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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 81618 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Tristan

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Der Weihort
« Antwort #90 am: 09.03.2017, 23:17:08 »
So ganz traut Tristan dem plötzlichen Ehefrieden nicht. Immer wieder geht sein Blick zu seiner Frau, ob diese ihn nicht doch böse oder herausfordernd anfunkelt. Und die Erleichterung darüber, dass sie es nicht tut, steht ihm jedes Mal ins Gesicht geschrieben. Später dann, als Ansdag hinter den Wanderern zurückbleibt und Tristan genug damit zu tun hat, nach potentiellen Gefahren Ausschau zu halten, tastet seine Hand immer wieder nach der ihren; ein leichter Druck ihrerseits beruhigt ihn rasch. Hab' ich also doch inmitten der vielen Worte irgendetwas richtiges gesagt, auch wenn Líf mir nichts davon bestätigen wollte, aber auch nichts leugnen! Doch schließlich bleibt auch für den kurzen Händedruck keine Zeit mehr, als die Umgebung seine (und auch Lîfs) gesamte Aufmerksamkeit beansprucht.

Das Tempo, das die Gefährten vorlegen, erlaubt es Lîf leider nicht, den Bach so genau zu inspizieren, wie sie gerne hätte. Zwar entdeckt sie fast ein Dutzend Stellen, an denen Gras und Kraut ähnlich verfault und verschimmelt aussieht wie die bachnahen Gemüsegärten in Ansdag (nebst diverser toter Kleintiere in der Nähe), aber nur dreimal liegen diese nahe genug an der Straße, dass Lîf die anderen bitten mag, ihr die Zeit für einen etwas genaueren Blick zu gönnen. Allgemein finden sich die verdorbenen Stellen immer dort, wo die Strömung bei Hochwasser schwimmenden Unrat angetrieben hätte, der dann bei sinkendem Wasserspiegel in Mulden zurückblieb. Die genauere Inspektion zeigt Lîf in den ersten beiden Fällen nichts, was sie nicht schon gesehen hat, aber bei der dritten Inspektion ruft Tristan plötzlich "Hoppla!" und gleichzeitig sieht Lîf es auch: inmitten der zu braunem Schleim verfaulten Wiesengräser, im Schatten einer siechen Eberesche, die ihre vertrockneten Blätter fallen lässt, als wäre es schon Herbst, wächst ein Hexenring daumengroßer, knochenbleicher Pilze.[1]

Zu gerne würde Lîf sich einen der Pilze zur Probe holen, um ihn Solveig zu zeigen, aber sie sieht auf die Schnelle keinen sicheren Weg, wie sie in die Nähe gelangen könnte. (Und falls sie auf den Gedanken käme, es einfach zu wagen, dort mitten hineinzumarschieren, würde eine starke Hand sie gleich, ebenso behutsam wie energisch am Kragen packen und zurückhalten.) Vielleicht würde sie morgen eine Lösung dafür finden oder Solveig einfach kurz hierhin führen.

Als das Kloster keine hundert Schritt entfernt vor ihnen aufragt und Lîf seine Nähe sucht, lächelt Tristan. Wenn sie an diesem Ort stürben, wenigstens wären sie einander wieder gut.
 1. Ergebnis Lîfs Wahrnehmung 13 +2 von Tristans Aid Another.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #91 am: 10.03.2017, 19:55:53 »
Ein Grund, warum das Klostergebäude den Gefährten derart düster vorkommt, mag es sein, dass sie zum ersten Mal auf der Wanderung gegen die Sonne blicken. Bislang war diese immer in ihrem Rücken oder in den Serpentinen mal links, mal rechts gewesen, doch der Anstieg hat sie ein Stück am Kloster vorbeigeführt, sodass sie sich ihm nun aus dem Osten nähern, der nahe Gipfel des Wächters und die wolkenverhangenen Höhen des Erlstavs nun mehr hinter ihnen. Der Wind ist deutlich frischer hier oben als unten im Dorf, die Vegetation kümmerlich: sommerdürres Gras zwischen Dornengestrüpp, einige Haseln, hier und da eine windzerzauste Hainbuche oder ein geduckter Ahorn.[1]

Vergeblich sucht Lîf hier nach Anzeichen von Verderbnis; sie findet nicht einmal den Bach wieder. Wie kann das sein? Ist man nicht direkt oberhalb des Wasserfalls? Sein Tosen jedenfalls ist bis hierher zu hören! Auch Abdo, Aeryn, Hjálmarr und Tristan wundern sich darüber. Nur Freydis und Talahan wissen Bescheid. Letzterer denkt momentan noch über Hjálmarrs Worte nach.

"Die Tollwut selbst könnte ein derartiges Verhalten schon erklären", schlussfolgert der Gotteskrieger, "oder aber der Wahn, aber Krallen und Reißzähne? Angenommen, die Dörfler übertreiben damit nicht: bei solchen Verwandlungen ist immer Magie am Werk." Sein Blick geht halb misstrauisch, halb erwartungsvoll zu Freydis.

