Autor Thema: Albion und Rûngard - die Seefahrer  (Gelesen 1495 mal)

Beschreibung: Alberichs Erben oder: ein Streit unter Brüdern

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Gaja

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« am: 21.05.2017, 12:15:51 »
Die Vorstellungen bzgl. Albion, die Freydis mir per PM geschickt hat, sind meinen Vorstellungen der Rûngard-Inseln so ähnlich, dass man die beiden Gebiete besser gemeinsam behandeln sollte, statt da krampfhaft graduelle Unterschiede etablieren zu wollen (oder einen Wettbewerb draus zu machen: wer von beiden ist der weniger zivilisierte, der toughere der beiden "Ur-Wikinger"...?).

Außerdem kam im Zusammenhang mit der Zwergenkultur und deren Geschichte soeben der Kataklysmus vor, der vor 2-3 Jahrtausenden ganz Dalaran landschaftlich neu gestaltet hat. (Eine gewaltige Verschiebung tektonischer Platten gegeneinander—die Grenze der beiden Platten befindet sich direkt unter dem heutigen Albion + Rûngard; diese Erklärung entzieht sich natürlich den wissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten der Dalaraner.) Erdbeben, Fluten (Tsunami), Vulkanausbrüche, Verwerfungen, wegbrechende Küsten... all das hat Dalaran neu geformt.

Gemeinsame Vergangenheit:

Vor dem Kataklysmus waren Albion, die Rûngard-Inseln (und noch etliches Land drumherum) zu einer großen Insel verbunden (vielleicht sogar Halbinsel, die bis zum großen Festland reichte?)

Alberich Einhand war der erste menschliche Jarl, der über Albion und Rûngard herrschte. Unter seinen (zerstrittenen) Söhnen brach das kurzlebige gemeinsame Seefahrer-/Seeräuber-Reich auseinander.

Auf ganz Albion (auf Rûngard weniger) findet man immer wieder Ruinen - na ja, Mauerreste - oder Grabstätten der vorigen Zivilisation; auch heute noch wird (auf allen Inseln) immer wieder mal seltsames Gerät an den Küsten angespült oder findet sich beim Urbarmachen neuer Ackerflächen. Einiges davon magisch. Die Runen, die manchmal auf Tafeln oder Gerät gefunden werden, kann niemand auf Albion entziffern.


Gesellschaft:

Die Gesellschaftsordnung auf Albion und den Rûngard-Inseln unterscheidet sich vom restlichen Dalaran, scheint (aus Festland-Sicht) archaischer, weniger zivilisiert. Als Jork Kuijt vor fast hundert Jahren, nach seinem glanzvollen Sieg über die Kolkar, die Stämme Dalarans einte und als erster König auf dem Habichtthron die Herrschaftsform (+ damit auch die Gesellschaft) reformierte, haben die Inseln einfach nicht mitgemacht. Albion vielleicht ein wenig. Immerhin gab man dort die Seeräuberei auf und stieg auf friedlichen Handel um. Rûngard aber entging Kuijts Einfluss völlig.[1]

 1. Nachtrag zu Jork Kuijts Reformen (Khenubaal): "(...) König Kuijts, der die Raubzüge reduziert und die Dalaraner zu mehr Sesshaftigkeit, friedlicher Arbeit erzogen hat. Übrigens nicht weil er so ein herzensguter Mensch war, sondern weil er erkannt hat, dass Dämonen, Kolkar und andere Nationen die Clans auslöschen werden, wenn sich diese ständig miteinander zanken, anstatt eine gemensame und starke Front zu bilden."
« Letzte Änderung: 13.07.2017, 18:42:33 von Gaja »

Freydis

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #1 am: 28.05.2017, 21:15:16 »
Ich habe mir deine Anregung aufnehmend auch Gedanken über die Kultur von Albion gemacht.

Als Vorbild schweben mir da die Rus vor, schwedische Wikinger[1], die mehr Händler als Plünderer waren, im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen aus Norwegen und Dänemark. Albion wäre dann noch mehr "nordmännisch" geprägt als der Rest von Dalaran, der schon städtischer und "moderner" geworden ist, weil es mehr Städte gibt und der Einfluss der Dämonen und der Ein-Gott-Religion stärker ist.

