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Autor Thema: Die Waisen von Niewinter  (Gelesen 8423 mal)

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Vorbis

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #450 am: 11.06.2018, 22:45:24 »
Vorbis überlegte eine Weile und gelangte dann zu einem Entschluss. "Wer immer diese Person war, es wird einem Toten nicht gerecht, ihn würdelos wie einen Sack Kartoffeln durch die Gegend zu tragen. Es ist zwar schon spät, aber ich habe einen Karren, der im Stall meiner Herberge steht. In einer Stunde etwa könnte ich ihn holen und wieder zurück sein. Dann können wir den Mann so zum nächsten Tempel bringen, wie es sich gehört. Maldrek, würdest du so lange hier bleiben und auf den Leichnam achtgeben?"

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #451 am: 12.06.2018, 12:43:52 »
"Nur eine Hülle für den Geist der Körper ist - ein Symbol" deklamierte Yzwaz mit erhobenem Zeigefinger, um nach einem nachdenklichen Blick auf den Toten hinzuzufügen: "Doch Bedeutung auch Symbole haben." Mit einem Blick in Maldreks Richtung bot er an: "Hier bleiben auch ich kann, wenn recht euch es ist."
« Letzte Änderung: 12.06.2018, 12:44:08 von Yzwaz »

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #452 am: 12.06.2018, 12:53:13 »
"Also, nur um das mal klarzustellen, hier bleibt ganz bestimmt keiner alleine mit einer Leiche bei Nacht zurück. Es ist durchaus nicht ungefährlich hier, also sollten schon mehrere von uns hier verweilen und aufpassen," meinte Scarlett dazu. "Wer auch immer den hier abgeladen hat, könnte auch noch in der Gegend sein."

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #453 am: 12.06.2018, 13:27:59 »
Maldrek nickte. "Ja, ihr habt recht. Ich habe auch nichts besseres vor. Hol den Wagen, wir warten hier und passen auf."

Vorbis

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #454 am: 12.06.2018, 23:19:25 »
Nachdem die anderen (außer Melandro, der immerhin nicht laut meckerte) zugestimmt hatten, beeilte sich Vorbis, um so schnell es ging zu seiner Herberge zu gelangen und den Wagen zu holen. Glücklicherweise war einer der Stallburschen noch zugange und spann den Esel an, während Vorbis schnell auf sein Zimmer ging, um die vertraute Kluft anzulegen, in der er sich gleich viel sicherer fühlte.

Zurück im Stall war der Bursche beinahe schon fertig mit seiner Arbeit, und Vorbis machte sich sogleich auf den Weg, nicht ohne dem Jungen ein Silberstück zur Belohnung zuzuwerfen[1].

So tauchte dann Vorbis etwa eine Stunde nach seinem Aufbruch wieder unbehelligt bei den anderen auf, die immer noch bei der Leiche warteten. Vorsichtig hievten sie den Toten auf den Wagen, legten ihm eine Decke über und gingen dann bedächtigen Schrittes zum Tempel des Tyr, wo Vorbis sich zu dieser späten Stunde auf die Suche nach einem Priester begab.
 1. gestrichen

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #455 am: 14.06.2018, 15:19:13 »
Yzwaz hatte die Zeit des Wartens auf Vorbis in jenem Zustand verbracht, von dem er immer behauptete, es sei Meditation - inwieweit das stimmte oder auch nur ein schöneres Wort für Schlaf war, ließ sich allerdings nicht so ohne weiteres feststellen. Jedenfalls sprang der Gnom beim Nahen des Klerikers mit seinem Karren auf, um beim Transport des Toten zu helfen. Auf dem Weg zum Tempel verhielt er sich wiederum schweigsam. Die Front des Tempels schließlich musterte er recht gleichmütig, wieder einmal beschäftigt mit Fingerübungen, bei denen er seine knotigen Gelenke auf sinnverwirrende Weise ineinander schlang.

