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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 81616 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #105 am: 23.03.2017, 07:44:56 »
Aeryn ist für den ersten Moment von der Normalität, der sie hier im Kloster begegnen, doch ein wenig irritiert. Hatte sie doch etwas anderes erwartet. Aber dann war da wieder dieser Geruch, der ihr schon am Tor aufgefallen war. Sie konnte es nicht einordnen, aber es fühlte sich irgendwie auch falsch an. Irgendetwas ging hier auf jeden Fall vor sich, und sie mussten herausfinden, was es war. Sie durften sich nicht von der falschen Freundlichkeit der Priester und Mönche in die Irre führen lassen. Sie mussten auf der Hut sein. Der Feind stand direkt neben ihnen.

Naja, jedenfalls denkt die Elbin, dass es nicht schaden kann, hier ein wenig Vorsicht walten und die Augen offen zu lassen.

Es würde auch durchaus Sinn ergeben. Die Dorfbewohner waren direkt am nächsten Morgen hier gewesen und man hatte die Tore geschlossen gelassen. Mittlerweile ist etwas Zeit vergangen, und wenn ihre Vermutung stimmt, dass sich hier ein Bild zeigt, welches sie lediglich beruhigen und von irgendetwas ablenken soll, was sich hier abspielt, dann hat man die Zeit genutzt, um diese Scharade aufzuziehen. Der Fürstensohn wurde bei seinem Besuch dann getäuscht, hat auch sicher nicht genau hingesehen und sich schnell mit der Sache zufriedengegeben.

Sie durften sich nicht so leicht abwimmeln lassen. Oder doch? Vielleicht war es auch besser, die Klosterbewohner in Sicherheit zu wiegen, und nocheinmal einen anderen Weg in das Kloster hinein zu suchen.

So in Gedanken lässt Aeryn die anderen mit Bruder Edgar sprechen. Sie bewegt sich neben Talahan und zieht ihn ein Stück zur Seite, während der Bruder gerade mit Abdo spricht und dadurch hoffentlich abgelenkt ist. Leise sagt sie zu ihm: "Ihr sagt, ihr kennt Bruder Edgar von früher. Fällt euch etwas an ihm auf? Irgendetwas stimmt hier nicht. Es riecht so seltsam modrig und erdig. Hier. In einem Scriptorium. Nehmt Ihr das auch wahr?"

Dann lässt die Elbin aber auch schon wieder ab von ihm und versucht sich weiter auf den Geruch zu konzentrieren. Geht er von den Mönchen aus? Kann sie ihn auch aus Bruder Edgars Richtung wahrnehmen? Ist er irgendwo stärker oder schwächer? Aber sie hat Schwierigkeiten, sich genau zu konzentrieren[1].
 1. Wahrnehmung 11

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #106 am: 23.03.2017, 13:58:54 »
Mit einer Miene, aus der zumindest Tristan leicht ersehen kann, wie unwohl sie sich fühlt, beobachtet Lîf die vergleichsweise langwierigen Verhandlungen am Tor, bis sie endlich von dem Mönch eingelassen werden. Der Rotschopf zögert einen kurzen Moment, als sich einer nach dem anderen in Bewegung setzt, folgt den anderen aber dann. Die relativ enge Pforte, durch die sie eintreten, geben ihr das Gefühl, sich mit dem Durchschreiten des Portals in das Maul eines großen Raubtiers zu begeben, zumal die dicken Mauern sich einengend und geradezu erdrückend von allen Seiten in ihr Blickfeld schieben. Unbehaglich zieht sie ihren Umhang enger um sich. Umso überraschter ist die junge Frau allerdings von dem schönen Garten. Fachkundig gleitet ihr Blick über Beete und Bienenkörbe, und sie muss widerstrebend zugeben, dass die Mönche sich offenbar nicht so vollständig von der Großen Mutter abgewandt haben, wie sie erwartet hat.

Im Vorbeigehen bückt sie sich ein- oder zweimal, um ihre Hand liebkosend über einige der grünen Triebe streichen zu lassen. Das lässt sie etwas ruhiger werden. Sie beugt sich aber auch zu ihrem Mann und meint leise: "Vi er ivrige efter at se, om denne Edgar er så nyttige som Talahan siger... jeg ville blive overrasket, hvis nogen."[1]. Von dem Mönch auf die Bitte um Schweigsamkeit hingewiesen, öffnet sie fast automatisch den Mund zu einer Entgegnung, um zu demonstrieren, wie wenig sie sich von einem Anhänger seines Gottes sagen lässt, schließt ihn aber dann doch wieder stumm, nachdem sie sich darauf besonnen hat, wie sehr sie der Sache der kleinen Gruppe mit Trotz schaden könnte. Dennoch wirkt ihre Miene alles andere als beeindruckt, während sie sich die Schreiber betrachtet. Worte in Büchern! Wie sollten sie die Schönheit des Lebens und die Wahrheiten erfassen können, die man allein im Kontakt mit der Schöpfung der Großen Mutter erspüren kann?!

