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Autor Thema: 4. Kapitel - Der Orden und der Kult  (Gelesen 10126 mal)

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Idunivor

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« am: 31.03.2017, 13:40:06 »
4. Kapitel - Der Orden und der Kult

Merklich geschrumpft war die Reisegruppe, die von Grünnest gen Elturel aufgebrochen war. Celebren war statt gen Norden lieber gen Süden gezogen, noch nicht ganz gewiss, wohin sein Weg ihn führen sollte, aber doch sehr bewusst fort von dem Drachenkult und seinen Anhängern. Gannayev hingegen hatte sich nicht dazu durchringen können, Leosins Angebot, weiter gegen den Drachenkult anzutreten, anzunehmen. Zu tief saß der Schmerz über die bereits erlittenen Verluste. Und Fane - oder besser Jade - nun, sie hatte eine ganz andere Reise angetreten.
So kämpften sich nur Leosin, Thamior, Rurik und Däny durch Wind und Wetter, um die Stadt im hohen Norden zu erreichen. In Grünnest hatte man ihnen noch keine Reittiere bieten können, zu gebeutelt war der kleine Ort und erst als sie nach Tagen des Marsches Berdusk erreichten, konnten sie diesen Misstand endlich beheben. Leosin kümmerte sich um alles, er hatte in der Stadt offenbar ebenfalls Kontakte und nach nur einem Abend und einer Nacht, waren die vier wieder auf der Straße.
Jetzt verdiente die Straße auch wirklich diesen Namen und sie kamen sehr viel schneller vorwärts. Es war noch immer ein weiter Ritt, aber schlußendlich erreichten sie doch ihr Ziel. Schon Tage zuvor war es zu erkennen, dass sie sich der Stadt näherten, denn in jeder Nacht, wenn die Sonne im Westen versankt, hatten sie das Gefühl, dass ihr Licht nicht ganz verschwinden wollte, sondern ein schwacher Glanz am Horizont zurückblieb. Und als sie schließlich eines Mittags in Sicht der Stadt, die auf einer Klippe über den Fluss Chionthar wachte, kamen, löste sich auch dieses Rätsel, von dem sie trotz Leosins Beteuerung nicht so recht hatten glauben wollen, dass es möglich war. Denn einige hundert Meter über den höchsten Türmen der Stadt schwebte eine gewaltige Kugel aus strahlendem Licht, wie sie sonst in sehr viel bescheidenerem Ausmaß Magier und Priester zu beschwören vermochten. Jetzt, da die Sonne schien, war sie kaum zu sehen, aber als es Abend wurde und die vier Reisenden endlich ihr Ziel erreichten, war das Leuchten schon sehr viel stärker wahrzunehmen. Zweifelsohne war Elturel von den Göttern gesegnet worden. Leosin erklärte, dass die Stadt in zwei Teile geteilt war, den Hafendistrikt, auch der Untere Distrikt genannt und den Oberen Distrikt, der sich auf einer hohen Klippen befand und über dem auch das magische Licht Elturels schwebte. Dies war ihr Ziel und die Wächter am Stadtor, die anders als man es sonst in Städten gewohnt war, allesamt auf Pferden saßen, ließen die vier Reisenden ohne Hindernis passieren.
Im Vergleich zu Grünnest und auch zu Berdusk war Elturel ein ganz anderes Kaliber. Die Straßen waren gefüllt mit Menschen, Zwergen, Halblingen und allerlei anderem Volk, das seinen Geschäften nachging. Händler boten von ihren Wagen oder Ständen verschiedenste Waren an, Priester verkündeten die Worte ihrer Götter, Marktschreier erzählten mit lauter Stimme von Eriegnissen an fernen Orten und Barden sangen Lieder über lange vergessene Heldentaten. Durch all dies Wirrwarr führte Leosin die drei Helden von Grünnenst direkt zum Tempel des Torm im Oberen Distrikt. Doch statt die große Halle durch ihr hoch aufragendes Säulenportal, in dessen Mitte ein goldener Panzerhandschuh an eisernen Seilen hing, zu betreten, steuerte er ein unscheinbareres Gebäude an, das sich an die Seite des Tempels lehnte. Es hatte viele kleine Fenster und eine Tür aus schwerem Eichenholz an deren Eingang ein einsamer Wächter stand, der eine Tunika trug auf der ebenfalls der Panzerhandschuh zu sehen war. Leosin sprach kurz mit ihm, zeigte ihm etwas, das sich in einem kleinen Lederbeutel an seinem Gürtel befunden hatte, aber für die Helden nicht zu sehen war und erntete dann ein Nicken des Wächters, der direkt danach die Tür öffnete. Der Halbelf wandte sich kurz zu seinen drei Begleitern um: "Man wird euch für die Nacht ein Zimmer hier in der Kaserne geben. Ruht euch aus, befreit euch vom Staub der Straße und ich werde morgen früh nach euch schicken lassen, damit ihr dem Großmeister Bericht erstatten könnt."

