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Autor Thema: Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten  (Gelesen 34432 mal)

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Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #795 am: 17.11.2019, 18:33:50 »
Auch wenn sie so bald wie möglich Ameiko Bericht erstatten wollten, musste die Gruppe sich zunächst darum kümmern, den Wagen und dessen Inhalt loszuwerden. Lute, dem sie so weit vertrauten, dass er sie nicht übervorteilen würde, erklärte sich bereit, den Inhalt des Wagens zu inventarisieren und ihnen einen ordentlichen Preis dafür zu machen. Die magischen Gegenstände jedoch nahmen sie zunächst an sich, um genauer zu beraten, was sie damit tun würden.

Nachdem sie entsprechend erleichtert waren, machten sie sich, nun ohne Lute, auf den Weg zum anderen Flussufer, wo Ameiko inzwischen ihr Lager aufgeschlagen hatte. Auch Uksahkka und Ulf verabschiedeten sich zunächst, da Ulf nach all der Zeit Sehnsucht nach seinem eigenen Haus und Bett hatte - nicht jedoch, ohne ihnen noch einmal anzubieten, ihre Karawane über die Krone der Welt zu führen, sobald sie dazu bereit waren.

Als sie schließlich das Lager der Karawane erreichten, gab es zunächst ein herzliches Wiedersehen mit Ameiko, Cliff und all den anderen, die natürlich gespannt darauf waren, was die sechs in der Zwischenzeit erlebt hatten. Als Garridan Suishen enthüllte, lag ein ehrfürchtiges Schweigen über dem Lager, bis Ameiko das Schwert an sich nahm und damit in ihr Zelt ging, um dort das verschollene Wissen über die Amatatsus und ihr Schicksal zu erfahren.

Als sie nun etwas verloren ohne Ameiko im Lager standen, war es wieder einmal Cliff, der die Stille brach: "Na, hattet ihr Spaß ohne mich?" Die Bitterkeit, die bei ihrem letzten Treffen noch in seiner Stimme lag, war, wenn nicht verschwunden, so doch beinahe. "Also los, erzählt, was ihr erlebt habt - irgendwer muss ja ein Heldenepos daraus machen!"

Arashi

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #796 am: 20.11.2019, 20:06:59 »
"Naja Spaß, wohl eher nicht. Heldenepos naja...", während er der Kaiserin nachschaute, wie sie in ihrem Zelt verschwand. Danach begann er kurz zu erzählen. Schlepend und zäh. Er war nie der geborene Erzähler gewesen und irgendwie lag ihm der Schock immer noch ein wenig in den Knochen, abgesehen von der verherrenden Flut, die der Grund seiner Reise war, hatte er nie soviele Tote gesehen; gerade wenn er selbst mitbeteiligt war.

"Das wichtigste ist wohl, dass wir einen Führer haben, der uns nach Tian bringen kann. Also können wir wohl eher früher als später aufbrechen. Immerhin wissen unsere Feinde wohl um uns, da sollten wir wahrscheinlich nicht zu lange an einem Ort verweilen."

Garridan

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #797 am: 20.11.2019, 21:21:48 »
Garridan war froh als die Wunden versorgt wurden und sie sich alsbald auf den Rückweg machten. Und er war auch froh, dass sie sich um den Verkauf der Sachen nicht selbst kümmern mussten. Er war sehr froh darüber, bald über einen ordentlichen Batzen Geld zu verfügen, es war der gerechte Lohn für ihre Arbeit. "Pah, du hast mich, was willst du noch mehr?" Die Stimme des Schwertes, ihm fiel kein besserer Begriff ein, klang ein wenig beleidigt. Er wollte schon antworten, als er sich ermahnt, er wollte nicht mit dieser Waffe diskutieren. Es war Ameikos Waffe, er verwahrte sie nur. Und er wusste genau, was er brauchte. Er hatte viel Blutzoll in diesem Kampf gezahlt, er war nicht wehrhaft genug. Das musste er ändern.

