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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 81338 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Lîf

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Der Weihort
« Antwort #585 am: 26.04.2018, 10:54:54 »
Lîfs Arme umfangen Solveig und drücken sie fest an die Brust des Rotschopfs. Die leisen Worte, das Schluchzen und das fühlbare Beben in der Stimme der anderen lassen die junge drudkvinde traurig den Kopf schütteln. Ihre Hände streicheln tröstend über Solveigs Rücken. "Du hast recht gehandelt" flüstert sie zurück. "Für ihn war es die Rettung vor einem schlimmen Schicksal – du konntest nicht anders" versichert sie mitfühlend. Dennoch erbittert über den Verlust – für eine Heilerin eine Art persönlicher Niederlage wie für einen Krieger wohl ein Kampf, in dem er besiegt wird – bemüht sie sich, Solveig Trost zuzusprechen und sie wieder aufzurichten, ehe sie ihr bestes tut, die bisherigen medizinischen Erkenntnisse knapp, aber vollständig zusammenzufassen.

Ärgerlich seufzt sie, als ihr klar wird, dass sie über die drängenden Probleme mit den Seuchen die drei Novizen vergessen hat, ausgerechnet sie! Doch um die Jungen kümmern sich nun andere, also fährt sie fort, Abdos Bericht mit ihren Worten zu vervollständigen. Die Frage Solveigs lässt sie kurz grübeln. Dann sagt sie: "Nach allem, was wir wissen, wurden die Pilzwesen durch die Sporen des Abtes angesteckt. Für die anderen Kreaturen ist der widerliche Schleim verantwortlich. Obwohl also wohl beides letztlich aus derselben Quelle stammt, glaube ich doch, dass die erstere Seuche sich nicht ohne die Sporen weiter überträgt. Zumindest bete ich zu Gaya, dass dem so sein möge" murmelt sie etwas leiser. "Jedenfalls weiß ich von keinen Hinweisen darauf."

Darauf sieht sie die Frauen ihrerseits erwartungsvoll an.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #586 am: 26.04.2018, 17:13:39 »
Abdo blickt die junge Heilerin zweifelnd an. Sicherlich ist sie in solchen Fragen weiser als er, doch ist er selbst sich nicht wirklich sicher, ob es die Sporen sind, die diese Krankheit übertragen - wenn man es denn als solche bezeichnen kann.
"Ich weiß nicht," erwidert er daher vorsichtig. "Ich bin kein Daktari - kein Medicus - aber Rogar und ich haben beide die Sporen eingeatmet, und zwar viele davon. Und keiner von uns hat sich verwandelt. Es war zwar eine üble Sache, aber ob so die Pilzwesen erschaffen wurden, da möchte ich mich nicht festlegen."

Die Gedanken des Ya'Keheters zirkulieren jedoch ohnehin mehr um die zahlreichen Kranken hier, die wohl allesamt das gleiche Leiden plagt. Ob die Sporen eine andere Krankheit auslösen, scheint ihm zwar interessant, aber im Moment eher zweitrangig.
"Habt ihr denn die Kranken befragt? Wurden alle auf die gleiche Weise infiziert?" Das Gerede von einem Fluch kommt ihm plötzlich wieder in den Sinn. "Ich kenne mich mit Flüchen nicht aus, aber ist es normal, dass sie durch den Kontakt mit einem Stoff übertragen werden? Denn das scheint hier der Fall zu sein: Talahan wurde erst krank, als er die Schleimexplosion abbekommen hat." Der Krieger hofft, dass er diplomatisch genug ausgedrückt hat, dass er so etwas wie Flüche für Unsinn hält. Jetzt erst kommt ihm auch in den Sinn, dass es klug gewesen wäre, eine Probe von dem Schleim mitzunehmen - oder haben Rogar oder Lîf das vielleicht sogar getan?

"Lîf, haben wir eine Probe von dem Schleim mitgenommen?"

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #587 am: 27.04.2018, 21:48:30 »
Halfdans Worte erwidert Rogar mit einem völlig Ernstem, fast beleidigten: "Das wäre mir nie in den Sinn gekommen!" "Beth mae'n ei olygu i gymharu milwr broffesiynol gydag hen wraig anhygoel sy'n unig nodweddiadol yw cyflawni ei statws urdd isel? Mae'r bobl ifanc hyn ..."[1], grübelt er verständnislos. Etwas anderes lässt ihn aber aufhorchen: "Ihr seid unterwegs dem Novizenmeister und zwei der Schreikreaturen begegnet? Erzählt bitte!"

Was die Behandlung der Patienten angeht, fragt Rogar gleich, was getan wurde, vor allem, um die auffällige Ruhe aller zu verstehen. Waren sie mit Schlafmitteln ruhiggestellt worden. Abdos Frage nach Proben erntet ein aufmerksamkeitheischendes Klopfen mit dem Panzerhanschuh auf die Brustplatte: "Ich habe Proben mitgenommen, ich kann einige zur Untersuchung zur Verfügung stellen."
 1. 
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Gaja

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Der Weihort
« Antwort #588 am: 29.04.2018, 13:59:23 »
Um einen Kuss lässt Ninae sich nicht lange bitten. Mit Inbrunst widmet sie sich ihrem Liebsten, bis dieser um Atem ringt. Dann aber setzt sie sich aufrecht auf seinem Schoß zurecht, beide Fäuste in die Seiten gestemmt, und zieht sie eine Schnute.