Und sonderlich gesund wirken die schmalen, blassen Gestalten auch nicht auf sie – was Wunder: Wie soll aus einem Knaben ein ganzer Kerl werden, wenn er immer die Sonne meidet und nur die Feder bewegt, statt tüchtig zu arbeiten, aber auch zu essen? Den Müttern, die ihre Jungen in die Obhut dieser dürren Uhus von Mönchen geben, sollte schon dafür das Hinterteil von ihren Männern verbläut werden – aber die, denkt sie sich resigniert, werden wohl leider auch kaum anders denken. Edgars kurzsichtiges Blinzeln bestätigt sie in ihrem Urteil, als sie endlich vor dem Bibliothekar stehen, und Lîfs Lippen kräuseln sich kurz. Sie hält sich aber wiederum an Tristans Seite im Hintergrund, wohl wissend, dass ihre negative Wahrnehmung leicht gegenseitiger Art sein könnte. Daher verschränkt sie auch die Arme unter der Brust und überlässt die Antworten auf Edgars Fragen Talahan und denjenigen ihrer Gefährten, die sich in dieser Umgebung unbeschwerter zu bewegen scheinen. Als Freydis zu ihr und Tristan kommt und sie plötzlich auf Värangsk anspricht, schaut sie ein wenig überrascht und lässt dann ihren Blick erneut umher streichen. Dazu schnuppert sie herum, nun auf den erdigen Geruch aufmerksam werdend[2].
 1. Värangsk: "Wir dürfen gespannt sein, ob dieser Edgar tatsächlich so hilfsbereit ist, wie Talahan meint... mich jedenfalls würde es wundern."
 2. Wahrnehmung 20 bzw., je nach geforderter Fertigkeit, evtl. 23

Hjálmarr

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Der Weihort
« Antwort #107 am: 28.03.2017, 15:21:10 »
Hjalmarr zieht seine Hand zurück, als der Mönch die Klappe schließt und tritt einen Schritt zurück. Ein flüchtiger Blick verrät auch in den Augen seiner Gefährten die leichte Anspannung. Seit er von diesem Kloster gehört hat, lag für ihn immer ein Schleier der Ungewissheit über diesem Ort des so heilig gesprochenen einen Gottes der Behadrim. Mit den Geschichten der Dörfler und den letzten Ereignissen verdunkelte sich sein Eindruck dieses Ortes zusehens und nun soll hier alles seinen gerechten Gang gehen? Hjalmarr ist nicht überzeugt, doch folgt er dem Mönch vorerst stumm und hält die Augen nach Ungewöhnlichem offen. Bisweilen scheint alles normal zu sein, auch wenn er noch nie ein Kloster von innen gesehen hat. So sieht es wohl aus.

Das Mauerwerk ist kalt, die Gänge verwinkelt und karg. Das Kratzen des Drecks unter den Rindsohlen ihres Führers hat gerade begonnen angenehm monoton zu klingen, als er hinter Aeryin die düstere Schreibstube betritt, die auf den ersten Blick doch eher einem Weinkeller gleicht. Er nickt Bruder Jarus kaum merklich zu, als dieser sie zu dem Stellvertreter vorschickt. Langsam schlendert Hjalmarr zwischen den Tischen und Stühlen hin und her, wirft kurze Blicke auf die angefertigten Abschriften und bleibt schließlich an dem Pult von Bruder Edgar stehen. Natürlich hat man ihnen aufgetragen niemanden zu stören, doch legt der Lesdager diese Bitte fast mit kindlichem Ungezwungenheit aus. Immerhin hat er niemanden angesprochen.

"Keinen." wirft er noch vor Abdos Ansprache trocken und knapp ein, während er einem der Mönche gelangweilt, aber dennoch aufmerksam und mit dem nötigen Abstand über die Schulter blickt. Dann fügt er ohne Umschweife an, nachdem Abdo fertig gesprochen hat "Was hat es mit dem Geschrei des Paters vor einer Woche[1] in der Nacht des schweren Gewittersturms auf sich?" Dabei achtet er gezielt auf die Mimik des Bruders.[2]
 1. EDIT Gaja
 2. Sense motive 12
« Letzte Änderung: 28.03.2017, 20:17:55 von Gaja »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #108 am: 28.03.2017, 22:58:57 »
Hjálmarr schlendert seinen Gefährten gelangweilt hinterher, oder zumindest tut er gelangweilt. (So richtig offen hat er seine Augen nicht. Er wähnt sich in düsteren Gängen, dabei durchschreiten die Gefährten einen wunderschönen Klostergarten und treten gerade einmal durch eine einzige Pforte und stehen bereits in der Schreibstube. Die allerdings ist mit Kerzen erhellt, nicht mit Tageslicht. Hätte man nicht einfach größere Fenster einbauen können?) Die Mönche, über deren Schulter er blickt, ignorieren ihn. Keine der sechs Federn hält irritiert inne, keine Hand zuckt, keine Konzentration bricht. Die Arbeiten sehen durchaus prächtig aus, ob man lesen kann oder nicht.

Bei Bruder Edgar angelangt, lässt sein kryptischer Einwort-Einwurf diesen nur die Stirn runzeln; die folgende Frage aber überrascht gegenfragen: "Das hat man bis ins Dorf gehört? Trotz Sturm? Donnerwetter." (In Abdos Ohren klingt die Überraschung aufgesetzt; ebenso die folgende Anteilnahme.[1]) "Ja, das war schlimm. Er hatte sich verletzt und die Wunde war brandig geworden. Da hilft nun einmal nichts außer das Gliedmaß absägen."