Und dann waren sie alle zurück bei den Gefährten. Garridan freute sich, sie alle wieder zu sehen, aber da war auch ein anderes Gefühl. Und als dann, nachdem sie sich alle begrüßt hatten, sie in kurzen Worten ihre Geschichte erzählt hatten und er das Schwert hervorholte, da wusste er, was sich komisch anfühlte. Nun würden sich ihre Wege trennen. Er hatte diese seltsame Waffe nur kurz geführt und in dieser kurzen zeit hatte das Schwert sich sogar seines Willens bemächtigt - und doch, es war etwas besonderes gewesen, diese Klinge zu führen. Außerdem hatte sie ihn beeindruckt, wie einfach sie diesen Bann der Oni, oder was immer es auch gewesen war, überwunden hatte - diese Waffe war wahrlich etwas besonderes. Aber nun war es Zeit, sie abzugeben. Er überreichte sie Ameiko und verbeugte sich. Sie nahm sie an sich und er bemerkte, dass er sie immernoch fest hielt. Ameiko lächelte, als er etwas verlegen die Hand weg zog - und dann ging sie mit Suishen davon.

Garridan spürte eine tiefe Traurigkeit und überließ den anderen das Reden. Er erwischte sich mehrmals dabei, wie er zu Ameikos Zelt hinüber starrte. Er versuchte dieses alberne Gefühl abzuschütteln und machte sich auf die Suche nach einem Krug Bier, damit setzte er sich dann zu den anderen und lauschte der Geschichte, die er selbst miterlebte hatte, als wäre er nicht dabei gewesen. Seine Gedanken wanderten aber immer wieder zu Suishen.

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #798 am: 21.11.2019, 19:37:13 »
Cliff hörte der Erzählung Arashis gespannt zu, und im Gegensatz zu diesem hellte sich seine Miene währenddessen immer weiter auf, bis er jubelnd aufschrie, als Arashi am Ende angelangt war.

"Und das soll kein Heldenepos sein?" rief er enthusiastisch aus. "Ihr habt ein sprechendes Schwert gefunden, eine Dämonin besiegt, die ein riesiges Reich in fernen Landen unter ihre Kontrolle bringen will, ihr habt die Stadt Kalsgard aus den Klauen dieser üblen Gesellen befreit, und das soll kein Heldenepos wert sein? Wenn ich erst fertig bin mit der Geschichte, wirst du große Augen machen, wenn alle Kinder von hier bis nach Tian Xia deine heroischen Taten besingen!"
Cliff schien sofort mit dem Dichten zu beginnen, denn von da an sah man ihn mit verträumten Blick und irgendwelche Sätze vor sich hinmurmelnd, während er sich auf einem kleinen Block Notizen machte.

Die ganze Geschichte zu erzählen hatte doch einige Zeit gekostet, und in der Zwischenzeit hatten sie alle einen Teller mit heißem Eintopf in Händen, um sich nach den Strapazen der letzten Tage endlich mal wieder satt essen zu können. Nun trat auch Ameiko wieder aus ihrem Zelt und sah die Abenteurer mit Respekt in den Augen an. "Suiseh hat mir einiges über die Vergangenheit meiner Familie und mein Schicksal erzählt. Und es hat mir erzählt, was sich in der Festung zugetragen hat - ihr verdient meine allertiefsten Dank. Ohne euch wäre ich nicht nur nicht mehr am Leben, sondern das ganze Reich von Minkai wäre bereits jetzt verloren an die dämonischen Oni.
Aber leider ist meine Mission noch nicht beendet. Wie ich befürchtet habe, muss ich nach Minkai reisen und mein Geburtsrecht einfordern. Auf die Krone könnte ich gerne verzichten, aber das Land und die Menschen den Oni überlassen, das kann ich nicht. Und ich bitte euch, auch wenn es viel verlangt ist, dass ihr mich weiter begleitet und mir helft, Minkai zu befreien."


Sie blickte einen Moment auf das Schwert in ihrer Hand und schien zu zögern. Dann jedoch hielt sie es Garridan entgegen.
"Nimm das Schwert, du kannst es besser führen als ich. Es besitzt ohnehin seinen eigenen Willen und scheint Gefallen an dir gefunden zu haben, aber es wird immer an die Familie der Amatatsu gebunden sein, das musst du wissen."

Solitaire

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #799 am: 21.11.2019, 19:55:55 »
Solitaire hatte bei der Rekapitulierung ihrer Heldentaten – da hatte Cliff schon Recht, anders konnte man die vergangenen Tage wirklich kaum nennen – ein wenig ausgeholfen, wenn Arashi hier und da ins Stocken geraten war. Eine gewisse Begeisterung darüber, was sie gemeinsam vollbracht hatten, war ihr dabei durchaus anzumerken.