Im Gegensatz zu den Festland-Fürsten führen die Herren auf Albion noch immer den alten Titel Jarl, anstatt sich Fürst zu nennen und der Gaja-Glaube ist stark, die Anhänger des einen bestenfalls toleriert, eher nicht willkommen. Albion selbst bietet wenig urbanes Land, Fischerei ergänzt die karge subsidäre Landwirtschaft. Daraus hat sich die Seefahrer-Tradition der Albioner entwickelt die ihnen die dominante Position im wichtigen Seehandel Dalarans verschafft hat. (Wagen auf mittelalterlichen Straßen sind einer Kogge auf See weit unterlegen was Geschwindigkeit und Kapazität anbelangt).

Es ist dieser Handel, mit dem Festland aber auch mit Übersee, der den Fürsten von Albion Reichtum und Macht eingebracht hat. Und es war diese Macht die Gelspad mittels Mord des Kronprinzen brechen wollte, was ihm die Revolte eingebracht hat.

Der Gaja-Glaube der Albioner wäre dann etwas mehr von Meer und Wetter geprägt, die Abhängigkeit von göttlichem Wohlwollen ist schließlich bei der kargen Landwirtschaft, der Fischerrei und der Seefahrt nur zu offensichtlich. "Meer und Wind, Gottes sind..." wie das Sprichwort sagt. Folglich wären die Albioner in ihrer Glaubenausübung beides, abergläubischer aber auch prakmatischer. Solang es hilft oder zumindest nicht schadet, wird es praktiziert.

Da kann es schon mal vorkommen, dass sich ein Albionischer Kapitän sein Schiff von einem reisenden Priester des einen segnen lässt, obwohl er und seine Mannschaft alles Gaja-Gläubige sind. Dieselbe Manschaft wird den Priester aber auch bei Sturm über Bord werfen in der Überzeugung seine Ketzerei habe Gaja verärgert und den Sturm gebracht.

Alles in allem stelle ich mir die Albioner wie eine Mischung aus Iren und schwedischen Wikingern vor.
Lebensfroh und -bejahend, abergläubisch mit einer leichten Tendenz zum Fanatismus, fatalistisch und geschäftstüchtig und generell überzeugt man solle das Leben geniesen, es sei ein Geschenk Gajas und eh kurz genug. Folglich lieben die Albioner Musik und Tanz und geniesen ganz generell die guten Dinge des Lebens. Eine Einstellung die den asketischen ernsten Anhängern des Einen natürlich nicht passt.

Freydis wäre übrigens nicht gerade typisch Albionisch in ihrem Charakter. Sie ist adelige und Berührte und die Folgen die diese Kombination für ihr Aufwachsen hatte haben sie nicht gerade lebensfroh und begeistert gemacht, dafür die Tendenz zum Fatalismus und Zynismus bestärkt.

Soweit erst mal die Grundideen.
 1. Anmerkung Gaja: die in Lettland und dem Nordwesten Russlands einwanderten - auch Waräger genannt. Genau mit Blick auf diese hatte ich die Sprache auf den Inseln Värangsk genannt (ä und a vertauscht...)  Zufällig kommt Tristans filmisches Vorbild auch genau daher. :wink:
« Letzte Änderung: 28.05.2017, 21:41:08 von Gaja »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Gaja

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #2 am: 13.07.2017, 19:23:27 »
Landschaft:

Albion hat zumeist Steilküsten, ist insgesamt stark zerklüftet, das Landesinnere zu weiten Teilen gebirgig, mit teils sehr hohen Bergen. Vulkane gibt es auf der Insel direkt nicht, aber nordöstlich davon und noch in Sichtweise gibt es eine kleine Insel mit aktivem Vulkan (*Name?*), den man von Albion aus auch hin und wieder rauchen und spucken sieht.

