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Autor Thema: Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten  (Gelesen 25767 mal)

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Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« am: 31.10.2017, 17:26:19 »
Es fühlte sich an wie Tage, seit die bunt gemischte Gruppe die Salzmarschenfestung betreten hatte, doch in Wirklichkeit war immer noch der gleiche Tag, auch wenn es bereits spät geworden war. Es kam ihnen seltsam vor, dass so viel an einem einzigen Tag geschehen konnte. Waren sie am morgen noch ausgezogen, um wider jede Wahrscheinlichkeit ein Heilmittel für ihre Freundin Ameiko Kaijitsu zu finden, Besitzerin der Taverne zum Rostigen Drachen zuhause in Sandspitze, die auf mysteriöse Art und Weise das Bewusstsein verloren hatte, kehrten sie nun zurück zur Erbin der kaiserlichen Familie Minkais.

Denn genau das, so hatten sie herausgefunden, war Ameiko: Die Erbin der Amatetsu-Familie, der letzten verbliebenen der fünf Herrscherfamilien des entfernten Landes. Auf dem Weg zu dieser Enthüllung hatten sie üble Monster bekämpft, etliche Rätsel gelöst und schließlich einen verrückten selbsternannten Burgherren zur Strecke gebracht - und was noch viel wichtiger war: Sie hatten den Fluch, oder was immer es gewesen war, der Ameiko befallen hatte, von ihr genommen. Denn als sie voller Fragen zurück ins Lager kamen, war ihre Freundin bereits erwacht.

"Wir müssen aufbrechen ... nach Minkai." war das erste, was sie nach ihrer Rückkehr von einer entschlossen wirkenden Ameiko zu hören bekamen, noch ehe sie ihre Freundin mit Fragen bestürmten, und der eine oder andere ihr sogar voller Erleichterung um den Hals fiel. Erst dann schien auch Ameiko wirklich aufzugehen, wem sie ihre Genesung zu verdanken hatte.
"Entschuldigt, meine Freunde! Ich wollte nicht unhöflich sein, denn ich bin euch zu großem Dank verpflichtet. Einen Teil dessen, was geschehen ist, habe ich in einer Vision gesehen, und den Rest möchte ich gerne von euch hören. Auch ihr werdet sicher viele Fragen haben, und ich werde versuchen, sie euch zu beantworten. Aber ich fühle mich noch etwas schwach, denn ich bin gerade erst wieder aufgewacht, und brauche dringend etwas zu essen, sonst breche ich gleich wieder zusammen. Also gebt mir ein wenig Zeit; und nachher werden wir unsere Geschichten austauschen, wenn wir gemütlich um unser Lagerfeuer sitzen."

Auch die sechs Helden der Salzmarschenfestung bemerkten nun, als die Anspannung von ihnen abgefallen war, welche Strapazen sie erlitten hatten, und waren ebenfalls froh, sich ein wenig ausruhen zu können, während ein deftiger Eintopf über dem Feuer garte. Nur Cliff, der sich körperlich offenbar nur wenig angestrengt hatte, stand bereits am Feuer und "half" bei der Zubereitung, indem er immer wieder kostete, so dass Zuschauer sich durchaus fragen mochten, wie eine solche Essensmenge in dem kleinen Körper des Halblings überhaupt Platz fanden.
Der Rest der Gruppe, die in der Festung waren, hatte auch noch eine andere Sache zu tun: Außer Cliff, der mit seiner Krone, die er bereits bekommen hatte, vollauf zufrieden war, und Schrogrim, der ebenfalls keine Ansprüche erhob, hatten die anderen nun die Gelegenheit, die Beute, die sich in den beiden Truhen befunden hatte, aufzuteilen.

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #1 am: 01.11.2017, 16:51:16 »
Mugin atmete erleichtert durch. Die Anspannung über Ameikos Zustand war zwar im Stress der Kämpfe und Rätsel etwas untergegangen, aber nun da er Zeit hatte sich zu beruhigen merke er erst wie erschöpft er war. "Solange es dir besser geht ist ja alles erstmal gut. Ich brauche auch dringend was zu futtern. Ich glaube den letzten Bissen hatte ich heute morgen." Auf dem Weg zum Feuer amchte er noch bei den Schatztuhen halt und half dabei die Gegenstände zu identifizieren. Die beiden Stäbe waren wie auf ihn zugeschnitten und niemand hatte etwas dagegen das er sie sich einsteckte. Auf den Rest erhob er keinen Anspruch.

