sax, bis die Klinge zwischen ihnen steht. "Ihr müsst beweisen, dass Ihr das Land und sein Volk genug liebt, um diese Prüfung zu bestehen. Ihr müsst nun der Fürst sein und für das Wohl aller handeln, so schwer es Euch ankommen mag. Zeigt die Entschlossenheit eines Anführers..." Sie dreht die Waffe, bis der Griff auf ihn zeigt. "...und das Mitgefühl eines Sohnes. Die Augen der Großen Mutter ruhen auf Euch. Tut den ersten Schritt, die Wunden zu heilen, die Ihr und den Euren geschlagen wurden."

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #932 am: 26.04.2021, 16:33:38 »
"Gut", beginnt Freydis, als Abdo ihr auf die andere Seite des Raumes folgt. (Kjartan war ihnen zunächst auch gefolgt, doch hat sich auf halber Strecke von irgendwas anderem ablenken lassen, sodass Abdo der einzige Zuhörer der halblauten Erzählung wird.)

"Harald der Unverzagte, einer der weniger besungenen Ahnen bei uns auf Albion, lebte zu der Zeit, als die Dämonen in den Bergen im Süden Dalarans auftauchten und über Jongot herfielen. Er war ein junger Mann, als er davon erfuhr, dass ein großer Stammesführer, Javrud von den Luonnatar, Kämpfer um sich versammelte, um gegen die Eindringlinge anzukämpfen, und da Harald als jüngster Sohn auf Albion wenig Aussichten hatte, zog er gen Jongot und schloss sich Javrud an. Fast zwanzig Jahre lang kämpfte er an der Seite des späteren 'Propheten' und gehörte wohl zum inneren Kreis, war ihm ein regelrechter Freund und Vertrauter, oder zumindest rühmte Harald sich dessen in seinen späteren Jahren. Egal, wie sehr er da womöglich übertrieben hat, aber eine ordentliche Portion Respekt muss er sich bei Javrud verdient haben, sonst ließe sich der Rest der Geschichte nicht glaubhaft erklären."

An dieser Stelle wird Freydis durch Lîfs energisches Auftreten unterbrochen. Zusammen mit Aeryn versucht die Heilerin, den Fürstensohn dazu bewegen, den Vater zu erlösen, wie auch die restliche Bevölkerung, für die er nun die Verantwortung habe. Ihre Bitte, mit der Geschichte zu warten, bis dies geklärt ist und sie auch lauschen könne, lässt sich schwer ausschlagen.

In die Stille nach Lîfs Worten, da auf der Miene des Fürstensohnes noch ein Entscheidungskampf tobt[1], meldet sich Kjartan zu Wort.

"Äääh", sagt er. "Äh, Leute..."[2]
 1. Ich warte noch auf Lîfs Diplomatie-Wurf.
 2. @ alle: Wer wissen will, was Kjartan dieses Mal beunruhigt, darf auf perception würfeln...

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #933 am: 28.04.2021, 04:26:04 »
Rogar nickt Abdo dankend zu, als dieser zunächst seiner Bitte Folge leistet. Ihm traut er mehr Neutralität gegenüber dem besessenen Tristan zu als Lif. Das ihn der Fürstensohn ignoriert, kann er verstehen, der Rest provoziert ein Stirnrunzeln und Seufzen. Bevor er allerdings dazu kommt den Fürstensohn aufzuhalten wie er geplant hat, übernehmen Aeryn und Lif es, sich mit ihm und seiner Situation zu befassen. So ist er ganz froh darum, dass Freydis eine Idee für Tristans Lage zu haben scheint und tritt bereitwillig zu ihr.