Die Rûngard-Inseln sind zwar ebenso felsig, aber im Vergleich zu Albion recht flach. Berge gibt es hier keine, allenfalls Hügel. Die Inseln liegen noch etwas weiter draußen auf dem Meer als Albion, südöstlich davon, etwa auf Höhe des Gjolkard Walles (und von dort weiter Richtung Süden). Die Inselgruppe dehnt sich doppelt so weit auf ihrer Ost-West Achse wie ihrer Nord-Süd Achse aus. Sie besteht aus hunderten von felsigen Inseln, die meisten zu klein, um für den Menschen bewohnbar zu sein. Mit dem Schiff zwischen den Inseln umherzukreuzen, ist sehr gefährlich: Überall lauern Felsen unter der Wasseroberfläche. Man muss sich schon sehr gut auskennen, um die Untiefen zu umschiffen und um nicht von der nächsten etwas steiferen Brise an ein Leeufer geworfen zu werden. (Wer nicht dorthin gehört, dem droht eh eine weitere Gefahr: die Insel-Piraten.)


Fauna[1]:

Allgegenwärtig auf Albion und den Rûngard-Inseln sind Seevögel und (in Küstennähe) Robben.

Die wichtigsten Seevögel: Möwen, diverse Arten (Mantelmöwe, Raubmöwe, Silbermöwe); Lunde (im Volksmund "Buntschnäbel" genannt), Tordalke, Kormorane, Basstölpel, Eissturmvogel und Seeschwalben.

An Meeressäugern gibt es: Robben (Seehunde, Kegelrobben, Ohrenrobben), Wale (Schnabelwal, Schwertwale, Pottwale, Zwergwale) und drei Delphinarten (gemeiner, Rundkopf-, Weißschnauzen-).
 1. s. z.B. Scotland Fauna
« Letzte Änderung: 13.07.2017, 19:31:38 von Gaja »

Freydis

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #3 am: 13.07.2017, 20:33:34 »
Zitat
Vulkane gibt es auf der Insel direkt nicht, aber nordöstlich davon und noch in Sichtweise gibt es eine kleine Insel mit aktivem Vulkan (*Name?*), den man von Albion aus auch hin und wieder rauchen und spucken sieht.

Da würde ich spontan Hekla vorschlagen oder alternativ
Havbrand (dänisch/Varänsk: Meeresfeuer)
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Gaja

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #4 am: 14.07.2017, 13:25:37 »
Ist mir beides recht! Ich habe für den Text unten mal "die Hekla" übernommen.


Die alten Akadier:

Auf Albion gibt es viele Ruinen, aber auch Grab- und Kultstätten der Leute, die vor Euch Albionern dort gelebt haben müssen. Auf Rûngard gibt es sie auch, aber weitaus weniger (und diese auch weniger gut erhalten), da es auf den flachen kleinen Inseln kaum geschützte Orte gibt. Wind, Wetter, Wellen hat hier das meiste völlig zerstört.

Was weiß man über diese "Proto-Albioner"? Nun, man weiß, dass sie Akadier hießen und ihr Reich Akadia nannten. Man weiß, dass ihr Reich sehr groß war und halb Dalaran mitumfasste. Woher weiß man das? Nun, akadische Ruinen finden sich verstreut auch auf dem Festland. (Leider sind die meisten akadischen Gebäudereste dort längst für ihre Baumaterialien abgetragen worden oder überbaut worden.) Dennoch sind einige Ruinen erhalten, die als Grenzfesten identifiziert wurden. Überhaupt, die Architektur ist so beeindruckend, sie kann nur aus einem großen Reich hervorgegangen sein.

Die Akadier selbst waren kleinwüchsig, nur so um die anderthalb Schritt groß (1m bis 1,20m), also noch kleiner als die Zwerge und auch zarter gebaut (d.h. von den Proportionen her eher wie die Menschen, nur eben in klein). Das weiß man aus Skelettfunden, aber auch die Abmessungen der Grabkammern und der Gebäude belegen dies.

Die Akadier waren sehr hoch entwickelt. Die Architektur wurde bereits erwähnt. Desweiteren gibt es in Stein gemeißelte Schriftfunde (s.u.), doch leider kann niemand diese entziffern. Außerdem waren die Akadier offenbar sehr begabt und aktiv in der magischen Kunst. Immer wieder werden auf Albion magische Gegenstände bei Grabungen entdeckt oder an einem der wenigen (zugänglichen) flachen Felsstrände angespült. (Soviel Freydis weiß, werden die irgendwo in der Hauptstadt "sicher verwahrt", dass niemand Unfug damit anstellen kann.) Sogar als Grabbeigaben finden sich derlei wertvolle Gegenstände!