Wie Leosin es angekündigt hatte, gab man den dreien kleine Zellen in dem Gebäude und auch die Möglichkeit sich zu waschen und zu stärken. Am nächsten Morgen kam ein Diener zu ihnen und gebot ihnen, ihn zu begleiten. Er führte sie durch die engen Gänge der Kaserne in einen offenen Innenhof und durch einen Kreuzgang in diesem Innehof in eine größere Halle. Auch hier prangte der Panzerhandschuh auf der hölzernen Tür und mehrere dunkelblaue Banner mit dem gleichen Symbol schmückten die Wände. Beherrscht wurde die Halle allerdings von einer langen Tafel, an der etwa ein Dutzend Männer und Frauen Platz gefunden hatten. Weitere saßen am Rand auf Bänken, doch es waren noch drei Plätze an der Tafel frei und es bestand kein Zweifel, dass diese für die drei Neuankömmlinge reserviert waren.
Leosin hatte einen Platz direkt an ihrer Seite und als sie sich auf die Stühle hatten sinken lassen, erhob sich der Zwerg, der am Kopf der Tafel gesessen hatte. Seine eiserne Rüstung klirrte ein wenig bei der Bewegung, aber das schien ihn nicht zu kümmern. Stattdessen sprach er mit lauter Stimme: "Sehr gut, nun sind wir also alle versammelt. Viele wissen, wer ich bin und warum wir alle hier sind, doch nicht alle und so will ich es noch einmal erklären. Ich bin Onthar Frume, Großmeister des Ordens des Panzerhandschuhs und wir haben uns heute hier versammelt, um zu entscheiden, wie wir der immer mehr anwachsenden Bedrohung des Drachenkultes endlich her werden können. Ein jeder hier ist auf die ein oder andere Weise schon mit diesen vermaledeiten Söhnen der Tiamat zusammengestoßen. Manche oft und über Jahrzehnte andere erst einmal vor kurzer Zeit. Aber uns allen ist gemeinsam, dass wir uns dem Kampf gegen diesen Feind verschrieben haben. Bis heute wissen wir nicht, was genau sie planen und von wo aus sie operieren, aber wir haben viele Hinweise, viele kleine Bruchstücke, die wir nur zusammensetzen müssen. Es gibt viele Berichte von Plünderungen durch Söldner in diesen Regionen, doch bisher haben wir nie viel mehr in Erfahrung bringen können, als das Drachen und Drachengeborene Anteil an diesen Plünderungen hatten. Doch gestern Abend hat uns neue Kunde erreicht und deshalb haben wir uns heute hier versammelt, um Rat zu halten. Südlich von Berdusk, nahe eines kleinen Dorfes namens Grünnest, ist ein Schlag gegen den Drachenkult gelungen, ohne dass unser Orden diesen befohlen oder geführt hätte. Drei der tapferen Recken sind jetzt unter uns." Der Blick des Zwerges blieb lange an Thamior, Rurik und Däny hängen. Die anderen versammelten warfen den dreien ebenfalls anerkennende Blicke zu und wandten sich erst wieder in Richtung von Onthar Frume als dieser fortfuhr: "Selbst ich habe noch keinen ausführlichen Bericht von den Ereignissen in Grünnest bekommen und deshalb möchte ich euch drei nun bitten, erzählt, was euch widerfahren ist und was ihr über den Kult habt in Erfahrung bringen können."
The only ones who should kill are those prepared to be killed.