Doch Freydis stellt plötzlich fest, wie wenig sie weiß. Wie wenig sie sich zu fragen und zu forschen getraut hat. Zu sehr hat sie sich ein normales Leben gewünscht, hat versteckt, verheimlicht, verleugnet, was sie ist. Geschichte, Geographie und Politik hat sie studiert, aber keine Magie. Ja, natürlich war da das praktische Training, natürlich hat sie sich mentale Tricks und Techniken angeeignet, die sie ihre Schmerzen und Visionen besser überstehen ließen, aber die großen Fragen hat sie nie gestellt: das Woher, das Warum, das Wie, das Wozu oder auch nur das Wer. Magiegeschichte? Unerträglich! Was soll sie sich das Herz damit beschweren, über all die Berührten zu lesen, die in den vergangenen Jahrhunderten qualvoll starben, weil sie ihre Fähigkeiten nicht zu meistern lernten, oder über jene, die trotz anfänglichem Erfolg schließlich dem Wahn verfielen? Und dann sind da noch die, die von Kirche oder aufgebrachtem Pöbel bei lebendigem Leib verbrannt wurden! An diese Zukunftsperspektiven wollte Freydis nicht ständig erinnert werden. Nur das Was hat sie ein wenig interessiert: was ist möglich? Aber da hielt Undis mit Antworten sehr zurück, sprach gerne kryptisch etwas von einem Weg, der für jeden anders verliefe und den jeder selbst finden müsse. Über Werwölfe, Verwandlungen oder derlei Flüche jedenfalls hat sie ihrer adligen Schülerin nie etwas erzählt und diese Themen waren Freydis auch in keinem Buch begegnet. Keinem ernsthaften. Das ist nämlich das Problem mit Büchern über Magie: die meisten sind von deren Gegnern geschrieben, die selbst keinerlei Ahnung davon haben, die bestenfalls zu deuten versuchen, was sie mit eigenen Augen gesehen oder zumindest meinten, gesehen zu haben; schlechtenfalls sind es reine Hetzschriften mit kaum einmal einem Körnchen Wahrheit in einem Berg voller Unrat. Bislang hat Freydis sich nicht überwinden können, mehr als ein paar Seiten solcher Bücher zu lesen, und echte Magiebücher, von einem Berührten geschrieben, sind so selten, dass sie in ihrem Leben nur eines jemals in der Hand gehalten hat und das nur für wenige Augenblicke.[2]

Daher hat Freydis jetzt für Talahan keine Antwort parat. Will sie ehrlich sein, kann sie nicht einmal zur Bestätigung nicken.

So nähern sich die Gefährten ihrem Ziel. Etwa fünfzig Schritt vor dem Gebäude gabelt sich der Weg. Der breitere Teil führt geradeaus weiter auf den südlichen Anbau des Klosters, welcher für jeden, der auch nur ein wenig Ahnung von Sakralbauten hat, leicht als Kapelle zu erkennen ist; einer der beiden zierlicheren Seitentürme erhebt sich über dieser. Ein schmalerer Weg führt an Kapelle und Hauptgebäude vorbei zu einem zweiten Tor direkt vor dem Nordturm. "In dem Gebäude kommen Pilger und sonstige Gäste unter", weiß Talahan über den nördlichen Anbau.

Es ist keine Menschenseele zu sehen. Das heißt erst einmal noch nichts, wie Tristan mit einem Wort erklärt: "Vesper." Und nur für den Fall, anwesende Gaja-Gläubige könnten dabei an Essen denken, präzisiert er: "Also die Zeit, wo man gemeinsam betet und die Worte des Propheten aufsagt." Er nickt in Richtung Kapelle. "Essen gibt's erst kurz vor Sonnenuntergang." Für diese Bemerkung erntet der Rûngarder einen überraschten Seitenblick Talahans.

Aeryn dagegen, die ihre eigenen, unausgesprochenen Pläne hegt, nutzt diese Information sofort aus und huscht vor, um am südlichen Tor zu lauschen, doch sie hört nichts. In der Kapelle herrscht Totenstille. Nicht einmal ein Husten ist zu hören, geschweige denn die vielstimmig rezitierten Worte des Propheten. Schade. Eine solche Gebetsversammlung wäre ihrem Plan sehr entgegen gekommen. Doch sie will es trotzdem versuchen. Jetzt, so dicht vor dem Gebäude, blendet auch die Sonne nicht mehr. Sie sucht nach einer günstigen Stelle—sowohl halbwegs vor Blicken geschützt, als auch mit entsprechenden Handgriffen—an der sich die Mauer erklimmen ließe. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Das ist ja mehr eine Festung als ein Gotteshaus! Gut zwölf Schritt dürfte die Mauer hoch sein, fensterlos, und der Stock darüber mit Überhang! Die Steine messen eine Elle auf zwei, sind glatt behauen und nahezu fugenlos zusammengefügt. Niemals ist dies Menschenwerk! Riesen müssen hier Hand angelegt haben!

Doch Aeryn lässt sich nicht von ihrem Plan abhalten. Auch wenn sie nirgendwo eine Stelle entdeckt, an der ein Seil mit Haken (wie sie eines in Abdos Gepäck erspäht hat) Halt finden würde, meint sie, der Baum dort würde ihr helfen, wenn sie nämlich von dort aus den kleinen Vorsprung erreichen könnte... Gesagt, getan, gestürzt. Etwas verdutzt liegt die Elbin im Gras, unverletzt und soweit bei Sinnen, dass sie denkt: wie gut, dass es kein Dornenstrauch war oder blanker Fels.[3] Von einem zweiten Versuch sieht sie ab, denn so ein Glück hat man nur einmal. Mauern sind viel schwerer zu erklimmen als Bäume oder Felsen, nimmt sie vielleicht als Lehre mit auf den Weg.