Mit den Worten: "Die Lehren aus den Taten der Vorväter sollte man nicht vergessen." fordert er sie regelrecht auf, zu erzählen. Als Kjartan dann in die Unterbrechung hinein spricht, versucht der Dain auch wahrzunehmen, was los ist[1]. Mit ehrlicher Sorge fragt er: "Ist etwas mit den anderen Gefangenen hier unten?", sich durchaus an die Hilferufe erinnernd, die ihn ursprünglich hier herunter gebracht haben.
 1. Wahrnehmung: 13 / 15 bei Steinkonstruktionen

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #934 am: 28.04.2021, 16:14:20 »
Diesmal blicken sich alle um, als Kjartan wieder etwas Beunruhigendes entdeckt zu haben scheint. Nur die Hälfte der Anwesenden kommt allerdings auf die Idee, nach unten zu blicken.

Für Lîf und Aeryn (und Uther) sieht es so aus, als stiege Schatten aus dem Boden, ringsum über dem gesamten Schlachtfeld, so dicht und schwarz, dass man seine Füße nicht mehr sieht. Schon bald erreicht er Kniehöhe. Mit keiner Bewegung lässt er sich dieser seltsame Rauch zerstreuen, vielmehr fließt er von allen Seiten auf einen Mittelpunkt zu – gleich neben Kjartan, welcher vor Schreck jaulend zur Seite springt – und verdichtet sich dort zu einem raumhohen Monstrum aus Schatten, von Gestalt an ein Insekt erinnernd: ein gewaltiger, dreigeteilter Leib, mit viel zu vielen dünnen, absurd verwinkelten Gliedmaßen, dazu Hörner und Fühler und Mandibeln. Ein hoher Laut knapp jenseits der menschlichen Wahrnehmungsgrenze, für Elbenohren unerträglich, lässt Aeryn zusammenzucken.

Jetzt endlich wenden sich auch Abdo, Rogar und Freydis in die richtige Richtung.

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #935 am: 01.05.2021, 14:58:00 »
Mit Uther zu reden, ist etwa so sinnvoll, wie mit einem Stein zu reden. Aeryn ist sich nicht sicher, wie sie hier weiterkommen können. Fürst Soren ohne Uthers Einverständnis zu töten kommt nicht in Frage. Er ist derjenige, der diese Entscheidung fällen muss.

Aber schon tut sich wieder etwas. Was ist denn das nun wieder? Was hatte Merle hier nur losgetreten? Hoffentlich nicht noch ein Dämon, vor allem einer der nur aus Schatten zu bestehen scheint. Dagegen kann Aeryn wahrscheinlich nur wenig ausrichten.

Die Elbin hebt ihr noch immer leuchtendes Schwert wieder auf und tritt ein paar Schritte von der Erscheinung zurück.

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #936 am: 02.05.2021, 06:34:35 »
Selbst dem Dain scheint im Angesicht des nächsten drohenden Kampfes die Geduld auszugehen: "Herr Uther! Versetzt euch doch in die Lage eures Vaters und fragt euch, was ihr euch noch erhofft - Erlösung! Oder wünscht ihr ihm, in einer Qual zu verweilen, die man nicht seinem ärgsten Feinde wünscht?!"[1]

Anschließend überlegt er recht erfolglos, was ihm zu einem solchen Wesen einfällt, besonders deren Gefahrenpotential und effektive Bekämpfung.[2] "Kennt einer von euch solche Wesenheiten?", grummelt er mehr in Freydis und Abdos Richtung. Der spitze Schrei des Schattens sorgt nur für milde Irritation, da er ihn kaum wahrnehmen kann. Dafür richtet er Schild und Axt und stellt sich schützend vor die Gruppe, vor allem Uther und Lif.
 1. Unterstützung Diplomatie: 19
 2. Wissen Dämon 10 (und Geschichte 7)
« Letzte Änderung: 02.05.2021, 06:35:34 von Rogar, Apothekarius »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #937 am: 02.05.2021, 15:06:38 »
Als auch Rogar dem Fürstensohn auf dieselbe Weise zuspricht, und die schattenhafte Kreatur inmitten des Raumes erst einmal nichts tut, als sich aufzubäumen und mit den vorderen Gliedmaßen zu drohen, weicht Zweifel und Zaudern aus Uthers Zügen. Entschlossen wendet er sich zum Vater um, die Klinge bereits in der Hand zur Abwehr des Monsters. Drei Schritte bringen ihn an Soren Villags Seite. Kein Wort des Abschied bringt er hervor und absolut nichts verrät seine Miene über die Gefühle, die er verspürt, als er seines Vaters Kehle durchtrennt. Viel zu dickflüssig, viel zu dunkel quillt das Blut, ein viel zu langsamer Herzschlag pumpt es aus dem Leib. Ein Röcheln zum Abschied, dann hängt der ausgezehrte Körper schlaff in seinen Fesseln.

