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Autor Thema: Die Waisen von Niewinter  (Gelesen 26532 mal)

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Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #525 am: 20.09.2018, 15:58:51 »
"Was den Fuchs angeht, da seid ihr jetzt erstmal am Zug. Ich würde mich morgen einmal etwas in der Nähe des Blauseeviertels umhören, ob vielleicht schon einmal so eine Kreatur gesichtet wurde oder gar des Öfteren," warf Scarlett ein.

Sie hatte gespannt zugehört, was die beiden mit dem Fuchs abgesprochen hatten. "Und habe ich das richtig verstanden, es war nicht derselbe Mann, der sich als Fuchs ausgab, wie gestern? Ich hatte etwas in der Art schon vermutet. Das macht das Ganze aber auch nicht einfacher."

"Und die wesentliche Frage ist ja auch, was wollen wir eigentlich erreichen? Ich denke, ersteinmal mitzuspielen und herauszufinden, was da vor sich geht, ist bestimmt nicht verkehrt. Ich nehme denen die ganze Sache mit dem Wohl Niewinters jedenfalls nicht ab."

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #526 am: 22.09.2018, 14:29:54 »
"Begleiten dich ich sollte" erklärte Yzwaz zu Scarletts Plan und warf sich in die Brust, was bei dem Gnom nicht gerade furchteinflößend wirkte. "Unter meinem Schutz stehen du wirst." Indem er seinen langen Bart strich, fuhr er fort: "Um diese Füchse derweil sich kümmern Maldrek und Melandro könnten. Und mit dir is' was?" Die letzte Frage war an Vorbis gerichtet, mit demselben undefinierbaren Blick und dem schräg gelegten Kopf, mit denen er früher die anderen Kinder im Waisenhaus beäugt hatte.

Vorbis

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #527 am: 25.09.2018, 00:00:17 »
Diese Frage hatte sich auch Vorbis schon gestellt, und nun blickte er unsicher in die Runde.
"Beim Fuchs werde ich nicht helfen können." verkündete er schließlich. "Und diese Kreatur geht mir nicht aus dem Kopf. Ich habe eine ... nein, zwei Ansätze, etwas über dieses Ding herauszufinden." Dabei sah er Melandro an. "Denen möchte ich morgen folgen."

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #528 am: 28.09.2018, 16:55:43 »
Während des Gesprächs zeigte sich, dass sie sich wohl trennen würden. Er musste also mit Melandro die Sache für den Fuchs erledigen, ausgerechnet mit Melandro. Aber sie hatten sie Sache begonnen und nun mussten sie auch weiter machen. Und auch wenn es ihm nicht so richtig gefiel, Meldandro war wohl der geeignetste unter den Geschwistern für diese Geschichte.

"Gut, dann ist es entschieden. Melandro und Vorbis kümmern sich um ihre Spuren und wir gehen zum See. Vielleicht hat ja jemadn etwas gesehen oder gehört, was uns weiter bringt. Melandro, wir sollten uns dann aber bald zusammen die Straße des Steuereintreibers genauer ansehen, so dass wir vorbereitet sind. Und dann sehen wir mal, was für ein Kerl wir da besuchen sollen."
« Letzte Änderung: 01.10.2018, 19:20:03 von Maldrek »

Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #529 am: 01.10.2018, 19:32:12 »
Die Waisen verschwanden dann doch recht schnell wieder aus dem Gasthaus, war es doch schon eine sehr späte Stunde und der nächste Tag versprach nicht weniger anstrengend zu werden. Die Ereignisse der letzten zwei Nächte hatten sie hier am Nordufer vorsichtig werden lassen, drohte doch offensichtlich eine unheimliche Gefahr. Doch sie konnten unbehelligt ihrer Wege gehen und fanden so schließlich in einen unruhigen Schlaf in ihren Betten im Waisenhaus oder wo auch immer in Niewinter sie Quartier hatten.