Als Ameiko dann später wieder auftauchte und alle bat, sie auf ihrem steinigen Weg weiter zu begleiten, schüttelte Solitaire energisch den Kopf.

"Das meinst Du nicht ernst, oder? Was meinst Du denn mit viel verlangt? Ich kann mir im Moment überhaupt nichts Besseres vorstellen? Das klingt doch total spannend! Weite Reisen, fremde Länder, und dann noch Dein Geburtsrecht und der Thron... um nichts in der Welt will ich das verpassen! Auch, wenn wir uns noch nicht allzu lange kennen, obwohl es sich wie eine Ewigkeit anfühlt, werde ich Dich gerne bis ans Ende dieses Weges begleiten."

Die Varisierin machte dann noch eine theatralische Verbeugung vor Ameiko, während von weiter oben eine piepsige Stimme rief: "Ganz genau! Ganz genau! So soll es sein! Und danach finden wir dann mein Königreich, ja?"

"Wo ist denn eigentlich die Musik? Wir haben doch wohl Grund genug zum Feiern!"

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #800 am: 21.11.2019, 21:03:57 »
"Ich stimme da voll mit Cliff überein," sagte Mugin fröhlich. "Wir haben drei Menschen und ein Schwert aus den Klauen einer Diebesgilde gerettet, welche von einem Dämon und Werkreaturen angeführt wurde. Und vergiss nicht die Trolle. Das klingt doch eindeutig nach einer Gruppe Helden." Er war äußerst stolz auf sich und seine Kameraden. Die Unsicherheit die er damals bei der Abreise aus Sandfleck verspürt hatte war verflogen.

"Heute feiern wir unseren Erfolg und morgen gehen wir unsere neuen Reichtümer ausgeben. Die Stadt sieht gleich vollkommen anders aus wenn man sich nicht vor Assasinen fürchten brauch." Er lachte, aber das Eidolon machte trotzdem eine leise Bemerkung, dass man nie Vorsichtig genug sein konnte.

Garridan

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #801 am: 22.11.2019, 12:29:24 »
Er verstand zunächst gar nicht, was vor sich ging. Er freute sich, dass Ameiko ihre Begleitung wollte und er war natürlich bereit, sie zu begleiten. "Dann bin ich auch in der Nähe und kann ein Auge auf sie und Suishen haben." Also nach Minkai, er hätte ne gedacht, einmal dorthin zu reisen. Er bemerkte, wie er das Schwert anstarrte und sah schnell woanders hin. Was würde wohl Shalelu dazu sagen. Seine Gedanken schweiften kurz in die ferne, in die Vergangenheit, kamen aber schnell zurück, weil er wieder das Schwert anstarrte. Er konnte noch spüren, wie es sich anfühlte. Es war ihm etwas peinlich, wie schwer es ihm fiel, die Waffe, Suishen, loszulassen.

Und dann hielt Ameiko ihm die Waffe wieder hin. "Für einen letzten Abschied." Er hörte ihre Worte und verstand sie zunächst nicht. Es dauerte eine ganze Weile, bis sein Verstand erfasst hatte, was sie ihm anbot. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sie an, wie eingefroren, als müsse er sich verhört haben. Aber Ameiko lächelte und nickte leicht. Seine Hände zitterten, als er, erst langsam dann etwas zu schnell, das Schwert nahm. Sofort war das Gefühl wieder da, das vertraute und gute Gefühl, das Gefühl, dass es nur so richtig war. Aber es war keine Gier, es war nichts negatives, es war...er wusste es nicht. Verantwortung, nein, das war kein Gefühl. Es war Vertrautheit, Zusammengehörigkeit und sicher auch etwas Arroganz, das er genau der richtige war, diese Waffe zu führen. Und er fühlte eine neue Stärke. Seine Feinde würden erzittern, wenn Suishen und er sich ihnen stellten. Für Ameiko, für die Familie Amatatsu, für seine Freunde.
Die Freude, das Glück...die Gnade, Suishen wieder führen zu dürfen, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Und so sehr er sich gerade freute, meldete sich kurz der Schmerz bei dem Gedanken an den Tag, an dem er es wieder abgeben würde. Aber nicht heute.