Bertha

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #1 am: 31.03.2017, 16:30:29 »
Die bullige Gestalt, die zu Othars Rechten an der Tafel saß, stach nicht nur wegen ihrer schieren körperlichen Präsenz aus den Reihen der Tormanhänger heraus. Wahrscheinlich hätte niemand, der sie dort zum ersten Mal sah, auch nur einen Grund anzunehmen, sie gehörte dem Orden an, wäre auf ihrem dunkelgrauen und offensichtlich alles andere als neuen Hemd nicht das Panzerhandschuh-Symbol eingestickt. Ziemlich ungeniert hielt die schwarzhaarige Halborkin den Kopf auf eine Hand gestützt und folgte mit einem wölfischen Blick den hereintretenden 'Gästen'.
Ein kleines Aufleuchten des Wiedererkennens funkelte in den Augen der Gottesstreiterin auf, als sie Leosin ausgemachte - den Halbelfen hatte sie hier schonmal gesehen. Wer die drei anderen waren, erklärte Ontharr zum Glück kurz darauf. Bertha kniff die Augen zusammen und betrachtete die 'Helden' genauer, während sie mit der freien Hand einen hartnäckigen Rest der ersten Tagesmahlzeit aus ihren Zähnen pulte. Die Stimme der alten Gewohnheiten in ihrem Geist suchte bereits nach Gründen, die Neuankömmlinge nicht zu mögen, doch die Lehren Ontharrs und anderer gerechter Kämpfer trugen bereits Früchte - die Paladina tadelte sich im Stillen selbst für ihre Vorurteile. Sie rutschte etwas auf der Bank umher und knackte mit den Fingerknöcheln einer Hand, in Erwartung des Berichts über das, was sich in der Nähe von Grünnest zugetragen hatte.
"Ein großer Schlag? Na wenn Opa das sagt."
Was heißt hier "Was will die Tormdienerin mit dem Brecheisen"?! Kätzchen von Bäumen retten! Willst du der nächste Baum sein?!

Thamior Naïlo

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #2 am: 03.04.2017, 09:21:50 »
Thamior missfiel die enge Kammer und so trieb er sich noch eine Weile draußen in den Straßen der Stadt herum. Diese Kugel faszinierte ihn. Er hatte Geschichten gehört von der Magie der Hochelfen, die ganze Städte auch nachts in Licht tauchten und er war überzeugt, dass auch diese Kugel ein Werk seines Volkes war, naja, seiner magisch sehr viel begabteren Vettern natürlich. Er streifte also durch die Straßen, die Wälder der Menschen, wie einige ältere seines Stammes immer sagten und versuchte den "Duft" der Stadt zu ignorieren. Wie konnte man nur so leben. Enge Steinkisten, in denen sie schliefen, muffigt, oft stinkige Luft - und das schon im guten Teil der Stadt, er wollte sich gar nicht vorstellen, wie erst die Unterstadt riechen würde. Irgendwann war es aber Zeit, dann doch in den Steinkasten zu gehen und zu rasten. Sie würden nicht lange hier sein, so hoffte er und er hatte schon schlimmeres erlebt, also würde er auch diese Stadt überleben. Aber so richtig verstand er nicht, wie Leosin hier leben konnte. Offenbar hatte er doch mehr von dem menschlichen Erbe in seinem Körper als Thamior dachte.

Auch am nächsten Morgen zog es ihn erst einmal hinaus an die "frische" Luft. Nach einem kurzen Frühstück war er pünktlich mit den anderen in der Halle und bestaunte den Raum. Er spürte die Kraft dieses Ordens und es beeindruckte ihn. Er sah sich um, bewunderte die Waffen und Rüstungen, aber sah auch einige Klingen darunter, deren Pracht wohl die nicht so perfekte Qualität zu überdecken versuchte. Aber auch das waren die Menschen, manchmal versuchten sie mit Protz zu glänzen, statt stolz zu sein auf das, was sie hatten, auch wenn es nicht perfekt war.

