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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 81551 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Tristan

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Der Weihort
« Antwort #75 am: 24.02.2017, 15:53:53 »
"Lîf, Liebes, komm her, wir müssen was klären", ruft Tristan, als er seine Frau erblickt, und winkt sie herüber.[1] Gehorsam tritt Lîf näher, schaut ihn an. Sie sieht müde aus. So müde, dass ihr für mehr als ein rebellisches Funkeln in den Augen und eine trotzig vorgeschobene Unterlippe keine Kraft bleibt. Offenbar rechnet sie mit einer Mahnrede. Bei seinem Tonfall kein Wunder. Wie zu einem Kind! Genau das, was er ihr vorhin still zum Vorwurf gemacht hat. Das fängt ja gut an. Vielleicht sollte er das ganze Gerede lieber vertagen und sie einfach nur in den Arm nehmen.

Schon tritt er mit dieser Absicht auf seine Frau zu, da hält er inne. Mit einer Umarmung wäre es diesmal nicht getan und auch die leidenschaftliche Vereinigung, sonst ein bewährtes Mittel zur Versöhnung, würde den Frieden zwischen ihnen langfristig nicht wieder herstellen. Zu viel Unausgesprochenes steht zwischen ihnen. Deshalb bleibt Tristan eine Armlänge vor Lîf stehen und sucht ihren Blick. Dieser ist wesentlich leichter zu finden als die richtigen Worte.

"Ich weiß, dass du für meine Fahrtenbrüder nichts übrig hast und für ihre Familien auf Jarlsö nur wenig mehr", beginnt er ungeschickt und verstummt gleich wieder. Verflucht, klingt das vorwurfsvoll! In meinem Kopf klang das ganz anders. Ach könnte ich die Zeile nur ausstreichen und neu schreiben! "Und ich versteh das natürlich auch", versichert er rasch, denn schon sieht er Gewitterwolken auf ihrem Gesicht aufziehen. "Du wurdest geraubt, deine Schwestern geschändet, deine Freiheit sahst du verloren, selbst als mein Weib noch, weil du von deinen eigenen Zielen abgehalten wurdest, auch wenn ich hoffe, dass dir die Ausbildung bei der alten Esja ein Trost war, den du mir ein wenig zugute—" Er unterbricht sich. Was er sich erhofft, dass Lîf ihm anrechnet und zugute hält, tut hier nichts zur Sache. Außerdem war sein Verhalten ihr gegenüber bis vor kurzem tadellos; erst auf der gemeinsamen Reise quer durch Fersland hat er sich einen, vielleicht auch zwei Fehler geleistet.

"Was ich sagen wollte, das alles seh' ich ja ein. Nur versteh' du bitte: bei mir selbst war es ganz anders. Für mich waren sie meine Retter, haben mich aus unerträglicher Gefangenschaft befreit. Die ersten beiden Jahre unter ihnen waren zwar auch nicht immer schön, aber dann war Olav tot und ich mein eigener Herr. Ich ging mit auf Fahrt, hatte auf einmal Kameraden, wurde als einer von ihnen anerkannt... Auch wenn mir die Dinge, mit denen sie sich vergnügten, schnell langweilig wurden oder manchmal gar abstießen; egal dass ich mich so manches Mal aufs Festland zurückwünschte, weil ich dort als Sänger und Spielmann ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte als auf den Inseln, deren Bewohner Grölen mit Gesang verwechseln und meinen, Poesie ist alles, was sich reimt; trotz allem, was man sonst noch gegen das Leben und die Lebensweise dort vorbringen könnte: Jarlsö war meine Heimat, Gisle war mein Jarl und Gunmarson mein Clan. Und egal wie rauh dir die Sitten vorkamen, wie hart oder gar ungerecht die Gesetze: sie waren einfach und für jeden dieselben und ich kannte sie genau. Ich wusste immer, was ich zu tun hatte. Jeder von uns wusste das. Das Leben ist sehr leicht auf diese Art, verstehst du? Und obwohl ich ab und an auch lieber anders gehandelt hätte: den Preis habe ich gern gezahlt für meinen festen Platz in der Gemeinschaft, meinen Status als freier Mann. Und dann gewann ich auch noch dich als Weib und dachte, mein Glück sei vollkommen!"

Jetzt hat er es endlich fast heraus, was er eigentlich sagen will, und schreckt dann doch wieder zurück: statt über seine Verlorenheit hier und jetzt zu reden, bleibt sein Blick in die Vergangenheit gerichtet.

"Aber dann verlor ich alles. Außer dir, ja—Gaja sei Dank außer dir!—aber entscheiden hießest du mich zwischen dir und den meinen. Denn wäre ich bei meinem Clan geblieben, wärst du sicherlich ohne mich gegangen, und ich werfe dir das auch gar nicht vor: natürlich willst du zurück in deine Heimat! Zurückgewinnen, was dir vor zwei Jahren erst genommen wurde!"

Nein, verflucht, das kommt ganz falsch heraus, das klingt schon wieder nach Vorwurf, dabei wollte ich mich doch eigentlich entschuldigen. Wie schwer kann das sein? Warum brauch' ich so viele Worte dafür?

Er schnaubt unglücklich und schaut kopfschüttelnd zu Boden. Sein Gesicht verschwindet dabei fast vollkommen hinter den wirren Strähnen seiner Haare.

"Ich hätte dir nicht verbieten dürfen, deinen Beruf auszuüben", gesteht er, den Kopf noch immer gesenkt. "Der freche Kerl, der dich betatscht hat, war's nicht, warum ich es tat, und auch nicht die Sorge, du könntest dich bei einem Kranken anstecken. In diesen Dingen hätte ich dir gern geglaubt, dass du weißt, was du tust! Nein, der Dämon, der mich ritt, war ein anderer. Eifersucht muss man ihn wohl nennen oder treffender... Scham? Es ist doch nun mal so", hier hebt er den Blick und späht durch die Haarsträhnen hindurch zu Lîf hinüber, "dass ein Mann seine Frau—seine schwangere Frau!—zu versorgen hat und nicht umgekehrt. Wie hätte ich so vor deine Eltern treten können? Der Gedanke ließ mir keine Ruh', aber Rat wusste ich mir keinen. Du siehst ja, in was für eine Situation ich uns hier gebracht habe! Ich kenn mich auf dem Festland eben gar nicht aus. Ein Fisch aus dem Wasser bin ich, gestrandet in einer fremden Welt, deren Sitten und Gesetze ich nicht kenne, in der ich weder Platz noch Aufgabe habe noch die geringste Ahnung, wie ich mir beides erstreiten soll! Und für dich, für dich ist es Heimat, du findest dich gleich wieder ein, warst bloß zwei Jahre fort, brauchst mich hier eigentlich zu gar nichts mehr..."

Der letzte halbe Satz ist ihm so herausgerutscht. Das hat er Lîf eigentlich nicht offenbaren wollen: seine panische Angst, sie zu verlieren. Doch gilt es nicht genau dies zu klären? Ob sie bei ihm bleiben will oder nicht? Vor Tod oder Wahrheit weicht nur der Feigling zurück! 'Ich bin dein Weib, nicht dein Eigentum', hallen Lîfs Worte in seinem Kopf wieder. Mit leisem Stöhnen geht er in die Knie, beide Hände auf ihrem Bauch, und presst sein Gesicht dagegen. Eine geraume Weile bleibt er so vor ihr knieen, bevor er zu ihr aufblickt und sich, den Schlüsselbund von ihrem Gürtel lösend, wieder erhebt.

