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Autor Thema: Die Waisen von Niewinter  (Gelesen 38292 mal)

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Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1020 am: 09.11.2020, 19:51:56 »
Maldrek überlegte, ob er bei Azrim nachfragen sollte, als dieser Andeutungen zu neuen Fähigkeiten machte, entschied sich aber dagegen. Hier gab es zu viele Ohren und nicht alle warne sicher freundlich. Er blickte auf den Kelch. "Was sieht daran anders aus, ist dir etwas aufgefallen?"

Er nickte bei Scarletts Worten. "Aber leider wissen wir so wenig darüber, was hier wirklich vorgeht. Ich zumindest habe keine genaue Idee, was wir sonst tun können. Wir können die Menschen nicht einfach diesem Wahnsinn überlassen, aber es wird nicht besser sondern sogar schlimmer werden, wenn wir den Auslöser nicht verstehen und bekämpfen können."
Er zuckte mit den Schultern und wirkte ein wenig ratlos. Immerhin, jetzt waren sie wohl wieder zu viert. Das gab ihm Hoffnung.
« Letzte Änderung: 09.11.2020, 19:52:38 von Maldrek »

Azrim

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1021 am: 10.11.2020, 07:43:32 »
Arsys und Azrim sahen einander für lange Momente bedeutungsschwer an ehe sie gleichzeitig sachte nickten und ihre beiden Ziehgeschwister wieder miteinbezogen.

Der Paladin verschränkte vor sich auf dem Tisch seine Hände und neigte sich leicht nach vorne und sah Maldrek nachdenklich an. "Erinnerst du dich wie er in unserer Kindheit aussah? Er war etwas größer und sein Beck war runder, nicht so hochgezogen wie heute. In meiner Vision war er auch etwas anders gewesen. Doch ... es ist Orbus Kelch. Irgendetwas sagt es mir ganz deutlich."

Durchatmend fragte er dann: "Wisst ihr wo die anderen sind? Wer war bei der Beerdigung? Wir haben bisher nur Baldr gesehen gehabt. Aber..." und hierbei sah er wieder zu Arsys und seine Stimme wurde etwas rauer, den scheinbar beschäftigte ihn etwas: "wir sollten wohl hinauf zu unserem Zimmer gehen und den Schwur leisten."

Nicht das der Halbelb sich nicht verpflichten mochte das Böse zu bekämpfen, doch... Ja. Er hatte bereits andere Schwüre geleistet. Für seiner Mission in diesem Leben. Für Tyr. Und auch wenn er das Böse hier in Niewinter, welches nicht mehr seine Heimat, aber wohl so etwas wie seine Geburtsstadt war, bekämpfen und besiegen wollte, fühlte er sich unwohl bei dem Gedanken, sich mittels eines Schwures fremden Mächte zu verdingen.

Deshalb fügte er auch bevor sie aufstanden hinzu: "Wenn wir ungestört sind, lasst ihn mich zuerst hören." Dann erhob er sich wenn es keine Einwände gab und machte sich auf die anderen nach oben zu führen.

In dem kleinen Zimmer der beiden Geschwister angekommen, verräumte der Halbelf nachdenklich sein wenig Hab und Gut und schob den zweckdienlichen Tisch mitsamt der Sessel so zur Wand, dass alle vier Waisen Platz in dem Raum fanden.

Dann blickte er erwartungsvoll zu Scarlett und Maldrek.

Arsys

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1022 am: 17.11.2020, 12:08:35 »
Arsys brannten viele Fragen auf der Zunge, doch wie es ihre Art war, hielt sie sich zurück und ließ Azrim den Vortritt. Sie besah sich mit den anderen den Kelch und wartete auf weitere Anweisungen ihrer Geschwister. Ging es nur darum einen Spruch zu rezitieren?

"Was also müssen wir nun tun?"

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1023 am: 17.11.2020, 12:46:07 »
"Also gut... sprecht die Worte mit voller Überzeugung nach:

Im Namen des Kelches trinken wir das Blut.
Im Namen des Kelches öffnen wir die Hand.
Im Namen des Kelches schreiten wir voran.
Im Namen des Kelches ziehen wir das Schwert.
Im Namen des Kelches halten wir unsere Wacht.
Im Namen des Kelches opfern wir unser Leben.
Möge die Gnade des Engels uns schützen und bewahren.
"

Arsys

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1024 am: 18.11.2020, 15:32:57 »
Beherzt tat Arsys es ihrer Schwester nach:

"Im Namen des Kelches trinken wir das Blut.
Im Namen des Kelches öffnen wir die Hand.
Im Namen des Kelches schreiten wir voran.
Im Namen des Kelches ziehen wir das Schwert.
Im Namen des Kelches halten wir unsere Wacht.
Im Namen des Kelches opfern wir unser Leben.
Möge die Gnade des Engels uns schützen und bewahren."