Beim Kochfeuer angekommen, gesellte sich sein Eidolon zu ihm. Es legte sich so hin das der Gnom sich an dessen Flanke lehnen und so bequem sitzen und mit ihr reden konnte. "Minkai," sinierte er und rieb sich am Kinn. "Als wir in Sandfleck losgefahren sind, hatten wir ja alle gedacht die Reise wäre hier zu Ende.  Ich hatte ja schon darüber nachgedacht nach danach meine Familie mal wieder zu besuchen. Aber Minkai, hm. Das wäre sicherlich ein längeres Abenteuer." So wartete er darauf, dass das Essen fertig wurde und tauschte sich ein wenig mit seinem Eidolon aus. Ganz sicher über den weiteren Verlauf und die neuen Umstände von Ameiko war er sich nicht.

Der Gnom war kurz vor dem Einnicken gewesen als endlich das Essen fertig war. Er freute sich schon auf ein deftiges Stück Fleisch und vielleicht gab es ja auch noch Bier. Er hatte seine Gedanke ein wenig ordnen können und so fragte er Ameiko als alle zusammengekommen waren: "Du hattest von deiner Abstammung nichts gewusst oder? Ich wäre dir schon ziemlich böse wenn du mir das verheimlicht hättest. Und was hat es mit dieser Vison auf sich? Kaiserin von Minkai, oh man."
« Letzte Änderung: 03.11.2017, 22:31:13 von Mugin Sanderbarrel »

Gorog

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #2 am: 03.11.2017, 23:10:33 »
Gorog war kein Freund von überschwänglicher Emotion, doch freute er sich selbstverständlich, dass es Ameiko offensichtlich wieder gut ging. Der Zustand in dem sie heute morgen war, war mehr als bedenklich und da es nun tatsächlich einen Zusammenhang mit ihren Vorfahren und ihrer Herkunft gab, konnte sie froh sein, den Fluch, der über ihr lag, wieder los zu sein. Der Halb-Ork blickte etwas entfernt gedankenversunken für eine Weile in ihre Richtung, ehe er sich abwandt, aufraffte und dabei half das Essen zu zubereiten. Dabei grunzte er einen der Köche grimmig an, als er das Beste von einem der erlegten Wildschweine schneiden wollte, die Hufe. Immer ließ war dort die Haut am dünnsten und würde richtig gewürzt schön knusprig werden. 'Amateure, nicht einmal richtig ausnehmen können sie das Tier!' dachte er bei sich und versuchte so viel Arbeit wie möglich zum Ärgernis der Anderen selbst zu machen.

Als das Mahl über dem Feuer die richtige Temperatur erreicht hatte, lehnte er sich mit einer gefüllten Schüssel gemütlich an einen Stein in der Nähe der Anderen. "Schön, dass es dir wieder gut geht." brummelte er schließlich die ersten Worte seit ihrer Rückkehr in Richtung Ameiko, fügte jedoch gleich noch ein paar Fragen hinzu, um die merkwürdige Stille zu überbrücken. "Aber Mugin hat schon Recht. Es war ja auch kein Zufall, dass ihr ausgerechnet jetzt hier aufgekreuzt seid, richtig? Ihr seid eine Art Nachfahrin eines alten Adelshauses? Warum müssen wir nach Minkai, was hat es mit dieser Vision auf sich? Wir brauchen ein paar Antworten."
« Letzte Änderung: 03.11.2017, 23:26:08 von Gorog »

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #3 am: 05.11.2017, 23:49:45 »
Trotz ihrer Ankündigung schien Ameiko nur wenig Ruhe zu benötigen - oder aber die Aufregung hielt sie auf Trab. Jedenfalls trat sie bereits nach kürzester Zeit wieder voller Geschäftigkeit aus ihrem Zelt, huschte im Lager hierhin und dorthin, wechselte hier ein paar kurze Worte mit Sandru und flüsterte dort energisch auf Schrogrim ein. Zwischendurch verschwand sie immer wieder kurz in ihrem Zelt; doch alle, die sie beobachteten, versuchten vergeblich, eine Reaktion zu erhaschen, die ihnen weiteren Aufschluss geben könnte über das, was heute geschehen war.

Schließlich wurde zum Essen gerufen und die gesamte Karawane versammelte sich in der Nähe des Lagerfeuers, um sich die Bäuche mit Wildschwein vollzuschlagen, das extra zur Feier von Ameikos Erwachen aufgetischt wurde. In der Zwischenzeit hatten diejenigen, die in der Feste waren, auch Zeit gefunden, um sich über die Verteilung der gefundenen Schätze einig zu werden, und nachdem alle ihren ersten Hunger gestillt hatten, versammelten sich nach und nach alle Blicke auf der jungen Frau, die scheinbar die letzte Erbin eines Kaiserreiches sein sollte.

Ameiko ließ sich zunächst nicht anmerken, dass sie Notiz davon nehmen würde, dass alle Augen sie anstarrten, und aß vielleicht etwas zu genussvoll zu Ende. Letztlich jedoch legte sie das Essgeschirr beiseite und ließ ihren Blick über die Versammelten gleiten, wobei sie jede Person kurz fixierte.
"Ihr habt einige Fragen gestellt und habt wahrscheinlich noch einige weitere, und ich will versuchen, sie so weit zu beantworten, wie ich in der Lage bin. Aber ..." fuhr sie fort, und bei ihren nächsten Worten machte sich leise Enttäuschung breit. "viel mehr als ihr weiß ich selbst nicht.