"Was du da sagst mit vonwegen, Menschen seien für uns Feen nicht mehr als Tiere für euch Menschen, ist Unfug. Also erstens vergesse ich keinen, den ich geliebt habe. Zweitens, wäret ihr wirklich wie die Tiere, würdet ihr nicht ständig an den Tod denken, sondern einfach leben. Stell dir vor, das Schwein in deinem Stall würde die ganze Zeit jammern: 'Ach, ich bin ja so arm dran, weil ich ein Schwein bin! Warum, ach warum nur kann ich nicht so lange leben wie du?' Das würdest du auch nicht ertragen, da müsstest auch du einmal schimpfen: 'Und was würdest du mit dem längeren Leben anfangen, wenn du schon in deinem kurzen nichts besseres zu tun weißt, als da herumzuliegen und dich selbst zu bedauern! Jetzt hör doch endlich auf zu jammern und nutze die Zeit, die du hast, zum Leben!' Sei ehrlich, das würdest du deinem Schwein sagen, führte es sich derartig auf. Und für euch Menschen gilt diese Ermahnung noch viel mehr! Ihr seid nämlich, und all die anderen von euch Kurzlebigen, der Großen Mutter liebste Kinder, nicht wir Feen! Wir mögen länger leben als ihr, aber ihr lebt in Freiheit! Ihr seid die, die sich ständig wandeln, erneuern, die erfinden und erschaffen, die mit ihren eigenen Ideen, ihrem eigenen Willen die Welt formen und verändern! Wir Feen, wir sind einfach nur, und so wie wir sind, bleiben wir unser Lebtag lang. Wir erschaffen und erfinden nichts, wir bewahren nur. Gajas Dienerinnen sind wir, ihrem Willen gänzlich untertan. Nicht, dass uns dies bedrückt, wir kennen es nur so und können es uns kaum anders vorstellen. Alles, was wir sind und was wir erreichen können, ist uns von Geburt an vorbestimmt. Der einzige Wandel, den wir erfahren, ist der Kreislauf der Jahreszeiten. Und wenn sich die Welt um uns herum zu sehr verändert, dann sterben wir, denn wir können uns nicht an das Neue gewöhnen.

Ach, glaubst du wirklich, ein Mensch wie du könnte ein solches Leben ertragen? Eingehen würde er vor Eintönigkeit, denn ein Mensch sehnt sich nach allem, was er noch nicht kennt: nach neuen Eindrücken und Gefühlen, Erfahrungen und Anblicken, nach Reisen, Abenteuer, dem Horizont, auch stets nach einer neuen Liebe, wenn die alte welkt! Was meinst du, wie oft mir schon einer zugeflüstert hat, 'auf immer will ich dich lieben', und schon ein paar Monate später warte ich umsonst auf ihn, denn er hat längst eine andere? Nicht wir Feen vergessen euch Menschen zu schnell: noch viel schneller habt ihr Menschen uns Feen vergessen! Und doch ist alles so, wie es sein muss, Kjartan. Wir Feen brauchen euch und ihr braucht uns und wir sind beide Kinder derselben Mutter. Solange wir zusammenhalten, gehört die Welt uns. Solange wir zusammenhalten, können die Feinde allen Lebens sie uns nicht nehmen."


Es sind ernste Worte, die Ninae da spricht, und wenn diese Kjartan noch nicht aus seinem Traum reißen konnten, so tut es nun die Entdeckung, dass die Lichtung inzwischen komplett im Zwielicht liegt. Verschwunden sind die Schwestern und ihr Besuch, dennoch ist man nicht allein. Dort am Ufer lugt zwischen raschelnden Zweigen ein Augenpaar hervor, hier im Teich regt sich, inmitten der Seerosen, das Wasser und Kjartan vermeint, kurz einen nassen Haarschopf zu sehen, den ein letzter, verirrter Sonnenstrahl rot aufblitzen ließ.

Ninae kuschelt sich plötzlich ganz fest an ihn und wispert an seinem Ohr: "Oh, mein Kjartan, bist du wirklich anders als die anderen Männer? Liebst du mich wirklich? So, wie ich bin, jetzt und für den Rest deines Lebens?"

Die richtige Antwort beschert ihm eine letzte, nahezu stille Vereinigung. Dann muss er gehen.

Ninae geleitet ihn noch durchs Wasser ins Freie hinaus, haucht ihm einen Kuss auf die Wange und fragt ihn leise, eine Hand auf sein Herz gedrückt: "Was willst du, Kjartan, von deinem Leben, weißt du das überhaupt? Falls nicht, so finde es heraus! Denn was nutzt es, einen freien Willen zu besitzen, wenn man nicht weiß, was man will? Das ist eine Verschwendung, an die zu denken mich verrückt macht!"

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #589 am: 02.05.2018, 14:22:14 »
"Natürlich, das ist nicht schwer zu beschreiben", erwidert Jan. Tatsächlich gelingt es ihm in wenigen Sätzen. Die Karawane fuhr ja schließlich ganz normal die Straße entlang, Richtung Sydhavn.[1] Etwas schwieriger zu beschreiben ist der Ort, da abseits der Straße, an dem er Spuren von Kolkar entdeckte.