Die Akadier sind vor etwa zweieinhalb bis drei Jahrtausenden spurlos verschwunden. Die ersten Menschen siedelten vor etwa 1500 Jahren auf Albion. Der Grund des Verschwindens ersterer kann also nicht die Eroberung/Vertreibung durch zweitere sein. Auch sonst haben die Gelehrten und Entdecker noch keinerlei Hinweise auf die Ursache gefunden. Mysteriös.

*Name?*

Eine besonders gut erhaltene Kultstätte der Akadier (genauer Zweck ungeklärt) befindet sich gar nicht einmal allzu weit von Zwartjod entfernt, auf einer der höchsten Klippen der Nordküste, mit Sicht auf die Hekla. Eine kreisrunde Anlage, darinnen ein rechteckiger kleiner Tempel (oder was sollte es sonst sein?), dessen Dach von vier Säulen getragen wird. Wände gibt es keine (mehr?), aber vier Steinbänke zwischen den Säulen und im Inneren stehen vier Steinplatten, ehemals vier Schritt auf acht groß (hochkant), heute teilweise zerbrochen, aber immer noch eng beschrieben mit in den Stein gemeißelten Runen. Jede der Steinplatten verwendet eine andere Runenschrift. Die Runen der Akadier finden sich auch an anderen Orten auf Albion, die anderen drei nur hier.

Beschreibung der vier Schriften (Anzeigen)


« Letzte Änderung: 14.07.2017, 14:22:20 von Gaja »

Gaja

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #5 am: 28.07.2017, 10:59:25 »
Gesellschaftsordnung und Rechtsprechung auf Albion, Rûngard und dem Festland



Zitat von: Lîf
Eine Frage, die mir kam: Wie sieht es mit der Rechtsprechung der Nordmänner aus, die z. B. auf Tristans Insel oder auf einsamen Gehöften leben, wo keine Vertreter von Herrschern etc. in der Nähe sind? Da ich kürzlich darüber gelesen habe, fände ich das Modell der Wikinger auf Island recht passend - die Männer einer Gegend treffen sich regelmäßig zum Thing, wo die einflussreichsten (aufgrund der Gefolgsleute, die sie hinter sich sammeln) zwar dominieren, aber zumindest nominell jeder freie Mann mit über Streitfälle abstimmt. Als nette Variante wäre denkbar, dass die Stimme eines Mannes mit der Größe der Familie an Gewicht gewinnt, der er vorsteht (Weib, Kinder, Knechte/Mägde, Leibeigene). Damit gäbe es auch einen zusätzlichen Anreiz, eine Familie zu gründen und einen Hof zu bewirtschaften.

Hintergrund: Ich würde irgendwann ganz gern Bezug auf die praktische "Rechtslage" von Tristans und Lîfs Ehe nehmen (...)

Lîfs Fragen (Unterstreichung von mir) kann ich nicht mal so eben und auf einmal beantworten. Die entsprechenden Konzepte habe ich mir zwar schon beim Verfassen von Tristans HG angelesen, aber der größere Teil der Arbeit ist es nun, dies zu strukturieren und übersichtlich zusammenzufassen - und dabei dann auch noch Unterschiede zwischen Festland - Albion - Rûngard herauszuarbeiten.



Die Antworten finden sich in Beitrag 3 in den Schriftrollen.

« Letzte Änderung: 30.08.2017, 12:39:36 von Gaja »

Gaja

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #6 am: 30.07.2017, 15:53:18 »
3. Gesetz, Rechtsprechung, Thingversammlung

Mündliche Überlieferung des Gesetzes - bereits in die Schriftrollen übertragen.


Die Thingversammlung - bereits in die Schriftrollen übertragen.


