Autor Thema: [Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt  (Gelesen 1025 mal)

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Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #15 am: 01.03.2018, 06:46:22 »
Tsuyoshis Ausbruch hat die Dame in nahezu jeder Hinsicht ignoriert, außer dass sie mit dem Fortfahren gewartet hatte, bis er sich gefangen hatte beziehungsweise zum Weitermachen aufforderte. Das Lob, so überaschend es auch für Josei Kimiko kommt, provoziert keine beschämte Reaktion. In diesem Punkt gewinnt entweder ihre Beherrschung oder die Ablenkung durch die besprochene Situation die Oberhand. So blickt sie ihn weiter an, doch etwas konzentriertes kehrt in ihre Augen ein. In kaum wahrnehmbarer Weise verzieht sich ihr Gesicht und man gewinnt den Eindruck, ein Schatten wäre darauf gefallen.

"Ich danke euch sehr für diese Worte, doch bin ich nicht unbetroffen im Anblick dieser Gefahr. Um sie angemessen zu adressieren hielt ich eine gefasste Darstellung für die richtige. Um eure Fragen zu beantworten und mit der Situation umzugehen, hilft keine Panik oder Verzweiflung." Trotz allem hat sich ein resigniert-lakonischer Ausdruck eingeschlichen.

Zu seinen weiteren Worten nickt sie zunächst nur bestätigend, In Gedanken analysiert sie sie bereits. Bei den ehrlosen Bauern und Straßenkötern überlegt sie, ob sie wohl selbst dazugezählt wird. Am Hofe ihres Mannes waren diese und schlimmere Vergleiche nicht selten aufgrund ihrer Herkunft. Dann wischt sie den Gedanken aber zur Seite, denn woher sollte der Mann diesen ihren empfindlichen Punkt kennen? Sollte er weiter eine Scharade spielen, hat sie keinen Fehler bemerken können und an irgendeinem Punkt würde er sicher einen machen, wenn er kein Samurai und ein Späher der Räuber wäre. So entschließt sie sich, noch etwas forscher zu werden, während ihre übliche Beherrschung wiederkehrt: "Da habt ihr sicher recht, doch verstehe ich nur wenig vom Geschäft der Männer. Um weitere Fragen zu beantworten oder eine Bestätigung zu erhalten, könnten die Flüchtlinge hereingerufen werden - so es euch genehm ist." Sie entfaltet ihren Fächer und nimmt wieder ihre Rolle als adelige Dame ein. Nur das ihre jetzige Sitzposition dies quasi mit dem jungen Krieger verbindet, so dass sie quasi gemeinsam residieren, mit ihr in hervorgehobener Position nach ihm.

Tsuyoshi

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #16 am: 01.03.2018, 13:53:56 »
Gemessen nickt der Ronin zu dem Geständnis Kimikos, nachdem er sich wieder beruhigt hat. Eine Dame vergibt sich nichts, wenn sie ihre Angst zugibt. Dennoch bewundernswert, wie gut sie diese unter Kontrolle zu haben scheint – Gleichmut im Angesicht der Gefahr ist eine Tugend, die wahrlich jeder Samurai zu schätzen weiß. "Ein weiser Standpunkt" sagt er ruhig. Dabei lässt er seinen Blick auf der Frau ruhen, denn dass sie mit irgendetwas hinter dem Berg hält, über etwas nachzudenken scheint, ist unschwer zu bemerken. "Kein Wissen über die Kriegskunst zu haben, ist für eine Dame kein Fehler" gibt er auf ihre Entschuldigung zurück. Ihm entgeht die Geste nicht, mit der sie sich in gewisser Weise zwischen ihm und neu hinzukommenden positioniert. Mit einem knappen Nicken gibt er sein Einverständnis und sagt: "Es wird interessant sein, zu hören, was sie zu berichten haben." Dann setzt er eine undurchdringliche Miene auf und erwartet die Ankunft der Flüchtlinge.

Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #17 am: 01.05.2018, 23:32:17 »
Kimiko senkt die Augen und nickt sanft: "Es wird geschehen, wie ihr es wünscht." Sie schließt geräuschvoll ihren Fächer, legt ihn mit einem Klacken auf dem Tischchen vor sich ab (ohne ihn loszulassen) und hebt ihn wieder. Nach dem Öffnen verbirgt sie ihr Gesicht wieder teilweise hinter dem Accessoire.
Das Signal ist offensichtlich erwartet worden, denn sogleich hört man leise Schritte, die sich schnell entfernen.

