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Autor Thema: Kapitel II: The show must go on  (Gelesen 3345 mal)

Beschreibung: Das Erwachen in einer neuen Welt

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Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #60 am: 18.02.2018, 23:49:03 »
Ricky ist von sich selbst erschrocken.
Und als Laura Ann jetzt noch mit dem Finger sein Gesicht entlangfährt, blickt er verlegen zu Boden. Deutlich ist auch ihm eine starke Rötung des Kopfes anzusehen.
Als ihm die Satyrdame eine halbe Liebeserklärung macht, wird er noch verlegener. Kaum weiß er, wo sein Blick hingehen soll. Aber auf jeden Fall nicht ihrem begegnen.
"Äh.....äh......ich......ich....wollte. Äh....ich.....ich." Der junge Satyr bricht ab und setzt erneut an.
"Also....äh.....nur....."
Sein Stimme wird leiser.
Von seinem gesengten Kopf verborgen schaut er sich Hilfe suchend um.
Gerade rechtzeitig für Ricky meldet sich dann der große Troll wieder. Fast kann man ihm die Erleichterung ansehen, als sein Körper sich etwas  aus der Umarmung mit Laura Ann befreit.
Gespannt und ergriffen lauscht er den Worten Eddies. Fast kommen ihm wieder die eigenen Bilder in den Sinn.
Als Eddy dann aufbrüllt, löst sich Ricky ganz aus der Umarmung mit dem Satyrmädchen, ergreift aber unbewußt ihre Hand.
Auf Ayleens Frage hin, möchte er antworten. Aber mehr als einige weitere "Ähs" und "Ähms" kommen nicht aus ihm raus.
 

Changeling

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #61 am: 19.02.2018, 17:43:49 »
Ganz allmählich fällt die eigenartige Wirkung des Tanzes und der fremden Musik von den Gefährten ab, und sie können wieder klarer denken. Die Erinnerung jedoch bleibt, bunter und lebendiger als an jedes Erlebnis in ihrem bisherigen Leben. Ganz so, als sei auf unerklärliche Weise wirklicher, was ihnen hier widerfährt... Die alte Frau lässt sich von einer jüngeren zu Ayleen führen, wo sie mit ihrer Hilfe ächzend in den Schneidersitz sinkt. Aufmerksam beobachtet sie das Mädchen, dem man ohne weiteres das gewünschte Aststück gebracht hat. Während Ayleen an ihre Pfeife bastelt, nickt die runzlige Greisin mehrmals und kichert heiser vor sich hin. Die jüngere Frau, die respektvoll schräg hinter ihr kniet, sagt: "Die Männer werden bald zurück sein – sieh: Vater Sonne dringt schon mit seinem Speer in den Schoß von Mutter Erde ein." Sie weist zum Horizont, wo das Tagesgestirn in einem satten Rot abzutauchen beginnt.

"Vielleicht erfahren wir ja dann etwas über Tiffys Verbleib" hofft Laura Ann, nachdem Ayleen übersetzt hat. Sie hockt noch neben Ricky, die kräftigen Ziegenbeine untergeschlagen, seine Hand haltend, die sie, unbewusst oder nicht, auf ihren Schoß gezogen hat. "Ich mache mir echt Sorgen um sie" murmelt das Satyrmädchen und wirft dann das Haar in einer anmutigen Geste zurück, die ihr etwas sehr feminines verleiht, was die anderen Schüler so nicht von ihr kennen – aber auch etwas wildes. Eddy schnaubt und nickt. "Hoffen wir es! Wenn wir von irgendwelchen Wesen oder Orten hören, kann uns das Buch bestimmt weiterhelfen." Der Blick, den er auf den dicken Folianten wirft, ist allerdings nicht ganz so überzeugt, wie seine Worte klingen. Man hat eher den Eindruck, dass der Troll es sich wünscht.