"Danke, das ist eine große Ehre, Ameiko. Ich werde dein Vertrauen nicht enttäuschen. Suishen bindet mich an deine Familie und ich binde mich an deine Familie. So lange es sein soll." Er wäre am liebsten in die Luft gesprungen, statt dessen versuchte er sich einigermaßen würdevoll zu verbeugen. Dem Schwert schickte er nur ein kurzes Gefühl. "Ich freue mich, dass du wieder bei mir bist."
« Letzte Änderung: 28.11.2019, 08:47:13 von Garridan »

Solitaire

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #802 am: 29.11.2019, 16:38:50 »
Im Laufe der nächsten Woche verbrachte Solitaire einige lange Tage in Kalsgard, um mit Händlern zu sprechen und ihr Gold an den Mann zu bringen. Der Verkauf erledigte sich fast wie von selbst, so gut war die Stimmung unter den Händlern der Stadt und ihr Ansehen bei ihnen. Vor allem war die Zauberin dabei auf der Suche nach einer mächtigeren Variante ihres magischen Rings, der sich in der Vergangenheit schon als sehr nützlich erwiesen hatte, doch dieser war nicht auf Anhieb auffindbar. Mithilfe der Händler, die sich als ausgesprochen hilfsbereit erwiesen, gelang es ihr dann aber doch noch, einen aufzutreiben, auch wenn sie ihren alten Ring dafür mit eintauschen musste. Etwas Zeit dauerte es auch, bis sie einige Magier ausfindig machen konnte, die gewillt waren, ihr alte Zauberbücher oder Abschriften davon zu verkaufen oder auch anzufertigen. Auch hier war das Ansehen, welches sie im Moment genossen, natürlich sehr hilfreich.

Danach zog sie sich einige Tage lang für viele Stunden zurück, um ein Schmuckstück anzufertigen und es mit magischen Kräften zu versehen. Erfreut von dem Resultat, trug sie fortan einen schlichten, silbernen Stirnreif mit unauffälligen Verzierungen, eher zurückhaltend und nicht aufdringlich in seiner Machart, dennoch unterstrich er gekonnt die ohnehin starke Anziehungskraft der jungen Frau, was natürlich vor allem auf seine magischen Eigenschaften zurückzuführen war.

Die Varisierin bot ihren Gefährten auch an, während der anstehenden Reise einige Zeit darauf zu verwenden, magische Gegenstände für sie herzustellen, und wies sie an, welche Materialien sie dafür bei den Händlern der Stadt besorgen sollten, damit sie alles dabei hatten, was dafür nötig war. Sie musste dabei den anderen ihre Hilfe förmlich aufdrängen, vielleicht wollten sie ihr nicht zur Last fallen oder was auch immer es genau war, aber am Ende hatte sie alle soweit überzeugt, dass jeder ihr zumindest ein Teil der eigenen Einkaufsliste anvertraute, um dies dann während der kommenden Wochen fertigzustellen; einen Elfenumhang, der die natürlichen Fähigkeiten der Heimlichkeit ihres Volkes, zumindest dessen ihrer väterlichen Linie, auf Jehanna übertragen sollte, ein Amulett, welches Garridan vor Angriffen schützen sollte, wobei die Zauberin Arashi um Mithilfe bat, da sie die notwendigen Zauber druidischer Natur nicht beherrschte, und es dadurch nicht unnötig lange dauern würde, einen weiteren Umhang für Mugin, der den Gnom vor finsteren Zaubern und anderen Widrigkeiten bewahren sollte, auch hier konnte sie Unterstützung gebrauchen, die Mugin aber selbst beisteuern konnte, sowie einen weiteren Stirnreif, ähnlich ihrem eigenen doch in einem Stil, der besser zu ihm passte, für Arashi, um vor allem die Zauberkräfte des Sturmdruiden zu stärken. Rumar war noch etwas unschlüssig, wahrscheinlich weil der alte Mann in seinem Lebenswandel eine weniger materialistische Sichtweise entwickelt hatte, doch auch hier würde sich noch etwas finden lassen, da war sich Solitaire sicher, denn für die ihnen bevorstehende Aufgabe würden sie alle Hilfe brauchen.
« Letzte Änderung: 29.11.2019, 16:49:05 von Solitaire »