Am nächsten Morgen standen die Waisen müde auf, nach der zweiten Nacht mit wenig Schlaf, aber irgendwie gelang es ihnen dann doch. Es gab schließlich viel zu tun. Melandro traf Vorbis vor der Tür des Waisenhauses und führte den beleibten Priester anschließend über die Delphin-Brücke in die Passage. Doch sie ließen den Nie nicht hinter sich, sondern gingen eine Weile am Ufer entlang bis sie zum Südhafen gelangten. Vorbis wusste noch immer nicht, wo genau der Halbdrow ihn hinführte, aber schließlich dämmerte es ihm, als sie nicht zum Hafen hinabstiegen, sondern stattdessen - vorbei am Anwesen des Protektors - auf eine Hängebrücke zusteurten. Schwere Ankerketten hielten die Eichenbretter zusammen und für eine Behelfskonstruktion außerordentlich stabil. Aber sie führte nicht über einen Abgrund, sonder sie hing einfach in der Luft, verbunden mit einem Felsen, der einige Dutzend Meter höher wie von Zauberhand in der Luft gehalten über dem dunklen Hafenbecken Niewinters hing.
Eine kleine Wolke, die ebensogut magischen wie natürlichen Ursprungs sein mochte, umsäumte das untere Ende des Felsens und so sah es aus, als würde das Gebäude, das dort oben thronte buchstäblich ein Schloss in den Wolken sein. Denn es mutete ein wenig an, wie ein solcher Prachtbau, wenn auch einer, der in mehreren Phasen entstanden war. Vier Türme unterschiedlicher Höhe reckten sich gen Himmel empor, verbunden durch meist dreistöckige Zwischenbauten, von denen einer offensichtlich den Kern bildete. Vorbis wusste natürlich worum es sich handelte - die legendäre Mondsteinmaske, eines der wenigen Gebäude des alten Niewinter, das noch stand, weil es in den Zeiten der Zauberpest mitsamt dem Grundstück gen Himmel geschwebt, aber rechtzeitig mit Ketten und Seilen verankert worden war. Es war ein anstrengender Anstieg, die Hängebrücke hinauf und einen Anflug von Schwindel konnte selbst Melandro, der schon des Öfteren hier oben gewesen war nicht fernhalten. Für Vorbis war es ungleich schlimmer. Denn erblickten der Priester und der Halunke schließlich am oberen Ende den Mechanismus, der die Mondsteinmaske zum sichersten Ort Niewinters machte. Mit wenigen Handgriffen ließen sich die schweren Ketten lösen und dann gab es keinen Weg mehr hinauf für jemanden, der nicht über Magie - oder Flügel - verfügte. Das gleiche galt für die Ketten, die den Fels auf dem die Maske stand im Hafenbecken verankerten.
Die zwei Waisen standen nun vor dem Bau und trotz der frühen Stunde war hier schon Betrieb. Manch einer ging jetzt erst nach Hause und torkelte mit unsicherem Schritt die Hängebrücke hinab. Manche unglückliche Seele hat der zu Tiefe Blick in den Bierkrug hier oben schon deutlich mehr gekostet als nur einige Silbermünzen. Andere kommen schon zur frühen Stunde her, vielleicht um im Schrein der Tymora oder der Sune zu beten oder um einen freien Tag und die Entspannung des Badehauses zu genießen. Einige wenige, denen die Höhe nichts ausmachte oder die sogar die vermeintliche Sicherheit der Maske schätzten, machten sich, nachdem sie in einem der Zimmer die Nacht verbracht hatten, auf hinab in die Stadt, um dort ihren Geschäften nachzugehen. Jetzt war es vielleicht Zeit, dass Melandro seinem Adoptivbruder endlich verriert, wieso er ihn hier hinauf geschleppt hatte.



Die anderen drei Geschwister hatten einen kürzeren Weg, denn sie waren schon am Nordufer. Sowohl Maldrek als auch Scarlett kannten den ein oder anderen Ort, an dem sie vielleicht etwas über das Treiben am Blausee erfahren konnten. Doch entweder waren sie an den falschen Orten, stellten die falschen Fragen oder sie sprachen mit den falschen Leuten. Alles, was sie hörten wussten sie schon längst. Der Blausee leuchtet angeblich blau, weil er das Feuer der Zauberpest aufgesogen hat. Oder weil die dort einst ansässigen Adligen magische Experimente durchgeführt hatten, die bei der Zerstörung ihrer Anwesen freigesetzt wurden. Alles Gerüchte, nichts Handfestes und bestimmt nichts, das ihnen heute weiterhelfen konnte.
Also landeten die drei irgendwann wieder im großen Gasthaus - es war in zwischen Mittag und sie waren hungrig. Dies hatte offenbar auch schon einige andere Gäste hierher getrieben und auch wenn sie mit ihrer bisherigen Suche unzufrieden waren, hier würden sie sich zumindest nicht langweilen.
« Letzte Änderung: 03.10.2018, 20:02:27 von Idunivor »
The only ones who should kill are those prepared to be killed.

