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Autor Thema: Die Waisen von Niewinter  (Gelesen 10970 mal)

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Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #510 am: 26.08.2018, 12:39:57 »
Doch just in diesem Moment, als Scarlett das sagte, sah sie, dass ihre beiden Geschwister das Haus der Tausend Gesichter verließen. Angesichts der Tatsache, dass sie gegenüber dem Fuchs mehr oder weniger aufgeflogen waren mit ihrem Zauber, hatten sie davon abgesehen, zu versuchen, ihn noch länger zu beobachten und wie es aussah machte er keine Anstalten, das Haus allzu bald zu verlassen. Und vom Eingang aus würden sie ihn wohl kaum erkennen können.[1]
Stattdessen trafen sie wieder mit ihren Geschwistern zusammen, die etwas weiter abseits standen als gedacht und noch dazu einen zitternden jungen Mann bei sich hatten. Sie hatten sich also scheinbar alle etwas zu erzählen.
 1. Habe ich mal entschieden, da die Erfolgschancen da denkbar gering gewesen wären.

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #511 am: 26.08.2018, 13:37:15 »
"Da hat uns wohl jemand die Entscheidung abgenommen," meinte Scarlett zwinkernd.

"Wobei wir wahrscheinlich etwas aufpassen sollten, dass wir nicht zusammen gesehen werden. Wer weiß, ob der Fuchs nicht auch noch Leute in der Gegend hat."

Dabei schaute sie zu dem jungen Mann, den sie gerettet hatten. Er konnte genauso ein Spion für den Fuchs sein.

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #512 am: 26.08.2018, 17:12:45 »
Maldrek sparte sich eine Antwort auf Melandoos Kommentar. "Wie konnte ich nur mit ihm zusammen diesen dummen Plan ausführen. Ich hätte es besser wissen müssen." Aber sein Ärger über sich selbst war mindestens ebenso groß wie der über Melandos Worte, wahrscheinlich noch größer.

Er zuckte also nur mit den Schultern und machte sich auf die Suche nach dem Rest der Gruppe. Überrascht sah er den jungen Mann und schaute fragend in die Runde. Zuerst zogen sie sich aber noch etwas weiter zurück und suchten eine ruhige Ecke, so dass sie nicht so einfach beobachtet werden konnten.
"Lief nicht so gut. Und bei euch, wen habt ihr denn da aufgegabelt?"

Melandro

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #513 am: 28.08.2018, 12:47:39 »
Sich von Maldreks chronischer Miesmacherei nicht anstecken lassend, erwiderte Melandro enthusiastisch grinsend: "Es lief hervorragend. Wir sind so gut wie dabei. Wir müssen nur noch einen Steuereintreiber um etwas Barschaft erleichtern und alles kommt in die Gänge."

Mit einem Blick auf seine Geschwister und ihren "Fund", legte der Halbdrow seinen Kopf ein wenig schief und schloß sich Maldreks Frage an. Deutlich vorsichtiger erkundigte er sich: "Wieder ein Fall für den Tempel?" Scheinbar hatten seine Geschwister in den vergangenen Jahren einen Helferkomplex entwickelt der nun voll ausbrach. Jeden Tag jemand Neuer der gerettet werden musste...
« Letzte Änderung: 28.08.2018, 12:47:52 von Melandro »

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #514 am: 29.08.2018, 19:48:00 »
"Euch entkommen der Fuchs ist?" erkundigte sich Yzwaz, ohne durch mehr als ein Heben der buschigen Augenbrauen und ein kurzes "Hrm" anzuzeigen, dass ihn die frühe Ankunft seiner Geschwister überraschte. Auf die Fragen der beiden hin wies er zu Vorbis und Maldrek. "Es erzählen euch lasst... um hier jedenfalls üble Dinge gehen." Womit der Gnom den anderen das Gespräch fürs Erste überließ und sich lieber der aufmerksamen Beobachtung des Fremden und ihrer Umgebung widmete, wie ein arthritischer Greis auf seinen Stock gestützt.

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #515 am: 01.09.2018, 20:43:20 »
"Wir hatten hier ein wirklich seltsames Erlebnis," meinte Scarlett, wobei sie auf den jungen Mann deutete, der bei ihnen war und noch ziemlich durcheinander wirkte.