"Wie, also beides südlich von hier?" vergewissert Aeryn sich, recht gehört zu haben. "Dann müsste doch zumindest diese Karawane hier vorbei gekommen sein. Aegon Ayrin aber sagte, laut eines Boten Fürst Villags sei keine der beiden je in Ansdag angekommen."

Jan verzieht das Gesicht. "Das sieht dem alten Soren ähnlich. Wahrscheinlich wollte er sich den Ärger ersparen. Die Vorwürfe, er halte seine Straßen nicht sicher, die Fragen, was er dagegen zu unternehmen gedenke, die Androhungen, wenn er nicht bald etwas täte, setze man ihm einen Trupp Soldaten aus der Hauptstadt vor die Nase, damit die sich kümmern." Ein nachdenkliches Stirnrunzeln vertreibt den Spott aus seiner Miene. "Dann habe ich Uther vielleicht Unrecht getan. Kann sein, dass er die Männer doch mit Erlaubnis des Vaters ausgeschickt hat. Ich meine, wie lange hätte Kromdag ihm die Lüge abgekauft? Es hätte bloß einer in Ansdag nachfragen müssen, was man dort über die Karawanen wisse, und schon wäre die Sache aufgeflogen. Also kann der alte Soren nur auf mehr Zeit ausgewesen sein, oder?" Doch er spricht in einem zweifelnden Ton, also traue er dem alten Fürsten ein solches Handeln, bei aller Schlüssigkeit, doch nicht zu.

~~~

"Ja, das sind wir wohl", bestätigt Halfdan. "Der Abstieg verlief ja ereignislos, dank eurer Hilfe, und wir dachten schon, jetzt passiert nichts mehr, aber dann sehen wir in dem kleinen Wäldchen am Bach drei Gestalten, zwei zerren einen, den sie gefesselt und geknebelt hatten, der dritte hat sich ein bewusstloses Weib über die Schulter geworfen. Talahan war ja eigentlich in keiner Verfassung dazu, aber trotzdem stand außer Frage, dass wir eingreifen mussten. Wir haben's ja auch geschafft, nur leider hat Hjálmarr das eklige Zeug ins Gesicht gekriegt. Der befreite Bauer erzählte, er habe einen kleinen Hof recht weit außerhalb des Ortes, nur einen Knecht und zwei Mägde. Aus dem Bett seien er und sein Weib ergriffen worden, kurz vorm Morgengrauen. Was aus den Mägden geworden sei, wisse er nicht, aber den Knecht hätten die beiden schrecklichen Kreaturen vor ihren Augen zerfleischt und aufgefressen, während der Novizenmeister zugeschaut hätte—"Wie kann ein Mann Gottes nur so etwas tun? Sich überhaupt mit solchen Kreaturen einlassen?"—und zwar ohne eine Gemütsregung zu zeigen, außer dass er immer mal wieder ungeduldig zur Tür geschaut hätte, als wäre er lieber schon unterwegs.

~~~

Nachdem die oberste Heilerin zunächst Lîfs, dann Abdos Worten gelauscht hat, schnalzt sie ob der widersprüchlichen Aussagen ein wenig verärgert mit Zunge. "Also sicher sein dürfen wir uns nicht...", murmelt sie bei sich. Als ihr dann jedoch zu Ohren kommt, dass Abdo und Rogar die Sporen eingeatmet haben, noch dazu eine große Menge, ändert sich ihr Gebaren.

"Dann bleibt ihr zwei erst einmal hier", sagt sie in einem Ton, der keinerlei Widerspruch zulässt. "Es dauert seine Zeit, bis sich erste Symptome zeigen, ihr könnt also noch gar nicht wissen, ob ihr nicht infisziert seid oder nicht. Mindestens zwei Nächte müssen wir euch hierbehalten.[2]"

Die Information, dass man Proben des Schleims dabei habe, löst eine heftige, aber wohl kaum die erhoffte Reaktion aus. "Ja, ja, davon haben wir selbst genug. Euer Hjálmarr hatte darin ja gerade gebadet. Aber es ist ein gefährlicher Aberglaube, den leider insbesondere meine Glaubensgenossen verbreiten, dass Gott zu jedem Gift ein Gegengift erschaffen habe, damit der Mensch keinen Schaden erleide. Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Substanzen, die antitoxisch wirken, wovon die meisten wiederum einfache Brech-, Abführ- oder Bindemittel sind, welche nur dann wirken, wenn man sie entsprechend zeitig nimmt, und ausschließlich gegen orale Gifte. All die anderen Mittel, die als Gegengift gelobt werden—Theriak! Birkenteer! Amethyst, Saphir, Rubin! Ein Bezoar! Gemahlenes Horn einer Bergziege!—sind ein rechter Unfug."

Regelrecht in Rage hat die gute Hildegerd sich geredet, weshalb sie an dieser Stelle innhält, tief einatmet und sich mehrfach mit beiden Händen über die Robe streicht, so als wolle sie den Stoff glätten, wohl aber eher zu ihrer eigenen Beruhigung.

"Darüberhinaus sagte ich ja bereits", fährt sie schließlich ein wenig ruhiger fort, "dass wir uns nahezu sicher sind, es mit einem Fluch zu tun zu haben. Mag der Schleim diesen auch übertragen, so ist er doch nicht seine Quelle. Einen Fluch aber kann man nur brechen, indem man vernichtet, was ihn ausgelöst hat. So, aber jetzt muss ich mich um die beiden Patienten kümmern, die ihr mir gebracht habt."

