Autor Thema: [Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand  (Gelesen 1551 mal)

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Miko Yumi

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[Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand
« Antwort #15 am: 10.10.2017, 08:00:49 »
Bei den ersten Worten Tsuyoshis wirkt Yumi zunächst verunsichert, dann erhellt sich ihre Miene aber wieder, nachdem sie den halben Zwischensatz überhört und nur den letzten seiner Warnung wahrgenommen hat, so scheint es nach ihrer Antwort: "Ja, natürlich habt ihr Recht, die Räuberbande wird garnicht verstehen, wie man vor ihrem hohen Stand Respekt zu haben hat. Man hört ja grausiges von ihnen." Doch schon ist der Schatten über ihrem Gemüt wieder verschwunden, als sie bestätigt: "Das ist eine hervorragende Idee, macht das!"

Seiner Aufforderung nachkommend dreht sie sich herum in Richtung Wald, schirmt ihre Augen gegen die Sonne ab und kneift diese kurz zusammen, um ihre Wegmarken zu erkennen. Dann marschiert sie los, wobei sie sich leichtfüßig ins Unterholz schlägt. Einen wirklichen Pfad gibt es nicht mehr. Relativ leise und doch geschwind schlängelt sie sich durch die Büsche und gewinnt bald etwas Abstand von ihrem Begleiter. Ihre weiß-rote Kleidung macht es jedoch leicht, ihr zu folgen. Und immer mal wieder bleibt sie stehen und sieht sie sich um, ob er noch folgt. So gibt sie ihm Gelegenheit aufzuholen.

Über eine Stunde später untersucht die junge Miko die Spuren eines Wildwechsels, doch schüttelt sie sanft den Kopf, offensichtlich ist hier länger kein Wild mehr durchgekommen. Erneut einige Zeit später hockt sie sich auf der dem Wind abgewandten Seite an eine Lichtung am Hang ab und beobachtet die Fläche. Sie bleibt vollkommen still und bewegt sich kein bißchen mehr.

Tsuyoshi

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[Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand
« Antwort #16 am: 11.10.2017, 11:16:21 »
Die Antwort des Mädchens verblüfft den Ronin, der nicht mit dem Ausmaß ihrer Naivität gerechnet hatte. Die Räuber würden keinen Respekt vor der Dame bezeigen..?! Sie würden noch ganz anderes tun, das für eine Dame schlimmste Schande bedeutet – und nicht nur ihr! Doch die junge Miko scheint die drohende Gefahr schon im nächsten Moment wieder vergessen zu haben. Dass sie solches Vertrauen in ihn zeigt, ehrt ihn zwar, doch erstens würde er allein eine ganze Räuberbande nur schwerlich aufhalten können, und zweitens – und viel wichtiger – hat er gar keinen Befehl dazu im Namen seines ehemaligen Lehnsherrn erhalten, dem er sich noch verpflichtet fühlen müsste. Es irritiert ihn, wie selbstverständlich dieses sichtlich unerfahrene Mädchen davon ausgeht, er sei zum Schutz des Dorfes hier. Denn da ist niemand mehr, der ihm das gebieten könnte, weil Tsuyoshi ihm Treue geschworen hätte und dafür eine jährliche Besoldung erhielte.

Nachdenklich marschiert er ihr nach, an verschiedenen Stellen seinen Weg durch das Unterholz mit Muskelkraft bahnend, wo das Mädchen mit seinem zierlichen Körper hindurchgeschlüpft ist. Als man endlich, geraume Zeit später, am Rand einer Lichtung hält, geht er neben ihr auf ein Knie, sieht sich schweigend um und legt den Bogen neben sich ab. Darauf beginnt er mit bedächtigem Bewegungen die weiten Ärmel seines Kimono aufzurollen und mit einer schmalen Schnur festzubinden, damit sie ihn beim Schießen nicht behindern. Danach nimmt er die Waffe wieder zur Hand, legt einen Pfeil auf die ungespannte Sehne und steckt drei weitere griffbereit in den weichen Waldboden vor sich. Er ist kein sehr erfahrener Jäger, beschließt aber, sich an der Tempeldienerin zu orientieren und still abzuwarten.