Viel verpasst hat sie durch ihre Aktion nicht. Ihre Gefährten sind inzwischen vor dem nördlichen Tor angekommen, aber scheinen sich noch nicht einig geworden zu sein, wer klopft und ob überhaupt geklopft werden soll und wenn ja, ob man vorher schon Waffe und Schild parat haben soll.[4] Sie bekommt gerade noch mit, wie Talahan die Sache mit einem bissigen Kommentar entscheidet: "Stünden wir vor der Tür einer Fischerhütte und begehrten Einlass, würde jeder hier ohne zu zögern klopfen. Welch arroganter Flegel müsste man sein, um es nicht zu tun!"

Damit tritt er vor und betätigt den gusseisernen Türklopfer.

Dass hinter ihm die Leute nach eigenem Gutdünken die Waffen zücken oder auch nicht, scheint ihn nicht weiter zu kümmern.

Eine geraume Weile lang passiert nichts. Talahan klopft ein zweites Mal, ein drittes. Dann endlich öffnet sich ein Sichtfenster in der Tür und ein Mann lugt hinaus. Dunkles Haar, dunkle Augen, dunkle Robe, die Miene weder neugierig noch einladend, eher gelangweilt, die Stimme träge, fast schon monoton:

"Ja, was ist denn? Wer seid ihr und was wollt ihr hier zu so später Stunde?"

 1. Das kleine Bild zeigt den Blick natürlich von der verkehrten Seite, von Ansdag aus gesehen.
Nebenbei: Tristan hat seine "Camping-Ausrüstung" (im Status "das Notwendigste" genannt) bis auf die Wasserschläuche in Ansdag gelassen. Falls Lîf ihren Teil mitschleppt, lässt er sie sogar, mit einiger Mühe, Abdos Angebot annehmen. Er selbst ist nämlich schon ohne das Zeug fast im mittleren Bereich. Das Reisetempo war also nicht durch Gepäck verlangsamt.
 2. Sorry für den langen Text. Das soll Dich nur überzeugen, mit Freydis doch möglichst bald einen Punkt in knowledge (arcana) zu investieren...
 3. Kletter-DC um 5 verfehlt, selbst wenn Abdo ihr sein Seil geliehen hätte, daher Sturz. Stealth mit 20 aber sehr gut. Mit etwas Glück hat keiner der anderen den Sturz bemerkt...
 4. Sorry, wenn ich euch hier die Entscheidung abnehme, welches der beiden Tore ihr zuerst erprobt, aber ich hatte ursprünglich gedacht, ihr kommt von der Seite her (wo's nur ein Tor gibt, s. Karte), aber heute dann beschlossen, dass es geographisch mehr Sinn macht, ihr kommt von oben her. Dafür wollte ich jetzt aber nicht noch einmal den Betrieb aufhalten.
« Letzte Änderung: 11.03.2017, 02:38:24 von Gaja »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #92 am: 11.03.2017, 15:10:48 »
Abdos Antwort lässt Lîf zweifelnd an den schroff wirkenden Mauern hinauf sehen. Dies alles erscheint ihr nichts weniger als einladend... "Ich bete, dass sich das als unnötige Vorsicht herausstellt" murmelt der Rotschopf verhalten. Ihre Gedanken wandern zurück zum Hinweg, der der Schwangeren schwerer fiel, als sie es sich hat anmerken lassen – denn der Stolz ist tief im Blut ihrer Familie verankert. "Wir müssen nachher noch einmal zurück zu diesem Hexenring. Ich muss mir das näher ansehen" wispert sie Tristan zu. Die ganzen Anzeichen des Zerfalls, die sie entdeckt hat, geben ihr nämlich das Gefühl, dass hier machtvolles Unheil am Wirken ist. Und die Pflanzen sind ihrer Fürsorge ebenso anvertraut wie Mensch und Tier. Ihr Auftrag, der Befehl der Großen Mutter, hat Vorrang vor allem anderen, weswegen sie auch nicht mehr darauf eingeht, wie ihr Mann sie mit einem entschlossenen Griff davon abhielt, ihrer Wissbegierde nachzugeben. Für dieses Mal hat sie ihm gehorcht, wohl wissend, dass ihr ungestümes Temperament ihr in dieser Angelegenheit eher ein Hemmnis als eine Hilfe ist.

Abgesehen davon hat die kurze Aussprache mit ihrem Gemahl sie wieder ein Stück weit mit ihm versöhnt, auch wenn sie es niemals so offen zeigen würde. Und sie spürt das kleine Leben in ihrem Bauch sich regen – die Frucht seiner Lenden, der Segen der Göttin in ihrem Schoß, eine stete Erinnerung daran, dass sie diesen Mann trotz aller Zwistigkeiten liebt, der einmal ihr Herr war, aber mittlerweile etwas anderes, viel bedeutenderes für sie geworden ist. "Ob er überhaupt ahnt, was er mir bedeutet? Oh Herrin, hilf..! Ich habe oft das Gefühl, wir redeten verschiedene Sprachen, er und ich... Und er kann beinahe so dickköpfig sein wie ich." Ihr Blick streift Tristan kurz, als ihre schlanke Hand gedankenverloren über ihren runden Bauch streicht. Dann reißt sie sich mühsam wieder von ihren persönlichen Angelegenheiten los und mustert die Umgebung. Das Fehlen des erwarteten Bachlaufs irritiert die Heilerin.