Trotz dieser Ankündung bleibt die Heilerin noch bei ihnen stehen und schaut sie fragend an, ob es soweit noch Fragen gäbe.
 1. In der Karte nicht eingezeichnet. Knapp oberhalb des Gjolkard-Walles am Meer liegt noch eine kleine Stadt mit großem Hafen. Fast der gesamte Handel zwischen Dalaran und Frankia wird hierüber abgefertigt. Fürst Ayrin sagte ja, die Karawanen seien letztlich für den Kontinent (bei Khenubaal noch "das große Festland") bestimmt.
 2. In der Zeit solltet ihr auch wieder hochheilen können, wenn Lîf am ersten Morgen nur Heilzauber lernt und man dazu ein wenig Hilfe von den vier Heilerinnen erbittet. (Abdo hätte zwar noch einen Punkt Con-Schaden, aber Abzüge gibt's ja erst bei zwei Punkten.)
« Letzte Änderung: 30.07.2019, 19:49:13 von Gaja »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #590 am: 03.05.2018, 13:26:33 »
"Nun... vollkommen sicher ist es nicht" muss Lîf zugeben. "Aber ich glaube wirklich, dass-" Da unterbricht die oberste Heilerin sie wegen Abdos und Rogars Gesundheitszustand. Sinnierend schaut die junge drudkvinde zu Boden. Es will dem stolzen Rotschopf nicht ganz passen, wie dieses Weib hier so einfach die Oberhoheit über alle Heilerinnenangelegenheiten an sich reißt. Schließlich siegen aber Pflichtbewusstsein und die Sorge um ihre beiden Begleiter: Sie schluckt ihren Ärger hinunter und nickt. "Es ist wohl weiser so" sagt sie zu dem Dunkelhäutigen und dem Zwergen. "Nur damit wir ganz sicher sein können, dass ihr euch nicht angesteckt habt." Sie hält es nicht für übermäßig wahrscheinlich, doch andererseits scheinen beide Männer sehr robust. Wer weiß: Vielleicht arbeiten die bösen Keime in ihnen ja doch, und sie konnten dem nur aufgrund ihrer Konstitution so lange widerstehen? Man darf hier wohl kein Risiko eingehen...

Hildegerds Reaktion auf die Nachricht von den Schleimproben lässt die Rothaarige hingegen unkommentiert. Auch sie hegt ein gesundes Misstrauen gegen die eigenartigen Methoden des Zwergen, der sich so ganz und gar von den Lehren der gütigen Erdmutter losgelöst bewegt und nur mit Verstand und Logik an Dinge herangehen will, die doch auch der Verbundenheit mit der Göttin bedürfen, die allein ihre Kinder den Puls des Lebens spüren lässt. Hier muss sie Hildegerd im Stillen zustimmen. Andererseits missfällt ihr, wie diese alle volkstümlichen Heilmittel in Bausch und Bogen verurteilt. Gewiss, viel Unwissen ist dabei, und manches alte Weib ist nicht mehr als eben dieses: ein altes Weib, das behauptet, Heilerinnenwissen zu besitzen. Doch so manche Medizin aus Gayas ewig fruchtbarem Schoß ist durchaus wirksam! Missbilligend runzelt sie ihre Stirn, beherrscht sich aber ein weiteres Mal.

Nur die Sache mit dem Fluch... "Wenn das stimmt, müssen wir auf alle Fälle noch einmal zurück, um ihn zu brechen, mit dem Segen der Großen Mutter" murmelt sie. Dann sieht sie auf und nimmt Hildegerd fest in den Blick. "Ich werde helfen" erklärt sie ruhig, aber kategorisch. "Die Kranken brauchen so viel Fürsorge, wie sie nur erhalten können."

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #591 am: 03.05.2018, 14:58:50 »
Abdo will bereits vehement protestieren, als die Heilerin von einer möglichen Ansteckung von Rogar und ihm spricht, doch die weiteren Ausführungen Hildegerds lassen ihn verstummen. Das, was sie sagt, versteht Abdo zwar nur zu einem Bruchteil, doch es hört sich auf jeden Fall fundiert an und nicht wie das Gewäsch irgendwelcher sogenannten Gläubigen hier, die gleich alles für böse Zauber halten, was sie nicht verstehen. Stattdessen fühlt der Ya'Keheter sich an Kweku erinnert, den Daktari aus seiner Gruppe Überlebender, der noch an der Universität von Surail selbst sein Handwerk erlernt hatte, und der sich immer ähnlich anhörte, wenn er über die Heilkunst sprach.