Miko Yumi

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« Antwort #17 am: 14.10.2017, 07:02:33 »
Es vergeht einige Zeit für beide Jäger, in der sie auf etwas Geeignetes als Beute warten. Während um sie herum die Sonne ihre Kraft entfaltet, Insekten umherschwirren, Vögel ihre Lieder trällern und Kleingetier im Unterholz raschelt, könnte man die angespannte Situation fast vergessen. Yumi bleibt so still und ihre weite Kleidung verdeckt ihre gelegentlichen Gewichtsverlagerungen fast vollständig, so dass man meinen könnte, sie wäre eine Statue. Einzig das Blinzeln und die Bewegungen ihres Haares im Wind verraten ihre normale Natur. Schließlich wendet sie ihren Kopf doch ein wenig, um dem Ronin ein warmes Lächeln aus dem Augenwinkel zu schenken, bevor sie erneut errötet und weider nach vorne starrt. Ihre Konzentration aber scheint gebrochen, um ihren Atem geräuschlos zu halten, muss sie ihre Lippen ein wenig voneinander lösen.

Dann schrecken knackende Äste beide auf. Fast gegenüber von ihrer Position kommt etwas Massives aus dem Wald. Durch die Deckung der Büsche und des Grases dauert es einige Augenblicke, bis erkennbar wird, worum es sich handelt: ein kapitaler Eber schnüffelt und tastet sich vorsichtig voran auf die freie Fläche. Die junge Miko macht eine abhaltende Bewegung und beobachtet das Tier, wie es immer weiter heraus kommt. Schließlich wird klar, dass kein weiteres Tier mehr kommt und das Wildschwein auch etwas gefunden hat, es beginnt, den Boden aufzuwühlen. Yumi nimmt ihre Hand zurück und faltet ihre zum Gebet. Weitere Sekunden verinnen, bevor sie ihren Blick wieder hebt und dem jungen Krieger zunickt. Sie strahlt Zuversicht, aber auch hohe Konzentration aus. Was auch immer sie zuletzt erröten ließ, es ist in den Hintergrund gedrängt.

Tsuyoshi

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[Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand
« Antwort #18 am: 14.10.2017, 11:57:58 »
Während sie unbeweglich und stumm auf die Bewegung eines Wildes warten, wirft der Ronin gelegentlich einen Blick zur Seite. Ein oder zwei Male begegnet er dabei den scheuen Blicken der Schreindienerin, die sich jedes Mal errötend abwendet. Tsuyoshis Gedanken wandern zurück zu dem Schrein, dem Dorf, in dem das Mädchen offenbar so viel an mildtätigen Gesten leistet, wie es ihm möglich ist. Eine Art der Pflichterfüllung, die der eines Samurai nicht unähnlich ist, auch wenn das Schicksal sie weder zum Mann gemacht noch ihr eine Klinge in die Hand gegeben hat. Sein Gesichtsausdruck wird verschlossen, als er vor sich hin starrt und sich vorstellt, was die Banditen mit den Kindern, den Alten und vor allem den Frauen im Dorf anstellen werden, sowie sie darüber herfallen.

Die Miko in ihrer Vertrauensseligkeit wird zu den ersten Opfern der ehrlosen Räuber zählen. Während die Linke des jungen Ronin den Bogen hält, leicht auf sein Knie gestützt, fährt die Rechte zum Griff seines Katana. Was ist das für eine Welt, in der es junge Mädchen gibt, die auf den Schutz der Kami vertrauen – und Männer, die zu viel vom Krieg gesehen haben, als dass sie nicht wüssten, wie sehr dieses Vertrauen enttäuscht werden muss? Denn von wo sollte die Hilfe kommen, mit der die Geister auf die Gebete des Mädchens antworten..? Muss er Yumi nicht packen, anschreien, ihr mit Gewalt klarmachen, wie töricht sie ist – um wenigstens sie zu schützen?!

Erst der Anblick des Ebers reißt den jungen Mann aus seinen düsteren Gedanken. Keine Beute, deren Fleisch sich besonders durch Essbarkeit auszeichnet, aber dafür ein ausgesucht gefährliches Tier: Fast wie ein Omen für das, was das Dorf erwartet... Mühsam beherrscht er sich, sieht, wie seine Begleiterin betet. Wahrscheinlich ein Dank an die Geister, die sie so bald enttäuschen und ihren Glauben erschüttern werden... Mit ausdruckslosem Gesicht erwidert er ihr Nicken. Dann nimmt er den Bogen hoch, schätzt die Entfernung zu dem Eber ab und fühlt, wie der Wille in ihm erwacht, das Tier zu töten, stellvertretend. Ruhig spannt Es die Sehne, wartet, bis er siebenmal langsam ein- und ausgeatmet hat und lässt den Pfeil dann fliegen.

