Autor Thema: [Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt  (Gelesen 1202 mal)

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Tsuyoshi

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Die Sonne brennt bereits wieder heiß auf das kleine Dorf herunter, als Tsuyoshi von der Jagd mit der Miko zurückkehrt. Der junge Ronin marschiert so grimmig und selbstbewusst zwischen den Hütten hindurch, wie man es von Samurai gewohnt ist. Für die Bauern hat er kaum einen Blick übrig, ihre Verbeugungen nimmt er mit stolzem Gleichmut entgegen. Seine Kleidung allerdings ist staubbedeckt, der Haarknoten sitzt schief, und an seinen Unterarmen finden sich einige Schrammen. Zudem ist sein Kimono mit Schweiß getränkt, denn nach der gefährlichen Begegnung mit dem Wildschwein hat er die Beute auf seinen Schultern durch den Gebirgswald bis zu den Hütten geschleppt, wo ihn einige heißhungrige Bauern sogleich unter tausend Dankesbezeigungen in Empfang nahmen. Jetzt fühlt Tsuyoshi jeden seiner strapazierten Muskeln, auch wenn er sich nichts davon anmerken lässt. Die rasche Reinigung am Schrein war nur notdürftig. Es ist daher ganz natürlich, dass es ihn zu dem Ort zieht, nach dem sein verdreckter, verschwitzter Körper verlangt: zum Badehaus. Vor dem Haus angekommen, schlüpft er aus seinen Zōri und zieht das Daisho aus dem Gürtel, um die Klingen samt Scheiden in der Hand zu tragen, als er sich bückt, um durch die Shoji-Tür einzutreten.

Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #1 am: 08.01.2018, 17:58:48 »
Noch bevor er hindurchtritt, hört  er im Inneren erregte Stimmen. Josei Kimikos ist einfach zu erkennen, sie spricht in der gleichen verhaltenen Stimmlage wie bei ihrer letzten Begegnung. Die andere Stimme ist deutlich aufgeregter, es dauert, bis diese als die der Badehausbesitzerin erkennbar wird: "Aber er ist weggegangen! Er muss hierbleiben, wie sonst können wir vor den schrecklichen Banditen bewahrt werden!" "Es wurde gesagt, er wäre zum Schrein, dort geht es nicht weiter, er wird zurückkehren.", versucht die ruhigere Stimme zu beruhigen. "Er und die Miko sind verschwunden!" "Dafür wird es eine einfache Erklärung geben. Haltet alles, wie ich es gesagt habe, bereit. Ladet ihn ein und wir werden im Nebenraum warten, sehen und entsprechend handeln.", erinnert Kimikos Stimme an eine Inszenierung. "Warum könnt ihr ihn nicht auf eurem Hof...", beginnt die schrillere Stimme sich in der Wortwahl zu vergreifen. "Weil meine Familie aus dieser Sache herausgehalten wird!", der Ton duldet keine Widerrede, obwohl er weiter fast unirdisch ruhig bleibt.

"IZUMI-SAN! ER...Er ist auf dem Weg...hierher!", poltert es weiter hinten im Gebäude, dann erklingt die keuchende Stimme des Jungen, der Tsuyoshi bereits einmal hergeführt hatte. Die Frauen verstummen sofort.

Tsuyoshi

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« Antwort #2 am: 10.01.2018, 11:25:31 »
Der junge Samurai stutzt, als die Frauenstimmen durch die dünnen Shoji-Wände dringen. Wie es jedermann von Kindesbeinen an lernt, bleibt er stehen und gibt vor, nichts gehört zu haben, bis er bemerkt wurde: Das heißt die Privatsphäre wahren in einem Land, in dem die Menschen dicht an dicht leben, jeder wenig Platz für sich hat. Nach einer angemessenen Pause schiebt er eine der leichten Türen zur Seite und tritt ein. Sein Daisho trägt er in der Linken, während er sich mit dem gewohnten herrischen Blick des Kriegers umsieht. Stolz bleibt er in der Mitte des Raumes stehen, erwartend, dass ihn dienstbare Geister umschwärmen.

Tsuyoshis Gesicht bleibt dabei unbewegt, während es hinter seiner Stirn arbeitet. Banditen also... hier wie andernorts. Kein Wunder, dass die Frauen im Dorf eingeschüchtert sind – und die Generäle des verstorbenen Kriegsherrn hatten nichts besseres zu tun, als die Männer zur Bewachung dieser Gegend abzuziehen! Wahrscheinlich, um ihren Sold zu sparen und ihn darauf zu verwenden, noch ein letztes Aufgebot für eine weitere Schlacht zusammenzukratzen, die weder den Leuten noch dem Land dient. Der Griff um die beiden Schwerter verstärkt sich, bis seine Knöchel leicht hervortreten.