Melandro

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #530 am: 03.10.2018, 14:03:06 »
Nachdem Melandro vor Orbus Waisenhaus - es würde für den Halbdrow wohl nie anders heißen - aufgekreuzt war, vollkommen unbekümmert über seine Verspätung, die er mit keinem Wort erwähnte, führte er seinen Ziehbruder zurück in Richtung des Hafens. Ungewöhnlich still und Vorbis immer wieder abwiegend musternd, schien den ehemaligen Piraten irgendetwas so sehr zu beschäftigen, dass er kein - sonst typisch für ihn - Wortgefecht vom Zaun brach.

Vorbis beim Überqueren der Hängebrücke für seine angespannten Blicke nach unten schließlich doch gehörig neckend, schien es dem Halbelfen anschließend ein wohler zu gehen. Einige der Nachtschwämer böse Blicke zuwerfend, wenn sie nicht schnell genug Platz machten, war es aber ebenso offensichtlich, dass Melandro seit seiner Rückkehr nicht untätig geblieben war und ein gewisser Ruf ihm zu vor zu eilen begann. Zumindest an Orten die nach ihren eigenen Regeln spielten und funktionierten.

Und genau so führte er den Priester des Oghmas tiefer in das schwebende Gebäude mit einer kurzen Geste der Ehrerbietung am Tymoraschrein vorüber und hinein in den Bereich des Bades. Damit beginnend, sein Lederwams auszuziehen, folgte dann auch bald Melandros Waffengurt mit dem Wehrgehänge und unversehens führte der nun nackte Waise seinen Bruder, so sich dieser auch entsprechend verhielt, weiter in einen überschaubar großen Raum. Drei Waschzuber, groß genug um bequem darin zu liegen, waren zu sehen und in einem davon lag genüsslich ausgestreckt eine Frau. Wohl nicht mehr ganz jung, aber noch fern davon als alt angesehen zu werden. Die hellen Haare hochgesteckt, waren angespitzte Ohren zu sehen als sie langsam die Augen aufschlug und Vorbis kühl musterte. Melandro, der einstweilen in seine eigene Wanne geglitten war, mit einem kurzen Nicken grüßen, hatte der Priester den Eindruck, dass sich die beiden Halbelfen besser zu kennen schienen.

"Das ist Vorbis." war der ehemalige Pirat aus dem Hintergrund zu hören, während er sich langsam im warmen Wasser zu entspannen begann und seine schwarzen Füße auf den Zuberrand legte. "Er hat ein paar Fragen und ich dachte du könntest ihm vielleicht behilflich sein."

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #531 am: 04.10.2018, 11:04:03 »
"Das war wohl nichts," meinte Scarlett. "Aber es war einen Versuch wert, finde ich," fügte sie noch mit einem Schulterzucken hinzu. "Dieses Wesen war auf jeden Fall beunruhigend. Hoffentlich gibt es nicht noch mehr davon."

Während sie dort saßen und überlegten, was sie als Nächstes versuchen könnten, blickte Scarlett immer mal wieder zu einem anderen Gast hinüber, einem Mann mit einer roten Mütze und einem Monokel. Offenbar hatte irgendetwas an ihm die Aufmerksamkeit der jungen Frau auf sich gezogen.

Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #532 am: 04.10.2018, 19:54:20 »
Den Gnom schien der Misserfolg recht unberührt gelassen zu haben. Gleichmütig wie eh und je hob er dozierend einen Finger und meinte: "Nichts keinesfalls es war - immer etwas alles ist, denn noch nie so es war, dass nichts etwas war!" Dann rieb er ausgiebig seine riesige Nase und brummelte eine Weile vor sich hin. Schließlich blieb ihm Scarletts Blickrichtung nicht mehr verborgen, und er erkundigte sich leise: "An diesem Mann etwas besonders ist? Sehr genau ihn zu mustern du scheinst."

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #533 am: 04.10.2018, 21:58:06 »
"Ja, vielleicht. Hat aber nichts mit unserer Sache hier zu tun. Ist aber auch nicht wirklich wichtig, nur eine unerledigte Kleinigkeit, die ich gerne noch zuende bringen will," antwortete Scarlett auf die Rückfrage.