Mit bluttriefender Klinge wendet Uther sich zu der Kreatur um, als erwarte er, dass sie sich nun auflöse, doch macht sie keinerlei Anstalten dazu. Überhaupt scheint Uthers Tat zunächst keine spürbare Auswirkung zu haben. Nach einer Weile vermeint wohl Aeryn, welche als einzige noch in der Nähe steht, dass die Kälte nachlässt, die ihr zuvor aus Sorens Richtung entgegenschlug.

"Bravo!" sagt Tristan. "So muss ein Anführer sein: entscheidungskräftig." Auf Rogars Frage aber erwidert er: "Ich kenne mich mit solchen Wesenheiten aus. Speziell mit diesem Exemplar. Ein schlechter Verlierer ist er. Was hat er auch immer so hochfliegende Pläne? Ich bin da ja viel bescheidener. Wer sich nicht so viel erhofft, dem stößt bei Misslingen die Enttäuschung nicht so bitter auf."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #938 am: 02.05.2021, 18:20:47 »
Reglos sieht Lîf dem Handeln Uthers zu. Ihr Gesicht hat sich verhärtet, zeigt die Entschlossenheit, mit der sie womöglich selbst anstelle eines zaudernden Fürsten gehandelt hätte, und doch atmet die drudkvinde lautlos auf, als die Pflicht an ihr vorübergeht, den Unglücklichen zu erlösen, der doch nicht ihr Vater ist. Leise spricht sie ein Gebet an die Große Mutter, in dem sie die Göttin bittet, die Seele zurück in Ihren Schoß aufzunehmen, die den geschundenen Körper nun hinter sich lassen kann - und dem neuen Fürsten Kraft, Weisheit und Mitgefühl zu schenken, wie er sie brauchen wird, um die Wunden des Landes heilen zu helfen.

Dann erst wendet auch sie sich wieder zu der Kreatur um. Auch der Rotschopf scheint zu erwarten, dass sie die Kräfte verlassen müssen, nun, da der widernatürliche Anker gelöst ist, der ihre Sphäre mit jener der Sterblichen verband. Die Schwangere zeigt trotz des furchterregenden Aussehens keine echte Furcht mehr. Viel mehr als dieser greuliche Anblick scheint sie dagegen der Kommentar Tristans zu treffen: Lîf fällt regelrecht in sich zusammen, ihre Schultern sacken nach vorn, als sie realisiert, dass dieser Feind nicht geschlagen ist, sondern sie noch immer mit der Stimme ihres eigenen Gemahls verhöhnt.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #939 am: 03.05.2021, 17:42:51 »
Von allen Anwesenden ignoriert, kann das schattenhafte Insekt nichts weiter tun, als sich drohend aufzurichten, mit den Mandiblen in die Luft zu schnappen, und Elbenohren mit schrillem Kreischen (und offenbar vernehmen auch Dainohren den Laut, wenn auch nicht mit derselben schmerzhaften Deutlichkeit) zu quälen.

Schließlich wird es doch jemandem zu viel. "Für Ninae!" brüllend, stürzt Kjartan sich auf die Kreatur und haut mit seinem Sax auf sie ein, oder vielmehr: die Klinge fährt durch das Monster hindurch, und überall, wo dies geschieht, zerteilt sie sich wie Rauch. Davon lässt sich der wackere Kjartan nicht abhalten, und tatsächlich triumphiert er zum Schluss (oder so erscheint es ihm und dem naiven Zuschauer): mit einem letzten Drohen verwandelt die Kreatur sich in eine formlose Schattenmasse zurück und entschwindet durch die Decke. Aeryn hört das Kreischen noch eine ganze Weile lang, wie es sich immer weiter entfernt, dann ist es still.