Auf Ayleens Frage wiegt er seinen gehörnten Kopf. "Ich bin mir nicht sicher" sagt der Blauhäutige leise. "Da waren so viele Bilder und Erinnerungen... ich weiß nicht mehr recht, ob ich träume oder wach bin" gibt er zu. Laura Ann dagegen nickt. "Ich fühle mich gut!" sagt sie und schenkt Ayleen ein Lächeln, aus dem der Schalk ebenso wie etwas anderes blitzt, das gewiss nicht bösartig ist, aber irgendwie beunruhigend für das Mädchen. "Wenn es nach mir geht, müssten wir nur noch Tiffy finden, dann wäre alles in Butter." Sie wirft Ricky einen Seitenblick zu und kichert. "He – sie hat dich was gefragt, schöner Junge!" Dabei gibt sie ihm einen freundschaftlichen Rempler in die Seite.

In diesem Moment ertönt ein Ruf, und die Bewohner der kleinen Siedlung deuten zum Fluss. Auf dem Wasser sieht man mehrere längliche, flache Schemen, die sich im Schein der untergehenden Sonne nähern. Getrieben werden sie von einfachen Paddeln in den Händen von menschenähnlichen Gestalten, die auf diese Entfernung in dem schwächer werdenden Licht schwer zu erkennen sind. Das gelegentliche Schillern von Fischschuppen scheint jedoch darauf hinzuweisen, dass es die heimkehrenden
yunwi amai'yine'hi sind. Die freudigen Rufe aus vielen Frauen- und Kindermündern würden jedenfalls dazu passen. Auf dem vordersten Boot sieht man eine einzelne Gestalt, die aufrecht steht, auf einen langen Fischspeer gestützt.

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #62 am: 23.02.2018, 23:44:26 »
Immer noch verlegen hält Ricky seinen Kopf weiter gesenkt. Und als Laura Ann seine Hand weiter festhält und sie so unbedarft in ihren Schoß zieht, wird er dadurch auch nicht gerade gelassener.
Er versteht ja selbst kaum, was hier gerade alles passiert. Und die aufkeimenden Gefühle für seine Begleiterin machen es nicht leichter.
Deshalb ist er auch mehr als glücklich, als gleich auf ihren Stupser in seine Seite die Rufe der Ureinwohner ertönen.
Er nutzt diese Gelegenheit, um aufzuspringen und sich ganz von dem fast unwiderstehlichen Satyrmädchen zu lösen.
Ohne viele Worte zeigt er ebenfalls auf die sich nähernden Rückkehrer.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #63 am: 28.02.2018, 06:35:23 »
Das Unvermögen Rickys zu antworten erntet bei Ayleen ein verständnisvoll-mitleidiges Lächeln, dass aber sanft genug ist, nicht böse gemeint zu sein. Etwas von Ayleens Internats-Persönlichkeit scheint durchzuschimmern, wieviel auch immer darauf zu geben ist.

Zu Eddys Antwort nickt sie nur und wechselt kurz ein paar erklärende Worte mit der alten Dame, um die Arbeitsschritte bei der Flöte zu erklären. Kaum ist sie fertig und sie führt sie vor, unterbricht die Ankunft der Fischer alle Tätigkeiten. Die Vogellaute klangen tatsächlich täuschend echt, gingen aber im Trubel unter. Eine ihrer Augenbrauen zuckt, dann übergibt sie die Flöte und stellt sich neben die Alte, um auf die Jäger zu warten. Sollten sie Glück haben und mehr über die Umgebung erfahren oder gar Tiffany, würde sie einen Aufbruch vorschlagen. Andernsfalls sollten sie erwägen, hier die Nacht zu verbringen, besser konnten sie es ihrer Meinung nach nicht treffen.

Changeling

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #64 am: 01.03.2018, 14:14:02 »
Frauen, Kinder und Alte eilen dem Ufer entgegen, während die Boote eines nach dem anderen anlegen. Männer springen heraus und ziehen die leichten Gefährte an Land. Sie alle scheinen mit langen Fischspeeren versehen, und in den Booten können die Gefährten nun viele schillernde Fischleiber sehen: ein wahrhaft üppiger Fang, von winzigen, unscheinbaren Fischchen bis hin zu welsartigen Exemplaren von beeindruckender Größe mit langen Barteln. Die yunwi amai'yine'hi müssen hervorragende Fischer sein, oder die Fischgründe im Fluss sehr reich.

