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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 63970 mal)

Beschreibung: Episode 1

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Freydis

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Der Weihort
« Antwort #690 am: 24.11.2018, 20:39:39 »
Natürlich hatte Freydis wie jeder normale Mensch dem ertrinkenden Kind helfen wollen, zumal sie wie die meisten Bewohner der Rabenklippe schon als Kind schwimmen gelernt hat. Aber Abdo reagiert schneller als sie und braucht ganz offensichtlich auch keine Hilfe um das Mädchen[1] zu bergen. Ebensowenig wie Rogar und Lîv Hilfe bei der Wiederbelebung brauchen. Sie hat die Fähigkeiten der Drudkvinne schätzen und respektieren gelernt.

So ist die Berührte erleichtert aber nicht überrascht als das Mädchen wieder zu sich kommt. Aber Ärger verdrängt die Erleicherung bei dem unverschämten Tonfall der Wäscherin. Rasch schlägt sie ihren tiefblauen Mantel zur Seite um ihre Kleidung, die sie als Frau von Stand ausweist deutlich zu zeigen. In Haltung und Tonfall ganz die adelige Frau weist sie die Wäscherin mit schneidender Stimme zurecht.

"Nein, " antwortet sie an Siggis Stelle, "wir schickten ihn nach Hilfe, da dieses Mädchen", sie deutet auf das Kind vor Lív, "soeben beinahe ertrunken wäre, wenn wir nicht durch die Gnade der Göttin gerade jetzt eingetroffen wären, so dass wir es retten konnten. Die Kleine benötigt trockene Kleider und eine Gelegenheit sich aufzuwärmen.
Mein Name "
fährt sie fort ohne der Frau Gelegenheit zu einer Antwort zu geben. ist Freydis Redwaldsdottir und ich und meine Gefährten kamen  hier her um Prinz Uthar zu sprechen. Er hat uns Gestern hinauf zum Kloster gesandt um nach dem rechten zu sehen, wir sind hier um ihm Bericht zu erstatten. Also kümmert euch um das Mädchen und meldet unsere Ankunft." kommandiert sie.
Natürlich sind sie nicht nur zum Bericht erstatten hier, aber es scheint Freydis nicht sinnvoll die Dinge komplizierter als nötig darzustellen. Und schließlich sind sie tatsächlich hier um dem Prinzen zu berichten was sie im Kloster vorgefunden haben. - unter anderem.
 1. EDIT Gaja: Das Kind, das Abdo aus dem Fischteich geholt hat, ist ein kleines Mädchen.
« Letzte Änderung: 01.12.2018, 13:33:36 von Gaja »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #691 am: 01.12.2018, 13:41:58 »
Freydis' Auftritt erzielt nicht die Reaktion, die sie sich vielleicht erhofft hat. Ihr adlig blauer Mantel zieht nicht einmal einen flüchtigen Blick an, geschweige denn, dass sich das Waschweib davon beeindrucken lässt. (Womöglich wird die Farbe nur auf Albion als ein solches Erkennungsmerkmal benutzt und hier auf dem Festland gelten ganz andere Regeln? Darauf hat die junge Adlige noch nicht so recht geachtet. Noch sich darüber Gedanken gemacht, dass es hier, da es eine ganz andere und reichhaltigere Vegetation gibt, blaue Farbstoffe vielleicht gar nicht so selten und kostbar sind. Nun ja, das wäre auch nur für eine Kaufmannstochter interessant, die darin eine Geschäftsidee sehen könnte, nicht für eine junge Frau von Stand.)

Auch eilt das Weib keinesfalls los, weder um die Ankunft der Gefährten zu melden, noch macht sie Anstalten, sich um das Kind zu kümmern. Überhaupt scheint die gesamte Schelte völlig an den Waschweib abzuprallen. Ein kleines Mädchen war um ein Haar ertrunken, da hätte man erwartet, die Frau bekäme wohl einen Schrecken. (Eigentlich hätte man erwartet, der Anblick des klatschnassen, noch immer hustetenden Mädchens auf dem Boden würde ein Weib bereits erschrecken, aber vielleicht ist die Magd zu dumm, oder in Gedanken noch zu sehr bei ihrer Wäasche, um aus dem, was sie sieht, den rechten Schluss auf das Geschehen zu ziehen?)