Maldrek

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1025 am: 18.11.2020, 19:27:13 »
Maldrek wartete schweigend, während die beiden den Schwur leisteten. Er war gespannt, ob ihm eine Veränderung auffallen würde. Das Ganze war einfach etwas Besonderes, etwas Erhabenes.

Arsys

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1026 am: 19.11.2020, 18:44:09 »
Die junge Magiewirkerin spürte die angenehme Wärme, die in ihr aufstieg, während sie den Schwur wiederholte. Wie süßes Met glitten die Silben über die Zunge und sie konnte die positive Energie beinahe sehen, die nicht nur sie, sondern auch ihre Geschwister umgab. Sie ließ sich darauf ein und spürte auch die Verbindung zwischen ihnen, so stark, wie sie sie zuvor nur zu Azrim gehabt hatte. Es war, als hätte sie bisher durch eine trübe Scheibe gesehen und nun kam erstmals völlige Klarheit über sie.

Oft hatte sie sich gefragt, was ihre Bestimmung wäre, was der richtige Ort. Nun überkam sie eine Gewissheit und innere Ruhe, die sie nihctz gekannt hatte. Alles hatte Azrim und sie selbst, Scarlett und Maldrek hierhin geführt. Alles hatte sich vereint, sie zu Rittern zu verbinden und dem Übel entgegenzustellen. Bei dem Gedanken dehnte sich ihr Spüren aus. Vage, doch ebenso real wie die Personen im Raum fühlte Arsys Schatten in einiger Entfernung. Zu weit weg um sie richtig einzuordnen. Die finstere Macht mochte den Schwur auch gespürt haben - als Bedrohung?! - und richtete die furchtbare Aufmerksamkeit auf die kleine Gruppe. Vor dem inneren Auge meinte Arsys beinahe soetwas wie ein riesiges Gebilde zu erkennen, welches inne hielt und sich veränderte, wie undurchdringlicher Nebel in einem Luftzug. Plötzlich riss die unvollendete Figur ein Auge auf und starrte sie an ....

Arsys erschrak und stieß einen überraschten Laut aus. "Es kennt uns." Schnell fasste sie sich und schüttelte mehr zu sich selbst den Kopf. Bleicher als zuvor erhob sie sich, um sich einen Becher mit Wasser einzuschenken.

Azrim

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1027 am: 20.11.2020, 13:48:41 »
Prüfend den Schwur vernehmend, konnte der Paladin keinen Widerspruch zu seinen Glaubensgrundsätzen entdecken. Und wenn er ehrlich war: es war Orbus gewesen, der ihn den Tyranhängern empfohlen hatte. Der Zwerg hatte dabei sicherlich nicht leichtfertig gehandelt.

Sich mutig ein Herz fassend, nickte der Halbelb entschlossen und drückte einmal Arsys Hand zu ihrer beidseitigen Versicherung dies gemeinsam zu beginnen und gemeinsam durch zu stehen.

Und so sprach auch Azrim den Schwur und öffnete sein Herz um den Eid mit vollem Ernst und Herzblut zu leisten und zu verinnerlichen.

Mondragor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1028 am: 22.11.2020, 19:25:11 »
Vielleicht lag es an der eigenen Erwartungshaltung, dass die Gefühle nach Sprechen des Eides so unterschiedlich waren, doch auch wenn Azrim keine größere Veränderung an sich erkennen konnte, konnten alle vier Anwesenden eine Art Band spüren, dass sich nun zwischen ihnen spannte. Doch was konnten sie damit nun anfangen? Was konnten sie tun, um das Böse aufzuhalten, dass Arsys gespürt hatte?