Die Wertschätzung, die sie durch die Worte des Mannes erfuhren, war gerechtfertigt. Thamior nickte also kurz, sah sich aber nicht in der Rolle desjenigen, der lange Geschichten erzählen sollte. Er hatte den Barden auf der Reise bereits das ein oder andere Mal vermisst, er hatte immer für gute Stimmung gesorgt, nun ja, bevor das mit Fane passiert war jedenfalls. Danach war er auch sehr viel stiller geworden. "Ich wünsche dir alles Gute Gannayev, wohin dich deine Wege auch führen werden."

Einen Moment hing er seinen Gedanken an und dann spürte er die Stille in der Halle. "Däny wird schon erzählen, was er alles tolles getan hat", dachte er sich und wartete.

Däny

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #3 am: 03.04.2017, 19:21:52 »
Auch wenn Thamior recht behalten würde - wer in einer Gruppe bestehend aus einem diebischen, wilden Elfen, einem grummeligen Zwergenpriester und einem heroischen Hin-Krieger ist wohl am besten in der Lage die vergangenen Tage wahrheitsgemäß zusammen zu fassen? - so wartet der Waldläufer höflich ob nicht einer seiner Gefährten berichten möchte was geschehen ist. Den eine Sache beschäftigt den jungen Abenteurer seit ihrer Abreise und hat ihn ungewohnt einsilbig und nachdenklich werden lassen:

In der Nacht nach Fanes Feuerbestattung und dem traurigen Lebewohl des so gewandelten Gannayevs hatte Däny etwas "erlebt" was ihm noch nie zuvor widerfahren ist. In seinen Träumen hatte der Drachenjäger die Geschehnisse der vergangen Tage und Wochen erneut durchlebt. Wie er Riversbend zerstört vorgefunden hatte, sein Weg nach Grünnest, dass er während es Drachenangriffs erreicht und erfolgreich verteidigt hatte. Die Suche nach Leonsin, das Lager des Drachenkultes und die Befreiung der Gefangenen mitsamt Rurik. Und so weiter. Doch ab dem Kampf in den innersten Höhlen, gegen die Kultisten, als seine Freunde links und rechts von ihm unter der Gegenwehr dieser Fanatiker ins übelste Bedrängnis gebracht worden waren wichen die Erinnerungen von der Traumrealität ab. Eine Hand - schützend über Däny und seine Freunde gehalten - die den Bogenschützen vor dem sicheren Tod abschirmte. Eine Stimme die ihn mahnte nicht nachzulassen; weiter solle er unerschrocken Dörfer und Weiler vor dem Kult zu schützen. Eine Stimme die ihn darin bestärkte nicht aufzugeben und mutig für die Schwachen einzustehen, ja explizit auch wenn es langsame - in vielerlei Hinsicht - Großfüße sein sollten. Das Erbe des treuen Fane - oder eben Jade - weiter zu tragen damit die Flamme des Guten nicht erlischt.

Als er schließlich erwachte war der heiße Rachedurst für Riversbend und Grünnest gewandelt. Wo einst Zorn in Däny geherrscht hatte fühlt der Hin nun eine ... Bestimmung? ... die seinen weiteren Weg leiten wird. Etwas worüber noch nachdenken muss, ehe er all das begreifen und akzeptieren kann. Nicht, dass er Sorge hat das nicht auf die Reihe zu bekommen, aber etwas Zeit um alles erlebte und für ihn bestimmte zu verdauen braucht der Abenteurer dennoch. Außerdem wer sagt, dass nicht auch – nicht zuwenig - Drachblut Teil seiner Bestimmung sein kann?

In Berdusk hatte sich der Bogenschütze auch mit weiteren Pfeilen - weiß gefiedert - und einem Schild passend für seine Größe ausgestattet. Der nächste Kultist würde zweifelsohne nicht lange auf sich warten lassen!


Und schlußendlich so in der Kaserne des Panzerhandschuhs - zwischen all den erwartungvollen dreinblickenden Streitern - sitzend erhebt sich der Hin und erzählt von dem Kampf um Grünnest, der Höhle des Drachenkultes und dem umgebenden Lager. Wie sie die Gefangenen mit List und Tücke befreiten und sicher nach Grünnest brachten. Und weiters wie sie schließlich heimlich zurück kehrten um den Plan in Frulams Raum zu finden, von Rezmir, Fanes Opfer und zum Ende hin - mit einem zufriedenen Leuchten in den Augen - von den drei schwarzen Dracheneiern die sie gefunden und unschädlich gemacht hatten. Gannayev hätte sicherlich in besseren Worten und dramatischeren Wendungen zu berichten gewusst, aber dem Hin fehlt es zumindest offensichtlich nicht an Leidenschaft und dem brennenden Wunsch weiter gegen den Drachenkult vor zugehen. Soviel ist einwandfrei aus seiner Erzählung heraus zu lesen.