Doch wenn die Frau tatsächlich recht hat, und es sich um einen Fluch handelt, der nur gebrochen werden kann, wenn seine Quelle zerstört wird, ist es erst recht nicht sinnvoll, wenn er hier herumsitzt und sich behandeln lässt.
"Entschuldigt, edle Daktari!" versucht er die Heilerin mit Argumenten zu überzeugen. "Aber wenn es ohnehin keine Heilung gegen diesen Fluch gibt, ist es doch einerlei, ob ich hier bei Euch bleibe, nur um festzustellen, ob ich ebenfalls betroffen bin. Denn wenn ich es bin, könnt Ihr mir doch nicht helfen, und wenn ich es nicht bin, wurde wertvolle Zeit verschwendet. Lîf hat recht: Wenn es ein Fluch ist, und er sich nur brechen lässt, wenn man seinen Ursprung zerstört, dann müssen wir zurück und diesen Ursprung finden. Und wir brauchen dabei alle kampfbereiten Männer und Frauen, die wir auftreiben können - bevor unsere Reihen noch mehr dezimiert werden. Auf die Hilfe der Dorfbewohner können wir wohl kaum zählen; also hängt es an uns, die wir schon dort waren, und vielleicht einigen Freiwilligen, falls sich welche finden lassen.
Deshalb bitte ich Euch: Verbindet unsere Wunden, und soweit es in Eurer Macht steht, versucht, unsere Kräfte wieder herzustellen. Doch lasst uns dann gehen, um die Hoffnung für die Kranken hier am Leben zu erhalten!"


Abdos gesamte Haltung lässt dabei während seiner Rede deutlich werden, dass er die Heilerin als eine Autoritätsperson ansieht, deren Urteil er sich letztendlich beugen wird. Doch die Entschlossenheit, sich der Krankheit nicht einfach zu beugen, ist aus seinen Augen klar ersichtlich, und er fixiert Hildegerd mit einem halb trotzigem, halb flehenden Blick.

Kjartan

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Der Weihort
« Antwort #592 am: 03.05.2018, 16:28:14 »
Kjartan richtet sich auf und betrachtet seine Geliebte aufmerksam, versucht ihre Worte zu verstehen, aber doch einen Anflug eines Scherzes in ihrem Gesicht ausmachen zu können. Was sie sagt, trifft ihn auf eine Weise, die er nicht genau versprachlichen kann. Aber ihm ist, als würde das junge Glück brechen und eine tiefe Kluft sich zwischen ihnen auftun. "Es ist schon spät. Und mir ist es auch nicht lieb, von Deinen Geschwistern beobachtet zu werden, wenn wir... Bringe mich bitte zum Waldrand. Der Wein hat seine Frische schon lange verloren und schlägt um in Schwermut. Es kann heute nichts Gutes mehr geschehen.", sagt er seiner Ninae steif und steht auf, sammelt langsam seine wenigen Habseligkeiten ein und macht sich auf den Weg.

Noch einmal zieht ihn Ninae zu sich und flüstert ihm eine Frage in das Ohr. Erstaunt sieht Kjartan sie an. "Du kannst nicht an meiner Liebe zu Dir zweifeln. Das Erlaube ich Dir nicht! Ich habe nie jemand anderes gewollt, als Dich, noch bevor ich Dich gekannt habe, habe ich mich nach Dir gesehnt, in meinen Träumen nach Dir gesucht und nicht gewusst, wie Du aussiehst." Mit eine Geste in Richtung der Augenpaare, die sie neugierig beobachten, sagt er dann, dass sie jetzt besser gehen sollten.

Am Waldrand greift Kjartan seine Ninae an den Schultern, sie haucht ihm einen Kuss auf die Wange und fragt ihn nach dem Sinn seine Lebens. "Ich werde fortgehen. Du hast mit jedem einzelnen Deiner Wort recht behalten. Es wird mir immer deutlicher, dass ich die Hälfte meines Lebens verbracht habe und mein Herz dennoch leer geblieben ist. Ja, ich bedarf der neuen Eindrücke und Gefühle, der Erfahrungen und Anblicke, das Reisen, die Abenteuer, muss mich der Todesgefahr ausliefern und die Kostbarkeit meines Lebens bewahren lernen, dem Himmel abschwören und der Unterwelt spotten. Und irgendwann ist mein Herz so voll, dass ich es Dir schenken kann. Doch vorher werde ich Dir nicht gehören. Aber auch keiner anderen. Und ich verfluche mich, dass ich keine andere Frau ansehen soll, bevor Du nicht gesagt hast, 'ich will Dich nicht mehr!'. Du bist mein Zeuge. Und nun, mache es gut, meine Liebe! Ich gehe fort, um wiederzukehren. Mach es gut, meine Liebe, mache es gut. Und denk an mich. Ich denke immerzu an Dich und erzähle Dir in meinen Träumen, was ich Dir später schenken werde, von der Welt."

Und damit ging Kjartan den Flusslauf herauf und machte sich auf die Suche nach der seltsamen Gruppe, die sein Weib gerettet hatte. Es schien ihm nur natürlich, dass dies sein erstes Abenteuer sein sollte, nachdem er verkündet hatte, die Welt kennenzulernen.
« Letzte Änderung: 03.05.2018, 16:28:33 von Kjartan »

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #593 am: 04.05.2018, 11:05:43 »
Die Sache mit den Karawanen klang auch verzwickt. Aber das würde ohnehin warten müssen. Erstmal mussten sie sich weiter um das Kloster kümmern.

"Vielen Dank! Das wird uns sicher weiterhelfen, um hinter die Vorfälle zu kommen und herauszufinden, was es damit auf sich hat. Wahrscheinlich sollten wir bei nächster Gelegenheit auch nochmal mit Uther sprechen. Aber für den Moment gibt es Dringlicheres zu tun. Wir müssen bald nochmal zurück zum Kloster und sicherstellen, dass dort wirklich alles Böse ausgemerzt wurde, damit es nicht wieder von Neuem beginnt. Mit etwas Glück kann ich dann auch die Spitzen meiner Pfeile wieder einsammeln, wenn sie noch dort herumliegen."