Nahtlos fährt der Bibliothekar an Abdo gewandt fort: "Eine Krankheit breitet sich im Dorf aus? Das ist schlimm", kommentiert er die Neuigkeiten. "Aber so schlimm kann es auch wiederum nicht stehen, sonst hätte man ja nach unserem Infirmar geschickt. Aber dass ihr keine Soldaten dabei habt, das ist schade, denn die Räuber sind inzwischen wahrhaft eine Plage. Auch wenn ich kein großer Gärtner bin, sei mir der Vergleich gestattet: Unkraut reißt man besser aus, sobald es sich zeigt, und lässt es nicht erst groß und stark werden und so den nützlichen Pflänzlein Wasser, Licht und Nahrung rauben. 'Lass uns endlich unsere Ordensritter herbeirufen', habe ich Abt Halfir inbrünstig beschworen, doch er wollte noch abwarten. 'Soren hat längst nach Kromdag geschickt', erklärte er mir, als die erste Karawane ausblieb und später bei der zweiten: 'Jetzt wird Ayrin handeln müssen.' Da sagt Ihr wohl zu recht, dass ich enttäuscht bin, dass er nur vier Mann geschickt hat und das auch erst jetzt. Ein Dutzend Wachen konnten den großen Handelszug nicht vor den Räubern schützen, was wollt Ihr da erreichen? Habt Ihr schon mit Uther gesprochen, dem Sohn unseres örtlichen Fürsten? Er war wie ich von Anfang an für Handeln statt Abwarten und überblickt die Lage besser als sein Vater, der nie ein entschlossener Anführer war und im Alter jetzt auch noch zu Zerstreutheit neigt."

Eine Pause folgt dieser langen Rede, in der erst einmal niemand etwas zu antworten weiß. Zu schnell hat der Bibliothekar die Worte heruntergeleiert, zu sprunghaft wechselten sich dabei die Themen ab. Er sprach von etwas banal-alltäglichem wie Unkrautrupfen im gleichen Tonfall wie von Krankheit oder Räuberplage. Und weil niemand gleich antwortet, fällt ihm auch noch ein Nachsatz ein: "Abdo al'Mbabi ist Euer Name, da kommt Ihr wohl von weit her? Eure Züge sind ja auch sehr fremdländisch. Kommt Ihr vom großen Festland? Wurdet Ihr wegen der ausbleibenden Handelsschiffe ausgesandt?"

Abdo blickt sich nach Talahan um, der während Edgars Rede einmal empört einwarf: "Um Räuberbanden kümmert sich normalerweise der Fürst vor Ort. Ayrin hat genug mit dem Krieg zu tun! Und Sorens Bote war alles anders als kohärent...", ohne dass Bruder Edgar dafür in seiner Rede innegehalten hätte. Doch jetzt, da Talahan die Gelegenheit zum Einspruch hätte, lauscht er mit geneigtem Kopf etwas, das die Elbin ihm ins Ohr raunt. Abdo sieht sich überraschend in der Rolle des Sprechers. Wie ist er nur dazu gekommen? Der Bibliothekar jedenfalls sieht ihn erwartungsvoll an.[2]

Von Aeryn auf den seltsamen Geruch angesprochen, saugt Talahan überrascht in drei verschiedene Richtungen Luft ein und zuckt dann ratlos mit den Schultern, als verstehe er nicht, was sie meine. Als alter Kämpe hat er es sich angewohnt, die meisten Gerüche auszublenden—Schweiß, Blut, hervorquellendes Gedärm oder einfach nur viel zu viele ungewaschene Leiber auf zu engem Raum: das sind die normalen Gerüche im Soldatenleben, neben Bohneneintopf mit viel Zwiebel. Doch selbst jetzt, wo er aktiv schnuppert, scheint er nichts zu bemerken. Menschen haben ja sowieso einen schlechteren Geruchssinn als Elben und Talahans ist mit den Jahren wohl sehr abgestumpft. Allerdings fällt Aeryn selbst auch nicht mehr zu dem Geruch ein als vorhin beim Tor, auch wenn er jetzt intensiver ist: feuchter Waldboden.

Auch Freydis muss ihren ersten Einfall revidieren: Es riecht nicht nach Schimmel. Trotzdem: die Feuchtigkeit kann nicht gut sein für das Schreibmaterial, das ringsum gelagert wird, oder für die Schriftrollen und Manuskripte, die sich linkerhand in vier großen Regalen neben dem Schreibtisch des Bibliothekars befinden. Sie blickt sich suchend um, kann aber nicht ausmachen, woher die Feuchtigkeit stammen könnte außer von den Männern selbst. Schwitzen diese etwas besonders stark? So warm ist es heute doch gar nicht, eigentlich eher kühl hier drinnen—für jemanden, der von draußen kommt und eine Bergwanderung hinter sich hat. Aber sie entdeckt keine Schweißperlen auf den Stirnen der Mönche, kein schweißnasses Haar.[3]

Dann wird sie durch die Inschriften abgelenkt, die in die Kopfleisten eines jeden Regals eingeritzt stehen: Sinnsprüche über das Wissen, wie es sich für diesen Ort geziemt, doch erscheinen sie Freydis eher wissensfeindlich. "Bemühe dich nicht, alles wissen zu wollen, sonst lernst du nichts", fängt es noch eher harmlos auf dem linken Regal an. Daneben wird gewarnt: "Solange du das Wissen suchst, musst du die Weisheit missen." Darauf wird man wortreich ermahnt: "Wer wenig weiß, geht häufig fehl; wer zu viel weiß, kommt nicht vom Fleck, denn vor jeder Entscheidung scheut er zurück in banger Sorge: kenne ich alle Fakten? habe ich alles bedacht? kein Detail übersehen? Wie in allem gilt es auch beim Wissen: auf das gesunde Maß kommt's an." Der letzte Spruch sagt provokant: "Mehr wissen zu wollen, als man braucht, ist Gier, ist Futterneid, ist Völlerei!"

Freydis zuckt zusammen, als jemand direkt neben ihr verächtlich schnaubt. Tristan ist neben sie getreten und hat wohl ebenfalls die Inschriften gelesen. Ein Inselpirat, der lesen kann? Die Welt ist voller Wunder. Dazu teilt er offenbar ihre Meinung zu diesen Sprüchen. Bevor sie ihn ansprechen kann, ist er aber schon wieder an der Seite seiner jungen Frau, die ihm schon beunruhigt nachgeblickt hat, obwohl er sich ganze drei Schritt von ihr fortgewagt hat.