Als er geendet hat blickt er stolz in die Gesichter der Anwesenden um zu erkennen ob sie die Tragweite dieser Heldentaten und die damit verbundenen Opfer wohl zu würdigen wissen.

Rurik Torun

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #4 am: 04.04.2017, 14:50:53 »
Rurik wäre auf der Bestattung fast der Bart abgefallen, als er sah dass Fane in Wirklichkeit eine Frau gewesen war. Sicher war er erst wenige Tage bei der Gruppe von Leuten, denen er mitunter sein Leben zu verdanken hatte. Dennoch wunderte sich der Zwerg über seine Auffassungsgabe und dass ihm in all der Zeit nichts aufgefallen war. Und genau die kurze Zeit der gemeinsamen Reise mit dem überraschenden und traurigen Ende zugleich, ließen den Zwergen stumm bleiben. Er hätte auch keine besseren Worte als der Priester in Grünnest finden können, also schwieg er lieber.

Kaum waren sie gen Elturel aufgebrochen, durchströmte ihn neue Kraft. Er war bereit sich diesem Kult erneut zu stellen, besonders nach dem Jades Tod. Dieser grausame Moment sollte nicht umsonst gewesen sein, soviel stand fest. Und er beschwerte sich auch nicht, als sie mit Pferden weiterreisten. Sein Pony war ihm wohl gesonnen und somit ging die Reise zumindest um einiges schneller. Durchaus beeindruckt folgte der reitende Zwerg dem von weithin erkennbarem Licht über Elturel.

* * * * * * *

Im ging das Herz auf als sie nach etlichen Tagen der Reise endlich in Elturel ankamen. Das prachtvolle Licht hoch über der Stadt war beinah wie ein Leuchtturm. Ob es wohl auch die verlorenen Seelen zurück auf den richtigen Pfad bringen würde? Rurik war stark davon überzeugt. Auf dem Weg durch die Gassen versuchte er sich den Weg einzuprägen, aber es gelang ihm nicht. Nicht in der kurzen Zeit. Dennoch fühlte er sich nicht unwohl zwischen den steinernen Gebäuden und dem einen oder anderen Zwerg den er zu Gesicht bekam. Es waren nicht so reichlich wie in seiner Heimat dem Großen Riss, aber er begnügte sich mit dem, was er kriegen konnte.

Als sie des Abends in der Kaserne des Ordens des Panzerhandschuhs Zuflucht fanden, ging dem Zwerg das Herz auf. Er konnte sich in der ganzen Stadt keinen passenderen Ort zur Ruhe vorstellen: um ihn herum gab es mehr als genug treue Anhänger Torms und zugleich Mitglieder des Ordens, die dem vermaledeiten Kult am stärksten zusetzten. Also unterzog er sich einer, für zwergische Verhältnisse, gründlichen Reinigung und begab sich zur Nachtruhe. Es war seit vielen Nächten die erste, ohne dass er Wache halten musste. Am nächsten Morgen wurde er mit den ersten Sonnenstrahlen wach, legte seine Rüstung an und stärkte sich am reichhalten Mahl der Kaserne. Einfach wunderbar!

Wieder mit den Kameraden vereint in der großen Halle, wartete er gespannt auf die kommenden Geschehnisse. Ihm gefiel es sehr unter solch einer treuen und anständigen Gesellschaft zu sein. Doch was sahen seine Augen dort? Eine Südländerin? Welche Fähigkeiten sie wohl besaß, die man nicht mit einer aus der Gegend stammenden Frau abdecken konnte? Doch dann scholt er sich für seine Torheit. War er nicht selbst weit aus dem Süden angerückt um sich gegen den Kult zu wehren? Schließlich musste jeder dort auftauchen, wo der eigene Feind lauerte. So ließ er den Blick weiter schweifen und starrte sicher einige Augenblicke auf die bullige Gestalt rechts nebem dem ehrenwerten Onthar Frume. Da traf ihn beinah der Schlag. Ein Weib, entsprungen aus der Unzucht eines Orken und eines Menschen? Hier an diesem Ort? Zu allem Überfluss trug sie auch noch einen Hemd mit dem Symbol des einen Herrn. Wie steckte das ineinander? Rurik kniff die Augen zusammen und funkelte die Halborkin herausfordernd an, hielt aber Stille was seine Vorurteile anging. Schließlich war er hier Gast und wusste sich zu benehmen. Es würde sich schon alles aufklären.