"Als ich dich vor zwei Jahren fragte, ob du meine Frau werden willst, um dich vor Übergriffen meiner Fahrtenbrüder zu schützen, da kam es dir vielleicht so vor, als böte ich dir die Wahl zwischen Strick und Henkersbeil." Er hält ihr die Schlüssel hin, die nichts mehr öffnen, seit Haus und Hof ein Raub der Flammen wurden. "Früge ich dich heute—was wäre deine Antwort? Willst du mein Weib bleiben, obwohl ich nichts mehr bin und nichts mehr habe, oder soll ich dich zu deiner Familie hochbringen und wir sagen, dein Mann sei bei dem Überfall ums Leben gekommen. Dann wärst du frei. Dann könntest du dir einen jüngeren, tüchtigeren Gatten suchen, einen biederen Fersländer und nicht so einen Taugenichts von den Inseln: Gutsherr ohne Gut, Seeräuber ohne Schiff, Sänger ohne Namen, doppelt so alt wie du, mit nichts, was er dir anzubieten hat, außer seiner treuen Liebe."
 1. Alles, was er sagt, auf Värangsk. Bei so viel Text und unter uns zweien spar ich mir den Googlator.
« Letzte Änderung: 24.02.2017, 16:36:07 von Tristan »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #76 am: 24.02.2017, 17:16:10 »
Die harte Arbeit ist zwar schweißtreibend, aber auch erstaunlich befriedigend für Abdo. Endlich hat er das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, nachdem er in den letzten Monaten viel zu oft frustriert feststellen musste, dass die sprachliche und kulturelle Hürde ihn immer wieder vor Verständnisprobleme stellt und verhindert, dass er sich in einer Art und Weise einbringen kann, die ihm sinnvoll erscheint. Ohnehin waren seine körperlichen Stärken, seine Kraft und sein Geschick im Kampf, wenig gefragt, und er ist zufrieden, seine Muskeln wieder einmal einsetzen zu können.

Die Anstrengung und der Schweiß macht ihm dabei weniger aus als man vom äußerlichen Anschein vermuten könnte - noch immer hat er sich an die Kälte in diesen Landen nicht gewöhnen können, und so ist die Hitze, die er selbst durch die körperliche Arbeit generiert, ein Segen für ihn. Dennoch freut er sich darauf, den Schweiß später abzuwaschen - bis er den von schwarzem Schleim verkrusteten Hund findet. Was immer im Wasser gewesen sein mag: Dies sieht nicht nach einer Verunreinigung durch verendete Kadaver aus. Auf das Bad im Fluss wird er wohl verzichten.

Die Entdeckung des Hundes bestärkt aber auch wieder seine Zweifel, ob das, was der Fürstensohn gesagt hat, wirklich der Wahrheit entspricht. Ohnehin zweifelt er mehr und mehr an diesem Mann. Ein Fürst, so hat er verstanden, ist der Anführer seiner Untergebenen. Doch diesen Mann hier scheint niemand zu respektieren, und vermutlich, so wie er sich aufführt, hat er den Respekt der Menschen auch nicht verdient. Auf der anderen Seite hat Uther recht, wenn er beklagt, dass die Menschen sich nicht einmal zu ihrem eigenen Schutz aufraffen. In vielem erkennt der Mönch Verhältnisse wieder, wie es sie in seinem eigenen Land einst gab. Als die Shetani einfielen, so erzählte man ihm zumindest, haben viele nur dagesessen und darauf gewartet, dass andere ihnen halfen. Standen nicht füreinander ein. Sie waren diejenigen, die den Ansturm nicht überlebt haben.
"Möge den Menschen hier ein solches Schicksal erspart bleiben."

Beim Aufräumen der Kadaver kommt Abdo plötzlich ein überliefertes Gedicht in den Sinn, und er beginnt, es vor sich hin zu murmeln:
"Vidonda vya ukoma visofunikwa
Ambavyo kwa mda mrefu vilifichama
Sasa viko nje kufyonzwa na inzi wa kila aina
Na vinanuka vibaya.
Lakini inzi kila mara hufyonza wakifikiri
Nani watamwambukiza."
[1]

Der Inhalt lässt seinen Mut sinken. Der Aussatz könnte auch für das Verkommen der Gemeinschaft stehen, und die Fliege für die Shetani-Plage. Ist auch dieses Land dem Untergang geweiht? War es ein Fehler, hierher zu kommen, um nach Rat und Unterstützung zu suchen? Erlebt er hier womöglich zum zweiten Mal, wie eine Zivilisation der Verwüstung zum Opfer fiel?

Noch ist es jedoch nicht soweit, und das Aufstoben eines Schwarmes von Fliegen macht Abdo deutlich, wo er seine Inspiration gefunden hat. DIESE Seuche würde sich nicht ausbreiten, wenn es in seiner Macht steht, etwas dagegen zu tun. Zuerst in kleinen Schritten, indem er hilft, die Kadaver zu beseitigen; und dann an der Quelle, die irgendwo in der Richtung des Klosters zu finden sein muss.



Auf andere Gedanken kommt Abdo durch das Gespräch seiner Mithelfer. Langsam aber sicher setzt sich das Puzzle über die Behadrim in seinem Kopf zu einem Bild zusammen, doch das Bild gefällt ihm ganz und gar nicht. Priester, die predigen, man solle das Unheil geschehen lassen und nichts dagegen tun, weil es Gottes Wille sei? Eine Religion, die scheinbar mehr wie eine Eroberungsmacht agiert? Soll das wirklich möglich sein, oder spricht nur der Frust über sein eigenes Schicksal, welcher Art es auch sein mag, aus den Worten Talahans? Auch diese Antworten wird Abdo am ehesten im Kloster finden. Sobald der Scheiterhaufen fertig ist, und das Feuer entzündet, sollten sie hier aufbrechen, und keine weitere Zeit verlieren.

"Aris gibt uns eine Stimme" schaltet er sich in das Gespräch ein. "Doch sprechen müssen wir selbst. Aris gibt uns Hände, doch müssen wir sie zur Arbeit nutzen, um ihm zu gefallen. Und Aris gibt uns die Fähigkeit zu denken, doch unsere Entscheidungen müssen wir selbst treffen. Wir müssen danach streben, die richtigen Entscheidungen zu fällen, aber wir können nicht erwarten, dass Aris dies für uns erledigt."
Er lässt die Worte im Raum stehen und fährt mit seiner Arbeit fort, als wäre das Thema damit ein für alle Mal erledigt.
 1. Etwa: Die Wunden des Aussatzes liegen offen, Wunden die so lange verdeckt waren. Nun offen in freier Sicht für jede Fliege daran zu saugen, und stinkend. Aber jedesmal, wenn eine Fliege daran saugt, fragt sie sich, wen als nächstes zu infizieren.
Ich hatte von Beginn an Suaheli als Sprache für Abdo im Sinn (auch Shetani ist ein Suaheli-Wort), und auch dieses Gedicht ist Suaheli.