Lîf denkt gerade wieder an die Worte ihres Mannes draußen im Klostergarten. "Så hjælpsom som den strenge far, der uddanner sin søn med slag", lautete seine Antwort auf ihre Bemerkung. "Alt til sin fordel, selvfølgelig, at han er en anstændig mand. Senere, når sønnen er allerede takke ham for det."[4] Sie weiß, dass Tristan als Junge einige Jahre in einem Kloster verbracht hat und dass er nicht gern über die Zeit spricht. Ein einziges Mal hat er es über sich gebracht, ihr davon zu erzählen, in knappen Worten und mit hohler Stimme. Erst vorhin vor Solveigs Hütte hat er ihr dann offenbart, dass er sein Leben dort als so schlimm empfand, dass der brutale Überfall der Rûngarder Piraten ihm glückselige Befreiung war. Ein guter Mönch ist der, der brennt... Lîf überkommt ein Schauer. (Es ist aber auch sehr kühl hier drinnen, wenn man aus der Sonne kommt.)

Den seltsamen Geruch, auf den Freydis sie anspricht, identifiziert Lîf mühelos. Vielleicht liegt das daran, dass sie sich gerade erst Gedanken darüber gemacht hat, ob die Mönche auch genug zu Essen bekommen. Jedenfalls riecht es hier nach Pilzen. Frischen Pilzen, keinem Pilzeintopf. Wie gerne wäre sie jetzt im Wald, ein leichtes Weidenkörbchen am Arm, auf der Suche nach derlei Köstlichkeiten! Zuletzt war es die alte Esja auf Jarlsö, die Lîf zum Pilze Sammeln begleitet hat und ihr auch einige zeigen konnte, die Lîf noch nicht kannte. Es gibt auch heilkräftige Pilze, doch diese sind knifflig in der Anwendung, denn der Grat zwischen Gift und Heilmittel ist hier meist besonders schmal. So ganz von ungefähr kommt es nicht, wenn Heilerinnen vom unwissenden Volk (oder der oft ebenso unwissenden Obrigkeit) als Giftmischerinnen verkannt und verschrieen werden.

Lîf schnuppert noch ein paarmal, bis sie sich sicher ist: der Geruch scheint von den Mönchen selbst auszugehen.
 1. Hjálmarrs Wurf hat nicht gerreicht; Abdos ja.
 2. Sorry, Talahan ist mir ein bisschen lästig. Ich hoffe, es ist nicht allzu platt und offensichtlich, wie ich ihn immer aus dem Weg bugsiere, damit die Spieler selbst das Geschehen steuern...
 3. Bitte Zusatzhinweis im Würfelfaden hier beachten.
 4. Värangsk: "So hilfsbereit wie der strenge Vater, der seinen Sohn mit Schlägen erzieht."—"Alles zu seinem Wohl, natürlich, auf dass er ein anständiger Mensch wird. Später einmal wird der Sohn es ihm schon danken."
« Letzte Änderung: 02.04.2017, 00:08:11 von Gaja »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #109 am: 01.04.2017, 13:59:16 »
Indem sie für einen Moment ihre Vorsicht vergisst, verzieht Lîf das Gesicht, als sie etwas von abgesägten Gliedmaßen hört. Diese unwissenden, arroganten Narren..! Statt sich auf die uralten Weisheiten heilkundiger Weiber zu verlassen, die das Wissen der Großen Mutter seit undenklichen Zeiten von Mutter zu Tochter weitergeben, leugnen sie beharrlich, dass es Heilmittel gibt, von denen sie nichts wissen – und das selbst um den Preis bedauernswerter Krüppel, unter ihren Fleischermessern von kraftvollen Kerlen und fruchtbaren Weibern zu bloßen Schatten ihrer selbst gemacht..! Man sieht der Miene des jungen Kräuterweibes für einige Momente deutlich an, was sie von der Aussage hält. Doch immerhin kann der Rotschopf sein streitlustiges Mundwerk im Zaum halten. Sie stößt lediglich ein leises Schnauben aus, während sie Tristan einen Blick zuwirft. Den weiteren Ausführungen des Bibliothekars hört Lîf jedoch nur noch mit halbem Ohr zu. Zu sehr beschäftigt sie der eigenartige Geruch, dessen Quelle sie verwirrt.

Während ihr Mann sich mehr für die Schriften interessiert, mustert sie nun eingehender die Mönche, wobei sie sich auch auf diese Aufgabe zu konzentrieren versucht, weil Tristan selbst ihr, einer erklärten Gegnerin der Klosterleute, gelegentlich ein unbehagliches Gefühl beschert, ja, beinahe ein wenig Angst macht, wenn sich seine Wut auf die Mönche so zeigt. Kurz stiehlt sich ein verträumtes Lächeln auf ihre Lippen, als sie sich selbst beim Pilzesammeln sieht, um für Tristan und sich eine wundervolle Mahlzeit aus den köstlichen Geschenken Gayas zu bereiten, dann runzelt sie jedoch die Stirn, beäugt die Männer noch genauer und schnuppert weiter:[1] Kann es sein, dass der Pilzgeruch von ihren Mündern ausgeht? Haben sie etwas zu sich genommen, das derart intensiv riecht? Oder tragen sie etwas bei sich..? Die junge Frau ist ratlos. Um einem der Schreiber ganz nahe zu kommen, tut sie so, als habe sich der Saum ihres Kleides an seinem Pult verhakt, und bückt sich, um den Stoff scheinbar wieder lösen, während sie intensiv die Luft einzieht.
 1. Falls dafür nochmals Wahrnehmung zu würfeln ist: 10 (seufz...)