Und so lauschte er der Ausführung des Großmeisters, gefolgt von der brauchbaren Erzählung des Halblings. Gespannt war bereits jetzt, auf die Neuigkeiten die Frume hoffentlich noch zum Besten geben würde.
« Letzte Änderung: 04.04.2017, 14:52:22 von Rurik Torun »

Thamior Naïlo

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #5 am: 07.04.2017, 17:52:55 »
Während Däny ihre Geschichte erzählte sah sich Thamior in der Runde um. Sein Blick blieb auf der Halborkin hängen und sein Blick verfinsterte sich. Als er erkannte, welches Zeichen sie trug, kam Verwunderung hinzu und er witterte Betrug. Aber sicher würden die Streiter Torms sich nicht so dumm anstellen und einem Halbork leichtfertig erlauben, den Panzerhandschuh zu ragen. Dennoch, die Anwesenheit dieser Frau passte ihm nicht. Er würde einfach Abstand halten, denn lange wollte er sowieso nicht hier bleiben er wollte möglichst bald weiter ziehen, raus aus dem Mief der Stadt und die Drachenkultisten verfolgen. Denn es stand für ihn fest, dass dies ihr Aufgabe werden würde.

Idunivor

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #6 am: 10.04.2017, 13:37:58 »
Ontharr Frume und einige andere Anwesende stellten noch einige Rückfragen, in erster Linie zu den Dokumenten, die die Helden aus Frulam Mondaths Quartier in der Höhle mitgebracht hatten. Nachdem dies geklärt war, ergriff der zwergische Anführer des Ordens erneut das Wort: "Habt Dankt für diesen Bericht. Und tatsächlich ist es sehr wertvoll für uns, denn dank dieser Karte und der übrigen Dokumente haben wir endlich eine grobe Vorstellung, wo sich das Zentrum der Operationen unserer Feinde befindet, auch wenn ihre genauen Motive noch immer nicht genau geklärt sind.
Nun heißt es Pläne zu schmieden, um endlich  nicht mehr nur zu reagieren, sondern den Kampf zum Feind zu tragen. Doch vieles muss dafür vorbereitet werden. Wir sollten Späher aussenden, um die Region, in die die Karte weist genauer zu erkunden und wir müssen unsere Kräfte sammeln. Aus all dem, was wir erfahren haben, können wir schließen, dass der Feind stark und gut organisiert ist. Sie werden ihre Operationsbasis gut befestigt haben und es mag sein, dass dies die Kräfte unseres Ordens selbst übersteigt. Deshalb werden wir nach Hilfe für diesen Kampf suchen müssen. Bisher haben die Kultisten nur kleine Dörfer attackiert, nie die größeren Städte. Und die meisten der größeren Ansiedlungen kümmern sich deshalb auch kaum um sie. Es ist also an uns die Machthaber wach zu rütteln, um dieses Übel im Keim zu ersticken, bevor es so sehr an Kraft gewinnt, dass es nicht länger nur Dörfer in Gefahr bringt."
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Däny

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #7 am: 12.04.2017, 18:48:54 »
Einigermaßen zufriedengestellt durch die Anerkennung, und die Bereitschaft etwas gegen die vermaledeiten Drachen zu tun, die er hier antrifft, bekundet Däny ein weiteres mal seinen Kampfeswillen: "Sagt mir was ihr am dringendsten benötigt und ich werde es mit meinen Freunden erreichen."

Er selbst ist kein großfüßiger, berühmter Krieger oder gar direkter Nachfahre eines mächtigen Magiers, sondern ein Hin-Waldläufer aus Riversbend. Es sollte also kein Problem dabei geben die gerade geäußerten Worte wahr zu machen.