Nach dem, was ich gehört habe, hatten wir die gleiche Vision. Zunächst muss ich euch sagen, dass nichts davon mir bekannt war. Mein Vater hat mir niemals etwas davon erzählt, dass unser eigentlicher Name nicht Kaijitsu gewesen sein soll, und wenn er etwas von irgendwelchem kaiserlichen Blut gewusst hat, hat er es mit keiner Silbe erwähnt. Ihr seht also, ich bin vermutlich ebenso neugierig, nein, sicherlich noch neugieriger als ihr, was es damit auf sich hat. Und daher habe ich beschlossen, nach Minkai zu reisen.

Ich habe bereits mit Sandru gesprochen, und er hat sich freundlicherweise bereiterklärt, mich mit seiner Karawane zumindest auf dem ersten Teil der Reise zu begleiten."


Sandru musste bei diesen Worten grinsen und unterbrach seine Freundin: "Bereiterklärt? Keine zehn Pferde würden mich davon abhalten, mit dir zu kommen. Dazu ist die Geschichte einfach zu fabelhaft. Und außerdem: Die Kaiserin von Minkai persönlich zu kennen, kann sicherlich nicht schlecht für's Geschäft sein."

Ameiko musterte Sandru kurz mit hochgezogenen Brauen, bevor sie fortfuhr: "Nun. Ich habe Schrogrim gebeten, eine Nachricht an meine Geschäfte in Sandspitze zu überbringen. Schließlich werden ich wohl eine Weile länger fort sein als geplant. Er wollte zwar ebenfalls mitkommen, aber ich brauche einen pflichtbewussten Mann, dem ich in dieser Sache voll vertrauen kann, und da gibt es keinen Besseren."
Schrogrim, nie ein Zwerg großer Worte, nickte nur und verneigte sich leicht, ließ ansonsten aber mit keiner Regung erkennen, ob er enttäuscht oder erleichtert war.

"Wie gesagt, ich weiß genauso viel wie ihr, und deshalb ist es wichtig, mehr Informationen zu sammeln. Ihr habt die gleiche Vision gehabt, ihr habt Suishen auch gesehen. Dieses Schwert ist der Schlüssel zu dem Wissen über meine Familie, dieses Schwert muss ich finden. Und dazu muss ich nach Kalsgard reisen!"
Nun sprach sie direkt ihre Freunde an, die in der Burg nach Hilfe für sie gesucht hatten.
"Ihr seid kein fester Bestandteil von Sandrus Karawane, und ich kann euch nichts befehlen. Aber ich würde euch bitten, mit uns zu kommen. Ich kann eure Hilfe gut gebrauchen, und noch dazu spüre ich, dass uns durch unsere Vision etwas verbindet. Das Siegel hat euch ausgewählt als Hüter des Hauses Amatetsu, und daher frage ich euch: Wollt ihr mich begleiten?"

Einen Moment herrschte Stille, die nur vom Knistern des Feuers gestört wurde, dann ergriff der Barde als erstes das Wort: "Was ist denn das für eine Frage? Natürlich komme ich mit. Wer soll sonst das Lied deiner Heldentaten verbreiten? Diese Geschichte ist einmalig in Generationen, und ich werde mitten drin sein - sie wird mich berühmt machen!"
Mit einem verträumten Blick scheint Cliff vor seinem inneren Auge bereits die ihm zujubelnden Massen zu sehen, während Ameikos Blick auf die anderen schwenkt.
« Letzte Änderung: 06.11.2017, 09:21:31 von Mondragor »

Gorog

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #4 am: 06.11.2017, 19:58:59 »
Gorog hatte sich eine komplette Keule des über dem Feuer brutzelnden Tieres gesichert und bis herzhaft schmatzend in heiße Fleisch. Das war sicherlich das Beste des ganzen Tages. Auch wenn er recht abgelenkt aussah, hörte er Ameikos Worten doch aufmerksam zu. Bei Sandru's gut gemeintem Zwischenruf jedoch wurde er aufmerksam. "Schle...mampf...scht für...sch Gesch...mampf...äft si..*rülps* si...scherlich...mampf...nicht," die Worte durch den vollen Mund pressend schaffte er nur den einen Satz, ehe er lautstark hinunterschluckte und zur Krönung tief rülpste, ehe er diesmal verständlicher fortfuhr. "Doch vielleicht schlecht für euer Leben. Ihr wisst in welche Gefahren ihr euch mit euren Worten stürzt, immerhin war dies nicht umsonst ein gut geschütztes Geheimnis, welches offenbar niemals gelüftet werden sollte." Grummelnd trank er in großen Schlücken den Tischmanieren zum Trotz wie eine Kuh aus einer Traufe.

