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Autor Thema: Die Waisen von Niewinter  (Gelesen 42632 mal)

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Mondragor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1050 am: 23.01.2021, 13:28:18 »
Der Alte blickte etwas ärgerlich in Scarletts Richtung, richtete dann seine Aufmerksamkeit jedoch auf Arsys, bevor er zu einer Antwort ansetzen konnte.
"Hrm hrm ... Eine dämonische Kreatur, die aus der Tiefe kam. Lutrus, merk dir das! Und jetzt geh!"

Als der jüngere Priester sich entfernt hatte, blickte der Alte wieder in sein Buch und begann, dort weiter hin- und herzublättern. Schließlich hob er wieder den Kopf.
"Hier komme ich nicht weiter; eure Jahreszahl finde ich nicht. Der nächste Schritt wäre, Schriften zu durchsuchen, in denen die Geschichte Cimbars aufgeschrieben wurde. Wenn ich richtig verstanden habe, sucht ihr nach Ereignissen, in denen die Stadt von aus dem Boden kriechenden Dämonen heimgesucht wurde? Das sollte ja irgendwo niedergeschrieben worden sein."

In diesem Moment trat auch Lutrus wieder in den Raum, diesmal mit einem kleinen Karren voller unterschiedlicher Bücher und Schriftrollen, einige davon offenbar uralt. Falls einer der Besucher sich den Büchern in der Absicht näherte, sie auch nur zu berühren, würde der Alte sie oder ihn deutlich zurechtweisen.

Nun nahmen beide sich ein Buch nach dem anderen vor, während erst Minuten, dann Stunden vergingen. Schließlich schrie Lutrus auf:
"Dendar! Ich habe es gefunden!"
Sofort wandte sich die Aufmerksamkeit aller, die womöglich schon eine Weile eingeschlafen waren, auf den Priester.
"Hier, Meister! In 'Sagen und Mythen Torils' von Gertrand Einauge. Ein äußerst seltener Band, handschriftliche Originalausgabe des Autors, etwa 1300 Jahre alt." Die Ehrfurcht über das kostbare Machwerk stand deutlich in seinen Augen geschrieben.
"Dendar, uraltes Übel, Verschlinger der Welt, die Nachtschlange, Mutter der Schlangen. Sie seiet gevehset eine fon die Urßprunklichet, qualtet die Sterblich und Unsterblich mit Albträumet und hoffet, den Velt zu endet. Ein gevaltig Ungetum mit 300 Fieß Lang und bleue Shuppen.
Sie het gevißt die Schatteepoch gebrungt, denn sie het die Sonn verschlunget.
Gwydion de Schnelle hot sie rausgefürdert und med seinem Schwerte verletst."


Lutrus stoppte. "Hm, mehr steht hier nicht. Vielleicht finde ich weiter hinten noch etwas." Er begann, weiter durch die Seiten zu blättern, und tatsächlich fand er einige Minuten später noch etwas, das ihn zu interessieren schien.
"Hier ist Dendar noch einmal erwähnt. Sie war nun wohl von der materiellen Ebene verbannt, doch hatte sie weiterhin Schergen und Kinder, die ihr Werk taten. Die guten Götter waren nicht fähig, sich ihr auf der materiellen Ebene direkt entgegenzustellen, deshalb entsandten sie einen Solar von außerordentlicher Macht namens Batariel dorthin. Doch auch er durfte nur indirekt wirken, weshalb er eine Gruppe Sterblicher um sich versammelte und einen Orden gründete, der Dendar und ihre Schergen überall bekämpfen sollte, wo sie auftauchten."

Er suchte noch eine Weile, doch schließlich zuckte er die Achseln. "Mehr steht hier nicht. Ich weiß nicht, ob euch das hilft."

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1051 am: 23.01.2021, 15:45:24 »
"1300 Jahre? Zumindest muss man wohl sagen, dass ihr hier sehr gut auf eure Bücher Acht gebt, wenn das immer noch verwendbar ist. Dieser Orden, das wird derselbe sein, von dem ich auch schon berichtet hatte."