Sie nahm sich vor, dem Mann später zunächst zu folgen, um zu sehen, wo er hingeht. Idealerweise würde sie dadurch den Wohnort herausfinden können.

Vorbis

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #534 am: 05.10.2018, 17:59:20 »
Vorbis hatte nicht die geringste Ahnung, was ihn erwarten würde, als er am nächsten Morgen vor seiner alten Heimat auf Melandro wartete. Eine Mischung aus Furcht und Nervenkitzel hatte ihn die halbe Nacht wachgehalten, und erst ein nächtlicher Ausflug in den Schankraum des Gasthauses, wo gerade die letzten Schnapsleichen des Vortages herausgekehrt worden waren, linderte seine Anspannung etwas. Der Wirt war so freundlich, einem frommen Gottesmann einige Reste des abendlichen Eintopfes aufzuwärmen, und dazu zwei Humpen Bier zu reichen, mit denen Vorbis die ärgsten Spitzen seiner Nervosität glätten konnte.

Im Anschluss an diese nächtliche Episode hatte der Priester zwar einen unruhigen Schlaf gefunden, doch den Preis zahlte er jetzt, denn sowohl sein Magen wie auch sein Schädel ließen deutlich erkennen, was sie von solchen Eskapaden hielten.

Als Melandro schließlich - wie immer zu spät - auftauchte, hatte die morgendliche Kälte Vorbis wieder einigermaßen aufgefrischt, und schweigsam folgte er seinem Ziehbruder, als dieser ihn durch die Straßen der Stadt führte. Erst langsam, dann immer stärker, keimte dabei ein Verdacht in ihm auf, der sich schließlich bestätigte, als der Weg sie am Anwesen des Protektors vorbei führte.
Melandro wollte ihn tatsächlich zur Mondsteinmaske bringen - ein Ort, in den den Priester unter gewöhnlichen Umständen wohl keine zehn Pferde hätten hineinzerren können; doch in diesem Moment war er derart perplex, dass er Melandro wie aufgezogen auf die Hängebrücke folgte.

Es war nicht so, dass Vorbis ein Problem mit Vergnügungen an sich hatte. Dem Essen und dem Alkohol war er bei weitem nicht abgeneigt, was man an seiner imposanten Statur deutlich erkennen konnte. Doch das Keuschheitsgelübde, das sein Orden von ihm einforderte, hatte er nie gebrochen, und nur der Gedanke an das, was in dem vor ihm liegenden Gebäude in diesem Moment wohl alles geschah, trieb ihm die Schamesröte ins Gesicht.

Seine Faible für gutes Essen erwies sich hier auf der Hängebrücke einmal mehr als Fluch, denn der steile Aufstieg, den Melandro behende zu überwinden wusste, stellte Vorbis für einige Probleme. Dabei war es nicht nur die Anstrengung, sondern dazu auch noch der Abgrund unter den schaukelnden Holzplanken, die ihm zu schaffen machten. Mehr kriechend als gehend, mit verkrampft nach vorne gerichtetem Blick, um bloß nicht nach unten sehen zu müssen, gelangte auch Vorbis schließlich auf die andere Seite: Die legendäre schwebende Mondsteinmaske. Viel hatte er über diesen Ort bereits gehört, doch so nah wie jetzt war er ihm noch nie gekommen. Und er befürchtete, dass es dabei nicht bleiben würde.

Es kam noch viel schlimmer, wie der fette Mensch entsetzt feststellen musste, als Melandro im Gebäude schließlich begann, sich auszuziehen. Und Vorbis sollte das gleiche tun! Spätestens jetzt wäre er noch vor einer Woche wohl schreiend hinausgerannt, doch was immer das Wiedersehen mit seinen Geschwistern ausgelöst hatte, die Neugierde war nun so groß, dass er es, wenn er sich auch furchtbar schämte, Melandro gleichtat. Um einen letzten Hauch von Würde zu bewahren, schlang er sich wenigstens ein Handtuch um die Hüfte (glücklicherweise fand er eines, das groß genug dafür war), bevor er seinem Bruder in den Baderaum folgte.