Auch Laura Ann ist aufgesprungen und mit den Frauen und Kindern aus dem Dorf zum Ufer hinuntergelaufen. Ihre Schritte sind elastische, bocksprungartige Sätze mit den kräftigen, behaarten und behuften Beinen, bei denen der Ziegenschwanz des Satyrmädchens immer wieder unter ihrem kurzen Rock hervorlugt und den anderen frech zuzuwinken scheint. Eddy hingegen ist an Ort und Stelle geblieben. Seine schiere Körpergröße erlaubt es dem Troll offenbar, die Szene über die Köpfe aller andere hinweg auch von hier aus zu beobachten.

Die alte Frau hat Ayleens Schilderungen gelauscht und dann die kleine Flöte entgegengenommen. Mit ihren knöchernen Fingern hat sie daraufhin auf ihr eigenes Geschenk gedeutet, dem Indianermädchen ihre Faust entgegengestreckt, sie dreimal geöffnet und wieder geschlossen – ein Zeichen, mit dem Tauschhändel besiegelt werden. Ein zahnloses Grinsen begleitet ihr Nicken.

Die Fischer sind indessen alle an Land gegangen. Während die meisten von ihnen mit Hilfe der anderen Dörfler ihren Fang ausladen, ist der Mann aus dem vordersten Boot in Begleitung einiger, offenbar besonders hochrangiger Jäger langsam zu den Hütten geschritten. Ricky kann – vielleicht mit einem kleinen Stich von Eifersucht? – erspähen, dass Laura Ann den Männern mit etwas Abstand folgt, wobei ihre Augen bewundernd auf dem Mann ruhen.

Tatsächlich ist es eine beeindruckende Gestalt, die da auf die unfreiwilligen Abenteurer zukommt[1]: mittelgroß, von breiter Gestalt, haben die Züge dieses Indianers etwas ehrfurchtgebietendes, obwohl er deutlich jünger sein muss als die alte Weise. Stilisierte Wellen und andere wasserbezogene Symbole, manche auch sehr abstrakt, finden sich als Tätowierungen überall an seinem Körper. In zwei schmale Zöpfe sind Jagdtrophäen in Form von Raubfischzähnen eingeflochten, er selbst hat deutlich sichtbar die Schwimmhäute der
yunwi amai'yine'hi zwischen den Fingern und weist vor allem an Rücken und Unterarmen große Stellen auf, wo seine Haut selbst wie Fischschuppen schillert.

Am Kreis mit dem großen Feuer angelangt, macht er eine ehrerbietige Geste zu der Alten hin, die ihm tief zunickt. Dann schweifen seine Blicke über die Gäste des Dorfes: Eddy, der ihm stolz entgegenblickt, die mächtigen Arme verschränkt, Laura Ann, die ihn anlächelt und bei seinem Blick zugleich grinst und errötet, Ayleen, deren Anblick ihn kurz nachdenklich die Stirn runzeln lässt, und Ricky. Als er den Satyr sieht, stutzt der Mann, dann deutet er plötzlichen auf den Jungen und ruft: "
mok'te'yanna'hi..!" Erstauntes Murmeln geht durch die Reihen der yunwi amai'yine'hi. Von den Gefährten kann sich einzig Ayleen einen Reim darauf machen: Zwar versteht sie die genaue Bedeutung des Ausrufs im Dialekt des Mannes nicht, doch sie weiß, es muss sich um einen Namen oder Titel handeln.
 1. Bild und Beschreibung finden sich wie üblich unter Dramatis Personae.

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #65 am: 09.03.2018, 04:50:15 »
Ricky betrachtet die Neuankömmlinge neugierig.
Und tatsächlich ist er kurz über den kleinen Stich verwirrt, den er fühlt, als er Laura Ann den Anführer so anhimmeln sieht. Aber verständlich ist es schon bei so einer beeindruckenden Gestalt.