Josei Kimiko

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« Antwort #3 am: 15.01.2018, 18:17:49 »
Schlagartig ist es still geworden im Empfangsraum. Tsuyoshi sieht sich den Damen Izumi und Kimiko sowie im Hintergrund dem jungen Dienermädchen sowie drei neuen Gestalten gegenüber: Eine recht dralle junge Frau mit einfachen Gesichtszügen (und großen Augen) sowie zwei hagere jugendliche Männer. Obwohl, letztere wirken verhärmt und daher wahrscheinlich älter, als sie sind.

Josei Kimiko ist wie erstarrt und starrt ihn an. Sie trägt einen anderen, einfachen, aber wertvollen Kimono mit dem gleichen Schmuck wie am Vortag. Izumi wirft sich sofort hernieder und beginnt, ihre gestammelte, anscheinend angstvolle Begrüßung mit irgendwelchen Entschuldigungen zu spicken. Hinten poltert der Junge heran, der ihn angekündigt hat und stoppt, als er den Krieger entdeckt.
Immerhin scheint die Edeldame dadurch ihre Gedanken wiedergefunden zu haben (oder hat sie zuende gedacht?), und knickt ihre Beine leicht ein. Zusammen mit dem aus dem Ärmel gezogenen und aufgeklappten Fächer kehrt sie in eine kunstvolle Haltung zurück. Mit leicht geneigtem Kopf taucht ihr Gesicht bis zur Nasenspitze hinter den Fächer und ein kurzes Klappen des Fußes lässt die andere verstummen.

"Seht es uns nach, ehrenwerter Tsuyoshi-san, eure Ankunft hat uns überrascht. Ihr habt sicherlich en Anliegen, dem will ich nicht im Wege stehen. Solltet ihr auf mein Angebot zurückkommen wollen, hat dies Zeit.", spricht sie mit ihrer zurückhaltenden und ruhigen Art. Sollte es eine Gelegenheit, zum Beispiel eine Entlassung aus seiner Gegenwart, geben, würde sie sich mit den drei neuen Gesichtern zunächst zurückziehen.

Tsuyoshi

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« Antwort #4 am: 16.01.2018, 10:40:36 »
Tsuyoshis Züge sind unbewegt. Er tut so, als habe er nicht bemerkt, wie sein Eintreten die Anwesenden durcheinander geraten lässt. Dennoch entgeht ihm nicht, dass sich die übrigen nach Kimiko zu richten scheinen. Er neigt den Kopf stolz zur Bestätigung ihrer Worte und erwidert: "Ich nehme das Angebot an. Wir werden reden, wenn ich mich erfrischt habe." Eine sehr würdevolle Umschreibung dafür, dass er von der Jagd um vom Schleppen der schweren Beute bei dem heißen Wetter völlig durchgeschwitzt ist und ein Bad dringend nötig hat. Ohne Kimikos Begleitern einen Blick zu schenken, bleibt er stehen, die Arme leicht zur Seite gestreckt, als sei er schon bereit dafür, sich von dem Dienstmädchen aus dem Kimono helfen zu lassen. Das Daisho ruht dabei fest in der Linken, denn einen Schwertständer sucht man hier wohl vergeblich. Er wird als Krieger seine Waffen demnach erst ablegen, wenn er sich niedersetzt, um sich vor dem Bad reinigen zu lassen.

Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #5 am: 17.01.2018, 18:57:39 »
Josei Kimiko nickt und zieht sich zurück, die drei neuen Gesichter folgen ihr. Die Besitzerin des Badehauses bestätigt, dass sofort alles in die Wege geleitet wird, und eilt davon, um dies zu tun. Augenblicke später schleicht das schüchterne Mädchen, dass ihn bereits letztes Mal bedient hat, durch den Raum, bevor der Junge endlich herüberkommt und zurückhaltend-still bei der Kleidung hilft. Es vergeht nicht viel Zeit, bis die Herrin des Hauses wieder erscheint und bestätigt, dass das Bad bereit wäre. Außerdem fragt sie, ob er dafür oder später bestimmte Wünsche hätte, Tee zum Beispiel. Ihre anfängliche Unsicherheit ist einer professionellen Haltung gewichen.