Miko Yumi

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[Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand
« Antwort #19 am: 24.10.2017, 22:26:17 »
Yumis Augen sind fixiert auf das Tier. Es hat seine Jäger nicht bemerkt und wird von dem ersten Pfeil gut getroffen. Er schlägt direkt hinter dem Ohr in den Nacken des Tieres - über die kurze Entfernung mit einer Wucht, die das zentnerschwere Tier taumeln lässt. Zunächst quiekt es überrascht, dann kommt es wieder hoch und grunzt wutentbrannt. Dann ist es still. Nicht nur die Vögel sind verstummt, auch der Wind scheint den Atem anzuhalten. Einzig das schnüffeln des Wildschweins ist zu hören - ungeduldig, geladen mit Energie.

Ein leises Sirren ertönt, dann schlägt der nächste Pfeil ein. Diesmal etwas tiefer, aber leider auch weiter vorne - die Wange. Wieder taumelt das Tier, diesmal aber ruckt nur der große Schädel herum, nur um sofort wieder zurück zu drehen. Noch immer erkennt das Tier nicht, wer es angreift, doch der Kopf fährt hin und her und die Hufe scharren im Dreck. Der dritte Pfeil schließlich erwischt nur noch die Flanke. Und mit diesem Treffer stampft das wütende Tier so kräftig auf, das der Staub eine Wolke bildet - eine, die sich den beiden nähert, immer schneller.

"Hals, erschöpfen, ausbluten...", keucht die junge Miko wie geistesabwesend und schweißgebadet. Für den vierten Pfeil bekommt der Krieger keine gute Sicht. Wie erstarrt verharren beide, auf das drohende Unheil starrend. Dann zuckt der Kopf des Mädchens herum, sie erkennt die Lage: Das verletze Tier kommt ihnen gefährlich nahe. Sie schließt die Augen, dann nimmt ihr Gesicht Entschlossenheit an. Sie schreit, springt auf und rennt los - schräg auf das Tier zu. Dieses ist verwirrt und verlangsamt, so legt und lichtet sich der Staub etwas. Sie springt dem Wildschwein aus dem Angriffsweg, stürzt, rollt sich herum, springt wieder auf und rennt weiter. Es bremst, kann sich nur mühevoll auf den Beinen halten, dreht sich und setzt zur Verfolgung an. Eine weitere Gelegenheit für einen Schuss ergibt sich, während Yumi auf schwache, niedrige Bäume zuhält, offensichtlich, um sich über diese auf höhere, stärkere zu schwingen.

Tsuyoshi

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[Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand
« Antwort #20 am: 26.10.2017, 13:46:25 »
Der Ronin macht nicht den Fehler, auf die Wirkung seiner Schüsse zu achten. In der Schlacht hat er genug Bogenschützen sterben sehen, weil sie sich vom Erfolg ihrer Attacken überzeugen wollten, statt dieselbe Zeit zu einem weiteren Schuss zu nutzen. Er zieht einen Pfeil nach dem anderen aus dem Boden, visiert das massige Tier an und lässt die Geschosse von der Sehne schwirren. Doch ein Wildschwein ist zäh. Es besitzt massive Muskeln und eine brutale Kraft. Wie es nicht anders kommen konnte, walzt der Koloss vorerst ungebremst den beiden Menschen entgegen, als seien die Pfeile nur Nadelstiche. Tsuyoshi jagt ihm dennoch alle entgegen, für die ihm noch genug Zeit bleibt. Dann will er aufspringen, um nach seinem Katana zu greifen. Wenn er dem Tier ausweichen kann, erhält er die Gelegenheit zu einem Hieb mit der messerscharfen Klinge, die gegen Materialien wie Metall und den lackierten Bambus von Rüstungen nicht übermäßig geeignet ist, aber selbst durch dicke Muskeln und Fettschichten schneidet wie durch bloßen Stoff.