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #110 am: 01.04.2017, 17:35:11 »
Freydis schnaupt verächlich als sie die Inschriften liest. "Was man davon hat, konnten wir ja heute im Dorf trefflich sehen. Durch Unwissenheit verursachte Panik und Tatenlosigkeit und die einzige die das nötige Wissen hat und sinnvolle Maßnahmen ergreift wird dafür als Hexe verdächtigt und riskiert buchstäblich ihr Leben um diesen unwissenden Narren zu helfen!" sie schüttelt innerlich den Kopf. "Der größte Vorteil im Kampf, ist stehts dass, was der Feind nicht über dich weiß!" zitiert sie in Gedanken Jork Kuit, den ersten König von Dalaran. Wissen ist der Schlüssel zu gutem Regieren, zu Siegen auf dem Schlachtfeld - aber das ist es wahrscheinlich was diese Priester wirklich im Kopf haben: Sie halten die Leute dumm, ungebildet und abergläubisch. Schafe, die leicht zu beinflussen und zu beherrschen sind!" Wut wallt in der Berührten auf und die blaugrauen Augen nehmen fast die Farbe eines klaren Sommerhimmels an. 
In einer Zeit in der Dalaran mehr denn je Einheit und eine starke und mutige Bevöllkerung braucht kommen diese scheinheiligen Mönche und Priester daher und spalten nicht nur das Land in alten und neuen Glauben sondern verwandeln auch noch Dörfler in abergläubische hilflose Schafe und das alles nur um sich und ihrem Gott Macht zu zu schanzen.
Plötzlich will sie eigentlich nur noch raus aus diesem Kloster. Ein paar Werwölfe die diese scheinheilige Bande masakrieren kämen gar nicht so unrecht. Und so es nur als Beweis für die "Schafe", dass ihr Gott keineswegs mehr Schutz zu bieten hat als Gaja. Und was hat es mit den Farben auf sich? Beim Weg durchs Skriptorium hat sie den ein oder anderen Blick über die Schultern der Schreiberlinge erhaschen können und entweder sind die Brüder seit kurzem farbenblind oder ihre Kunstfertigkeit lässt gewaltig zu wünschen über. Jedenfalls weichen verschiedentlich Farben ganz offensichlich von dem ab, was sie sein sollten, beissen sich mit benachbarten Farben. Noch ein Hinweis, das hier eindeutig etwas nicht stimmt.
Aber auch wenn sie innerlich kocht, überlässt sie weiter Abdo und Talahan das Wort. Livs Manöver zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich und sie tritt hinzu wie um der Schwangeren zu helfen. 
"Vær opmærksom på farverne! Kan du se det?"[1] flüstert sie.
 1. Svaerensk: "Achte auf die Farben! Siehst Du es?"
« Letzte Änderung: 09.04.2017, 17:48:10 von Freydis »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #111 am: 02.04.2017, 00:11:13 »
Abdo ist selbst erstaunt über seine forsche Art, aber als er dann den anderen das Wort überlassen will, stellt er erschrocken fest, dass irgendwie alle mit etwas anderem beschäftigt sind. Die einen sehen den Mönchen über die Schulter, die anderen unterhalten sich untereinander, und plötzlich muss er, der Ausländer, der der hiesigen Sprache ohnehin nur einigermaßen mächtig ist, das Gespräch führen.

Sein Gesprächspartner, Bruder Edgar, macht sich jedenfalls schnell verdächtig. Die Geschichte mit dem Abt wirkt zu sehr auswendig gelernt, und ob ein amputiertes Bein tatsächlich den Begriff "unpässlich" verdient, den der Torsteher verwendet hat? Auch das folgende klingt wieder genauso wie das Abwiegeln des Fürstensohnes. Worte, die bewirken sollen, dass man keine Fragen stellt und schnell wieder verschwindet. Und ein schneller Themenwechsel. Die gesamte Situation stinkt nach Lügen.

"Ja, schlimm, das alles." antwortet er dem Mönch mit kaum verhohlenem Sarkasmus, seine eigenen Worte verwendend. Er unterlässt den Hinweis darauf, dass die Dorfbewohner sehr wohl jemanden geschickt hatten, doch die Freundlichkeit ist aus seinem Tonfall entwichen.
"Fürst Ayrin hat uns geschickt, weil wir die Besten sind. Außerdem solltet Ihr die Frauen nicht unterschätzen. Wir werden uns schon um die Räuber kümmern. Aber Ihr stimmt mir sicher zu, dass der Schutz der Dorfbewohner gerade wichtiger ist. Mich überrascht, dass Ihr nichts von der Seuche wisst, wo Ihr doch deren Ursache beseitigt habt. Ihr könnt uns doch sicher zu der Stelle führen, damit wir Hinweise sammeln können, wie die Krankheit am besten zu heilen ist?
Und wenn es nicht zuviel verlangt ist, würde ich gerne Eurem Abt die Aufwartung machen und für ihn beten."

Aris würde ihm diese kleine Täuschung verzeihen, denn dass sein Gegenüber ihn angelogen hat, was den Abt betrifft, scheint ihm klar zu sein. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu dem Schluss zu kommen, dass auch dieser die merkwürdigen Symptome der Dorfbewohner aufweist, und der Ya'Keheter ist entschlossen, zu dem Mann vorzudringen - auf welche Weise auch immer.