Azrim

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1052 am: 23.01.2021, 20:41:50 »
Mit finsterer Miene hatte Azrim dem Schauspiel beigewohnt und hatte wortlos darauf geachtet nicht im Weg zu sein. Immer düsterer war seine Miene dabei geworden. Die umständliche Art des alten Priesters, gepaart mit seiner absoluten Unkenntnis betreffend der Dinge, die sich in diesen kleinen Mauern hier abspielten, trieb das Blut heiß durch seine Venen. Am liebsten hätte er sein Schwert gezogen und diese verkopften, hochmütigen Lackaffen mit dessen Breitseite vor sich hergetrieben, auf das sie in die Gänge kämen und zur Rettung ihrer Heimatstadt beitrugen, auf die sie scheinbar so wenig Wert legten.

Nur Arsys gewohnt hartnäckig-überzeugende Art hatte sie schließlich erweicht. Doch all dieses Gelehrtengerede über Kalender, Jahre und weiß Torm was ... erneut unterdrückte der Paladin angestrengt ein genervtes Zucken und übte sich in Selbstkontrolle.

Diese fordernde Mühsal schien sich aber - bereits nach nur wenigen Stunden! - auszuzahlen, als das wichtigtuerische Geschwurbel Gestalt annahm und der Mann Dinge von sich gab, die tatsächlich einmal etwas mit ihren Fragen und der derzeitigen Situation der Stadt zu tun hatten.

Und so erklang die Stimme des schwer Gerüsteten, ungebührlich laut und fordernd für einen derart sakralen Ort, von seinem selbstgewählten Verweilort nach vorne zu dem Priester: "Was könnt ihr uns über Batariel sagen? Gibt es eine Form der Anrufung? Gedenkort? Etwas dergleichen?

Wie sieht es mit Gwydions Schwert aus? Lässt sich dazu etwas finden, das Niewinter retten könnte?
Und wo ruhen die sterblichen Überreste dieser tapferen Streiterin?"


Dendar, Verschlingerin der Welten, so hieß der Feind also – loderte das neue Wissen heiß in dem Torm-Paladin. Wie konnten sie diesem uralten Übel nur habhaft werden, auf das sie es besiegen und niederstrecken konnten? Diese verweichlichten Priester hatten bestimmt die Antwort hier verborgen. 1300 Jahre war eine beachtliche Zeit; da ließe sich bestimmt mehr finden.

Erwartungsvoll haftete der Blick des Halbelfs ungeduldig auf den Oghmiten.

Mondragor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1053 am: 24.01.2021, 00:23:43 »
Der junge Mann sah Azrim verwirrt an.
"Dies ist ein Buch von Sagen, Herr! Einiges mag auf wahren Ereignissen beruhen, doch es ist absurd anzunehmen, dass diese Stellen eine Auflistung von Tatsachen darstellen. Und selbst wenn, diese erste Quelle spricht vom Beginn der Schattenepoche - eine Zeit weit vor dem Beginn unserer Geschichtsschreibung. Wenn es eine solche Zeit überhaupt gegeben haben sollte, dann liegt sie Zehntausende von Jahren in der Vergangenheit. Jedes Schwert und jeder Überrest Gwydions wäre längst zu Staub zerfallen."

Azrim

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1054 am: 24.01.2021, 11:00:02 »
Eine Braue sehr langsam anhebend, blickte Azrim dem Akolythen stechend in die Augen, ehe er zu bedenken gab: "Magische Schwerter überdauern die Zeit.

Doch könnt ihr noch etwas über Batariel finden? Zumindest er sollte zeitlos sein."


Seiner Schwester einen Blick zuwerfend, der zu fragen schien - Haben wir hier irgend etwas erlangt, womit wir weiter machen können? - wartete der Tormpaladin ob den anderen noch etwas Passendes einfiel, oder sich in der Bibliothek noch etwas finden ließ.

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1055 am: 24.01.2021, 11:21:46 »
"Wir hatten ja diesen Geist in dem Mausoleum gefunden, der uns die Geschichte des Ordens berichtet hatte. Vielleicht war das ein Nachfahre von Batariel. Wie hieß er noch gleich. Irgendetwas mit A..."