"Ha!" ruft Kjartan und wendet sich stolz zu den Kameraden um.

Freydis findet als erstes ihre Sprache wieder, doch es ist der Fürstensohn, an den sie sich wendet, nicht Kjartan.

"Ihr habt das Richtige getan, Uther", spricht zu ihm zu, eine tröstende Hand auf seinem Arm. "Das Schicksal hat dir eine große Prüfung auferlegt und du hast sie bestanden. Glaub mir, ich weiß alles über Prüfungen des Schicksals. Die erste ist die Schlimmste. Hat man sie erst gemeistert, wird es zwar nicht leichter, aber man hat mehr Vertrauen in sich selbst, und damit ist man für die nächste gestärkt. Du hast das Richtige getan. Für Ansdag. Für deine Leute. Für Deinen Vater." Dann nickt sie noch in Richtung von Merles Schriften. "Damit kann ich dir auch helfen, wenn du magst." Ihre Hand zurückziehend, schränkt sie ein: "Nach einem Bad, vielleicht. Lasst uns nach oben gehen. Ich brauche frische Luft. Und dann muss ich ja noch die Geschichte meines Ahnen zu Ende erzählen."

Doch sie hat erst wenige Schritte Richtung Rampe getan, da dringen Stimmen aus dem Gang hinter Tristan.

"Hallo! Wer ist da? Prinz Uther, seid Ihr das? Helft uns!"

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #940 am: 05.05.2021, 09:28:39 »
Abdo beobachtet die letzten Szenen eher passiv, wie in einer Trance. Er wartet immer noch darauf, dass Freydis ihre Geschichte weitererzählt und kann daher in die allgemeine Siegesstimmung nicht einstimmen - schließlich haben Tristans letzte Worte gezeigt, dass der Shetani in ihm weiterhin die Kontrolle hat. Sollte Freydis keine Lösung haben, bleiben nicht allzu viele Möglichkeiten, und Abdo überlegt bereits, welche die am wenigsten katastrophale sein könnte.

"Freydis! Sprich weiter. Was war mit diesem Harald?"

Die Stimmen von der Treppe lenken seine Aufmerksamkeit erneut ab. Wer ist es diesmal? An einen erneuten Angriff glaubt er diesmal nicht, aber er bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #941 am: 05.05.2021, 09:46:58 »
Aeryn ist sicherlich erleichtert, als sich herausstellt, dass die Schattenkreatur nichts weiter als eine schreckhafte Erscheinung ist und sich nach und nach verflüchtigt. Dass Uther sich dann endlich durchringen kann, seinen Vater zu erlösen, denn anders kann man das einfach nicht betrachten, lässt der Elbin auch einen Stein vom Herzen fallen. Das hätte sie trotz des Wissens, dass es das Richtige ist, nicht gerne gemacht.

Als sie dann die Stimmen hören, denkt Aeryn gleich an die Bediensteten des Hauses. Gibt es hier unten noch Gefangene von Merle? Was hat sie mit ihnen angerichtet oder vorgehabt?

"Wir sollten sehen, was es damit auf sich hat," beschließt sie und macht sich auf in den westlichen Gang, um den Stimmen nachzugehen, leuchtende Klinge in der Hand.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #942 am: 05.05.2021, 19:22:23 »
Von Abdo angesprochen, zögert Freydis dennoch sichtlich, den neuen Fürsten hier einfach so stehen zu lassen. Erst, als sie sieht, dass Aeryn bereit ist, hier unten weiter mitanzupacken, zieht sie sich mit Abdo über die erste, schmalere Kellerrampe und auch die zweite, breitere Rampe zurück, bis vor die Tür zu Uthers Gemächern. "Um ganz sicher zu gehen, dass wir außer Hörweite sind..."