Erleichtert, als auch die letzten Essensreste zwischen seinen Zähnen den Weg in seinen Magen gefunden hatten, wandte er sich daraufhin zu Ameiko. "Heute morgen war wie jeder Morgen, seit vielen Tagen. Ruhig, fernab von dem Trubel den eures Gleichen immer wieder verursacht. Nicht in meinen tiefsten Träumen hätte ich erwartet, dass dieser Tag so enden würde. Wir kannten uns nie gut, Ameiko, doch ihr wart damals immer gut zu mir, habt genauer hingesehen und mich nie wie die meisten Anderen eurer Sippe behandelt. Als ich heute morgen entschied mit diesen Männern zu gehen, war es einzig und allein euretwegen. Ich glaube nicht, dass ich euch nach dem heutigen Tag noch etwas schulde, doch ich weiß dass ihr dies auch nie von mir erwartet hättet. Es gibt nur wenige von denen ich das Gleiche behaupten könnte, deshalb werde ich euch auch weiterhin folgen. Gute Menschen sind schwer zu finden."

So ernst und ehrlich seine letzten Worte waren, umso flapsiger und schelmisch waren die folgenden, etwas leiser und mit abermals halb-vollem Mund gesprochenen. "Natürlich habt auch ihr eure Fehler," er grinste kurz hinüber zu Cliff, "immerhin habt ihr mir dieses kleine Plappermaul vorgestellt." etwas unwirsch hob er den Halbling beiläufig am Schlafittchen nach oben und schwenkte ihn hin und her, als wäre er nichts weiter als eine Kinderpuppe. "Er hängt mir schon seit den frühen Morgenstunden mit seinen Geschichten in den Ohren!" dann ließ er ihn wieder hinunter und grinste breit in seine Richtung.

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #5 am: 07.11.2017, 08:39:11 »
Ameiko sah den Halbork verwundert an, während Cliff zappelnd und plärrend an seiner Pranke hing. Ihre Reaktion machte auch klar, was sie so erstaunte: "Äh ... Gorog, wie lange kennen wir uns? Nur weil mein Urur-wasweißich-Vater irgendeiner besonderen Familie entstammt, bin ich immer noch die alte Ameiko. Du brauchst deshalb nicht mit irgendeinem 'ihr wart dies' und 'ihr habt das' Unsinn anzufangen. Und das gilt für euch alle! Also bitte sagt weiter 'du' zu mir, und den Namen Amatetsu vergesst am besten auch für's erste. Etwas sagt mir, dass es nicht ungefährlich sein könnte, offen damit herumzulaufen."
« Letzte Änderung: 07.11.2017, 08:40:32 von Mondragor »

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #6 am: 07.11.2017, 16:22:58 »
Mugin stillte seinen Hunger während Ameiko sprach und selbst das Eidolon nam ein paar Fleischstücke von ihm dankend an. Sie brauchte eigendlich nichts zu essen, aber der Geschmack erfreute sie. Er ließ Gorog ausprechen, auch wenn die Manieren des Halborks schwer zu ertragen waren und wandte sich dann an Ameiko: "Meine Antwort kannst du dir ja sicher denken. Ich werde doch nicht meine beste Feundin einfach so im stich lassen, vor allem da du dich ja quasi kopfsüber in Gefahr schmeißen wirst. Ich..." er zögerte kurz und ein Blick vom Eidolon verriet das sie wohl mit ihm sprach "...ich meine natürlich wir" er nickte dem Eidolon zu "werden dich auf jeden Fall begleiten. Und stell dir erstmal vor wie blöd meine Eltern, nein meine ganze Familie, aus der Wäsche blicken werden wenn ich als Kaiserlicher Meisterbeschwörer von Minkai nach Hause komme. Sie wollten ja immer das ich ein Magier werde, pah." Er lachte kurz, ließ dann aber den Rest ihre Antwort geben.

Gorog

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #7 am: 08.11.2017, 10:06:06 »
"Nun für mich siehst du doch wie ein Magiewirker aus, Mugin. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der solch eine Kreatur beschwören kann." Mit den interessierten Augen eines Wissenschaftlers beäugt er Mugins Eidolon. "Sag mal, aus welcher Ebene stammst du?"