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #456 am: 15.06.2018, 08:01:43 »
Die Wartezeit verging nur langsam, der Gnom schlief und sie alle waren sehr ruhig, nicht nur weil es mitten in der Nacht war und man allen die Müdigkeit ansehen konnte. Auch die Leiche in ihrer Nähe trug dazu bei. Was war diesem Mann widerfahren, dachten sie vermutlich alle - und schwiegen.

Maldrek war erleichtert als Vorbis endlich mit dem Wagen kam, sie den Toten aufladen konnten und in Richtung Tempel zogen. Auch dies ging schweigend von statten.

Melandro

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #457 am: 15.06.2018, 14:22:34 »
Gerade als er enttäuscht feststellen musste, dass sich nichts von wert finden ließ, setzte Vorbis noch einen drauf und verplante den Rest dieser jungen Nacht mit "Leichen herum karren". Eine Beschäftigung die Melandro vielleicht für sehr, sehr viel Gold - eventuell! - ausführen würde, aber in ihrer Situation nicht mehr als ein mitleidiges Kopfschütteln dafür aufbringen konnte. Und so verabschiedete er sich von seinen Geschwistern, nachdem er für den kommenden Tag einen Treffpunkt mit ihnen vereinbart hatte und verschwand leise pfeifend in den Gassen.

Auf seinem Heimweg (er schlief ja immer noch nicht im Waisenhaus), als er in einem Hinterhof etwas Wasser (oder besser ehemaligen Wein) ließ, entdeckte einen Jungen und ein Mädchen, kaum älter als er es selbst gewesen war als er einst zu Orbus kam. Die beiden, die sich alarmiert versuchten zu verstecken, starrten ihn stumm an. Die schmutzig-misstrauischen Gesichter mit kalter Miene musternd, fühlte der Halbdrow ein Ziehen in der Brust, dass er so nicht oft verspürte.

Behutsam zog er eine kleine handvoll Silbertalern hervor und formte aus ihnen einen kleinen Turm den er vor sich auf die Straße stellte; gut sichtbar für die Straßenkinder. Melandro schenkte ihnen ein schiefes Grinsen und deutete mit übertriebener Geste auf den silbern glänzenden Turm, ehe er am Absatz kehrt machte und aus der Gasse verschwand. Wenn die Kinder schlau waren, dann würde sie dieses - für sie - Vermögen für einige Zeit über Wasser halten. Wenn nicht, dann nicht.

Von seiner eigenen Reaktion überrascht, beschloss er noch etwas zu trinken und zu sehen ob sich für heute nicht noch wo ein warmes Bett auftun ließ. Man musste sich doch auch selbst treu bleiben.
« Letzte Änderung: 15.06.2018, 14:22:43 von Melandro »

Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #458 am: 18.06.2018, 10:49:30 »
Während Melandro sich absetzte begaben sich die übrigen vier Waisen mit Vorbis Wagen zur Halle der Gerechtigkeit. Die Enklave des Protektors war ruhig, war es doch inzwischen weit nach Mitternacht und nur sehr vereinzelt trafen sie auf Leute, die noch unterwegs waren. Entweder waren diese Betrunken und auf dem Weg nach Hause oder sie passierten sie so schnell mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen, dass sie kaum erkennen konnten, was diese Männer oder Frauen zu solch später Stunde hinaus auf die Straße trieb.
Die Halle der Gerechtigkeit war auch bei Nacht ein beeindruckender Bau auch wenn das Mondlicht die große Kuppel nicht so sehr leuchten ließ, wie es die Sonne bei Tag vermochte. Das große Portal war nun geschlossen und die Waisen mussten zu einem Seiteneingang, wo nach mehreren Minuten des Wartens ein junger Novize auf ihr Klopfen reagierte. Sein schulterlanges rotes Haar war in ziemlicher Unordnung und seine verschlafenen Augen bewiesen, dass er den Tempeldienst in dieser Nacht wohl nicht wie es seine Pflicht gewesen wäre, im stummen Gebet verbracht hatte, sondern mit einer anderen ebenfalls sehr leisen Tätigkeit: "Tyr zum Gruße. Was führt euch zu solch später Stunde an die Pforte des gerechten Gottes?"

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