Bertha

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #8 am: 12.04.2017, 21:41:00 »
Der Erzählung des Halblings lauschte Bertha mit einer gehobenen Braue. "Achja? Und was ist *wirklich* passiert?," traut sie dem kleinen Mann mehr als nur eine Übertreibung zu. Nur die gestrengen Blicke von Ontharr Frume und der dunkelhäutigen Halbelfe, die neben ihr saß, brachten sie davon ab, den Bericht mit laut geäußerten Zweifeln zu unterbrechen. Stattdessen konterte die Halborkin das feindselige Starren der anderen beiden Helden von Grünnest mit einem unnachgiebigen, fast schon provokanten Stirnrunzeln und Gegenstarren. Ernsthaft bedroht fühlte sie sich von den grimmig dreinschauenden Streitern des Guten aber nicht.
Frumes Plan 'begrüßte' die Paladina mit einem "Mhhm" und einem skeptischen Kopfkratzen. "Wir sollen also hausieren gehen bei den hohen Tieren, die sich 'nen Dreck um ihre Leute scheren?," fasste sie ihre Bedenken auch gleich in (nicht sehr feinfühlige) Worte, "Während dieses Drachengesocks mit seinen irren Plänen fast durch ist?"
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Idunivor

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #9 am: 15.04.2017, 11:37:39 »
Der Zwerg an der Spitze der Tafel nickte anerkennend, als Däny so schnell bereit war, sich dem Kampf des Ordens anzuschließen, auf den Kommentar der Halborkin antwortete er dann kurz, da sie einiges zustimmendes Nicken erntete: "Wir haben keine andere Wahl. Was gewinnen wir, wenn wir in einem glorreichen Zug gegen den Kult zu Felde ziehen und dann allesamt abgeschlachtet werden, weil sie bereits zu stark sind? Das wäre zwar sehr heroisch, aber letztlich eine Narretei. Deshalb brauchen wir Unterstützung."
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Rurik Torun

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #10 am: 19.04.2017, 10:08:25 »
Rurik striff einige Male mit seinen Fingern durch seinen roten Bart. Es schien als wägte er die Aussagen ab, die bereits im Raum standen. Dann endete er mit seinem Ritual und meldete sich zu Wort: "Werter Meister Frume. Ich denke euer Plan ist ausgezeichnet auf die jetzige Lage angepasst. Dennoch gilt es keine Zeit zu vertrödeln, da wir von ihr keinesfalls genug haben. Wir sollten also schleunigst alle willigen Mitstreiter vereinen und dann aufbrechen um weitere Verbündete zu treffen. Wer schwebt euch derzeit für diese Unterfangen vor?"

Nach seinem kurzen Einwurf lehnte sich der Zwerg wieder an seine Stuhllehne und wartete erneut auf Antworten.

Thamior Naïlo

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #11 am: 19.04.2017, 13:10:05 »
Thamior hielt sich bei dem Palaver zurück, das war nicht seine Welt. Und es verlief wie immer, reden, andere überzeugen, Strategien entwerfen, irgendwer muss irgendwann irgendwas tun, aber es drängt, drängt, drängt. Rurik gab dann das richtige Stichwort.

"Na wir, Herr Zwerg, wir sind die richtigen für dieses Unterfangen. Es bracht Späher, die nicht direkt erschlagen werden, wenn man sie entdeckt, Leute, die Wissen, wie der Gegner aussieht. Also wir. Ich rede nicht mit den Führern der Menschen, das kann ich nicht, diese Leute haben keine Ahnung, sind meist fett und feige und können oder wollen keine wichtigen Entscheidungen treffen. Nein, das Überzeugen ist die Aufgabe des Ordens, wir spähen aus. Und wenn uns der ein oder andere Kultist ins Schwert läuft ist es auch gut. Also, gebt uns eine Karte die uns den Weg zeigt, dann können wir sofort los ziehen. Nicht wahr, Freunde?"
Dabei sah er in die Runde um zu sehen, wie groß die Begeisterung der anderen für seinen Plan war.