Ein erneuter Schock traf ihn beim Anblick der nackten Halbelfe, und sofort richtete er seinen Blick starr zur Decke, während Melandro sich in einen der Zuber begab. Auf dessen knappe Vorstellung hin schien von ihm erwartet zu werden, dass er etwas sagte, und so räusperte er sich zunächst ausgiebig, während er interessiert ein Astloch in einem der Deckenbalken fixierte.
"Äh, hallo." krächzte er, und verfiel zunächst in einen Hustenanfall, den er mit geschlossenen Augen hinter sich brachte. Zahlreiche Räusperer später schaffte er es schließlich, wieder einige Töne herauszubringen:
"Ähm, wie fange ich an? In der Nähe des Blausees haben wir gestern eine Kreatur getroffen ... und bekämpft. Sie bestand aus purem Schatten, und war gerade dabei, das Leben aus einem armen Passanten herauszusaugen. So sah es zumindest aus. Nun ... Melandro meinte, Ihr könntet vielleicht etwas wissen über solche Kreaturen? Gibt es noch mehr davon? Was sind das für Wesen? Es war ... fürchterlich. Und wenn es noch mehr gibt, ist das eine ernste Gefahr für Niewinter."

Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #535 am: 08.10.2018, 11:20:02 »
Cylena lachte laut auf, ob Vorbis' unbeholfenen Verhalten: "Wen hast du denn wieder angeschleppt Melandro?" Es war aber offensichtlich nicht böse gemeint, denn an Vorbis gewandt sagte sie beschwichtigend: "Sorgt euch nicht, hier in der Mondsteinmaske ist jeder als Gast willkommen, insbesondere dann, wenn es gute Freunde so zuverlässiger und freundlicher Kunden wie Melandro hier sind." Als der Priester dann seine Frage gestellt hatte, musste die Halbelfendame aber offensichtlich für einen Augenblick nachdenken, denn sie ließ mit ihrer Antwort auf sich warten: "Nun, in den vergangenen Jahren haben viele merkwürdige Kreaturen die Stadt bedroht, der Spalt hat allerlei Übel ausgespruckt, die noch in den Ruinen hausen. Aber der Spalt ist verschlossen und die Söldner des Protektors haben zwar vieles vertrieben, aber gerade am Nordufer mag sich noch das ein oder andere gefährliche Wesen verstecken. Was lässt euch glauben, dass es eine größere Bedrohung ist als das, ein Überbleibsel einer bereits gebannten Gefahr?"



Scarlett beobachtete den Mann eine Weile und er sah nicht so aus, als würde er bald gehen, sondern er fühlte sich offenbar wie zuhause im Schankraum. Auch den Kellnern war er bekannt, das konnte die junge Frau in kürzester Zeit erkennen. Allerdings wurde sie sehr bald von ihm abgelenkt, denn ein anderer Mann, der zumindest Yzwaz bereits vertraut war, ließ sich ungefragt auf einen Stuhl bei ihnen am Tisch fallen. Bayne der Prächtige, wie er sich zuvor genannt hatte, als die Waisen hier gewesen waren um zum ersten Mal Kontakt mit dem Fuchs aufzunehmen: "Ah, mein kleiner Freund mit den lehrreichen Geschichten, gut das ihr wieder hier seid. Und ihr habt zwei weitere eurer Geschwister mitgebracht nehme ich an. Was habt ihr an neuen Geschichten zu erzählen? Ich bin immer auf der Suche nach gutem Material und wie ich bereits sagte, ich glaube eure Geschichte ist es ganz sicher wert gehört zu werden."
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Yzwaz

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #536 am: 09.10.2018, 19:07:20 »
Yzwaz beschäftigte sich trotz Scarletts nicht sehr offenherziger Auskunft eine Weile lang damit, denselben Mann zu beobachten. Dabei bediente er sich der eigentümlichen Herangehensweise, die Mimik des Mannes nachzuahmen – bewusst oder nicht. Jedenfalls bekamen die Gesichter, die der Beobachtete schnitt, auf den runzligen grauen Gesicht Zügen des Gnomen den Charakter des Skurrilen, zumal er manches Mal nicht unwesentlich übertrieb. Nahm man dann noch hinzu, dass der Grauhäutige sich wie gewohnt zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten mit seinem polternden "Hrm" räusperte, mochte er durchaus seinerseits für andere Anwesende ein gewisser Blickfang sein. Das schien ihn aber nicht weiter zu stören, denn wann immer sein Blick dem – amüsierten oder auch ratlosen – eines anderen begegnete, grinste Yzwaz von einem Ohr zum anderen, als habe man ihm soeben die kombinierten Staatsschätze aller bekannten Königreiche angeboten.