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #77 am: 25.02.2017, 20:09:27 »
Dankbar hat Lîf die Handschuhe angenommen, die ihr die Heilerin überließ, und sie in ihrem Bündel verstaut. Nachdem die Schwestern im Geiste voneinander Abschied genommen haben – von Seiten Lîfs mit dem ehrlichen Segenswunsch, die Göttin möge Solveig beistehen – tritt sie nachdenklich vor die Hütte. Diese seltsame Seuche beginnt immer eigenartiger zu wirken. Dunkle Kräfte scheinen am Werke, die jede Dienerin Gayas offenkundig herausfordern. Sie beschließt, ihrem Gebet am kommenden Morgen die inbrünstige Bitte um die Führung der Großen Mutter hinzuzufügen, damit auch sie keine falschen Entscheidungen treffen wird[1]. Sie entdeckt Tristan bei der Eiche und geht langsamen Schrittes zu ihm, ihren Mann eingehend musternd.

In der Tat erwartet sie eine Art Donnerwetter, hat sie doch vor Solveig wahrscheinlich den Eindruck erweckt, als seien die Verhältnisse zwischen Mann und Weib, wie sie bei den Jarlsöern üblich sind, in ihrem Falle umgekehrt. Daher spannt sie sich auch instinktiv an und wirft ihr schimmerndes Haar mit einem Ruck zurück, als sie vor ihm stehenbleibt. Zwar ist sie müde und fühlt sich ausgelaugt, doch noch immer willens, ihre Position zu behaupten! Das weiche Lächeln, mit dem sie ihm in der Hütte nachgeschaut hat, verbirgt sie nun vor ihm – aus Angst, er könne es als Zeichen des Nachgebens, der Unterwerfung deuten. Doch dann hebt er an zu sprechen, und Überraschung tritt in ihre verschlossenen Züge. Mehrmals setzt sie zu einer Entgegnung an, schließt jedoch immer wieder den Mund, wenn Tristan weiter spricht, sichtlich mit den Worten ringend. Er, der weiß die Göttin ein weit gewandterer Redner ist als sie, die sie stets eine Frau der Tat war, keine, die mit klugen Worten überzeugen kann.

Endlich senkt sie langsam den Blick, die Hände um einen der langen, starken Zöpfe ihrer roten Locken gelegt, der über ihre Schulter bis über Brust und Bauch reicht. "So habe ich es noch nie gesehen..." bekennt die junge Frau betroffen und starrt zu Boden. Heimat... dieses Wort, das für sie so viel bedeutet. Heimat, und Freiheit natürlich: die Dinge, die sie sich sehnlichst gewünscht hat, als Sklavin in der Fremde. Dass sich mit beidem für Tristan anderes verknüpfen könnte, kam ihr nie in den Sinn. Es versetzt ihr einen spürbaren Stich, dass sie, ein Weib, nun gestehen muss, ein Mann, ein rauer, in Teilen auch harter Mann, sei ihr in Sachen Verständnis und Mitgefühl über. Er hat ihr Unbehagen erkannt, kann es sogar mit seinen Worten benennen, während sie, der doch von der Großen Mutter die Gabe das Fühlens in besonderem Maße geschenkt wurde, gegen seine Bedürfnisse und Sehnsüchte so blind gewesen sein soll..?!

Sie hält den Blick gesenkt und presst die Lippen aufeinander, bis sie nur noch einen schmalen Strich bilden. Die Erkenntnis ist beschämend für sie, doch während sie sich stets wütend gegen die übermäßige Unterdrückung des Weibes auf Jarlsö gewehrt hat, kann sie nun, da ihr eigenes Handeln, oder Versäumnis, der Grund für ihre Beschämung ist, nur stumm und hilflos vor Tristan stehen, all ihrer Argumente und ihres Kampfeswillens beraubt. Verlegenheit, Trotz, Verwirrung und Scham spiegeln sich in ihren Zügen wider. Als er ihr auch noch Gefühle und Beweggründe gesteht, die sie so nie erwartet hätte, ist sie vollkommen unfähig zu einer Erwiderung.

Und so hebt sie anstelle einer Antwort auch nur ihren Blick, als er geendet hat, schaut ihm tief in die Augen. Darauf nimmt sie ihm langsam, ganz langsam den Schlüsselbund wieder aus der Hand und birgt ihn an ihrem Busen. Und endlich fasst sie sanft mit beiden Händen seinen Kopf, heißt ihn mit leichtem Druck, erneut die Wange an ihren vorgewölbten Bauch zu legen, und drückt ihn so an sich, den Kopf wieder gesenkt, so dass ihre starken Zöpfe über Tristan fallen wie zwei kupferne Lianen. "Ich trage dein Kind unter dem Herzen, und ich danke der Großen Mutter dafür" sagt sie dann schlicht, mit leiser Stimme, und streichelt ihm über Haar und Schultern, immer wieder.
 1. Bei der nächsten Gelegenheit wird sie Know Direction für Create Water eintauschen

Tristan

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Der Weihort
« Antwort #78 am: 26.02.2017, 21:59:30 »
Mit großer Sorge beobachtet Tristan das Mienenspiel seiner Frau, bei dem sich mehr Gefühle, als er benennen kann, in rasanter Folge abwechseln, teils in Widerstreit zu geraten scheinen. Am Ende hat es ihr die Sprache verschlagen. Er versteht nicht, warum. Denkt sie noch darüber nach? Fragt sie sich: soll ich's wagen? Er wappnet sich für die Antwort. Doch dann nimmt sie erst seinen Schlüsselbund (und hängt ihn dort zurück, wo er hingehört), dann seinen Kopf (und drückt ihn an sich) und wiederholt als drittes ihren Entschluss von damals, diesmal als freie Frau, dass sie sein Weib sein will.

Lange Zeit atmet Tristan nur ihren Duft ein und lauscht dem Herzschlag in seinem Ohr. Er weiß, dass es sein eigener ist, aber er möchte sich einbilden, es sei der Herzschlag des Kindes. Daraus entwickelt sich eine von wohligen Gefühlen getragene Gedankenkette, die recht bald in der Feststellung mündet: Verflucht noch mal, es ist aber auch schon viel zu lange her, dass wir das eheliche Lager geteilt haben! Dies lässt ihn den Kopf, der so bequem gebettet ist, dann doch heben und den Blick halbherzig durchs Gelände schicken, ob nicht ein geeignetes Gebüsch irgendwo in der Nähe...?

Statt dessen sieht Tristan eine Rauchsäule über Ansdag aufsteigen. Er erhebt sich, zieht Lîf kurz in die Arme. "Von jetzt an also Seite an Seite, ja?" schlägt er vor. "Das wollt' ich doch von Anfang an. Niemals als Eigentum..." Bedauernd löst er sich und nickt in Richtung des Rauches. "Die anderen sind mit ihrer Arbeit fertig. Wir sollten schauen, wie's jetzt weitergeht."

Unterwegs ins Dorf fällt ihnen wieder das verwelkte, mit Schimmel überzogene Gemüse in den Gärten auf.