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #594 am: 04.05.2018, 12:36:59 »
Zwar lauscht Hildegerd den Worten Lîfs und Abdos Worten mit geneigtem Kopf, doch ihre Aufmerksamkeit ist woanders. "Ja, ja, darüber sprechen wir nachher. Jetzt müssen meine Schwestern und ich uns zuerst einmal um die beiden dort kümmern." Und sie marschiert zu Sighvat und Ragnar hinüber, Gunhild und Matilda im Gefolge, ohne dass es auch nur eines Winkes bedurft hätte.

Nebeneinander werden die beiden auf zwei Strohlagern gebettet, vier Räucherstäbchen um sie herum verteilt. Ein fünftes steckt die Oberste Heilerin zwischen ihnen in den Boden und entzündet daraufhin alle gemeinsam mit einem Wort und fünf Fingerzeigen. Fünf verschiedene Düfte vermischen sich bald darauf in der Luft. Ein Wink lässt die beiden verbliebenen Novizinnen herbeieilen: die ältere bildet mit den drei Heilerinnen zusammen die Eckpunkte des Reifkreuzes, die jüngste kniet in dessen Mitte, zwischen den Patienten. Alle fünf beginnen zu singen. Es ist ein leiser, monotoner Gesang, der wie das Summen von Insekten beginnt, sich bald darauf zum Wehen des Windes wird, sich zum Rauschen eines kleinen Wasserfalls steigert, dann zu einem Pfeifen und Heulen, das an Gletscherspalten oder eisige Bergspitzen denken lässt, dann zu einem Brausen und Prasseln, als schlügen in der Nähe mannshohe Flammen empor. In ihrer Mitte kämpfen die beiden Infiszierten damit, die Augen offenzuhalten.

Dies geht eine ganze Weile lang so. Derweil sind die Gefährten unter sich. Die Patienten schlafen fest, die dritte Novizin ist noch nicht von ihrem Gang in den Ort zurück. Die einzigen Außenstehenden in ihrer Nähe sind Halfdan und Solveig. Dafür steckt Aeryn, nachdem sie sich von Jan verabschiedet hat, endlich den Kopf ins Zelt hinein, um zu schauen, was hier los ist.[1]
 1. Jetzt wäre Gelegenheit, das weitere Vorgehen zu besprechen, sowie über Flüche und sonstige Vermutungen zu diskutieren. Ihr seid wirklich gerade ungestört.
« Letzte Änderung: 06.05.2018, 09:17:02 von Gaja »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #595 am: 05.05.2018, 22:08:11 »
"Sie versetzen die Erkrankten in einen magischen Schlaf?" murmelt Lîf, während sie das Tun der Heilerinnen mit großen Augen beobachtet. "Um das Voranschreiten der Krankheit zu verhindern. Solange sie schlafen, kann ihr Zustand nicht schlimmer werden." Ein fragender Blick in Solveigs Richtung trifft auf ein bestätigendes Nicken. "Aber...", fährt Lîf stirnrunzelnd fort, "es ist Erdmagie, die sie wirken!" Was wiederum bedeutet, dass Feenblut in ihren Adern fließt. Doch diese letzte Erkenntnis laut auszusprechen verbietet ihr der Drudeneid, der sämtliches Feenwissen unter strengste Geheimhaltung stellt. "Nicht anders als ich es tue."[1]
 1. Altes Wissen = 24

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #596 am: 06.05.2018, 10:53:35 »
Mit der einbrechenden Nacht verliert auch der Zauber seine Kraft, welcher Kjartan die letzten Stunden trunken umfangen hielt. Oder war es dem Trunk aus des Satyrs Horn geschuldet, dass Kjartan den Tag so frei und ungezügelt in ihrer Mitte verbrachte? Einerlei. Kaum jedenfalls wendet er der kleinen Lichtung den Rücken, verblasst die schöne Erinnerung wie ein Traum. Zurück bleibt eine Müdigkeit, eine Leere. Ihm wird bewusst, etwas verloren zu haben, vielleicht gar unwiederbringlich. Ach, wie soll Ninae nur verstehen, was mit ihrem Kjartan los ist? Wehmut, Melancholie—dieser Gemütszustand ist den Feen völlig fremd! Ebenso die Scham, welche ihn nun auch wieder ergreift. Plötzlich stört es ihn, dass sie nicht allein sind, zuvor hat er es in seinem Traumzustand kaum bemerkt! Plötzlich fühlt er sich nicht mehr wohl in seiner Haut. (Das kann einer Fee wahrlich nicht passieren. Das kann sie sich nicht einmal vorstellen!)

Das einzige, das Ninae von seiner langen Rede begreift, ist, dass er geht. Dass er jetzt geht und nicht erst nach vielen, gemeinsam verbrachten Monden. Dass er geht mit dem Versprechen, wiederzukehren, und sie so dazu verdammt, auf ihn zu warten.

Sie stampft erbost mit dem Fuß auf. "Geh nicht!" ruft sie. "Geh nicht! Du behauptest, dass du mich liebst? Dann bleib! Statt mir Nacht für Nacht zu erzählen, was du mir später einmal schenken willst: Bleib und mach mir ein Kind, denn dies ist das Geschenk, das ich mir so sehnlich wünsch' von dir!"