Kjartan, nach einiger Hin-und Hergerissenheit – im Keller Gefangene befreien oder die Geschichte von Harald dem Unverzagten hören – entscheidet sich, den beiden zu folgen.[1]

"Harald Zwartjod also kämpfte vor über drei Jahrhunderten fast 20 Jahre lang an Javruds Seite gegen die Dämonen. Und nach dreizehn dieser zwanzig Jahre sei er, oder so erzählte er nach seiner Rückkehr daheim in Albion, von einem Dämon besessen worden, als er schwer verwundet auf dem Schlachtfeld lag und eigentlich auf sein Ende wartete. Anders als in Tristans Fall ahnte aber zunächst niemand, was passiert war, und so  wurde er von den Feldschern versorgt und gesundete. Weshalb der Dämon, der die komplette Kontrolle über seinen Körper hatte, um ein Haar entkommen sei, wobei Harald selbst bloß dumm habe zuschauen können. Schon fast war es dem Dämon gelungen, sich davonzuschleichen, da sei er aber Javrud mit einigem Gefolge begegnet. Javrud habe immer ein Amulett um den Hals getragen – ja, du ahnst es, in Form eines Reifkreuzes, mit einem milchigen, alles andere als hübschen Edelstein besetzt -  von dem sich nun herausstellte, dass es offenbar magisch war, denn als Javrud in Haralds Nähe kam, da leuchtete es plötzlich auf, und sofort wies Javrud seine Männer an, Harald zu ergreifen. In Ketten verbrachte er den restlichen Tag und wurde wohl recht arg verhört. Gefoltert, aber auf keine Weise, die Harald bekannt war. Javrud... irgendwie hatte er eine Methode, wie er den Dämon verletzen konnte, ohne Harald zu verletzen. Dazu musste er ihn nur böse angucken und ein weiteres Amulett über ihn halten, während weitere seltsame Gegenstände in einem Kreis um sie beide herumplaziert waren und irgendwas kaltes an Haralds Schläfen drückte... und damit konnte Javrud irgendwie mit dem Dämon ringen, im Geiste zwar nur, aber so heftig wie ein echter Ringkampf. Für Harald war das auch nicht so angenehm, denn er war zwar nicht aktiv beteiligt, sondern er war das Schlachtfeld selbst.

Falls ihr euch über die Details wundert, Harald hat das ganze aufgeschrieben. Er hat in seiner Zeit in Jongot nämlich auch das Schreiben gelernt, angeblich vom Propheten selbst, aber das ist möglicherweise jetzt bloß Angeberei.

Als Javrud sich sicher war, von dem Dämon nicht mehr erfahren zu können, befestigte er ein drittes Amulett direkt auf Haralds entblößter Brust, oder zumindest war es ein kalt-metallisches rundes Ding mit einer Fassung, in welche Javrud jetzt einen faustgroßen, milchweißen Kristall steckte. Und dann... legte er Harald eine dicke Decke übers Gesicht und drückte sie lange, bis Harald die Luft verging und ihm die Sinne schwanden. Zu seinem allergrößten Erstaunen erwachte er aber irgendwann später, als er selbst. Javrud hielt den Kristall hoch, welcher nun schwarz wie Schatten war, und erklärte: dies sei ein Seelenstein. Darin könne man Dämonen (oder auch jede andere Seele) auf immer binden. Dazu müsse man den Stein lediglich mit der bloßen Haut des Besessenen in Berührung bringen, ohne dass der Dämon ihn abschütteln könne, und den Wirtskörper ersticken. Aus dem toten Körper könne der Dämon dann von dem Seelenstein aufgesogen werden, bis nichts mehr von ihm im Wirtskörper verbleibe. Dann müsse man den Wirtskörper nur neuen Atem in die Lunge blasen, und womöglich das Herz durch Schläge wieder in Gang bringen, und die Person sei wieder sie selbst.