"Vielleicht war es gar nicht mein Fehler, der uns an diesen gefährlichen Ort geführt hat, sondern die Große Mutter selbst. Vielleicht hat sie dich hierher gerufen, und mich zu deinem Schutz, weil sie deine Hilfe braucht. Weil sie leidet. Weil sie hofft, du kannst dieser Seuche ein Ende bereiten."

Sein Blick schweift vom Gemüsebeet über die Landschaft und bleibt am fernen Kloster hängen, das sich von steilem Bergeshang streng und mit mahnendem Fingerzeig über das geduckte Ansdag erhebt.

Vielleicht war es ja auch der Eine Gott, der unsere Schritte hierherlenkte—aus Rache für Sundheim.

Tristan hütet sich, diese Worte laut auszusprechen, aber vielleicht bemerkt Lîf den Schauer, der ihn überkommt.

"Und dann wären da ja noch die Räuber...", brummt er—und hält inne, weil ihm ein Einfall kommt. Er zieht sein Gürtelmesser und hält es seiner Frau hin, mit dem Griff voran. "Du solltest lernen, dich zu verteidigen. Halt, keine Sorge, ich will keinen Kämpfer aus dir machen", erklärt er rasch, als er ihr alarmiertes Gesicht sieht, "aber mir wäre wohler, du könntest einen Gegner wenigstens kurz beschäftigen, bis ich oder ein anderer zur Stelle sind. Was meinst du?"

Lif überlegt. Tatsächlich hat sie schon oft ein Sax in der Hand gehabt und kann leidlich damit umgehen. Auf den Inseln war es das gebräuchliche Messer für alle möglichen Arbeiten. Die alte Esja hat damit Kräuter geerntet, Weidenzweige entrindet und auch schon einmal einen Weg durchs Unterholz geschlagen. So gesehen traut Lîf sich durchaus zu, von ihrem Mann angeleitet zu erlernen, wie man das Messer im Kampf schwingt, zur Verteidigung. Aber will sie das?[1]
 1. Angebot an Lîf, das Du natürlich auch ausschlagen kannst: Momentan hast du gar keine Waffe dabei. (Ausnahme Holzfaust, ja, hab' ich gesehen) Mit ST 8 und GE 10 ist natürlich weder im Nah-, noch im Fernkampf viel zu wollen. Ich frage bloß, ob du nicht doch eine Waffe tragen willst, für den Notfall. Wenn nicht das Sax, könntest Du Tristan um seine Schleuder bitten. Übrigens, von wegen weapon proficiency: auf deiner Liste steht der Krummsäbel, aber es gibt in Dalaran keine Krummsäbel (nur in Ya'Kehet). Das Sax (= einschneidiges Messer in Kurzschwertlänge, s. Bild) wäre ein angemessener Ersatz dafür. Und wie beschrieben: mehr Werkzeug als Waffe.
« Letzte Änderung: 27.02.2017, 15:36:23 von Tristan »

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #79 am: 27.02.2017, 11:19:59 »
"Wir werden auf jeden Fall heute noch zum Kloster gehen und dort nach dem Rechten sehen. Dann wissen wir hoffentlich mehr darüber, warum die Priester und Mönche sich nicht mehr gezeigt haben, und ob..."

Leiser spricht sie weiter. "... ob der Prinz die Wahrheit gesagt hat."

Als Frida ihr dann von Ilf und seiner Familie erzählt, reißt Aeryn die Augen auf.

"Er... er hat sich in einen Dämon verwandelt? Hast Du ihn mit eigenen Augen gesehen? Was ist denn weiter passiert? Wo ist Ilf jetzt? Sollte der arme junge an der Tränke sich deswegen das Leben nehmen, damit soetwas mit ihm nicht passiert? Erzähl mir mehr davon!"

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #80 am: 27.02.2017, 14:41:00 »
Die junge Frau schließt selbst die Augen, während Tristan vor ihr kniet, die Wange an ihren Bauch gelegt, und beide schweigen. Über das Kind, das werdende Leben, in ihrem Schoß, sind sie miteinander inniger verbunden, als sie mit Worten ausdrücken kann – es fühlt sich einfach richtig an. Endlich sieht er wieder auf, und sie nickt auf seine Worte. "Seite an Seite, Mann und Weib, wie es Gayas Wille ist" bestätigt sie ihm und fügt nach einer kurzen Pause mit einem kaum merklichen Lächeln hinzu: "Und ich gehorche Ihr darin gerne." Sie legt ihren Kopf an seine Brust, als er sie an sich zieht, und genießt für einige kostbare Momente das Gefühl, in seinen Armen geborgen zu sein und die schwere Verantwortung ihrer Aufgabe vorübergehend nicht auf ihren Schultern zu spüren. Doch schon nach viel zu kurzer Zeit findet er in die Realität zurück und zieht auch sein schwangeres Weib mit sich. Wiederum nickt sie, fest und entschlossen diesmal. "Ja, es wird Zeit, dass wir handeln. Viel zu schwer lastet das Übel über diesem Landstrich – es muss abgewendet werden!" Mit Widerwillen schweift ihr Blick über die ungenießbaren Gartenfrüchte, die man allenthalben sieht. Ein Gräuel für eine Priesterin des Lebens, wie sie es ist...

Tristans Worte indes, die kurz darauf die Stille zwischen ihnen unterbrechen, lassen Lîf wieder lächeln. Sie streicht sich mit einer kühnen Geste die roten Locken aus der Stirn, die sich vorwitzig aus ihren Zöpfen gelöst haben, und meint: "Ja, vielleicht hat Sie uns gelenkt, ohne dass wir es merkten. Und wenn es so ist, dann muss ich alles daran setzen, dieser Seuche zu begegnen und Leute hier von ihr zu befreien." Sie bemerkt den Schauer, der ihren Mann erfasst, und legt ihre Hand beruhigend auf seinen Unterarm. "Und ich bin gewiss, dass ich mit deiner Hilfe dieser Aufgabe werde nachgehen können. Ich könnte mir keinen besseren Beschützer vorstellen." Statt einer Antwort reicht er ihr jedoch sein Sax, was sie zunächst verwirrt zu ihm aufschauen lässt. Dann jedoch begreift sie und nimmt die Klinge widerstrebend entgegen. "Ich will mich in diesem Punkt deinem Wunsch beugen, denn du bist der Mann und weißt besser um Kämpfe und Gefahren bescheid. Aber wenn es mir irgend möglich ist, werde ich diese Klinge niemals gegen ein denkendes Wesen richten" meint sie leise, während sie die Waffe in ihrer Schürzentasche verstaut, wo sie sie jederzeit rasch greifen kann[1].

Denn es behagt ihr ganz und gar nicht, bewaffnet zu sein! Doch sie sieht ein, dass Tristan nicht unrecht hat: Die Zeiten sind alles andere als sicher, und dass Kinder, Alte und unbewaffnete Weiber für die Kämpfer tabu sind, glaubt sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr – das wäre angesichts ihrer Erfahrungen naiv. "Ich kann dir allerdings nicht garantieren, dass ich eine gelehrige Schülerin sein werde, obwohl ich gelobe, mich zu bemühen" murmelt sie dann noch, während die beiden ihren Weg wieder fortsetzen. Ein allgemeines Unbehagen ist ihr anzumerken, gleichwohl Tristans Zuspruch ihr gut getan hat. Eine Heilerin, die gezwungen ist, zur Waffe zu greifen... Die Göttin mag wissen, wohin sie diese Mission noch führen wird.
 1. Ich habe mir das Sax notiert und die Werte eines Kurzschwerts angenommen.