Der Rechtsstreit:



Prozessablauf:

Gottesurteil, Holmgang:

Strafen: von Manngeld bis Friedlosigkeit:


Gesetze, einige Beispiele:
« Letzte Änderung: 01.09.2017, 09:24:28 von Gaja »

Freydis

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Albion und Rûngard - die Seefahrer
« Antwort #7 am: 02.08.2017, 16:48:55 »
Zitat
Auf Albion stelle ich mir das so vor, dass die Herrschaftsklasse sich durchaus am Festland orientiert, andererseits aber viele Überbleibsel vom alten System bis auf den heutigen Tag existieren. Geographische Lage, Umweltbedingungen, Kargheit der Landschaft, etc, sorgen zudem für andere Voraussetzungen.

Die Albioner haben sich noch mehr vom früheren Stolz und Starrsinn, ihrem angeborenen Recht—als freier Mann—auf Selbstbestimmung bewahrt. Sie ordnen sich allgemein weniger leicht einer Autorität unter. Der Hersir (Fürst), der mit seinen freien Bauern verhandelt, muss diplomatischer vorgehen als sein Pendant auf dem Festland. Das gilt auch auf höchster Ebene: Auf dem Festland gebührt der Herzogstitel nur dem Oberhaupt des ranghöchsten der Hohen Häuser, auf Albion aber trägt das Oberhaupt jedes der drei Hohen Häuser den Titel Jarl. Der Vater von Freydis Schwager Finrod, Jarl Fingon II Zwartjod, ist also bloß ein Jarl unter drei Jarlen und somit nicht per se Herrscher/Herzog von ganz Albion. Er ist, in alter Tradition, seinerseits wieder der "Erste unter Gleichen", der einflussreichste der Jarle; die anderen beiden Häuser erkennen die führende Rolle seines Hauses an und ordnen sich per Treueid unter. (Diese Unterscheidung entgeht denen auf dem Festland völlig: für sie ist Zwartjod der Herzog, alles andere Fürsten.)

Insgesamt verhandeln auf Albion die Herrschenden wesentlich direkter mit dem "mittleren" Stand der freien Bauern als auf dem Festland. Diese sind wiederum wesentlich homogener als auf dem Festland und auch wesentlich selbstbewusster. Alle Herrschenden (oder Anführer unter den Freien) müssen ihre Herrschaftsansprüche also etwas diplomatischer verpacken oder mit entsprechenden Taten untermauern, um so die freien Bauern, die für sich ein nicht unerhebliches Recht an Mitsprache beanspruchen, für seine Pläne zu gewinnen.

Einverstanden, ungefähr sowas hatte mir vorgeschwebt.

Aus gegebenen Anlass zum Thema Rechtssprechung, da stelle ich mir ähnliche quasi-Altisländische Verhältnisse auf Albion vor:
Der Jarl übt die niedere und höhere Gerichtsbarkeit aus, der jährliche Thing ist aber sozusagen Revisionsinstanz. Theoretisch kann auch direkt beim Thing Klage erhoben werden (ganz nach altem Brauch, und wenn de Jarl selbst der beklagte ist die einzige Möglichkeit), aber das ist eher unüblich.
Allerdings kann eben gegen das Urteil des Jarl Klage erhoben werden und es kommt vor, dass der Thing das Urteil aufhebt, oder die Strafe verschärft oder vermindert. Allerdings wird sich der Thing für gewöhnlich nur mit schwereren Vergehen (Raub, Vergewaltigung, Mord, Todschlag, Verrat), also der höheren Gerichtsbarkeit befassen, für den lokalen Kleinkram (Diebstahl, Schlägereien sonstige Streitereien) ist der Jarl zuständig. Für diesen Zweck gibt es bei den meisten Jarlen das Amt des Lovgiver[1] dessen Aufgabe die Auslegung des Gesetzes und die Archivierung von Urteilen und Präzedenzfällen ist. Er dient dem Jarl als Ratgeber und wird gelegentlich sogar in dessen Auftrag und Vertretung Recht sprechen.
Entsprechendes Gewicht haben Meinung und Stimme der Lovgiver beim Thing.

So recht?  :wink:
P.S.: Inspiration war mir übrigens der Film "The Viking Sagas"  von 1995 aus dem auch Freydis` Portrait stammt.
 1. Värangsk: Gesetzgeber
« Letzte Änderung: 02.08.2017, 16:53:24 von Freydis »
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