Sie wendet sich Talahan zu, als er das Wort ergreift, und schürzt die Lippen. Ja, der Mann hat recht: Dies hier geht nicht mit rechten Dingen zu! Doch dass er gleich auf den Gedanken kommt, die Schuldigen bereits zu kennen, ist wieder einmal typisch für den engstirnigen Charakter der Anhänger seines Gottes. Wie die Gottheit, so die Gläubigen: unbelehrbar, unerschütterlich in der eigenen Selbstsicherheit, rasch und kompromisslos im Handeln. "Typisch Mann!" schießt ihr durch den Kopf, und die junge Frau schnaubt leise durch die Nase. Um wie viel vernünftiger und gütiger können doch Weiber sein – und doch ist es meist der Mann, der das Sagen hat..! Missmutig wandert ihr Blick über die Mauern von Haupt- und Anbauten des Klosters, bis sie schließlich vor dem Tor stehen und Talahan den Türklopfer benutzt. Als sie schon denkt, das Klopfen sei erfolglos, öffnet sich das kleine Fensterchen, und sie späht neugierig in das Gesicht des Mannes, der hinausschaut. Misstrauisch runzelt sie die Stirn. Diese träge, ja fast gleichgültig wirkende Begrüßung für einen Diener seines Gottes wie Talahan scheint zu einem Mönch nicht recht zu passen[1]...
 1. Motiv erkennen auf den Mönch: 13

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #93 am: 13.03.2017, 19:42:57 »
Mittlerweile is auch die Elbin wieder bei der Gruppe. Von ihrem Sturz lässt sie sich natürlich nichts anmerken. Ein paar Flecken von Gras und Erde fallen auf ihrer Kleidung eher weniger auf und die blauen Flecken darunter ohnehin nicht. Neugierig schaut sie in Richtung des Tors. Dort war tatsächlich einer der Klosterbrüder zu sehen. Sie zuckt mit den Schultern und wartet gespannt darauf, wie das Gespräch mit ihm verläuft. Dabei mustert sie den Mann aufmerksam, hält aber auch ein Auge auf die Umgebung. Man weiß ja nie, was für Bestien hier im Unterholz lauern könnten.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #94 am: 14.03.2017, 00:04:02 »
Abdo beobachtet den Versuch der Elbin, die Mauern des Klosters zu erklimmen, mit verhaltener Neugierde. Ihm ist nicht ganz klar, was die Frau damit bezwecken möchte, sonst hätte er angeboten, es selbst zu versuchen. Seine Vermutung, dass sein eigenes Klettergeschick das Aeryns übertraf, wurde zumindest soweit bestätigt, als dass sie recht unsanft auf dem Boden aufschlägt.
Das alles nimmt der Ya'Keheter zwar zur Kenntnis, bleibt aber fokussiert auf sein eigentliches Ziel, das Kloster. Nachdem die Gruppe einen Moment vor den Toren gewartet hat, fasst sich Talahan schließlich ein Herz und klopft. Eine Weile tut sich nichts, und gerade als Abdo sich innerlich darauf vorbereitet, doch selbst einen Versuch zu starten, die Mauern zu überwinden, wird ihnen geöffnet, und ein albern aussehender Mann mit Halbglatze empfängt sie in etwas, das nach Abdos Meinung nur ein Schlafgewand sein kann - dabei ist es immer noch heller Tag!

Die etwas unhöflichen Worte des Mannes verschlagen den Mitgliedern der kleinen Gruppe einige Momente die Sprache, und es ist Abdo, der sich als erster fasst und, im Gegenzug ebenfalls auf die meisten Höflichkeitsfloskeln verzichtend, antwortet: "Seid gegrüßt, Gottesmann! Wir kommen aus Kromdag und wurden von Fürst Ayrin geschickt, um das Verschwinden mehrerer Karawanen aufzuklären. Sein Befehl lautet, auf jeden Fall mit dem Abt eures Klosters zu sprechen. Könnt Ihr diesem bitte unser Kommen mitteilen?"

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #95 am: 14.03.2017, 11:44:58 »
"Verschwundene Karawanen?" echot der Bruder. "Das klingt für mich nach einer Aufgabe für die weltliche Obrigkeit. Habt Ihr schon mit Fürst Soren oder seinem Sohn gesprochen?" Etwas arg verspätet, wie Lîf findet, nickt der Mönch grüßend in Talahans Richtung und setzt, mehr pflichtschuldig als aus einem entsprechenden Empfinden heraus, die Anrede "Bruder" hinzu.[1]

"Haben wir", entgegnet Talahan ebenso knapp. "Doch unser Befehl lautet, auch mit dem Abt zu sprechen."