"Ein Wesen, boshaft, aus reiner Dunkelheit bestehend, wie es schien, muss wohl diesen Mann hier angegriffen haben. Ich hatte zunächst ihn entdeckt, dann griff das Wesen aus heiterem Himmel an. Es versuchte, in unsere Gedanken einzudringen, was ihm aber glücklicherweise nicht gelang. Unsere Waffen schienen wirkungslos. Nur Oghmas Segen, geleitet durch Vorbis Hand, ist es zu verdanken, dass die Dunkelheit vertrieben werden konnte."

Melandro

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #516 am: 02.09.2018, 15:29:12 »
Für einen Augenblick darüber nachdenkend ob eine von ihm beschworene Waffe da mehr ausgerichtet hätte, hob Melandro dann zur Anerkennung eine Augenbraue und nickte seinen Geschwistern zu. "Boshafte Wesen aus reiner Dunkelheit klingt nach einem harten Kampf. Gut, dass euch nichts schlimmes geschehen ist."

Auf den Mann, den sie mitgebracht hatten, deutend, fragte er weiter: "Und der hier? Nehmt ihr den nun mit, oder ist die Gefahr gebannt und wir kümmern uns um uns selbst und unsere Aufgaben?" Bei Maldrek und Vorbis konnte man nie so genau vorher sagen welche abwegige Idee die beiden als nächstes entzünden würde. Von daher wollte sich Melandro vergewissern wie seine Brüder die Situation sahen, ehe es weiter ging.

Apropos..."Und wollen wir die Straße verlassen? Ein paar Gassen in Richtung Zentrum kenne ich eine gu... eine Taverne." verbesserte er sich selbst um die Erwartungen der anderen nicht zu hoch anzusetzen. Dort konnten sie ja berichten was nun vorgefallen war und planen wie sie den Steuereintreiber um das von ihm geraubte Gold - den Steuern sind IMMER Diebstahl der übelsten Sorte! - befreien konnten.

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #517 am: 03.09.2018, 17:18:06 »
Maldrek war beunruhigt, hier kam gerade viele zusammen. "Wir sollten den Mann zum Tempel bringen und ihnen von dem Ding erzählen, das ihr gesehen habt. Und danach sollten wir uns eine ruhige Ecke suchen, dann können wir euch auch eine Geschichte erzählen."

Er wollte die Sache mit dem Fuchs nicht vor den Ohren dieses Mannes weiter geben und nicht mitten auf der Straße, da hatte Melandro schon Recht. Aber sie konnten den Mann auch nicht einfach hier lassen.
"So groß ist der Umweg nicht, Melandro, vielleicht kennst du ja auch eine Taverne in der Nähe des Tempels, in der du schon lange nicht gewesen bist."
Er hatte gerade keine Lust auf Streit, also hoffte er, dass dieser Vorschlag Melandro annehmbar erschien.

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #518 am: 04.09.2018, 20:18:00 »
"Taverne, hrm?" warf Yzwaz stirnrunzelnd ein. "Nicht hier geheimes zu reden weise wäre. Doch weise nur handeln kann, wer nicht benebelt seinen Kopf, hrm!" Wobei der Graue Melandro einen Blick zuwarf, der trotz seiner geringen Körpergröße irgendwie von oben herab wirkte wie der eines Schulmeisters. Er wippte zweimal auf den übergroßen Füßen, auf seinen unvermeidlichen Stock gestützt.

Melandro

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #519 am: 04.09.2018, 20:47:29 »
"Leben braucht Leben um zu leben." erwiderte Melandro mit eins zu eins dem selben Tonfall wie sein belehrender Bruder. "In Häusern toter Zwerge, wird Leben erdrückt." führte er seinen Gedanken holprig fort.

Irgendwann war es schwierig geworden sich nicht genauso gebrauchen wie Yzwaz auszudrücken. Wann war das geschehen? - vergegenwärtigte sich Melandro verwundert, ehe er diesen Gedanken beiseite schob.

Und so zogen die Geschwister, über den - unvermeidbaren - Umweg des Tempels, auf der Suche nach einem passenden Ort, mit hübschen Frauen die kühle Getränke gegen bare Münze tauschten, durch die nahen Gassen.

Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #520 am: 05.09.2018, 09:51:11 »
Noch auf dem Weg zum Tempel beruhigte sich der junge Mann ein wenig, auch wenn er nach wie vor äußerst wortkarg und von dem Erlebten erschüttert war. Er erzählte aber immerhin seine Geschichte oder besser die Waisen vermochten seine Geschichte aus den wenigen Worten, die er sprach zu erschließen. Sein Name war Prim Ostia und er lebte am Nordufer, unweit des Nordhafens. Er war zu einem Treffen am Blausee gewesen, auch wenn er sich entweder an die Details nicht erinnern konnte wegen des Schocks oder sie nicht mitteilen wollte. Aber immerhin war er wieder so sehr beisammen, dass der Umweg zum Tempel den Waisen erspart blieb, denn Prim hatte offenbar kein Interesse die Diener des Tyr zu besuchen, sondern er wollte einfach nur zu seinem eigenen Bett. Dort brachten die Waisen ihn also hin und zu Melandros Freude befand sich die karge Behausung von Herrn Ostia nur einen Steinwurf entfernt von der Teibholztaverne.
Also ließen sie sich in einer Ecke direkt unter dem großen Banner nieder, das das alte Wappen Niewinters zeigte -ein weißes Auge auf dunkelblauem Grund. Es war zu dieser späten Stunde längst nicht mehr voll in der Taverne, aber einige Gäste waren noch hier und sinnierten mit Bier- und Weinkrügen in der Hand über die alten Zeiten, als Niewinter noch über wahre Größe verfügte. Es dauerte nicht lange und die Wirtin - Madame Rosen - nahm die Bestellung der Waisen auf und brachte wenig später die von ihnen gewünschten Getränke.

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #521 am: 08.09.2018, 15:12:59 »
Yzwaz schwieg auf dem Weg zum Tempel und auch später, nachdem sie Prim abgeliefert hatten. Offenbar war der grauhäutige Gnom damit beschäftigt, den tieferen Sinn hinter Melandros Worten zu enträtseln. Er brummte und murmelte vor sich hin, während er den anderen nachschlurfte. Ab und an fuhrwerkte er mit seinem knotigen Stock in der Luft herum und machte ganz den Eindruck, ein philosophisches Streitgespräch mit einem unsichtbaren Gegenüber zu führen. "Leben um zu leben Leben braucht..." murmelte er eine Weile lang immer wieder, dann später wechselte er irgendwann zu "Leben Leben um zu leben braucht..?". Das "Um zu leben Leben Leben braucht", das schließlich den Weg über seine Lippen fand, wurde von wildem Stirnrunzeln begleitet.

Bei der Bestellung würde er der Madame wohl keine große Freude machen, indem er wie üblich nur einen Becher Wasser bestellte. Als sie auf ihre Getränke warteten, sah sich Yzwaz unter seinen Kameraden um und fragte: "Was nun unternehmen wir sollen? Und was euch genau sagte der Fuchs?"

Vorbis

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #522 am: 09.09.2018, 22:22:57 »
Vorbis war unterwegs sehr schweigsam gewesen, denn er hing seinen eigenen Gedanken nach. Die Sache mit dem Fuchs nahm dabei nur eine untergeordnete Rolle ein - noch immer war ihm nicht so klar, was sie eigentlich erreichen wollten, auf welcher Seite sie hier eigentlich standen.
Das Schattenwesen war für ihn leichter zu fassen: Auch wenn er bei weitem nicht die moralische Erhabenheit für sich reklamieren konnte, wie es die Diener des Tyr für sich in Anspruch nahmen, verkörperte eine solche Kreatur doch das Gegenteil von allem, was er für gut und richtig hielt. Sich ihr zu widersetzen war etwas, wofür ihn niemand bezahlen musste - es war einfach richtig, es zu tun.

Diese eine Kreatur war besiegt, doch mochte es noch weitere geben. Würde er mehr über das Wesen wissen, zum Beispiel, ob es sich um Einzelgänger handelte, mochte er ruhiger schlafen - so jedoch war es seine Sorge, dass hier nicht zum letzten Mal Menschen zum Opfer einer solchen Kreatur werden würden.
Lange grübelte er nach, doch es kristallisierte sich mehr und mehr ein Weg für ihn heraus, den er so schnell eigentlich nicht wieder betreten wollte: Wenn es einen Ort in Niewinter gab, wo er Informationen zu dem Schattenwesen finden konnte, dann war es das Haus des Wissens.