Hjálmarr

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Der Weihort
« Antwort #81 am: 01.03.2017, 13:15:21 »
Hjalmarr rinnt der Schweiß in Strömen die Stirn hinunter. Der salzige Geschmack, den er durch die vernarbte Wunde schmecken kann, erinnert ihn für einen Moment an das stürmische Wasser des Loch Leskos und lässt seine Gedanken schweifen, während er Abdo dabei hilft die Kadaver der toten Tiere zusammen zu suchen. Er hat sein Leben nicht auf einem Schiff zugebracht, doch vermisst er die stürmische See, das tosende Rauschen in seinen Ohren und die eiskalte Brise, die einem direkt in die Glieder fährt. Hier brennt die Sonne unerbittlich und lässt jede Tätigkeit noch anstrengender wirken.

Sicherheitshalber überprüft der Lesdager die engen Gassen zwischen den Häusern und kommt nicht umhin, die Unterhaltung zwischen Aeryn und der Frau aus dem Dorf zu hören. In der Nähe stehen einige Stapel leerer Fässer und Kisten, welcher er sich annimmt, jedoch mit einem Ohr dem Gespräch lauscht. Kniend zerrt er die leeren Behältnisse auseinander. Als sie die Verwandlung in einen Dämon erwähnt, hält er inne und dreht sich zu den beiden um. Die Augenbrauen tief ins Gesicht gezogen und eine Hand auf den Boden gestützt raunt er hinüber. "Menschen verwandeln sich nicht einfach in Dämonen, und schon gar nicht die Kinder. Das, was ihr dort gesehen habt, muss etwas anderes gewesen sein."

Hjalmarr ist sich selbst nicht sicher, woher er diese Gewissheit nimmt. Vielleicht möchte er sich auch nur nicht ausmalen, was es bedeuten würde, wenn dem tatsächlich so wäre.

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #82 am: 01.03.2017, 15:16:21 »
"Soll mir recht sein." antwortet Freydis dem bärtigen Mann, anscheindend der Gastwirt des Ortes.
In Anbetracht des fortgeschrittenen Tages wird die Gruppe wohl ohnehin in Ansdag, oder zumindest nicht weit entfernt von dem Dorf übernachten müssen. "und das Pferd braucht Versorgung, besonders wenn sein Reiter nicht wieder auftauchen sollte." Der Qualtät der Unterkunft traut sie zwar nicht so recht, aber es konnte nicht Schaden das innere des Gasthauses zumindest in Augenschein zu nehmen.
"Ich hoffe da ist auch Platz für mein Pferd?" fragt sie während sie bereits beide Tiere losbindet.
Ohne die Antwort abzuwarten macht sie sich ein Pferd an jeder Hand auf den Weg um das Gebäude.
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #83 am: 02.03.2017, 18:17:22 »
Die Blicke, die Abdo für seine Rede über Aris' Gaben an den Menschen erntet, sind ungefähr von der Qualität wie jener, mit dem Tristan ihn auf der Reise bedachte, als der Ya'Keheter in Aris' Namen grüßte. Die jetzigen scheinen allerdings deutlich verwirrter: Hä, was quatscht der Kerl da? Wer ist dieser Aris? Wieso sollten wir ihm gefallen wollen? Wir kennen ihn doch gar nicht. Und wie kann er uns eine Stimme und die Fähigkeit zu denken gegeben haben? Nun haben die drei Burschen dort im Stalleingang ja schon Talahans Pointe nicht verstanden, vielleicht darf man sie nicht als Maßstab nehmen.

Talahan passt kurz darauf einen unbelauschten Moment ab, um Abdo zu erklären: "Wenn du einfach so von Aris sprichst, dann denken die Leute, du meinst damit einen der Ahnen wie Askyr den Sturmboten oder Hrothgar den Gastfreundlichen. Hier bei uns hat der Eine Gott keinen Namen. Nur die falschen Götter."

Von Aeryn aufgeregt nach Details bedrängt, hebt Frida schon zu einer Antwort an, da geht Hjálmarr mit seiner laut geraunten Bemerkung dazwischen, das alles könne so ja wohl nicht stimmen. Wie zuvor bei Uthers Auftritt lässt die Bauersfrau sich zunächst verunsichern. Gehetzt schaut sie sich in alle Richtungen um, doch ist nicht klar, ob sie jemandem sucht, der ihr beipflichten könnte, oder im Gegenteil ungebetene Zuhörer befürchtet.

"Also nein, ich habe es nicht mit eigenen Augen gesehen, aber mein Schwager, Hensgar, der ist mit zwei Burschen rüber, nach dem Rechten sehen, als wir letzte Nacht von dem Lärm wach wurden. Die beiden Schwestern waren schon tot, die Mutter schrie noch, aber da wühlte er schon in ihrem Gedärm—fraß es, behauptet mein Schwager, stopfte es sich mit beiden Händen ins Maul! Dass es Ilf war, erkannte er nur daran, dass ihm das linke Ohr zur Hälfte fehlte, das hat ihm als Junge mal ein Hund abgebissen, den er zu arg geärgert hatte. Ansonsten hatte Ilf nichts menschliches mehr an sich. Ausgezehrt bis auf die Knochen, aschgraue Haut, gelbe Augen, Reißzähne im Gesicht, Krallen an den Händen..." Frida legt den Kopf schief und überlegt, ob sie noch etwas wichtiges vergessen hat. "Als er meinen Schwager entdeckte, warf er den Kopf in den Nacken und heulte so fürchterlich, dass beide von Hensgars Burschen vor Angst davonliefen. Dann stürzte er sich auf ihn! Der Knüppel hat ihm gar nichts ausgemacht!"

An dieser Stelle wirft sie einen trotzigen Blick in Hjálmarrs Richtung, der wohl heißen soll: Und, klingt das etwa nicht nach einem Dämon? "Gott sei Dank sind noch andere Nachbarn herbeigeeilt, sonst hätte Ilf unseren Hensgar auch noch zu Tode gebissen. Aber entkommen konnte er. Ist in die Nacht verschwunden, schneller als die Männer ihm nachgucken konnten. Das ist noch ein Grund, warum wir uns nicht aus unseren Häusern wagen: weil er noch da draußen ist. Und vielleicht auch, warum Gus sich ertränken wollte: aus Angst, sich auch in einen Dämon zu verwandeln. Aber ich weiß nicht, wie klar der arme Junge da noch denken konnte."