"Pater Halfir ist momentan unpässlich", sagt der Mönch. "Kommt in ein paar Tagen wieder." Und schon hebt er die Hand nach der Tür des Guckloches, um es wieder zu verschließen.
 
 1. Lîf, bisher hat der Mönch noch nicht viel mehr getan, als durch ein kleines Guckloch gegrüßt, deswegen kann ich noch nicht viel zu Deinem Sense Motive sagen. Ich werde Deinen Wurf aber in Erinnerung behalten und im Verlauf des weiteren Gesprächs ggf. weitere Hinweise einstreuen.
« Letzte Änderung: 14.03.2017, 15:26:51 von Gaja »

Hjálmarr

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Der Weihort
« Antwort #96 am: 14.03.2017, 18:26:34 »
Hjalmarr hat sich etwas außer Sicht rechts neben dem Tor platziert und greift nun schnell nach der Klappe des Gucklochs, wohl darauf achtend bei entsprechendem Kraftaustausch keine eingeklemmten Finger davon zu ziehen. Sie haben keine Zeit für seltsame Praktiken und Formalitäten des Alltags. Dort unten im Dorf sterben und verwandeln sich scheinbar Menschen in wilde Bestien, ohne das jemand etwas dagegen tut. Als seine Hand die Klappe in ihrer offenen Position hält, schiebt er sich etwas ins Sichtfeld.

"Es geht nicht nur um verschwundene Händler und ihre sabbernden Maultiere. Ich versichere euch, dass diese Angelegenheiten von äußerster Dringlichkeit sind und keinen Aufschub zulassen. Geht und überbringt unser Gesuch eurem Pater, denn in ein paar Tagen wird es vermutlich schon zu spät für die Dörfler Ansdags sein. Hier geht es um ihre Sicherheit und auch um die eure!" Mit ernster, durchdringender Miene blickt er dem Mönch durch den hölzernen Ausschnitt direkt in die Augen.[1]
 1. Einschüchtern 10

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #97 am: 14.03.2017, 20:04:42 »
Freydis hält sich bewusst zurück. Darauf bedacht möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken überlässt sie ihren Gefährten das Wort. Nur bei Aeryns missglücktem Kletterversuch schleicht sich die Andeutung eines Lächeln auf das Gesicht der Berührten. Zu selten verliert die sonst so gewandte Elfe so die Kontrolle.

Der Mönch wäre ihr auch mit besserem Benehmen schon durch seinen Glauben suspekt, dass er in solchen Zeiten Besucher dermaßen gelangweilt begrüßt und sein Benehmen kaum besser wird nachdem er erfahren hat auf wessen Befehl sie hier sind erregt erst recht ihr Misstrauen. Freydis runzelt die Stirn und ihre Augen sind fast himmelblau als sie den Mönch mustert, aber schlau wird sie aus ihm nicht.[1]
 1. Sense Motive 5
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #98 am: 15.03.2017, 00:48:27 »
Dieser Landstrich und seine Bewohner machte Abdo mehr und mehr zu schaffen: Hat denn jeder hier etwas zu verbergen? Für ihn, dessen ganzes Dasein auf den Werten Wahrheit und Rechtschaffenheit basiert, ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass hier offenbar jeder Mensch, auf den sie treffen, irgendwelche düsteren Geheimnisse hegt. Sein erster Eindruck von diesen sogenannten Mönchen lässt ihn erschüttert zurück, denn Nächstenliebe und die Pflicht, anderen zu helfen, scheint dieser Mann nicht zu kennen. Immerhin scheint er Abdo in der langsam einsetzenden Dämmerung und durch die kleine Luke nicht genau erkannt zu haben, sonst wäre seine Entgegnung vermutlich noch ablehnender ausgefallen - zumindest lassen diesen Schluss Abdos bisherige Beobachtungen zu.

Dennoch versucht der Ya'Keheter noch einmal, mit Worten zu dem Mönch durchzudringen, nachdem Hjálmarr dafür gesorgt hat, dass er die Klappe nicht so schnell wieder schließen konnte, wie er wohl erwartet hat.
"Euer Abt hat sicherlich einen Vertreter, mit dem wir sprechen können? Die Anweisungen des Fürsten waren sehr deutlich."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #99 am: 16.03.2017, 11:13:30 »
Dicht neben Tristan stehend, mustert Lîf das Tor, die umgebenden Mauern und das Gesicht des Mannes in der kleinen Öffnung der hölzernen Barriere. Sie spürt regelrecht, wie sich zwischen dem Mönch und Talahan eine unausgesprochene Aura von Steifheit und Misstrauen, womöglich sogar Ablehnung aufzubauen beginnt. Das ist gewiss nicht der Empfang, den der Anführer der kleinen Reisegruppe erwartet hat – um das zu erkennen, muss man über keine große Empathie verfügen. Schweigend folgt der Rotschopf dem Gespräch, in dem auch Abdo eine recht aktive Rolle übernimmt. Sie konzentriert sich dabei aber nach wie vor auf den Mönch, der ihr immer seltsamer vorkommt.