Tsuyoshi wird an der Tür zum Speise-/Ruheraum vorbeigeführt und kann die natürliche Quelle, die hier eingemauert wurde, betreten. Er ist zunächst allein, dann tritt der Junge auf, um seinen Wünschen zur Verfü+gung zu stehen - zum Beispiel für Hilfe beim Waschen.

Tsuyoshi

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #6 am: 19.01.2018, 13:30:26 »
In würdevollem Schweigen schreitet der Ronin in den Vorraum des eigentlichen Bades. Dort legt er mit zeremonieller Präzision das Katana samt Wakizashi ab und lässt sich von dem Jungen den Kimono abnehmen. Als er nur noch im Lendentuch steht, wird seine vielfach vernarbte und sonnenverbrannte Haut sichtbar, die auf eine niedere Herkunft für einen Samurai und auf ein bewegtes Kriegerleben für sein jugendliches Alter hindeuten – letzteres in diesen Zeiten allerdings kein großes Wunder.

Äußerlich wieder völlig gelassen, nimmt er auf dem kleinen Hocker in einer Ecke Platz, lässt sich Staub und Schweiß von Rücken und Körper abwaschen. Schmutzig in das Badewasser zu steigen, wäre die Handlungsweise eines Barbaren. Dem Mädchen hat er mit einem knappen Nicken bedeutet, ihm nach dem Bad einen Tee zu bringen. Als er schließlich in dem entspannenden Wasser sitzt, winkt er den Jungen heran und sagt: "Was weißt du über diese Banditen, die diese Gegend unsicher machen, Bursche? Sind sie viele? Sind sie gut bewaffnet?" Dann richtet er seinen Blick scharf auf den Knaben. "Haben sie einen Anführer?[1]"
 1. Grobe Fakten über die Bedrohung haben wir ja bei der Planung eingangs festgehalten. Aber zu den Details darfst du natürlich gern fabulieren.

Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #7 am: 29.01.2018, 06:39:18 »
Während der Junge eifersüchtig jede Geste des Kriegers gegenüber dem Mädchen beobachtet, tut er ansonsten unauffällig und zurückhaltend seinen Dienst. Allzu geübt scheint er nicht zu sein, stellt sich aber unter dezenten ANweisungen nicht ungeschickt an. Das Mädchen ist wie immer froh, schnell entlassen zu sein und stolpert fast in ihrem Rückzug. Tsuyoshi könnte über die Geräusche des Wassers ein fernes weiblich-volles Kichern wahrnehmen, als er nur noch den Lendenschurz trägt, das aber sofort verstummt.

Beim Waschen stellt sich der Junge wesentlich besser an, zuckt allerdings sichtbar zusammen, als sich der junge Krieger an ihn wendet. Er sammelt sich schnell und berichtet: "Das Folgende habe ich gehört, Herr: Es sind ein paar Dutzend Männer, sehr verschieden bewaffnet und gerüstet. Sie sind roh und gierig, normalerweise gibt es keine Überlebenden. Sie ziehen von Hof zu Dorf, plündern und leben von dem Gefundenen, bis nichts mehr da ist. Dann ziehen sie weiter." Die Frage nach dem Anführer schafft es, das der Junge seine Angst nicht mehr verbergen kann. Fast ehrfurchtsvoll spricht er mit gesenkter, zittriger Stimme: "Ja, man sagt von ihm, er wäre Besessen, ein Dämon gar! Seine Bösartigkeit mache nicht mal vor seinen Leuten halt und er wäre unberechenbar. Selbst seine engsten Vertrauten fürchteten um ihr Leben..." Seine Augen und Worte verlieren sich in seinen Gedanken und er vergisst seine aktuelle Aufgabe vollkommen. Immerhin muss man ihm zugute halten, dass er immer noch steht, nicht zittert und nur ein Schweißfilm seine Angst verrät.

Tsuyoshi

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« Antwort #8 am: 31.01.2018, 17:08:43 »
Stirnrunzelnd hebt der Ronin den Kopf, als es irgendwo hinter den Shoji-Wänden kichert. Weibliche Stimmen. Er beschließt, diese Unart zu ignorieren, und lässt sich von dem Jungen waschen, ehe er auch den Lendenschurz ablegt und in das Wasser steigt. Langsam hebt sich seine Brust unter einem tiefen Atemzug. Das Wasser ist unglaublich wohltuend nach der Jagd und der Plackerei mit der Beute in der sommerlichen Hitze! Allmählich entspannen seine harten, verkrampften Muskeln, und wohlige Wärme durchzieht seinen Körper. Tsuyoshi schließt die Augen, hört dem Jungen zu, nickt gelegentlich.