Statt dessen stemmt sich das Weib die Hände in die Seite und erwidert: "Ertrunken? Ach was, so schlimm wird's nicht gewesen sein. Ihr wollt euch bloß wichtig machen. Hier bei uns passiert so etwas nicht. Wir sind hier sicher."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #692 am: 02.12.2018, 13:37:55 »
In Lîf kocht langsam ihr angeborenes Temperament höher. Erst die Zurücksetzung durch Rogar, die sie als neue gewählte Anführerin – nach ihrer Auffassung also als Versöhnerin und ausgleichende Mutterfigur – hingenommen hat, um Streit zu vermeiden. Nun auch noch die seltsam fühllose Reaktion des Waschweibs... es wird ihr zuviel, und sie schaut unwirsch von der kleinen Patientin auf. "Gayas Langmut verlasse mich nicht!" schnaubt sie. "Die Kleine fiel ins Wasser, und unsere Männer haben sie wieder herausgeholt, ehe es zu spät war! Frag doch die anderen Kinder, wenn du uns nicht glaubst! Und sie hat recht" meint sie mit einem Blick zu Freydis. "Der arme Wurm braucht etwas Warmes zum Anziehen und einen Platz am Feuer – siehst du denn nicht, wie totenblass sie ist? Was seid ihr für Weiber hierzulande, dass euch die Kinder nicht heilig sind?!" Ihre Worte klingen vorwurfsvoll, eine Hand hat sie auf dem durchnässten Kind liegen, die andere auf ihrem vorgewölbten Bauch. Man sieht ihrem geröteten Gesicht an, dass sie sich gerade mehr aufregt, als einer Schwangeren gut tun mag. "Die Kleine muss versorgt werden, damit sie sich nicht noch jetzt den Tod holt – BITTE..!" schließt sie ihren Appell in eindringlichem Ton ab.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #693 am: 03.12.2018, 22:21:17 »
Abdo hat nur Augen für das Kind, welches er den ersten Händen übergeben hat, die sich ihm entgegengereckt haben. Bang beobachtet er die Bemühungen des Dain, das Mädchen wiederzubeleben, und so bemerkt er nicht die Spannungen, die sich unter den anderen, insbesondere Tristan und Lîf, aufbauen. Erst als das Kind jäh zu husten beginnt und das Wasser ausspuckt, das es geschluckt hat, fällt die Anspannung von dem Ya'Keheter ab und er beginnt, wieder an Land zu klettern - wo er gerade wieder festen Boden unter den Füßen spürt, als das Waschweib[1] die Szene betritt.

Völlig außer Fassung ob deren Reaktion steht Abdo erst einmal nur schweigsam und mit offenem Mund da und kann sein Unverständnis nicht verbergen. Was für eine Frau bringt es fertig, ein in Lebensgefahr schwebendes Kind zu ignorieren, ja sogar noch deren Retter zu beschimpfen? Vielleicht ist es die Überraschung, vielleicht aber auch ein Stück Weiterentwicklung: jedenfalls bleibt der Krieger zumindest äußerlich ruhig und geht die Frau nicht an, so wie er es vor kurzem wohl noch getan hätte. Diesen Part überlässt er Lîf, die dafür ohnehin besser geeignet ist. Und so beobachtet er das Geschehen, als er langsam merkt, wie seine Glieder im Wind zu schlottern beginnen, und sich etwas abseits begibt, um seine Oberbekleidung auszuziehen und gegen trockenen Ersatz zu tauschen.
 1. EDIT Gaja: wütend gestrichen. Sie ist nicht wütend, s. auch nächsten Beitrag.
« Letzte Änderung: 09.12.2018, 19:19:17 von Gaja »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #694 am: 09.12.2018, 19:19:46 »
Doch auch Lîfs Ausbruch bringt die Magd nicht aus ihrer Seelenruhe. Immerhin schaut sie jetzt doch in Richtung der Kleinen.

"Ja", meint sie langsam. "Etwas trockenes soll sie sich schon anziehen. So kann sie ja nicht herumlaufen. Komm, Bele." Nach ein paar Schritten in Richtung der Hütten bemerkt die Magd dann aber, dass Bele ihr nicht folgt. "Komm jetzt!" wiederholt sie, doch Bele gehorcht abermals nicht. Da schnaubt die Magd ungeduldig, kehrt jedoch um und hebt das kleine Mädchen auf ihren Arm.