Regelrecht überrascht ist sie, als der Mann selbst Talahan mit ein paar dürren Worten abfertigen und das Gespräch einfach beenden, sie also von der Klosterpforte abweisen will. "Eine sehr freundliche Aufnahme..." bemerkt sie leise zu ihrem Mann. "...die sind sich ja nicht mal untereinander grün." Gespannt beobachtet die junge Druidin, wie sich die Überzeugungsversuche der anderen entwickeln. Doch selbst greift sie nicht ein. So wie ihr der Mönch als Vertreter eines in ihren Augen falschen Glaubens nicht geheuer ist, hat sie das sichere Gefühl, der Sache der Gruppe mehr zu schaden als zu nutzen, sollte sie zu sehr in Erscheinung treten und dem Mann durch Gesten, Worte oder andere Anzeichen als Dienerin der Großen Mutter offenbar werden.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #100 am: 16.03.2017, 13:42:50 »
Hjálmarrs hitzige Worte lässt der Mönch unbeeindruckt an sich abprallen. Auch als ersterer die Faust gegen das Türchen stemmt, um das Schließen des Gucklochs zu verhindern, verzieht der Mönch keine Miene. (Übrigens hat Talahan fast gleichzeitig die Hand gehoben, wohl mit ähnlichem Ziel, doch Hjálmarr war schneller.) Nach kurzem Gegendrücken—Erstaunliche Kraft für so ein Mönchlein, denkt Hjálmarr, "der stemmt täglich wohl doch mehr als bloß die Schreibfeder—gibt er kommentarlos auf. Lediglich sein kühler Blick bleibt kurz an dem Lesdager hängen, dann gleitet er schon weiter zu Abdo, der es noch einmal mit Vernunft versucht. Diesmal blickt der Mönch den Ya'Keheter voll an und dennoch spiegelt sich auf dem blassen Gesicht keinerlei Überraschung. Das ist nicht die Reaktion, die Abdo von den Menschen in Dalaran gewohnt ist.

(Hilda zum Beispiel ist anfangs ganz überrascht gewesen, dass ihre Hände nicht schwarz wurden, wenn sie ihn anfasste, wo er doch so schmutzig sei. In Kromdag fiel ihm auf, dass die Leute Abstand zu ihm hielten und dass sie, stieß man doch einmal im Gedränge aneinander, erschrocken ihre Kleidung nach Flecken absuchten. In Ansdag hat man ihn gar für einen Dämonenboten gehalten.)

Doch hier legt der Mönch einfach nur den Kopf schief und scheint über Abdos Worte nachzudenken. So steht er eine ganze Weile lang da, als gäbe es einiges dabei abzuwägen. Obwohl, denkt Lîf, es lässt sich so gar kein Ringen um Für und Wider in seiner Miene erkennen, sein Blick geht weder in sich noch in die Ferne wie bei jemandem, der Argumente sucht oder verfolgt. Trotzdem gelangt der Mann zu einem Schluss. Er nickt Abdo zu.

"Das wäre Bruder Edgar, unser Bibliothekar. Er ist gleich hier vorne im Skriptorium. Mit ihm könntet Ihr sprechen, wenn Ihr wollt."

Der Gedanke, das düstere Gebäude zu betreten, lässt Freydis erschauern. Damit hat sie gerechent, darauf ist sie vorbereitet. Worauf sie nicht vorbereitet ist: selbst an diesem Ort klingen die Worte "Bibliothek" und "Skriptorium" in ihren Ohren wie sehnsüchtige Verheißung, erfüllen sie mit wohliger Vorfreude.

Aeryns Gedanken, wesentlich prosaischer, befassen sich dagegen immer noch mit der Frage, wie man hier denn heimlich einsteigen könnte. Also, direkt am Tor ist die Mauer etwas niedriger und es gibt auch keinerlei Überhänge oder Überbauten, da käme man schon mit Seil und Haken gut rauf. Nur heimlich wäre das dann nicht mehr—auch wenn sie keine Wachen erspäht, kann man hier aus diversen Fenstern einblicken—und man wäre auch noch nicht im Gebäude selbst.

Tristan als einziger hat sein Schwert gezogen. Auch er hat die Augen auf die Umgebung, weniger auf den Mönch gerichtet. Als Lîf ihn auf die Art des Empfanges anspricht, spuckt er aus. "En god munk er den, der brænder"[1], kommentiert er ebenso leise. Sein Tonfall ist dabei so bitter, die Miene so böse, dass Lîf sich unwillkürlich fragt, ob ihr Mann tatsächlich dazu imstande wäre: Mönche bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Jedenfalls ist es gut, dass sie beide im Hintergrund stehen und sowohl Tristans Gesten als auch der böse Spruch dem anwesenden Klosterbruder entgangen sein dürften.[2]

Derweil steht der Mönch da und macht von sich aus nicht die geringsten Anstalten, das Tor zu öffnen. Offenbar wartet er noch auf die Entscheidung der Gruppe.
 1. Värangsk: Ein guter Mönch ist der, der brennt.
 2. Intimidate "nur so": 13.
« Letzte Änderung: 16.03.2017, 19:01:10 von Gaja »

Aeryn

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« Antwort #101 am: 16.03.2017, 14:00:09 »
Aeryn ist tatsächlich etwas verwundert über das Angebot des Mönchs. Sie glaubt noch nicht daran, dass hier alles seinen rechten Weg geht. Aber so würden sie zumindest schonmal Eintritt in das Kloster erlangen, was ihnen auch einige Einblicke geben sollte. Den merkwürdigen Geruch hat sie noch im Hinterkopf und wird sich den Mönch auch genau anschauen, sobald das Tor einmal geöffnet wird, nimmt sich die Elbin vor.