Trotz dieses leidenschaftlichen und erstaunlich direkten Appells seiner Liebsten (oder vielleicht erschrecken ihn die Worte so, dass er gar noch ein wenig schneller flieht) verabschiedet Kjartan sich von ihr mit einem letzten Kuss und macht sich, gewappnet mit seinem Entschluss, so vage dieser auch in den Details aussieht, auf den Weg ins Dorf. Nach wenigen Schritten blickt er noch einmal über die Schulter zurück, doch Ninae ist bereits verschwunden.

Immer dem Bach folgt er, so nahe dieser ihn an sich heranlässt. So ist er seiner Liebsten noch nahe, weiß er sie doch in seinem kühlen Bett friedlich schlummernd geborgen. Seine Schritte gewinnen Kraft. Je weiter er sich von der Feenlichtung entfernt, desto tatkräftiger schlägt sein Herz. Ja, er ist noch immer traurig. Ja, er ist ein Mensch, der zu Wehmut neigt. (War er schon immer so, oder erst, seit er Ninea traf? Es fällt ihm schwer, sich an Dinge zu erinnern, wie sie vorher waren. Wer er selbst vorher war.) Aber in diesem Augenblick fühlt er sich frei. Traurig, fremd, einsam, losgelöst von allem—aber frei.

Eine Melodie kommt ihm in den Sinn und er summt sie zunächst vor sich hin. Bald darauf öffnet sich aber von selbst sein Mund und er singt es laut in den Abend hinaus, denn es beschreibt seinen Zustand perfekt:

"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
daß ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl, und es dunkelt,
und ruhig fließt der Bach,
die Gipfel der Berge funkeln
im Abendsonnenschein."


Eigentlich lautet die sechste Zeile ja: "und im Nebel ruht der See", denn das Lied, dessen Text jeder Fischer, der jemals auf den Loch Leskos hinausfuhr, im Schlaf aufsagen könnte, handelt natürlich von den drei Schwestern auf ihrer Insel. Die letzte Strophe lautet:

"Den Fischer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh,
er sieht nicht die Felsenriffe,
er schaut nur hinauf in die Höh'.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende Schiffer und Kahn.
Das haben mit ihrem Singen
die drei schönen Schwestern getan."


Und dann kommt Ansdag auch schon in Sicht. Ohne zu überlegen lenkt Kjartan seine Schritte zu der kleinen Hütte ein wenig außerhalb. Am Vortag, auf seiner verzweifelten Suche nach Ninae, war die seltsam aussehende Frau, die dort lebt, nämlich die einzige gewesen, die ihm einen sinnvollen Hinweis geben konnte. "Wandere den Bach hinauf bis zur Felswand. Dort findest du am Fuß des Wasserfalls einen Teich. Setze dich an seinem Ufer zur Rast, wirf ein Opfer ins Wasser und bitte um Rat. Dann schlafe dort eine Nacht und wache einen Tag. Dann wirst du entweder einen Rat erhalten oder deine Liebste sehen." Und so kam es ja auch.

Als er sich der Hütte der hilfreichen Frau nähert, staunt er nicht schlecht über die Aktivität, die dort auf einmal herrscht: zwei Zelte sind davor aufgebaut, ein großes und ein kleines, etliche Pferde in der Nähe festgemacht, ein halbes Dutzend Bewaffnete lungern herum. Über einem Lagerfeuer köchelt das Nachtmahl. Aus dem großen Zelt dringt ein summender Gesang; Licht durchscheint die Zeltplanen; Menschen zeichnen sich darauf als Schatten ab. Die Hütte selbst liegt still, ohne Lebenszeichen, ohne Licht in den Fensterhöhlen da.

Entschlossen marschiert Kjartan darauf zu.
« Letzte Änderung: 06.05.2018, 12:18:53 von Gaja »

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #597 am: 06.05.2018, 18:30:41 »
Stumm und mit unbewegter Miene lauscht Freydis der Unterhaltung. Aber als Hildegerd die Räucherstäbchen gerade so entzündet wie sie selbst es getan hätte, nur das Wort wäre wohl ein anderes gewesen, bleibt ihr fast die Luft weg.
"Ihr seit auch eine Berührte?" - beinahe hätte die Albionerin in ihrem Erstaunen die Frage laut ausgesprochen, erst im letzten Moment erinnert sie sich daran, dass Lív im Kloster ganz ähnliche Fähigkeiten gezeigt hat. Sogar echtes Feuer hat sie aus dem nichts herbeigerufen, etwas, dasss Freydis nie so recht gelingen will. Also mag es auch Feenblut oder die Gunst der großen Mutter oder des Einen oder was auch immer sein, was die alte Heilerin da anwendet. Eins aber weiss sie genau: Nur Berührte vermögen einen echten Fluch zu schaffen. So gefährlich viel leichter als echter Zauber, so viel schwerer zu kontrollieren.
Das Schweigen fällt ihr nicht ganz leicht. Zu gerne würde sie ihren Gefährten erklären was sie über Flüche weiss und wie sie wohl helfen kann diesen hier zu brechen. Endlich mal etwas wo sie sich mit mehr als blosem Wasser herbeizaubern nützlich machen kann. Aber nicht hier, nicht in hörweite all dieser verängstigten Ein-Gott-Gläubigen. Zu oft hat ihr Undis eingeschärft. "Weil wir vermögen was sie nicht können misstrauen sie uns, und ihr Misstrauen macht uns zum ersten Schuldigen wenn sie etwas fürchten gegen dass sie sich nicht wären können. Sei also stehts äußert vorsichtig im Umgang mit verängstigtem Volk!"
Aber Freydis wird den Fluch trotzdem brechen helfen, da ist sie sich sicher. Es mag nicht ganz leicht werden, den Fokus zu finden. Aber gemeinsam mit den Gefährten sollten es möglich sein. Und wer weiß, vielleicht können sie sogar herausfinden, wer den Fluch gesand hat. Denn ob Absicht oder ausser Kontrolle geratener Fluch, derjenige hat den Tod vieler auf dem Gewissen und muss daran gehindert werden weitere Flüche anzuwenden.
« Letzte Änderung: 06.05.2018, 18:31:01 von Freydis »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Kjartan