"Was machst du denn auch, kleine Bele. Ganz nass bist du. Da müssen wir dich trocknen, nicht wahr? Und danach setzt du dich ans Herdfeuer, bis dir wieder warm ist, ja?"

Und sie macht sich ohne ein weiteres Wort an die Gefährten in Richtung der Hütten auf.

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #695 am: 10.12.2018, 13:54:23 »
Aeryn beobachtet die Szene misstrauisch. Die Magd scheint in keinster Weise besorgt zu sein, obwohl das Mädchen kurz zuvor noch in einer womöglich tödlichen Gefahr schwebte. Dass ihr die ganze Sache seltsam vorkommt, wundert daher wenig. Aber die Elbin weiß auch nicht so recht, was sie nun daraufhin tun soll. Vielleicht will die Magd nur überspielen, dass sie die Kinder nicht ausreichend im Blick behalten hat, um keinen Ärger mit ihrem Herrn zu bekommen. Auffällig ist aber auch, dass das Mädchen nicht von alleine mitgehen möchte, wie es scheint.

Mit zusammengekniffenen Augen blickt sie der Magd hinterher. Dann schaut sie fragend zu den anderen. Was sollten sie jetzt damit anfangen? Wahrscheinlich einfach garnichts. Sie waren hier auch nur Gäste.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #696 am: 10.12.2018, 14:44:12 »
Abdo hat gerade erst sein Hemd ausgezogen, als die Magd mit dem Kind auf dem Arm von dannen stapft. Trotz seiner eben noch gehegten Vorsätze hält es den Dunkelhäutigen nun jedoch nicht mehr an Ort und Stelle, und mit immer noch vor Wasser triefenden Hosen und entblößtem Oberkörper eilt er mit einigen schnellen Schritten der Frau hinterher und stellt sich ihr schließlich in den Weg.

"Einen Moment! Vielleicht habt Ihr es überhört, aber wir sind hier, um Prinz Uther Bericht zu erstatten, Eurem Herrn. Er ist doch Euer Herr, oder nicht? Also würdet Ihr uns bitte zu ihm führen?"
Während er die Frau anspricht, wirft er noch einmal einen genauen Blick auf die kleine Bele: Ihr Verhalten der Magd gegenüber kommt ihm doch merkwürdig vor. Zeigt sie irgendwelche Anzeichen von Furcht oder eine sonstige Reaktion auf die sie tragende Frau, die verdächtig wirken könnte?

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #697 am: 21.11.2019, 17:25:52 »
Die Magd packt sich die nasse Bele auf den anderen Arm—das kleine Mädchen hustet noch immer, schmiegt aber das Gesichtchen schutzsuchend an die Schulter der Frau, ein Daumen im Mund. Einen Moment ziert sich die Frau noch, bevor sie mürrisch zu Abdo aufschaut.

"Den jungen Herrn habe ich vorhin fortreiten sehen. Weiß nicht, ob er inzwischen zurück ist oder wo er hinwollte. Der alte liegt seit zwei Wochen oder so im Bett. Muss sich einen Schnupfen oder was eingefangen haben oder die Gicht plagt ihn, was Ernsteres wird's wohl nicht sein. Aber schlechte Laune wird er haben, wenn er krank ist, also weiß ich nicht, ob es klug wär', ihn zu stören. Besser ihr wartet auf den jungen Herrn oder ihr fragt seine Frau, die Merle. Die findet ihr bestimmt im Haus."

Ein Nicken in Richtung Haupthaus, dann wendet die Frau sich wieder ab und stapft zu den Nebengebäuden zurück, auf Bele einplappernd. "Ach, wie nass du bist, Kleines. Du hast doch erst gestern dein Bad gehabt und die ganze Zeit geschrieen und gesagt, du willst nie wieder ein Bad haben, nächste Woche nicht und übernächste auch nicht und überhaupt nicht mehr vorm Diseblót!"

Siggi und die anderen drei Kinder folgen ihr, sodass die Gefährten allein am Karpfenteich zurückbleiben.

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #698 am: 01.12.2019, 15:48:04 »
Nachdem die Magd mit dem nassen Kind auf dem Arm sich entfernt hat, dreht Abdo sich zu seinen Gefährten um.
"Die sind doch alle völlig verrückt geworden! Habt ihr so viele Kinder hier, dass es auf das eine oder andere nicht ankommt, und man es hinnimmt, wenn sie ertrinken? Oder ist hier etwas anderes im Gange?" Der Dunkelhäutige denkt kurz nach, dann spricht er weiter, während er Anstalten macht, zum Haus zu gehen.
"Auf jeden Fall sollten wir diese Merle aufsuchen, und so bald er zurück ist mit Uther sprechen."