Kurz darauf eine Gruppe gedämpfter Schritte, die zurückkommen. Während drinnen sich die Stille langsam ausdehnt und Kimikos Augen kurz zum Raumeingang hinüberschnellen, kann man von draußen hektisch gezischtes Sprechen wahrnehmen. Als endlich Ruhe einkehrt, ertönt ein Klopfen. Mit Aufforderung wird die Tür aufgeschoben und die Besitzerin kniet mit gesenktem Kopf am Eingang. Hinter ihr hocken die beiden Jungendlichen, die Tsuyoshi im Eingangsbereich des Hauses überrascht hatte, jeweils mit einem Knie auf dem Boden und tief verneigt.

Erneut senkt sich Stille über die Anwesenden, bis Izumi anhebt: "Ihr wünscht die Überlebenden zu befragen." Dann dreht sie den Kopf und zischt die beiden hinter sich an, die sich endlich in Bewegung setzen. Sie hasten quasi nach vorne, ohne irgendwelche Form, und werfen sich mit unziemlich weitem Abstand vor dem Krieger auf den Boden, bis ihre Stirn denselben küsst. Einer stammelt "H-he-herrrr?", der andere zittert wie Espenlaub. Bei aller Beherrschung kann Kimiko ein leicht genervt-enttäuscht oder peinlich berührtes Augenrollen nicht unterdrücken. Als sie Tsuyoshis Blick bemerkt, weicht sie diesem aus und wendet sich stattdessen an die beiden Jugendlichen: "Shou, Ryu, ihr werdet Tsuyoshi-sama seine Fragen wahrheitsgemäß und kurz - ohne etwas zu verschweigen oder zu ergänzen - beantworten." Damit übergibt sie das Wort zurück an den jungen Herren. Eine Beruhigung, dass sie sicher währen, scheint sie nicht über ihn hinweg geben zu wollen. Der junge Krieger kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er genauso unter Beobachtung steht wie die beiden Jünglinge.
« Letzte Änderung: 06.05.2018, 06:54:33 von Josei Kimiko »

Tsuyoshi

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #18 am: 05.05.2018, 19:38:12 »
Eine Hand auf dem Knie, die andere auf halber Strecke zwischen der Teetasse und seinem Daisho, wartet der Ronin mit unbewegtem Gesicht. Zumindest bemüht er sich, Wissbegier und Ungeduld zu verbergen, die seiner Würde allzu sehr schaden könnten. Als die Shoji-Tür aufgleitet, wendet er nach einer genau bemessenen Pause den Kopf – der Rest seines Körpers bleibt unbewegt – mustert die Frau und die beiden Jungen und nickt ihnen kurz zu. Das reichlich ungeschickte Verhalten der beiden kommentiert er nicht. Keine der Frauen kann es ahnen, doch in dem jungen Samurai, der auf dem Land inmitten von Bauern aufgewachsen ist, wecken die Burschen eher eine Regung zum Grinsen denn den Wunsch, ihnen den Kopf abzuschlagen.

"Kommt her" fordert er sie schließlich auf. "Hierher!" Um deutlicher zu werden, weist er mit einer herrischen Geste dort auf den Boden, wo sie sich korrekterweise befinden müssten. Dann zieht er die Brauen zusammen. "Und schaut nicht wie erschrockene Schafe! Es will euch ja keiner etwas tun, ihr Tölpel." Nur ein kurzes Zucken des Mundwinkels verriete einem sehr scharfen Beobachter, dass ihn die Sache sogar ein wenig amüsiert. Rasch wird er jedoch wieder ernst, als die zwei sich beeilt haben, seinen Worten Folge zu leisten. Er lässt den Blick zwischen ihnen hin und her wandern, ehe er sagt: "Ich hörte, dass euer Dorf überfallen wurde. Erzählt mir, was sich zugetragen hat, und vor allem erzählt alles, was ihr über die Banditen wisst: Wie viele sind es, wie sind sie bewaffnet, und habt ihr den Anführer gesehen?"

Josei Kimiko

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #19 am: 06.05.2018, 09:26:18 »
Zunächst wie panisch gelähmt braucht es Tsuyoshis scharfen Ton, um die beiden Jungs nach vorne zu bringen. Eilfertig stolpern sie nach vorne und werfen sich erneut nieder. Ein kurzer Seitenblick wandert zur Josei Kimiko, die im moment nur Augen für den juingen Krieger hat. Hinter den beiden schließt die Besitzerin die Tür relativ leise und zieht sich zurück. Der Edeldame im Raum ist nicht anzumerken, ob sie das Amusement Tsuyoshis erkennt, aber sie begleitet seine Beruhigung mit einem Nicken.