Es gilt nur, nicht nervös zu werden – denn wenn er das Ziel verfehlt, wird das Wildschwein erst ihn und dann die junge Miko überrennen, ihnen alle Knochen im Leib brechen und sie töten. Noch ehe er sein Vorhaben zur Ausführung bringen kann, springt das Mädchen neben ihm aber auf und läuft auf das rasende Wildschwein zu. "Halt, bleibt zurück!" brüllt er ihr hinterher. "Ihr lauft in Euren Tod!" Fassungslos sieht er, wie sie an dem kurzzeitig verwirrten Tier vorbeitaumelt und weiterläuft. Dann wirft sich das Wildschwein herum und hetzt ihr nach. Der junge Samurai stößt einen leisen Fluch aus. Das Mädchen und sein Verfolger haben zuviel Vorsprung, als dass er mit der Klinge attackieren könnte, ehe das Tier sein neues Ziel erreicht hat. Denn dass sie einem dahinstürmenden Wildschwein nicht davonlaufen kann, ist ihm auch klar. Es bleibt also nicht anderes übrig, als ein weiteres Mal mit dem Bogen anzugreifen.

Er zieht den letzten der bereitgestellten Pfeile aus dem Boden, legt ihn auf die Sehne und zielt sehr sorgfältig. Doch solange ihm das Schwein nur die schmale Rückseite bietet, ist das Ziel zu unsicher, und ein Treffer in die Hinterläufe würde es auch nicht sofort langsamer machen. Da plötzlich, als hätten die Kami seine stummen Gebete erhört und das Mädchen gelenkt, bricht sie zur Seite aus und schlägt einen Haken. Das Wildschwein lässt sich nicht abschütteln und wirft seinen massigen Körper – mit dem vielfachen Gewicht der Miko – ebenfalls in vollem Lauf herum. Doch nun bietet es Tsuyoshi die Flanke. Er zögert nicht mehr lange, schickt den nächsten Pfeil auf die Reise und sieht ihn Momente später seitlich zwischen Kopf und Schulter einschlagen. Das Tier bremst ab und steht wie vom Donner gerührt.

Dann wendet es sich langsam dem Ronin zu, der nun mangels Pfeilen seine Waffe zieht, sie mit beiden Händen fest packt und aufsteht. Um es auf sich zu lenken, schreit er das Wildschwein laut an und geht in Stellung, um den unvermeidlichen Angriff abzuwarten. Das verletzte Schwein senkt den Kopf, gibt ein blubberndes Grunzen von sich, bei dem das Blut aus seinen Wunden heraussprudelt, und nimmt Anlauf. Tsuyoshi steht der Schweiß auf der Stirn, als der Koloss näher kommt und der Boden zu donnern scheint. Doch auf halbem Weg beginnt sein Lauf merklich an Schwung zu verlieren. Wenige Meter vor dem Samurai bleibt es mit zitternden Flanken stehen und bricht schließlich nach einem kraftlosen, klagenden Quieken langsam zusammen. Noch völlig verkrampft, starrt Tsuyoshi auf das tote Tier. Dann besinnt er sich und ruft: "Yumi, seid Ihr verletzt?"

Miko Yumi

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« Antwort #21 am: 03.11.2017, 06:43:20 »
Sehr konzentriert und aufs Äußerste gespannt rennt die junge Miko um ihr Leben. Als sie merkt, wie weit es noch bis zu den Büschen und Bäumen ist, beginnt sie, Haken zu schlagen. Als es hinter ihr stiller wird, wagt sie es erst nach mehreren weiteren Schritten, nachzuschauen. Sie verlangsamt, dreht ihren Kopf und erkennt, dass sich das Tier auf den Schützen zuwendet. Atemlosigkeit vom Rennen und Sorge um den jungen Mann schnüren ihr zunächst die Kehle zu und ihr "NEIN!" kommt mehr einem Krächzen gleich. Bis sie sich gefangen hat, ist das wunde Wildschwein schon im vollen Lauf und lässt sich von ihren Rufen nicht mehr ablenken. Yumi rennt hinterher und fleht innerlich die Kami um Hilfe an, als das Tier tatsächlich zusammenbricht.