Als dieser dann aber kurz nach seiner Ankunft auf den jungen Satyr zeig und etwas ruft, wird Ricky wieder nervös. Er schaut an sich herab, ob da irgendwas Auffälliges oder Ungewöhnliches, mal von seinem neuen Aussehen abgesehen, ist.
"Ich ..äh.. ich hab....gar nichts .....nichts....äh....gemacht.", fängt er wieder zu stammeln an und schaut sich hilfesuchend insbesondere in Ayleens Richtung um. Sie müßte ihm ja sagen können, womit er den Anführer verärgert hat.

Changeling

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #66 am: 03.04.2018, 11:18:14 »
"mok'te'yanna'hi..!" wiederholt der Mann und nickt mehrmals. Die yunwi amai'yine'hi scharen sich um den Jungen und ihn, und Ricky mag es wohl in seiner Haut recht ungemütlich werden, auch wenn er registriert, dass Eddy an seine Seite tritt und sich finster umsieht. Der Troll hat eine Hand auf seiner Waffe, in der anderen das Buch, als sei es ein Schild. Die Angelegenheit findet erst eine Aufklärung, als der beeindruckende Krieger von den Dörflern erfährt, wie die Gefährten in das Lager gefunden haben. Ayleen kann die Unterhaltung in Bruchstücken verstehen.

Schließlich wendet der Mann sich an Ricky, auf seinen langen Fischspeer gestützt. In einem verständlichen, wenn auch gutturalen, stark von Akzent gefärbtem Englisch sagt er: "Wolkenspeer kennt Knaben mit blasser Haut. Er hat Gesicht von
mok'te'yanna'hi – Helles Auge." Der muskulöse Arm streckt sich, und ein Finger weist auf den Fluss hinaus. "Vor langer Zeit kommen fremde Männer über unser Wasser. Vier." Er hält vier Finger in die Höhe. "Wolkenspeer jung damals. Helles Auge wird Bruder mit Wolkenspeers Vater. Freund von yunwi amai'yine'hi." Damit legt er Ricky eine Hand schwer auf die Schulter und ruft der Menge etwas zu, worauf alle durcheinander zu reden beginnen. Nun glaubt Ayleen wieder verstanden zu haben: Wolkenspeer will offenbar den Bund der Bruderschaft erneuern.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #67 am: 10.04.2018, 06:35:20 »
Während Ayleen an der Seite der Alten wartet, lässt sie sich vom Fang und den Fertigkeiten der Gastgeber mehr beeindrucken als von der Gestalt des führenden Jägers. Sein Stirnrunzeln ob ihrer Gegenwart erntet ein betont neutrales Gesicht. Das 'Erkennen' von Ricky lässt sie ihre Sinne schärfen. Sie fragt sich, ob sie sich Sorgen machen muss. Rickys Stammeln und Hilfesuchen beantwortet sie mit einer beruhigenden Geste, bevor sie der Dame neben sich erklärt, dass ihr Kamerad nicht versteht und um Aufklärung bittet. Sie hört den Worten, die der Stamm miteinander wechselt, zu, und fasst die Erkenntnisse zusammen. Dabei lässt sie auch nicht aus, das Wolkenspeer quasi die Hand in Freundschaft - in Anlehnung an die der Väter - ausstreckt. Kurz sichert sie sich mit einer Rückfrage, was diese Freundschaft beinhaltet ab, bevor sie auch dies weitergibt.

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #68 am: 25.04.2018, 23:22:45 »
Erleichtert atmet Ricky auf, als ihm mitgeteilt wird, daß er nichts falsch gemacht hat. Die große Hand auf seiner Schulter fühlt sich fast väterlich an.
Als Ayleen ihm dann noch erklärt, daß es jetzt darum gehen soll, einen Freundschaftsbund mit den Ureinwohnern zu schliessen, blinzelt er etwas ungläubig. "Mit mir?!!"
Aber es fällt dem Jungen nicht schwer sich darauf einzulassen. Denn zum Einen kann es nur von Vorteil für sie sein, Verbündete in dieser Welt zu haben. Und zum Zweiten würde es Ayleen zeigen, daß er ihr Volk und seine Bräuche respektiert.
Interessiert hört er weiter zu, was er jetzt machen soll.