Nach einer Antwort sieht Gorog zu Ameiko hinüber. Er verzeiht die gelben Hauer zu einem kurzen Grinsen, Ameiko hatte sich nicht verändert in den Jahren seiner Abwesenheit. Dann überlegte er laut. "Ja, Kalsgard, natürlich war ich noch nie dort, und doch weiß ich so wie du, dass dies unser Ziel ist. Schon merkwürdig, wie klar und deutlich eine Vision etwas sonst so Unbekanntes darstellen kann. Erzählt mir mehr über diese Stadt, wart ihr schon einmal dort?"
« Letzte Änderung: 08.11.2017, 10:10:27 von Gorog »

Shuo

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #8 am: 09.11.2017, 11:23:09 »
Shuo hatte seit Beginn des Tages viel mit seinen Kameraden erlebt. Sie hatten gegen seltsame Vogelwesen gekämpft, einen Oger ausgetrickst um eine Gefangene zu befreien und waren letztlich tief im Gewölbe auf eine geheime Kammer gestoßen, die das Rätsel um Ameikos Gesundheit aufklären konnte. Dass sie nun wieder munter und tatenfroh vor ihm saß, war ihm eine große Freude.

"Freut mich dich wieder gesund zu sehn Ameiko. Und natürlich komm ich mit dir mit. Denkste ich lass dich mit denen hier allein? Im Leben nich. Bin schon ziemlich gespannt, was im kaltn Nordn so alles passiert. Mein Bogen hab ich jedenfalls dabei für dich und auch für die anderen hier. Außerdem braucht ihr nen guten Aufpasser, dem nich immer alles entgeht."

Mit den letzten Worten sah er zu Garridan. Auch wenn Shuo nicht gezwinkert hatte, wusste der Spurenleser wie der Seitenhieb gemeint war, da sie sich nun schon eine ganze Weile kannten. Jeder Fremde hätte diese Aussage sicher als eine Kränkung durch den jungen Burschen aus Minkai angesehen.

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #9 am: 09.11.2017, 14:56:22 »
"Nun zwischen Magier, Hexer, Beschwörer und all den anderen Spezialisierungen beim Zaubern gibt es große Unterschiede, Gorog. Wenn ihr wollt könnte ich sie euch beibringen, aber das könnte wohl etwas dauern. Aber ich versichere dir das Magier und Beschwörer etwas total Unterschiedliches sind," stellte Mugin klar. Danach widmete er sich wieder dem Essen und hörte den Anderen um Ameiko zu.

Das Eidolon wandte sich dem Halbork zu, auch wenn sie sich unter dessen fokusierten Blick ein wenig unwohl fühlte. "Ich könnte euch jetzt einen Namen nennen, aber dieser würde euch nicht viel helfen. Zudem steht es mir nicht zu ihn euch zu verraten. Namen haben Macht, auch wenn die meisten der Bewohner dieser Ebene das anders sehen. Mein Wissen über die Ebenen allgemein habe ich von Mugin und danach ist es wohl eine wenig bekannte Demiebene. Die meisten meiner Art sind dort recht zufrieden, aber manche, so wie ich, lassen sich auf andere Ebenen beschwören."

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #10 am: 11.11.2017, 13:45:19 »
Ameiko war sichtlich erfreut darüber, dass niemand ihre Bitte abgelehnt hatte, und so schienen ihre Bewegungen eine gewisse Leichtigkeit zu haben, als sie sich an die Vorbereitungen für die nächste Etappe der Reise begab.
"Tja, obwohl meine Ahnen ja offenbar Durch Kalsgard gereist waren, weiß ich leider herzlich wenig über die Stadt, außer dass es dort kalt werden kann. Man erzählt sich ja so einiges über die Ulfen, und ich hoffe, dass nicht alles stimmt. Es wäre in jedem Fall sicherlich kein Nachteil, wenn wir ein wenig mehr an Informationen hätten, bevor wir dort ankommen. Von euch war nicht zufällig jemand schon einmal dort?"

Die meisten der Anwesenden zuckten skeptisch mit den Schultern - offenbar waren die meisten noch niemals weiter aus Sandspitze weggekommen, als sie es jetzt waren. Garridan konnte immerhin ein paar Vorurteile ausräumen: "Ich habe einmal einen Ulfen bei der Jagd getroffen und bin mit ihm ins Gespräch gekommen. Er war ein sehr zurückhaltender Kerl, wollte partout nicht in die Stadt mitkommen. Aber zwei Sachen hat er mir über seine Heimat erzählt, denn er sagte, er wäre aus Kalsgard gekommen. Zum einen, dass die Stadt viel weltoffener sei, als alle meinen. Dort leben Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, und niemand wird wegen seiner Herkunft schlecht behandelt. Nur weil alle denken würden, die Wikinger seien Wilde, wäre das noch lange nicht so, hat er gesagt. Und eines war ihm ganz wichtig: Nie würde ein Ulfe Hörner am Helm tragen! Flügel, Federn, Geweihe schon, aber wer Hörner trägt, macht sich zum Gespött der Gesellschaft.

Nicht dass uns das jetzt weiterhelfen würde."
fügte er nach kurzer Pause hinzu. Shuo fiel dazu noch ein, dass es eine große Anzahl seiner Landsleute in der Stadt gebe.