Derweil lernt Freydis Fridas heldenhaften Schwager Hensgar in voller Lebensgröße kennen. Die beiden Pferde im Schlepptau, zieht sie ein wenig mühsam das zertretene Gatter der kleinen Umzäunung neben dem Gasthaus auf. Da öffnet Hensgar schon die obere Hälfte der Stalltür und gleich darauf die untere. Locker um einen Kopf überragt der Gastwirt die junge Frau. Seine Schultern und Oberarme wären eines Schmiedes würdig, auch wenn er insgesamt eher hager wirkt, wohl auch wegen seiner Körpergröße. Freydis folgt ihm in den geräumigen Stall, wo ein Bursche sich um die Pferde kümmert. Im völligen Gegensatz zu draußen ist es hier drinnen sauber und ordentlich. Bis auf zwei weitere Tiere sind die Boxen leer, obwohl Platz für ein rundes Dutzend wäre.

"Um die Jahreszeit habe ich sie ja normal draußen", erklärt Hensgar, "aber seit letzter Nacht..."

Als Freydis nachhakt, erzählt der Gastwirt bereitwillig: Durchgegangen seien die Viecher ihm letzte Nacht, hätten draußen Zaun und Gatter zertreten. Die beiden dort drüben hätten seine Burschen rasch wieder eingefangen. Da habe noch keiner gewusst, was los war. Er selbst dachte, ein Bär müsse sich ins Dorf verirrt haben, dass die Tiere so verschraken. "Statt dessen trieb ein Wandler sein Unwesen. Tut es noch! Wenn ihr wirklich heut' noch ins Kloster hoch wollt, seht' zu, dass ihr vor Einbruch der Dunkelheit eine Unterkunft habt. Hast ja gesehen, wie er den Gaul draußen zugerichtet hat. Mit bloßen Händen!" endet der Mann kopfschüttelnd.

Freydis erkundigt sich auch nach dem Weg zum Kloster und erfährt, dass einige Stellen so eng und steil sind, dass man nur als erfahrener Reiter den Weg zu Pferd wagen sollte. Pilger würden natürlich schon aus Pietätsgründen zu Fuß gehen. "Im Dunklen sollt' man beides besser lassen."

Wegen der Unterbringung der Tiere ist man sich schnell einig. Auch an Zimmern gibt es freie Auswahl. Hensgar verspricht hoch und heilig, den Tieren nur Regenwasser zu geben. Noch sind die Tränken und Wassertonnen voll. Und er steht zu seinem Wort: die erste Nacht für sie alle auf Kosten des Hauses.[1]

"Feuer", sagt er noch, als Freydis sich bereits zum Gehen wendet. "Vor meiner Fackel hatte der Wandler mehr Respekt als vor meinem Knüppel. Davor wich er zurück. Nur ein Stück und er kam auch gleich wieder an, wütender als zuvor, aber mir hat's die nötige Zeit verschafft, bis Verstärkung kam. Ich glaub', das Licht tat ihm in den Augen weh."

Als Freydis wieder ins Freie tritt, brennt am östlichen Ende des Dorfplatzes schon der Scheiterhaufen. Wenig später tauchen im Norden Lîf und Tristan auf. Der ein oder andere Gefährte muss zweimal hinschauen, um seinen Augen zu trauen: tatsächlich, die beiden gehen engumschlungen und wenn sie sich anblicken, huscht ein Lächeln über beide Gesichter, mehr ein Leuchten in den Augen als ein tatsächliches Hochziehen der Mundwinkel, aber dennoch unverkennbar. So traut wie jetzt hat noch keiner der Anwesenden das ungleiche Paar gesehen. Ein krasser Gegensatz zu der grauslichen Arbeit, die Abdo, Hjálmarr und Talahan hier in der vergangenen Stunde geleistet haben.

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Als die Gefährten kurz darauf gemeinsam in Richtung Osten aufbrechen, steht die Sonne in ihrem Rücken abermals ein deutliches Stück tiefer.[2] Zunächst führt der Weg am Bach entlang, der sich durch die Wiesen und Felder schlängelt, vielerorts überschattet von Bäumen oder hohem Gebüsch. Kleinere Schleifen des Gewässers kürzt der Weg dabei ab und so hält man zu Beginn fast schnurstracks auf das Kloster zu.

Unterwegs tauschen die Gefährten sich aus. Lîf und Tristan erzählen, was sie von Solveig noch über die möglichen Ursachen und schrecklichen Auswirkungen der Seuche erfahren haben, Aeryn und Freydis teilen ihre Beute an Wissensbrocken aus Fridas und Hensgars Schilderungen, Abdo beschreibt den Auftritt des Fürstensohns, während Hjálmarr noch einmal seine Meinung wiederholt: in was immer Ilf sich verwandelt hat, es war sicherlich kein Dämon. Als das Kloster schließlich unmittelbar über ihnen aufragt, wiederholt Talahan seine Vermutung, dass Pater Halfir womöglich vorhatte, so lange zu warten, bis die Situation mit den Räubern so weit eskaliert ist, dass die lokale Bevölkerung gar nicht mehr in der Lage wäre, mit der Bedrohung noch fertig zu werden—um dann die Kavallerie (in Form von Kriegern seines, Talahans, Ordens) herbeizurufen und sich als Retter zu präsentieren. "Alles Strategie", glaubt Talahan.[3]

Aus der Ferne beeindruckt vor allem der Erlstav, der mit seinem schneegekrönten Gipfel dreimal so hoch aufragt wie der kleine Vorberg, auf dem das Kloster steht, doch je näher man heran ist, desto beeindruckender wird der Vorberg selbst und vor allem die schiere Steilwand, oberhalb deren das Kloster sich befindet. Da muss man heute noch hinauf!

"Das ist der Wächter", gibt Talahan dem Vorberg einen Namen.