Changeling

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« Antwort #69 am: 26.04.2018, 16:11:11 »
Rickys Verwunderung scheint allgemeine Erheiterung hervorzurufen. Dass die Gefährten nun nach der alten Weisen auch noch von Wolkenspeer akzeptiert wurden, hat offenbar die letzten Bedenken beseitigt: Jetzt lösen sich auch die ängstlichsten unter den Kindern von den schützenden Röcken ihrer Mütter, um die Besucher eingehend zu begutachten. Die Erwachsenen drängen sich danach, jedem von ihnen einen Nasenkuss[1] zu geben. Sie sehen um sich herum strahlende Gesichter. Nicht so ekstatisch wie beim Tanz, aber die Flussleute müssen dennoch ein fröhliches Volk sein, da sie sich so kindlich freuen können.

Eddy ist der einzige, bei dem es mit den Nasenküssen nicht so recht klappen will, reicht doch mit Ausnahme Wolkenspeers niemand auch nur annähernd bis zum gehörten Kopf des Trolls empor. Dafür befühlen vor allem die Kinder seine dicke, borkig wirkende Haut wie bei einem Wundertier, was er mit säuerlicher Miene hinnimmt. Laura Ann dagegen nimmt die interessante Grußgeste rasch auf und scheint sie zu genießen. Sie stößt Ricky leise an und murmelt: "Hey, die Leute hier sind ein bisschen seltsam, aber sie gefallen mir. Hast du gesehen, wie gut gewachsen sie alle sind?" Natürlich – keinen ihrer Mitschüler wundert es – gleitet der Blick des Satyrmädchens dabei vor allem genüsslich über die kleinen, schlanken, aber durchaus athletischen Männerkörper. Doch auch sie können nicht leugnen: Die
yunwi amai'yine'hi sind ohne Ausnahme hübsch, wenn man sie genauer anschaut. Sogar die Weise und die übrigen alten Weiber und die Greise haben etwas auf naive Art Würdevolles an sich und weisen weder Leberflecken, noch wirklich unschöne Runzeln auf.

Nachdem man die vier also ausgiebigst noch einmal "herumgereicht" hat, als hätte man sie nicht schon ausreichend begrüßt, werden sie zum Zelt Wolkenspeers geführt. Es ist groß, viel größer, als es die Westernfilme in dem kleinen Kino in Gatsburg immer zeigen, und besteht aus einem Innen- und einem Außenzelt. Der Innenraum ist durch herabhängende Häute in mehrere Abteilungen unterteilt, in der Mitte eine schöne, große Feuerstelle. Die Gefährten werden den sage und schreibe drei Squaws Wolkenspeers vorgestellt, die dem "Hausherrn" und seinen Gästen eiligst mit einigen schön gewebten Decken bequeme Sitzgelegenheiten schaffen. Eine von ihnen zeigt deutlich die Zeichen, dass sie ein Kind unter dem Herzen trägt, und wirkt auch sehr stolz darauf. Dann lässt er die vier bewirten – wundert es jemanden, dass es Fisch in allen Varianten gibt? Während des Essens wird wenig gesprochen, doch scheint Wolkenspeer ihre Sprache zumindest mittelmäßig zu beherrschen. Am Ende des Mahls, es geht schon auf die Nacht zu, bringt eine seiner Frauen eine kleine Schüssel mit einer dunkelblauen Flüssigkeit. Der muskulöse Mann nickt ihr zu und nimmt aus ihren Händen einen Pinsel entgegen, den sie wohl aus Bastfasern gefertigt hat. Während sie sich schräg hinter ihn kniet, die Schüssel auf dem Schoß, taucht Wolkenspeer den Pinsel hinein und winkt Ricky zu sich heran.
 1. Der hier gezeigte Nasenkuss ist in unserer Realität bei den Maori Neuseelands üblich, allerdings eher bei privaten als bei öffentlichen Gelegenheiten. Da kein Spielercharakter in der Gruppe Knowledges als tertiäres Feld hat, gehe ich davon aus, dass ihre Allgemeinbildung zumindest so viel hergibt ;-)