Auch Cliff hatte etwas hinzuzufügen. "Ich bin zwar viel in der Welt herumgekommen, aber so weit im Norden war ich auch nie. Aber ich weiß, dass Kalsgard der größte Handelshafen im Norden ist, und die Größe der Stadt es sogar mit Cheliax aufnehmen kann. Siebzigtausend Leute sollen dort angeblich leben. Früher war es vor allem ein Umschlagplatz für die Raubzüge der Ulfen-Wikinger; inzwischen treiben sie dort ganz normalen Handel. Aber eins hat sich nicht geändert: Regiert werden sie seit Jahrhunderten von einer durchgehenden Linie ihrer Lindwurmkönige."

Schließlich meldete sich Sandru zu Wort: "Ist ja alles schön und gut, was ihr da wisst. Aber jetzt ist erstmal wichtig, wie wir dort hinkommen. Zum Glück habe ich immerhin eine Ahnung von dem Weg, den wir nehmen müssen. Unterwegs sollten wir aber versuchen, noch eine bessere Karte zu erstehen. Und spätestens in Jol sollten wir uns mit Ausrüstung für die kalte Witterung eindecken - das ist bereits in den Lindwurmreichen. Vielleicht schaffe ich es ja unterwegs auch, ein wenig Handel zu treiben ... von irgendetwas muss ich ja schließlich auch leben."



So machte sich die Karawane schließlich auf den Weg nach Norden; Schrogrim jedoch und ein weiterer von Sandrus Männern verabschiedeten sich von den anderen, um die Reise zurück nach Sandspitze zu unternehmen, und dort verschiedene Geschäfte in Abwesenheit der anderen zu regeln.
Die Reise selbst verlief zunächst größtenteils ruhig, und das Wetter war gut, so dass die Gruppe gut vorankam und nach wenigen Tagen die Grenze Varisias überschritt. Auch wenn nur wenige Anzeichen davon kündeten, war es doch für einige das erste Mal, dass sie die Grenzen des Landes überquerten, und ein merkwürdiges Gefühl der Fremde überkam den einen oder anderen. Die Umgebung jedoch änderte sich nur wenig, und so erreichten sie nach ein paar weiteren Tagen die Stadt Jol, wo sie planten, sich für den Rest der Reise mit Proviant und Ausrüstung einzudecken. Denn so langsam merkte der eine oder andere, wie ihnen mit jedem weiteren Reisetag die zunehmende Kälte tiefer in die Glieder fuhr.
« Letzte Änderung: 13.11.2017, 14:18:41 von Mondragor »

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #11 am: 14.11.2017, 16:46:00 »
Am nächsten morgen nach dem Abenteuer in der Burgruine zeigten sich die Veränderungen am Eidolon. Auf den ersten Blick war alles gleich bis auf einen längeren Schwanz mit deutlich kräftigeren Ansatz. Das letzte Drittel war lang und schmal und als das Eidolon ihm ein paar Probeschwünge gab konnte man deutlich ein Zischen hören, fast wie das einer Peitsche. Zufrieden probierte sie ihre neue Kraft an ein paar Ästen in der Nähe der Karawane aus und zerschmetterte diese ohne große Schwierigkeiten.
Die andere Neuerung war nur bei genauen Hinsehen zu erkennen. Die Reißzähne hatten einen neuen Aufbau erhalten, gezackt und mit kleinen Wiederhacken versehen. Sie waren wohl mit den Zähnen eines Haies zu vergleichen.

Auf dem Weg nach Jol veränderte sich die Landschaft langsam als das Klima kälter wurde und so hatte Mugin viele Gelegenheiten sich in den umliegenden Wäldern und Wiesen nach Reagenzien umzusehen. Wie schon damals noch in Sandfleck machten sich das Duo häufig auf und untersuchte die Flora. Allerdings nicht immer ohne Folgen. Nicht nur einmal kam der Gnom mit Hautausschlägen oder anderen Vergiftungen zurück. An einem Tag war Mugin sogar von einem Schwarm Bienen angegriffen worden, nachdem das Eidolon dem süßlichen Geruch der aus ihrem Nest kam nicht wiederstehen konnte. Es selbst war durch seine dicken Schuppen geschützt, aber der Gnom hatte diesen Luxus nicht. Koya hatte gut zu tun und man konnte sie häufig mit den Beiden schimpfen hören.
Besonders war allerdings ein Tag an dem sie auf einer weiteren Entdeckungstour ein verlassenes Nachtlager irgendeines Wesens gefunden hatten. Nach den Federn und nestartigen Aufbau zu urteilen war es wohl ein großer Vogel gewesen. Komischw ar nur die Tatsache, dass es sich auf dem Boden befand. Vielleicht war es von einem Nahen Baum heruntergefallen und deshalb verlassen. Interresant für Mugin war aber eher die Schlingranke die sich am Rand des Nestes befand. Eine seltene und deshlab wertvolle Pflanze für de Alchemie. Er machte sich daran sie einzusammeln während das Eidolon das Nest weiter untersuchte. Zu spät bemerkten sie das es niicht ganz so verlassen war wie sie das gedacht hatten. Ein seltsamer Laut, eine Mischung aus Brüllen und Vogelschrei, ließ sie auffahren. Der Besitzer war zurückgekehrt und war nicht gerade Froh über seine "Besucher".
Der Eulenbär verfolgte die Beiden bis zum Karawanenlager und glücklicherweise hatte Garridan schon früh die Rufe von Mugin gehört und konnte so den Rest der Gruppe zusammentrommeln. Gemeinsam vertrieben sie die Bestie und Mugin wurde dazu verdonnert nurnoch in Begleitung das lager zu verlassen. Das ganze war dem Eidolon natürlich peinlich. Sie selbst sah sich als die vernünpftigere der Beiden an, war aber durch die neue Umgebung und Sinneseindrücke immer mehr abgelenkt gewesen.