"Dann öffnet endlich das Tor, damit wir mit dem Vertreter eures Abts sprechen können," ruft die kleine Waldläuferin hinter den großen Schultern der Männer, die vor dem Guckloch stehen.

Vielleicht ist es auch eine Falle. Er hatte lange gezögert, bis er das Angebot gemacht hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, nimmt Aeryn ihren Bogen von den Schultern und macht ihn bereit. Man weiß ja nie, und manchmal kommt es auf jede Sekunde an. Daher will sie für den Fall der Fälle gewappnet sein.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #102 am: 20.03.2017, 18:31:57 »
"Das wollen wir", bestätigt Talahan, was Aeryn bereits nach vorne gerufen hat. "Also lasst uns endlich herein."

Darauf geht, sofern Hjálmarr es zulässt, die Luke zu und man hört ein Gewurschtel hinter der Tür, ein Hantieren mit diversen Riegeln und Schlössern. Endlich öffnet sich eine im Tor eingearbeitete mannsbreite Tür, durch welche die Gefährten einzeln eintreten.

Vor ihnen liegt ein zunächst schmaler, dann sich weitender und trotz der späten Stunde noch recht sonniger Hof oder vielmehr, wie sie nach wenigen Schritten erkennen, kein bloßer Hof, sondern ein üppig angelegter Klostergarten. Spalierobst bedeckt die dem Süden und dem Osten zugewandten Mauern; Efeu die dem Norden zugewandte. Dazwischen reihen sich ordentliche, mit Weidengeflecht umsäumte Gemüse- und Kräuterbeete. Streng getrennt davon: die Heilkräuter. Bohnen und Gurken ranken kreisförmig angeordneten Holzstangen empor. In einer geschützten Ecke finden sich mehrere Bienenstöcke, relativ zentral dagegen ein Brunnen.

"Bruder Edgar gab's hier schon, als ich vor gut zehn Jahren als Pilger hier war", erklärt Talahan. "Auch wenn er damals noch nicht den zweitwichtigsten Posten belegte, fiel er mir schon als tüchtig und hilfsbereit auf."

Lîf hält weiterhin Ausschau nach Anzeichen von Verderbnis, entdeckt aber lediglich ein paar leichte Sturmschäden: abgeknickte Ranken bei den Bohnen, von Hagel zerschlagene Früchte und Blätter bei den Gurken, eine mit Blättern verstopfte Drainage. Einen so großen und beeindruckenden Kräutergarten hat Lîf noch nie gesehen: auch wenn er für ihren Geschmack zu streng geometrisch angelegt ist, kann sie eine gewisse Bewunderung nicht leugnen.

Drei Türen führen vom Hauptgebäude in den Klostergarten, eine von dort in den Gästetrakt. Ein zweites Tor geht am  gegenüberliegenden Ende des Hofes Richtung Norden. Auf genau dieses steuert ihr Führer schlurfenden Schrittes zu, dass sich manch einer schon fragen mag: Wie, will er uns gleich wieder herausführen? Doch dann biegt der Mönch doch im letzten Augenblick ab und öffnet die nördlichste Tür zum Gebäude. Er wendet sich mit einer letzten Bitte an die Besucher: "Sprecht drinnen nur mit Bruder Edgar und stört die anderen Brüder nicht bei der Arbeit. Sie arbeiten an einem wichtigen Manuskript und benötigen all ihre Konzentration. Einige von ihnen haben auch ein Schweigegelübde abgelegt. Lenkt sie bitte nicht ab."

Damit tritt er ein. Die Gefährten aber bleiben zunächst einmal im Eingang stehen, denn nach dem hellen Hof müssen sich ihre Augen an das Dunkel des Skriptoriums erst gewöhnen—trotz der vielen Kerzen und Standleuchter, die ringsum aufgestellt sind. Und so hören sie zunächst das Kratzen der Federn über Pergament, das Knarzen der Schemel und Schreibpulte, das gelegentliche Husten oder trockene Räuspern, bevor sie die sechs Brüder ausmachen können, die, tief über ihre an beiden Längsseiten des Raumes verteilten Schreibpulte gebeugt hocken und konzentriert ihrer Arbeit nachgehen. Der Geruch, welcher Aeryn bereits bei ihrem Führer auffiel, schlägt ihr hier dreimal so stark entgegen. Sogar die anderen finden, dass es hier im Skriptorium muffig riecht, irgendwie feucht und erdig. Nun gut, es ist ein kleiner Raum mit gerade einmal zwei winzigen Fenster, aber sieben Männern, die hier schon den ganzen Tag hocken und von denen man nicht weiß, wie sie es mit der Reinlichkeit halten. Vielleicht hat es nichts zu bedeuten.