Um Edgar nicht komplett vor den Kopf zu stoßen, beantwortet Abdo noch recht einsilbig die Fragen zu seiner Herkunft: "Ich weiß nichts von Handelsschiffen, und ja, ich komme aus einem großen festen Land. Ob es das gleiche ist, das Ihr meint, weiß ich nicht. Ich bin wegen der Shetani hier, die Ihr Dämonen nennt."
« Letzte Änderung: 02.04.2017, 00:11:51 von Abdo al'Mbabi »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #112 am: 06.04.2017, 19:55:46 »
Abdos sarkastischer und auch—trotz etwas versöhnlicherem Ausklang—aggressiver Tonfall erregt Talahans Missfallen weitaus deutlicher als Bruder Edgars. Letzterer verzieht keine Miene, während ersterer erschrocken zum Tisch drängt und erklärend eingreift: "Aber die Dorfbewohner waren hier, Bruder Edgar, am Tag nach dem Sturm, doch die Tore blieben ihnen verschlossen. Als dann ein paar Tage später die Krankheit ausbrach, ging alles zu schnell, und seit der ersten Verwandlung traut sich keiner mehr aus dem Haus. Inzwischen suchen sie nicht nur in ihren Häusern Schutz, sondern auch in allerlei Aberglauben. Eure Hilfe wäre dringend vonnöten! Keinesfalls handelt es sich um eine gewöhnliche Seuche, vielmehr bin ich überzeugt, dass schwärzeste Magie im Spiel ist! Ich weiß, Ihr habt hier einer der größten Sammlungen verbotenen Wissens in ganz Fersland. Als ich vor zehn Jahren hier war, hat sich besonders ein Bruder Meirik dafür interessiert. Vielleicht ist ihm in seinen Studien ein ähnlicher Zauber, wie er gerade in Ansdag geschieht, schon untergekommen. Wenn also Pater Halfir nicht zu sprechen ist, dann lasst doch bitte Bruder Meirik kommen."

Auch diese Rede nimmt Bruder Edgar reglos entgegen. Weder sieht man ihm an, ob Talahans Vermittlungsversuch ihn besänftigt, noch ob die Neuigkeiten ihn beunruhigen.

"Verwandlung?" fragt er lediglich. "Wieso sprechen wir plötzlich von Verwandlung, wenn zuvor von Seuche die Rede war?" (In Abdos Ohren klingt seine Überraschung abermals aufgesetzt. Künstlich. Insgesamt täte der Ya'Keheter sich schwer, in Bruder Edgars bisheriger Reaktion ein einziges Gefühl verlässlich zu benennen. Ist das normal? Versuchen die hiesigen Mönche ihren Geist derart zu disziplinieren, dass sie immer die Ruhe bewahren und keinerlei Gefühle aufwallen lassen? Oder kommt es ihm zu recht komisch vor?)

Talahan berichtet also von Ilfs Verwandlung und dem nächtlichen Überfall auf seine Familie. Den Gefährten fällt auf, dass der Gotteskrieger dabei Solveig sorgsam heraushält, obwohl die erste Verwandlung ja in ihrer Hütte stattfand.

"Das klingt schlimm", wiederholt Bruder Edgar. "Nun, aber zum Abt kann ich Euch wirklich nicht vorlassen. Wenn Ihr unbedingt darauf bestehen wollt, ihn bei seiner dringend notwendigen Bettruhe zu stören, dann könnte ich vielleicht ein oder zwei von Euch zu ihm vorlassen, aber ich müsste darum bitten, die Waffen hier zurückzulassen. Euer Angebot, für seine Genesung zu beten, schlage ich natürlich nicht aus."

Dies alles spricht er in Abdos Richtung, bevor er sich an Talahan wendet. "Bruder Meirik hat unser Kloster verlassen. Er wollte die nächste Stufe seines Glaubens verwirklichen und ist in die heilige Feste gegangen. Von dort, wie ihr wisst, kehrt niemand zurück."

Derweil hat Lîf keinerlei neue Erkenntnisse über die Geruchsquelle gewonnen. Ob sich ihre Nase näher an den Köpfen oder den Füßen der Mönche befindet oder irgendwo in der Körpermitte, wo vielleicht Taschen in der Kleidung versteckt sind: es riecht nach frischen Waldpilzen. Sie lässt sich von Freydis aufhelfen und tritt wieder zu ihrem Mann.[1]
 1. Es zählt noch die 20. Es ist immer noch dieselbe Situation, dieselbe Zielperson, dieselbe Fragestellung. Mindestens ein Parameter müsste sich verändern, damit ein neuer Wurf gerechtfertigt wäre, sonst zählt im guten wie im schlechten der erste Wurf weiterhin. (Abdos Sense Motive von 15 gilt auch noch, s. 2. Absatz).
« Letzte Änderung: 07.04.2017, 13:14:11 von Gaja »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #113 am: 07.04.2017, 16:31:41 »
"Was ist das hier nur für ein Land?" fragt sich Abdo nach der abermals ausweichenden, ja schon hinhaltenden Antwort. In Ya'Kehet konnte die Menschheit nur überleben, indem sie zusammenhielt gegen die anrollende Welle der Shetani. Sicher, auch dort gibt es Schurken, doch von einem Mann Gottes hat Abdo einfach mehr Kooperation erwartet - gerade wenn es um scheinbar übernatürliche Bedrohungen geht. Dennoch hält er sich vorerst mit einer weiteren Antwort zurück, denn immerhin hat Edgar gerade das Angebot gemacht, zum Abt vorgelassen zu werden.