In Jorl kaufte sich Mugin eine Schlechwetterausrüstung bestehend aus einem mit Fell gefütterten Mantel, hohen Winterstiefeln und einer Fellmütze mit Ohrenklappen, die sich bei Bedarf hochklappen ließen um die Ohren freizulegen. Zudem füllte er seine Bolzen mit einem 20er Pack auf und kaufte neue Reagenzien für seine Zauber.

Gorog

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #12 am: 19.11.2017, 15:25:44 »
Schlammiger Boden drückte sich durch Gorogs knollige Zehen, als er mit seinen neuen Gefährten die breiteren Ausläufer der Stadt Jol erreichte. Hölzerne Hütten, Zelte und ähnlich provisorische Heime schmiegten sich eng an die hohe Stadtmauer, deren opulente Tore zu dieser fortgeschrittenen Stunde noch offen standen. Die fremdwirkende Architektur lenkte den Halb-Ork genug von seiner Abneigung der größeren Ansammlung von Menschen ab, bis sie über die gepflasterten Straßen einen geeigneten Ort zum Schlafen gefunden hatten. Gorog bestand bei dem grimmig dreinblickenden Wirt auf ein Einzelzimmer und zog sich für ein paar Stunden zurück, um sein Gebräu und seine Extrakte zu zubereiten. Nach einem stärkenden Frühstück am nächsten Morgen, schloss er sich etwas widerwillig Mugin und Shuo an, um den nahen Markt zu besuchen und ein paar Stücke angemessener Kleidung zu erstehen, die sie vor der heraufziehenden Kälte schützen würden. Dick geflochtene Kleider, lederne Mäntel und gefütterte Stiefel waren nicht allzu schwer zu finden, selbst in der pfannenförmigen Größe von Gorog. Der Trubel, die herumrennenden Kinder und Tiere ließen Halb-Ork missmutig dreinblicken, er war froh sobald wie möglich diesen Ort hinter sich zu lassen.

Garridan

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #13 am: 19.11.2017, 17:00:42 »
Garridan hatte sich das alles anders vorgestellt. Als sie aufbrachen freute er sich auf Abenteuer, Heldentaten, von denen er erzählen konnte und auf Länder, die ihm bislang unbekannt waren. Aber dann hatte er wohl irgendwo schlechtes Wasser getrunken oder ein Tier, das zu lange tot war. Jedenfalls verbrachte er einen Großteil der Reise auf einem der Wagen mit Magenschmerzen und Krämpfen. Als er sich gerade wieder etwas erholt hatte musste er mit den anderen ein Biest vertreiben, dass Mugin ihnen ins "Haus" geholt hatte. Bald wünschte er sich, er wäre zu Hause geblieben.

Als sie sich dann aber Jol näherten, hatte die Medizin, die er bekommen hatte, ihre Wirkung getan und er konnte sich endlich an der Umgebung erfreuen. So sprang er eines morgens ein wenig übermütig aus dem Zelt, nur um direkt wieder zurück zu springen, denn er hatte nicht erwartet, dass es bereits so kalt geworden war. Damit war klar, dass sie sich neu einkleiden und ausrüste mussten, also begleitete er die andere zum Einkaufen. Auf dem Markt bewunderte er die vielen Felle von ihm unbekannten Tieren, und war überrascht wie viel besser diese Felle wärmten. Naja, wirklich überrascht war er nicht, er hatte es vorher bereits gewusst, aber nun konnte er es fühlen, und das war immer etwas anderes. Mit dem Essen war er aber weiterhin vorsichtig. So gerne er von den gebratenen Karibukeulen probiert hätte, die einer der Händler am Straßenrand anbot, so sehr erinnerte ihn sein Magen direkt daran, dass er noch nicht für geschmackliche Experimente bereit war. Also hielt er sich zurück und blieb beim altbekannten Eintopf, der durch das lange Kochen, meist sehr magenfreundlich war.