Arsys

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1056 am: 27.01.2021, 21:47:38 »
"Die Geschichte des Ordens, Orbus, des Kelches und der Stadt sind dicht miteinander verwoben. Habt ihr Informationen zu unserem Orden, den magischen Siegeln oder dem verfluchten Nebel, der die Menschen derart in Wut und Angst verfallen lässt? Eure Geduld und euer Einfallsreichtum könnte sich als elementar erweisen, wenn wir Niewinter retten wollen!"

Mondragor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1057 am: 28.01.2021, 11:45:42 »
"Euer Orden?" staunte nun der Ältere. "Ihr wollt uns weismachen, dass ihr dem selben Orden angehört, von dem hier die Rede ist? Der, den dieser Batariel gegründet haben soll?" Seiner Stimme war der Unglaube deutlich anzuhören.

"Im Übrigen ist ein Solar ein unsterbliches Wesen, ein Engel. Gelehrte mutmaßen, dass es seit jeher nur 24 von ihnen gegeben hat. Sie haben nur sehr selten Abkömmlinge, und nur dann, wenn sie sterbliche Gestalt annehmen. Selbst dann ist das göttliche Blut nach nur wenigen Generationen verwässert - ich kann mir kaum vorstellen, dass ihr mit einem Nachfahren gesprochen habt, selbst wenn eure Geschichte wahr ist."

Nachdem er Arsys' Fragen angehört hatte, dachte er eine Weile nach, bevor er antwortete.
"Wir können nach den Antworten forschen, die ihr sucht, aber es wird eine Weile dauern. Wir haben unzählige Bände über die jüngere und ältere Geschichte Niewinters und ganz Faerûns. Kommt morgen nachmittag wieder, dann haben wir hoffentlich weitere Informationen für euch. Leider braucht sorgfältige Recherche Zeit."

Azrim

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1058 am: 30.01.2021, 20:26:17 »
Sich zu den anderen Waisen von Orbus wendend, fragte Azrim: "Und nun?

Wollen wir in den Nebel gehen, in der Hoffnung dort Feinde zu finden die wir befragen können?"


Bei all den Informationen die sie hier erhalten hatten, war ihm immer noch nicht klar, was da nun folgen sollte. Nun gut - sie waren also Abkömmlinge eines Ordens der von einem Solar gegründet worden war. Ihr Feind hieß Dendar "Die Verschlingerin der Welten".  Und jetzt?

"Habt ihr noch Vorschläge wo wir Hilfreiches erfahren könnten, oder lassen wir nun unsere Schwerter sprechen und schützen die Stadt auf diese Weise?"

Mondragor

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1059 am: 06.02.2021, 17:20:11 »
Nachdem eine Weile niemand antwortete, schien der ältere Priester schließlich genug von der Gesellschaft zu haben.
"Jetzt lasst uns am besten in Ruhe arbeiten. Kommt morgen wieder, dann haben wir vielleicht mehr für euch. Aber jetzt stört ihr nur unsere Konzentration, wenn ihr weiter hier herumlungert. Wenn die Stadt angegriffen wird, habt ihr ja sicherlich Besseres zu tun, als hier zu warten?"

Nach dieser recht schroffen Abfuhr blieb den vier Waisen wenig anderes übrig, als das Haus des Wissens wieder zu verlassen, wollten sie es sich mit den Priestern dort nicht verscherzen - schließlich hofften sie immer noch, ein paar hilfreiche Hinweise zu erhalten. Doch auch ihnen war klar, dass es wohl keinen Leitfaden für sie gab, wie sie nun vorgehen mussten; diese Entscheidung konnte ihnen niemand abnehmen.

Scarlett

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Die Waisen von Niewinter
« Antwort #1060 am: 10.02.2021, 12:24:22 »
"Ich bin zugegebenermaßen etwas ratlos, wie wir jetzt weiter vorgehen sollen," sagte Scarlett schließlich.

"Wir haben zwar nun eine etwas genauere Vorstellung davon, was da auf der anderen Seite lauert, aber wie sollen wir diese Siegel finden und erneuern? Ich hoffe ja, dass wir - wenn wir sie erstmal gefunden haben - durch unsere Verbindung irgendwie den Weg finden werden. Auf jeden Fall müssen wir sie finden, da führt kein Weg dran vorbei. Und wenn es einen Bruch oder ein Tor oder einen Übergang gibt, dann wird der im Zentrum dessen sein, was hier vor sich geht. Am Nordufer."

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