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #70 am: 06.05.2018, 21:19:17 »
Die Freude der Dörfler wirkt auch auf Ricky ansteckend. Schnell ist sein Unwohlsein verflogen und er beteiligt sich ausgiebig an der Begrüßungszeremonie. Das eine oder andere hübsche Mädchen wird von ihm auch gerne einige weitere Male gestupst.
Auf Laura Anns Hinweis nickt der junge Satyr und errötet leicht, als sein Blick trotzdem noch mal verstohlen über den Körper seiner Mitschülerin gleitet.

Während des Essens betrachtet Ricky sich im Zelt des Häuplings alles ganz genau. Die Kultur dieser Leute interessiert ihn. Und als er die ersten Bissen nimmt, merkt er erst wie hungrig er ist. Schließlich hat er, seit sie in dieser Welt sind, noch nichts zu sich genommen. Und so ist er auch nicht traurig, daß er sich mehr auf den Fisch als auf eine Unterhaltung konzentrieren kann.
Als Wolkenspeer ihn dann aber heranwinkt, wird er doch wieder etwas nervös. Trotzdem geht er zu dem großen Häupling und kniet bei ihm nieder.


Ayleen Chepi Anitsiskwa

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« Antwort #71 am: 13.05.2018, 22:38:41 »
Bei der Inspektion durch die Kinder bleibt Aileen aufrecht stehen und zeigt ihr stolzes Wesen, lässt die Kinder aber heran und passt nur durch Hand-auf-ihre-Ausrüstung-legen auf, dass nicht abhanden kommt. Die Nasenküsse nahm sie ebenfalls hin, doch musste sie sich leicht herunterbeugen und konnte ein leichtes Unwohlsein bei dieser persönlichen Nähe nicht verbergen. Entsprechend froh ist sie, als das Ritual zuende ist und es in Wolkenspeers Zelt geht.

Die drei Squaws begrüßt sie würdevoll und spricht der Schwangeren Glückwünsche aus mit guten Wünschen für das Kind. Sie wartet, bis die Sitzgelenheiten bereitet sind und lässt sich ihre zuweisen, um an deren Position ihre Stellung in den Augen der Gastgeber abzulesen. Bei der Bewirtung greift sie höflich, aber nicht zu reichlich zu, eher versucht sie alle Speisen mindestens einmal gekostet zu haben. Auch wenn sie wie die gastgeber mit den Händen ist, schafft sie es, es irgendwqie würdevoll aussehen zu lassen und sich (und ihre Umgebung) nicht zu beschmutzen. Diplomatisch bietet sie Wolkenspeer Übersetzungshilfe an, als dieser etwas zögerlich durchs Englisch stolpert. Mit Beginn des Rituals der Freundschaft schweigt sie und beobachtet mit Zurückhaltung.

Changeling

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« Antwort #72 am: 14.05.2018, 19:42:14 »
Während Wolkenspeers Squaw ihm die Schüssel mit der Farbe hält, beginnt der yunwi amai'yine'hi Rickys Gesicht, Hals und Arme mit seltsamen Zeichen zu bedecken, wie man sie auch auf der Haut des Malers sieht. Einige davon stellen stilisierte Fische und Wellen dar, andere sind so abstrakt, dass man sie nur schwer deuten kann. Sehr oft kommen eine Spirale und mehrere parallel angeordnete spitze Dreiecke vor. Als Wolkenspeer mit seinem Werk fertig ist, kommt es Ayleen so vor, als würden die bläulichen Symbole schimmern, wenn sich Ricky bewegt. Es glitzert wie kleine Wellen auf einem ruhigen Teich, in dem sich ein Fisch tummelt... oder ist das nur eine optische Täuschung durch die flackernden Flammen?