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #699 am: 02.12.2019, 06:58:26 »
Seitdem die Frau vom Hof erschienen war, war Rogar still geworden. Zumindest was das Reden anging, wer seinen Gesichtsausdruck beobachtete, konnte ganz andere Dinge wahrnehmen: Zuerst dominierte Unglauben, dann Wut, schließlich blieb es bei zunehmend finster-grimmig.

Der Lüge bezichtigt zu werden, als Fremdling abgekanzelt zu werden ohne eine Spur Höflichkeit, hatte er schon das ein oder andere Mal erlebt. Er war froh, dass er ihre Worte nicht für voll nehmen musste. Der Umgang mit dem Kind und die Aussagen über die Krankheit des Hausherrn waren in seinen Augen jedoch Zeichen absoluten Barbarentums. Nur wer sich vermehrte wie Ungeziefer und ungefähr genauso lange lebte - also nicht genug Erfahrung sammelte, um erwachsen zu werden - konnte so denken. Es war ein verdammtes Geschenk, ein neues Leben hervorbringen zu können, und es war offensichtlich verschwendet! Und gerade weil Menschen so zerbrechlich waren, sollten sie doch umso mehr auf ihre etwas erfahreneren und deren Gesundheit achten! Dem Apothekarius lagen eine Menge Worte auf den Lippen, aber er unterdrückte sie, denn sie wären undiplomatisch und verschwendet gewesen. Er konnte nur darauf setzen, dass seine anscheinend vernünftigeren Reisegenossen hier etwas Einfluss übten. Hoffnungsfoh ließen ihn aber die Versuche nicht zurück.

Abdos Worte provozierten ein Schnauben, dem noch ein Teil seiner Wut, aber auch ein wenig sarkastischer Humor innewohnte. Er nahm ihm immer noch übel, als schwachgeistig bezeichnet zu werden, seine Worte zeugten von einem Ansatz Vernunft. "Unser Reden seit Jahrhunderten[1]. Aber wenn man die Blüte seiner Nachkommen selbst kaum erlebt...", grummelte er in seinen Bart. Ihm war bewusst, dass er nicht diplomatisch war, aber wie sonst sollte er seiner Wut gerecht werden? "Kein Einwand von meiner Seite, was Frau Merle angeht. Dann können wir sie gleich kennenlernen. Unter Umständen können wir auch anbieten, mal nach dem Vater-Herren zu schauen, Heilkundige können wir aufbieten." Er packte seine Sachen und schien griff kurz verdrießlich nach seiner Axt - mit seiner Kampfausbildung hatte er bisher ein erbärmliches Bild abgegeben.
 1. Klingt bei ihm mehr nach 'Jahren'.

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #700 am: 02.12.2019, 09:18:19 »
Aeryn schüttelte nur langsam mit weit offenen Augen den Kopf, eigentlich konnte man es kaum ein Schütteln nennen, eher drehte sie ihn langsam von links nach rechts und wieder zurück. In ihrem Gesicht stand lediglich das Unverständnis über den Umgang mit dem Kind geschrieben. Sie seufzte leicht, aber so ganz wollte sie die Sache dann doch nicht auf sich beruhen lassen. Sie wussten nicht, was hier vor sich ging und ob das nicht vielleicht auch ein Teil davon war. Die Mönche hatten zuerst auch sehr echt ausgesehen, wie Menschen. Womöglich steckte hier auch mehr hinter der Fassade. Vielleicht war der junge Prinz Uther selbst nicht in der Lage, hinter diese Fassade zu blicken. Zuviele Gedanken. Sie mussten mit Uther sprechen, doch das war im Moment nicht möglich.