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Der Weihort
« Antwort #598 am: 06.05.2018, 18:59:28 »
Kjartan hat das furchtbare Gefühl, dass etwas zerbrochen ist. Seine Liebste und er - sie haben an einander vorbeigeredet. Und sie verstehen einander nicht, da doch diese große Mauer zwischen ihnen ist, die Menschlichkeit heißt. Sie sagte ihm: werde Dir bewusst, welchen Sinn Du Deinem Leben gibst. Er glaubte, sie wolle ihm dazu raten, nach sich selbst zu suchen. Aber wohl meinte Sie, dass er sich selbst vergessen sollte. Oder vielleicht war es etwas anderes. Jedenfalls wollte sie nicht, dass er ging. Und ein Teil von Kjartan wollte auch nicht gehen, wollte sie suchen, umgreifen und das Gesicht in ihren Haaren verbergen und weinen. Aber da war auch eine Stimme, die immer lauter wurde, die ihm sagte, dass das Missverständnis Schicksal war, dass es ihm zum Guten dienen würde und dass er umso entschlossener, fester, härter, aber auch erfüllter und umsichtiger zurückkehren würde. Dieses unsichere und weinerliche Ich war unerträglich; schon für ihn - und sicher auch bald für Ninae.

So setzt Kjartan seinen Weg mit sicherem Schritt fort, entschlossen, die Helden zu finden, die seine Ninae retteten.

Als er auf dem Platz ankommt, sieht er sich um. Keine Spur von den Helden, aber vielleicht gehören ihnen die Pferde? Sind sie im Zelt oder schlafen sie in der Hütte? Schnell fragt er die Milizen und erfährt von den misstrauischen Männern, dass sich die Gesuchten in dem Zelt befinden. "Glück gehabt, ich habe sie nicht verpasst.", denkt sich Kjartan und betritt das Zelt.

Seine Augen haben sich an die Nacht angepasst. Im nun grellen Lampenschein muss er stehenbleiben. "Seid gegrüßt! Mein Name ist Kjartan und ich komme aus der Gegend. Ich habe Euch gesucht, um Euch meinen aufrichtigen Dank auszudrücken. Ihr habt mein Weib aus dem Kloster gerettet, kurz nachdem dort die... Seuche ausgebrochen ist, oder was es auch immer gewesen sein mag. Ich konnte es nicht selbst, aber ihr habt es getan. Und dafür will ich Euch danken. Also: danke!, sagt Kjartan schnell und ist sich dann unsicher, was er noch sagen soll. Ob die Helden überrascht sind, kann er nicht erkennen, er ist noch geblendet.

"Ich kann Euch leider nichts geben. Ich besitze nichts, außer meinem Sax und meinem Sarrock und einer so kleinen Menge an Münzen, dass ich mich schämen würde, sie Euch anzubieten. Ich kann Euch nicht mehr als meinen treuen Dienst anbieten. Bitte nehmt mein Angebot an!"

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #599 am: 08.05.2018, 09:53:40 »
Eben noch über die unvermutete Parallele zwischen den Wundern der Göttin und denen des Einen grübelnd, schreckt Lîf bei Kjartans Erscheinen auf. Sie wechselt einen Blick mit Solveig, ehe sie ein wenig schwerfällig vortritt, eine Hand auf dem vorgewölbten Bauch, und dem Neuankömmling zunickt. "Der Segen der Mutter mit dir, Kjartan" grüßt sie, nachdem die erste Sichtprüfung offenbar zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen ist. "Ich bin Lîf" sagt sie, stellt die anderen Gefährten vor, die sich im Zelt befinden, und mustert Kjartan dann eingehender.

Die kräftige Gestalt lässt seine Hilfe durchaus willkommen erscheinen, bei dem, was ihnen wohl noch bevorsteht. Daher fährt sie fort: "Dein Angebot ist ein sehr erfreuliches, doch weiß ich nichts davon, dass wir das Weib eines..." Dann erst realisiert sie, wer er sein muss, erinnert sich des Namens, den Ninae ihnen nannte, und fügt verblüfft hinzu: "Ninae..?!" Halb schaut sie ungläubig, halb aber auch erfreut. Die Verbindungen zwischen den Feenwesen und den Menschenkindern sind offenbar so selten nicht – wer weiß, vielleicht werden sich alle einst friedlich vereinen, die Gayas Schoß entsprangen?

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