Die junge Frau stolpert vorwärts und hockt schließlich. Sie versucht, zu Atem zu kommen, schließt die Augen und richtet ein Dankesgebet an die Geister. Seine Frage bleibt für ein paar Augenblicke unbeantwortet, denn sie richtet sich wieder auf und tritt auf ihn (und die Jagdbeute) zu. Dabei gerät sie ins Straucheln und fällt Tsuyoshi quasi in den Arm. Kurz ist ihr die Luft weggeblieben, als sich beim Auftreten ein Schmerz in ihrem Knöchel bemerkbar macht. Dann wird sie der Situation gewahr und springt quasi auf, nur um erneut zusammenzuzucken dank des Schmerzes durch die Belastung. Errötend und seinem Blick ausweichend beteuert sie: "Nein, garnicht! Das - es wird nur eine Verstauchung sein!" Ihr Blick füllt sich mit Bewunderung: "Ihr habt es geschafft! Das war großartig! Kein einziger Fehlschuss und vollkommene Ruhe! Ihr Samurai seid bewundernswert!"

Und so geht es eine Weile, wobei ihre Beschreibung, dass Wildschweine normalerweise bis zur Erschöpfung gehetzt werden, bevor der Todesschuss gesetzt wird, verrät, dass die Dorfbewohnerinnen unter ihrer Anleitung wohl schon mal ein solches Tier erlegt haben. Der Rückweg wird beschwerlich, denn sie kann dank ihres anschwellenden Knöchels nur leichte Dinge wie den Bogen und Köcher tragen, dem jungen Mann bleibt es, das Tier mitzuschleifen. Beim Teich nahe des Schreines kann er sich endlich Waschen, während sie ihren Knöchel kühlt. Dabei gibt es unächst eine Ruhe und Stille voller schwirender Sonnenhitze und Insekten zu genießen. Schließlich macht sich die junge Miko aus mitgebrachten Kräutern und einem Tuch einen kühlenden Verband (bei hochgezogenem Hosenbein) und bietet an, dass sie sich um das Ausnehmen des Tieres kümmern würde.

Tsuyoshi

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[Szene 5] Ein ruhiges Auge und eine sichere Hand
« Antwort #22 am: 04.11.2017, 11:03:59 »
Dass die Miko plötzlich gegen ihn fällt und er sie quasi auffangen muss, macht den Ronin recht verlegen. Um davon abzulenken, erkundigt er sich: "Also nur eine Verstauchung? Ich schlage vor, dass Ihr das von einer Heilkundigen im Dorf untersuchen lasst." Als sie wieder auf eigenen Beinen steht, gibt er vor, sich mit dem Reinigen der blutbesudelten Klinge zu beschäftigen, um bei dem überschwänglichen Lob des Mädchens nicht noch verlegener zu werden. Scheinbar zurückhaltend erklärt er: "Das war nur meine Pflicht gegenüber Lehrmeister und Leh..." Kurz räuspert er sich und fährt fort: "Gegenüber meinem Lehrmeister. Ein Samurai darf keine Furcht vor einem ehrenvollen Tod im Kampf empfinden." Endlich aber ist das Katana mehrfach gereinigt, die Klinge blitzt wieder, und ihm bleibt nichts anders übrig, als die Waffe zu verstauen und sich Yumi wieder zu widmen.

Auf dem Rückweg sucht er sich trotz seiner schweren Last vorn zu halten, um ihren Blicken auszuweichen. Dafür trägt er klaglos die Beute durch die sommerliche Hitze, während ihm der Schweiß in Strömen herab rinnt. Am Schrein angelangt, wäscht er sich kurz, ehe er der Miko den Teich überlässt. Während sie ihre Wunden verbindet, wendet er sich taktvoll ab. Als sie jedoch ihre Dienste beim Zerlegen der Beute anbietet, zögert er kurz. Dann meint er langsam: "Ihr habt Euer Leben durch Euer Verhalten in große Gefahr gebracht." Tsuyoshis Gesicht wird ernst, und für einen Moment mag es für sie so abweisend aussehen, dass sie mit einer Strafpredigt rechnet. Doch endlich verbeugt sich der Ronin leicht – wie vor einem Samurai niedrigeren Ranges – und fügt feierlich hinzu: "Damit habt Ihr Mut und Entschlossenheit gezeigt, die weit über Euer Alter und Euer Geschlecht hinausgehen. Ich, Ishida Tsuyoshi, der dem Herrn Toda Masahide Treue geschworen hat, erkläre dies am 14. Tag des 8. Monats im Jahr Genki 3."

Tsuyoshi

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« Antwort #23 am: 04.11.2017, 11:04:28 »
~ Ende der Szene ~