"Ein paar Dutzend" wiederholt er langsam. Zuviel, um von einem einzelnen Mann besiegt zu werden, und sei er ein noch so geübter Kämpfer... Doch was er über diesen Banditenhauptmann hört, lässt ihn die Augen wieder öffnen und den Jungen scharf mustern. "Was sagst du da? Ein Dämon?" Grübelnd reibt er über sein Kinn. Das klingt nach einem schweren Gegner. Aber wenn dieser Mann von einem kühnen Krieger in einem Duell herausgefordert würde... Gründet sich seine Autorität bei den Banditen einzig auf Angst, wie der Junge behauptet, so kann er es sich gar nicht leisten, eine Herausforderung abzulehnen. Vielleicht eine Chance...

Andererseits: Was hat er zu gewinnen, wenn er den Besessenen erschlägt? Reichtümer ganz gewiss nicht, und Ruhm..? In einem kleinen, abgelegenen Bergdorf? Tsuyoshis Augen glitzern, das Wasser plätschert leise, als er sich aufsetzt. "Du kannst gehen, Junge" sagt er geistesabwesend. Sein Blick richtet sich zur Decke, während er sich alles Gehörte noch einmal gründlich durch den Kopf gehen lässt.

Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #9 am: 01.02.2018, 06:52:00 »
Der Junge zieht sich nach Aufforderung zurück, zu sehr in eigenen Gedanken versunken, um etwas Unpassendes von sich zu geben. In der folgenden Stille, gepaart mit dem warmen Wasser und den Dämpfen, hat der junge Krieger trotz trüber und wenig ehrenvoller Gedanken viel Gelegenheit, sich zu entspannen. So sehr, dass er aufschreckt vom Klopfen an den Hölzern der Shoji-Wänden und der Frage, ob alles zu seiner Zufriedenheit sei. Wieviel Zeit vergangen ist, kann er nicht mehr nachvollziehen.

Nach dem Bad kann er zwar seine eigene Unterwäsche anziehen, doch wird ihm sein Kimono vorenthalten mit dem Hinweis, dieser müsse noch Trocknen. Dafür bekommt er ein einfaches Yukata, das er ziemlich gut ausfüllt. Als er den Hauptraum betritt, steht Josei Kimiko von ihrem Platz auf und neigt den Kopf hinter ihren Fächer - Sie heißt ihn still und zurückhaltend willkommen. Diesmal bekommt Tsuyoshi den Ehrenplatz an der Spitze des Raumes, während Kimiko an der Seite verblieben ist, womit sie diesmal schräg seitlich von ihm sitzt.

Beide Plätze haben niedrige Tische vor sich und bald auch gefüllte Teetassen. Sobald sich der junge Mann gesetzt hat, tut die Dame es ihm gleich und wartet mit gesenktem Blick darauf, angesprochen (oder ignoriert) zu werden.
« Letzte Änderung: 01.02.2018, 06:53:08 von Josei Kimiko »

Tsuyoshi

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« Antwort #10 am: 09.02.2018, 13:04:45 »
Mit einer knappen Antwort bekundet der Ronin seine Zufriedenheit, ehe er das Becken wieder verlässt. Das Haar mit einem einfachen Band zusammengefasst, in das geliehene Gewand gehüllt, strahlt er dennoch die Selbstsicherheit seiner Kaste aus, als er in den Hauptraum tritt, das Daisho in der Linken. Während die Dame den Kopf neigt und die Dienerin mit der Stirn ehrerbietig den Boden berührt, nickt auch er, wobei sich in seinem Gesicht kein Muskel verzieht. Peinlich um seine Würde bedacht, nimmt er gemessen Platz und platziert die beiden Klingen neben seinem rechten Knie – als Zeichen, dass er sich nicht in Gefahr wähnt. Zu frisch ist noch die Erinnerung an das Gekicher, als er sich ausgezogen hat.