Beeindruckend ist auch der Wasserfall. Das, was hier unten als etwa 8 Schritt breites Bächlein durch sonnige Wiesen gluckst, stürzt sich dort geschätzte 200 Schritt den schroffen Felsen hinab.[4] Lange bevor die Gefährten den Fuß des Wasserfalls erreichen würden, biegt der Weg nach Süden ab und führt sie eine geraume Weile unter dem Steilhang entlang. Dann beginnt, in umgekehrter Richtung, der Aufstieg. Möglich, dass der ein oder andere hier bald flucht, dass man sich das angetan hat: zu Fuß gehen! Zu Pferd säße man jetzt gern! Doch bald muss auch der unwilligste Bergsteiger zugeben: huch, die Stelle da, die wäre mir doch zu eng, zu abschüssig zum Reiten, oder auch nur zum Mitführen eines Tieres, das weder mich noch die Berge kennt. An zwei dieser Stellen finden sich eine Serpentine weiter oben hölzerne Kranvorrichtungen, die den sicheren Transport nennenswerter Warensmengen ermöglichen. Endlich ist die letzte Serpentine erreicht. Nur noch wenige hundert Schritt und die Gefährten stehen vor dem Tor des Klosters.[5]
 1. (1) Eure Pferde kommen bei Hensgar unter. Einfach, weil sie beim Kloster nur im Weg wären. Um etwaige Wasserprobleme können wir uns hinterher kümmern. (2) Wer will kann schon ein Zimmer nehmen. Oder ihr nehmt zusammen schon mal eins, um Gepäck zurückzulassen. Bitte ggf. notieren, was ihr zurücklasst und wie hoch eure Belastung dann noch ist. Seid ihr alle leicht belastet, erhöht sich die Reisegeschwindigkeit entsprechend.
 2. Wie ooc bereits gesagt: es ist ca. 17:00. Gutes Licht bis 21:00. Marschdauer pro Strecke ca. 1h.
 3. Dieser Absatz soll garantieren, dass jeder Char alles, was ihr als Gruppe bisher erfahren habt, in der weiteren Folge des Abenteuers weiß, sprich jeder Spieler die Details vorne nachschauen kann, ohne sich zu fragen: äh, war ich da überhaupt dabei? Es soll euch aber nicht davon abhalten, besonders wichtige Dinge, die ihr erfahren habt, den anderen auch besonders ans Herz zu legen / mit ihnen zu diskutieren.
 4. 1 Schritt = 0,75 m (= 1/2 "Kästchen")
 5. Ich stoppe hier, falls ihr unterwegs noch etwas tun wollt oder vor dem Klopfen an der Klostertür noch Vorbereitungen zu treffen habt.
« Letzte Änderung: 03.03.2017, 11:03:41 von Gaja »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #84 am: 03.03.2017, 10:34:21 »
Von den Reaktionen der Umstehenden auf seine Worte nimmt Abdo erst Notiz, als Talahan ihn anspricht. Zunächst blickt er den Paladin nur verwirrt an, als verstünde er gar nicht, von was der Mann eigentlich spricht. "Aber wie kann es sein, dass euer Gott keinen Namen hat, wenn ihr ihn doch Gott nennt? Ist das kein Name? Wenn Ihr mich fragen würdet, was Gott in meiner Sprache heißt, würde ich Aris sagen. Ich verstehe aber nicht, weshalb ihr andere Kreaturen "Gott" nennt. Bei uns gibt es nur Aris, und niemand anderes kann ebenfalls Aris sein. Das wäre Frevel.
Wenn Ihr wollt, kann ich IHN Gott nennen, aber würde ich IHN dann nicht auf die gleiche Stufe mit denen stellen, die Ihr ebenfalls Götter nennt?"


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Die Neuigkeiten, die die anderen auf dem Weg zum Kloster mit ihm teilen, saugt Abdo wissensdurstig in sich auf. Er ist froh, dass er sich nicht dazu entschlossen hat, einen Teil seiner Sachen im Dorf zu lassen, denn was immer den Fluss verunreinigt hat: Es können nicht einfach nur tote Tiere gewesen sein. Etwas viel Schlimmeres muss den schwarzen Schleim verursacht haben, wenn Menschen dadurch in Bestien verwandelt wurden. Also hat der Fürstensohn gelogen, was zumindest Zweifel über den Zustand des Klosters erlaubt. "Es ist besser, so gut wie möglich vorbereitet zu sein."

Die Meinung Hjálmarrs bestärkt der Mönch: "Ich habe noch nie gesehen, dass Menschen sich in Shetani - Dämonen, wie ihr sie nennt - verwandelt hätten. Und ich habe schon vieles gesehen. Dämonen stammen aus einer Anderwelt, und nicht von hier. Was immer diese Menschen verwandelt hat, es muss etwas anderes sein. Was es nicht unbedingt weniger gefährlich macht."[1]

Als sie sich dem Kloster nähern, bewundert Abdo den Wasserfall. Eine solche Menge an Wasser, die einfach so in die Tiefe stürzt - wenn die Menschen in seiner Heimat das sehen könnten, wo man an vielen Orten weit in die Tiefe graben muss, um an Wasser zu gelangen. Eine Weile betrachtet er fasziniert das Spektakel, bis er seinen Kameraden hinterhereilt, um wieder aufzuschließen. Der Weg bereitet ihm dank seines in seinen Augen eher leicht gepackten Rucksacks nur wenige Probleme, und so bietet er denjenigen seiner Gefährten, die augenscheinlich näher an die Grenze ihrer Kondition gelangen an, ihnen Teile ihres Gepäcks abzunehmen.

Als sie schließlich die letzte Kurve vor dem Kloster umrunden, warnt der Mönch die anderen nochmals: "Seid wachsam - ich glaube nicht, dass Uther uns die ganze Wahrheit gesagt hat. Was immer diese Dorfbewohner verwandelt hat, könnte hier ebenfalls geschehen sein; anders kann ich mir den Schrei nicht erklären, der aus dem Kloster gedrungen sein soll."
 1. Dämonenwissen 13. Komplette Antwort, s. hier. [EDIT Gaja].
« Letzte Änderung: 04.03.2017, 10:46:32 von Gaja »

Hjálmarr

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Der Weihort
« Antwort #85 am: 03.03.2017, 12:42:41 »
Hjalmarr ignoriert die Worte über die sogenannten falschen Götter. Jetzt ist nicht die Zeit für eine derartige Diskussion, auch wenn es ihm mehr abverlangt, als er sich zugetraut hat. Während die Gruppe sich um Talahan sammelt, ehe man zum Kloster weiterreist, entdeckt der Lesdager das junge Pärchen, erstmals entspannt und zu einander hingezogen, seid sie aufgebrochen sind. Den drei Schwestern sei Dank, immerhin würde nun das Gezeter aufhören, oder zumindest weniger werden.

In Gedanken versunken folgt Hjalmarr der kleinen Gruppe etwas abseits mit Blick auf die fernen Waldgrenzen und die umliegenden Felder, die sanft im Wind wiegen, als sie das Dorf verlassen.

"Weniger gefährlich mit Sicherheit nicht," führt er Abdos bestärkende Worte fort, "wenn man sich vorstellt, wie ein Mensch einem anderen den Unterleib aufreißt. Doch dieser Blutdurst erinnert eher an eine Art Tollwut, wie sie bei Tieren vorkommt. Außerdem, dieses Heulen... ein Mensch, der in die Dunkelheit der Wälder flieht und in der Nacht zu jagen scheint, die Sonne verabscheut. Ein Mensch der sich wie ein Tier verhält, wie ein Wolf?" Der Lesdager lässt die Andeutung unkommentiert stehen und beobachtet weiterhin die Umgebung, während sie dem Karren-bewährten Pfad folgen.

Als sie in die Nähe der Klostermauern kommen, muss selbst Hjalmarr das beeindruckende Bauwerk honorieren. Dennoch ist er froh den Anstieg hinter sich gebracht zu haben. Ein Blick auf die schützenden Mauern und das geschlossene Tor, verrät, dass niemand zum Gruße erschienen ist. "Wollen wir einfach eintreten oder gebietet es die Ehrfurcht zu klopfen?" fragt er zynisch in Richtung Talahan.
« Letzte Änderung: 03.03.2017, 12:48:28 von Hjálmarr »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #86 am: 03.03.2017, 20:38:48 »
Nach der Aussprache mit ihrem Mann wirkt Lîf, zumindest für die aufmerksamen Beobachter unter ihren Begleitern, merklich ausgeglichener als zuvor, auch wenn ihr die Sorgen wegen ihrer aktuellen Probleme noch immer ins Gesicht geschrieben stehen. Die junge Heilerin hat versucht, den Gefährten anschaulich zu schildern, wie Solveig die Seuche einschätzt und welche Gefahr die Infizierten offenbar darstellen. Zugleich hat sie deren Berichten aufmerksam zugehört, begierig, alles in Wissen zu sammeln, das sie bekommen kann. Abdos und vor allem Hjálmarrs Bemerkungen entlockten ihr ein nachdenkliches Stirnrunzeln, doch hat sie sie ihrerseits nicht kommentiert. Dafür versucht sie auf dem Weg auf weitere Hinweise einer Verderbnis zu achten, wie sie in der Umgebung des kleinen Ortes ihre Spuren hinterlassen hat[1].