"Ich sehe mir das mal noch ein wenig näher an," sagte sie und wartete ab, bis die seltsame Magd mit dem Kind aus dem Sichtfeld verschwunden war, um ihr unauffällig mit gebührendem Abstand zu folgen[1]. Vielleicht würde sie ja etwas sehen, was etwas mehr Aufschluss brachte[2].
 1. Stealth 10
 2. Perception 11

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #701 am: 02.12.2019, 19:46:23 »
Halb ungläubig, halb gegen ihre Empörung ankämpfend verfolgt Lîf die Magd mit den Augen. "Uns wird wenig anderes übrigbleiben, wenn wir Antworten wollen" stimmt sie Abdo zu, wobei sie die Worte wohl eher mühsam beherrscht aus ihrer kochenden Brust entweichen lässt. Als die Magd außer Hörweite ist, schnaubt sie nochmals. "Was ist das nur für ein Weib?! Kinder sind das kostbarste Geschenk der Großen Mutter" murmelt sie finsteren Blickes, wobei ihre Rechte schützend auf ihrem Bauch liegt, als wolle sie das Leben dort von einem bösen Einfluss abschirmen. "Wollen wir hoffen, dass man mit dieser Frau Merle vernünftiger reden kann..." Lediglich die Reaktion Rogars scheint sie ein wenig von ihrem Unmut abzulenken. Sie lächelt dem Zwerg kurz zu. "Ihr dürft nicht denken, dass wir Menschen unsere Kinder nicht lieben, Herr Zwerg" erklärt sie. "Das Band zwischen Mann und Weib wie auch das zwischen Mutter und Kind sind heilig – seid versichert, dass sie gewiss nicht so sprach, wie es uns die Göttin lehrt." Rasch wird sie aber wieder ernst und späht sinnend in die Richtung, in der die Magd mit dem Kind verschwunden ist.

Sie kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass so ein Verhalten – noch zudem für eine aller Wahrscheinlichkeit nach mehrfache Mutter – sehr unnatürlich ist. Ungute Erinnerungen an die imitierten Mönche kommen in ihr auf, und sie streift einige Locken zurück unter ihr Kopftuch, um ein freies Sichtfeld zu haben und einen langen, misstrauischen Blick in die Runde zu werfen. Mit gemischten Empfindungen sieht sie Aeryn sich davonschleichen. "Tristan, ich bin unruhig" wispert sie ihrem Mann zu. "Es läuft mir ein Schauer über den Rücken – wie kann sie so gleichgültig bleiben, wo das arme Wurm beinahe ertrunken ist?! Etwas stimmt hier nicht." Letzteres stellt sie im Ton absoluter Überzeugung fest, ihren Ahnungen auch ohne stichhaltige Argumente vertrauend, wie er es schon so oft – und manchmal leidvoll – erlebt hat. Dabei wandert ihr Blick suchend umher, als gelte es nur noch den verräterischen Fehler in dem eigentlich friedlichen Bild zu finden, das sie umgibt. Die junge Frau wirkt wie eine gereizte Löwin, die Gefahr für ihre Jungen wittert, ohne den Feind zu erblicken.

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #702 am: 04.12.2019, 20:33:17 »
Die emotionslose Reaktion und der unverschämte vorwurf der Frau verschlagen Freydis glatt die Sprache, so dass Lív ihr zuvor kommt.
Aber die Augen der Berührten sind gefährlich blau und es kostet sie sichtlich Mühe die Ruhe zu bewaren.
An Soren Villags Inkompetenz scheint keine Grenze zu kennen: offenbar kann er nichtmal seinem eigenen Gesinde ordentliches Benehmen beibringen. Nicht einmal ihren Namen hatte das unverschämte Weibstück ihnen genannt.
"und die ist ganz gewiss nicht Beles Mutter." ergänzt sie Lívs Worte an den Zwerg.
Dabei wundert Sie sich ob die Frau tatsächlich eine Magd ist wie es zuerst den Anschein hatte.
Ihr ganzes Auftreten und besonders die respektlose Art wie sie von Uthers Frau, immerhin der
Herrin des Hauses sprach liesen Zweifel aufkommen. Andererseits war Villag so weit wussten unverheiratet seit er seine letzte Gattin in Schimpf und Schande hinausgeworfen hatte.
"Lasst uns bei dieser Merle vorsprechen. Als Herrin des Hauses sollte sie wissen, was hier vorgeht und wann mit Uthers Heimkehr zu rechnen ist."
Doch die Berührte lässt ihren Worten nicht sofort Taten folgen sondern gibt Aeryn ein paar Minuten Vorsprung ehe sie ihr und der "Magd" zum Haus folgt.