Denn auch ein Samurai ist ein Mann mit natürlichen Bedürfnissen. Tsuyoshi hat schon überlegt, eine Nacht mit irgendeiner Magd zu verbringen, sollte man ihm eines der Mädchen aus Höflichkeit anbieten. Vielleicht würde ihn das seine Unentschlossenheit, die wirren Gedanken und die gesamte unschöne Situation vergessen lassen. Noch immer uneins mit sich, was seine nächsten Schritte sein sollten, nimmt er die Teeschale zur Hand und nippt daran, zweimal, dreimal. Dann mustert er die Gastgeberin und sagt: "Ein guter Tee. Ebenso wie das Bad, sehr erfrischend. Von wo kommt er?" Ehe man zu ernsten Themen kommt, gilt es der Etikette genüge zu tun.

Josei Kimiko

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« Antwort #11 am: 12.02.2018, 22:34:06 »
Auch wenn Kimiko geradezu darauf gewartet hat, angesprochen zu werden, verzögert sich ihre Antwort. Die Frage kommt überraschend und sie muss sich ihre Antwort zurechtlegen. Ihre unberührte Tasse ansehend, beginnt sie mit geübten Worten: "Dieser Asamushi, Tsuyoshi-san, stammt von den Westhängen des Otori-Schreines in Izumi. Ohne seine belebende Wirkung zu verlieren, ist er etwas milder als der normale Sencha aus dieser Gegend." Die Doppelung des Namens der Besitzerin des Badehauses und der Provinz begleitet die Dame mit einem leichten Lächeln. "Sollte es euch nach einer bestimmten Sorte oder Art der Herstellung gelüsten, sprecht, es wird sich etwas finden." Bei diesen Worten sieht sie auf und fängt kurz den Blick des Kriegers, bevor sie diesen erneut senkt.

In Gedanken erinnert sie sich an die Reaktion des Mädchens, dass sie zur Identifizierung des Kriegers daugebeten hatte. Sie ist in Kimikos Augen sehr einfach gestrickt und war voller Bewunderung für den jungen Mann. Besonders unangenehm hat sie den Ausbruch von Gekicher beim Blick ins Bad gefunden. Konnte sie denn nicht still sein? Aber die Dame hatte keine Wahl gehabt. Das Mädchen war die Einzige, die die Samurai der Gegend bei einm Besuch in einer anderen Ortschaft zu Gesicht bekommen hatte. Tsuyoshi konnte sie allerdings nicht mit Sicherheit identifizieren. So steht Kimiko da wie am Anfang, nur mit einer peinlichen Szene mehr.
Sie fragt sich, ob der Krieger die Begegnung mit den Überlebenden des Banditenüberfalls, die sie vorgeschlagen hatte, verzögert oder verzögern möchte, um etwas zu verbergen.

Tsuyoshi

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« Antwort #12 am: 15.02.2018, 10:44:55 »
Bedächtig nickt der junge Ronin. Er versteht nur ansatzweise etwas von Tee – gerade genug, um sich nicht zu blamieren. Als Sohn armer Eltern hat er meist nicht viel Besseres getrunken als die Bauern. Die Frau vor ihm dagegen scheint bewandert zu sein. Ihre ganze Art zu sprechen deutet darauf hin, dass sie eine strenge Erziehung genossen haben muss. Er nimmt noch einen Schluck, stellte darauf die Schale präzise an ihren Platz zurück und schweigt einige Zeit. Dann erwidert er: "Habt Dank, ich werde vielleicht später auf Euer Angebot zurückkommen." Nach einem entsprechend würdevollen Nicken verfällt er wieder ins Nachdenken und fragt schließlich: "Ihr erzähltet mir von diesem Überfall, und dass es Überlebende gab. Wisst Ihr selbst noch mehr darüber? Ich hörte, es sei eine ganze Bande, und ihr Anführer soll ein merkwürdiger Kerl sein." Sorgfältig achtet er auf ihre Reaktion, während er sie durchdringend mustert. Einzig ein harter Zug, der sich tiefer um seine Lippen einkerbt, und seine rechte Hand, die sich kurz zur Faust ballt, passen nicht recht seinem scheinbaren Gleichmut.

Josei Kimiko

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« Antwort #13 am: 19.02.2018, 07:04:44 »
Erneut verzögert der junge Krieger die Begegnung mit den Überlebenden, indem er stattdessen sie selbst fragt, stellt Kimiko fest. So schnell wie möglich wägt sie ab, wie sehr sie sich selbst in Gefahr begeben würde, sollte sie ihr Wissen preisgeben und er wäre ein Späher der Räuber. Dann rafft sie sich auf. Äußerlich zeigt sich nur ein Zucken der Augenbrauen samt kurzem Kräuseln der Stirn. Dann fällt ihr die geballte Faust auf und anschließend der harte Zug. "Es ist ihm ernst, doch ist es wegen der möglichen Enttarnung oder dem Ruf der Pflicht, den er vernimmt?" Da sie droht, zu lange zu schweigen, entscheidet sie sich schließlich doch für den riskanten Weg.