"Ich habe mich in meiner Heimat ebenfalls dem Dienst an dem einen Gott verschrieben" erwidert Abdo daher mit sorgfältig ausgewählten Worten. "Ich trage keine Waffen. Ich nehme das Angebot gerne an." Alle weiteren Worte erscheinen ihm verschwendet, und den Ausführungen zu Bruder Meirik kann Abdo ohnehin nicht folgen: Eine Festung, in die man geht, um eine neue Stufe des Glaubens zu erreichen? Und nicht mehr zurückkommt? Er verwirft den Gedanken - hier und jetzt geht es um andere, wichtigere Dinge. Erwartungsvoll blickt er Edgar an und wartet darauf, dass Talahan und er zum Ende des Gesprächs kommen.

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #114 am: 09.04.2017, 16:29:37 »
Leise murmelt Lîf in Tristans Richtung: "Svampe skov... de har alle lugte af vilde svampe..."[1] Auch die nahebei stehende Freydis, der sie kurz dankend zugenickt hat, mag ihre Worte hören, auch wenn ihr die Aussprache der Heilerin womöglich Schwierigkeiten bereitet. Sie beobachtet die Mönche und ihre Gefährten weiter, bis sie ganz plötzlich einen Entschluss fasst und zu Talahan tritt. Ohne jemandem eine Chance zum Eingreifen zu geben, hakt sie bei Edgars Worten ein und meint mit bescheiden gesenktem Kopf – was die stolze junge Frau gehörige Selbstüberwindung kostet: "Herr Talahan... womöglich ist es Vorsehung, dass Ihr genau jetzt hier seid, wo die Situation so bedrohlich scheint und der ehrwürdige Abt darniederliegt. Eure Erfahrung in den Heilkünsten und die göttliche Gunst durch Eure Fürsprache werden ihm gewiss Linderung bringen – wünscht Ihr, dass ich Euch begleite und zur Hand gehe?" Dabei sucht sie sich den Anschein zu geben[2], als sei sie nicht mehr als eine einfache Gläubige, die den Behdarim-Vertreter als Dienerin oder Krankenpflegerin zu begleiten gewohnt ist. In Tristans Richtung macht sie hinter ihrem Rücken eine kurze, beschwichtigende Geste.
 1. Värangsk: "Waldpilze... sie riechen alle nach Waldpilzen..."
 2. Bluffenwurf: 9 (es wird nicht besser...)

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #115 am: 10.04.2017, 12:49:37 »
Aeryn ist sich nachwievor nicht sicher, was sie von der Situation halten soll. Vielleicht würden die anderen beim Besuch des Abts etwas mehr erfahren. Sie ist sich nur in einem Punkt sicher, hier ist nicht alles so wie es scheint. Die Mönche verbergen etwas, es ist nur die Frage, was das ist.

Während die anderen Bruder Edgar bedrängen, um zum Abt vorgelassen werden, oder sich in der Nähe der Mönche aufhalten, sieht die Elbin ihre Chance gekommen, sich durch den Eingang des Skriptoriums wieder in den Kräutergarten zurückzuziehen. Draußen gab es noch weitere Türen, vielleicht würde man dort etwas finden, was ihnen weiterhilft, diese ganze Sache aufzuklären. Natürlich versucht sie dabei möglichst nicht aufzufallen[1].

Draußen bewegt sich die Elbin entlang der rechten Wand, soweit möglich, bis sie am anderen Ende des kleinen Innenhofs angekommen ist, wo eine weitere Tür in südliche Richtung in das Gebäude führt. Aufmerksam schaut sich die Waldläuferin um und lauscht[2].
 1. Stealth 11
 2. Perception 16
« Letzte Änderung: 11.04.2017, 11:21:39 von Aeryn »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #116 am: 11.04.2017, 12:02:20 »
Abdo ist vor der Kopf gestoßen ob Lîfs plötzlicher Einmischung. "Da halten die sich aus allem raus und lassen mich mir hier den Mund fusselig reden, und jetzt plötzlich drängelt sie sich vor?" Der dunkelhäutige Mann wirft Lîf einen mehr als bösen Blick zu, wendet sich dann jedoch grummelnd ab.
"Dann werde ich hier für seine Gesundheit und sein Seelenheil beten. Gibt es einen Andachtsraum, so dass ich Eure Brüder nicht störe?"

Hjálmarr

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Der Weihort
« Antwort #117 am: 11.04.2017, 15:35:27 »
'Weil wir die Besten sind' Gerade noch ist es Hjalmarr möglich ein Lachen zu unterdrücken. Man hat ihn hier her beordert, nicht etwa aufgrund seiner Reputation, sondern weil er für das Herzogtum entbehrlich ist. Sicher kann er sich nicht beschweren aus den nassen, kalten Zellen Kromdags heraus zu sein, doch leistet er hier nur den Preis für seine Freilassung, obgleich ihm der amtierende eiserne Krieger indirekt sein Leben verdankt. In Gedanken schüttelt er verständnislos und gleichgültig den Kopf über das ungleiche Tauschangebot, doch ihm blieb eben keine Wahl. Verhandlungen gehörten noch nie zu seinen Stärken, aber zumindest haben sie ihm in diesem Fall den Galgen erspart.