« Letzte Änderung: 04.12.2019, 20:35:20 von Freydis »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #703 am: 06.12.2019, 10:22:11 »
Aeryn, obwohl das seltsame Verhalten der Magd ihr nicht weniger zu grübeln gibt als den Gefährten, reagiert statt mit Kommentaren lieber mit Tatkraft, indem sie dieser spontan nachschleicht. Dies gestaltet sich leider schwieriger als erwartet. Man befindet sich auf einer windigen Hügelkuppe, an einem Fischteich, der Tag ist sonnig, und Deckung bietet nur hier und da ein zerzaustes, kaum mehr als schenkelhohes Büschlein. Und dann tritt Aeryn auch noch auf eine Kinderrassel, die versunken zwischen zwei Grasbüscheln liegt. Falls die Magd die Verfolgerin jedoch bemerkt, so gibt sie davon keinerlei Anzeichen. Sie wendet nicht den Kopf noch hält sie in ihrer Rede mit dem Kind inne, um zu lauschen.

Die anderen Kinder aber bemerken Aeryn sofort und sind begeistert. Was für ein schönes Spiel! Sofort beginnen auch sie, durch die Gegend zu schleichen. Siggi etwa legt den Finger auf den Mund und duckt sich hinter einen Busch (für ihn schulterhoch), ein zweiter Junge wirft sich auf den Bauch und robbt so schnell er kann über den Boden. Das eine Mädchen kichert bloß und klappst sich dann gleich schuldbewusst die Hand vor den Mund im Versuch, still zu sein, während das zweite Mädchen gebückt auf den Zehenspitzen hinter der Magd herschleicht. Sie haben einen Riesenspaß dabei. Doch auch das Spiel der Kinder lässt die Magd nicht aufblicken noch umherschauen, was es ausgelöst haben mochte. (Das ist das einzige Merkwürdige, was Aeryn auffällt, aber sie ist auch arg von dem Ganzen abgelenkt.)

Lîf blickt derweil ebenfalls umher, ob sie das friedliche Bild anhand verräterischer Anzeichen entlarven könne. Doch so recht will ihr nichts auffallen. Wohl entdeckt sie weit draußen auf dem Meer dunkle Wolken, die einen aufziehenden Sturm ankündigen mochten, doch schlimmeres entdeckt sie nicht. Kein Anzeichen von Verderbnis in nächster Nähe. Der Brunnen, den sie vor dem Haupthaus entdeckt, zeigt ja auch, dass hier niemand vom Bach abhängig ist. Zu sehen ist kaum jemand. Zwei Knechte reparieren dort drüben einen Zaun. Da vorn picken ein paar Hühner eifrig umher. Eine Möwe vom nahen Meer schaut, ob sie hier etwas ergattern kann. Am Haupthaus steht die Tür offen.

Kjartan, der zuvor den Gefährten zwar voller Eifer in allem, was sie zur Magd zu sagen hatten, zustimmte, blickt nun verwundert von einem zum anderen. "Was ist los? Was habt ihr?" Ihre plötzliche Sorge schien er nicht zu verstehen.

"Hm. Vielleicht ist das Weib einfach so dumm?" antwortet Tristan auf die Frage seines eigenen, wenn auch in nicht ganz überzeugtem Ton. Anders als Lîf blickt er nicht umher, sondern lässt die Kinder nicht aus den Augen. Besorgt und hungrig zugleich scheint ihr sein Blick.
« Letzte Änderung: 12.12.2019, 20:44:48 von Gaja »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #704 am: 06.12.2019, 16:51:27 »
Abdo nickt bei Lîfs Worten und schüttelt bei denen ihres Ehemanns den Kopf. "Sie schien nicht dumm." versucht er ein Gefühl in Worte zu fassen, denn bessere Argumente hat er nicht. "Etwas stimmt hier nicht."
Auch er muss an die Mönche denken, die eine ähnliche Gleichgültigkeit an den Tag gelegt hatten.
"Lasst uns zum Haus gehen. Die Tür steht ja offen, und die Magd eben hat uns ja quasi die Erlaubnis gegeben."

Der Ya'Keheter macht sich also auf den Weg zum Haupthaus, wobei er sich immer wieder umsieht, da er dem Frieden nicht so recht trauen will.[1] Gibt es noch weitere Anzeichen, dass hier etwas nicht stimmt? Sofern er keine besorgniserregenden Entdeckungen macht, tritt er bis an die Pforte des Hauses und klopft dort gegen den Türrahmen. "Hallo! Ist jemand zuhause?" ruft er und versucht dabei zu erkennen, ob Personen im Haus zu sehen sind.
 1. Perception 20

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