Melandro und Scarlett hatten die Scharen von Untoten und Wahnsinnigen gesehen, die das Gebiet nördlich des Nie überrannt hatten. Dort war der Einfluss offenbar deutlich stärker als hier, doch man musste kein Prophet sein um zu ahnen, dass sich das auch hier in der Enklave ändern würde. Aber waren sie stark genug, um sich zu viert dem Bösen im Norden zu stellen? Mussten sie weitere Verbündete sammeln? Und wo würden sie diese finden? Und hatte der Ritter nicht gesagt, dass die Macht jedes Einzelnen von ihnen umso stärker sein würde, je weniger sie waren?
Eines war klar: Sie mussten eine Entscheidung treffen, was sie nun tun würden, denn abwarten war die Option, die garantiert zum Ruin führen würde.

Azrim

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1029 am: 24.11.2020, 19:06:12 »
"Lasst uns von dem Kelch trinken." meinte Azrim bestimmt, als er in die Gesichter seiner Kindheitsfreunde blickte und dort die Unsicherheit und Ratlosigkeit erkannte, die sie scheinbar beschäftigte. "Wenn uns das keine Erkenntnis bringt, dann bin ich dafür, dass wir los ziehen - vielleicht ans Nordufer? Oder zu dem Rittergrab von dem ihr gesprochen habt? - und sehen ob wir der Sache nicht auf den Grund gehen können."

Er wollte sich keine Kämpfe mit dem Schwertfutter liefern - nein! Lieber würde er zur Wurzel des Übels vordringen und sie ein für alle mal ausreißen; endgültig vernichten. Doch irgendwo mussten sie beginnen. Und am Nordufer hatte "es" begonnen, vielleicht war die besagte Wurzel dort auch zu finden?

Mondragor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1030 am: Heute um 13:26:32 »
Keine der anderen Waisen widersprach, und so nahm Azrim einen Wasserschlauch (Bier schien ihm nicht das richtige für diese Angelegenheit zu sein) und füllte den Kelch. Vorsichtig setzte er an und nahm einen Schluck. Noch während er das Gefäß weitergab, spürte er einen leichten Schwindel, doch die anderen sahen ihren Bruder plötzlich erstarren und mit verdrehten Augen da sitzen.
Maldrek und Scarlett waren nicht allzu überrascht, hatten sie das gleiche Verhalten doch auch schon bei Vorbis gesehen, als dieser im Turm aus dem Kelch getrunken hatte. Doch sie wussten auch, dass diese Wirkung nicht lange angehalten hatte und Vorbis danach immer noch normal gewirkt hatte, also tranken auch sie, und schließlich tat es ihnen auch Arsys gleich.

Alle vier spürten einen Schwindel, ganz so als hätten sie einen ganzen Krug Wein in einem Zug ausgetrunken. Doch keiner von ihnen wankte und auch ihre Wahrnehmung wurde nicht schwächer, sondern das Gegenteil geschah. Auch mit geschlossenen Augen konnten sie ihre Geschwister um sich herum spüren, die in einer vertrauten Wärme strahlten. Doch noch weiter breiteten sich ihre Sinne aus, über die Mauern der Taverne hinweg weiter in die Stadt hinein.

Und dort konnten sie sie spüren: Kalte, tödliche Präsenzen, die in den Leichen lauerten; selbst die Dunkelheit im Nebel selbst konnten sie wahrnehmen. Sie verstanden es selbst nicht genau, wie das sein konnte, aber sie hörten aus dem Nebel eine Stimme, wie die Gedanken eines Menschen, die sie lesen konnten. Die Worte ließen sie schauern: "Kommt meine Kinder, die Tore sind offen, dringt hinein durch den Spalt, breitet euch aus, sucht euch ein Heim und bereitet den Weg."

Es war wie ein Singsang, merkwürdigt hypnotisch, doch je länger sie zuhörten, umso mehr waren sie überzeugt, dass hier eine gewaltige Bedrohung auf sie wartete. Doch dann verwandelte sich die Stimme von einem Moment auf den anderen. Der Singsang wurde drängender, befehlender: "Unser Feind kehrt zurück meine Kinder, auf jetzt, spürt nach ihm. Er strahlt hell, erstickt sein Licht, vernichtet seine Diener, zerbrecht ihn und verderbt ihn, die Tore müssen offen bleiben."
Die vier waren sich sicher, dass diese Präsenz im Nebel ihrer Gewahr geworden war; sie hatten das plötzliche Gefühl, dass nicht sie die Präsenz belauschten, sondern dass auch die Präsenz sie sah und ihre Diener gegen die Geschwister ausschickte. Eine letzte Stimme hörten sie nun, einen tausendstimmigen Chor, der antwortete: "Ja, Dendar."

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