Nach der Aufforderung wechseln die Shou und Ryu Blicke, bis der eine beginnt. Zunächst ist es zögerlich und stotternd, dann wird es flüssiger. Bald fällt auch der andere mit ins Wort, ergänzt und übernimmt Passagen. "Wir waren an dem Tag einer großen Spur gefolgt - Wir wollten nur wissen, was es ist! - und dabei sehr weit von unsererm Mura weggekommen. Es war erfolglos und wurde spät. Wir suchten was anderes, um etwas für unsere Fortbleiben vorzuweisen. So kamen wir in Dunkelheit und nach dem Abendessen zurück. Wir rannten, als uns klar wurde, dass das Feuer zu hell war. Das Haus unseres Schulzen brannte und die schrecklichen Männer hielten die anderen vom Löschen ab. Gegen den Flammenschein sahen wir sie schlecht, aber unsere Familien warern da, klagten und wurden ausgelacht. Einzelne lagen erschlagen noch wort, wo es geschehen war. Es hörte sich an, als wären welche in den Flammen gewesen. Sie schafften unser Vieh heran - es war erschlagen - und ließen es über dem Feuer braten. Es waren viele, fast so viele, wie vor dem Krieg in unserem Mura lebten. Den Anführer hörten wir nur, er schrie seine Leute zusammen, es wäre jemand fast entkommen. Er ließ sie gemeinsam mit den Angehörigen der Flüchtlinge quälen. Er verlangte zu wissen, ob alle Bewohner anwesend seien. Wer was falsches sagte, wurde geschlagen. Wir hörten es nur, konnten es übers Feuer nicht sehen. In Angst flohen wir, suchten Hilfe. Wir brauchten Tage bis hierher - quer durch die Wildnis, auf der Straße hatten sie Späher." Nachdem alles aus ihnen herausgesprudelt war, konnten sie die Tränen nicht zurückhalten. Sie hockten neidergeschlagen am Boden und trauten sich nicht , den Blick zu heben. Sie versuchten, ihre Schluchzer in den Griff zu bekommen.
Kimikos Blick wiederum hatte jeden Fokus verloren, auch wennsie sich regelrecht qualvoll aufrecht hielt.
« Letzte Änderung: 13.05.2018, 08:22:12 von Josei Kimiko »

Tsuyoshi

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[Szene 6] Ein tiefer Quell, der dem Felsen entspringt
« Antwort #20 am: 14.05.2018, 19:43:18 »
Der Blick Tsuyoshis wird immer finsterer, während er den gestammelten Bericht der Burschen anhört. Gelegentlich fordert er eine genauere Schilderung oder winkt ungeduldig ab, wenn sie sich in Details verlieren. Als die beiden geendet haben, starrt der Ronin vor sich hin. "Es scheinen viele zu sein" fasst er die üblen Nachrichten zusammen, um wütend zu murmeln: "Wie konnte sich das Pack so lange verborgen halten?!" Den zahlreichen Ashigaru und den Samurai des Kriegsherrn, die im Laufe der letzten Monate durch dies Gebiet zogen, können sie nicht aufgefallen sein, denn kein Daimyo würde Banditen auf seinem Boden dulden, die den Bauern rauben, was diese ihren Herrn abzuliefern haben. Schließlich sieht er auf und sagt zu den Dörflern: "Es ist gut, ihr könnt gehen."

Nachdem sie sich unter tiefen Verbeugungen schniefend zurückgezogen haben, wendet er sich Kimiko zu. "Der Bericht hört sich nicht gut an. Ich frage mich, wer der Mann ist, der sie anführt. Den Worten der Burschen nach muss er seine Männer durch Angst regieren. Dazu gehört viel, denn die Leute sind Grausamkeit und Tod gewöhnt in diesen Zeiten. Eine so große Rotte von Mördern und Räubern durch bloße Furcht zu kontrollieren..." Nachdenklich reibt er sich das Kinn. "Hat man denn hier in der Gegend gar nichts weiter über diesen Kerl gehört? Woher kommt er, wer ist er?" Vielleicht, kommt ihm in den Sinn, ein herrenloser Samurai – so widerwärtig der Gedanke auch ist, einen Mann seines Standes solch niederen Verhaltens für fähig zu halten.