Aber was wurde aus dem Dämon danach? fragte Harald. Ja, das sei ein Problem. Man müsse den Stein gut aufbewahren. Lässt man ihn etwa auf felsigen Boden fallen, zerbricht der Kristall und der Dämon kommt frei und kehrt zu der Horde zurück. Schlimmer noch, dass ein Unwissender einen solchen Kristall in die Hände bekäme, also wörtlich: ihn mit den bloßen Händen berührte und sich damit den Einflüsterungen des Dämons aussetze. Denn der Dämon kann zu dem, der den Kristall berührt, im Geiste sprechen. Und je mehr derjenige lauscht, desto mehr Einfluss kann der Dämon nehmen, und wenn er dessen Willenskraft schließlich gänzlich überwunden hat, dann kann er gar in denjenigen einfahren. Deshalb sei es enorm wichtig, die gebrauchten Kristalle so gut zu verstecken, dass niemand sie je fände, außer solchen, die speziell zur Bewachung auserkoren wurden und das nötige Wissen besäßen.

Das hieße also, fragte Harald, dass es wirklich keinen, nicht einmal einen magischen Weg gebe, einen Dämon zu zerstören? Doch, erwiderte Javrud, man könne einen Dämon, der in einem Seelenstein gefangen wurde, durchaus töten, aber dazu bräuchte es neun erfahrene Zauberwirker seines eigenen Volkes, ginge also weit über seine wie auch über Menschenkraft. Vielleicht, wenn eines Tages doch einmal ein Schiff der Luonnatar nach Dalaran käme – wenn seine Heimat selbst nicht inzwischen von den Skoll-Hati, wie die Dämonen bei ihnen hießen, überrannt worden war – also, wenn ein solches Schiff käme, dann könne man die Dämoneplage hierzulande mit Leichtigkeit besiegen. Bis dahin aber müsse man sich hier eben selbst helfen.

Warum man nicht mehr oder gar alle Besessene mithilfe eines Seelensteines befreien könne, fragte Harald darauf, und Javrud erwiderte, leider besäße er nur sehr wenige davon, und da er den Dämon darin ja aus eigener Kraft nicht zerstören könne, ist jeder Seelenstein nur das eine Mal von Nutzen. Darüber hinaus gebe es nur zwei weitere Arten, einen Besessenen zu befreien: ihm ein Messer ins Herz zu rammen oder einen anderen Wirtskörper zum Tausch anzubieten, wobei sich beide willig auf diesen Handeln einlassen müssen, der Wirtskörper insbesondere auch kein alter oder kranker Mann sein dürfe, was der Dämon ablehnen würde, oder ein verurteilter Verbrecher, weil dieser sich dann dagegen wehren würde. Eine letzte Möglichkeit gebe es noch, aber von dieser würde Javrud auch zu Harald nicht sprechen, denn sie verführe selbst den stärksten Geist zu Missbrauch ihrer Selbst. Er selbst habe sie in all der Zeit erst zweimal angewandt, in höchster Not.

Wie viele Seelensteine Javrud denn noch besäße, fragte Harald schlussendlich noch, und wo er sie verwahrte. Zu wenige, antwortete Javrud, an einem Ort, an dem nur ich sie finden kann."


Erschöpft macht Freydis eine Pause, dann fügt sie mit einem Seufzer noch hinzu:

"Ihr seht, für uns hat das alles keinen praktischen Nutzen. Den Rest seines Lebens hat Harald nach diesen Seelensteinen geforscht, wie auch nach Mitteln und Wegen, einen Dämon zu töten, und auch nach der vierten, von Javrud nur angedeuteten Weise, einen Besessenen zu befreien. Und auch wenn Harald wegen dieser seiner "Unverzagheit" zu Nachruhm kam und heute noch als Schutzpatron aller Suchenden gilt, der Preis dafür war, wenn ihr mich fragst, zu hoch: wahnsinnig ist der gute Harald darüber geworden. Und nur auf letzteres glaubt er eine Antwort gefunden zu haben, aber seine Schriften aus der Zeit lesen sich schon so wirr, dass ich nicht weiß, wieviel man davon glauben darf. Aber gut, erzähle ich auch das noch rasch, doch mit dem warnendne Hinweis: möglicherweise ist dies der Phantasie eines Wahnsinnigen entsprungen.