Den anderen sagte er zunächst nichts davon, denn das Gespräch war inzwischen wieder auf den Fuchs zurückgekommen, und Melandro machte keinen Hehl daraus, dass er nichts davon hielt, sich weiter mit der Kreatur zu befassen. Doch er nahm sich vor, in den nächsten Tagen den Weg zu seiner früheren Lehrstätte zu suchen - auch wenn ihn der Gedanke, was ihn dort erwarten würde, nicht gerade mit Vorfreude erfüllte.

Melandro

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #523 am: 10.09.2018, 09:54:02 »
Dieses eine Mal sollte sich Vorbis tatsächlich in seinem Bruder täuschen. Selbst aufgrund der späten Stunde ein wenig stiller als sonst, flenzte sich Melandro auf eine Eckbank und streckte die bestiefelten Beine lang vor sich auf dem abgewetzten Holz aus und seufzte zufrieden. Das nachdenkliche Gesicht seines dick gewordenen Bruders für einige Momente stumm musternd, beugte sich der Halbdrow nach vorne und sprach leise zu Vorbis: "Wenn es dir so ein Anliegen ist mit der Schattenkreatur, dann zerbrich dir nicht den Kopf. Triff mich morgen Vormittags am Hafen und wir gehen gemeinsam zu jemanden von dem ich mir gut vorstellen kann, dass etwas Interessantes diesbezüglich für dich heraus springt." Dabei sah er den Mann aufmunternd in die Augen und unterstrich seine Worte mit einem Nicken.

Bei Rosena etwas Wasser und Wein für die Gruppe bestellend, gähnte der Pirat einmal wirklich sehr herzhaft ehe die Getränke geliefert wurden. Irgendwie fühlte es sich für ihn später an, als es tatsächlich war... Die müden Augen mit den Handballen massierend, schüttelte er den schwarz gelockten Kopf und riss sich zusammen. So etwas musste übertaucht werden! Der Abend war noch zu jung um ans Schlafengehen zu denken.

An Yzwaz, den er gekonnt für die letzte halbe Stunde beschäftigt hatte, gewandt, sprach Melandro mit neuer Energie weiter nachdem er sich versichert hatte, dass ihnen niemand lauschte: "Nun der Fuchs... der war leider immun gegen Maldreks Einflüsterung, aber er nahm sie uns auch nicht allzu übel. Ganz im Gegenteil... " und zwinkerte dabei dem Tiefling gut gelaunt zu. Dann berichtete er von der Vorstellung des Mannes, dass es ein anderer als gestern gewesen war, von den Plänen der Gruppe und was dieser von ihnen als Probe verlangte. Die Art und Weiße wie er es erzählte machte klar, dass es für Melandro kein moralisches Dilemma darstellte das Verlangte in die Tat umzusetzen.

Als er vorerst geendet hatte fragte er seine Geschwister: "Fällt euch vielleicht jemand ein, auf den das Zutreffen könnte? Und wie Bastler es so treffend formulierte: Was nun unternehmen wir sollen?" Dabei lachte der Halbelf vergnügt ehe er einen Schluck vom Wein nahm und Rosena deutlich vernehmbar für die Qualität ihrer Getränke pries.

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #524 am: 13.09.2018, 14:51:23 »
Maldrek war ebenfalls sehr schweigsam. Er merkte sich, wo der junge Mann wohnte, damit er ihn in den nächsten Tagen vielleicht besuchen konnte, um zu sehen, ob es ihm noch gut ging. Der Misserfolg nagte immernoch an ihm und die ganze Situation machte sich als ein ungutes Gefühl in der Magengegend bemerkbar.

Er überließ es Melandro, die Geschichte zu erzählen. Letztlich hatte Melandro Recht, um mehr über diese Gruppe zu erfahren mussten sie ein teil davon werden. Sie mussten den Steuereintreiber ja nicht töten, sie sollten es sogar explizit nicht tun. Warum also nicht?

Er nippte an seinem Krug und als Melandro alles berichtet hatte, wartete er gespannt auf die Reaktionen der anderen.

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