Bruder Edgar sitzt an einem großen Tisch an der Stirnseite und blickt erst auf, als ihr Führer ihn anspricht. Nachdem er dessen getuscheltem Bericht gelauscht hat, winkt er sie ungeduldig heran, während sein Ordensbruder sich zur Linken der Gefährten durch eine Seitentür zurückzieht und sich nicht einmal mit einem Kopfnicken von ihnen verabschiedet. Unter ihren Schritten raschelt der aus Binsen geflochtene Läufer, als sie sich dem großen Pult nähern.

Der Bibiliothekar ist ein hagerer Mann mit schütterem grauen Haar und einer prächtigen Adlernase. Die grauen Augen blicken die Besucher klug, wenn auch ein wenig kurzsichtig an.

"Bruder Jarus sagt, Ihr kommt aus Kromdag?" begrüßt er die Gefährten, kaum haben diese sein Refugium erreicht. "Fürst Ayrin habe euch geschickt wegen der Überfälle auf die großen Karawanen und kleineren Händlerzüge? Wieviele Soldaten hat er Euch mitgegeben?"


« Letzte Änderung: 20.03.2017, 23:22:21 von Gaja »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #103 am: 22.03.2017, 14:36:18 »
Der erste Eindruck, den Abdo von diesem Kloster hat, deutet nicht darauf hin, dass sich hier ähnliche Vorfälle ereignet haben wie im Dorf. Der kleine Garten im Innenhof wirkt gut gepflegt, und Abdo ist beeindruckt von dessen klaren Struktur und Ordnung, wenn er auch mit den Pflanzen selbst nur wenig anfangen kann.

Auch im Innern des Gebäudes herrscht Ordnung und nichts außer ihrer eigenen Ankunft scheint die Stille des Arbeitsraums zu stören. Das Kleidungsstück, dass ihm beim Anblick des Mönches aufgefallen ist, scheint wohl doch kein Schlafgewand zu sein, sondern eine Art Uniform dieser Menschen, denn jeder der Mönche trägt das gleiche, kuttenartige Gewand. Hier tun sich nun doch Parallelen zwischen seinem eigenen Orden und den hiesigen Mönchen auf, denn beide waren wohl dem Sammeln und Bewahren von Wissen verpflichtet, und Abdo beneidet die hiesigen Gläubigen darum, in aller Ruhe an ihren Büchern arbeiten zu können, ohne dass der ständige Kampf gegen die Shetani deren Zeit in Anspruch nimmt. Frauen sieht der Ya'Keheter merkwürdigerweise nicht, aber womöglich sind diese auch nur mit einer anderen Aufgabe betraut.

Der Mann, der als Bruder Edgar vorgestellt wurde, kommt schnell zur Sache - nach dem Verhalten des Prinzen und des anderen Mönches eine erfreuliche Abwechslung, da es endlich einmal nicht so wirkt, als würde er etwas verheimlich wollen. Nachdem sich eine Weile niemand geäußert hat, ergreift schließlich Abdo die Initiative.
"Seid gegrüßt, Bruder Edgar! Abdo al'Mbabi ist mein Name, und wir Ihr richtig sagtet, hat Fürst Ayrin uns geschickt und beauftragt, mit Eurem Abt zu sprechen. So sind wir zu euch gelangt. Was Soldaten anbelangt, muss ich Euch enttäuschen, aber wir haben im Ort ein weiteres dringliches Problem vorgefunden, nämlich eine Krankheit, die sich unter den Bewohnern ausbreitet. Wir hatten Hoffnung, dass Ihr uns dabei unterstützen könnt."

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #104 am: 22.03.2017, 22:35:58 »
Freydis ist von dem ordentlichen Innenleben des Klosters beeindruckt. Hier drinnen macht es einen weitaus einladenderen Eindruck als von aussen, nicht unähnlich der Burg in der sie aufgewachsen ist.
Die Berührte freute sich auf die Gelegenheit die Bibliothek der Mönche zu sehen zu bekommen, aber trotz der Vorfreude und dem einladenen Eindruck des sonnigen Hofes kann sie sich des Gefühls nicht erwehren dass hier etwas nicht stimmt.
Das Innere der Bibliothek alamiert sie noch mehr. Die Feuchtigkeit die hier vorherscht würde niemand der Bücher liebt dulden. Schimmel würde die kostbaren Werke binnen kürzester Zeit unrettbar schädigen.
Sie runzelt die Stirn und hat zunehmend Mühe ihre Nervosität zu verbergen.
Wäre dies die Burg eines Adeligen würde sie diesen Bruder Edgar zur Rede stellen, aber hier will sie keine Aufmerksamkeit erregen, also überlässt sie weiterhin ihren Gefährten das Reden, aber sie beschließt zumindest einige ihrer Gefährten zu warnen. Sie lässt sich zu Tristan und Líf zurückfallen.
"Der er noget galt her. Det er alt for våd til et bibliotek!"[1] flüstert sie in stark akzentuirtem Värangsk, sie hat viel in der alten Sprache gelesen, aber nur sehr selten Gelegenheit gehabt sie zu sprechen oder zu hören.
Misstrauisch schnuppert sie und sieht sich in der Schreibstube um.[2]
 1. Värangsk: "Irgentwas stimmt hier nicht. Es ist viel zu feucht für eine Bibliothek!"
 2. Perception 23  (EDIT Gaja)
« Letzte Änderung: 28.03.2017, 14:18:01 von Gaja »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

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