Die Worte des Bruders waren Schall und Rauch in seinen Ohren. Er kann nicht erkennen, was diese Reaktion in ihm hervorgerufen hat – möglicherweise auch nur der Trotz an diesem verseuchten Ort festzusitzen, bis das Problem gelöst war – doch das offen dargelegte Desinteresse am Zustand der nahen Dorfgemeinschaft, die gerade in diesen Zeiten die Unterstützung einer Glaubensgemeinschaft bitter nötig haben, macht ihn wütend. Seine Gedanken schweifen zu dem fast toten Jungen in der Tränke und augenblicklich wendet der Lesdager sich ab, um dem Bruder keine Worte entgegen zu werfen, die er später bitter bereuen würde. Ihm ist egal, wie sehr der alte Sack, der in seinem Geiste sofort eine feiste, fette Gestalt angenommen hat, seinen Schlaf benötigt – immerhin geht es hier um Menschenleben und selbst der eine Gott hat sich verschworen diese Seelen zu beschützen. Wie zu erwarten alles nur leere Worte und haltlose Reden.

"Glaubt ihr wir würden euren Pater im Schlaf erstechen?" antwortet er knapp, ohne zurück zu blicken. "Sprecht ihr mit ihm, ich sehe mich in der Zwischenzeit mal etwas um." Ohne auf die Zustimmung der Mönche zu warten, begibt sich Hjalmarr zur Tür und verlässt den Raum.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #118 am: 11.04.2017, 16:44:23 »
"Ein Andachtsraum?" erwidert Bruder Edgar.  "Nun, das wäre die Kapelle. Ihr seid herzlich eingeladen, dort zu beten."

Hinter Abdo murmelt Tristan, offenbar erstaunt, in seiner Sprache, die der Ya'Keheter nicht versteht, doch ein Wort hört er heraus: Vesper. Davon war vorhin schon die Rede. Laut Tristan müssten die Mönche zurzeit eigentlich alle zum Vespergebet in der Kapelle versammelt sein. Aber woher will der Mann das wissen?

Hjálmarrs verärgerter Auftritt (nebst türknallendem Abmarsch) unterbricht Abdo in seinen Gedanken. Zu seiner Rechten schaut Talahan dem Mann nach und seine Miene verdüstert sich. Kaum wieder dem Bibliothekar zugewandt, platzt dem Gotteskrieger der Kragen.

"Ich denke gar nicht daran, meine Waffen abzulegen", empört er sich. "Wollt Ihr mich beleidigen? Ich bin ein Ordensritter! Ihr kennt mich! Und dass Bruder Meirik in die heilige Feste gegangen ist, das könnt ihr mir auch nicht erzählen. Er, der Naturkundler, der am liebsten bei Wind und Wetter im Wald unterwegs war, soll sich freiwillig in ein enges Gemäuer eingesperrt haben lassen, im höchsten Gebirge, wo kein Baum mehr wächst? Jetzt rückt endlich heraus mit der Sprache: was geht hier vor?"

~~~

Der Klostergarten liegt noch immer verlassen da, als Aeryn sich hindurchschleicht. Kein Geräusch außer dem Wind und vereinzeltem Vogelsang dringt an ihr Ohr. Trotzdem zuckt sie immer wieder zusammen: zu laut klingen ihre Schritte in ihren eigenen Ohren, zu viele Fenster blicken auf den Hof hinaus, und als sie versucht, hinter dem ganzen Grün Deckung zu suchen, bleibt sie an einem überraschend dornenbewehrten Zweig hängen, sodass der ganze Busch raschelnd in Bewegung gerät. (Dabei fällt ihr auf, dass er recht viele überreife oder gar bereits vertrocknete Beeren trägt. Schade! Denn eine schnelle Kostprobe zeigt: sie sind wirklich lecker, die dunklen Beeren. Wer lässt denn so etwas gutes verkommen?)

Sie setzt ihren Weg fort. Jeden Augenblick rechnet sie damit, dass ein Mönch ihr in den Weg tritt und sie zur Rede stellt, was sie denn hier allein herumzustreifen habe, doch sie gelangt auf die andere Seite des Gartens, ohne dass ihr jemand begegnet. Die Tür dort ist nur angelehnt. Sie hält ihr Ohr an den Spalt und hört—nichts.
« Letzte Änderung: 11.04.2017, 16:57:41 von Gaja »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #119 am: 11.04.2017, 17:36:05 »
Erstaunt blickt Abdo den Paladin an, der doch eben noch so verbindlich mit dem Mönch geredet hat. Plötzlich braust er auf, als wäre er tödlich beleidigt worden, nur weil er seine Waffe ablegen soll? Die Faszination für Waffen ist allerdings etwas, was Abdo, der von Kindesbeinen an gelernt hat, sich auch ohne eine solche zu verteidigen, noch nie nachvollziehen konnte. Womöglich hat Talahan irgendeine Art von emotionaler Beziehung zu seiner aufgebaut, wer kann das schon wissen?

Gleichwohl blickt Abdo Bruder Edgar erwartungsvoll an: Auf eine solch direkte Konfrontation wird der Mönch doch auf irgendeine Art und Weise reagieren müssen? Denn die Frage, die Talahan stellt, brennt natürlich auch ihm auf den Lippen: Was geht hier vor? Ihn verwundert auch, dass die schreibenden Mönche dies alles mit solch stoischer Ignoranz quittieren - nicht einer blickt einmal auf, um sich das Spektakel anzusehen. Ist dies Diszipliniertheit oder steckt etwas anderes dahinter?

Dem Ya'Keheter geht jedoch schnell auf, dass Talahan nach diesem Ausbruch vielleicht nicht die geeignete Person ist, um den Abt zu besuchen - falls Edgar ihn überhaupt noch dorthin lässt.
"Talahan, beruhigt Euch! Ist es nicht normal in diesem Land, das Krankenlager eines Mannes unbewaffnet zu betreten? Lasst mich an Eurer Stelle gehen, Ihr seid zu aufgeregt, das könnte sich auf den Patienten übertragen."

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