"Können wir ein paar Tage hier bleiben? Hier bekommen wir sicher auch eine bessere Karte und wir waren so lange in keiner richtigen Stadt mehr."

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #14 am: 19.11.2017, 22:01:53 »
Die Karawane tat Garridan den Gefallen, denn nicht nur er war froh, endlich wieder einmal ein festes Dach über dem Kopf zu haben, und so entschied man sich, einige Tage in Jol zu verbringen. Sandru wollte die Zeit nutzen, um womöglich ein paar seiner Waren abzustoßen und neue aufzunehmen, die er gewinnbringend in Kalsgard verkaufen konnte. Ameiko machte sich auf die Suche nach Karten und sonstigen Informationen, die ihnen für die Reise in den Norden nützlich sein konnte; und der Rest der Gemeinschaft, sofern er nicht den beiden bei ihren Vorhaben half, rüstete sich für die winterlichen Begebenheiten der weiteren Strecke oder genoss einfach nur das dicke, herbe Ulfenbier in einer der vielen Kneipen der Stadt.

Jol gab den Abenteurern einen ersten Einblick in die Nordlande, und der Kulturschock bei einigen war gewaltig. Mit Ausnahme von Gorog wurde fast jeder, der mit der Karawane gereist war, von den Passanten überragt - selbst die Frauen waren den meisten in der Größe mindestens ebenbürtig. Das galt natürlich nicht für die Zwerge, von denen es eine größere Gemeinde hier in Jol geben musste; doch auch diese wirkten noch einmal etwas stämmiger als ihre südländischen Verwandten.
Eine weitere Sache, die auffiel: Jede Person, ob männlich oder weiblich, die ihnen begegnete, schien offen bewaffnet zu sein. Mochte es im Süden als zivilisiert gelten, unbewaffnet zu sein oder zumindest zu erscheinen, konnte das hiesige Stadtoberhaupt wohl innerhalb von Minuten eine bewaffnete Armee aufstellen, indem er einfach nur alle sich auf der Straße befindlichen Einwohner antreten ließ.

Dennoch schien die Atmosphäre in der Stadt den Besuchern äußerst friedlich zu sein. Mochte der erste äußere Anschein noch so kriegerisch sein, war der Umgang der Menschen miteinander von großer Herzlichkeit und Respekt geprägt, und so fühlten sich die Kameraden nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr wohl in der Stadt, und wollten sich gar nicht so recht verabschieden, als es an die Weiterreise ging.

Doch größere Aufgaben warteten auf sie, und so begab sich die Karawane schließlich auf die beschwerliche Reise nach Kalsgard. Dank der neuen Kartenwerke kamen sie jedoch gut voran, waren jedoch schnell froh, sich mit Pelzen und anderer Kleidung gegen die Kälte eingedeckt zu haben, als sie morgens mehr und mehr auf gefrorenem Boden aufwachten, nachdem sie die Grenzen des Grungirwaldes überschritten hatten. Die Landschaft wandelte sich in den frühen Stunden nun in ein weißes Reifmeer, als die Karawane den Donnernden Fluß erreichte, dessen westlichem Ufer sie ab jetzt folgten.

In den folgenden Tagen bemerkten sowohl Shuo als auch Gorog Merkwürdiges: Unter den üblichen Raben, die in der immer wieder erfüllten Hoffnung auf Essensreste über der Karawane ihre Kreise zogen, schien ein Exemplar zu sein, dass ungewöhnlich groß zu sein schien. Dieser Rabe tauchte immer wieder alle zwei Tage auf, um dann wieder zu verschwinden. Dazu blieb er stets in einer gebührenden Distanz von der Gruppe, so dass selbst Shuo keine Chance sah, ihn womöglich vom Himmel zu holen. Doch der junge Tian mit seinen äußerst scharfen Augen konnte immerhin erkennen, dass die Spitzen der Flügel eine blutrote Färbung aufwiesen. Dies ließ wiederum Gorog aufhorchen, denn ein solcher "Blutfeder"-Rabe war dem Aberglauben nach ein böses Omen, wie er aus seinen arkanen Forschungen wusste.

Die Reise verlief jedoch trotz dieser Beobachtungen ereignislos, und auch der Rabe ließ sich irgendwann nicht mehr blicken, so dass die Reisenden ihn schließlich wieder aus ihren Gedanken verloren, auch wenn sie von da an stets etwas vorsichtiger agierten. Eines Abends, als sie neben der Skalsbrücke - einer uralten Brücke, die etwa zwei Tagesreisen vor Skalsgard den Fluss überquerte, ihr Lager aufgeschlagen hatten und am Feuer ihre müden Knochen ausruhten, hörte Garridan plötzlich ein Geräusch! War es das dumpfe Kratzen eines Ruders? Schnell warnte er seine Kameraden, und sie alle lauschten gespannt den Geräuschen der Nacht.

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