Offenkundig zufrieden legt Wolkenspeer den Pinsel beiseite und winkt die Gefährten alle näher ans Feuer. Eine andere seiner Frauen legt Holzplatten mit dünnen, offenbar getrockneten Fischchen zwischen ihnen ab – eine Knabberei, wie es aussieht. Während Wolkenspeer ihr mit sichtlichem Genuss zuspricht, werden seine Gäste allerdings feststellen, dass die Spezialität sehr stark gesalzen sein muss. Die immer zu Experimenten bereite Laura Ann verschluckt sich beinahe, hustet und grinst mit schweißbedeckter Stirn eine der Squaws an, die ihr besorgt zur Seite eilt: "Schmeckt hä...hhhä... rrchch... hervorragend, echt!" keucht sie und hält einen Daumen hoch. Eddy, der seit ihrem Aufbruch in dieses seltsame Land erstaunlich bedächtig geworden zu sein scheint, hat die Leckerei nicht angerührt.

Der "Hausherr" nickt Laura Ann freundlich zu und übergeht ihre Not höflich. Stattdessen wendet er sich an die anderen: "Jetzt wir sind Freunde. Ihr erzählt, was führt euch her. Nacht ist Zeit zum Erzählen." Er weist zum Zeltdach. Bei seiner Aufforderung sieht er vor allem Ayleen an, die den Dialekt der Flussleute zwar nicht vollständig versteht, sich aber mit ihnen wahrscheinlich etwas besser verständigen kann als Wolkenspeer in englischer Sprache. Wenn sie sich umschaut, wird sie Wolkenspeers Frauen sehen, die sich gespannt um ihn versammeln, während Eddy ihr mit seinem riesigen gehörnten Schädel aufmunternd zunickt. Sportlich war er schon in Gatsburg, doch ein großer Redner ist er auch hier nicht geworden.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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« Antwort #73 am: 23.05.2018, 22:01:40 »
Ayleen beobachtet fasziniert die Reaktionen der Farbe auf Licht und Bewegung und nimmt aus Höflichkeit etwas von den angebotenen Leckerbissen. Durch Lauras forsche Art und Ergebnis derselben gewarnt knuspelt sie zurückhaltend mit winzigen Bissen (und hält das Trinkwasser nahe).

Aufgefordert zu erzählen endet sie sich zunächst vom Essen ab und hebt in einem so ähnlich wie möglich gehaltenen Dialekt an zu sprechen: "Zunächst noch einmal vielen Dank im Namen meiner Gruppe für die freundliche Aufnahme, wir können es leider nicht annähernd so gut zurückgeben, aber wir werden es nicht vergessen. Zu dem Grund unserer Reise und des Besuches bei euch: Eine aus unserer Gruppe ist uns voirausgereist, leider auf einem uns unbekannten und unsicheren Weg. Wir fürchten um sie und ihre Sicherheit. Sie spricht nur die Sprache der Fremdländler und wir hofften, ihr könntet vielleicht auf eurer Jagd sie selbst, Spuren von ihr oder im Austausch mit anderen Geschichten über sie gehört haben. Habt ihr? Wir sind um jede Hilfe und jeden Hinweis dankbar." Trotz ihrer sonst sehr stolzen Haltung kann sie ihrer Stimme etwas ernsthaft besorgtes und bittendes verleihen.

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #74 am: 04.06.2018, 03:24:57 »
Ricky hält während der Zeremonie still, auch wenn man ihm seinen unterdrückten Bewegungsdrang ansieht.
Als Wolkenspeer fertig ist, betrachtet er dessen Werk auf seiner Haut so gut es geht. Er traut sich nicht, über die Zeichnungen zu streichen aus Angst, sie könnten abgehen.

Auch Ricky will gerade beim Essen zugreifen, als Laura Ann sich verschluckt. Und so hält auch er sich erst mal zurück und probiert nur einen kleinen Happen, den er gleich mit Wasser nachspült. Überhaupt scheint es ihm eine gute Idee, den Fisch in seiner natürlichen Umgebung, also im Wasser, zu geniessen.

Dann hört der junge Satyr erst mal dem Gespräch zu, ohne sich einzumischen. Ayleen ist da viel besser für geeignet.

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