Harald glaubte also, Javrud besäße noch ein weiteres magisches Artefakt, mit welchem es möglich sei, einen Dämonen von einer Person in eine andere zu zwingen. Die Gefahr des Missbrauchs ist offensichtlich: zunächst wendet man dies vielleicht nur auf den besonders verdienten Kämpfer an und zwingt den Dämon in den Körper eines zu Tode verurteilten Schurken. Doch wie lange, bis man Leute für geringe Verbrechen zum Tode verurteilt, nur um einen Besessenen, den man für mehr wert erachtet, zu befreien? Kein Wunder sei dies eine Lösung, die Javrud 'gar nicht schätzte', auch wenn sie in seltenen Fällen, wenn besonders viel auf dem Spiel steht, 'notwendig sein könne'...

Also, das war jetzt alles, was ich über Harald weiß. Die Schriften habe ich selbst gelesen, aber wie gesagt, besonders gegen Ende hin zeigt sich bereits deutlich der Wahnsinn. Und wie uns das mit Tristan weiterhelfen soll, weiß ich auch nicht. Wenn Harald in dreißig Jahren keinen von Javruds Seelensteinen gefunden hat... Und wer weiß, vielleicht hat Javrud ja auch vor seinem Ableben alle verbraucht... Immerhin, er starb in der Schlacht, also unverhofft, mitten in seinem Werk, nicht als bettlägriger alter Mann in Erwartung seines Endes... Vielleicht... aber... wo die Suche beginnen? In Jongot? Hier? Irgendwo dazwischen? Nach Jongot kommt man gar nicht so leicht rein dieser Tage, jedenfalls nicht, ohne auf der Stelle zwangsrekrutiert zu werden... ich weiß da wirklich keinen Rat..."


So schließt Freydis recht hilflos.[2]
 1. @ alle: wessen Char sich für die Geschichte interessiert, bitte auch folgen. (ggf. nach einer Anweisung bzgl. Handhabung Tristans, der immer noch an dem Gitter festgebunden ist, das den Gang versperrt, aus welchem die Hilferufe dringen.)  Ich wollte das jetzt nicht noch einmal hinauszögern, bis endlich alle gemütlich an einem Platz versammelt sind.
 2. So, jetzt endlich, das war das Ergebnis zu Freydis' Wurf zu Wissen (Geschichte) = 22. Frei heraus und an einem Stück.

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #943 am: 06.05.2021, 14:07:04 »
Offenkundig ist Lîf hin und her gerissen, muss sie sich doch zwangsläufig für die Geschichte interessieren, die Freydis da andeutet. Doch letztlich entschließt sich die drudkvinde, bei ihrem Mann zu bleiben, den sie just jetzt nicht aus den Augen verlieren will. Ganz abgesehen davon, dass jene Stimmen ja nun auch Aufmerksamkeit heischen. Sie sieht Aeryn zu und sagt zu der Elbin: "Ich werde dich nicht mehr viel unterstützen können, falls es gefährlich wird – für heute habe ich die Herrin schon zu oft um Ihre Hilfe gebeten..." Sie fährt sich mit einer zittrigen Hand über die schweißbedeckte, schmutzige Stirn und kniet sich neben Tristan. "Ich werde dich nicht verlassen – jeg overlader dig ikke til ham![1]" flüstert sie dem Besessenen zu. Ohne ihren Blick von ihm abzuwenden, schickt sie jedoch Aeryn noch hinterher: "...was nicht heißt, dass ich nicht da bin und alles versuchen werde, wenn du Hilfe brauchst." Ihre Augen brennen, sind aber ohne zu zwinkern auf Tristan gerichtet und bohren sich mit ihrem Blick in die seinen. Obwohl sie seine Hand zärtlich umfasst hält, liegt in diesem Blick deutlich eine Drohung. "Ich werde ihn von dir befreien, und wenn du dich noch so sehr in ihm festkrallst!" Leise kann man ihre Zähne knirschen hören.
 1. Värangsk: Ich überlasse dich ihm nicht!

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