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #803 am: 01.12.2019, 12:16:29 »
An einem der nächsten Tage kam Ulf Gormundr in das Lager, um mit Ameiko, Sandru und einigen anderen die Reise über die Krone der Welt zu planen. Im großen Zelt breitete er eine Karte aus, um die sich alle versammelten.
"Viele unterschätzen die Länge der Reise, aber diesen Fehler machen wir natürlich nicht. Von den Reifdurstbergen hier unten bis zum Himmelswall dort oben, der die nördliche Grenze zu Tian Xia bildet, sind es etwa dreitausend Meilen. Selbst bei besten Bedingungen schaffen wir vielleicht gut dreißig Meilen pro Tag, also bereitet euch darauf vor, mindestens drei Monate durch anspruchsvolles Gelände zu reisen; wir planen besser gleich vier ein, denn beste Bedingungen haben wir sicherlich nicht immer. Aber nur etwa ein Drittel davon reisen wir durch ewiges Eis, es wird also durchaus auch noch Möglichkeiten geben, unterwegs Nahrung aufzutreiben."
Mit den Fingern skizzierte er eine grobe Route, wobei er gleich klar machte, dass der genaue Weg immer von den Wetter- und Wegbedingungen abhängen würde, schließlich war das unter anderem der Grund, weshalb sie einen Führer benötigten.
"Bis zu den Reifdurstbergen müssen wir auch noch einmal einen guten Monat einplanen, doch der Weg dorthin wird uns kaum vor Schwierigkeiten stellen. Wenn alles optimal läuft, werden wir also in vier bis fünf Monaten Tian Xia betreten."

Cliff pfiff anerkennend, nachdem Ulf ihnen die groben Eckpunkte der Reise genannt hatte. "Wenn diese Reise mal nicht Futter für einige epische Balladen liefert, fress ich einen Besen. Wie sieht es denn mit Schneemonstern aus, Eisdrachen und Yetis?" Es war ihm nicht wirklich anzumerken, ob er sich auf die Begegnung mit solchen Kreaturen freute oder sie fürchtete.

Ulf antwortete lachend: "Gibt es alles. Aber die Fähigkeit eines guten Führers ist es, sie so weit es möglich ist zu umgehen. Ich werde mein bestes tun, und die meisten werden es sich ohnehin zweimal überlegen, eine so große Karawane anzugreifen."

Solitaire

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #804 am: 01.12.2019, 12:41:47 »
"Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich bin im Moment echt froh, dass wir Ulf gefunden haben," meinte Solitaire, nachdem der Wegführer ihnen erklärt hatte, was da überhaupt vor ihnen lag. Jemanden, der diesen Weg kannte, dabeizuhaben, würde von unschätzbarem Wert sein, soviel war sicher.

Mondragor

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Kapitel 2: Nacht der gefrorenen Schatten
« Antwort #805 am: 06.12.2019, 14:52:31 »
Nach Ulfs Besuch begann Sandru mit Unterstützung der anderen mit den letzten Vorbereitungen für den Aufbruch der Karawane. Schon in den Wochen zuvor, in denen sie in Kalsgard gewesen waren, hatte er die Wagen wintersicher gemacht, Vorräte eingekauft und Reparaturen vorgenommen, doch es wurde nun klar, dass die Reise wohl doch noch anspruchsvoller werden würde als angenommen.

Mit Ulfs Unterstützung gelang es Sandru, noch zwei weitere Wagen für die Karawane zu erstehen und mit Hilfe seiner Beziehungen einige vertrauenswürdige Mitarbeiter zu finden, die sie auf ihrem Weg begleiten würden - insbesondere die Versorgung der Reisenden musste sichergestellt werden. In der Zwischenzeit hatten auch Garridan, Rumar, Arashi, Solitaire, Jehanna und Mugin Zeit, ihre restlichen Besorgungen zu machen und sich für die Reise zu rüsten. Ihr neuer Kaufmannsfreund hatte nicht zuviel versprochen und die gesamte weltliche Habe, die sie aus der Festung der Reifläufer mitgenommen hatten, zu Gold gemacht. Und auch für die magischen Gegenstände, die sie verkaufen wollten, konnte er ihnen Käufer vermitteln, die ihnen einen sehr guten Preis machten und gleichzeitig ein großes Angebot an anderen magischen Teilen vorweisen konnten, mit denen die Gruppe sich nun ausstatten konnte.

So neigte sich ihre Zeit in Kalsgard also dem Ende entgegen, und sie konnten nur hoffen, dass ihre neuen Erwerbungen sie auf ihre Reise ins Ungewisse gut vorbereiten würden.

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