Erst Baynes Auftauchen schien ihn von seinem Zeitvertreib abzulenken. Leutselig wies er auf den eben noch freien Stuhl, ganz so, als sei es Bayne in den Sinn gekommen, nach einer Einladung zu fragen. "Indem Geschichten du sammelst, als weiser Mann dich du erweist" nickte er. "Stets was lernen man kann lernen man sollte." Darauf nahm er erst einmal einen tiefen Schluck aus seinem Humpen, auch wenn der nur seine übliche Bestellung, also Wasser enthielt. Dank der relativen Größe der Stühle und Bänke, verglichen mit den Maßen des Gnomen, gelang es ihm problemlos, seine Beine auf der Sitzfläche unterzuschlagen. Er ließ sich gegen die Rückenlehne sinken, legte die Spitzen seiner knotigen Finger aneinander und fragte gemütlich: "Der lehrreichen Geschichten viele sind... wieviel Zeit mit du bringst?"

Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #537 am: 10.10.2018, 10:42:18 »
"Zeit habe ich reichlich, das sollte also keinerlei Schwierigkeiten machen. Und wie ich bereits sagte, Geschichten prägen das Leben in stärkerer und intensiverer Art, als ihr es euch vorstellen könnt. Da sollte man sich immer die Zeit nehmen auf das zu hören, was bereits geschehen ist. Es mag sehr wohl eine Lektion für die Zukunft beinhalten." Bayne entspannte sich nun also auch und winkte einen Kellner herbei, der seine Bestellung und auch die der drei Waisen aufnehmen sollte. Der merkwürdige - und wieder sehr modisch gekleidete - Zeitgenosse war offensichtlich in Spendierlaune.
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Vorbis

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #538 am: 10.10.2018, 13:42:12 »
Der Priester hatte sich inzwischen von dem Astloch zu einer gerissenen Stelle vorgearbeitet, an der ein Span aus dem Balken hervorstand, und versuchte angespannt, das Plätschern des Wassers zu ignorieren, das aus mehreren Richtungen an sein Ohr drang.

"Vielleicht keine größere Bedrohung, aber wir haben gehört, dass am See häufiger Menschen zu Tode kommen, und vor einigen Tagen selbst eine Leiche dort gefunden. Es mag nur dieses eine Wesen gewesen sein, aber falls noch mehr dort sind ... wenn Ihr gespürt hättet, wie es alle Freude und Lebenskraft aus Euch herauszusaugen versucht, dieses Gefühl der reinen Dunkelheit gespürt hättet, würdet Ihr nicht so leichtfertig reden. Falls noch mehr dort sind, müssen sie gestoppt werden. Aber dazu müssen wir wissen, was für ein Ding das war."

Idunivor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #539 am: 10.10.2018, 14:23:26 »
Die Halbelfe überlegte wieder für eine Weile, dann sagte sie: "Und es ward Finsternis, alle Freude, alles Leben, gar jeder Wille starb..." Auf die fragenden Blicke ihrer beiden Gäste sagte sie dann nur: "Es ist eine Zeile aus einem alten Bardenlied, das ich in meiner Jugend des öfteren gehört habe. Das 'Lied des stummen Todes' wurde es genannt. Ich habe es seit Jahrzehnten nicht mehr gehört, aber es beschreibt etwas, das vor langer Zeit geschehen ist, als die Zauberpest noch wütete, vor einem Jahrhundert. Ich kann mich nicht mehr an viel mehr als diese Zeile erinnern. Es ging um eine bedrohliche Dunkelheit und eine Gruppe Helden, die sie schließlich bezwang. Eigentlich nichts besonderes, ein Bardenlied unter vielen, das eine Geschichte vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse erzählt, in dem das Gute am Ende obsiegt. Aber vielleicht hatte es einen wahren Kern und was immer der Kern dieses Liedes war, ist jetzt wieder erwacht. Oder wer immer es geschrieben hat, hat nicht über eine Geschichte, sondern über einer Prophezeiung gesungen. Auch solche Dinge kommen vor. Aber um mehr darüber herauszufinden, müsste man wohl einen ziemlich alten Barden finden, der es zufällig kennt. Wie ich bereits sagte, ich habe es lange nicht mehr gehört. Niemand trägt es mehr vor."
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