Während nach und nach das Kloster näher kommt und schließlich mit seinen Mauern vor ihnen aufragt, hält sie sich dicht bei Tristan. Ein Unbehagen hat von ihr Besitz ergriffen, das sie zwar nicht davon abhält, den Pflichten nachzukommen, die ihr die Große Mutter auferlegt hat, sie aber dennoch immer wieder zögern lässt, den Blick zu dem Gemäuer hoch gerichtet, das ihr düster und bedrohlich erscheint, selbst im Tageslicht... Ist es doch schließlich ein Ort, an dem jene ihrem Glauben huldigen, die sich Töchtern Gayas wie ihr gegenüber oftmals so unduldsam zeigen. Sie kann sich nicht helfen: Ihr nötigt der Anblick dieses mächtigen, aber wenig Respekt vor Mutter Erde beweisenden Bauwerks keine frommen Empfindungen ab! Ihre Lippen kräuseln sich kurz, als Talahan seine Vermutungen bezüglich des Paters äußert. Immerhin, ein ehrlicher Mann scheint er zu sein... geht ihr dabei durch den Kopf.

Die Steigung des Steilhangs nimmt die Schwangere trotz ihrer relativen Unbeholfenheit klaglos und recht ausdauernd, auch wenn sie sich dabei gelegentlich auf Tristans stützenden Arm verlassen muss. Viel Kraft schenkt ihr jedoch auch das wundervolle Rauschen des Wasserfalls – Zeichen einer belebten Natur, erfüllt von Gayas Kraft, so ganz anders als die leblosen Steinmauern des Klosters! In Sichtweite der Pforte angelangt, keucht sie dennoch verhalten. "Du meinst, die Mönche könnten uns angreifen?" fragt sie nach einigem Durchschnaufen Abdo und späht misstrauisch in Richtung ihres Ziels. Dann wartet sie gespannt darauf, was Talahan Hjálmarr antworten wird, und tastet zugleich nach ihrer Schürzentasche, in der sich nun Tristans Sax befindet. Große Mutter, gib, dass er nicht recht hatte, mir die Waffe zu geben! betet sie dabei stumm.
 1. Wahrnehmung: 13

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #87 am: 05.03.2017, 20:51:38 »
Freydis hörte dem Bericht des Gastwirts mit Interese zu. Hensgar schien ihr klareren Kopfes zu sein, weniger bereit als seine Nachbarn die Ereignisse den Dämonen zuzuschreiben.
"So so, Empfindlich gegen Licht und Feuer. Das müsste sich recht gut ausnutzen lassen."
"Werds mir merken und die anderen warnen. Habt Dank!" nickte sie dem Gastwirt zu ehe sie sich auf dem Weg nach draussen machte dabei in Gedanken diejenigen ihrer Zauber durchgehend die Wirkung gegen den Wandler zeigen würden, wenn es nötig werden sollte.
Talahans Theorie über die Strategie des Abtes klang durchaus einleuchtend in den Ohren der Berührten.
Es wäre beileibe nicht das erste perfide politische Manöver dieser Art und welch besserer Weg Zungang zu Herzen und Hirnen der Menschen zu finden, denn als Retter in der Not aufzutreten. Ausserdem dürfte der Paladin ja seine Glaubensbrüder kennen.
An körperliche Anstrengung nicht gewohnt keuchte Freydis als sie endlich die letzte Serpentine erreichten.
Das Lív trotz ihres Zustandes klaglos die Anstrengung durchstand nötigte der Berührten Respekt ab. Die Heilerin war eindeutig zäher als es auf den ersten Blick schien.
Je näher sie dem Kloster kam, desto nervöser wurde sie aber auch. Geschichten von Anklagen, Folter und Scheiterhaufen gingen ihr durch den Kopf. Unauffällig sucht ihre Hand unter dem Mantel das Gefühl des Ringes der unter ihrer Kleidung an einer Lederschlinge um ihren Hals hängt. Des Ringes mit dem Rabenwappen der Edthgo, ihr einziger Beweis ihrer wahren Identität in diesem fernen Land. Einer Identität, die sie möglicherweise sogar vor dem Scheiterhaufen bewahren konnte.
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #88 am: 06.03.2017, 21:52:42 »
"Ich weiß nicht, was die Mönche tun werden. Aber ich bin lieber vorbereitet." Abdo ist vermutlich der einzige unter den Anwesenden, der die Mönche dieses Klosters überhaupt nicht einschätzen kann, und die Erzählungen der anderen ergeben ein Bild, das ihn nicht zwingend darin bestärkt, dass er es bei ihnen mit Freunden zu tun hat. Vor allem aber sind es die Erzählungen der anderen über Verwandlungen in Monster gepaart mit dem Schrei, der vor einigen Tagen aus dem Kloster drang, der ihn Vorsicht walten lässt.
"Wenn Solveig die Wahrheit gesprochen hat, ist es nicht sicher, ob diese Mönche überhaupt noch menschlich sind. Denn dass der junge Prinz uns etwas verheimlicht hat, halt ich für absolut offensichtlich. Am liebsten wäre ich gar nicht so offen zum Tor geritten, aber wer immer diesen Ort errichtet hat, hat Wert darauf gelegt, dass niemand sich der Festung ungesehen nähert. Daher, verehrter Hjálmarr, gebietet es wohl die Höflichkeit, dass wir anklopfen. Überraschen werden wir hier niemanden."

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #89 am: 08.03.2017, 13:13:07 »
Die Elbin nickt. "Warum nicht. Wir wissen nicht, ob es sich hier bei allem nur um ein großes Missverständnis handelt, ob Prinz Uther uns angelogen hat, oder ob die Priester Prinz Uther getäuscht haben. Ich denke, Frida hat die Wahrheit gesagt, dass sie hier waren und die Tore verschlossen vorgefunden haben. Und diese Geschichte mit Ilf, der sich in irgendeine Bestie verwandelt hat und seine eigene Familie ermordet hat. Sie hatte auch etwas von einem unmenschlichen Schrei erwähnt, den sie des Nachts vom Kloster her gehört hatten, als der Sturm tobte. Wir sollten auf alles vorbereitet sein."

Aeryn blickt sich daraufhin die Mauern des Klosters an, um einzuschätzen, ob sie diese wohl erklimmen könne. Sind dort vielleicht Bäume in der Nähe der Mauer, oder könnte man mit einem Seil nachhelfen. Wenn sie eine geeignete Stelle gefunden hat, versucht sie auch gleich, dort hinaufzuklettern, um sich von oben einen besseren Überblick verschaffen zu können. Dabei will sie sich natürlich versteckt halten, um nicht aufzufallen, für den Fall, dass die Priester doch noch ganz normal hier wohnen, oder auch für den anderen Fall. Eigentlich ist es immer gut, nicht aufzufallen.

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