Mit ernstem Gesicht antwortet sie: "Ich kann euch wiedergeben, was die überlebenden Flüchtlinge erzählt haben, doch kann ich mir vorstellen, dass ich im Gegensatz zu ihnen nicht alle Fragen beantworten kann." Sie faltet ihren Fächer und legt die Hände in den Schoß, so dass diese weiter zu sehen sind. Ihr Blick schweift ab, bevor sie ihn fast direkt in die Augen sieht - es wirkt eher, als würde sie seinen Mund beobachten. "Die Bande war groß genug, ein Dorf - kleiner als dieses - von der Umwelt abzuschneiden. Sie forderten alles an Lebensmitteln und die Dienstbarkeit der Kinder und jungen Frauen. Dafür hielten sie die anderen als Geiseln. Nach Einzug wurden ihrer Forderungen immer dreister und jeder Widerspruch mit Folter oder Tod bestraft, auch der Familienangehörigen. Jeder Fluchtversuch wurde bestraft, wenn derjenige selbst entkam, wurde die Strafe an seiner Familie ausgeführt. Bisher haben wir von keinem Hof oder Dorf gehört, dass nach einem Überfall dieser Männer am Ende noch existierte, selbst wenn es versuchte, alle Forderungen zu erfüllen." Ihre Stimme bleibt ruhig und sachlich, aber die Tonlosigkeit verrät, wie sehr sie ihre Emotionen heraushält. Als Dame und Mutter verängstigt die Aussicht, diesen Banditen ausgesetzt zu sein, sie fürchterlich. "Über den Anführer wird viel erzählt, aber es widerspricht sich auch. Er sei ein Dämon, sowohl in Kampfkraft als auch im Wesen. Er foltere und töte launenhaft und verbreite Terror. Vereinzelt sollen Bandenmitglieder eine Flucht versucht haben und bei Gefangennahme ein Schicksal erlebt haben, dass ich nicht widergeben kann. Andererseits hört man auch, dass sich der ein oder andere junge Mann von den Überfallenen angeschlossen hat, wohl in der Hoffnung, zu überleben..." In den letzten Worten klingt eine Spur Misstrauen mit, die verrät, dass die Dame durchaus wenig Illusionen ob der menschlichen Abgründe hat. Auch wenn ihr Blick leer wirkt, kann sich Tsuyoshi nicht des Eindrucks erwehren, dass sie seine Reaktionen haarscharf beobachtet.

Tsuyoshi

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #14 am: 22.02.2018, 09:59:37 »
Tsuyoshis Blick ist nachdenklich, als die Dame ihm berichtet. Seine Lippen bilden einen dünnen Strich, während seine Miene nach und nach finsterer wird. "Diese wertlosen..!" entfährt es ihm, ohne dass er den Satz zu Ende bringt. Offenbar beschämt über den Ausbruch, nimmt er einen Schluck Tee, ohne Kimiko anzusehen. Als er sich wieder unter Kontrolle hat, mustert er sein Gegenüber. Sie hat Angst, obwohl sie sich in bewundernswerter Weise beherrscht. "Eine schlimme Sache" meint der Ronin schließlich und fügt nach kurzem Zögern hinzu: "Ihr beweist großen Mut, Dame, da Ihr diesem Übel so unerschütterlich ins Auge blickt." Leicht neigt er den Kopf zu diesen Worten.

Dann scheint er nachzudenken, ehe er ihr langsam erwidert: "Es sind Bauern und Ehrlose, die einem solchen Banditen Gefolgschaft leisten. Die einen aus Gier, die anderen aus Dummheit – ein echter Samurai würde niemals seine  Ehre beschmutzen, indem er gegen Greise, Frauen und Kinder zieht, um ihnen ihre wenige Habe abzunehmen wie ein Straßenköter dem anderen!" Er macht eine heftige, wegwischende Handbewegung. Es ist ihm anzumerken, dass es sein Ehrgefühl verletzt, für einen gehalten zu werden, der sich mit List und Lüge gegenüber einer wehrlosen Frau in Vorteil zu setzen sucht. Seine Augen blitzen stolz, als er sich strafft. "Wer so handelt, wird auch als Straßenköter wiedergeboren werden" sagt er verächtlich.