Bertha

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« Antwort #12 am: 23.04.2017, 11:22:37 »
Die stämmige Tormkriegerin lachte angesichts von Thamiors geäußertem Widerwillen, mit den Fürsten und Anführern zu verhandeln. Ihre eigene Haltung dazu hätte sie nicht besser ausdrücken können.
"Das ist ja wohl eher was für dich," grunzte sie ihrer halbelfischen Tischnachbarin zu. Dann sah sie zwischen den Helden von Grünnest und Ontharr Frume hin und her.
"Reden schwingen können die, den' die Zunge richtig rum gewachsen ist. Wenn diese vier," mit dem Daumen wies die Halborkin auf Leosin, Däny, Thamior und Rurik, "rausgekriegt haben, aus welchem Loch die Drachenanbeter gekrochen kommen, dann weiß ich ganz genau, wo ich gebraucht werde. Ihre Freiwilligenmeldung unterstrich Bertha, indem sie die Finger beider Hände verschränkte und mit einem Ruck geräuschvoll knacken ließ.
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Däny

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #13 am: 23.04.2017, 16:22:34 »
"Genau!" pflichtet Däny dem Elfen - Thamior - bei. Sie hatten schon mehr als einmal gezeigt was in ihnen steckt. "Zum Schutze der Dörfer."

"Und vielleicht läuft uns ja wieder ein Drache über den Weg..." sinniert der Jäger leise hoffend vor sich hin.

Bayarii Aylon

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4. Kapitel - Der Orden und der Kult
« Antwort #14 am: 24.04.2017, 17:04:33 »
"Hmm?", meldete sich die dunkehäutige Halbelfin das erste Mal seit Beginn des Gesprächs selbst zu Wort, wenn man denn so frei wäre diesen Laut der Überraschung als echtes Wort zu interpretieren und nicht nur als Ausdruck momentaner Verwirrung zu begutachten. Mit einer fast ruckartigen Bewegung setzte sich Bayarii, die neben der breitschultrigen Halborkin und dem ebenfalls gerüsteten Zwerg fast ein wenig fehl am Platz wirkte, auf und räusperte sich einmal um mehr oder weniger gekonnt zu überspielen, dass sich ihre Gedanken gerade noch in weiter Ferne befanden. Während andere Teilnehmer dieses Treffens die letzte Nacht vielleicht damit verbracht hatten sich auf das Treffen selbst vorzubereiten, oder, klüger noch, sich eine gute Mütze Schlaf zu gönnen, verbrachte die Halbelfe selbst ihre Nacht in einer der Tavernen des Hafendistrikts um dort mit Gesang und Tanz für Unterhaltung zu sorgen. Wirkliche Untätigkeit war der Bardin schon immer ein echter Graus! Mit einer geübten Handbewegung ließ die Halbelfe ihren langen geflochtenen Zopf aus rabenschwarzem Haar über ihre linke Schulter fallen und blickte in die Runde. "Vielleicht sollten wir uns alle einen Moment Zeit nehmen um unsere neuen Mitstreiter kennenzulernen, oder uns zumindest vorzustellen." Jetzt wo sich Bayarii mit ihren Gedanken wieder vollständig  in der Gegenwart befand, sprach sie mit melodischer Stimme, einer einnehmenden Mischung als elfischer Eleganz und menschlicher Jovialität, die in diesem Augenblick einen deutlichen Kontrast zur donnernden Stimme ihrer halborkischen Begleiterin bot. "Natürlich gibt es im Moment weitaus wichtigere Dinge zu bereden, aber zumindest die Namen seiner Mitstreiter zu kennen macht viele Dinge in meiner persönlichen Erfahrung ein wenig leichter." Die Halbelfe lächelte in die Runde und beschloss gleich mit gutem Beispiel voranzugehen. "Mein Name ist Bayarii Aylon und meine streitbare Begleiterin hier heißt Bertha.", fügte sie mit einem Seitenblick und  spierlerischem Zwinkern in Richtung der Halborkin hinzu. "Es ist mir eine Freude vielleicht bald in der Gesellschaft solch erfahrener Abenteurer reisen zu dürfen und ich denke ich kann vielleicht selbst das ein oder andere zum Gelingen unserer Mission beitragen."
« Letzte Änderung: 24.04.2017, 17:09:27 von Bayarii Aylon »

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